Es wird immer schlimmer... und kein Ende ist in Sicht!

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herzentfuehrt

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich stelle meinen Beitrag hier in den Bereich Kinder- und Jugendmedizin, da ich selbst als Kinderkrankenschwester auf einer Allgemeinpädiatrie tätig bin. Vermutlich kann man diesen Bericht aber auch auf viele andere Pflegebereiche übertragen. Also falls ich hier "nicht richtig bin" darf der Beitrag natürlich auch entsprechend in den richtigen Thread verschoben werden.

Wie wahrscheinlich überall herrscht auch bei uns akuter Pflegenotstand. Unserem ganzen Team wächst die Arbeit inzwischen über den Kopf, wir wissen uns bald nicht mehr zu helfen.

Ich bin seit über 30 Jahren Kinderkrankenschwester auf dieser Station, meine Kolleginnen sind alle etwa in meinem Alter, dementsprechend sind immer wieder Langzeitausfälle (z.B. durch Knie-OP o.ä.) zu verzeichnen. Es gibt nur zwei jüngere Kolleginnen, allerdings arbeitet eine nur 25 % und die andere möchte aufgrund der katastrophalen Bedingungen im Herbst anfangen zu studieren.

Wir haben momentan im Durchschnitt ca 20 bis 25 Betten belegt - offiziell ist unsere Bettenazahl aber erst vor kurzem auf 16 Betten reduziert worden. Dazu kommen teilweise bis zu 10 Entlassungen und 10 Neueaufnahmen pro Tag hinzu. Die Flüchtlingswelle vereinfacht die Situation nicht gerade, da wir immer mehr Iso-Zimmer belegen müssen (unter anderem mit TB) und keine oder nur schlechte Deutschkenntnisse vorhanden sind. Außerdem verstehen viele die Isolierungsmaßnahmen nicht, es ist schwierig, ihnen die Situation begreiflich zu machen.

Zur Zeit arbeiten wir, wenn es irgendwie geht, zu zweit in einer Schicht + Koordiator (dieser übernimmt OP Fahrten, Labor-Transporte u.ä.). Allerdings haben wir häufig auch nur 1 Pflegekraft für die ganze Schicht, eine zweite kommt zum kurzen Dienst. Natürlich haben alle Überstunden en mass, werden ungefähr an jedem freien Tag zuhause angerufen. Stellen sind aktuell nicht ausgeschrieben.

Zu dieser Situation kommt, dass die medizintechnische Ausstattung auch in die Jahre gekommen ist. Wir haben zwar Überwachungsmonitore, diese können aber nicht zentral im Stationszimmer angeschlossen und abgerufen werden. Schlägt ein Monitor Alarm, so geht der Patentenruf in diesem Zimmer los. Teilweise behelfen wir uns auch mit Babyphonen. In anderen Patientenzimmern bekommen wir entsprechend von Monitoralarmen so gut wie nichts mit.
Apothekenbestellungen, Wäschebestellungen, Bettentransporte (nach Entlassungen oder für Neuaufnahmen) müssen wir selbst erledigen - dabei fehlen oft frisch geputzte Betten, vor allem am Wochenende.

Ganz akut ist die Situation seit letzten Sommer. Ich kann mich nicht daran erinnern, seit dieser Zeit auch nur eine einzige Pause während dem Dienst gemacht zu haben. Teilweise fülle ich mir zu Beginn der Frühschicht ein Glas Wasser, welches mir meine Ablösung bei der Übergabe dann - noch unberührt - hinstellt. Ja, ich weiß natürlich, dass wir eigentlich dazu verpflichtet sind, eine Pause zu machen und ein Recht darauf haben - aber wir kommen ja so schon nicht mit der Arbeit umher.

Ein Beispiel:
Belegung: 24 Betten. Davon 9 isolierte Zimmer, 5 davon mit Flüchtlingskindern - dementsprechend sprachliche Barrieren. 3 Schwerbehinderte Kinder.
Besetzung: 2 examinierte Kinderkrankenschwestern
Weg zum Labor: ca. 5 Min (einfacher Weg!)
Eines der behinderten Kindern im Isolierzimmer musste aufgrund antibiotisch behandelt werden, VVK war para. Der Oberarzt sollte eine neuen VVK legen, musste dieses aber unbedingt im U-Zi vornehmen. Es war ihm nicht möglich, sich zu isolieren und das Kind im Iso-Zimmer zu behandeln. Also musste ich das isolierte Kind ins U-Zi bringen und natürich beim Stechen zum Halten des Kindes dabei bleiben. Nach x-Versuchen und 45 Minuten später war dann endlichen eine neue VVK gelegt. Dann kam der Kommentar von unserem Arzt: "Das Kind stinkt. Vor allem die Füße. Könnt ihr es nicht mal waschen?"
Zudem hat das Kind eine PEG mit Sondernahrung. Zwar war vom ambulanten Dienst diese Nahrung gebracht worden, allerdings ohne System und Pumpe - welche wir für diese Nahrung nicht besitzen. Außerdem leidet das Kind an Erbrechen und Diarrhoe, in der Kurve war nichts angeordnet bezüglich Nahrungsgabe. Infusion lief jedoch auf 63 ml/h. Wir Pflegekräfte wurden dann beschimpft, wir würden das Kind verhungern zu lassen, wir sollen die Nahrung (4x300ml auf 150 ml/h) doch bitte per Hand sondieren, wenn wir keine Systeme dafür hätten. Also pro Sondierung 2h, wobei ich ja noch 11 andere Kinder zu versorgen hatte!
Wir hatten wieder mal keine Pause, um 10 Uhr war ich zuletzt in jedem Zimmer.
Die PDL wurde informiert, allerdings war nur die Vertretung im Haus. Eigentlich hätte sie noch für einen Ersatz sorgen sollen. Allerrdings kam sie gernau zu Übergabe - natürlich hatten wir dann noch weniger Zeit. Wir gingen davon aus, dass sie warten oder einfach selbst in den Dienstplan schauen würde. Aber nichts. 15 Minuten später war keine Spur mehr von ihr zu sehen.

