Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

weissbrk

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Hallo,
ich hab da mal wieder ne Frage...
Ein Angehöriger (79, Leber-CA) erhält Schmerzpflaster plus Bedarfsmedikation, er wird betreut vom Palliativ-Netzwerk, die auch die Medikation überwachen -da also alles in sauberen Bahnen.
Das Pflaster wird von seiner Lebensgefährtin geklebt.
Jetzt kommt es immer mehr zu Fantasien.. heute hat er ab 3 Uhr nachts alles mögliche erzählt, sie in die Küche geschickt, um endlich den Quark in den Kühlschrank zu stellen, irgendwas auf der Wand gesehen etc pp...
Sie meint, dass das immer dann stärker ist, wenn das Pflaster gewechselt wurde. Kann das sein?
Die Medikation ist schon so seit mehreren Wochen, wurde auch nicht gesteigert.
Das Ganze ist natürlich sehr belastend, zusätzlich zu der eh schon schweren Situation den Nachtschlaf geraubt zu bekommen, auch tagsüber Diskussionen zu führen ohne Ende...
Habt Ihr Erfahrungen, ob das eher mehr wird oder weniger?
Seine Lebensgefährtin wird auch die Palliativ-Ärztin ansprechen.. wenn sie sie mal erwischt, ohne dass er es mitbekommt..
Ich wäre für Erfahrungsberichte sehr dankbar, einfach um mich drauf einstellen zu können, was da wohl noch kommt.
 
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josephine

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

Hi weissbrk,

also grundsätzlich habe ich auch schon erlebt, dass Halluzinationen oder Verwirrtheit in Zusammenhang mit Fentanyl - in welcher Darreichungsform auch immer - aufgetreten sind. Allerdings nicht nach mehreren Wochen bei gleichbleibender Dosierung. Es könnte vielleicht sein, dass die Leberfunktion abnimmt. Dringend sollten die Betreuenden mit dem begleitenden Arzt sprechen, um dass weitere Vorgehen zu diskutieren.

LG,
josephine
 
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nofretete

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

Ich denke auch eher das hängt mit dem Krankheitsbild zusammen, was bekommt er denn noch an Medikamenten?
 
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Sonnensturm

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

also grundsätzlich habe ich auch schon erlebt, dass Halluzinationen oder Verwirrtheit in Zusammenhang mit Fentanyl - in welcher Darreichungsform auch immer - aufgetreten sind.
Ist eine häufige Nebenwirkung, müsste so auf dem Beipackzettel stehen.
:smile:Wasserfrau
 
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weissbrk

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

Ich hab da ehrlich gesagt keinen Überblick über die sonstige Medikation. Aber da es gestern mit dem Gespräch mit der Ärztin nicht geklappt hat, will heute ein Mitarbeiter des Pflegedienstes das Gespräch mit ihr suchen. Ich bin zwar grundsätzlich neugierig ;-)), aber da sprechen dann die Leute vom Fach. Vermutlich die beste Lösung.
 
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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

Ich denke bei dem Palliativmediziner seid ihr beim einzig wahren Fachmann. Er kann zwar keine Wunder wirken aber besser als ein Palliativarzt kriegt das keiner hin.
Bei meinem Vater kam es auf Fentany hauptsächlich zu heftigen brechatacken und Übelkeit. Als das Pflaster dann hochgesetzt wurde wurde er zunehmend verwirrter. Ich denke aber er hatte zum schluss auch Hirnmetastasen.

Der Palliativmediziner hat die Sache wenigstens einigermassen im Griff gebracht

ich wünsch euch jedenfalls alles Gute
 
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Heiri78

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflasterie

Oft wird ja Haldol als Begleittherapie verabreicht gegen übelkeit/Erbrechen (und steigert wohl zusätzlich die "Morphinempfindlichkeit"). Vielleicht würde es hier ja gegen das Fantasieren helfen.
 
