Euthanasie?

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sanni1978

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Ich muss euch um eure Meinung fragen, es gibt ein Ereignis in dem AH in dem ich arbeite, welches mich sehr beschäftigt. Es geht um den Tod einer Bewohnerin.
Diese lebte seit ca 5 Jahren in unserem Haus, Zustand nach Apoplex, völlig immobil, Aphasie, Schluckstörungen.Reagierte auf Ansprache, lächelte auch, was genau sie verstand kann man natürlich schwer sagen. Sie wurde täglich für einige Stunden in den Rollstuhl mobilisiert, nahm somit passiv am Tagesgeschehen teil. Früher, als ihr Mann noch fit war ging er fast täglich mit ihr spazieren und hat sich sehr um seine Frau bemüht. Zur Ernährung hatte sie ein PEG, bekam hier und da wenige Löffel Apfelmus, eis, cola. Nichts zum Überleben, einfach für den Geschmack und zur Sinnanregung. "Ich kann meine Frau ja nicht verhungern lassen", sagte der Mann damals bzgl. der PEG. Er hatte die Generalvollmacht.
Jetzt hatte sich der Zustand des Mannes derart verschlechtert, dass er selbst ins Heim musste (Demenz u.a.) und der Sohn übernahm die Vollmacht.
Die Frau stand eigentlich jahrelang auf dem selben Gesundheitszustand, keine gravierende Verschlechterung, mal ein Infekt oder so, aber immer gut auskuriert.

Jetzt zog sie sich selbst die PEG, Anruf bei Sohn bzgl. Einwilligung zur neuen PEG Anlage. Und er verneint dies. Seine Mutter hätte ohnehin nie so "enden" wollen. Man stelle sich dies mal vor. Das war das Todesurteil.
Der Hausarzt gab nach einem Gespräch mit dem Sohn sein OK, war aber unsicher. Das zeigte sich mehr als deutlich in einem Gespräch mit einer Kollegin.
9 ganze Tage hat diese Bewohnerin noch gelebt. Das bissel Apfelmus und die mini Schlücke Wasser konnten sie natürlich nicht am Leben erhalten.
Dann ist sie gestorben. Verdurstet und verhungert.
Für mich ist das Euthanasie. Was meint ihr? Eigentlich kann ich mir auch nicht vorstellen, das diese Entscheidung so rechtens war. Hätte eine akute Verschlechterung des AZ vorgelegen, da wäre die Sachlage ja ganz anders. Aber so?
 
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AW: Euthanasie?

Hallo sanni,

es ist sicherlich schwer auszuhalten, aber das ist der gang des Lebens.

Seine Mutter hätte ohnehin nie so "enden" wollen. Man stelle sich dies mal vor.
Ja ich stelle mir das vor, öfters mal und kann das sehr gut nachvollziehen, ich möchte so auch nicht enden. Immobil, nicht mehr kommunkationfähig im AH nach Apoplex, am Leben gehalten von und mit einer PEG.

Vielleicht war es ja wirklich der Wunsch der Bew. und der Ehemann wollte sie nur nicht gehen lassen?
Vielleicht hat der Sohn nur den Wunsch seiner Mutter beachtet und endlich umgesetzt?

Ist bei so einem Zustand und so schwerer Erkrankung über so viele Jahre nicht auch der Gedanke eines menschenwürdigen Sterbens und humanen Beendigung des Leidenswegs so abwegig?

Mir wird Angst bei dem Gedanken, dass ich nicht gehen darf wenn es so weit ist und die Alternative sein sollte jahrelang künstlich am Leben (Leben?) gehalten zu werden.

Nein Euthanasie ist das sicherlich nicht.
Sterbehilfe, die von einem Menschen bewusst gewollte Unterstützung durch eine andere Person bei der Herbeiführung des eigenen Todes
Mit diesem Begriff sollte man sehr bewußt und vorsichtig umgehen, denn dieser ist in der deutschen Geschichte eindeutig und äusserst negativ besetzt, so dass bei dessen Gebrauch sicher eine sachliche Diskussion kaum noch möglich ist.
 
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snookie

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AW: Euthanasie?

