Fixierung: Komplikationen und Alternativen

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moblo

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Ein freundliches Hallo an alle,
die sich für die Freiheit auch schwer beeinträchtigter Menschen einsetzen!

Auf besonders gravierende Komplikationen bei körpernaher Fixierung (Gurte etc.) wird inzwischen häufig hingewiesen. Zu viele Todesfälle hat es durch Strangulation etc. gegeben. Häufig sind die Folgen einer Fixierung, auch wenn sie nicht akut zum Tode führt und wenn sie lang andauert - gravierend. Der Nutzen ist oft gering. Wird z.B. bei herausfordendem Verhalten erst begonnen zu fixieren, gibt es später anscheinend oft keinen Ausweg mehr bis - ja bis der leidende Bewohner/Patient endlich verstirbt...

Folgen von Fixierung, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind - sogar bei jungen Heimbewohnern:
Körper: Dekubitus, Thrombose, Pneumonien, Obstipation, Funktionseinschränkungen der inneren Organe (Leber, Niere, Herz), Kraftminderung und Muskelabbau, Urin- und Stuhlinkontinenz, Harnwegsinfekte, Abszesse, Kontrakturen (Pfötchenstellung der Hände, Spitzfuß)/seelisch bedingte Spastik...), langfristig Osteoporose, vermutlich auch eine höheres Risiko, ein malignes neuroleptisches Syndrom zu erleiden (natürlich nur wenn Neuroleptika verabreicht werden).
Seele/Geist: Deprivation, Gefühl der „Erniedrigung“, Depressionen, Suizidneigung, psychischer Hospitalismus, zuerst verstärkte Aggressionen, später regressive Verhaltensweisen. Das Deprivationssyndrom kann sehr umfassend werden: Sprachverlust/Mutismus, Verlust sämtlicher Alltagskompetenzen (Essen und Trinken, Körperpflege, An- und Ausziehen, Stuhl- und Harnkontrolle, Mobilität…), Schlafstörungen, Verweigerung von Essen und Trinken, verstärkte Suizidneigung, dann Unfähigkeit sich noch irgendwie verständlich mitteilen zu können, geistiger Abbau (Gedächtnis, allgemeine Intelligenz).

Häufig wird parallel zur Fixierung zu stark wirksamen Medikamenten gegriffen (Neuroleptika, hochdosierte Sedativa), damit die Fixierung „erträglich“ wird. Das Schreien der verzweifelten Patienten
– zumindest in der Anfangsphase, wenn der Lebenswille noch stark ist - ist kaum erträglich. Auch die Gefahr plötzlich auftretender Aggressionen gegenüber dem Pflegepersonal ist nicht zu unterschätzen. Das Problem: Stark wirksame Medikamente verstärken häufig den geistigen Abbau, völliger Verlust der Fähigkeit zur Selbstkontrolle kann die Folge sein, ebenso komplexe posttraumatische Belastungsstörungen wie nach Folter (bis hin zur strukturellen Dissoziation).

Das Problem ist, dass die Folgen der Fixierung dann als zum Krankheitsbild gehörend interpretiert werden können. Der rechtliche Betreuer wird entsprechend "informiert", das Betreuungsgericht stimmt der weiteren Fixierung zu. Die Pflegestufe wird entsprechend bis auf III+ hochgesetzt. Doch: Schwere Verhaltensstörungen sind ein Alarmsignal! Fixierung ist keine Therapie für schwere Verhaltensstörungen!

Leider gibt es noch keine Verpflichtung, intensiv nach Alternativen zur Fixierung zu suchen und diese mit dem Betreffenden zu erproben. Trotzdem: Pflegende in Heimen sollten alle Möglichkeiten nutzen, um Fixierungen über 2 Stunden hinaus grundsätzlich abzuwenden. Der Werdenfelser Weg bzw. Redufix sind hinlänglich bekannt. Im Team sollte darauf gedrungen werden, sinnvolle Maßnahmen so schnell wie möglich voranzubringen. Wenn irgend möglich, sollten Heilpädagogen und Ergotherapeuten hinzugezogen werden und die Möglichkeit bekommen, regelmäßig und inidviduelle Beschäftigungsangebote zu machen.
  • Durch sorgfältige Verhaltensbeobachtungen können auch im Heim Auslöser für problematische Verhaltensweisen/Aggressionen beim Bewohner/Patienten gefunden werden.
  • Tagesstruktur und Tagesförderung sollte eingeführt bzw. intensiviert werden. Menschen brauchen Beschäftigung/Arbeit! Andere Musik- und Kunsttherapie, Bewegungsangebote, Ablenkung, Unterhaltung, Entspannungsmusik (Achtung: individueller Musikgeschmack), Ausfahrten nach draußen (frische Luft, Natur, andere Umgebung).
  • Grundsätzlich sollte versucht werden, dem Bewohner/Patienten als Sprachrohr zu dienen („Manchmal ist es schwer, etwas….) zu trösten und zu beruhigen („Ich bin da“…).
  • In solchen Phasen ist beruhigende liebevolle Unterstützung wichtiger als die Einhaltung von Regeln (Disziplin).
  • Kontaktstörungen, Stereotypien, schaukelnde Körperbewegungen, Schwierigkeiten beim Wechsel von Routinen, hohe sensorische Empfindlichkeit (Hypersensibilität), Selbstverletzungen oder Impulsdurchbrüche können auf Autismus hinweisen. Entsprechende Diagnostik kann auch noch bei Erwachsenen durchgeführt werden. Autismus-Spektrum-Störungen wurden früher selten erkannt.
  • Es muss vermieden werden, Störungen allzu schnell als Folge eines Hirnorganisches Psychosyndroms (HOPS) oder psychotische Störungen abzutun. Letztere können ihre Ursache in komplexer Traumatisierung und Vernachlässigung/Misshandlung haben. Solche „Psychosen“ verschwinden oft überraschend schnell, wenn sichadäquat gekümmert wird.
  • Selbstverständlich ist alles zu unterlassen, was den Bewohner/Patienten zusätzlich isoliert (Wegsperren, „Time-Out“ ohne Begleitung und ohne entsprechende Kommunikation)
  • Auch ein grundlegender Wechsel der Umgebung (Heimwechsel, Wechsel der Station) sollte in Betracht gezogen werden.
  • Grundsätzlich sollten körperliche Ursachen problematischer Verhaltensweisen sorgfältig abgeklärt werden. Es gibt einige Fachkrankenhäuser,um Patienten mit schweren Verhaltensstörungen zu behandeln, z.B. bei geistig behinderten Menschen. Das bekannteste dürfte das Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin sein.
Insgesamt ist somit zu fragen, warum überhaupt langfristig körpernah fixiert wird!?
Geld und Macht dürften doch hoffentlich keine Rolle spielen? _______________________________________________________________________________

