Euthanasie?

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Heiri78

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AW: Euthanasie?

ich kann die Meinung von chrodechilde teils sehr wohl verstehen, da es mir persönlich auch nicht darum geht wie jemand war oder gelebt hat, sondern dass es, wie auch hier schon mehrfach zum Ausdruck gebracht, um den jetzigen (Leidens-)Zustand des betroffenen Menschen geht.
Und diesen Einzuschätzen ist gerade bei kognitiv solch starken Einschränkungen (auf meiner Abteilung allerdings besonders im dementiellen Bereich) halt doch "Mit-Aufgabe" der Pflegenden, wie ich meinen möchte. Selbstverständlich nicht ohne Rücksprache mit den Angehörigen.
Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich vom Arbeiten in der Schweiz auch einen vielleicht anderen Umgang mit dem Thema erlebe und sehe, dass Angehörige es sehr schätzen, wenn die Pflegekräfte sie bei solchen Entscheidungen unterstützen.
... und je mehr ich darüber nachdenke, kann ich mir immer weniger vorstellen, wie man Angehörige mit solchen Entscheidungen nur alleine lassen kann, selbst wenn "alles geregelt ist".
Geht es hier eigentlich um ein Kommunikationsproblem?, ein Vertrauensproblem?, ... trauen wir Angehörigen "Fachkompetenz" zu, trauen Angehörige uns "Fachkompetenz" zu?
Es würde vielleicht vieles vereinfachen, wenn man miteinander redet (ein bisschen wie wir hier).
 
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chrodechilde

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AW: Euthanasie?

Um vorneweg mal ein missverständniss auszuschliessen, ich war bei dem anfangs erwähnten beispiel nicht dabei, habe aber ähnliche fälle erlebt.

Wer schon oft mit wachkoma patienten gearbeitet hat (und zwar nicht nur solange sie noch voll beatmet waren) weiss, dass sich die persönlichkeit dieser menschen oft stark verändert, es sind leider oft nicht mehr die menschen wie die angehörigen sie kannten.

Und wenn man da eben nicht so die erfahrung und offenheit besitzt einen menschen in so einem zustand zu beurteilen und sich dann auf willensäusserungen des patienten beruft, die er in einer ganz anderen situation ausgesprochen hat, dann kann das schon mal ganz schön daneben gehen.

In dem anfangserwähnten beispiel war es ja wohl ganz offensichtlich so, dass nicht nur eine pflegekraft die richtigkeit der entscheidung des sohnes angezweifelt hat.

Die patienten war eben definitiv noch nicht in einem sterbeprozess, sonst hätten die pflegekräfte sicher zugestimmt.

Ich hab echt den eindruck wir reden aneinander vorbei.

Mal ein anderes beispiel:

Ihr kennt vielleicht die geschichte „schmetterling und taucherglocke“., da ging es um einen looked in patienten

Da sah es für einen laien oder einen abgestumpften mediziner auch aus als wäre es besser das zu beenden.
 
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chrodechilde

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AW: Euthanasie?

Muss noch mal nachlegen, bin grad so schön in fahrt:)

Was das anfangs erwähnte beispiel eben auch wieder so gut darstellt ist, die oft bodenlose ignoranz die uns manchmal ebenjene entscheidungsträger entgegenbringen.

Ein normaler wald und wiesen hausarzt kann das sicher nicht annähend so gut beurteilen wie eine erfahrene pflegekraft und erst recht kein richter!

Warum zählt da die beobachtung des pflegenden so wenig.
Das ist es, worum es mir geht, nicht das ich als, der berüchtigte chrodechiderich mehr ahnung habe als der rest der welt.

Vielleicht hast du Renje mich da wirklich falsch verstanden.

Vielleicht bist du für solche paxisorientierten themen halt ein bisschen überqualifiziert.

Das ist sowieso DAS problem unserer gesellschaft, dass sich jeder als experte fühlt und überall mitreden will.

Ich kenn das von den abiturienten die immer so frisch von der schule kommen, die sind sich auch immer so sicher das sie bescheid wissen.

Und übrigens Sorry das ich es an demut fehlen lassen habe, so was ist schliesslich das wichtigste für einen krankenschwester (jedenfalls für einen unakkademisierten)
 
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Christian Kröhl

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AW: Euthanasie?

Vielleicht hast du Renje mich da wirklich falsch verstanden.

Vielleicht bist du für solche paxisorientierten themen halt ein bisschen überqualifiziert.