Es fanden schon mehrere Gespräche mit den Stationsleitungen, der PDL, dem Betriebsrat, dem Pflegedirektor usw. statt, aber nichts hat etwas genutzt.
Unsere Ärzte unterstützen uns überhaupt nicht.Überlastungsanzeigen werden vom Chefarzt nicht geduldet.
Es heißt von jeder Seite nur: "Man muss halt".

Wir alle gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch. Bis zur Rente sind es dann doch noch ein paar Jahre, aber so wird das wohl niemand von uns durchhalten... Mit Pflege hat das Ganze eigentlich nichts mehr zu tun.

Und nun zu euch:
Läuft es bei euch ähnlich ab?
Habt ihr eine Idee, was könnten wir noch tun? Die Situation ist inzwischen wirklich patientengefährdend... Welche rechtlichen Schritte könnte man evtl., auch zu unserer Absicherung, einleiten? Wo kann man sich hinwenden?
 
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Ich springe nicht mehr ein.
Ich sage: NEIN
Ich bin nicht erpressbar.
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Ich kenne meine Rechte - allerdings auch meine Pflichten
 
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Christian Kröhl

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Habt ihr eine Idee, was könnten wir noch tun? Die Situation ist inzwischen wirklich patientengefährdend... Welche rechtlichen Schritte könnte man evtl., auch zu unserer Absicherung, einleiten? Wo kann man sich hinwenden?
Hallo herzentführt,
ich war jetzt kurz versucht den Beitrag hier ins Unterforum Arbeitsrecht zu verschieben, aber die Entscheidung würde ich gerne Dir überlassen wollen.

Es fanden schon mehrere Gespräche mit den Stationsleitungen, der PDL, dem Betriebsrat, dem Pflegedirektor usw. statt, aber nichts hat etwas genutzt.
Unsere Ärzte unterstützen uns überhaupt nicht.Überlastungsanzeigen werden vom Chefarzt nicht geduldet.
Es heißt von jeder Seite nur: "Man muss halt".
Was euer Chefarzt duldet oder nicht ist völlig uninteressant. Zumal er in dieser Sache überhaupt keine Kompetenz inne hat und nicht Dein Ansprechpartner ist. Ich weiß natürlich das viele befürchten, sich mit der Abgabe einer Überlastungsanzeige angreifbar zu machen. Tatsächlich können einen Vorgesetzte dann auf dem Kieker haben, denn etwaige Organisationsverschulden (Personalmangel, Krankheitsausfälle ohne Ausfallmanagement, etc) fallen diesen auf die Füsse. Aber genau das ist ihr Job, solche Zustände zu verhindern - und wenn sie ihren Job eben nicht richtig machen und denken das Personal wirds schon richten, dann muss ihr der Schnitt in den Finger eben mal weh tun.

Überlastungsanzeigen sind nicht etwa ein willfähriges Instrument, wo es dem Peronal frei steht, ob sie gestellt werden oder nicht. Überlastungsanzeigen sind eine Pflicht jedes Mitarbeiters, die aus seinem Arbeitnehmerpflichten seines Arbeitsvertrags hervorgeht - nämlich den Arbeitgeber unmittelbar und ohne schuldhafte Verzögerung auf Betriebsstörungen hinzuweisen, aus denen dem Unternehmen potentiell oder akut Schaden zu entstehen droht. Und zwar bei jedem Auftreten der Überlastung. D.h., stellt ihr keine Überlastungsanzeigen, könntet ihr gar abgemahnt werden.

Überlastungsanzeigen sind jedoch nicht nur an den Dienstvorgesetzten zu stellen, sondern müssen verpflichtend gleichzeitig an den Betriebsrat geschickt werden. Das habt ihr wohl bislang noch nicht gemacht. Der Betriebsrat hat die Pflicht Überlastungsanzeigen nachzugehen und u.a. auf zu Grunde liegende Organisitionsverschulden zu prüfen und mit der Betriebsleitung eine Lösung herbeizuführen. Der Betriebsrat hat - je nach Schwere, Dauer und Häufigkeit der Überlastung - durch das Betriebsverfassungsgesetz auch erheblich stärkere Mittel an der Hand die Betriebsleitung zu einer Lösung der Problematiken zu motivieren.