Was tun, wenn Fixierungen über lange Zeit stattfinden?
Bisher gibt es kaum Möglichkeiten, bei lang anhaltenden Fixierungen einzugreifen, wenn es der rechtliche Betreuer nicht tut. Inzwischen achten Pflegedienstleitungen sorgfältig darauf, dass FeM rechtlich korrekt durchgeführt werden. Das bedeutet allerdings häufig, dass immer wieder derselbe Arzt, derselbe Richter und derselbe Betreuer über die Fortsetzung der Fixierung entscheiden. Letztere meist ohne umfassende medizinische, psychiatrische und psychologische Kenntnisse und häufig unter Zeitdruck. Auch Heimaufsicht, Betreuungsstelle, MDK/Pflegekasse und weitere Kostenträger sind selten bereit bzw. rechtlich nicht befugt, gegen langfristige Fixierungen vorzugehen. So können nach meinem Kenntnisstand
Fixierungen bis zu zwei Jahren ununterbrochen durchgeführt werden, wenn der Bewohner/Patient dann noch lebt.
Bei Menschen, denen die Geschäftsfähigkeit aberkannt wurde (und unter Betreuung in allen Angelegenheiten stehen), kann auch kein Rechtsanwalt hinzugezogen werden, um die Beendigung der Fixierung zu erreichen. Solche Bewohner/Patienten befinden sich in einer völlig rechtlosen Lage, auch die Angehörigen oder Freunde müssen hilflos zuschauen. Ich bin überzeugt, dass dieses Procedere einem modernen Rechtsstaat nicht angemessen ist!
Ich bemühe mich zurzeit um Kontakt zum BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte), zum Gesundheitsministerium in Berlin und zu weiteren Stellen besonders in Niedersachsen, um die Sach- und Rechtslage bez. langfristig durchgeführter körpernaher Fixierungen zu klären. Hilfreich wären wissenschaftlich Belege oder wenigstens Erfahrungsberichte, dass körpernahe Fixierungen zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden geführt haben. Firmen wie Segufix usw. sollen dann verpflichtet werden, entsprechende Warnhinweise auf ihre Materialien zu drucken. Es gibt eben nicht nur die Gefahr von Strangulationen... .

Bitte unterstützen Sie mein Anliegen,
• dass Pflege entsprechend Redufix/Werdenfelser Weg als Standard in der Pflege bei Sturzgefährdungen wie auch bei herausforderndem Verhalten durchgesetzt und auch von Amtsgerichten akzeptiert bzw. gefordert wird
• dass auch bei Verhaltensstörungen, die zu Fremd- und Selbstaggressionen führen, sorgfältig nach Ursachen geforscht und verbindliche Leitlinien zur Vermeidung von Fixierung entwickelt werden
• dass genügend unabhängige VerfahrenspflegerInnen aus dem pflegerischen oder heilpädagogischen Bereich ausgebildet und bezahlt werden, die entsprechend beratend tätig werden
• dass die Möglichkeit eingeräumt wird, dass auch Angehörige und Freunde den Rechtsweg beschreiten können, um Bewohnern/Patienten, die unter anhaltender Fixierung leiden, wieder zu einem lebenswerten Leben zu verhelfen.
_______________________________________________________________

Einen Erfahrungsbericht zum Thema finden Sie unter "Fallstudie: Vergessener Patient" www.vfp.de/verband/.../alle.../658-fallstudie-vergessener-patient.html

Der betroffene Heimbewohner hat nach dem gerade noch rechtzeitig durchgeführten Heimwechsel innerhalb von 4 Monaten alle Alltagskompetenzen zurückgewonnen und konnte von Pflegestufe III+ in Pflegestufe I zurückgestuft werden. Er darf wieder leben!
Die Verlegung war nur möglich, weil sich mehrere Menschen über Monate hinweg engagiert haben und ein Fernsehsender den Fall aufgegriffen hat (report münchen 24.02.2015)
 
