Ethik ... welche Ethik?

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MarcMann

Hallo Ihr,

in einer ruhigen Stunde habe ich nochmal alle Beiträge durchgelesen, die sich in den letzten zwei Monaten um das Thema "Ethik" drehten. Das Thema ist für mich noch nicht abgeschlossen, auch, wenn ich in der letzten Zeit einfach nur zu wenig Zeit hatte, um meine Gedanken nieder zu schreiben.

Was mir jetzt, mit einem wenig Abstand, aufgefallen ist, möchte ich hier kurz notieren.
Sehr oft entgleiste die Diskussion, endete in gegenseitigen Scharmützeln. Ich habe mich gefragt, woran das liegen könnte. Wir schrieben alle unter dem Oberbegriff "Ethik", jedoch scheinen unterschiedliche Formen der Ethik eine Rolle zu spielen, und jeder meint irgendwie etwas anderes.
Wenn ich von Ethik spreche, meine ich doch in erster Linie Grundsätzliches, also ein Handeln, welches für jeden Menschen gleich gilt. In diesem Handeln denke ich, daß z.B. Religion keine Rolle spielt. Auch müßte Herkunft, Erfahrungen etc. der einzelnen Menschen unberühert bleiben, Ethik als allgemeine Gültigkeit.
Die ausgebrochene Diskussion um die Religion hat dann doch eher etwas mit theologischer Ethik zu tun. In wieweit die Bibel Fehler hat oder der christliche Glaube die Menschheitsgeschichte veränderte (und die Menschheitsgeschichte den christl. Glauben) halte ich an dieser Stelle für völlig irrelevant.

Vielleicht ist es ja in irgendeiner Form hinzubekommen, einzelne Richtungen voneinander abzugrenzen.

Marc
 
S

Sigi

Themenstarter/in
Dein Wort in Gottes Gehörgang, lieber Marc.

:wink:Gruss Sigi
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Guten Morgen Johannes,

ich denke nicht, daß man seine eigenen Erfahrungen und Vorstellungen "ausschalten" kann, weiß auch nicht, ob das sinnvoll ist, denn schließlich ist man dadurch nur so, wie man eben ist. Doch in der Diskussion scheint es uneffektiv, wenn diese Ansichten zum Diskussionsthema werden.
Sicher ist es sinnvoll, daß Fragen gestellt werden, alles in irgendeiner Form in Frage gestellt wird.

Was Du mit einer "Übergeordneten Instanz" meinst, weiß ich gerade nicht.
Als Ergebnis sollte dann allerdings schon etwas stehen, was für alle tragbar ist. Das wäre dann keine "übergeordnete Instanz", sondern ein übergeordneter Gedanke.
Der Mensch als Maß aller Dinge wäre da ja schon ein Ansatz, von daher kann man Deine Bemerkung gleich als Ausgangspunkt nehmen.

Illusion hin und her, es ist einfach ein Versuch. Es muß nicht klappen, kann auch ganz in die Hose gehen, aber ein Versuch ist es dennoch wert. Und es war nur ein Vorschlag für einen anderen Anfang von mir. Es ist nicht "mein Problem", es scheint das Problem der Diskussionsrunde zu sein.


Gruß,

Marc
 
H

Harald Zagar

Mitglied
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07.07.2000
Hallo Marc,
ich melde mich wieder im Forum an. Ich habe lange benötigt, um alle Beiträge zu lesen. Für Deinen Beitrag möchte ich ein neues Wort einfügen; das Wort K o n f l i k t.

Dazu einige Anmerkungen!

Konflikt wird hier ( und auch in unseren beiträgen)als Situation verstanden, in der Interessen, Güter, Pflichten, Werte, Normen oder Ziele miteinander (z.B.Interessen und Pflichten) oder untereinander (z.B.verschiedene Werte)konkurrieren oder sich sogar widersprechen. Konflikte können zwischen Personen, zwischen Personen und Institutionen untereinander entstehen, aber auch in der einzelnen Person selbst (intrapersonaler Konflikt). Ein ethisch relevanter Konflikt liegt dann vor, wenn ethische Werte mit anderen, nicht ethischen Werten oder Gütern kollidieren. Konflikte dieser Art dürfen nicht durch Kompromiß, sondern nur durch Güterabwägung gelöst werden. Leider wird das in vielen der Beiträge nicht immer angestrebt!!