Das ist sowieso DAS problem unserer gesellschaft, dass sich jeder als experte fühlt und überall mitreden will.

Ich kenn das von den abiturienten die immer so frisch von der schule kommen, die sind sich auch immer so sicher das sie bescheid wissen.

Und übrigens Sorry das ich es an demut fehlen lassen habe, so was ist schliesslich das wichtigste für einen krankenschwester (jedenfalls für einen unakkademisierten)
chrodechilde,
damit Du den Unterschied zwischen Demut und einem grundlegenden respektvollen Umgang noch mal erGooglen kannst, hast Du hier jetzt für einige Tage Sendepause. Daher schon jetzt "Guten Rutsch" und ich hoffe Du hörst im Gegensatz zu Deinem Posting zumindest in der Sylvesternacht den einen oder anderen Knall.

Christian.
 
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AW: Euthanasie?

Wow Herr Kröhl, ich glaube sie hat irgendwie den "Abstand" zu ihren Bewohnern verloren! Das kann sehr gefährlich werden, wenn sie nicht sofort die Notbremse für sich zieht!

Ich meine, ich lasse manche auch sehr ungern "gehen",schließlich bin ich nicht aus Stein, aber wenn es soweit ist, dann ist es so, nur leiden, das soll keiner!
 
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Maarek

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AW: Euthanasie?

Hallo Christian ,wow was für eine Reaktion jemanden von dieser interessanten Diskussionsrunde auszuschließen.
Klar war die Meinung meiner Meinung nach geprägt von Selbstüberschätzung aber dennoch irgendwie nachvollziehbar. Da zeigt sich die leider schon oft von mir beobachtete Betriebsblindheit, Chrodechildes Beitrag hat sein gutes den ich fühlte mich auch ertappt manchmal ähnlich überheblich zu denken.
Und gerade in diesen Forum braucht man manchmal radikale Meinungsäußerung um aufgeweckt zu werden.
Euch allen einen "Guten Rutsch"
 
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Heiri78

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AW: Euthanasie?

Es würde vielleicht vieles vereinfachen, wenn man miteinander redet (ein bisschen wie wir hier).
... das war dann wohl daneben.:blink:

vielleicht könnte man sich auch einfach angewöhnen, eine Diskussion nicht gleich unnötig im Ton zu verschärfen, wenn man andere Meinungen vertritt. Besonders, wenn es solch vielschichtige Diskussionspartner wie hier gibt, wo es ja wohl klar ist, dass nicht jeder Beitrag auf Anhieb beim anderen ankommt wie gedacht.

Grüsse
 
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Christian Kröhl

Christian Kröhl

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AW: Euthanasie?

Hallo Christian ,wow was für eine Reaktion jemanden von dieser interessanten Diskussionsrunde auszuschließen.
Klar war die Meinung meiner Meinung nach geprägt von Selbstüberschätzung aber dennoch irgendwie nachvollziehbar.
Die temporäre Sperrung bezieht sich nicht auf den Diskussionsinhalt von chrodechilde, den ich im Übrigen für gelinde gesagt völlig daneben halte. Die Sperre hat er für seine glanzvolle Einzelleistung in Form einer überaus unqualifizierten Tirade in Richtung renje kassiert. Und unqualifiziert bezieht sich hier nicht auf fachliches, sondern auf sein Sozialverhalten. Wer denkt, sowas geht hier durch, irrt.

Gruß,
Christian.
 
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AW: Euthanasie?

Hallo Maark, eine interessante Diskussionsrunde?
Ja da darf schon mal scharf geschossen werden. Aber "Diskussion" beinhaltet, dass ich offen bin für das Pro und Kontra und dass ich dabei meine eigenen Ansichten reflektieren kann, nachdenken kann über andere Sichtweisen. Wie oft sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sinn von Diskussionen sollte immer sein:
1. durch abwägen anderer Sichtweisen den Blick in andere Richtungen zu öffnen, alte Zöpfe abschneiden zu können wenn nötig
2. Erfahrungswerte Anderer zusammenzutragen
3. hilft, sich eine Meinung bilden zu können auf einem Gebiet in dem man sich noch nicht so auskennt, sich nicht sicher ist
4. Andere motivieren, begeistern zu können
5. Schüler und Unerfahrene teilhaben zu lassen und deren Fragen ohne Überheblichkeit zu beantworten, Hilfestellungen zu geben.

Aber das was Chrodechilde von sich gibt ist kein konstruktiver Diskussionsbeitrag, sondern der Standpunkt einer maßlosen Arroganz und Selbstüberschätzung. Zudem scheint sie ein großes Problem mit "akademisierten" Menschen zu haben. Ich hätte Angst, meinen Angehörigen in ihren Händen zu wissen.