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Keßler

Ein Kernproblem ist, dass Bewohner/Patienten in der stationären oder ambulanten Pflege keinen zeitnahen oder garkeinen Zugang zu kompetenten Psychologen/Psychatern/Therapeuten haben.
1.) Die machen keine Hausbesuche.
2.) Einen Termin in der Praxis bekommt man nicht vor 3 Monaten.
3.) Wie soll man den Bewohner/Patienten inkl. Bett&Fixierung in die Praxis bugsieren ???
Traurig, aber Stand der Dinge. (Zumindest in unserer Gegend)
 
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resigniert

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der HA könnte einen Platz in der Gerontopsychiatrie besorgen, ist zu händeln wie eine KRH - Einweisung wg. z.B Exsiccose :D
 
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fetzmaus

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Die Krankenhauseinweisung ist natürlich immer das Beste...Was soll sich damit verändern?Es kommt natürlich immer auf die Ursache der Unruhe/des Erregungszustandes an, aber genau daran ändert eine Krankenhauseinweisung in vielen Fällen nichts...
 
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moblo

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Hallo,
in meinem Artikel in Freie Psychotherapie "Fallstudie: Vergessener Patient", ist zu lesen, dass eine Gerontopsychiatrie für eine 34-jährigen Mann auch keine brauchbare Umgebung ist. Für Menschen bis mindestens 65-70 J. braucht es Beschäftigung, Arbeit, Bewegung, frische Luft, Natur... und individuelle Zuwendung. Wenn Spezialstationen, dann bitte solche, die ausreichend finanziert sind und dem Patienten Zeit lassen sich umzuorientieren, um wieder auf einen guten Weg zu kommen. Auch mit Autisten oder anderen Menschen mit Intelligenzminderung kann psychotherapeutisch/heilpädagogisch gearbeitet werden.
Neurologen und Psychiater sind nicht unbedingt hilfreicher als ein engagierter Heilpädagoge.
In "meinem" Fall hat auch der Hausarzt keine gute Figur gemacht. Er wollte sich noch nicht einmal für einen Leichtrollstuhl oder eine Schiebehilfe für einen schweren Pflegerollstuhl einsetzen. Zuvor hat er auch nur das Heil in noch mehr und stärkeren Medikamenten (Neuroleptika) gesehen.
Das Hauptproblem sind allerdings rechtliche Betreuer, die ungefragt alle "Therapiemaßnahmen" wie Sedierung und Fixierung hinnehmen.

Es würde natürlich helfen, wenn auch Niedersachsen (wo sich das Drama abgespielt hat) den Mut zu dem Aufruf hätte: "Fixierungen zu vermeiden!"
 
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resigniert

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Die Krankenhauseinweisung ist natürlich immer das Beste...Was soll sich damit verändern?Es kommt natürlich immer auf die Ursache der Unruhe/des Erregungszustandes an, aber genau daran ändert eine Krankenhauseinweisung in vielen Fällen nichts...
Einweisung in eine Gerontopsychiatrie schrieb ich. dort wird Pat. von Psychiatern untersucht und eingestellt. Es ist wie eine normale Einweisung wegen z.B Exsiccose in ein Krankenhaus - also machbar!
Allerdings braucht es eben eine Einweisung, möglichst mit einem vorhergehendem Gespräch HA - Psychiatrie
Wird bei uns zum Wohle des Patienten häufig gemacht
 
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Keßler

@moblo :
Wie - zum Kuckuck - sollen "rechtliche Betreuer" wissen, was für den Patienten/Bewohner hilfreich bzw. zulässig ist ?
Was so alles als "amtlich bestellter Betreuer" herumläuft ---- würde ich nicht einmal zum Zigarettenholen schicken :
Fällt hin und verbiegt das FünfMarkStück !
Auch eine Baustelle, die man überdenken sollte.
 
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moblo

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Einweisung in eine Gerontopsychiatrie schrieb ich. dort wird Pat. von Psychiatern untersucht und eingestellt. Es ist wie eine normale Einweisung wegen z.B Exsiccose in ein Krankenhaus - also machbar!
Allerdings braucht es eben eine Einweisung, möglichst mit einem vorhergehendem Gespräch HA - Psychiatrie
Wird bei uns zum Wohle des Patienten häufig gemacht
Hallo "resigniert",

wahrscheinlich reden wir ein bisschen aneinander vorbei.
Die Gerontopsychiatrie ist für Menschen etwa ab 60 J. . Geistig Behinderte oder besser Menschen mit Intelligenzminderung haben häufig schon viel früher Verhaltensstörungen - eben weil sie nicht gut gefördert werden, falsch diagnostiziert worden sind, geeignetes Pflegepersonal fehlt, die Familie nichts von ihnen wissen möchte, sie eben kein einfaches Leben hatten und haben usw. Dagegen helfen keine Psychiater, Neurologen und keine hochdosierten Neuroleptika/Sedativa... . Eine Krankenhauseinweisung bringt vielleicht für einige Tage Abwechslung, der/die Betreffende beruhigt sich, ist unkomplizierter..., wird wieder entlassen und die Abwärtsspirale kommt endgültig in Gang.
Mit einer Einweisung in ein x-beliebiges Krankenhaus oder in eine Gerontopsychiatrie ist aber das Problem der jungen Leute, dass ihnen eine altersentsprechende und zugewandte Umgebung fehlt, nicht gelöst. Heim- und Pflegedienstleitungen, Haus- und Fachärzte müssen erst einmal erkennen, dass diese "gestört" sind, weil sie so verzweifelt sind, dass sie wegen ihres Verhaltens anscheinend nur noch fixiert und sediert am Leben gehalten werden können.
Es braucht Einrichtungen, die bereit sind schwer gestörte Menschen aufzunehmen und bereit sind, ihnen neue Perspektiven zu geben.
Es wird viel von Inklusion gesprochen, doch davon scheinen nur leicht erkrankte und leicht Behinderte zu profitieren... .
 
