Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

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otomski

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Hallo zusammen,

ich stelle mich kurz vor: werde jetzt dann 35, habe 1996 meine Ausbildung zum Krankenpfleger abgeschlossen und anschließend ein Jahr in meinem ehem. Ausbildungsbetrieb gearbeitet. Dann Zivildienst bei einer kirchlichen ambulanten Pflegeeinrichtung geleistet und bin dort bis 2001 geblieben weil das Team super war. Mittlerweile hat sich das auch geändert, irgendwie scheint keiner mehr zufrieden zu sein.

Ich wollte noch was Anderes machen und begann 2001 eine zweite Ausbildung im IT-Bereich mit IHK-Abschluss - wurde auf 2 Jahre verkürzt - und ich war bis Ende letzten Jahres hauptberuflich selbständig in der Branche tätig. Auf Grund von wirtschaftlichen Schwierigkeiten im letzten Jahr fing ich dann wieder bei einer Sozialstation in Teilzeit an zu arbeiten (75%) und mache mein Gewerbe nebenberuflich. Das Arbeitsverhältnis löste ich dort nach 5 Monaten weil sich 165 Überstunden angehäuft hatten - ohne Aussicht auf Freizeitausgleich. Habe mir das Kreuz rot gearbeitet und wollte mir die Überstunden nicht als "ehrenamtliche Vergütung" (weiß nicht mehr genau wie das im Gespräch genannt wurde) mit 4 Euro und ein paar Zerquetschten irgendwie unter der Hand auszahlen lassen. Die 75% waren beabsichtigt so gewählt wegen meinem Gewerbe. So waren es monatlich im Schnitt 150 Stunden statt der vertraglich geregelten 75%.

Als ich dann einen Monat vor Ende meiner Probezeit mitbekam dass bis zu 300 Überstunden von einzelnen Kolleginnen irgendwie "eingefroren" werden sollen weil sie die merkwürdige Auszahlung auch dankend ablehnten habe ich wohl überlegt schriftlich zum Ende meiner Probezeit gekündigt. An der Ursache würde sich zukünftig nichts ändern, die Touren waren auf dem Dienstplan mit 4h gerechnet, auf dem Tourenplan waren es dann aber 5,5h was bedeutet jeden Tag geplante 1,5 Überstunden plus Pflegeberatungen, Medikamente richten, Evaluation der Pflegeplanungen, und und und

Das war zum einen keine für mich tragbare mittel- bis langfristige Perspektive und ich bekam laut Vertrag bei fristgerechter Kündigung ind der Probezeit die Überstunden als Freizeitausgleich. Das habe ich gerne angenommen, hatte sofort den Monat voll frei und habe sogar noch 2 Wochen "Frei" nach meiner Probezeit mit drauf gepackt um die Stunden auf Null abzubauen und liegen gebliebene Sachen bei meinem Gewerbe abgearbeitet.

Damit bin ich aber durch, ist für mich erledigt bis auf die Tatsache dass ich es ja echt nicht glauben kann wie krass die Bedingungen in der ambulanten Pflege in den 9 Jahren abgerutscht sind, zumindest bei uns hier in der Gegend.


Worum es eigentlich geht:
Jetzt bin ich seit 1. September bei einem privaten ambulanten Pflegedienst zu 50% angestellt, soweit passt es eigentlich, Kollegen sind nett und die Tour ist ok. Und doch komme ich mir wegen den Fahrzeiten irgendwie beschissen vor.
Wie ich gestern in der Dienstbesprechung erfahren habe ist Dienstbeginn in der Frühschicht 7:00 Uhr beim ersten Kunden und geht bis 9:15, dann 2h Pause und dann von 11:30 bis 12:00 Uhr, Dienstende ist das Verlassen des letzten Kunden. Das Büro des Pflegedienstes liegt vom Einsatzort 20km über Stock und Stein entfernt, wir bekommen aber einen Dienstwagen der so 5km vom Einsatzort entfernt auf einem Parkplatz bei Verwandschaft meiner Arbeitgeberin steht.
Dort muss ich den Autoschlüssel holen, dort packe ich die Schlüssel der Kunden ein, dort lese ich das Übergabebuch und dort schreibe ich das Fahrtenbuch. Es sind wenn ich _richtig_ schnell bin 10 Minuten vom Autoschlüssel holen bis zu meiner ersten Kundin. Am Dienstende sind es 15 Minuten von der letzten Kundin bis zum Parkplatz inkl. Schlüssel abgeben, Fahrten- und Übergabebuch schreiben. Die Abendtour fährt eine Kollegin und ihr geht es unter Garantie genauso. Insgesamt also 25 Minuten täglich, das ist noch sehr zuversichtlich gerechnet weil Mittags um die Zeit meist mehr Verkehrsaufkommen herrscht.

