Evaluation des Strukturmodells

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Wärter

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11.09.2007
Bonn
Einen wunderschönen duten Morgen,
wir arbeiten nun seit einiger Zeit mit dem Strukturmodell und ich frage mich, ob es in irgendeiner Form geplant ist, dieses Modell mal zu evaluieren (wie es bei solchen wissenshcaftlichen Konzepten solcher Tragweite ja sinnvoll wäre). Es gab ja damals durchaus noch offene Fragen, wie ob rechtlich und fachlich wirklich eine Notwendigkeit besteht, pflegerische Maßnahmen wie Lagerungen weiter durch Einzelnachweise zu dokumentieren. Auch gibt es mittlerweile neue oder auch evaluierte Expertenstandards die in der Risikomatrix nicht berücksichtigt wurden.
In der Langzeitpflege vermisse ich auch die Möglichkeit, die aktuelle Situation und Risikoeinschätzung eines Bewohners übersichtlich und aktuell darzustellen ohne jedes mal ein vollständiges SIS Gespräch zu führen oder ein neues, aus dem Zusammenhang gerissenes Instrument einzuführen. Zu Beginn des pflegerischen Prozesses hat mich die SIS begeistert, grade in Prüfungssituationen fragen MDK und WTG Behörden nun gerne nach aktuellen und umfassenden Aussagen (auch in schriftlicher Form) undsie sind erstaunt das die SIS nicht evaluiert/tagaktuell ist.

Mich würde interessieren wie andere mit diesem Thema umgehen oder ob sie dieses Problem nicht sehen. Ich beziehe mich da auf Anforderungen der neuen Qualitätsprüfungsrichtlinien z.B. zu Darstellung der Mobilität oder die Fragen der Heimaufsicht nach der aktuellen Einschätzung zum Risiko z.B. Sturz. Sich in der Praxis das aus Berichten rauszusuchen scheint mir unmöglich, die SIS wurde bisher nicht evaluiert und SIS Gespräche werden nicht bei jeder Änderung geführt (Beratungen zum einzelnen Thema sicher).
 
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Altenpfleger
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Flybee

Flybee

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07.07.2000
Moin!
Gute Frage! Ich fände es auch ander Zeit, dass die Sache mal wirklich evaluiert wird.

Wir gehen kreativ mit dem Strukturmodell "kreativ" um. D. h. wir benutzen eine elektronische Pflegedokumentation (GO ON), die dem Strukturmodell angepasst ist.
ABER: Egal was Frau Beikirch meint... es hat sich gezeigt, dass viele Pflegefachkräfte mit der Beikirch'schen Risikomatrix überfordert sind, weil ihnen Leitfragen und Instrumente fehlen. Wir benutzen also weiterhin das in der Pflegedoku vorhandene Tool zur Risikoerfassung, in dem auch die Inhalte der Expertenstandards abgebildet sind.
Und die SIS evaluieren wir auch regelmäßig (mind. alle 180 Tage und natürlich bei Veränderungen, z. B. nach Klinik-Aufenthalt).
Wir sorgen also immer dafür, dass sich der "rote Faden" von SIS über Risikoerfassung bis Maßnahmenplanung klar erkennbar durchzieht. Zweimal jährlich überprüfen die Teamleiter der WB die Dokus der Bewohner gemäß eines internen Auditbogens (angelehnt an die Prüfbögen des MDK) die Dokus der Bewohner und lassen sie ggf. aktualisieren. Damit sind wir bisher bei MDK und WTG-Behörde gut gefahren.

Grüße
Flybee
 
Qualifikation
Qualitätsmanager im Gesundheitswesen
Fachgebiet
Gemeinnütziger Träger von Pflegeeinrichtungen
Weiterbildungen
Qualitätsmanager (TÜV) Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie Teamleiter Call Center (IHK)
Studium
Gesundheits- und Sozialökonom (VWA)
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18.12.2012
Ich verstehe die Fragestellung nach einer Evaluation des Strukturmodells nicht ganz. Das Strukturmodell ist evaluiert worden: Mittlerweile gibt es z.B. die "Informations- und Schulungsunterlagen" in der Version 2.0 seit Oktober 2017. Eine Evaluation fand also gut 2 Jahre nach flächendeckender Einführung des Strukturmodells statt.
Auch die inhaltliche und rechtliche Auseinandersetzung mit notwendigen Einzelnachweisen fand statt und eine Anpassung der Hinweise durch den MDS ist auch mit Oktober 2019 ziemlich aktuell.

