Haftungsrecht Erste Hilfe, fehlerhaftes Handeln in Notfallsitutationen

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A

ANONYM

Hallo, ich schreibe anonym, weil es um 2 Vorfälle in meinem Haus geht, damit das Haus nicht ins schlechte Licht gerät.

Punkt 1:
Eine Bew. mit folgenden Vorerkrankungen - Diabetes, Beinamputation bds, Z.n. Sturz, Kniegelenkfraktur am Stumpf und deswegen ASS pausiert
- hatte folgende Symptome: Bluthochdruck, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, keine neurologischen Ausfälle.

Therapiert worden sind der Blutdruck mit 2 Hub Nitro und die Übelkeit mir MCP-Tropfen (Beides bei Bedarf angeordnet, Nitro bei Hypertonie!!)

Ihr ging es nicht wesentlich besser, am Folgetag kamen die ersten neurologischen Ausfälle, 3 Tage nach dem Initialgeschehen wurde sie durch den Hausarzt beim Regelbesuch ins Krankenhaus eingewiesen.
Diagnose: Mehrere Embolien im Gehirn

Die Erstmaßnahmen waren völlig falsch und beim dem (nichterkannten) Krankehitsbild kontraindiziert.

Kann man dafür belangt werden? Ist von Altenpflegekräften zu erwarten einen Apoplex zu erkennen und angemessen zu handeln?

Punkt 2:
Eine Bew. hat seit 3 Tagen Teerstuhl, ist kaum ansprechbar, hypoton, tachykard.
Heut begann mein Dienst nach WE, mir bot sich folgendes Bild:
Teerstuhl, RR 100/60, HF 128, tiefe-schnelle Atmung, keine Reaktion auf Anpsprache nur bei körperlicher Berührung Abwehrverhalten, Blick ist nach links fixiert, Extremitäten frei beweglich, keine Paresen, Gesichtfarbe ist normal.
-> Volumenmangelschock bei dringenden Verdacht auf GI-Blutung

Hier wurde wieder (2,5 Tage) nicht gehandelt, nur die Aussage: Bitte informiere heute Nachmittag den Arzt.

Das ist doch Körperverletzung durch Unterlassen, oder kann man auch hier von Altenpflegekräften nicht verlangen das zu erkennen?

Oder habe ich einfach zu hohe Ansprüche (Krankenpfleger und Rettungssanitäter)

Bitte dringend um eure Meinung und möglichst die rechtliche Grundlage.

Es handelt sich jeweils um examinierte Altenpfleger.
 
PflegeFrei

PflegeFrei

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo Anonym,

beim ersten geschilderten Fall ,bei keinen neurologischen ausfällen hätte ich evt. auch erstmal nur die Bedarfsmedi verabreicht.
beim 2. Fall muss ich Dir recht geben.

Kenne auch einen ähnliche Fall der ist jetzt 7 Jahre her.
Ich kam zum Nachtdienst, und ein Kollege des Spätdienstes übergab mir eine Bewohnerin mit fogenden Symptomen: Schmerzen im Brustbereich ausstrahlend linker Arm. Er hat keine Vitalwerte gemessen, und auch keien Arzt informiert.Er hatte aber alles Dokumentiert.
Ich fragte warum er keinen Arzt gerufen habe da meinte dieser "Fachidiot" (entschuldigt meinen ausdruck) du hast ja Nachtdienst das kannst du machen. Der Vorfall war um 19 Uhr mein Dienst begann um 21:30 Uhr.
Ich habe die Frau dann ins KH eingewiesen, 7 Tage später sollte sie zurück verlegt werden, es hieß es wäre kein HI gewesen, die Frau verstarb dann aber in der Nacht bevor sie zurück kam.

Grüsse DvD
 
Qualifikation
exam.Fachaltenpfleger für Gerontopsychiatrie, PA Gerontopsychiatrie,
Fachgebiet
Freiberuflich
Weiterbildungen
Wundexperte ICW
Pflegefachkraft ausserklinische Beatmung
G

Glücksstern

Themenstarter/in
Hallo Anonym!
das ist ja wohl unterlassene Hilfeleistung, es hätte in beiden Fällen sofort der Arzt benachrichtigt werden müssen.
Ich kann das irgendwie nicht ganz nachvollziehen, warum haben Deine Kollegen nicht situationsgemäß reagiert - das hat außerdem überhaupt nichts mit Altenpflegefachkraft oder Krankenpflegefachkraft zu tun - beide Berufsgruppen sollten in solchen Fällen kompetent handeln können.
Und Dein Anspruch ist keineswegs zu hoch , ganz genau richtig ist das was Du schreibst. Ich sehe das nicht anders. Was sagen Deine Kollegen zu diesen Vorfällen/Notfällen????
Liebe grüße Glücksstern:eek:riginal:
 