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moblo

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@moblo :
Wie - zum Kuckuck - sollen "rechtliche Betreuer" wissen, was für den Patienten/Bewohner hilfreich bzw. zulässig ist ?
Was so alles als "amtlich bestellter Betreuer" herumläuft ---- würde ich nicht einmal zum Zigarettenholen schicken :
Fällt hin und verbiegt das FünfMarkStück !
Auch eine Baustelle, die man überdenken sollte.
@moblo :
Wie - zum Kuckuck - sollen "rechtliche Betreuer" wissen, was für den Patienten/Bewohner hilfreich bzw. zulässig ist ?
Was so alles als "amtlich bestellter Betreuer" herumläuft ---- würde ich nicht einmal zum Zigarettenholen schicken :
Fällt hin und verbiegt das FünfMarkStück !
Auch eine Baustelle, die man überdenken sollte.
Hallo!
Rechtliche Betreuer haben auf Grund der üblichen Vorbildung meist nur die rechtlichen Aspekte im Auge: Liegt Fremd- oder Selbstgefährdung vor? Wurde die Fixierung ordnungsgemäß durchgeführt? Ist alles ausreichend dokumentiert?
Eine therapeutische Grundausbildung liegt anders wie bei mir, normalerweise nicht vor. Die Bereitschaft, einfache Sprache, regelmäßig auch auf "schwierige" Betreute zuzugehen und regelmäßig im Kontakt zu bleiben, ist bei rechtlichen Betreuern nicht zu erwarten. Aus der Ferne können schwierige Entscheidungen viel leichter gefällt werden. Menschen mit guter breit gefächerter Ausbildung und längerer Berufserfahrung gibt es nicht allzu oft und wenn, warum sollten sie im schlecht bezahlten Beruf als BerufsbetreuerIn arbeiten? Behinderte und schwer psychisch Erkrankte haben kaum nennenswertes Einkommen und die staatlich zugestandenen Stunden (z.B. 2 Std. monatlich/je 44,00 € decken kaum die Büro - und Fahrtkosten).
Ein positiver Aufgabenkatalog fehlt. Was muss ein rechtlicher Betreuer wirklich für den betreuten tun? Ausrede: Jeder Fall läge anders. Man könne noch nicht einmal vorschreiben, dass ein Betreuer einmal monatlich bei seinem Betreuten vorbeischauen müsse.
Deshalb: Es braucht schon viel Engagement, als rechtliche Betreuerin für Menschen mit Mehrfachbehinderung zu arbeiten.
 
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@moblo, mit Post #9 hast du absolut recht
 
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Das Kernproblem ist doch, dass die Rechtssprechung vom zuständigen Amtsgericht abhängig ist. Manche Amtsrichter sind diesbezüglich sehr streng und andere sehr lax und wollen damit nicht "belästigt" werden. Per se eine Fixierung zu verteufeln, halte ich für verkehrt, da es hierfür auch berechtigte Indikationen existieren. Insgesamt muss ich feststellen, dass die "körperliche" Fixierung weniger wird, dafür aber die Medikamentöse zunimmt. Jedoch nimmt auch die "normal" Bevölkerung immer mehr Psychopharmaka ein...

Jedoch muss man zur Bewertung der Problematik nicht nur den Patienten sonder das gesamte System zu grunde legen und was wir bereit sind dafür auszugeben. Ich persönlich distanziere mich ebenfalls von einer Pflegeversicherung die irgendwann das Niveau der Krankenkassensätze hat - dann lohnt sich das Arbeiten nicht mehr. Und Soliddarität bedeutet, dass man selber auch die gleiche Absicherung erhält, was jedoch aktuell sehr fraglich ist (Stichwort: Rente, BU, Kassenleistung usw.)

Das System steht aus meiner Sicht vor dem Kollaps. Mittlerweile freue ich mich insgeheim ein bißchen darauf, weil dann der politische Druck wächst und sich damit vielleicht etwas ändert.

Weiterhin müsste der Leistungsmißbrauch in der Pflege stärker bekämpft werden. Gerade im ambulanten oder häuslichen Bereich ist der Mißbrauch stark verbreitet. Wie oft hat der Pflegedienst im Rahmen des Eintsufungsmanagement eine höhere Pflegestufe durchgeboxt und aufeinmal braucht der Patient keine Hilfe mehr und die Tochter macht jetzt alles. Nicht nur die Einrichtungen sind immer die Bösen...

