Fixierung bei privater Pflege

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Vinceo

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29.08.2015
Hallo,

Also.... Darf ich einen Angehörigen bei einer privaten Pflege fixieren wenn der sein Einverständnis gegeben hat?

Geht Das denn einfach so, oder benötige ich da auch richterliche Beschlüsse?

Segufix gibt es ja frei zu kaufen, aber ich finde nirgends wie es sich rechtlich bei der privaten Pflege verhält.

Meine zweite Frage ist: Was kann ich gegen den Liegeschmerz tun? Mein "Patient" wurde vor einiger

Zeit schon mal für eine begrenzte Zeit in einer professionellen Einrichtung gepflegt und auch fixiert.

Der Pflegebedürftige ist ja durchaus mit einer nächtlichen Fixierung einverstanden,

wacht aber meistens schon nach einigen Stunden wegen Liegeschmerzen auf.

Kann mir Jemand helfen?
 
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K

Keßler

AW: Fixierung bei privater Pflege

Mache Dich auf die Socken !

Du brauchst unbedingt jemanden, der Dich schleunigst und vor Ort berät.

Neben den rechtlichen Aspekten sehe ich hier auch erhebliche pflegerische "Baustellen".

Suche Dir den nächsten "Pflegestützpunkt" in Deiner Nähe.
Weitere Anlaufpunkte wären :
- Der Hausarzt Deines Angehörigen
- Die Kranken-/Pflegekasse Deines Angehörigen
- Irgendein ambulanter Pflegedienst in Eurer Nähe.

So eine Internetanfrage hier im Forum entbindet Dich nicht Deiner Fürsorgepflicht.

  • :mad_2:
 
Henoch

Henoch

Mitglied
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11.10.2011
63517
AW: Fixierung bei privater Pflege

Hallo Vinceo,

Zuerst stehen die Fragen im Raum, wird hier als Angehöriger oder als "bezahlte Fremdkraft" -gepflegt- und ist der Pflegebedürftige Einsichts- und
Urteilsfähig und somit Einwilligungsfähig in diese Maßnahmen.

Bei Angehörigen wird (zur Zeit) davon ausgegangen, dass eine Genehmigung durch das Betreuungsgericht nicht erforderlich ist, da die Regelung des § 1906 BGB nur auf Person in "Unterbringung" anzuwenden sei. In den Kommentaren und in Fällen der Rechtsprechung (u.a. Bay. OLG, LG München, LG Hamburg, etlichen AG) wird dieses jedoch anders gesehen. Eine verfassungskonforme Auslegung des § 1906 BGB müsse hiernach auch Maßnahmen in der eigenen Wohnung erfassen.

Wenn als "bezahlte Fremdkraft" oder als Pflegekraft eines Pflegedienstes gepflegt wird, ist der § 1906 BGB immer anwendbar.

Wenn also der Betroffene (Gepflegte) in die Maßnahme der Fixierung einwilligt, ist zwingend anzuraten, die Einsichts- und Urteilsfähig und somit
Einwilligungsfähig durch eine ärztliche Stellungnahme bestätigen zu lassen. Diese Bestätigung muss regelmäßig erneuert werden.
Die Regelungen der Maßnahmen sollten schriftlich fixiert werden und sich hierbei auf genau die angewendeten Maßnahmen beziehen. Es muss klar erkennbar sein, das der Betroffene über die Maßnahme umfänglich informiert ist und deren Tragweite erfasst und verstanden hat. Pauschalierte Einwilligungen sind bisher immer als nicht rechtskonform und damit nichtig angesehen und von den Gerichten nicht anerkannt worden.

Als Anmerkung: Warum hier überhaupt eine Fixierung angebracht und notwendig sein könnte, ist mir aus der kurzen Schilderung nicht ersichtlich.

Die Tatsache, das z.B. Segufix-Gurtsysteme frei erhältlich sind, hat rein garnichts mit der Zulässigkeit deren Verwendung zu tun. Kaufen kann man ja vieles, jedoch in etlichen Bereichen dann nicht verwenden. Der freizugängliche Erwerb z.B. einer Polizei-Uniform, berechtigt noch nicht zu deren Tragen in der Öffentlichkeit.

Das Liegeschmerzen auftreten, kann Ursächlich hier nicht geklärt werden, somit kann es auch keinerlei "Tipps" hierzu geben. Einmal davon abgesehen, das Pflegekräfte hierzu keine Diagnosen stellen und/oder Maßnahmen einleiten/vorschlagen dürfen und "Ferndiagnosen" in Deutschland per se verboten sind, ist der Ansprechpartner hier der/die Hausarzt/Hausärztin.