Hallo Zusammen,
sehr schweres Thema. Sowas haben wir in der Schule ganz oft behandelt (Bin erst seit Sept. fertig)
Wir sind aber alle immer wieder zu dem Entschluss gekommen, WARUM hat sie sich die PEG gezogen? Bekommt sie vielleicht doch noch vieles mit? Wusste sie unbewusst, was sie da getan hat?!
Also ich bin der Meinung, sie hat das selbständig so entschieden, da sollte man nicht entgegen wirken! Natürlich, man weiß es nicht, aber ich befass mich ganz gern mit dem Thema, was unbewusst und im Unterbewusstsein immer so passiert.

Das würden glaub alle tun, wenn sie ein starkes unterbewusstsein haben!

Ich möcht mal nicht so enden... wir hatten auch so eine Bew. Seit 9 Jahren Wachkoma, nur über PEG ernährt. Zustand war immer stabil... sie durfte endlich sterben....

Schönen Tag euch noch...
Snookie
 
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AW: Euthanasie?

Hallo sanni,

es ist sicherlich schwer auszuhalten, aber das ist der gang des Lebens.

Ja ich stelle mir das vor, öfters mal und kann das sehr gut nachvollziehen, ich möchte so auch nicht enden. Immobil, nicht mehr kommunkationfähig im AH nach Apoplex, am Leben gehalten von und mit einer PEG.

Vielleicht war es ja wirklich der Wunsch der Bew. und der Ehemann wollte sie nur nicht gehen lassen?
Vielleicht hat der Sohn nur den Wunsch seiner Mutter beachtet und endlich umgesetzt?

Ist bei so einem Zustand und so schwerer Erkrankung über so viele Jahre nicht auch der Gedanke eines menschenwürdigen Sterbens und humanen Beendigung des Leidenswegs so abwegig?

Mir wird Angst bei dem Gedanken, dass ich nicht gehen darf wenn es so weit ist und die Alternative sein sollte jahrelang künstlich am Leben (Leben?) gehalten zu werden.

Nein Euthanasie ist das sicherlich nicht.


Mit diesem Begriff sollte man sehr bewußt und vorsichtig umgehen, denn dieser ist in der deutschen Geschichte eindeutig und äusserst negativ besetzt, so dass bei dessen Gebrauch sicher eine sachliche Diskussion kaum noch möglich ist.
Kann ich nur zustimmen. In diesem Zusammenhang das Wort Euthanasie lässt einen erschauern.
Ist auch ein beliebter Satz von Ärzten: "Wollen Sie Ihre Mutter / Ihren Vater etwa verhungern lassen?" In einer Reportage zu diesem Thema äusserte sich eine Tochter, die ihre Mutter nicht verhungern lassen wollte, kurz mit den Worten: "Nie wieder würde ich das Legen einer PEG zulassen."
Ich glaube zu wissen, dass ich genauso wie der Sohn handeln würde.
 
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sanni1978

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AW: Euthanasie?

ich denke nicht, das sie sich die PEG bewusst gezogen hat. Sobald sie konnte war sie mit dem beweglichen Arm unter der Bettdecke und wühlte, weil sie Juckreiz im Intimbereich hatte... gut, 100%ig sagen kann das niemand.
ich könnte mit der Sache ja auch ganz anders umgehen, wenn der Apoplex akut gewesen wäre oder wenn es irgendetwas gegeben hätte, das einen hätte vermuten lassen das sie ohnehin kurz über lang stirbt. Es gibt viele Bew. bei uns denen es wesentlich schlechter geht als es ihr ging. Sie lächelte stets und wirkte nie "gequält".Alles sind Mutmaßungen das ist mir bewusst. Ich bin kein Freund davon "Leid" zu verlängern, mein Problem habe ich damit, dass man nicht das Gefühl hatte das sie leidet. Es soll ja auch Menschen geben, die
sich mit ihrem Schicksal abfinden und auch krank zufrieden sein können. Es lag keine akute Verschlechterung des AZ vor. Viele Jahre hatte sie die Sonde.
Das Wort Euthanasie ist lediglich so negativ behaftet, weil es mit dem Nationalsozialismus in Verbindung steht, die einfache Übersetzung sollte hier Maßstab sein.
 
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AW: Euthanasie?

Hey sanni nein ist keine Euthanasie, auch wir hatten eine Bewohnerin, wo wir froh waren, das der Sohn endlich einer Entfernung der PEG befürwortet hat. Zustand der Bewohnerin ähnlich eurer, nur das sie oral mehr zu sich nehmen konnte. aber im endeffekt war es au ihr Todesurteil und nur so ist es richtig.