Zurück zum Topic

Laut unserem Justiziar:

Eine Überprüfung der Notwendigkeit einer Fixierung hat per Gesetz immer zu erfolgen und eine richterliche Einwilligung bei Fixierung (außer innerhalb der Notfallkompetenz) muss immer vorliegen- auch wenn man damit "nicht die Freiheit einschränkt".
 
Zuletzt bearbeitet:
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TQM Auditor, Gutachter, Wundspezialist, DCM, exam Krpfl. etc.
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Keßler

Danke moblo !

Über die (offiziellen) Bezüge eines Berufsbetreuers war ich bislang nicht orientiert.
Meine persönlichen Erfahrungen mit charakterlich ungeeigneten und fachlich unqualifizierten
Herrschaften gehören :
1.) nicht verallgemeinert und
2.) nicht hierher.
 
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moblo

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Hallo,
ich freue mich, dass sowohl das Thema Fixierung von Patienten bzw. HeimbewohnerInnen wie auch die Qualität des Betreuungswesen hier wie auch auf politischer Ebene diskutiert werden.
Da nicht alles deutlich wurde: Auch ich gehe davon aus, dass manchmal fixiert werden muss (nicht nur nach OP's). Doch warum bleibt/lebt/leidet ein BW monatelang unter denselben misslichen Umständen? Warum kann ein Beschluss zur Fixierung immer wieder verlängert werden ohne dass ein Krankenhausaufenthalt/Spezialstation (z.B. HEK Berlin), Heimwechsel, regelmäßige Physio- und Ergotherapie durchgeführt werden? Warum muss sich ein rechtlicher Betreuer nicht um Alternativen für Fixierung kümmern, Kontakt zu Freunden oder Angehörigen des BW aufnehmen, um vielleicht auch von dieser Seite her notwendige Zusatzinformationen zu bekommen? Warum haben Versicherungen, Banken usw. Ombudsleute, aber schwer Behinderte Menschen nicht? Behindertenbeauftragte arbeiten im Wesentlichen für solche Behinderte, die am Arbeitsleben teilhaben können/möchten. Sie haben keine Akteneinsicht, haben keinerlei Weisungsbefugnis...
Übrigens: Bei Menschen, die unter rechtlicher Betreuung in allen Angelegenheiten stehen, darf auch ein Arzt nicht einfach eine Krankenhauseinweisung durchsetzen. Der Betreuer steht in diesem Fall über dem Arzt, obwohl er keinerlei medizinische oder heilpädagogische oder psychotherapeutische Vorbildung haben muss.
Es braucht unbedingt bei langandauernden Fixierungen Verfahrenspfleger, die nicht nur nach Schema F mit entscheiden, sondern eine entsprechend umfangreiche Vorbildung haben und sich über den Fall informieren, mit dem Patienten in Kontakt treten... . Erst dann - find ich -, ist der Rechtstaatlichkeit Genüge geleistet worden.
Also Augen auf und einmischen... . Auch schwer beeinträchtigte Menschen haben ein Recht auf Lebensqualität.
In dem aufgeführten Fall gabe es nach 2 Jahren Bemühungen einen Betreuerwechsel, einen Heimwechsel und der BW konnte von Pflegestufe III+ in 4 Monaten in Pflegestufe I zurückgestuft werden.
Ich wünsche ihm weiterhin alles Gute!
 
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Musik- und Entspannungstherapeutin
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ms-sophie

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Hallo

das Thema freiheitsentziehende Maßnahmen ist schon länger ein Steckenpferd von mir. Deshalb habe ich auch die beiden Amtsrichter, die in unsere Einrichtungen kommen zum Werdenfelser Weg angesprochen. Dieser war ihnen nicht bekannt. ich habe ihnen also Infomaterial zukommen lassen. Leider kam auch dann keine Rückmeldung. Ich habe ihn vielen Jahren leider noch nicht einmal erlebt, dass ein Antrag abgelehnt wurde, geschweige denn dass nach Alternativen gefragt wurde, LEIDER! Scheinbar war Ihnen auch nicht bekannt wie viele Verletzungen respektive Todesfälle durch FEM entstehen. Schade.

Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass es häufig auf die Mitarbeiter und Leitungskräfte in Einrichtungen ankommt, wie mit diesem Thema umgegangen wird.

Gleichzeitig bemerke auch ich einen Zunahme an Psychopharmaka und frage mich ob wir von mechanischer Fixierung wegkommen hin zu chemischer und gleichzeitig keine neue Umgang mit Klienten.