Die "Problematik" in Bezug auf das Risikomanagement bestehend aus Infosammlung (hier SIS) und Risikomatrix [statt Assessmentinstrumenten und Pflegeplanung] durch Veränderung des Bewohners und somit notwendigen Anpassungen in der Bewohnerbeschreibung (egal ob in den AEDL oder Themenfeldern) ist doch eigentlich hauptsächlich ein Problem der papiergestützten Dokumentation und durch EDV-gestützte Dokusysteme weitgehend obsolet.

Der Pflegeprozess erfordert doch eine Anpassung der Informationssammlung und Risikomatrix bei umfänglicher Bewohnerveränderung - da hat sich nichts geändert!

In Bezug auf angepasste und neue Expertenstandards ist die SIS absolut flexibel. Werden Risikofaktoren z.B. neu beurteilt wirkt sich dies in der Regel auf die fachliche Einschätzung in den Themenfeldern aus und ggf. auf Ausprägungen der Risikomatrix. Meiner Meinung nach ist dies aber weniger das Problem der SIS, sondern eher des aktuellen Wissens, der Pflegefachkraft (Strukturebene 1 der Expertenstandards). Die Risikomatrix ist darüber hinaus durchaus erweiterbar und stellt ja nicht die Infobasis der Risiken dar sondern zeigt Querverbindungen in den Themenfeldern zu den einzelnen Risikobereichen auf. Auch mit Einführung des Strukturmodells wurden nicht alle vorhandenen Expertenstandards und Risiken in der Risikomatrix berücksichtigt, es war aber immer vorgesehen, die Risikofaktoren in den Themenfeldern zu berücksichtigen.
Wobei ich zugebe, dass dies ein genereller Schwachpunkt der Risikomatrix in meinen Augen ist, mit dem ich aber kreativ umgehen kann und in den Prüfungen viele gute und kreative Ansätze gesehen habe.

Die Darstellung der Mobilität...dafür gibt es ein komplettes Themenfeld - verstehe jetzt nicht, wo die Problematik liegt.
In Bezug auf Sturz: Wenn sich das Risiko verändert, dann muss auch die SIS verändert werden, weil dort die Risikofaktoren auftauchen. Wobei es hier durchaus zu einem Delay kommen kann, wenn die Situation z.B. nach einem Sturz ein paar Tage beobachtet wird - dann sollte aber der Pflegebericht als "Beweismittel" zum Einsatz kommen können.

Wenn ihr also die SIS bisher nicht evaluiert habt, dann fällt das zu Recht negativ in den Püfungen auf, da dies dem Pflegeprozess und den Expertenstandards diametral widerspricht und im Strukturmodell auch nicht so vorgesehen ist!
Mir scheint, da hat jemand die "Entbürokratisierung" falsch verstanden.
 
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Krankenpfleger, Pflegefachmann
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Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
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11.09.2007
Bonn
Ich bin immer froh, wenn ich mich mit einer Frage oder Unsicherheit offen an Andere wenden kann, um dann in einen konstruktiven und wertschätzenden Dialog zu treten.

Nach meinem Kenntnisstand wird die SIS nicht evaluiert. Dieses war ein Mantra diverser Fortbildungen zu diesem Thema. Entweder ergibt sich die Veränderung über den Bericht und die dazu sich verändernde Maßnahmenplanung (kleiner Evaluationskreislauf), oder es ist ein neues SIS Gespräch zu führen.

Einschätzungen der Fachkräfte in der SIS können sich schonwenige Tage nach der Erstellung verändern ohne dass sie z.B. einen Einfluss auf die Risikoeinschätzung oder den Maßnahmenplan haben. Die SIS ist eine Momentaufnahme und keine aktuell zu haltende Situationsbeschreibung. Wie schon gesagt, bezieht sich ein Step auch in Fallbeispielen immer gerne auf den Beginn des Pflegerischen Prozesses. Da passt das prima.

Auch deckte sie zum Zeitpunkt ihrer Erstellung alle Expertenstandards ab, wenn man mal von der Geburt und dem Entlassungsmanagement absieht. Neue Expertenstandards sind aber in der Matrix nicht berücksichtigt und ich frage mich, ob das passieren wird. Selbst Ändern ist ebenfalls verboten, da die SIS Urheberechtlich geschützt ist.

Da wir in unseren Einrichtungen auf ergänzende Instrumente verzichten wollten, zeigte sich nun bei den Überprüfungen das Problem, dass auf die Frage nach einer aktuellen Beschreibung der Situation oder Risikobewertung, wir zwar die passende Maßnahmenplanung hatten. den Weg dahin aber aus Berichtblättern zusammensuchen mussten. Beim MDK und der Heimaufsicht, deren Begehungen sich in den letzten Jahren deutlich besser und auf Augenhöhe gestalten, läuft trotzdem in der Prüfung eine Murmel im Kopf und fällt nach Schema nach links oder rechts und der Wunsch eine übersichtliche Situationsbeschreibung und Risikoeinschätzung auf einen Blick zu haben ist nachvollziehbar. Da bietet sich die SIS auch an.