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chrodechilde

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflasterie

Oft wird ja Haldol als Begleittherapie verabreicht gegen übelkeit/Erbrechen (und steigert wohl zusätzlich die "Morphinempfindlichkeit"). Vielleicht würde es hier ja gegen das Fantasieren helfen.
haldol hat gegen das Fantasieren bei ihm nicht geholfen und am schlimmsten wurde es auf Tavor.

@weissbrk: Wenn ihr nicht mehr könnt geht in ein Hospiz. Da habt ihr ständig Fachleute um euch. Auch wenn ihr euch das jetzt noch nicht vorstellen könnt. Ich hab damals schon fast 20 jahre als krankenpfleger gearbeitet und war oft ratlos und wusste nicht mehr weiter.
 
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weissbrk

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

Die Palliativ-Ärztin ist auch der Meinung, dass die nachlassende Funktion der Leber diesen Effekt hat. Sie sagt, wenn es zu schwierig wird, kann man medikamentös noch was machen, aber sie möchte das nicht zu früh angehen. Heute wurde punktiert und es kamen ca. 5 l Wasser aus dem Bauchraum raus.. jetzt fühlt er sich ein wenig besser - was natürlich nur im Bauch und nicht im Kopf hilft.
chrodechilde.. nicht ich bin da das Problem.. er will auf keinen Fall von zu Hause weg, und auch meine Tante wehrt sich noch dagegen. Es geht zur Zeit dank der Unterstützung durch Pflegedienst und Palliativ-Netzwerk auch noch.
Aber ich hatte heute schon ein langes Gespräch mit ihr allein. Sie ist selber gesundheitlich stark beeinträchtigt und schon so ziemlich am Ende ihrer Kräfte. Meine Tante lässt es zumindest schon mal zu, darüber nachzudenken, dass ein Hospiz bei massiver Verschlechterung der Situation auch für ihn besser sein könnte und es nicht heißt, ihn abzuschieben. Was passiert, wenn er irgendwann realisiert (bzw es realisieren will), dass er nicht wieder gesund wird..keine Ahnung.
Ich habe auch ziemlich großes Vertrauen in die Fachleute. Sie scheinen wirklich beide zu sehen und in die gleiche Richtung zu arbeiten.. zu Hause möglich machen, was irgend geht, aber auch zu reagieren und zu raten, wenns nicht mehr geht.
Ich bin ja "nur" der Händchenhalter und Einkaufsservice :happy:
 
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chrodechilde

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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

ich hab das gefühl, ihr seid da in guten händen. das mit dem hospiz wäre vielleicht was wenn er nicht mehr so richtig bei bewusstsein ist. deine tante könnte dann sicherlich auch dort rund um die uhr bei ihm sein und hätte viele verständnissvolle erfahrene leute um sich.
bei uns gab es auch erfahrene laien die vom hospizverein uns angehörige unterstützt haben.

und übrigens händchenhalten und einkaufen und vor allem zuhören ist eine riesengrosse sache für die beiden. in der regel ziehen sich in solchen situationen viele leute von den leidenden zurück deswegen ist es gut das du zur not einfach nur immer mal da bist.

also nochmal euch allen alles gute und Gottes segen.
 
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AW: Fantasieren wg. Fentanyl-Pflaster

Bei Einschränkung der Nierenfunktion wird das Fentanyl langsamer abgebaut und es kann zu einer Überdosierung kommen. In Anbetracht der Situation könnte auch eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegen.
Solange die Atmung funktioniert und er keine Schmerzen hat, würde ich das Halluzinieren in Kauf nehmen. Das wichtigste ist doch, den Pat. möglichst schmerzfrei zu halten. Bei alten Menschen ist das schon schwierig genug, weil schon die Aufnahme des Wirkstoffs über die Haut oft nicht mehr richtig funktioniert. Scheint hier bei diesem Patienten wohl noch gut zu funktionieren.
 
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