So, das Problem seht ihr sicher auch. Habe auch hier im Forum schon einiges dazu gelesen und möchte euch trotzdem um eine Einschätzung bitten. Meine Chefin sagt es ist ein Sonderfall: Dienstbeginn ist beim ersten Kunden, Dienstende beim Letzten weil wir bekommen für die Tour morgens und abends ja einen Dienstwagen gestellt - und aus reiner Gutmütigkeit steht der näher am Einsatzort damit wir nicht noch extra die 20km ins Büro fahren müssen. Dabei vergisst sie, dass wenn ich den Dienstwagen im Büro holen würde, dieser dann auch jeden Tag die 2x20km zusätzlich zurücklegt und auch dass ich die Rüst- und Fahrzeit sicher nicht umsonst machen werde.

Aufschreiben darf ich mir wie ich gestern erfuhr nur die Stunden vom Tourenplan, also beispielsweise 2,75h. Ich soll meinen Stundenzettel nochmals neu schreiben weil ich Anfangs- und Endzeiten genau angab und meine Stunden abzüglich Pause inklusive Fahrzeit vom Parkplatz zur ersten Kundin und von der letzten Kundin zum Parkplatz ausrechnete. Es waren meist 3,5h. Als sie gestern meinen Stundenzettel sah meinte sie nur das geht nicht weil meine Kollegin die Fahrzeiten ja auch nicht aufschreibt und dann kann sie mir das auch nicht zusagen.

Die Fahrzeiten in der Pause habe ich natürlich nie aufgeschrieben, da darf ich allerdings auch mit dem Dienstwagen direkt heim und dann wieder Mittags direkt los zur Kundin.

Ist das echt ein Sonderfall? Der Parkplatz ist keine offizielle "betriebliche" Einrichtung. Ich habe dann gefragt ob nachdem das Fahrtenbuch morgens geschrieben ist ich den Dienstwagen dann in meiner Freizeit benutze oder wie das dann läuft mit dem Fahrtenbuch, Versicherung usw. -> keine brauchbare Antwort, es kam nur dass ich in der Pause ja auch ihren Sprit verfahre um nach Hause zu kommen (5km ländliches Städtchen).

Vorschlagen werde ich, dass ich mit meinem Privat-PKW zur ersten Kundin fahre (wird kein Schlüssel benötigt). Bin da pünktlich zu Arbeitsbeginn um 7:00 Uhr und hole anschließend in meiner Arbeitszeit den Dienstwagen & Schlüssel und erledige den Papierkram. Ich Glaube aber nicht dass sie darauf eingeht. Aber wenn ich die 25 Minuten an 20 Arbeitstagen im Monat auf ein Jahr rechne dann sind das 100 Stunden im Jahr und damit mehr als ein ganzes Monatssoll - kein Wunder dass ich mit meinen 50% fast jeden Tag eine Schicht und jedes 3. WE geteilt arbeiten soll.

((20*25) / 60) * 12 = 100

Grüße Tom
 
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AW: Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

Dort muss ich den Autoschlüssel holen, dort packe ich die Schlüssel der Kunden ein, dort lese ich das Übergabebuch und dort schreibe ich das Fahrtenbuch.
Wie Du sicher in den anderen Beiträgen schon gelesen hast, ist Dienstbeginn und - ende bei der Verwandschaft(?).
Vorschlagen werde ich, dass ich mit meinem Privat-PKW zur ersten Kundin fahre (wird kein Schlüssel benötigt)
Das gibt versicherungstechnische Probleme.
Die Sache mit der Verwandschaft ist allerdings auch seltsam. Die eine Sache mit dem Parken und dann noch Übergabebuch und Schlüssel, eine ganz andere Sache.:mad_2: Das wird auch für Deinen AG mal sehr problematisch. Scheinbar sollst Du noch dankbar sein, dass die Fahrt zwischen den Patienten Arbeitszeit ist
.
Fahrzeiten im ambulanten Pflegedienst sind Arbeitszeit
:angry:Wasserfrau
 
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otomski

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AW: Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

Hallo Wasserfrau,

danke für Deine Antwort und den Link.
Da war ich gestern auch schon mal drauf aber wie gesagt ist das ja anscheinend ein Sonderfall, weil der Dienstwagen ja nicht in der Dienststelle abgeholt wird. Das Übergabebuch liegt im Auto, Schlüssel sind in einem abschließbaren Behältnis im Kofferraum. Ich hole dort nur den Autoschlüssel ab, dann die Hausschlüssel aus dem Kofferraum und dann den Schreibkram. Aber ich sehe schon in Deinem Beitrag das Fragezeichen hinter Verwandschaft.

Ich bin auch nicht irgend so ein Dödel der nix mehr weiß weil er 9 Jahre aus dem Job war wie es vielleicht oben rüber kommt. Habe als Aushilfe gearbeitet bei Not am Mann - also regelmäßig, meine Frau ist in der Altenpflege und hat bis letztes Jahr noch die Fachkraft für Gerontopsychiatrie gemacht wo ich fleißig "mit" gelernt habe, meine zwei Geschwister sind in der Altenpflegeausbildung bzw. eine dieses Jahr fertig geworden und da war/ist auch oft mal Lernen und Abfragen der Basics angesagt.