In jedem Fall solltet ihr jedoch den Betriebsrat schon vorab über eure Situation informieren. Insbesondere auch über das Verbot Überlastungsanzeigen stellen zu dürfen. Wenn der BR etwas auf sich hält, sollte er kurz danach jemandem die Hammelbeine langgezogen haben.

Das Ganze kostet euch/Dich am Anfang etwas Überwindung. Aber such Dir ein paar verlässliche Mitstreiter, stellt den Kontakt zum BR her und schreibt bloß eure Überlastungsanzeigen. Denkt immer daran, dass ihr die Durchführungs- und Übernahmeverantwortung für all das tragt, was in den Überlastungssituationen passiert und ihr - ohne Überlastungsanzeige - persönlich (strafrechtlich und finanziell) in vollem Umfang dafür haftet. Und ratet mal auf wen eure Klinik dass dann wohl abwälzen wird, wenn ein Kind verstirbt oder durch O²-Mangel mit Hirnschädigung behindert bleibt und die Eltern die Klinik auf Schadensersatz verklagen. Letztlich geht es um ein gewaltiges finanzielles Risiko in Millionenhöhe - und Deine/eure private Berufshaftpflicht wird sich berechtigt weigern da einzuspringen.

Also - Bange machen lassen gilt nicht.

VG,
Christian.
 
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Surrogat

Wir haben momentan im Durchschnitt ca 20 bis 25 Betten belegt - offiziell ist unsere Bettenazahl aber erst vor kurzem auf 16 Betten reduziert worden.
Das verstehe ich nicht.
Wie begründen denn die zustängige Stellen, dass ihr mehr Patienten versorgt, als ihr Bettplätze habt?
Denn, nun ja, die Patienten müssen ja irgendwo erfasst sein und können nicht nur im Limbo des PC existieren.
Wenn eure Ärzte der Meinung sind, aufgrund pekuniärer oder sonstiger Gründe aufzunehmen bis die Station aus allen Nähten platzt, dann sollen sie eben auch das Personal aus dem eigenen Pool stellen um die Versorgung zu garantieren.

Überlastungsanzeigen werden vom Chefarzt nicht geduldet
Ah, ja - eminenzbasierte Personalführung aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts...

Bezüglich der Überlastungsanzeige kann ich Christian nur beipflichten - ihr müsst dieses hohe Gefährdungspotential erkennbar dokumentieren, auch zu eurem eigenen Schutz. Klar, keine Leitungsebene ist besonders milde gestimmt wenn Fehler und Versäumnisse nicht mehr unter dem Tisch sind; aber ganz ehrlich: so wie du eure Probleme schilderst müssten Mitarbeiter und Angehörige/Patienten schon blind und taub sein um das nicht bereits erkannt zu haben.
Der berühmte Elefant im Raum, den jeder gerne ignorieren würde. :fremdschaem:

So wie du die Situation schilderst würde ich auch einmal eure zuständige Hygienefachkraft bzw. den ärztlichen Hygieniker schriftlich informieren - meines Erachtens (und aus der Ferne) sind diese Zustände ein fortlaufender hygienischer Beinahefehler (Isolation von Patienten mit mangelnder compliance und chronischer Personalmangel)...also eine Katastrophe mit Ansage.
Im Zweifel bleibt immer noch die anonyme Meldung ans Gesundheitsamt; vieleicht löst sich euer Belegungsproblem nach einer Begehung von ganz allein.

Ihr müsst auf jeden Fall als Team eine abgestufte, eskalierende Strategie mit eindeutigen Ultimaten entwickeln um euch und eure Patienten zu schützen. Da ist Planung und Zusammenhalt gefragt.
Der Betriebsrat sollte dazu mit im Boot sein und der entsprechende Dienstweg eingehalten werden.
Bleibt arbeitsrechtlich sauber und kollegial integer. Und sprecht keine leeren Drohungen leichtfertig aus - wenn von eurer Seite das Wort "Kündigung" fällt, sollte das Zwischenzeugnis schon angefordert sein, ansonsten hat das Ganze keinen...impact :baseball:

Hilfreich kann da das Werk "Gegendruck" ( Broschüre Gegendruck ) der Gewerkschaft ver.di sein - aber zuerst muss jede(r) von euch individuell von dem Punkt "Wir schaffen das nicht mehr und keiner hilft uns!" hin zur klaren Aussage "Wir tragen die von uns nicht verschuldete Situation nicht mehr mit!" gelangen.

Gruss, viel Erfolg und Kraft!
 
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Ich habe eine zeitlang auf diesem Faden herumgekaut.

@ Christian Kröhl, Surrogat: Eure Ausführungen sind korrekt und wertvolle Hinweise.