sophie
 
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moblo

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Hallo Sophie,
ich hatte im letzten Jahr das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wegen aus meiner Sicht unzureichenden Warnhinweisen
bei Fixiersystemen wie von der Fa. Segufix angeschrieben. Langandauernde Fixierungen ( in einem mir nur grob bekannten Fall 7 J./ in "meinem" Fall 2 Jahre führen zu massiven Folgeschäden, die Lebensgefahr nach sich ziehen können.
Das BfArM antwortete nach vielem Hin und Her sinngemäß, weitere Warnhinweise würden das Risiko nicht verringern... .
Kennen Sie konkret Fälle, wo es auch zu lebensbedrohlichen Situationen gekommen ist - dabei meine ich nicht die akuten Fälle bei Strangulation. diese sind bekannt und dürften zu veränderter anwendung geführt haben. Ich meine ausdrücklich die FEM/Fixierung bei dementen, verhaltensauffälligen Menschen, sei es infolge psychischer und/oder geistiger Beeinträchtigungen.
Arbeiten sie in einem solchen Bereich?
Es wäre gut, das BfArM oder auch die oberste Sozialbehörde des Bundeslandes oder das BM für Soziales usw. über solche Fälle zu informieren und immer wieder zu fordern:
Beschränkung von Fixierung auf 2 Std. pro Tag usw.
Hier die Adresse:
BfArM - Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
53175 Bonn, Germany
[email protected]
Die Verabreichung hoher Dosen sedierender Neuroleptika und Sedativa sind ein weiterer Skandal.
Mir tun die Menschen einfach leid. Auch in "meinem" Fall hatte es so ja angefangen - ohne zu berücksichtigen, dass Menschen mit autistischen Zügen, SHT, Geistigbehinderte oftmals paradox auf solche Medikamente reagieren und alles nur noch schlimmer wird.
Manchmal glaube ich, die Neurologie und Psychiatrie hat sich in diesen Bereichen massiv zurückentwickelt. Weg von Zuwendung, Dialog,
Beschäftigung usw. hin zu FEM, wobei es bei Neuroleptika dann noch nicht einmal ehrlich beannt und beantragt wird.

Viele Grüße aus einem Pflegenotstandsgebiet
moblo
 
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nattvakt

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Ich denke, das Problem bei vielen Fixierungen ist der Personalengpass in vielen Einrichtungen. Bei uns ist immer häufiger eine Fachkraft für 8-10 !!! Bewohner mit herausforderndem Verhalten und psychiatrischen Diagnosen, wie bipolare Störungen, Borderline etc. für mehrere Stunden ALLEINE auf der Wohngruppe, Sie hat noch einen "Notfallpieper", aber wenn Sie Pech hat, ist auf den anderen beiden Gruppen auch nur jeweils eine Fachkraft vor Ort.
Bei diesem Personalnotstand ist es auch kaum möglich die Bewohner zu beschäftigen, Therapeuten sind zwar im Haus, die Arbeiten aber nicht am Bewohner, keine Ahnung was deren Aufgaben sind...
 
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päd. Fachkraft
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Kinder/Jugendliche
Weiterbildungen
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Manegger

Manegger

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Hallo zusammen,
ist das Thema noch "heiß"? Was hat "moblo" erreicht? Ich habe heute nach der Gebrauchsanleitung Segufix gegoogelt und bin dann hier gelandet. Ich musste leider feststellen, dass hier aber ganz gehörig mit Halb- und Unwissen um sich geschmissen wird.
1. BfArM: Ist keine Behörde, die etwas gegen Fixierungen machen kann sondern sicherstellen soll, dass Medizinprodukte (wie z.B. Fixiergurte) sicher anzuwenden sind und auch bestimmungsgemäß funktionieren!
2. Grundlage jeder Fixierung ist bzw. Unterbringung gegen den Willen ist § 1906 Genehmigung des Betreuungsgerichts bei freiheitsentziehender Unterbringung und bei freiheitsentziehenden Maßnahmen
Die unter 2 genannten Punkte sind vollständig zu erfüllen.
Das bedeutet auch: Ein Hausarzt/Stationsarzt/Betreuer/ kann KEINE Fixierung genehmigen! Wenn er es doch tut ist dies rechtlich nicht zulässig.
Warum wird es dann doch getan? Aus Unwissenheit derer die das tun und derer, die mit den Folgen arbeiten müssen! Das trifft aber auch auf Richter zu, die sich nicht mit der Materie auskennen.
Ich finde es sehr bedenklich, wenn "moblo" schreibt, er kenne den Werdenfelser Weg. Mag ja sein, aber nur die Überschrift lesen reicht nicht. Bei der Anwendung des Werdenfelser Weg wird konkret nachgefragt, welche Massnahmen getroffen werden und welche Hilfsmittel helfen könnten, eine Fixierung zu vermeiden.
3. Ausgebildete Verfahrenspfleger tun genau das was ich im letzten Satz beschrieben habe. Psychiatrische Einrichtungen und große Pflegeheime und Krankenhäuser täten gut daran, Mitarbeiter diesbezüglich zu schulen.
4. Warum tut eigentlich keiner was? Diesen "Ton" höre ich aus moblo´s und anderen Meinungen. Das ist ganz einfach: Wo kein Kläger da kein Richter. Wenn du nicht selber, also du als Pflegekraft, Betreuer oder Angehöriger sagst, du möchtest das von einem Richter prüfen lassen, tut es keiner! Eine mechanische (mittels Gurte) Fixierung muss beim Richter angezeigt werden, der hat dann zu prüfen. Das gilt aber genauso (§§ 1906 macht da keinen Unterschied) für chemische Fixierungen! Nur anzeigen tut sie weder Arzt, noch Pfleger, noch Betreuer. Laut Hr. Kirsch (Werdenfelser Weg) wird er sich mit seinen Kollegen nun zu Prüfungen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen begeben und dort einfach mal prüfen.
5. Maßnahmen Und Informationen zum Werdenfelser Weg findet ihr hier: Werdenfelser Weg – Das Original
6. Und das ist vielleicht meine größte Erkenntnis, die ich vor kurzem in Garmisch-Patenkirchen erfuhr ist: moblo sprach von Menschen die "jünger" sind. Vielleicht sogar von Kindern und Jugendlichen? Falls ja, da gab es eine Ausnahme: Hier reichte eine EINMALIGE Genehmigung der Eltern/Betreuer um den Bewohner/Patienten ohne Prüfung jahrelang zu fixieren. Dies ist mittlerweile nicht mehr so. Gott sei Dank!
 