Ein ethischer Konflikt ist dann gegeben, wenn ein Wert nur auf Kosten eines anderen realisierbar ist, bzw. wenn man in einer Situation nur die Wahl zwischen zwei oder mehreren Übeln hat, wobei auch das Nichthandeln in bestimmten Situationen ethisch unzulässig sein kann.
Der Konflikt entsteht dann aus der Unvereinbarkeit verschiedener ethischer Werte, der um so schwieriger zu lösen ist, je geringer die Unterschiede der tangierten Werte sind. Ich habe darüber schon einmal ausführlich berichtet.

Willkürliche Übertreibung oder Verharmlosung, Behauptungen, Leugnung unbequeme Fakten, Unterstellungen oder gar persönliche Beschimpfungen sind Kennzeichen einer zu Fanatismus pervertierenden Emotionalität, die schließlich auch den Weg in Gewaltakte eröffnen kann.

Konfliktpartner sollen auch nicht überfordert werden. Sie sind Partei und haben das Recht, ihre jeweilige Position etnschieden vorzutragen. Und weil das so ist, können sie zwar Stellungnahmen abgeben, aber nicht als neutraler Gutachter auftreten, schon gar nicht in eigener Sache entscheiden.

Weil diese, und weiter Regeln in der Kommunikationsethik nicht, oder nur sehr unvollkommen eingehalten werden, kommt es immer wieder zu Konflikten in unseren Beiträgen.
Ich denke, das mag für den Anfang ausreichen.

Im übrigen habe ich schon einmal vorgeschlagen eine sog. theologische Seite dem Forum anzufügen. Da es viele gläubige Menschen in der Pflege gibt, könnte hier eine neue Diskussion entstehen, möglicherweise auch eine Nische um Trost zu finden.
Gruß Harald.
 
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MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Harald,

schön, daß Du wieder da bist. :smile:

Marc
 
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haus maranatha

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Hallo Marc,

Du schreibst:

"Wenn ich von Ethik spreche, meine ich doch in erster Linie Grundsätzliches, also ein Handeln, welches für jeden Menschen gleich gilt."

Du möchtest, wenn ich Dich richtig verstanden habe, daß die unterschiedlichen Ausgangspositionen und Hintergründe für das Handeln jeden Menschen unberücksichtigt bleiben.

Ich denke, solange der Mensch als das Maß aller Dinge gesehen wird, bleibt Dein Wunsch eine Illusion. So viele Menschen es gibt, so viele Ansätze und Hintergründe für ihr Handeln wird es geben. Dein Problem läßt sich meines Erachtens nur dann lösen, wenn ausnahmslos jeder von seiner persönlichen Position abrückt und bereit ist, eine FÜR ALLE GÜLTIGE übergeordnete Instanz akzeptiert.

Welche Instanz soll das sein? Glaubst Du, daß auf dem Hintergrund der bisher geführten Diskussion diese Einmütigkeit zu erreichen ist?

Gruß

------------------
Johannes Paetzold

[Dieser Beitrag wurde von haus-maranatha.com am 15. Januar 2001 editiert.]
 
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Kai-Uwe

Themenstarter/in
Hallo Harald

Auch wenn man alles was du schreibst berücksichtigt werden verschiedene Ethische Ansätze zu verschiedenen Ergebnissen kommen,zumindest in vielen hier Diskutierten Fragen.
Allerdings sind die verschiedene Sichtweisen ja auch eine Bereicherung so lange andere Meinungen Akzeptiert werden.Deine Idee der Theologischen Seite ist gar nicht verkehrt.


MfG Kai-Uwe

P.s.:Freue mich wieder von dir zu Lesen.
------------------


[Dieser Beitrag wurde von Kai-Uwe am 15. Januar 2001 editiert.]
 
Bob Brewer

Bob Brewer

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44287
Hi @ll!
Also, dass mit dem Ethischen ist vielleicht nicht ganz schnell von der Weltanschauung zu trennen.