Meine Mama starb mit 55, sie hatte Pankreaskrebs, große OP geplant alles ringsherum sollte entfernt werden, oder ein Stück davon und ein Stück hiervon, wenn sie überlebt hätte, dann mit anus praeter und PEG, im Endeffekt entschied sie sich gegen die OP unf fürs Sterben. Was glaubst du, was im KH los war, sie wollten, das ich die Gesundheitsvollmacht im Eilzugtempo übernehme, weil die OP ja so notwendig wäre. Ich hielt mich dran, was meine Mama wollte und unterschrieb somit auch ihr Todesurteil. Ich fands damals richtig und heute auch noch.

Ich glaube niemand möchte nach einem Apoplex komamäßig überleben, egal wie gut die Pflege ist.
 
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sanni1978

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AW: Euthanasie?

also in unserem Team gibt es generell die Auffassung, das man den Wunsch des jeweiligen Menschen berücksichtigen muss. So hast du es bei deiner Mutter getan. Und das war richtig. Ich weiß auch nicht warum zb. eine schwer kranke Bewohnerin mit 89 Jahren noch zur Herzschrittmacherkontrolle muss. Oder warum der Notarzt eine Frau nach einem Apoplex mit massiven Ausmaß noch reanimiert und sie dann einen Tag später im KH sterben muss.
Die Anlage einer PEG ist immer zwiespältig zu betrachten und ich bin auch der Meinung, dass zunächst der Wille des Betroffenen zählen muss.
Aber sie war nicht AKUT krank, sie lag nicht im Sterben, sie nahm, wenn auch passiv, am Tagesgeschehen teil, sie lächelte und schien zufrieden.Man hatte das Gefühl, das sie aus dem Leben gerissen wurde. Sie konnte nun nichts mehr sagen. Gefühlsmäßig erschien sie doch zufrieden.
19 von 22 Mitarbeitern auf unserem WB sind derselben Auffassung wie ich, bei vielen gibt es fast schon den Bedarf der Seelsorge.
Wir alle haben schon viele Menschen auf dem Weg in den Tod begleitet, haben viel Leid gesehen und sind wie gesagt FÜR ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Sterben.
Viele Kolleginnen sind schon seit über 25 Jahren in unserem Haus. Noch nie ging es so vielen MA so schlecht.
Vielleicht kann man das von außen mit den Info`s auch nur schwerlich verstehen, ihr kanntet die Bew. ja nicht....
Wir haben das Gefühl, das diese Entscheidung uns ungewollt zu Mithelfern gemacht hat.
 
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AW: Euthanasie?

Lebensqualität oder Menschenwürde lässt sich nicht von aussen erkennen, sondern kann nur von dem direkt Betroffenen eingeschätzt werden. Ich kann sehr wohl sagen, dass ich "so" (wie im beschriebenen Fall) nicht enden möchte. In dieser Situation mag ich allerdings dann froh um mein verbliebenes Leben sein, auch wenn es dann für Aussenstehende lebensunwürdig erscheint.
Ich finde es im übrigen auch menschenunwürdig, solch kranken/behinderten Menschen ihren Lebenswillen oder sogar ihre "Daseinsberechtigung" abzusprechen und ständig zu mutmassen, sie wollen eh nicht mehr leben.
Ich kenne schwer MS-Kranke, die inzwischen fast komplett unbeweglich sind, sich allerdings lange mit ihrem Schicksal abgefunden haben, trotzdem Freude am "Leben" empfinden können und alles andere als ständig bedauert werden möchten.
just my 2 cents.
 
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AW: Euthanasie?

Wir haben auch MS-Kranke und die werden au nich bedauert und haben Freude am Leben, aber niemals würden sie sich eine PEG legen lassen, die letzte,die wir hatten starb mit 40. Sicher würde sie mit einer PEG noch leben. Und mit einem Absauggerät. Sicher ist es für uns Außenstehende absolut unmöglich die Situation in dem Heim zu betrachten, aber wir äußern ja nur unsere Meinung. Sicher hatte diese Dame Lebensqualität das streitet doch niemand ab, aber wir wissen nicht, ob sie sich damals für diese Lebensqualität selbst entschieden hätte.
 
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AW: Euthanasie?

