Euthanasie?

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Maarek

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AW: Euthanasie?

Lieber Eisenbarth,
mir ist nicht klar was du mit deinem Beitrag meinst, oder wohin es tendiert. Es ist doch in der sache jedem klar das wir in Situationen kommen wo egal wie du entscheidest einem Zweifel bleiben und mit diesen muß du leben können. Es macht keinen Sinn sich in den Momenten von jeder Verantwortung zu drücken mit dem hinweis es obliegt nicht in meinem Verantwortungsbereich. Dann hat mann den falschen Job gelernt. Ds leben wäre ja schön wenn alles klärbar wäre aber das Leben ist nunmal nicht so.
Die fragestellung ist doch klar und eindeutig von lisy.
 
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Lisy

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AW: Euthanasie?

Hallo Eisenbarth,
ich frag mich halt, welche Kompetenz meinst du?
Gehts hier um die Zuständigkeit, Befugniss? (ich glaube weniger, weil die ist gesetzlich geregelt) Oder gehts eher um das Können, die Fähigkeit, das Vermögen was entscheiden zu können.
Ist man schon kompetent, wenn man einen bestimmten Beruf hat, z.B. der Arzt, oder ist man kompetent, wenn man genügend Erfahrung hat, wie z.B. eine PFK mit 30 jähriger Erfahrung in der Paliativpflege? Und bitte wer legt fest, wer kompetent ist und nach welchen klaren, nachvollziehbaren Kriterien wird dies festgelegt?
Du schreibst von klaren Handlungsanweisungen, "schreisst" nach Standards- das ist für mich ein klares Zeichen, das du ziemlich unsicher bist beim Thema Sterbebegleitung.
Ich brauch all dies nicht, weil ich weiß, das jeder so individuell stirbt, wie er gelebt hat und man eh selten nach Norm vorgehen kann.
Im Übrigen ist die Entscheidung, was zu tun ist, immer eine gemeinschaftliche, ich hab in meinen 30 Jahren Altenpflege nur ganz selten erlebt, das jemand ohne sich zu beraten eine Entscheidung trifft.
Aber ich hab schon manchmal erlebt, das die Menschen denen der "Tod versagt" z.B. durch Reanimation, sehr wütend auf ihre Retter waren.
Lisy
P.S. das heißt jetzt nicht, das wir keine groben Handlungsanweisungen haben
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

... ich muss jetzt auch sagen, dass mir im Verlauf der Diskussion langsam aufgeht, wo bei mir ein Verständnisproblem herrscht. Nämlich dabei, was es denn eigentlich bedeutet "eine Entscheidung zu treffen". Es gibt da, wie ich jetzt verstehe, klare rechtliche Auffassungen.
Ich bin hier allerdings davon ausgegangen, dass das Grundproblem nicht darin liegt, wer rechtlich gesehen ein "Entscheidung" zu fällen hat (im Beispiel klar der Sohn), sondern wer oder was zur "Entscheidungsfindung" beitragen soll (nach Auffassung des Thema-Starters das Pflegepersonal).
Das klingt jetzt sicherlich kompliziert. Ich meine z.B.: auf unserer Abteilung sind ca. 50% der Bewohner, die keine direkten zuständigen Angehörigen haben. Da ist in irgendeiner Form ein Beistand oder Betreuer zuständig. Wenn es jetzt um solch heikle medizinische Probleme wie hier beschrieben geht, wie wird da wohl der Rechtsweg sein? Wer wird entscheiden? der Richter, der Betreuer, der Hausarzt? mit Sicherheit wird durch irgendeine Hierarchiestufe auch derjenige um eine Einschätzung gefragt, der am nächsten am Bewohner/Patienten dran ist und nun raten wir mal wer das ist. Und wer hat dann eigentlich die Entscheidung getroffen?
Wenn ich mich jetzt auch noch frage, wer denn wohl die Kompetenz hat solche Entscheidungen zu treffen, wie es in den Beiträgen zuvor zur Debatte steht, fällt mir nur der Allmächtige ein.
Da helfen mir auch keine Paragraphen oder Stellenbeschreibungen, aber die Diskussion darüber ist schonmal eine grosse Hilfe!
du irrst dich. der sohn kann diese entscheidung nicht alleine fällen; hierzu muss er das amtsgericht/die betreuungsstelle anrufen. diese genehmigt dann (oder auch nicht) und ist somit ein teil des gefüges, das vielmehr zusammen die entscheidung fällt. (ich möchte übrigens behaupten, dass in diesem fall, wenn keine patientenverfügung vorliegt, niemals so entschieden werden dürfte, dass bei dislozierter PEG nunmehr durch unterlassen der sterbeprozess eingeleitet wird.)