In den Lexika für Familien heißt es: "Angelpunkt alles Ethischen ist das menschliche Gewissen als sittliches Organ des Menschen..." Aber was ist das Gewissen, daß zum Angelpunkt alles Ethischen ernannt wird?
Etymologisch
Etymologisch ist das Wort Gewissen in den meisten lebenden Sprachen eine Übersetzung des griechischen Ausdrucks »syneidesis«, lateinisch »conscientia«, und bedeutet soviel wie »Mitwissen«. Darin deutet sich schon an, daß es nicht um das Wissen oder das Bewußtsein eines einzelnen handelt, sondern um ein Wissen, das man mit jemand anderem teilt (R. Brockhaus Verlag - Vom Gewissen, Ole Hallesby, s.8).

Wertmaßstäbe - woher?
Das Gewissen braucht Wertmaßstäbe, um zwischen Gut und Böse, Recht und Unrecht zu unterscheiden. Dieses "Mitwissen" ist maßgeblich, um behaupten zu können, jemand habe nach gutem Gewissen gehandelt und wird innerhalb einer Kultur von Generation zu Generation weitergegeben. "Ein Gewissen haben" bedeutet also mehr als eine Fähigkeit zu besitzen. Unser Gewissen sagt aus, über wer wir sind und wo wir herkommen.
Für Luther ist das Gewissen primär das innere Gehör des Menschen, sozusagen der empfindlichste und entscheidende Nerv seines Personenseins, wo sich entscheidet, was bei ihm ankommt, sich durchsetzt und über ihn Macht gewinnt - und zwar so, daß es die Gestalt eines Urteils hat, das ihn selbst trifft: nicht bloß, was er tun soll oder was er getan und nicht getan hat, sondern vor allem und eigentlich, was er ist, wohin er gehört... (Gerhard Ebeling, zitiert in "Christsein heute und morgen", Kurztexte und Denkanstöße notiert von Samuel Rothenberg, Christliche Verlagsanstalt Konstanz, s. 140).
Woher kommst du?
Ich werde also von meinem Standpunkt, von meinen Wertmaßstäben aus, zu einem ethischen Wesen. Ich bin zutiefst mit überlieferten Werten verbunden - egal woher ich sie habe - und identifiziere mich mit diesen. Woher ich meine ethischen Werte beziehe, sagt über meine Zugehörigkeit aus. Wenn ich Christ bin, dann beziehe ich meine Wertmaßstäbe von der christlichen Überlieferung und ich habe ein "christliches" Gewissen, wie ein Moslem ein "moslemisches" Gewissen haben kann - was nichts über Qualität aussagt. Aber auch wenn ich als Nichtchrist in einer, von christlicher Überlieferung beeinflußten Kultur lebe, dann wird ihre Überlieferungen mich immer noch beeinflussen. Es läßt sich überlegen, ob in multikulturellen Gesellschaften ein kollektives ethisches Verhalten unbewußt entsteht, das alle Kulturen zufrieden stellt. Es ist anzuzweifeln.

MfG
Bob
 
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haus maranatha

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Hallo Bob,

danke für Deinen Beitrag.

------------------
Johannes Paetzold
 
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TOM

Mitglied
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Hallo, an alle!

Marc:
Ich muß Bob und Johannes zustimmen. Ich denke, es ist nicht möglich die Ethik völlig von den Weltanschauungen und Glaubensrichtungen der Menschen zu lösen. Es geht in der Ethik nun mal um Fragen nach richtig oder falsch, gut oder böse und für viele sind diese unmittelbar mit Ihrer Religion verbunden.

Allerdings zeigt sich für mich in allen Religionen und auch Gesetzen dieser Welt eine Gemeinsamkeit:
sie versuchen alle, den Umgang der Menschen miteinander so zu regeln, dass eine möglichst harmonische und sichere Gemeinschaft möglich ist.

Wenn man also Antworten auf ethische Fragen sucht, so sucht man meines Erachtens nach Regeln innerhalb einer (zu definierenden) Gemeinschaft, die allgemeingültig und für die Gemeinschaft (d.h. nicht unbedingt auch für jeden Einzelnen!) von Nutzen bzw. Vorteil sind.