S

Swertia

Mitglied
Basis-Konto
19.11.2006
2
Hallo Anonym!
Zum ersten Fall. Ich weiß nicht in wie weit die Leute bei der Ausbildung als Altenpfleger bzgl. Krankheitslehre geschult sind. Fraglich finde ich jedoch die eigenständige Gabe von Nitro. Ich nehme jedoch an, dass es bei ihr bei Bedarf angeordnet war. Hatte die Bew. häufiger solche Symptome? Allerdings hätten die Pflegekräfte einen Bereitschaftsarzt rufen müssen als sie feststellten, dass es der Bew. nicht besser ging.
Deiner Beschreibung nach, haben deine Kollegen die Situation nicht ernst genommen.
Zu Fall 2. Ich kann mich auch nur zu dem äußern, was du beschreibst. Bei den Symptomen hätten deine Kollegen einen Arzt holen müssen. Es ist mir schleierhaft, dass man das nicht gemacht hat.
Ich denke ihr habt eine enormen Schulungsbedarf diesbezüglich.
 
Qualifikation
Student / Nachtwache
Fachgebiet
Nachtwache
C

CTX

Mitglied
Basis-Konto
21.01.2006
45357
Hallo ANONYM

Ist ne schwierige Situation....Sehe jene Situationen ähnlich wie du. Kenne mich zwar mit dem Ausbildungsinhalt der Altenpflege nicht genau aus, aber ich denke auch, dass sich die Lehrninhalte nicht massiv zur KP unterscheiden.Die Schwerpunkte sind in der Altenpflege anders gesetzt. Meiner Meinung nach muss ein examinierter Altenpfleger erkennen, dass die von dir umschriebenen Situationen, pathologisch sind. Das Krankheitsild des Appoplex und der GI Blutung sind ja keine gerontomedizinisch-fremden Ereignisse. Krankenbeobachtung sind ja die grundlegenden Säulen der Pflege. Dazu sollte jede examinierte Pflegekraft in der Lage sein.
Ich denke nicht, das dein Anspruch als RS und KP zu groß ist.
 
Qualifikation
Krankenschwester, Rettungsassistentin
Fachgebiet
Intensiv
G

Glücksstern

Themenstarter/in
Ein Teil der Altenpflegeausbildung befasst sich mit der allgemeinen und speziellen Krankheitslehre einschl. Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Epidemiologie.
Eine Altenpflegefachkraft hat die erforderliche Kompetenz in diesen Fällen richtig zu handeln. Darum verstehe ich das von Anonym geschilderte Verhalten dieser Pflegekräfte nicht.
Gruß Glücksstern
 
L

Lisy

Themenstarter/in
Hallo anonym,
wir Altenpfleger sind durchaus in der Lage alle Krankheitsbilder zu erkennen und richtig zu reagieren.
Meine Frage: bist du sicher, das kein Arzt informiert wurde?
Ich hab es nämlich schon öfter erlebt, das der Arzt angerufen wurde, er aber nicht kam. Da muß man manchmal richtig Druck machen bis die kommen.
Gruß Lisy
 
Nachtschwärmerin

Nachtschwärmerin

Mitglied
Basis-Konto
26.07.2006
64711
Hallo anonym, leider gibt es das immer wieder, das oft aus unsicherheit falsch oder garnicht gehandelt wird, in der Hoffnung, der Dienst nach einem wird die Sache schon erkennen und in die Hand nehmen.
Es ist traurig sagen zu müssen das dies viel zu oft vorkommt!
Lieber einmal mehr den Arzt angerufen und genervt als einmal zu wenig. Man kann denke ich nicht von jedem gleich erwarten das alle Symptome erkannt werden und eine Diagnose gestellt werden kann, aber das etwas nicht "stimmt" muß jeder erkennen können!!!

In der Dokumentation muß doch alles nach zu lesen sein?! Das muß erkennbar sein, auch wenn der Arzt angerufen wurde und er nicht kommt!

War selber schon in so einem ähnlichen Fall, sehr unangenehm aber immer alles aufschreiben, egal wie unwichtig dies im ersten moment erscheint.