was die situation auf deiner abteilung angeht: "der richter" und der betreuer (also das amt und der betreuer) entscheiden das de facto zusammen, hoffentlich unter rückgriff auf kompetente, fachlich korrekte, umfassende und fehlerfreie information durch das pflegepersonal/PFK's. falls das pflegepersonal hier sachdienliche informationen hat, deren zurückhalten für die betreffende person einen schaden bedeuten könnte, dann müssen diese natürlich auch kommuniziert werden - da ist ja immer noch so etwas wie eine fürsorgepflicht, und auch 'das unterlassen' selber ist eine aktive handlung.

nochmal: die entscheidung trifft der betreuer, genehmigt durch das gericht, unter rückgriff auf alle relevanten informationsquellen (wenn es diese denn gibt; wovon ich in einer ambulanten oder stationären versorgung mal ausgehe). wenn ich beobachten würde, dass ein betreuer entscheidet, eine PEG sei nicht wieder neu zu legen, womit verbunden wäre, dass die betreffende person unweigerlich stirbt, dann frage ich zumindest beim gericht um rat.
und paragraphen können auf jeden fall weiterhelfen (siehe den von mir verlinkten). gesetze sind unsere gesellschaftlichen normen - sicherlich ist es nicht irgendein "allmächtiger"; und an die müssen wir uns alle halten, religionsunabhängig. wir alle haben in unserer ausbildung die ausbildungs- und prüfungsordung kennengelernt, das BGB, das betreuungsgesetz usw usf. wir alle sind gehalten, uns fortzubilden und auf einem aktuellen stand zu sein. wir alle haben diese ausbildung freiwillig gemacht und müssen (und können) damit leben - oder wir haben zu gehen, wenn uns das nicht passt.


Lieber Eisenbarth,
mir ist nicht klar was du mit deinem Beitrag meinst, oder wohin es tendiert. Es ist doch in der sache jedem klar das wir in Situationen kommen wo egal wie du entscheidest einem Zweifel bleiben und mit diesen muß du leben können. Es macht keinen Sinn sich in den Momenten von jeder Verantwortung zu drücken mit dem hinweis es obliegt nicht in meinem Verantwortungsbereich. Dann hat mann den falschen Job gelernt. Ds leben wäre ja schön wenn alles klärbar wäre aber das Leben ist nunmal nicht so.
Die fragestellung ist doch klar und eindeutig von lisy.
sage mir mal bitte eine situation, die du als nicht klärbar empfinden würdest.


Hallo Eisenbarth,
ich frag mich halt, welche Kompetenz meinst du?
Gehts hier um die Zuständigkeit, Befugniss? (ich glaube weniger, weil die ist gesetzlich geregelt) Oder gehts eher um das Können, die Fähigkeit, das Vermögen was entscheiden zu können.
Ist man schon kompetent, wenn man einen bestimmten Beruf hat, z.B. der Arzt, oder ist man kompetent, wenn man genügend Erfahrung hat, wie z.B. eine PFK mit 30 jähriger Erfahrung in der Paliativpflege? Und bitte wer legt fest, wer kompetent ist und nach welchen klaren, nachvollziehbaren Kriterien wird dies festgelegt?
Du schreibst von klaren Handlungsanweisungen, "schreisst" nach Standards- das ist für mich ein klares Zeichen, das du ziemlich unsicher bist beim Thema Sterbebegleitung.
Ich brauch all dies nicht, weil ich weiß, das jeder so individuell stirbt, wie er gelebt hat und man eh selten nach Norm vorgehen kann.
Im Übrigen ist die Entscheidung, was zu tun ist, immer eine gemeinschaftliche, ich hab in meinen 30 Jahren Altenpflege nur ganz selten erlebt, das jemand ohne sich zu beraten eine Entscheidung trifft.
Aber ich hab schon manchmal erlebt, das die Menschen denen der "Tod versagt" z.B. durch Reanimation, sehr wütend auf ihre Retter waren.
Lisy
P.S. das heißt jetzt nicht, das wir keine groben Handlungsanweisungen haben
rechtlich ist man kompetent, wenn man eine bestimmte ausbildung hat, ja. praktisch ist man kompetent, wenn etwas kann. das hilft einem nur nicht viel weiter, wenn man es nicht darf. ob eine PFK oder PHK 30 jahre in der palliativpflege arbeitet und wirklich erfahren ist, ist beinahe völlig irrelevant, wenn es zu einem fall wie dem im ersten posting geschilderten kommt, denn sie 'könnte' vllt etwas entscheiden, darf es aber nicht. ihre kompetenz liegt hier darin, derartiges an die stellen weiterzuleiten, die es können und dürfen & dabei die von ihr gesammelten relevanten informationen kompetent mitzuliefern.