Es nützt nur nicht unbedingt etwas, weil die Grundlage für die Umsetzung bei den vielen Pflegekräften fehlt - kollegialer Zusammenhalt und der Mut, nein zu sagen.

Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass viele Leitungen und PDLer darauf geeicht sind, zu verhindern, dass sich diese Eigenschaften überhaupt erst entwickeln. Zudem sind Betriebsräte sehr unterschiedlich in dem Maße, wie sie vorgehen (ich habe selbst die Beobachtung gemacht, wie nah ein BR einer Geschäftsführung stehen kann).

Ich habe mehr als einmal eine "Teamsprengung" erlebt, teilweise, ohne dass es einen harten, berechtigten Anlass dafür gab.

Was noch fehlt, ist, das man sich als "Unruhestifter" dann auch sofort in den Fokus begibt, sich zum Ziel von Bossing und der ganzen Palette von formalrechtlich korrekten Maßnahmen macht. Dabei wird nicht unbedingt der eigentliche "Rädelsführer" als Angriffspunkt verwendet, sondern der-/diejenige, die von der GF als schwächstes Glied der Kette wahrgenommen wird. An dem/der werden dann Exempel statuiert.

Wen auch immer es trifft, wenn sich eine Gruppe von Pflegekräften dazu entschließt, in den Widerstand zu gehen - man steht am Ende alleine da.

Daher ist es unbedingt notwendig, sich auch gewahr zu werden, dass es sehr hart werden kann, und sich fragen, ob die Doppelbelastung Arbeit + Bossing etwas ist, was man in Kauf nehmen möchte. (Ich habe das damals für mich mit einem "Ja" beantwortet, und würde es heute auch noch tun.)

Man schreibt nicht einfach eine Überlastungsanzeige. Man tut etwas, dass die "Verantwortlichen" als Angriff auf ein Wertesystem von Befehl und Gehorsam, narzisstischer Selbstüberhöhung und destruktiver Führung, Opportunismus, Profitgier, Machtgeilheit, Angst und Konformitätszwang wahrnehmen.

Das Gute ist, man kann sich einigermaßen darauf vorbereiten, dass es hart wird. Und je häufiger man sich seinen Ängsten stellen muss, desto besser lernt man, damit umzugehen.

Überraschende Einzelgespräche mit Tribunalcharakter.
Die Feststellung, dass sich manche MA alles erlauben dürfen.
Abmahnungen wegen Lappalien.
Negative Beurteilungen.
Zwangsversetzungen.
Maulkorbanordnungen.
Gerüchte über einen Mitarbeiter in Umlauf bringen.
Beschneidung oder Überlastung eines Mitarbeiters.
Unangekündigte Besuche durch den AG zu Hause.
Angebote für Auflösungsverträge.

Nur, um mal ein paar Möglichkeiten aus der "Trickkiste" zu nennen, die ich selbst über die Jahre habe erleben dürfen.

Wie gesagt, was Ihr beide geschrieben habt, ist nicht falsch.

Ich denke nur, Krankenhäuser und andere Institutionen des Gesundheitswesens bilden oftmals "Parallelgesellschaften", die nichts mit der Werteordnung dieses Landes zu tun haben. Ist ein bisschen so, als wolle man in Ländern, in denen die Scharia herrscht, die Demokratie und die Menschenrechte einfordern, wie sie in westlichen Demokratien gelten.

Und dass sollte man Leuten auch sagen, damit sie darauf vorbereitet sind. Denn ich bin davon überzeugt, dass sehr viele Pflegende, die in solchen Systemen arbeiten, sich zumindest am Rande noch bewusst sind, dass irgendwas nicht richtig läuft, und dass lediglich der Mut und das Wissen um das richtige taktische Vorgehen fehlen.

"Untutored Courage is useless in the face of educated bullets." - George S. Patton
 
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Christian Kröhl

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Ich habe eine zeitlang auf diesem Faden herumgekaut.

@ Christian Kröhl, Surrogat: Eure Ausführungen sind korrekt und wertvolle Hinweise.

Es nützt nur nicht unbedingt etwas, weil die Grundlage für die Umsetzung bei den vielen Pflegekräften fehlt - kollegialer Zusammenhalt und der Mut, nein zu sagen.

Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass viele Leitungen und PDLer darauf geeicht sind, zu verhindern, dass sich diese Eigenschaften überhaupt erst entwickeln. Zudem sind Betriebsräte sehr unterschiedlich in dem Maße, wie sie vorgehen (ich habe selbst die Beobachtung gemacht, wie nah ein BR einer Geschäftsführung stehen kann).

Ich habe mehr als einmal eine "Teamsprengung" erlebt, teilweise, ohne dass es einen harten, berechtigten Anlass dafür gab.