Gruß,

TOM
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Tom,

ich denke auch nicht, daß es Sinn macht, Weltanschauungen und Glaubensrichtungen völlig auszusparen. Wenn wir jedoch, wie es z.T. der Fall war, über ethische Probleme in der Pflege sprechen, dann müssen wir natürlich schon auch einen Lösungsweg anpeilen, welcher für alle Menschen soweit tragbar ist. Es kann nicht sein, daß der Weg "christlicher Glauben" heißen soll, denn damit wird man denen, welche diesen nicht teilen, egal, ob Patient oder Pflegekraft, nicht gerecht.
Wenn jemand sagt, wie Du auch in Deinem Beitrag, daß ein Grundsatz lauten soll, daß eine harmonische und sichere Gemeinschaft entstehen soll, dann kann ich das nur unterstützen. Das soll das Ziel sein. Wenn jemand jedoch sagt, es ginge nur, wenn man sich zum christlichen Gott bekennt und danach lebt, dann kann das nicht richtig sein. Und das wird immer wieder für mich in der stark christlich geprägten Diskussion deutlich. Es ist eben nur ein Weg, neben vielen anderen.

Gerade wir in der Pflege sind mit einer großen Anzahl von Weltanschauungen konfrontiert, innerhalb und außerhalb unserer Teams, zudem auch noch in oft individuellen Krisen. Für diese alle kann es doch nicht nur einen Weg geben. Deshalb ist es meiner Meinung nach notwendig, eine grundsätzlich Ethik als Ansatzpunkt zu haben, unabhängig von einem einzelnen Glauben.

Gruß,

Marc
 
H

haus maranatha

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Hallo Marc,

Du sagst, ich würde Deine Fragen nicht beantworten. Ich denke schon, daß eine Reihe Antworten in meinen Ausführungen zu finden sind. In Deinem Beitrag vom 15. Jan. fragst Du, was denn die übergeordnete Größe sein könnte.

Hier eine Antwort:

Ein Mensch oder die Meinung eines Menschen ist dazu untauglich, weil jeder Mensch fehlbar ist. Übergeordnet kann nur jemand sein, der größer ist, mehr Überblick hat, auch dem Menschen gebieten kann. Daß das nicht gefällt, liegt auf der Hand, denn wir wollen Herren sein und dulden nur ungern jemand über uns.

Alle Religionen sprechen davon. Alle haben Götter, die über den Menschen stehen. Bei den Philosophien liegt das etwas anders. Über- und Unterordnung hat auch etwas mit Recht und Ordnung zu tun.

Wie zerstörerisch der Pluralismus ist, sehen wir überall um uns herum. Christen bekämpfen Moslems (Kreuzzüge); Moslems bekämpfen Christen (Türkei, Indonesien); Protestanten bekämpfen Katholiken und umgekehrt (Nordirland); Orthodoxe bekämpfen Römische (Jugoslavien); Hindus bekämpfen sich gegenseitig (Kasten); usw.

Der Buddhismus als philosophische Lebensweise nimmt eine Sonderstellung ein. Ist aber auch keine Religion, auch wenn die Klöster den Eindruck erwecken sollten!

Allen aber ist gemeinsam, daß sie in dem jetzt gelebten Leben nicht das ZIEL des Lebens sehen, sonder auf etwas zukünftiges verweisen. Es gilt herauszufinden, wo den Antworten auch die Ergebnisse folgen. Dann hat man den richtigen Weg gefunden. Ein Sprichwort sagt: "Knapp daneben ist immer noch daneben."

Somit ist auch die Frage nach dem Übergeordneten vom Ziel her zu beantworten, wenn eine zufriedenstellende Antwort erwartet wird.

In Deinem Beitrag vom 29. Jan. schreibst Du:

"Es kann nicht sein, daß der Weg "christlicher Glauben" heißen soll, denn damit wird man denen, welche diesen nicht teilen, egal, ob Patient oder Pflegekraft, nicht gerecht."

Du sagst das so einfach. Wer sonst stellt den Menschen in eine Wechselbeziehung mit einem liebenden Gott, der sich fürsorglich um jeden Einzelnen kümmert? Wer sonst sagt, daß der Mensch kein Recht hat, seinem Nächsten in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen? Mahatma Ghandi z. B. hat aus dem christlichen Glauben heraus sein Volk ohne Anwendung von Gewalt aus der Gewaltherrschaft der Engländer befreit! Oder sollte ich in seiner Biographie etwas falsch gelesen haben?