Dennoch Respekt, Maark vor deiner Offenheit, dich "ertappt" zu fühlen.
 
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AW: Euthanasie?

Warum zählt da die beobachtung des pflegenden so wenig.
Das ist es, worum es mir geht, nicht das ich als, der berüchtigte chrodechiderich mehr ahnung habe als der rest der welt.
Weil das eines der grundlegenden Dilemmata der Pflege ist!

Ich habe mit Pausen diese sehr interessante Diskussion verfolgt und muss mich nun auch mal zu Wort melden.

Die Energie, mit der hier diskutiert wird, zeigt mir ganz klar, dass sich bei vielen einiges aufgestaut hat, dass viele ähnliches erlebt haben.
Der Austausch, der hier stattfindet, müsste nach entsprechenden Erlebnissen eigentlich in jedem Team und in jeder Einrichtung laufen. Ich bin sicher, dass die Beteiligten sich dann weniger hilflos fühlen würden.

Wir sind als Pflegende nun einmal keine Profession (ob wir überhaupt eine sind, ist eine andere Diskussion), die über die Frage Leben oder Tod zu entscheiden hat.
Manche mögen das begrüßen, weil sie damit ihren harten Arbeitsalltag leichter ertragen können. Andere bedauern das, weil sie der Ansicht sind, mit der richtigen Pflege doch alles und jeden retten zu können.

Das ethische Grunddilemma wird von dem englischen Pflegetheoretiker und Professor für Psychiatrische Pflege Phil Barker (tja, schon wieder ein Akademiker) in einer der letzten Ausgaben von "Psychiatrische Pflege heute" sehr gut beschrieben:
Pflegende müssen immer wieder und in allen Bereichen Tätigkeiten durchführen und Entscheidungen akzeptieren, die sie selbst nicht geplant oder getroffen haben. Dabei wird aber nie nach der persönlichen Ethik gefragt.

Barker vergleicht in einem Beispiel einen Krebspatienten mit einem Psychotiker.
Der Krebspatient kann trotz eindeutiger Diagnostik seiner Erkrankung und einer ziemlich genauen Prognose seine weitere Behandlung verweigern und den sicheren Tod wählen. Zwar werden ihn alle Beteiligten bestürmen und versuchen zu einer anderen Entscheidung zu bewegen. Letzlich werden sie ihn aber zähneknirschend ziehen lassen.

Der Psychotiker, der sich weigert, seine Medikamente zu nehmen, die ihn vor selbstgefährdenden Handlungen schützen, wird evtl. auf Anordnung des Arztes fixiert und zwangsmediziert. Der Arzt in der Psychiatrie hat nur seine persönliche Einschätzung, keine eindeutige Diagnostik! Für die Fixierung ist aber das Pflegepersonal zuständig, obwohl sie den Patienten vielleicht ganz anders einschätzt. Das interessiert aber zunächst nicht.
Dabei wäre die schlimmste Konsequenz für den Psychotiker bei einer Fehleinschätzung dieselbe wir beim Krebspatienten - er ist tot, hat aber die Zeit davor selbst bestimmt und seine Entscheidung autonom gefällt.

Beim Thema Sterben und Tod bricht dieses Dilemma eben besonders krass durch.
Viele von uns haben mit solchen Fragen schon zu tun gehabt. Und jeder verarbeitet das anders und geht anders damit um.
Dabei glaube ich nicht, dass "Erfahrung" dabei eine herausragende Rolle spielt. Eine Krankenschwester, die in einem Hospiz arbeitet, sieht die Sache vielleicht erheblich entspannter, als unser Chrodechilde. Und das hätte nichts mit mangelnder Erfahrung zu tun.

Es wurden in diesem Thread bereits viele gute Punkte besprochen und heiß diskutiert.
Wenn wir eine Profession sein und professionell handeln wollen, dann müssen wir es schaffen, uns in solchen Grenzbereichen selbst zu reflektieren und auf das Wesentliche der Pflege zurückzukommen - die Beziehungsgestaltung zu unseren Patienten. Es bringt uns weder persönlich noch beruflich weiter, wenn wir uns anderen Berufsgruppen "andienen", indem wir deren Verantwortung auch noch auf uns laden.