Was noch fehlt, ist, das man sich als "Unruhestifter" dann auch sofort in den Fokus begibt, sich zum Ziel von Bossing und der ganzen Palette von formalrechtlich korrekten Maßnahmen macht. Dabei wird nicht unbedingt der eigentliche "Rädelsführer" als Angriffspunkt verwendet, sondern der-/diejenige, die von der GF als schwächstes Glied der Kette wahrgenommen wird. An dem/der werden dann Exempel statuiert.

Wen auch immer es trifft, wenn sich eine Gruppe von Pflegekräften dazu entschließt, in den Widerstand zu gehen - man steht am Ende alleine da.

Daher ist es unbedingt notwendig, sich auch gewahr zu werden, dass es sehr hart werden kann, und sich fragen, ob die Doppelbelastung Arbeit + Bossing etwas ist, was man in Kauf nehmen möchte. (Ich habe das damals für mich mit einem "Ja" beantwortet, und würde es heute auch noch tun.)

Man schreibt nicht einfach eine Überlastungsanzeige. Man tut etwas, dass die "Verantwortlichen" als Angriff auf ein Wertesystem von Befehl und Gehorsam, narzisstischer Selbstüberhöhung und destruktiver Führung, Opportunismus, Profitgier, Machtgeilheit, Angst und Konformitätszwang wahrnehmen.

Das Gute ist, man kann sich einigermaßen darauf vorbereiten, dass es hart wird. Und je häufiger man sich seinen Ängsten stellen muss, desto besser lernt man, damit umzugehen.

Überraschende Einzelgespräche mit Tribunalcharakter.
Die Feststellung, dass sich manche MA alles erlauben dürfen.
Abmahnungen wegen Lappalien.
Negative Beurteilungen.
Zwangsversetzungen.
Maulkorbanordnungen.
Gerüchte über einen Mitarbeiter in Umlauf bringen.
Beschneidung oder Überlastung eines Mitarbeiters.
Unangekündigte Besuche durch den AG zu Hause.
Angebote für Auflösungsverträge.

Nur, um mal ein paar Möglichkeiten aus der "Trickkiste" zu nennen, die ich selbst über die Jahre habe erleben dürfen.

Wie gesagt, was Ihr beide geschrieben habt, ist nicht falsch.

Ich denke nur, Krankenhäuser und andere Institutionen des Gesundheitswesens bilden oftmals "Parallelgesellschaften", die nichts mit der Werteordnung dieses Landes zu tun haben. Ist ein bisschen so, als wolle man in Ländern, in denen die Scharia herrscht, die Demokratie und die Menschenrechte einfordern, wie sie in westlichen Demokratien gelten.

Und dass sollte man Leuten auch sagen, damit sie darauf vorbereitet sind. Denn ich bin davon überzeugt, dass sehr viele Pflegende, die in solchen Systemen arbeiten, sich zumindest am Rande noch bewusst sind, dass irgendwas nicht richtig läuft, und dass lediglich der Mut und das Wissen um das richtige taktische Vorgehen fehlen.

"Untutored Courage is useless in the face of educated bullets." - George S. Patton
Ich setze voraus, dass sich die Kolleg/innen des möglichen Gegenwindes bewusst sind. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man die Umstände dennoch - oder besser gar: gerade deswegen - angehen muss. Würden ausgerechnet wir Pflegekräfte uns nicht ständig und kontinuierlich unserer Bequemlichkeit und der Feigheit vor dem Feind als Ausrede bedienen, hätten wir solche Problem weitgehend schon lange aus der Welt geschafft. So muss jeder Einzelne jedesmal anscheinend von neuem das Rad erfinden und sich in die Höhle des Löwen stürzen, während das Gros der Kolleg/innen sich wieder mal wegduckt.

Wie ich sagte, Bange machen lassen gilt nicht. Und irgendjemand muss immer den ersten Schritt machen.
 
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Auch wenn das nun lediglich wie ein "weise Spruch aus Yodas' Ecke" klingt:
Solange ihr gebt, werden andere nehmen...

Man schreibt nicht einfach eine Überlastungsanzeige. Man tut etwas, dass die "Verantwortlichen" als Angriff auf ein Wertesystem von Befehl und Gehorsam, narzisstischer Selbstüberhöhung und destruktiver Führung, Opportunismus, Profitgier, Machtgeilheit, Angst und Konformitätszwang wahrnehmen.
;)
Gut erkannt - prägnant ausformuliert!
 
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So muss jeder Einzelne jedesmal anscheinend von neuem das Rad erfinden und sich in die Höhle des Löwen stürzen, während das Gros der Kolleg/innen sich wieder mal wegduckt.
Du hast recht.

Aber wie kann man den Kreislauf durchbrechen, ohne selbst Schaden zu nehmen?

Denn die Schemata sind doch immer die gleichen:

Selbst WENN man sich in einer Situation wie der obigen erfolgreich durchsetzt - Überlastungsanzeige, die geschrieben wird - bedeutet dass ja erstmal noch nicht, dass sich auf Dauer etwas ändert. Die Mitarbeiter, die sich gewehrt haben, geraten in den Fokus. Diejenigen, die nichts gesagt haben, werden es auch weiterhin nicht tun, jedenfalls nicht öffentlich, und dann als Beleg für die Haltung der PDL, es sei doch eigentlich alles in Ordnung, herangezogen.