Summa sum, wie die Kollegin Keßler es ja schon treffend sagt, DRINGEND fachlichen (ärztlichen, pflegerischen u. juristischen) Rat ins Haus holen.

Schönes WE noch...
 
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29.09.2008
kassel
AW: Fixierung bei privater Pflege

Es wäre vielleicht auch hilfreich zu wissen in welchem Verhältnis du zu dem Pflegebedürftigen stehst und warum überhaupt eine Fixierung vorgenommen werden soll?!

Die Person hat mit Sicherheit einen Hausarzt und der wäre hier der 1. Ansprechpartner für Schmerzen aller Art.

Pflegest du den "Patienten" allein und wenn ja, hast du zumindest Grundkenntnisse in der Pflege oder kommt noch ein Pflegedienst?
Gerade bei Menschen, die ausschließlich liegen, muss darauf geachtet werden, dass dein Dekubitus entsteht und noch vieles mehr.
 
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Vinceo

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29.08.2015
AW: Fixierung bei privater Pflege

Zunächst vielen Dank für die Antworten.
Der Pflegebedürftige ist ein Verwandter ersten Grades und Ich habe die Pflege freiwillig allein übernommen um eine Pflege in Einrichtungen zu vermeiden.
Natürlich bin ich während der nächtlichen Fixierungen vor Ort und schlafe im Nachbarzimmer mit offener Tür.
Es ist nur so, dass ich nur wenig bis fast nichts gefunden habe, was der Gesetzgeber dazu sagt.
Inzwischen bin ich auf einen Artikel gestoßen, der ein Sozialreferat der Stadt München enthielt, welches sich mit dem Thema "Umgang mit Freiheitsentziehenden Maßnahmen im Häuslichen Bereich" beschäftigt.
Dort habe ich die gleichen Antworten schon gefunden.
Es scheint so, als gäbe es in diesem Bereich eine absichtliche Lücke im Gesetz.
Es geht bei meinem Fall auch nicht um die Urteilsfähigkeit. Die ist gegeben und es geht mir ausschließlich um die Frage nach der rechtlichen Absicherung, wo ich ja durch das Referat ja Antwort bekommen habe.
Allein bei der nächtliche Fixierung, welche der zu Pflegende auch selber wünscht, ist für mich der Grund gewesen nachzufragen und was man im professionellen Bereich gegen solche Liegeschmerzen bei Fixierungen unternimmt, da man sich ja nur eingeschränkt bewegen kann und der Körper sich ja Nachts selber und unfreiwillig drehen und wenden will.

Anhang anzeigen 271_freiheitsentziehende_massnahmen_im_haeuslichen_bereich.pdf
 
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helen

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76534
AW: Fixierung bei privater Pflege

Gut, dass du nicht die Augen zumachst vor diesem Problem!
Auch im häuslichen Bereich hat der pflegebedürftige Mensch das Recht darauf, dass seine Freiheit und seine Würde gewahrt wird. Was zu tun ist, haben die anderen schon benannt, dem kann ich nichts hinzufügen.
Viel Erfolg!
 
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mary_jane

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10.02.2008
München
AW: Fixierung bei privater Pflege

Mich würde interessieren, wie der Angehörige fixiert wird (Bauchgurt? Hände? Füße?) und aus welchem Grund?
Von wem wurde entschieden, dass dies nötig ist?
Vielleicht wäre hier auch die Beratung durch eine Fachkraft anzuraten. Man muss nicht immer zu einem Gurtsystem greifen. Es gibt viele andere Lösungen, je nach Problem.
Eine Fixierung ist immer der letzte Ausweg, sowie keine Dauerlösung und sollte immer wieder überdacht werden!
Der Körper will sich auch nicht unfreiwillig drehen und bewegen. Die Bewegung ist physiologisch und absolut notwendig. Je nach Lagerung tauchen hier viele potentielle pflegerische Probleme.
Ich hoffe für den fixierten Angehörigen, dass diese alle überblickt werden.
 
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Gesundheits-und Krankenpflegerin/Studentin
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chirurg. ITS
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29.09.2008
kassel
AW: Fixierung bei privater Pflege

Das war auch meine Frage: warum überhaupt eine Fixierung?

Und was gegen Liegeschmerzen machen - das solltest du nicht hier fragen, sondern den Hausarzt. Ich weise nochmals darauf hin, dass bei ständigem Liegen - bevorzugt auf einer Seite, u.a. Rücken - ganz leicht ein Dekubitus entstehen kann. In wie weit du pflegerische Kenntnisse hast, weiß hier keiner.

Es muss ja nicht immer ein Pflegeheim sein, auch eine Mobiler Pflegedienst leistet professionelle Pflege.
 
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05.07.2001
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