Und wenn ein Sohn beschließt, aus Gründen, die er für richtig hält, die Nahrungszufuhr zu stoppen, ist es doch an uns, die Patientin in ihrer verbleibenden Zeit zu begleiten und das Gehen zu erleichtern indem wir selbst loslassen.

Und für diejenigen, für die solche Fremdentscheidungen eine schwere Belastung darstellen, sollte es dann eine Möglichkeit zur neutralen Aussprache geben, evtl. im Rahmen einer Supervision.
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

Hallo stern,
richtig, ich weiß was du meinst, ich bin auch schon sehr oft in doch sehr schwierigen Lage gewesen eine Entscheidung treffen zu müßen, die ich eigentlich nicht treffen kann oder darf.
Da wir ambulanten "Einzelkämpfer" sind ist keiner da, der uns untestützen kann. Aber egal welche Entscheidung wir dann treffen, es war zu dem Zeitpunkt das was wir für Richtig hielten und damit die einzig richtige Entscheidung.
Lisy
"es war zu dem zeitpunkt das, was wir für richtig hielten und damit die einzig richtige entscheidung" -> das ist nichts anderes als ein simpler logischer fehlschluss. was für ein unfug. "die einzig richtige" entscheidung ist nur dann die einzige, richtige option, wenn es - objektiv betrachtet - keine andere richtige entscheidungsmöglichkeit gibt. und, oh wunder, evidenzbasiertes handeln, sinnvolle, begründete standards und ähnliche instrumente können einen vor so einer selbst-absolution bewahren.
man muss als pflegekraft damit leben können, dass man möglicherweise auch die falsche entscheidung getroffen hat - auch, wenn selbige zu einem bestimmten zeitpunkt "die einzige war, die wir für richtig hielten".


Eisenbarth es geht hier um Menschlichkeit, nicht um eine Fallanalyse. Ich habe nicht auf den hausärztlichen Dienst verzichtet weil ich die Zeit nicht dazu habe, sondern weil es der ausdrückliche Wunsch der Patientin gewesen ist, in Ruhe zuhause sterben zu dürfen.

Es ist übrigens nicht meine Ansicht, dass der ärztliche Notdienst zu lange braucht, sondern Ergebnis aus langjähriger Erfahrung in der ambulanten Pflege. Wenn es wo anders klappt dann seid froh darüber. Hier bei mir in der Gegend werden wir regelmäßig vom ärztl. Notdienst im Stich gelassen, weil die oft erst nach Stunden kommen. Das soll kein Vorwurf an den Notdienst sein, die können auch nichts dafür, dass sie regelmäßig unterbesetzt sind.

Theoretisch verpflichtet = das ist schwer zu erklären.
Theoretisch hätte ich einen Arzt rufen müssen, weil uns nicht zusteht, den Zustand eines Patienten zu beurteilen. Praktisch habe ich es nicht gemacht, weil die Situation eindeutig war und ich den ausdrücklichen Wunsch der Patientin erfüllen wollte, der übrigens auch in einer Patientverfügung niedergeschrieben war.
keine ahnung, was menschlichkeit hier genau bedeuten soll.

und danke, für die nachgereichte (!) information, die patientin habe keinen arzt sehen wollen (oder schriebst du das irgendwo anders bereits? ich denke nicht...)

wenn du 'theoretisch einen arzt hättest rufen müssen' und es 'praktisch nicht getan hast', dann war das wohl offensichtlich ein krasser fachlicher fehler.
wenn es deine pflicht ist, einen arzt anzurufen, weil es dir verboten ist, diagnosen jeglicher art zu stellen, dann hast du ihn anzurufen. der sterbeprozess ist kein notfall i.s. eines intensivmedizinisch behandlungspflichtigen falles. kein notarzt nimmt einen sterbenden, alten patienten ins KH. mindestens deshalb nicht, weil er einfach nicht transportfähig ist. aber das ist in einem solchen fall auch egal: denn er kann es entscheiden - du nicht.
dass es bei euch keine hausärztliche (not-)versorgung gibt, auch an wochenenden, das glaube ich dir nicht. würde es sie übrigens nicht geben, dann hätte man dies, als professioneller pflegedienst, vorher ausführlich für genau solche fälle kommuniziert haben müssen. sicherlich sterben bei euch regelmäßig patienten - also eine absolute routinesituation, was die logistik angeht.
dass die sterbende patientin dir noch "die hand drückt und 'danke' sagt", ist keine retrograde rechtfertigung für irgendetwas. das macht ein suizidaler patient nach einer packung paracetamol im zweifel vllt auch - dennoch rechtfertigt es sicherlich nicht, den arzt nicht gerufen zu haben. im zweifel: arzt rufen, zustand schildern, info hinzufügen, dass kein arzt gewünscht ist, dann bei der patientin bleiben. wenn der HA-notdienst dann dennoch meint, vorbeischauen zu wollen: kein problem, im zweifel wird es ein sehr kurzer besuch. wann er vorbeischaut oder vorbeischauen kann, das liegt weder in deiner verantwortung noch kannst du es beeinflussen.
wir sind auf jeden fall nicht berufen, zu entscheiden, ob ärztliche begleitung oder intervention angemessen ist, oder nicht.
 