Im Fokus zu sein, ist nicht nett. Siehe oben.

Selbst, wenn es keine Einzelkampfaktion war, werden nun Kollegen Abstand nehmen, es wird nach Schwachstellen in der "Rebellengruppe" gesucht, Allianzen werden aufgebrochen, Leute eingeschüchtert, Teams gespalten. Bis man einen Mitarbeiter hat, den man als Unruhestifter identfizieren und öffentlich hinrichten kann.

Am Ende bleibt alles, wie es war, mit der Ausnahme, dass es auf dem Weg der "Befriedung" der Station ein Team zerstört wird. Was sich negativ auf die Produktivität auswirkt, mit wiederrum der Folge, das es noch schlimmer für die Hinterbliebenen wird, die aber nun nicht mehr die Kraft haben, sich dagegen zu stemmen oder es auch nicht wollen (es sind, meiner Erfahrung nach, immer die Engagierten, die in den Aufstand gehen; jene also, die einen Großteil der Arbeitsleistung stemmen)

Der AG schneidet sich also ins eigene Fleisch. Es kümmert ihn nur keinen Deut. Selbst, wenn die an der ursprünglichen Situation beteiligten und dafür verantwortlichen Führungskräfte eines Tages gehen müssen, erhalten sie als Belohnung für ihre "Loyalität" gute Zeugnisse und Abfindungen, während der Rest sehen muss, wo er bleibt.

Effektiv sehe ich für Einzelne nur zwei Möglichkeiten:
- Das System verlassen - entweder den AG oder gleich den Job;
- Die Außenwelt in das System reinholen - was aber auch ineffektiv sein kann und möglicherweise zum Verlassen des AG führt.

Das klingt vielleicht alles etwas zynisch, und ist durch eigene Erfahrungen geprägt. Aber vielleicht sind die folgenden Gedanken hilfreich:

1. Sobald man sich dazu entschließt,nein zu sagen, sollte man sich auch gleichzeitig nach einem neuen Job umschauen.
2. Sich gewahr werden, dass der Markt fürPflegekräfte gut ist.
3. Dinge zur Stärkung der seelischen und körperlichen Resilienz unternehmen.
4. Rechtzeitig eine Rechtschutzversicherung, die Arbeitsrecht abdeckt, abschließen.Alternativ in die Gewerkschaft eintreten,aber die sagen auch mal "Nein".
5. In Erfahrung bringen, wo der BR steht - eher bei den Arbeitnehmern oder beim AG, und ob er eher stark oder schwach ist.
6. Genau einen Zeitpunkt festlegen, ab dem man "Nein" sagt.
7. Dokumentation von Gesprächen und Schriftwechseln.
8. Anonym bleiben, solange es geht.
9. Proteste so zeitlich planen, dass keine direkte Antwort des AG möglich ist (vor einem Urlaub oder Nachtwachen - Turn, nötigenfalls auch vor einer Krankschreibung)
10.Seine Arbeit korrekt erledigen und keine Angriffspunkte liefern, wenn möglich.
11. Sich nicht von anderen vorschicken lassen. Nur gemeinsam etwas unternehmen.
12. Es ist überraschend, wieviel Mut man entwickeln kann,wenn man sich seinen Ängsten immer wieder stellen muss. (Gilt nicht nur für Auseinandersetzungen mit dem AG.)
13. Es ist ebenso überraschend, wieviel Kraft man aus der Erkenntnis ziehen kann, dass man tot, erledigt, auf der Abschussliste ist.
14. Sich auf keine Gespräche ohne einen zumindest neutralen Zeugen einlassen.
15. Nicht drohen.

Und noch ein paar Zitate:
"Die reguläre Armee verliert,wenn sie nicht gewinnt; die Guerilla gewinnt, wenn sie nicht verliert." - Henry Kissinger
"Alle Kriegskunst beruht auf Täuschung." Sun Tsu, Kunst des Krieges
"Auf dem Schlachtfeld stirbt man nur einmal, in der Politik viele Male." - Und: "Never give in. Never, Never, Never, Never, in nothing great or small, large or petty, never give in, except to convictions of honour and common sense. Never yield to force, never yield to the apparently overwhelming might of the enemy." Winston Churchill
 
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Du hast recht.

Aber wie kann man den Kreislauf durchbrechen, ohne selbst Schaden zu nehmen?

Denn die Schemata sind doch immer die gleichen:

Selbst WENN man sich in einer Situation wie der obigen erfolgreich durchsetzt - Überlastungsanzeige, die geschrieben wird - bedeutet dass ja erstmal noch nicht, dass sich auf Dauer etwas ändert. Die Mitarbeiter, die sich gewehrt haben, geraten in den Fokus. Diejenigen, die nichts gesagt haben, werden es auch weiterhin nicht tun, jedenfalls nicht öffentlich, und dann als Beleg für die Haltung der PDL, es sei doch eigentlich alles in Ordnung, herangezogen.