ich "schreie" übrigens nicht nach standards, und es macht auch keinen sinn, diese diskussion auf eine solche ebene ziehen zu wollen. als ich von standards geschrieben habe, ging es um die frage, ob im konkreten fall (siehe posting) ein arzt gerufen werden muss und was bei konkretem zeitmangel (siehe posting) weiter zu erfolgen hat. bitte lese im kontext.

diese stereotypen aussagen wie "jeder stirbt individuell" bringen niemand etwas. denn das wissen wir hier (vermutlich alle) schon und außerdem hat es halt überhaupt nichts damit zu tun, worüber hier gesprochen wird.
dass es, was die individualität des sterbens angeht, keine standards gibt, ist mir (übrigens sogar mit etwas weniger erfahrung als 30 jahren) tatsächlich auch schon klar geworden... dass es aber mitunter sehr klare handlungsanweisungen gibt, das ist mir ebenso klar. die pauschale aussage "(...) dass wir keine groben handlungsanweisungen haben" ist in ihrer allgemeingültigkeit schon nahe an der unverständlichkeit. was willst du damit sagen?

nach "norm" vorgehen kann um muss man aber dann, wenn es um fragen geht wie: "endet hier meine kompetenz, muss hier ein arzt gerufen werden", "muss hier ein richter informiert werden". oder entscheidest du das rein gefühlsmäßig und nur auf basis deiner persönlichen erfahrungen? kann das jemand mit 20 jahren berufserfahrung auch? auch jemand mit 2 jahren, oder einem? wer zieht dann die grenze, ab wann jemand erfahren ist? jeder für sich selber? ich denke, so funktioniert es wohl eher nicht am besten......
 
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AW: Euthanasie?

Richtig Eisenbarth,
deswegen meine Frage nach der Kompetenz, die du leider nicht ausreichend beantwortet hast.
Ach übrigens, für mich gehts schon lange nicht mehr um das Eingangsposting, das war zumindest für mich, nur ein Beispiel.
Hier gehts mir eher um die Frage des eigenen Umgangs mit Situationen die sehr grenzwertig sind.
Und nein, würdest du im Kontext lesen, hättest du gelesen, das wir diese Art von Fragen bereits im Erstgespräch klären, damit es eben nicht zu Situationen kommt, wo die Vorgehensweise nicht ganz klar ist.
Lisy
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

Richtig Eisenbarth,
deswegen meine Frage nach der Kompetenz, die du leider nicht ausreichend beantwortet hast.
Ach übrigens, für mich gehts schon lange nicht mehr um das Eingangsposting, das war zumindest für mich, nur ein Beispiel.
Hier gehts mir eher um die Frage des eigenen Umgangs mit Situationen die sehr grenzwertig sind.
Und nein, würdest du im Kontext lesen, hättest du gelesen, das wir diese Art von Fragen bereits im Erstgespräch klären, damit es eben nicht zu Situationen kommt, wo die Vorgehensweise nicht ganz klar ist.
Lisy
lobenswert, dass ihr die frage nach den versorgungsmodalitäten im sterbefall direkt im erstgespräch klärt. aber irgendwie ist das dann doch ein vorgehen nach standard, oder? (übrigens glaube ich nicht, dass in irgendeinem erstgespräch fragen gestellt werden wie: wenn sie dement werden und eine PEG-anlage haben, möchten sie, dass selbige, wenn sie von ihnen herausgerissen wird, wieder neu gelegt wird?)


was den kontext angeht: du hast mir unterstellt, ich sei vermutlich unsicher im umgang mit sterbenden. dabei verweist du darauf, dass ich 'nach standards schreien würde'. beides ist nicht zutreffend, herauslesbar aus dem kontext. kontext bedeutet übrigens nicht, dass man auf 11 seiten thread eine info übersehen kann, sondern eher, dass eine information, die im direkten zusammenhang mit anderen infos steht, nur schwer aus ihrem kontext herauslösbar ist, um dann irgendwelche folgerungen aufzustellen.


wie hättest du die frage nach der kompetenz denn beantwortet haben wollen? was ist dir da zu unkonkret? würde mich interessieren, was für dich hier eine "ausreichende beantwortung" ausmacht.