Christliche Missionare waren es, die in Indonesien, Afrika, Südamerika die mörderischen Konflikte zwischen den einzelnen Stämmen durch die Botschaft der Liebe beendeten. Andere, die die christliche Botschaft der Liebe verachten und ablehnen, liefern diesen Menschen statt Liebe und Brot Waffen, mit denen sie sich wieder gegenseitig zerfleischen können - sollen.

Wenn christliches Leben so unwürdig sein soll, bitte zeige mir konkret bessere Wege auf, die zu den gleichen Ergebnissen oder zu besseren Ergebnissen führen. Dann magst Du gewiß recht haben mit Deiner Auffassung, daß alle gleich sind. Dann bin ich auch der Letzte, der auf seiner Einstellung beharrt. Aber zeige mir bitte erst einmal die besseren Wege!!

Ich stehe dafür, daß das Beste gerade gut genug ist. Darum kann ich meinen christlichen Glauben gegen Deine Vorschläge anbieten. Das soll zunächst einmal genug sein.

Ich grüße Euch alle recht herzlich

------------------
Johannes Paetzold
 
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TOM

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Hi!

Zunächst an Marc:

Mit Deinem Beitrag hast Du doch für Dich schon einen Grundsatz erstellt:
Die Ethik soll eine harmonische und sichere Gesellschaft unabhängig von Glaubensrichtungen und Weltanschauungen gewährleisten.
Meines Erachtens ist dies schon ein ethischer Grundsatz, an dem man viele seiner Verhaltensweisen messen und überprüfen kann.

Du hast gesagt "Es kann nicht sein, daß der Weg "christlicher Glauben" heißen soll, denn damit wird man denen, welche diesen nicht teilen, egal, ob Patient oder Pflegekraft, nicht gerecht."
Nun, auch wenn ich Dir da zustimme, Du wirst bei Regeln und Grundsätzen, die für möglichst viele Menschen gelten sollen, immer wieder auf das Problem stoßen allen gerecht zu werden... leider. Und Toleranz und Kompromißbereitschaft sind nun mal schlecht vorzuschreiben

Zu Johannes:
1) Warum ist der Buddhismus keine Religion? Ich wäre für eine Erklärung dankbar.

2) Bedarf es einer Religion um Glauben zu (er-)leben?

3) Es hört sich in Deinen Formulierungen immer wieder so an, als könnten allein Christen lieben und auf einen liebenden Gott vertrauen.
Erstens glaube ich, dass die Art Deiner Formulierungen auf viele sehr provokant wirkt. Daher wirkst Du dann natürlich auch sehr missionarisch...
Zweitens: Deine Behauptung kann man in der Form nur als unwahr bezeichnen. Alle Religionen bis zum Schamanismus streben immer nach der Harmonie der Menschen mit Ihrer Umgebung (andere Menschen, Tiere, Umwelt). Dadurch findet sich in sehr vielen von Ihnen (wie auch in vielen Gesetzen) ein Prinzip der (Nächsten)liebe.
Darüberhinaus lassen sich in unserer Welt immer wieder Menschen finden, die keinen konkreten Glauben ihr eigen nennen und die dennoch in der Lage sind grenzenlose Liebe zu schenken.
Und zu guter letzt:
wieviele Christen gibt und gab es, die keine Liebe schenken? Ja, die sogar hassen! Die Kreuzüge hast Du selbst schon genannt, die Inquisition zählt dazu und von Einzelpersonen will ich gar nicht erst sprechen.

Vielleicht wirst Du mir darauf antworten "das waren ja auch keine Christen" oder "auch Christen sind fehlbar". Natürlich, wir sind alle nicht perfekt. Und gerade deshalb halte ich es für vermessen für sich zu behaupten der "wahre" Christ zu sein oder anderen dies abzusprechen.
Nichts anderes ist während der Inquisition geschehen. Da haben Christen von sich behauptet den einzig wahren Glauben zu vertreten und über andere geurteilt, wer Christ ist und wer nicht.
Nicht, dass wir uns mißverstehen: ich möchte Dich keinesfalls mit Inquisitoren vergleichen, sollte dieser Eindruck entstehen, bitte ich um Entschuldigung.