@sanni:

kann es nicht so richtig nachvollziehen, dass es sooo vielen MA sooo schlecht damit gehen soll?
Aber vielleicht fehlen hier einfach wichtige Informationen?
Wie alt war den z.B. die Pat.?

Weiß man denn was über den mutmaßlichen oder tatsächlichen Willen der Pat.?
 
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sanni1978

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AW: Euthanasie?

uns geht es schlecht, weil die Bew. (Mitte 80) viele Jahre lang auf dem selben Gesundheitszustand war und nichts akutes vorlag. Der Sohn kam nach Jahren der "Abstinenz" in Erscheinung, entscheidet den Tod seiner Mutter und wir standen davor und durften nur agieren. Wie gesagt, wir haben nicht das Gefühl gehabt das hier "Leid" verkürzt, sondern das Leben verkürzt wird. Den tatsächlichen Willen kennt niemand. (von uns) Der Mann äußerte eine andere Meinung wie der Sohn.
 
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traveler

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AW: Euthanasie?

Hallo sanni,

ich glaube dir, dass dich das belastet.

Aber ich denke duch schmeißt hier Begriffe durcheinander, die von Fachpersonal schon sauber getrennt werden sollten.

entscheidet den Tod seiner Mutter
nein das hat er sicher nicht.
Der Sohn hat sich gegen die künstliche Verlängerung entschieden und das ist ein großer Unterschied.

Es ist ja auch durchaus so zu sehen, das der Sterbeprozess bereits vor fünf Jahren eingesetzt hat. Ab dem Zeitpunkt als sie nicht mehr in der Lage war, selbständig Nahrung aufzunehmen.
Der Prozess wurde nun seit 5Jahren künstlich verlängert.

Der Sohn hat der Natur ihren lauf gelassen und die Mutter durfte nun endlich in sehr hohem Alter, schwer krank - vielleicht endlich - diese Welt verlassen.
Ich hoffe für mich entscheidet, wenn nötig, auch jemand in diesem Sinne, aber bitte einige Jahre früher.
 
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Heiri78

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AW: Euthanasie?

entscheidet den Tod seiner Mutter
nein das hat er sicher nicht.
Der Sohn hat sich gegen die künstliche Verlängerung entschieden und das ist ein großer Unterschied.
... praktisch hat er entschieden, die Konsequenz war ja klar. Rechtlich oder auch ethisch gesehen sieht man dies natürlich richtigerweise anders.
 
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AW: Euthanasie?

Hallo,

Erstmal finde ich die Ansätze von renje völlig richtig. Das sind eben Dinge die wir nicht verstehen und auch nicht müssen, da wir nicht wissen,was alles im Vorfeld gesagt und gelaufen ist. Anderseits stehe ich oft vor Betten von Bew. die nur an Maschinen hängen und frage mich warum. Bitte nicht falsch Verstehen jedoch möchte doch keiner so enden und auch die Wünsche werden nicht immer umgesetzt. Da stelle ich mir immer die Frage, warum muss das sein ??? ich meine , Tiere lassen wir auch nicht leiden oder ??? ( Ich sage nicht , das Bew. Tiere sind also bitte nicht falsch verstehen ). Ich denke, das es Zeit wird in Deutschland die aktive Sterbe zu zulassen und den Respekt der Wünsche von denen die das wollen zu akzeptieren. Sicherlich ist das auch für uns eine erhebliche Belastung ( auch für mich ) aber man sollte anfangen, sich mit diesen Gedanken zu tragen. Es wird alles gemacht, Qualität verbessert, Mitarbeiter werden geschult usw. usw. aber dieses Thema iss immer noch ein Tabu hier im vortschritlichen mit Papier und Dokumenten vermüllten Deutschland. Wir pflegen und pflegen und machen alles für unsere Bew. ( denken wir ) aber iss das so ????.

PS: Ich bin Pfleger mit Herz und Seele aus liebe und Überzeugung ( also nicht falsch verstehen danke )


LG
 
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stern3007

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AW: Euthanasie?