Dann muss ich sie aber auch immer aktuell halten und das bedeutet, entweder ständig SIS Gespräche zu führen oder …. die SIS zwischenzeitlich vom O-Ton zu befreien und als fachliche Informationssammlung zu nutzen und bei Brüchen z.B. deutlichen Veränderungen in der Mobilität mit in ein neues SIS Gespräch zu nehmen.

bei einem Sturz kann es sein, dass es zu keinerlei Änderung im Themenfeld der SIS und bei den Maßnahmen kommt. Die Risikoeinschätzung war und bleibt bei Sturzrisiko JA, die Maßnahmen sind so fachlich und nach Beratung festgelegt. Wie stelle ich nun aber dar, dass es eine neue Einschätzung gegeben hat. SIS öffnen, lesen und bewerten, speichern und schließen. Unterschrieben von der Pflegefachkraft. Zusätzlich Instrumente wollen wir wo immer möglich veremiden.

Ich möchte anmerken, dass wir mit EDV arbeiten und hier nicht das Problem liegt. Mein Vorschlag an die Einrichtungen war es die SIS zu evaluieren, und zwar nicht im Sinn des Strukturmodells. So kann man jeder Ergänzung, durchaus auch Informationen wie Vorlieben, die sich mitunter ja in vielen Situationen bei der Begleitung zeugen können, ohne in der Tagesstruktur eine Rolle zu spielen.

Ich wäre froh, wenn hier weitere Meinungen und gerne auch Vorschläge kämen und wir auf herablassende Kommentare verzichten könnten. Ich schreibe ja hier weil ich Fragen habe und nicht, weil ich alles zu wissen glaube.;)
 
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18.12.2012
Für das Wahrnehmen herablassender Kommentare ist der Empfänger verantwortlich, nicht der Schreiber: Ich habe lediglich geschrieben, dass ich deine Ansichten nicht verstehe und das z.B. damit begründet, dass das Strukturmodell tatsächlich evaluiert wurde und die Fragen, die du aufgeworfen hast beantwortet sind.
 
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18.12.2012
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Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells zur Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation im Zusammenhang mit Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen nach den Qualitätsprüfungs-Richtlinien – QPR (2019) - Seiten 19+20 beschreibt u.A. die Evaluation der SIS

Informations- und Schulungsunterlagen zur Einführung des Strukturmodells in der ambulanten, stationären und teilstationären Langzeitpflege (2019) - Seiten 65ff beschreiben den großen und kleinen Evaluationskreislauf.

In Bezug auf das Sturzbeispiel, du hast recht...da der Expertenstandard hierzu eine Sturzanalyse fordert könnte in dieser auch dokumentiert werden, ob eine neue Situationseinschätzung des Risikos erforderlich ist (weil z.B. neue Risikofaktoren oder ein anderes Verhalten erkannt wurden) oder nicht.
Wenn neue Risikofaktoren dazu kommen würde, erschließt sich doch auch automatisch ein Verständigungsprozess mit dem Bewohner in Bezug auf neue Maßnahmen...da ist die Hälfte der SIS-Arbeit doch bereits erledigt und muss nur noch verschriftlich werden.
Gleichzeitig fordert, wie gesagt jeder Expertenstandard zu Risiken eine aktuelle Einschätzung des Risikos - wie willst du diese Anforderung tatsächlich für alle übersichtlich und abrufbar dokumentieren, wenn nicht in der SIS?
Ich finde die Verortung hier in der SIS ideal, wie gesagt, sobald sich die Voraussetzungen (Probleme/Ressourcen/Wünsche/Vorlieben/Gewohnheiten) für die Maßnahmenplanung geändert haben. Sonst kommen die Maßnahmen sowieso irgendwann "wie aus dem Nichts" und haben mit den erhobenen Infos in der SIS nichts mehr zu tun...genausowenig wie die Aussagen aus der Risikomatrix.

Aus diesem Grund gebietet es sich meiner Meinung nach logischerweise, z.B. Stürze als "gravierende Veränderung" (Zitat Informations- und Schulungsunterlagen, 2019, S 67) zu werten und in einen Verständigungsprozess mit dem Bewohner zu kommen. Dabei muss ja nicht die gesamte SIS neu aufgerollt werden, sondern nur die Aspekte, die ggf. neu dazukommen oder sich geändert haben.
 
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