€:
ich hab mein posting weiter oben gerade noch einmal durchgelesen. mir erschließt sich wirklich nicht so ganz, welche frage nach kompetenzen nicht so richtig beantwortet wurde. die kombination aus den uns allen bekannten rechtsgrundlagen für die ausbildung sowie der erweiterten rechtskunde, die wir alle seit der ausbildung kennen, zusammen mit der heute allen möglichen information über das internet (alle gesetze sind mit wenig aufwand z.b. über google zu finden) lässt für mich nur noch wenig terra inkognita übrig. zumindest was die in diesem thread geschilderten 'fälle' angeht, ebenso, was die in diesem thread aufgeführten berufsgruppen angeht. wo also fehlt dir da etwas in meiner antwort? im zweifel versuche ich dann gerne, nachzuliefern.
 
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AW: Euthanasie?

Genau diese Fragen werden im Erstgespräch oder spätestens nach der Eingewöhnungsphase gestellt. Es wird auch gefragt, welche Beerdigungsfirma sie haben wollen.

Und ja es sind die Angehörigen, die das entscheiden, wenn der neue Bewohner dement ist!
 
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nofretete

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AW: Euthanasie?

Sorry Eisenbarth, habe dein Beitrag nicht ganz zu Ende gelesen, natürlich wird nicht geklärt, was passiert, wenn PEG liegt und irgendwann gezogen wird, ob neu oder nicht! Die Kompetenzen können sich ja auch ändern, wie im Eingangspost beschrieben!

Aber mir ist nach wie vor nicht klar, was du eigentlich für eine Meinung zu diesem Thema hast, sprichst du Angehörigen die Entscheidungsfindung ab, willst du jedesmal Gerichte bemühen, wenn eine Frage zu klären ist, willst du jedesmal einen NA oder BA holen, wenn eine Entscheidung zu fällen ist?

Also ich bin mit der Regelung des Patiententestamentes gut beraten, kann mich darauf verlassen, dass wenn der Sterbeprozess beginnen sollte, ich die Angehörigen informiere, wenn sie es wollen (wird auch vorher festgelegt) und einen Arzt würde ich dann eben nur rufen, wenn Komplikationen auftreten sollten, da gibt es einige, ich weiß, manchmal ist sogar eine Palliativstation angesagt, das wird dann eben auch mit den Angehörigen/Betreuung entschieden, aber wir haben dies noch nie über Gerichte entscheiden müssen. Manchmal werden wir gefragt, Schwester was würden sie mir raten, dann sag ich halt meine Meinung dazu, aber entscheiden tut immer der Betreuer, egal wenn ich sage nun ich würde keine PEG-Anlage befürworten, kann der Betreuer sich dafür entscheiden, meine Meinung zählt da überhaupt nicht.
 
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AW: Euthanasie?

nachdem ich jetzt die letzten Beiträge gelesen habe, komme ich zu dem Ergebnis, dass wir alle das möglichst Richtige tun wollen. In einem vorhergehenden Beitrag hat jemand die Schlussfolgerung getroffen: diese Diskussionen die wir hier führen sollten unbedingt in den Teams und mit allen Beteilgten im jeweiligen Fall geführt werden.

Natürlich brauchen wir Standards in deren Rahmen wir uns bewegen und die den nicht so erfahrenen Sicherheit geben. Es braucht aber auch die erfahrenen Pflegekräfte, die den jungen unerfahrenen Sicherheit geben können. Übrigens bin auch ich ein "alter Hase", aber ich kann gar nicht alt genug werden, um auf Austausch mit "jungem" Wissen und Erfahrenheit der Langjährigen verzichten zu können. Übrigens bedeuten Standards nicht, sich vor Verantwortung drücken zu wollen. Sie geben den Rahmen vor für klare Situationen. Aber wie wir hier ja sehen, kommt es immer wieder zu Situationen, in denen uns Standards nicht weiterhelfen. Dann sind die Menschen im nächsten Umfeld gefragt. Das ist zwar meist die Familie, aber eben nicht zwangsläufig. Es kann genauso die erfahrene, vertraute, langjährige PK sein, die den Mut hat, keinen Arzt zu rufen und keine "Maschinerie mehr in Gang zu setzen, rein menschlich handelt und die dafür auch die Verantwortung übernimmt! Gibt es keine Angehörigen, sollte grundsätzlich ein gutes Verhältnis und Zusammenarbeit mit dem gesetzlichen Betreuer angestrebt werden. Das gleiche gilt für Ärzte.
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