Am Schlimmsten finde ich dass ich schon manchmal denke es liegt an mir, vielleicht stelle ich zu hohe Ansprüche oder bin zu verwöhnt von der Selbständigkeit - das verwerfe ich natürlich gleich wieder weil eigentlich war ich nie ein Erbsenzähler.

Edit: was mir gerade auffällt ist dass einige ein dreizehntes Monatsgehalt von ihrem Chef bekommen, ich hingegen soll das mit unvergüteter Arbeitsleistung "zahlen" *lol*
 
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AW: Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

Hallo!

Es ist traurig, wie manche Pflegedienste ihr Personal abzocken! Ein zufriedener Mitarbeiter macht immer bessere Arbeit, als einer, den ich ausnutze!
In unserem Pflegedienst gibt es eine ganz klare Regel: Dienstbeginn ist im Büro mit dem Abholen der Schlüssel und Unterlagen, Dienstende ist im Büro, wenn der Mitarbeiter alle Aufgaben des Tages erledigt hat. Wer eine Pause gemacht hat, trägt sie auf seinem Stundennachweis ein. Alles andere, wie die wöchentliche Dienstbesprechung und die monatliche IBF, ist Arbeitszeit. Fertig! Fallen dabei Überstunden an, werden diese als Freizeitausgleich gegeben.
Das die Fahrzeuge bei Euch nicht beim Büro stehen, macht mich auch stutzig. Da werden die Versicherungen, bzw. die BGW bestimmt einige Fragen haben.

Ein heißes Thema...
dacoach
 
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AW: Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

Guten Morgen,

@tomski. Warum lässte Du es nicht so beruhen? Das Du in der Pause mit dem Dienstwagen nach hause fährst und anschließend weiter, hebt doch die An- und Abfahrt wieder auf.

@dacoach. Meine MA fahren ebenfalls mit dem Auto nach hause. Dienstbeginn ist beim ersten und ende beim letzten Kunden. Sie müssen dies nur im fahrtenbuch dokumentieren.
 
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otomski

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AW: Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

Danke für eure Antworten.

Wer eine Pause gemacht hat, trägt sie auf seinem Stundennachweis ein. Alles andere, wie die wöchentliche Dienstbesprechung und die monatliche IBF, ist Arbeitszeit. Fertig! Fallen dabei Überstunden an, werden diese als Freizeitausgleich gegeben.
Das die Fahrzeuge bei Euch nicht beim Büro stehen, macht mich auch stutzig. Da werden die Versicherungen, bzw. die BGW bestimmt einige Fragen haben.
Es hat schon Vorteile für alle dass der Parkplatz nah am Einsatzort liegt. Sonst müsste ich 20km privat ins Büro fahren und anschließend die gleiche Strecke mit dem Dienstwagen zurück - und nach dem Dienst nochmals. Zwar wäre dann die Fahrzeit vom Büro zur ersten Kundin und die Fahrzeit von der letzten Kundin zum Büro nach meiner Ansicht auch Arbeitszeit, wäre aber ökonomisch und ökoligisch unsinnig.

@tomski. Warum lässte Du es nicht so beruhen? Das Du in der Pause mit dem Dienstwagen nach hause fährst und anschließend weiter, hebt doch die An- und Abfahrt wieder auf.
Das sehe ich auch ein Stück weit so, deshalb habe ich um eine Einschätzung gebeten: wiegen sich denn die 8km (hin & zurück) mit den unvergüteten (mind.) 25 Min. wieder auf? Vom Gefühl her wäre es mir lieber wenn ich die tatsächliche Zeit aufschreiben darf die ich arbeite, die 8km als Privatfahrt im Fahrtenbuch dokumentiere und bezahle. Oder kommt da unterm Strich eine Null raus?

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Die Fahrzeit in den Pausen schreibe ich natürlich nicht als Arbeitszeit auf. Wie ist es denn geregelt wenn Pflegekräfte im ambulanten Dienst mit dem Dienstwagen direkt von zu Hause zum ersten Kunden fahren und am Ende der Tour direkt wieder nach Hause? Die Fahrzeit ist keine Arbeitszeit, klar, ... und die Kilometer?

Ich will da keinen Stress vom Zaun brechen, vielmehr suche ich nach einer Grundlage um nochmals zu verhandeln bzw. einen fairen Kompromiss zu machen. Was wäre denn da eurer Meinung nach ein fairer Kompromiss?

Grüße!
 
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Paddy

AW: Fahr- & Arbeitszeiten in der amb. Pflege wenn Dienstwagen Parkplatz != Büro

Hi,

steuerlich gesehen müsstes Du die Kilometer von und zum Wohnort aufschreiben und bezahlen.
 
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