Der Tod gehört für mich zum Leben dazu. Es ist die letzte Station die der Mensch erreichen kann.
Dann ist sie gestorben. Verdurstet und verhungert.
Du unterstellst sie ist verdurstet und verhungert. Das sind für mich brutale Worte die all denen, die nicht auf eine PEG drängen ein schlechtes Gewissen einreden soll. Wer sagt dir denn, dass die Verdauung noch so funktioniert hat, dass sie lebensfähig geblieben wäre? Wer sagt dir denn, dass der weitere Lebensweg mit PEG kein Leidensweg gewesen wäre? Eine PEG legen kann auch Qualen bedeuten. Was geschieht wenn ein Verdauungssystem nicht mehr verdauen kann, aber trotzdem via PEG immer fleißig Nachschub kommt? Bereitet das keine Schmerzen?
Wir maßen uns an, den Weg zum Tod durch Aktionen wie eine PEG legen zu beeinflussen. Wir glauben, den Menschen damit etwas gutes zu tun. Ich bin überzeugt davon, dass wir vielen nichts gutes damit tun, sondern nur unnötig Qualen bereiten.

ich denke nicht, das sie sich die PEG bewusst gezogen hat. Sobald sie konnte war sie mit dem beweglichen Arm unter der Bettdecke und wühlte, weil sie Juckreiz im Intimbereich hatte... gut, 100%ig sagen kann das niemand.
Dieser Satz berührt mich sehr. Bereitet Juckreiz keine Qualen? Obwohl Patientin unter Juckreiz leidet, wird gesagt, dass sie sich wohl fühlt?
Stell dir mal vor, du hast seit Jahren dieses Problem mit dem Juckreiz. Würdest du dich wohl fühlen?

Niemand kann sich in so einen Patienten hinein versetzen. Nimm das was geschehen ist als eine Fügung des Schicksals an. In meinen Augen hat der Sohn richtig gehandelt. Ich gehe davon aus, dass er den Willen seiner Mutter umgesetzt hat. Ob der Ehemann den Willen seiner Frau umgesetzt hat, kann man nicht beurteilen. Oft wird eher der eigene Wille umgesetzt, als der des betroffenen, weil man sich mit dem Thema Tod nicht auseinandersetzen will.
 
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thorstein

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AW: Euthanasie?

Diese Diskussion finde ich doch sehr merkwürdig.
Grundsätzlich gilt, dass jede Behandlung die Zustimmung des Patienten erfordert. Und er darf sie ablehnen, ganz egal was Schwester x oder Pfleger y davon halten. Und wenn der Patient seinen Willen nicht mehr selbst äussern kann, dann gibt es den Betreuer, der das für ihn tut. Sollte der Betreuer Entscheidungen treffen, die nach Meinung des Hausarztes oder der Pflege nicht dem Wohle des Patienten oder dem mutmasslichen Willen des Patienten entspricht (So was soll es geben), dann kann man sich jederzeit an das zuständige Gericht wenden. Das wird dann gegebenenfalls auch eine schnelle Entscheidung treffen.Ist aber hier nicht geschehen.

Was nun dieser ganze Prozess mit der persönlichen Meinung von Pflegekräften zu lebenwerten oder unwerten Umständen zu tun hat, ist mir ein Rätsel. Wer für sich da Kriterien festlegt, darf sie bekanntermassen auch nur für sich in einer Patientenverfügung hinterlegen. Aber bitte nicht auf Patienten übertragen. Ich lehne für mich persönlcih eine PEG auch ab, aber wie käme ich dazu, dass für andere zu entscheiden? Und dann auch noch mit Kriterien wie richtig und falsch??? das soll uns als Pflegekräfte nicht davon abhalten, bei Bedarf über mögliche Risiken und Probleme einer PEG zu informieren. Aber der Satz: ich würde nie eine PEG legen lassen oder ähnliche Äusserungen sind meiner Ansicht nach ehtisch genau so unvertretbar wie der sattsam bekannte Satz: wollen sie ihre Mutter verhungern lassen.
 
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Speerkaempferin

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AW: Euthanasie?