+1 zu speerkämpferin!!

ergänzen würde ich da noch wollen, dass standards primär auch für eine uniforme vorgehensweise benötigt werden, auf aktuellstem stand medizinischer und pflegewissenschaftlicher erkenntnisse - auch, damit nicht jeder "seine" (subjektive) erfahrung in handeln umsetzt und alle insgesamt etwas anderes machen. standards sind ja nicht primär dafür da, unerfahrene mitarbeiter 'anzuleiten', sondern eher, um allen mitarbeitern eine handlungsstruktur zu geben.

Aber mir ist nach wie vor nicht klar, was du eigentlich für eine Meinung zu diesem Thema hast, sprichst du Angehörigen die Entscheidungsfindung ab, willst du jedesmal Gerichte bemühen, wenn eine Frage zu klären ist, willst du jedesmal einen NA oder BA holen, wenn eine Entscheidung zu fällen ist?
wie kommst du bitte auf diese fragen?! Oo

wo habe ich irgendetwas davon gesagt?

ich beantworte jede dieser fragen mit: nein, natürlich nicht. aber irgendwie glaube ich auch nicht, dass die ernst gemeint waren. -.-
 
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Speerkaempferin

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AW: Euthanasie?

....ich möchte noch weiter ergänzen.....
an Standards müssen, dürfen und sollten wir uns aber auch nicht festklammern! Mit Herz, Kopf und Verstand müssen wir oft mal abweichen. Wir müssen aber unsere Abweichungen begründen. Das setzt natürlich voraus, dass wir uns vor Verantwortung nicht drücken, dass wir uns selbst sicher sind und letztendlich zu unserem Tun stehen und damit leben können. Ebenfalls müssen wir manchmal Entscheidungen, die von Anderen getroffen werden auch akzeptieren ohne uns zu zermürben. Gerade bei für uns manchmal nicht nachvollziehbaren familiären Entscheidungen steht uns nicht zu, die lebenslangen Verhältnisse, die wir oft gar nicht in vollem Umfang erfahren, zu bewerten.
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

....ich möchte noch weiter ergänzen.....
an Standards müssen, dürfen und sollten wir uns aber auch nicht festklammern! Mit Herz, Kopf und Verstand müssen wir oft mal abweichen. Wir müssen aber unsere Abweichungen begründen. Das setzt natürlich voraus, dass wir uns vor Verantwortung nicht drücken, dass wir uns selbst sicher sind und letztendlich zu unserem Tun stehen und damit leben können. Ebenfalls müssen wir manchmal Entscheidungen, die von Anderen getroffen werden auch akzeptieren ohne uns zu zermürben. Gerade bei für uns manchmal nicht nachvollziehbaren familiären Entscheidungen steht uns nicht zu, die lebenslangen Verhältnisse, die wir oft gar nicht in vollem Umfang erfahren, zu bewerten.
bezogen auf deinen letzten satz möchte ich folgendes ergänzen:

mit augenmerk auf das erste posting in diesem thread hast du in meinen augen mit ziemlich hoher wahrscheinlichkeit recht (die schilderung ist eigentlich auch nicht ausreichend, um das erschöpfend beantworten zu können). festzuhalten ist aber in einem solchen fall (mE ganz eindeutig, siehe auch bgb-link), dass dies ein fall für die betreuungsstelle ist. solch eine finale, sicher zum tode führende entscheidung, darf ein angehöriger nicht selber treffen. und das ist auch gut so.
 
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Ich finde dies ist ein sehr schwieriges Thema und ich denke das es immer wieder auf den Patienten drauf ankommt.

Jeder hat seine eigenen Vorstellungen davon , wann ein Leben noch lebenswert ist.