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stern3007

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AW: Euthanasie?

Eisenbarth die Diskussion geht hier einfach mal wieder viel zu weit. Ich habe keinen Grund mich zu rechtfertigen. Der Wille der Patientin ist umgesetzt worden. Patientenverfügung war vorhanden. Mein Beitrag war einfach die Schilderung eines Erlebnisses, mehr nicht. Dazu muß ich keine Einzelheiten schreiben, damit du die Sache genau beleuchten kannst. Also hör jetzt bitte auf mein Handeln auf absolute Richtigkeit zu sezieren. Das ist nicht Sinn dieses Threads hier.
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

öhm... das hier ist ein forum. es liegt in der natur der dinge, dass wenn du deine meinung hier exponierst, dazu eine antwort erfolgen kann.

dein beitrag war nicht nur eine schilderung - dein beitrag warf vielmehr fragen auf, auf die eingegangen werden kann. wenn das nicht in deinem sinne ist, dann solltest du solcherlei postings vllt einfach nicht verfassen. du hast bereits einzelheiten geschrieben und dann details nachgereicht. was denkst du denn, das passieren soll, wenn du hier so etwas schreibst? dass niemand dazu stellung nimmt, im zweifel auch kritisch? komisch...
bei so brisanten fragen muss man meines erachtens nach damit leben, dass nach einer veröffentlichung eines solchen vorganges selbstverständlich auf "absolute richtigkeit" geschaut wird. auf was denn sonst? 'relative' richtigkeit?
natürlich musst du dich nicht rechtfertigen - im zweifel musst du überhaupt nichts schreiben. aber dazu habe ich dich wohl auch kaum gezwungen!

in diesem thread geht es auch um die frage, was wir überhaupt machen können, wenn die situation grenzwertig ist, auch aus berufsethischer sicht. und oftmals lautet die antwort darauf, dass wir die institution oder fachkraft zu konsultieren haben, die diese kompetenzen besitzt, oder es zu unterlassen haben, wenn rechtlich bindende willenserklärungen vorliegen. übrigens möchte ich auch für den fall des vorliegens einer patientenverfügung in frage stellen, ob dieselbe uns von der pflicht entbinden würde, einen arzt zu konsultieren; wobei ich mal voraussetze, dass in der verfügung eher stehen wird, dass diese oder jene maßnahme nicht gewünscht wird - eher selten aber formulierungen wie "wünsche ich, dass kein arzt gerufen wird". zumindest kam mir letzteres in meiner berufslaufbahn noch nie unter.


ich wünsche einen guten rutsch!
 
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Tilidin

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AW: Euthanasie?

Hallo Eisenbarth

Wir "Alle" haben unsere Form der Schreibweise, unsere Form des Erlebens u. unsere Form der Interprätation, ja unsere Form der Gefühle.

Diese Form ist individuell

Ich bin der Meinung: das wir sicherlich Anregungen geben sollten, das erlebte oder dargestellte noch einmal zu reflektieren, wir sollten auch Beschreiben wie wir gehandelt hätten, aber wir sollten es nicht zu unserer Aufgabe machen, den anderen auf absolute Richtigkeit zu überprüfen.
Denn wer will es sich anmaßen, vor dem Bildschirm sitzend die absolute Richtigkeit zu kennen.

einen guten Rutsch
 
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Krankenpfleger
Fachpfleger für Psych.
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

wir sollten vor allem, wie ich finde, begriffe wie "absolute richtigkeit" weglassen. die sind nämlich am ende nur populistisch.

ob etwas "falsch" oder "richtig" ist, ist zu diskutieren zum einen der sinn dieses threads; und zum anderen kann man das natürlich beantworten, auch hinter einem monitor.

warum sollte das nicht gehen?