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Dipl.Pflegewirt
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moblo

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Hallo zusammen,
ist das Thema noch "heiß"? Was hat "moblo" erreicht? Ich habe heute nach der Gebrauchsanleitung Segufix gegoogelt und bin dann hier gelandet. Ich musste leider feststellen, dass hier aber ganz gehörig mit Halb- und Unwissen um sich geschmissen wird.
1. BfArM: Ist keine Behörde, die etwas gegen Fixierungen machen kann sondern sicherstellen soll, dass Medizinprodukte (wie z.B. Fixiergurte) sicher anzuwenden sind und auch bestimmungsgemäß funktionieren!
2. Grundlage jeder Fixierung ist bzw. Unterbringung gegen den Willen ist § 1906 Genehmigung des Betreuungsgerichts bei freiheitsentziehender Unterbringung und bei freiheitsentziehenden Maßnahmen
Die unter 2 genannten Punkte sind vollständig zu erfüllen.
Das bedeutet auch: Ein Hausarzt/Stationsarzt/Betreuer/ kann KEINE Fixierung genehmigen! Wenn er es doch tut ist dies rechtlich nicht zulässig.
Warum wird es dann doch getan? Aus Unwissenheit derer die das tun und derer, die mit den Folgen arbeiten müssen! Das trifft aber auch auf Richter zu, die sich nicht mit der Materie auskennen.
Ich finde es sehr bedenklich, wenn "moblo" schreibt, er kenne den Werdenfelser Weg. Mag ja sein, aber nur die Überschrift lesen reicht nicht. Bei der Anwendung des Werdenfelser Weg wird konkret nachgefragt, welche Massnahmen getroffen werden und welche Hilfsmittel helfen könnten, eine Fixierung zu vermeiden.
3. Ausgebildete Verfahrenspfleger tun genau das was ich im letzten Satz beschrieben habe. Psychiatrische Einrichtungen und große Pflegeheime und Krankenhäuser täten gut daran, Mitarbeiter diesbezüglich zu schulen.
4. Warum tut eigentlich keiner was? Diesen "Ton" höre ich aus moblo´s und anderen Meinungen. Das ist ganz einfach: Wo kein Kläger da kein Richter. Wenn du nicht selber, also du als Pflegekraft, Betreuer oder Angehöriger sagst, du möchtest das von einem Richter prüfen lassen, tut es keiner! Eine mechanische (mittels Gurte) Fixierung muss beim Richter angezeigt werden, der hat dann zu prüfen. Das gilt aber genauso (§§ 1906 macht da keinen Unterschied) für chemische Fixierungen! Nur anzeigen tut sie weder Arzt, noch Pfleger, noch Betreuer. Laut Hr. Kirsch (Werdenfelser Weg) wird er sich mit seinen Kollegen nun zu Prüfungen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen begeben und dort einfach mal prüfen.
5. Maßnahmen Und Informationen zum Werdenfelser Weg findet ihr hier: Werdenfelser Weg – Das Original
6. Und das ist vielleicht meine größte Erkenntnis, die ich vor kurzem in Garmisch-Patenkirchen erfuhr ist: moblo sprach von Menschen die "jünger" sind. Vielleicht sogar von Kindern und Jugendlichen? Falls ja, da gab es eine Ausnahme: Hier reichte eine EINMALIGE Genehmigung der Eltern/Betreuer um den Bewohner/Patienten ohne Prüfung jahrelang zu fixieren. Dies ist mittlerweile nicht mehr so. Gott sei Dank!
 