Wir hatten im Heim eine Bewohnerin, immobil, PEG, teilnahmslos. Ja, wenn ich mich richtig zurückerinnere, dachte ich oft für mich, das ich auf diese Art nicht weiterleben möchte.

Ein Patient kann teilnahmlos wirken, aber wissen die Aussenstehende wirklich, das es so ist? Niemand kann sich in so einen Patienten hineinfühlen. Was ist wenn er doch noch an Dingen Interesse zeigt, die bisher nicht erkannt wurden.

Die oben genannte Bewohnerin reagierte irgendwann später auf Musik, die ihre Angehörigen mitgebracht hatten. Alle wunderten sich.

Ich habe sterbende Menschen erlebt, die nicht bereit waren, aber auch Menschen, die froh waren endlich auf die andere Seite zu gehen.

Für mich selber kann ich entscheiden, wann es Zeit ist zu gehen, aber ich könnte niemals die Entscheidung für andere Menschen treffen.
 
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Tilidin

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AW: Re: Euthanasie?

Für mich selber kann ich entscheiden, wann es Zeit ist zu gehen
Solange es uns relativ gut geht, glauben wir Alle, diesen Moment im Griff zu haben.
Geglaubt haben es bestimmt auch 95% von dehnen, die den Moment verpasst haben.


Ein Patient kann teilnahmlos wirken, aber wissen die Aussenstehende wirklich, das es so ist?
In der Regel liegt er im Doppelzimmer, sein Bettnachbar hat die gleiche Diagnose, die Tür ist in den meisten Häusern, 22 Std. geschlossen, die Angehörigen kommen immer weniger( es gibt tolle Einzelbeispiele)Fernsehen oder Musik, ist auch ein seltener Gast.
Der Stempel (Austherapiert) steht förmlich auf der Stirn, mit viel Glück kommt einmal in der Woche die BT u. spricht 10 Min. mit dem Bewohner. Mit ganz viel Glück, habe ich Pflegekräfte, die bei der Versorgung ein paar Sätze an den Bewohner richten.
Mein Gott: was für ein besch.........Zustand.Hoffentlich werde ich es so nicht erleben, denn dann kann ich nur abstumpfen u. teilnahmslos dahin...................

Sorry Mialynn: es geht nicht gegen Dich, ich hab nur meine Gedanken laufen lassen
 
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AW: Euthanasie?

Hallo Tillidin,
das ganze Spiel geht auch anderst rum. Meine Mutter war sehr, wirklich sehr dement, konnte fast nichts sehen und hörte schlecht. Die Pfleger haben deswegen das Radio ständig angemacht und freundlicherweise den Fernseher eingeschaltet. Weil sie außer der Demenz noch die anderen Defizite hatte wurde sie gnädigerweise dann auch noch "fixiert" (mit der Begründung Sturzprophylaxe) und dann haben sich alle gewundert, das sie so aggresiv wurde.
Ihr merkt: selbst nach Jahren hab ich noch eine Wut im Bauch. Meine Mutter wollte leben, sie lebte in ihrer Welt und wäre eigentlich, war sie auch immer wenn man sie lies, sehr zufrieden.
Ich denke, solange wir nicht sehr genau hinsehen und hinhorchen und uns in den uns Anvertrauten hineinspüren, solange wirds immer "unmenschliche" Situationen geben.
Und wir können uns nie sicher sein, wer wann Leben und wer wann sterben will und vor allem wieso.
Lisy
 
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Hallo Tillidin,

sicherlich hast du Recht. Vielleicht habe ich mich etwas ungenau ausgedrückt. Ich wollte damit auf die Möglichkeit einer Patientenverfügung hindeuten, die man auch zu guten Zeiten machen kann.


In der Regel liegt er im Doppelzimmer, sein Bettnachbar hat die gleiche Diagnose, die Tür ist in den meisten Häusern, 22 Std. geschlossen, die Angehörigen kommen immer weniger( es gibt tolle Einzelbeispiele)Fernsehen oder Musik, ist auch ein seltener Gast.
Der Stempel (Austherapiert) steht förmlich auf der Stirn, mit viel Glück kommt einmal in der Woche die BT u. spricht 10 Min. mit dem Bewohner. Mit ganz viel Glück, habe ich Pflegekräfte, die bei der Versorgung ein paar Sätze an den Bewohner richten.
Mein Gott: was für ein besch.........Zustand.Hoffentlich werde ich es so nicht erleben, denn dann kann ich nur abstumpfen u. teilnahmslos dahin...................
Ich bin froh, das ich noch nie in einem Pflegeheim gearbeitet habe, wo dein oben genanntes Beispiel die REGEL war. Nein, es gibt keinen perfekten Ort, aber so wie in deinem Fall beschrieben habe ich es noch nicht mitbekommen.