Wünsche dir kraft und ruhe für diese situationen.
Ich sage mir immer, es kann nie jemand so reagieren wie ich es tun würde, und ich kann es nicht erwarten das alle anderen genauso handeln wie ich,- wobei ich es doch manchmal sooo gerne hätte

Liebe Grüße NS

Achso die rechtliche seite,- theoretisch könnte man die sr. und pfl verantwortlich machen, aber es muß alles erst mal bewiesen werden...
aber der Schock alleine kann schon wunder bewirken!
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
IMC neurologische Frührehabilitation
S

Swertia

Mitglied
Basis-Konto
19.11.2006
2
Das der Arzt nicht kommt, obwohl er angerufen wurde, kenne ich von Erzählungen meiner Kollegen. Da ich nur als Teilzeitkraft im Altenheim arbeite und das zumeist am Wochenende, habe ich die Möglichkeit, wenn ich mal Schichtleitung bin, den Bereitschaftsarzt anzurufen und nicht wie es in der Woche üblich ist, den Hausarzt. (Zumindest wenn vor 18 Uhr Schwierigkeiten auftreten.) Häufig versprechen die Hausärzte, sie kämen noch am gleichen Tag ins Heim, doch wer da nicht kommt ist der Hausarzt.
Ich persönlich bin glücklicherweise noch nicht in eine solche Situation gekommen. Doch dass ist immer dokumentiert. GANZ WICHTIG.
 
Qualifikation
Student / Nachtwache
Fachgebiet
Nachtwache
G

Glücksstern

Themenstarter/in
und unbedingt von einem Kollegen oder Kollegin gegenzeichnen lassen, zwecks Absicherung.
Gruß Glücksstern
 
Imker

Imker

Mitglied
Basis-Konto
22.11.2006
66693
www.Mettlach.de
Hallo Anonym,

Fall eins könnte man diskutieren, Fall zwei ist zumindest grob fahrlässig.
Egal, wer es nun war, selbst eine "Hausfrau" hätte am Teerstuhl sehen können, dass da was im Argen ist.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger
Fachgebiet
Intensivstation
Doreen1996

Doreen1996

Mitglied
Basis-Konto
03.06.2006
21077
Hallo ANONYM,:eek:riginal:

nach meiner Meinung handelt es sich um unterlassene Hilfeleistung, wie Du auch vermutest. Warum hat denn keiner reagiert? Aus Unwissenheit, aus Unsicherheit oder gibt es noch andere Gründe? Wie kompetent schätzt Du sonst Deine Kollegen ein? Fehler können natürlich passieren, aber diese Sympomatik müßte doch alle Alarmglocken schrillen lassen! Nehmen Deine Kollegen an FB 1. Hilfe teil? Vielleicht solltest Du das mal über Deine PDL anregen. Wie kannst Du mit Deinen Kollegen kommunizieren? Kannst Du das ansprechen? Vielleicht auch mal eine Teambesprechung?
Ich wünsche Dir Kraft und Durchhaltevermögen.
Gruß Doreen

PS. Ich bin in solchen Situationen auch sehr anspruchsvoll.
 
Qualifikation
Krankenschwester/PA
Fachgebiet
APH
cyberhex

cyberhex

Mitglied
Basis-Konto
08.02.2006
8041
Hallo ANONYM,:eek:riginal:

nach meiner Meinung handelt es sich um unterlassene Hilfeleistung, wie Du auch vermutest. Warum hat denn keiner reagiert? Aus Unwissenheit, aus Unsicherheit oder gibt es noch andere Gründe? Wie kompetent schätzt Du sonst Deine Kollegen ein? Fehler können natürlich passieren, aber diese Sympomatik müßte doch alle Alarmglocken schrillen lassen! Nehmen Deine Kollegen an FB 1. Hilfe teil? Vielleicht solltest Du das mal über Deine PDL anregen. Wie kannst Du mit Deinen Kollegen kommunizieren? Kannst Du das ansprechen? Vielleicht auch mal eine Teambesprechung?
Ich wünsche Dir Kraft und Durchhaltevermögen.
Gruß Doreen

PS. Ich bin in solchen Situationen auch sehr anspruchsvoll.
bin absolut deiner Meinung Doreen - die Fehler sind passiert und jetzt ist Zeit zu handeln!