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Hallo Managger,
erstmal freue ich mich einen freundlichen Umgang miteinander. Schließlich posten wir üblicherweise in der Freizeit und arbeiten nach bestem Gewissen, sind aber natürlich nicht perfekt.
Das Problem rund um das BfArM. Sie gehen davon aus, dass körpernahe Fixierungen, z.B. mit Segufix, nicht schädlich sind, wenn sie ordnungsgemäß durchgeführt werden. Ob das regelmäßig der Fall ist, bleibt dahin gestellt. Es gibt auch keine andere Behörde, die den Umgang mit solchen Fixierungen grundsätzlich in Frage stellt oder dafür sorgt, dass alle Pflegekräfte, Betreuer, Ärzte und Richter darüber informiert werden, dass Fixierungen als solche, wenn sie über Stunden, Tage, Monate, Jahre hinweg immer wieder oder ununterbrochen durchgeführt werden, schwere und schwerste Folgen für die Betroffenen mit sich bringen. Wenn diese Schulung bzw. gründliche Information unterbleibt, werden Fixierungen in manchen Einrichtungen eingesetzt bzw. genehmigt, ohne die Folgen für die Betroffenen zu berücksichtigen. Ich habe durch den Bericht über "meinen Fall M. S." versucht, diverse Institutionen auf die Problematik aufmerksam zu machen. Fixierungen werden, wie auch der Fall Michael Perez aufzeigt, hin und wieder auch aus disziplinarischen Gründen oder zur vermeintlichen Therapie von Verhaltensstörungen eingesetzt. In welcher Weise M.S. fixiert wurde, habe ich dokumentiert. Diese Fixierungen sind über längere Zeit tags und nachts durchgeführt worde, später "nur" tagsüber. Gleichzeitig wurde medikamentös sediert, weil nur so eine Fixierung bei jüngeren noch einigermaßen gesunden Patienten auf Dauer durchzusetzen ist. Ein weiteres Problem ist, dass sich jeder auf den anderen beruft. In diesem Fall die Ärztin auf die Pflegekräfte, der rechtliche Betreuer auf die Ärztin, der Richter auf den Betreuer, der Verfahrenspfleger auf den Richter und schließlich berufen sich die Pflegekräfte wieder auf die Genehmigung... . Der Verfahrenspfleger wiederum agiert i.A. so, wie es bei einer Revision vor Gericht ablaufen würde: Nur Fehler im Verfahren führen zu einer Änderung der ursprünglichen Entscheidung. Betroffene, meist faktisch rechtlose Insassen von forensischen Psychiatrien oder psychiatrischen Pflegeheimen, haben niemand auf ihrer Seite, der gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen kann oder durchsetzen könnte. Im Fall Michael Perez kommt noch Isolation in einem völlig reizlosen weißen Bunker hinzu und jede Gegenreaktion gegen diese unmenschliche Unterbringung führt zu weiteren Fixierungen, zu Zwangsmedikation und Verlängerung der Unterbringung nach PsychKG. Die einzige Chance, aus einer solchen Situation wieder befreit werden zu können, besteht m.E. in der Schaffung von Öffentlichkeit und unermüdlichem Engagement von Ehrenamtlichen oder auch der eigenen Familie. "Mein Fall" wurde durch report münchen (ZDF) öffentlich, der rechtliche Betreuer trat zurück, der neue Betreuer bemühte sich um einen persönlichen Kontakt zu dem Betroffenen, qualifizierte Pflegekräfte wurden eingestellt, die Station renoviert und freundlicher gestaltet. Zum Glück wurde mir der Kontakt zu dem psychisch kranken und geistig behinderten Menschen nicht gänzlich verwehrt. Ich bekam ihn einmal pro Woche im Pflegerollstuhl wie ein Bündel zusammengeschnürt an die Straße gestellt, durfte ihn auf eigene Verantwortung von der Fixierung befreien und habe zunehmend längere Ausflüge mit ihm gemacht, ihn mit Hilfe von erfahren Freunden für kurze Momente auf die eigenen Beine gestellt, habe ihm Anregungen aus der Natur, mit Musik ermöglicht. Ihn mit alltäglichen Dingen wie Eis essen und Beeren futtern wieder ans normale Essen und an die Koordination der Hände herangeführt, so dass er schließlich nach weiteren 4 Monaten in ein anderes Heim verlegt werden konnte. Dort wurde und wird auf Fixierung verzichtet. Inzwischen ist er etwa 6 Monate in einer Spezialklinik für verhaltensgestörte geistig behinderte Menschen behandelt worden. Er bekommt Lithium gegen Depressionen... Die Behandlung in dieser Klinik hatte ich schon kurze Zeit, nachdem ich von dem Fall gehört hatte und den Patienten kennenlernen durfte, der Ärztin vorgeschlagen, bin aber auf taube Ohren gestoßen. Der Patient galt nun einmal als aggressiv und unberechenbar und nicht therapiefähig... Zum Glück hat diese Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie die "Behandlung" der PatientInnen in dem fraglichen Pflegeheim aufgegeben, so dass hoffentlich alle vom Arztwechsel profitieren. Der für die Fixierung zuständige Richter hat bis zum Schluss sein Tun nicht als unrechtmäßig betrachtet. Allerdings hat die Psychiatriekommission in NDS mit einer bekannten Richterin eines OLG ihren Irrtum telefonisch eingeräumt, die Fixierung als rechtmäßig und unabänderlich beurteilt zu haben. (Allerdings habe ich, da ich keine rechtliche Betreuung für den Patienten übernehmen durfte, keine vollständige Akteneinsicht gehabt). FAZIT: Fixierungen sollten erst eingesetzt werden dürfen (und zwar auch nur stundenweise, wenn wirklich alle Möglichkeiten, auch die der liebevollen und adäquaten Betreuung des Patienten) sowie ein Heimwechsel bzw. Wechsel der Psychiatrie keinerlei positive Effekte hatten. Körpernahe Fixierungen, die dem Patienten über viele Stunden keine oder sogut wie keine Bewegungen ermöglichen, wirken m.E. wirken auf die Persönlichkeit zerstörerisch und könne, da der Muskelabbau äußerlich und innerlich fortschreitet, lebensgefährlich sein. In "meinem Fall" scheint es Rettung in letzter Minute gewesen zu sein. Dies kann, wenn auch eingeschränkt, für zwangsweise verabreichte und hochdosierte Medikamente wie Haldol etc. gelten. Hier kommt die Gefahr des neuroleptischen Syndroms hinzu.
 
Qualifikation
Musik- und Entspannungstherapeutin
Fachgebiet
u.a. Heim
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