Ich wollte mit meinen Ausführungen nur klarmachen, dass Glauben nun mal (persönliche) Frage des Glaubens ist, und kein Fakt.
Ob man nun eine Religion oder Glauben als Grundlage für ein ethisches Gefüge nutzen will, hängt daher auch nicht mit der Frage nach Wahrheit oder Unwahrheit des Glaubens zusammen, sondern viel mehr mit der Frage nach der "Zielgruppe" und wie diese damit umgehen kann.

Noch eine Frage an Marc:
wie stellst Du Dir überhaupt vor, dass eine Ethik für die Pflege gelebt werden soll? Eine reine Ansammlung frommer Wünsche ist zwar sicherlich schön, allerdings habe ich ernsthafte Zweifel, dass diese jemals auch ausgeführt wird. Es gibt eben immer Leute, die sich nicht an Grundsätze und Regeln halten wollen...

Ich wünsche uns trotz aller vehementen Diskussionen immer einen Grund zum Lächeln,

TOM
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Tom,

die Beiträge der letzten Zeit haben immer wieder gezeigt, daß viel diskutiert, aber auch viel aneinander vorbei diskutiert wird. Meine Idee war eigentlich, daß es vielleicht sinnvoll sein könnte, sich erst einmal auf einen Grundsatz zu einigen, mit dem alle leben können. Das gilt, in die Praxis übertragen, auf beide Gruppen, Patienten und Pflegende.
Ethik erst einmal als Grundsatzdiskussion. Der hier z.T. stark vertretene christliche Faktor ist sicher nicht auszusparen, das kann auch irgendwann mit einbezogen werden. Als Beispiel dient Johannes (verzeih, aber es bietet sich einfach an). Es gibt wahrscheinlich keinen, der Johannes irgendeine praktische "Mißtat" vorwerfen kann, weil ihn keiner in seiner Arbeit erlebt hat. Darum würde ich auch nie über Gelebtes von ihm urteilen. Doch in die Diskussion platzt er mit seinem eigenen Glaubensbild herein, über das es sich schwerlich und sicher sehr uneffektiv streiten läßt. Und in dieser Diskussion geht vieles vielleicht wichtige verloren (finde ich).
Warum können wir nicht an einem Grundgerüst arbeiten, welches von allen getragen werden kann? Ich persönlich mag seinen Glauben nicht übernehmen, für mich ist vieles nicht nachvollziehbar. Es wird aber auch nicht automatisch nachvollziehbarer, wenn es immer wiederholt wird. Für mich ist der christliche Gott nicht existent. Folglich hilft mir dieser Punkt der Diskussion nicht weiter in meinem Problem. Dennoch hat sicher Johannes auch einiges zu geben in einer Grundsatzfindung, welches auch von mir akzeptiert werden kann. Warum können wir nicht erstmal an einer gemeinsamen Basis bauen?

Als Ansatz wäre das sicher der Mensch zu nehmen. Und dabei ist es in erster Linie uninteressant, was dieser Mensch für eine Vergangenheit hat, aus welcher Umgebung er kommt und welchen Glauben er hat. Es ist ein Mensch.
Er hat ein Leiden, hat vielleicht Schmerzen, fühlt sich allein, hat Angst...
Auf alles die Antwort"Glaube an Gott und es geht weiter" zu geben (ich denke (oder hoffe), Ihr wißt, was ich meine, selbst, wenn es etwas flapsig formuliert ist), ist sicher ein Weg, aber es ist ein Weg, der nicht von allen getragen werden kann.

Tom, ich weiß nicht, wie eine Ethik für die Pflege gelebt werden soll, und fromme Wünsche sind sicher nicht sehr hilfreich. Aber vielleicht könnte es hilfreich sein, wenn wir alle, in dieser Diskussion, von vergleichbaren Voraussetzungen ausgehen.
Ist aber nur eine Idee...

Soweit für jetzt,

Marc
 
Bob Brewer

Bob Brewer

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Hallo Marc!