Liebe Grüsse an Dich
 
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AW: Euthanasie?

"unmenschliche" Situationen geben.
Klar Lisy, leider wird es solche oder solche Situationen geben, wenn die Gesellschafdft etwas in die Qualität u. Quantität investieren wüde, dann hätte ich auch ein besseres Gefühl, wenn es um das Altwerden geht.

Ich würde ja viel mehr Selbsterfahrung in die Ausbildung einbauen. Wie ist es nicht zu kommunizieren, wie ist es fixiert allein im Raum zu liegen,wie ist es 300ml innerhalb von 3 Sekunden in den Rachen zu bekommen, oder wie fühlt es sich an, nass im Bett zu liegen.Wie fühlt es sich an, aufs Klo zu müssen u. es kommt keiner u.s.w.
Ferner könnte man viel mehr Rollenspiele machen, dann hätten wir hoffentlich weniger dramatische Zeitugsberichte, die immer die komplette Pflege als desolat darstellen.

Aber eins können wir alle tun, wenn etwas sehr auffällig ist, dann kann man es melden, wenigstens anonym.
 
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Eisenbarth

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AW: Re: Euthanasie?

Hallo Tillidin,

(...)


Ich bin froh, das ich noch nie in einem Pflegeheim gearbeitet habe, wo dein oben genanntes Beispiel die REGEL war. Nein, es gibt keinen perfekten Ort, aber so wie in deinem Fall beschrieben habe ich es noch nicht mitbekommen.

Liebe Grüsse an Dich

das habe ich seit meiner ausbildung so unglaublich oft gesehen - vollstationär, ambulant, in schilderungen bekannter kollegen, durch schilderungen von schülern (i.r. von unterricht, den ich gegeben habe - ich erwähne das, weil es nicht um die einigen schüler geht, die ich mal angeleitet habe, sondern um wirklich erwähnenswert viele; und auch von den schülern im praktikum während der arbeit höre ich solche schilderungen) - ich halte das für einen quantitativ mindestens fixen, eher steigenden anteil der täglichen realität in der vollstationären pflege außerhalb von krankenhäusern und behinderteneinrichtungen - und in der ambulanten pflege sowieso.
 
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AW: Euthanasie?

Ach Tilidin,
und dann, was glaubst was dann passiert- nichts, wirklich nichts. Ich weiß jetzt nicht wie oft ich schon den Kampf gegen "diese Windmühlen" geführt habe. Gebracht hat es nichts außer das ich selber zur "Zielscheibe" wurde.
Ich setz inzwischen all meine Hoffnung in die Schulung der Kollegen und Angehörigen. Ist auch sehr ermüdend aber vielleichts hilft es ja.
Und du hast durchaus Recht mit den Rollenspielen, die müßte man viel öfter machen (hätte da was für den tread wo es um früher geht) Ich habe in meiner Ausbildung viele, sehr viele Rollenspiele gemacht- geschadet hat es nicht.
Lisy
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

erg.:

mir haben diese rollenspiele i.d. ausbildung sehr wohl geschadet - ich habe es leider so kennengelernt, dass das überwiegend mit "schauspiel" verwechselt wurde. fast niemand hat das auch nur näherungsweise ernst genug genommen. ich halte von rollenspielen wesentlich weniger, als von methodisch sinnvoll eingebettetem diskurs mit einer klasse, zu der man ein vernünftiges lehrverhältnis aufgebaut hat, während dessen man dann konkret einen einblick in eine rolle verbalisieren kann, ohne die rolle auch darstellen zu müssen.
warum geschadet? weil ich meine zeit an diesen stellen lieber für inhalte, ergebnisse, perspektiven etc pp verwendet gewusst hätte.. :/
 
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AW: Euthanasie?

Hallo Eisenbarth,
jepp so ist das Leben, was dem Einem hilft schadet dem anderen. Oder anderst "gesagt" gut das wir alle verschieden sind und das deswegen immer wieder eine hilfreiche Diskussion entsteht die dann im Fortschritt endet.
Lisy
 
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