Im Fokus zu sein, ist nicht nett. Siehe oben.

Selbst, wenn es keine Einzelkampfaktion war, werden nun Kollegen Abstand nehmen, es wird nach Schwachstellen in der "Rebellengruppe" gesucht, Allianzen werden aufgebrochen, Leute eingeschüchtert, Teams gespalten. Bis man einen Mitarbeiter hat, den man als Unruhestifter identfizieren und öffentlich hinrichten kann.

Am Ende bleibt alles, wie es war, mit der Ausnahme, dass es auf dem Weg der "Befriedung" der Station ein Team zerstört wird. Was sich negativ auf die Produktivität auswirkt, mit wiederrum der Folge, das es noch schlimmer für die Hinterbliebenen wird, die aber nun nicht mehr die Kraft haben, sich dagegen zu stemmen oder es auch nicht wollen (es sind, meiner Erfahrung nach, immer die Engagierten, die in den Aufstand gehen; jene also, die einen Großteil der Arbeitsleistung stemmen)

Der AG schneidet sich also ins eigene Fleisch. Es kümmert ihn nur keinen Deut. Selbst, wenn die an der ursprünglichen Situation beteiligten und dafür verantwortlichen Führungskräfte eines Tages gehen müssen, erhalten sie als Belohnung für ihre "Loyalität" gute Zeugnisse und Abfindungen, während der Rest sehen muss, wo er bleibt.

Effektiv sehe ich für Einzelne nur zwei Möglichkeiten:
- Das System verlassen - entweder den AG oder gleich den Job;
- Die Außenwelt in das System reinholen - was aber auch ineffektiv sein kann und möglicherweise zum Verlassen des AG führt.

Das klingt vielleicht alles etwas zynisch, und ist durch eigene Erfahrungen geprägt. Aber vielleicht sind die folgenden Gedanken hilfreich:

1. Sobald man sich dazu entschließt,nein zu sagen, sollte man sich auch gleichzeitig nach einem neuen Job umschauen.
2. Sich gewahr werden, dass der Markt fürPflegekräfte gut ist.
3. Dinge zur Stärkung der seelischen und körperlichen Resilienz unternehmen.
4. Rechtzeitig eine Rechtschutzversicherung, die Arbeitsrecht abdeckt, abschließen.Alternativ in die Gewerkschaft eintreten,aber die sagen auch mal "Nein".
5. In Erfahrung bringen, wo der BR steht - eher bei den Arbeitnehmern oder beim AG, und ob er eher stark oder schwach ist.
6. Genau einen Zeitpunkt festlegen, ab dem man "Nein" sagt.
7. Dokumentation von Gesprächen und Schriftwechseln.
8. Anonym bleiben, solange es geht.
9. Proteste so zeitlich planen, dass keine direkte Antwort des AG möglich ist (vor einem Urlaub oder Nachtwachen - Turn, nötigenfalls auch vor einer Krankschreibung)
10.Seine Arbeit korrekt erledigen und keine Angriffspunkte liefern, wenn möglich.
11. Sich nicht von anderen vorschicken lassen. Nur gemeinsam etwas unternehmen.
12. Es ist überraschend, wieviel Mut man entwickeln kann,wenn man sich seinen Ängsten immer wieder stellen muss. (Gilt nicht nur für Auseinandersetzungen mit dem AG.)
13. Es ist ebenso überraschend, wieviel Kraft man aus der Erkenntnis ziehen kann, dass man tot, erledigt, auf der Abschussliste ist.
14. Sich auf keine Gespräche ohne einen zumindest neutralen Zeugen einlassen.
15. Nicht drohen.

Und noch ein paar Zitate:
"Die reguläre Armee verliert,wenn sie nicht gewinnt; die Guerilla gewinnt, wenn sie nicht verliert." - Henry Kissinger
"Alle Kriegskunst beruht auf Täuschung." Sun Tsu, Kunst des Krieges
"Auf dem Schlachtfeld stirbt man nur einmal, in der Politik viele Male." - Und: "Never give in. Never, Never, Never, Never, in nothing great or small, large or petty, never give in, except to convictions of honour and common sense. Never yield to force, never yield to the apparently overwhelming might of the enemy." Winston Churchill
Entschuldige, Igel, aber folgt man Deinem Zynismus, dürfte niemand jemals irgendetwas verändert haben. Zum Glück ist das nicht so - auch nicht in der Pflege. Nicht nur das man sich weitgehend schützen kann, wenn man nicht völlig kopflos vorgeht. Meine Erfahrungen sind da mitnichten auch nur annähernd wie wohl Deine - und was Überlastungsanzeigen an Veränderungen bewirken können, hat nicht nur mich überrascht.