ich muss Heidri zustimmen, aus meiner jetzigen gesunden Situation heraus sage ich: so möchte ich nicht leben, aber ich bin nicht in der pflegebedürftigigen Situation und kann es also schlichtweg nicht sagen, wie da mein Erleben dann wäre. Wir wissen nicht ob unser Gehirn über Schutzfunktionen verfügt, die eventuell schöne Bilder produzieren, im anderen Fall würde ich dann einfach nur vor mich hin vegetieren?
Genau dieses Unwissen und die Möglichkeiten der Gerätemedizin macht es uns ja so schwer. Wer will wissen was richtig oder falsch?
Ich denke, wer besten Wissens und Gewissens entscheiden muss, macht sich das mit Sicherheit nicht leicht und muss mit der getroffenen Entscheidung leben. Ich lebe auch mit einer getroffenen Entscheidung. Als Tochter! Keine noch so gute Pflegekraft hätte eine solch schwere Entscheidung treffen können. Also solltet ihr die Entscheidung des Sohnes akzeptieren. Ich finde trotzdem gut, dass das Sterben der Frau so viel Gedanken ausgelöst hat und auch hier so viele dazu bringt, sich mit Thema auseinander zu setzen. Es wird uns immer wieder vor Fragen stellen.
Vielleicht kann ich eine Deiner Ängste mildern: ich habe 2 Ärzte im Sterben begleitet. Beide haben für sich bestimmt: keine Nahrung und keine Flüssigkeit. Sie (unabhängig voneinander, kannten sich nicht)erklärten uns (Team, Hausarzt, Angehörige) dass es nachweislich Erkenntnisse gibt, dass es ein nicht quälendes Sterben wäre und gerade das hinauszögern des Sterbeprozesses durch Zufuhr von etwas Flüssigkeit und etwas Nahrung qualvoll sein kann. Auch erklärten sie, dass die sich reduzierende Organtätigkeit die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr gar nicht mehr verarbeiten könnte. 2 Frauen hatten für sich ohne den wissenschaftlichen Hintergrund auch gegen Flüssigkeit-und Nahrung entschieden. Sie sind friedlich gestroben. Nur ich und Hausarzt waren im Sterbeprozess immer wieder mal unsicher, haben viel geredet und Erfahrungsaustausch mit Palliativ Ärzten gesucht.
 
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chrodechilde

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AW: Euthanasie?

Liebe Kollegen, früher habe ich auch so gedacht wie renje aber ich befürchte ich war mit dieser meinung auf dem Holzweg. Ich arbeite jetzt wie gesagt schon fast 20 Jahre mit Komapatienten und habe kein gutes gefühl wenn man diesen leuten einfach so das recht zu leben absprechen will.

Ich habe es auch so erlebt wie hier beschrieben, dass diese menschen auf ihrem niedrigen niveau offensichtlich irgendwie zufrieden sind.
Auch wenn sich das viele theoretiker nicht vorstellen können.

Ich kann mir die situation sehr gut vorstellen.

Ich muss sagen es kann nicht mehr so weiter gehen dass so viele leute, die ganz offensichtlich viel zu wenig einblick in die sachlage haben über so was wichtiges wie leben und tod entscheiden dürfen.

Wenn der sohn etwas auf dem kasten gehabt hätte, hätte er intensiv mit den pflegenden, die sie schon so lange betreut haben gesprochen um eine gute lösung zu finden.

Das ist wieder mal das selbe problem wie es so oft in unserer gesellschaft anzutreffen ist.

Jeder glaubt er hätte ahnung und könnte mitreden und wer am lautesten schreit bekommt von der blinden masse auch noch recht zugesprochen.

Ich möchte alle leute, die nicht über längere erfahrung in der pflege sogenannter wachkoma patienten haben bitten sich bei sochen diskussionen lieber heraus zu halten!

Es gibt sachen da kann man nicht anhand von theorien entscheiden!
 
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thorstein

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AW: Euthanasie?

Wer hat denn hier wem das Recht auf Leben abgesprochen?
 
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AW: Euthanasie?

Hallo chrodechilde,
welche Situation kannst du dir gut vorstellen?
Und was meinst du mit "so vielen Leuten", die über Leben und Tod entscheiden?
übrigens geht es nicht nur um Menschen im Wachkoma.
In der Palliativpflege von meist Krebspatienten steht man ständig vor dieser Frage lebensverlängernder maßnahmen.

vor 2 Jahren Wunsch von Jürgen 11 Jahre , hat alles geregelt, keinerlei Maßnahmen mehr, wer bekommt den Fussball, wer sein Klavier, Brüder müssen seine Katze streicheln.
Und dann: Mama gib mir ein Messer, ICH schneide das Band durch.

Aber das war Jürgen - ein anderer Mensch, ein anderes Kind könnte andere Entscheidungen treffen.

Und so bleibt: nach bestem Wissen und Gewissen und den Respekt vor den Menschen, die am nächsten sind und entscheiden oder hinnehmen müssen.
 
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