die frage ist dabei eigentlich nur die, ob die gegebenen parameter hinreichend sind für eine bewertung. und entweder sind sie es - dann kann man diese frage auch diskutieren; oder sie sind es nicht; aber dann stellt sich imo automatisch auch die frage, wie man einen solchen beitrag überhaupt behandeln soll, denn immerhin fehlen ihm dann ja relevante anteile (bzw. ist er dann so unvollständig, dass wesentliche infos fehlen, womit er eigentlich überflüssig würde).


gerade im hinblick auf den allerersten post des threads würde ich dann übrigens anschließend ergänzen wollen, dass niemand im heim die kompetenz hat, so etwas zu entscheiden, nicht die fachkräfte, nicht die hilfskräfte, nicht die heimleitung.
wenn es zu so etwas kommt, muss meiner meinung nach das amtsgericht bzw. die betreuungsstelle um rat ersucht werden. denn betreuer zu sein ermächtigt ja nicht zu völliger entscheidungsfreiheit.
 
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AW: Euthanasie?

Also Betreuer sein in allen Bereichen bedeutet doch auch entscheiden in allen Bereichen, oder bin ich da auf dem Holzweg? Weil das Betreuungsgericht hat diesen doch vorher auch dazu bestimmt!
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

betreuer sein bedeutet, in den bereichen, in denen man eine befugnis hat, im sinne und zum wohle des zu betreuenden entscheidungen treffen zu können bzw. zu müssen.

es bedeutet nicht, jede beliebige entscheidung treffen zu können, vgl. auch § 1904 BGB Genehmigung des Betreuungsgerichts bei ärztlichen Maßnahmen

da sehe ich übrigens auch erneut ein großes defizit in der rechtsauffassung vieler pflegekräfte, betreuer und ärzte.

wenn fragen, die die gesundheit des betreffenden patienten berühren, oder sogar seine existenz, von dafür nicht kompetenten personen eigenmächtig getroffen werden, klappen sich mir wirklich die fußnägel hoch. ich habe schon mehrfach erlebt, dass sowohl pflegekräfte, aber auch ärzte und auch richter, vielfach auch die betreuer, ihre kompetenzen manchmal weit überschreiten oder gar nicht erst nicht wahrnehmen; dies wird übrigens auch in den medien gelegentlich rezipiert.
 
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Lisy

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AW: Euthanasie?

Hallo Eisenbarth,
o.k. gehen wir mal weg vom Thema und widmen uns der Kompetenz.
Wer ist wann für was kompetent? Und wer entscheidet ob jemand kompetent ist?
Lisy
 
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Eisenbarth

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AW: Euthanasie?

ich finde, das gehört durchaus zum thema.


könntest du deine frage bitte etwas konkreter formulieren. ich bin mir nicht ganz sicher, was genau du meinst.
 
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Heiri78

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AW: Euthanasie?

... ich muss jetzt auch sagen, dass mir im Verlauf der Diskussion langsam aufgeht, wo bei mir ein Verständnisproblem herrscht. Nämlich dabei, was es denn eigentlich bedeutet "eine Entscheidung zu treffen". Es gibt da, wie ich jetzt verstehe, klare rechtliche Auffassungen.
Ich bin hier allerdings davon ausgegangen, dass das Grundproblem nicht darin liegt, wer rechtlich gesehen ein "Entscheidung" zu fällen hat (im Beispiel klar der Sohn), sondern wer oder was zur "Entscheidungsfindung" beitragen soll (nach Auffassung des Thema-Starters das Pflegepersonal).
Das klingt jetzt sicherlich kompliziert. Ich meine z.B.: auf unserer Abteilung sind ca. 50% der Bewohner, die keine direkten zuständigen Angehörigen haben. Da ist in irgendeiner Form ein Beistand oder Betreuer zuständig. Wenn es jetzt um solch heikle medizinische Probleme wie hier beschrieben geht, wie wird da wohl der Rechtsweg sein? Wer wird entscheiden? der Richter, der Betreuer, der Hausarzt? mit Sicherheit wird durch irgendeine Hierarchiestufe auch derjenige um eine Einschätzung gefragt, der am nächsten am Bewohner/Patienten dran ist und nun raten wir mal wer das ist. Und wer hat dann eigentlich die Entscheidung getroffen?
Wenn ich mich jetzt auch noch frage, wer denn wohl die Kompetenz hat solche Entscheidungen zu treffen, wie es in den Beiträgen zuvor zur Debatte steht, fällt mir nur der Allmächtige ein.
Da helfen mir auch keine Paragraphen oder Stellenbeschreibungen, aber die Diskussion darüber ist schonmal eine grosse Hilfe!
 
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Reha
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