Im Leben ist nichts ohne ein gewisses Risiko. Aber es wäre grundfeige und völlig falsch, deswegen in Schockstarre zu verfallen oder Dinge so zu belassen wie sie sind. Dann sollte man sich zu Hause einschliessen, bevor man u.U. über die Türschwelle stolpert und sich dann - evtl. - den Hals bricht ;)
 
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Entschuldige, Igel, aber folgt man Deinem Zynismus, dürfte niemand jemals irgendetwas verändert haben. Zum Glück ist das nicht so - auch nicht in der Pflege. Nicht nur das man sich weitgehend schützen kann, wenn man nicht völlig kopflos vorgeht. Meine Erfahrungen sind da mitnichten auch nur annähernd wie wohl Deine - und was Überlastungsanzeigen an Veränderungen bewirken können, hat nicht nur mich überrascht.

Im Leben ist nichts ohne ein gewisses Risiko. Aber es wäre grundfeige und völlig falsch, deswegen in Schockstarre zu verfallen oder Dinge so zu belassen wie sie sind. Dann sollte man sich zu Hause einschliessen, bevor man u.U. über die Türschwelle stolpert und sich dann - evtl. - den Hals bricht ;)
Das freut mich. Das bedeutet, dass es da draußen noch AG gibt, die nicht das System leben, das ich selbst habe erfahren dürfen.

Und das mit dem Risiko sehe ich ähnlich. Wenn alles so läuft, wie es immer läuft, muss man sich nicht wundern, wenn das Ergebnis dass selbe ist.

Was ich nur meine,ist, das es zwar gut ist, seine Rechte und Pflichten zu kennen, aber dass es an sich nicht ausreicht, solange uns keiner beibringt, solche Konflikte mit dem AG auch zu führen und zu einem für die MA erfolgreichen Ende zu führen. Was nützt einem das Wissen um seine Rechte, wenn man sie nicht durchsetzen kann?

Da halte ich es denn für geboten, zu sagen, das und das kann auf Dich zukommen, wappne Dich dagegen.

Nebenbei, zynisch und verbittert zu werden, ist ebenfalls ein Preis, den ich persönlich nicht mehr zahlen möchte.
 
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Es war in der Pflege immer schon so und es wird sich nichts ändern. In der Politik muss sich was tun, seit Jahren doktern die da oben an dem Thema. Eigentlich müsste man den Staat verklagen wegen unterlassener Hilfeleistung.:zornig::confused:
 
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...oder unseren Berufsstand wegen fortgesetzter Untätigkeit trotz besseren Wissens.

Scherz beiseite.
"Die Pflege" ist immer noch eine recht unorganisierter Berufszweig und aufgrund fehlender Lobby eben auch leicht(er) zu ignorieren als beispielweise die Ärzteschaft.
An diesen kommt in der Regel niemand vorbei - das Gesundheitssystem ist in Deutschland gerade im Bereich von Verordnungen ja auch bewusst arztzentriert ausgestaltet.
Ausserdem sitzen in hohen Positionen durchaus relevante Politiker mit diesem Hintergrund; man denke hier beispielsweise an Ursula von der Leyen oder Karl Lauterbach.

Was bliebe den KollegInnen aus der Pflege also?
Organisation in Gewerkschaft, Berufsverbänden, Berufskammer bzw. politischen Parteien.
Nur auf diesem Weg lässt sich eine sinnvolle Vertretung aufbauen die über die "geballte Faust in der Tasche" oder M&M bei der Übergabe hinausgeht.

Ansonsten halte ich es mit Einstein:

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“
(Albert Einstein, 1879–1955)
 
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supetrosu

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Es war in der Pflege immer schon so und es wird sich nichts ändern. In der Politik muss sich was tun, seit Jahren doktern die da oben an dem Thema. Eigentlich müsste man den Staat verklagen wegen unterlassener Hilfeleistung.:zornig::confused:
Das stimmt so nicht ganz. Wenn die Pflege sich einig waere, dann koennten wir sehr wohl was veraendern. Nur ist sie das eben nicht. Die Pflege hatte und hat schon immer die Tendenz nach anderen zu rufen, die Verantwortung nach oben zu schieben. Die anderen sollen richten denn wir sind ja nur arme Wesen die nichts aendern koennen.
So wird sich nie etwas aendern, denn die anderen, also die Politik, wird einen Teufel tun das, doch gut funktionierende, System zu aendern. Waeren sie ja bloed.
Wenn der Grossteil der Pflege endlich begreifen wuerde das sie sehr wohl etwas ausrichten koennen, dann wuerde das ganze System zusammen brechen. Aber dazu muss man sich zusammen schliessen und endlich mal Verantwortung uebernehmen. Und ob das passiert wage ich zu bezweifeln.
Stellt euch vor es gibt Krankenhaus und keiner von der Pflege geht hin....mal sehr ueberspritzt ausgedrueckt.
 
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Igel77

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Frage an die Threaderstellerin: Habt Ihr etwas unternommen?
 
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Evi1978

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Ich habe mir den Post auch gerade mal durchgelesen. Das ist ja furchtbar.
Würde mich auch mal interessieren ob jetzt etwas unternommen wurde....
 
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Altenpflegerin
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