Du hast wahrscheinlich recht in Bezug auf die Mißverständisse und das "an-einander-vorbei-reden". Allerdings, für mein Teil, wollte ich zeigen, dass Ethik irgendwo beginnen muß. Sinnvolle Weise meistens bei der religiöse Grundlage, die wir mitbekommen als Kinder.

Wollte man areligiös dran gehen, so mußte man von alle Religionen und Weltanschauungen sozusagen "demokratisch" wählen, was am meisten vorkommt. Z.B die Zehn Gebote verglichen mit die 8 Gebote des Buddhismus ergeben einen ethischen Grundsatz, den wohl alle unterschreiben könnte ...

Geht Deine Anregung in dieser Richtung?

Gruß
Bob
 
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MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Bob,

ja, vielleicht geht es in die Richtung.

Dein Beispiel mit den Geboten: Von den 10 Geboten des Christentums sind nicht alle tauglich dafür. Die ersten beiden sind zu spezifisch, als daß man sie für alle gelten machen darf. Aber vom Grundsatz her ist es schon ein Anfang.

Marc
 
M

MarcMann

Themenstarter/in
Hallo Johannes,

nun, nur kurz eine Frage zu Deinem Beitrag vom 29.01.:
Wie soll ich das verstehen:
Du vertritts Deinen christlichen Glauben, auf der anderen Seite prangerst Du Taten des Christentums an. Gibt es denn "wahre Christen" und "unwahre Christen"? Wie kann man beide unterscheiden, berufen sie sich nicht alle nachweißbar auf die Bibel? Sieht nicht jeder das "Recht" auf seiner Seite?
Unter diesem Gesichtspunkt sehe ich etwas Schwierigkeiten zu sagen, das Christentum ist der "wahre" Weg.

Leider, muß ich gestehen, habe ich mich, entgegen meines eigenen Gedankens, gerade wieder darauf eingelassen, vom Thema abzulassen. Toll...

Du hast Recht, ein einzelner Mensch kann nicht bestimmend sein, eine Lösung zu finden. Aber viele zusammen könnten das vielleicht doch.
Dafür muß man sich jedoch auf einen Diskussionsweg einigen. Schau mal, ich habe diesen Gedanken zu Anfang geäußert. Was hat da ein "Gott" zu suchen? Wenn ich meine Gedanken in die Richtung richte, eine Grundidee auf Basis des Menschen zu überlegen, sollte das doch akzeptiert werden. Warum stehen doch dann plötzlich die christlichen Kreuzzüge neben heilsbringenden Missionaren? Schon wieder ist das Thema in eine andere Richtung gebracht (und ich springe auch noch darauf an...)?
Vielleicht geht das ja alles wirklich nicht, wer weiß. Aber warum wird nicht erstmal die Basis eingehalten?
Warum stellt nicht jemand, der einen anderen Ansatzverfolgen will, einfach ein Thema dagegen? Vielleicht trifft man sich ja irgendwann...

gruß,

marc
 
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haus maranatha

Gesperrter Benutzeraccount
Hallo Marc,

Deine Frage ist berechtigt. Vielleicht erinnerst Du Dich, daß ich in einem Beitrag den Satz schrieb: "Wer nicht rot ist, der ist rötlich, wer nicht Christ ist, der ist christlich."

Der christliche Glaube ist in Verruf geraten nicht dadurch, daß es so viele Nichtchristen gibt, sondern dadurch, daß so viele unter dem christlichen Namen so unchristlich leben. Darum muß ich auch die unrühmliche Seite des "Christentums" ansprechen.

Ich werde dieses Thema hier aber nicht weiterverfolgen, sondern bin bereits dabei, ein neues Thema zu erarbeiten, das Hintergründe und Zusammenhänge vielleicht etwas deutlicher werden läßt. Ich hoffe, daß ich in diesem neuen Thema auch nachvollziehbar auf die von Dir aufgeworfenen Fragen in früheren Beiträgen eingehen kann.

Ich danke aber an dieser Stelle allen, die trotz unterschiedlicher Denkansätze bis hier bereit waren, meine Gedanken in dieser Diskussion einfließen zu lassen.

Gruß

------------------
Johannes Paetzold
 
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05.07.2001
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