Esist schon ein Zeiterl her, dass dieser Beitrag geschrieben wurde und anonym hat sich nicht mehr gemeldet - wäre interessant, wie es weiter gegangen ist. (habe den Beitrag erst jetzt entdeckt, sonst hätte ich schon viel früher geschrieben)
Gerade solche Vorgänge haben mich bewogen, mich jetzt mit Risikomanagement und Fehlerkultur und den rechtlichen Seiten der Patientenbetreuung zu beschäftigen.

Erstmal wäre es hier wichtig, dass sich die involvierten Personen zusammensetzen und ohne Schuldzuweisungen die beiden Fälle analysieren.

1. Welche Schritte (Prozesse) sind abgelaufen?
z.B. 1. Heimbewohner hat Symptome A, B, C --> 2. Meldung an Altenpfleger --> 3. Verabreichung von Medikamenten ---> 4. Kontrolle, ob sich Allgemeinzustand geändert hat ---> usw. ----> Auftreten von neurologischen Ausfällen --> Besuch des Hausarztes

2. mögliche Ursachen
Zu den einzelnen Prozessen werden dann mögliche Ursachen gesucht (mögliche Quellen wären die Organisation, Technik und Material, Arbeitsplatz und Menschen)
z.B. zu Schritt 1 Heimbewohner hat Symptome: Organisation - nur 1 Altenpflegehelferin für 70 Pat, keine Dokumentation vorhanden..., Technik und Material - Klingel funktionierte nicht, Pat. konnte sich nicht melden, Blutdruckapparat zeigte falsche Werte an, Arbeitsplatz - fällt mir im Moment nichts ein, Menschen - Pat. kann seine Symptome nicht äußern, Pflegeperson hat mangelnde Kenntnisse, PP ignoriert die Symptome
diese Analyse wird zu jedem Schritt erledigt

3. Einschränken auf tatsächliche Ursachen
dann wird anhand dieser Liste, die sicher sehr lang ist, die Ursachen herausgefiltert, die in dem vorliegenden Fall vorhanden waren.
Denn solche Ereignisse, die du beschrieben hast, sind eine Verkettung von vielen kleinen unerwünschten Ereignissen, die nicht auf den Fehler nur eines einzelnen Mitarbeiter beruhen.

4. Erarbeiten und Umsetzung von Lösungen und Maßnahmen
Für mich die spannenste und kreativste Phase - was können wir tun, damit es nicht mehr passiert?
Es werden Lösungswege und Maßnahmen gesucht, diese auf die Durchführbarkeit abgeklopft und dann umgesetzt. Maßnahmen können die einzelnen Ereignisse sowohl verhindern als auch kontrollieren, dass diese Ereignisse nicht eintreten. z.B.
Erarbeiten einer Handlungsanweisung, wie man bei Auftreten von körperlichen Beschwerden umgeht - wann ist der Hausarzt zu rufen, regelmäßige Besprechungen, Schulungen - die Möglichkeiten sind vielfältig

5. Evaluierung
Ganz wichtig ist die regelmäßige Überprüfung - werden die Maßnahmen noch durchgeführt, sind sie noch notwendig oder haben sich neue Risiken aufgetan?

Ich hoffe, ich konnte dieses Vorgehen einigermaßen verständlich beschreiben - für alle, die noch mehr zu diesem Thema lesen wollen - ich habe diese sogenannte Root Cause-Analysis ein bisserl an das Beispiel von Anonym angepasst - hier gibt es einen Link zu einem Fall aus der Anästhesiepflege http://www.patientensicherheit.ch/de/projekte/Schlussbericht%20ERA1%20anonym.pdf

Ist wieder mal ein langer Beitrag, aber mit solchen Dingen beschäftige ich mich jetzt hauptberuflich und gerade die Veränderung der Fehlerkultur liegt mir sehr, sehr am Herzen - ist ein Fehler aufgetreten, sollte nicht auf den Schuldigen eingetreten werden :mad_2: - sondern die gesamte Situation analysiert werden, damit gezielte und systematische Verbesserungen erzielt werden.:thumbsup:

Liebe Grüße
Elisabeth
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
Fachgebiet
Risikomanagement
J

Jogibaer

Mitglied
Basis-Konto
Hallo Annonym!


Der Beitrag liegt zwar schon etwas zurück, möchte dennoch mich dazu äußern. Hat sich übrigens diesbezüglich bei Euch im Heim etwas getan?

Kannst auch ne private Nachricht senden.:wink:


Vorweg:

Die hier von mir gemachten rechtlichen Angaben stellen keine Vollständigkeit dar und wurden von mir nach bestem wissen für dieses Forum erstellt.

Richtigstellungen sind stets willkommen.
Zum rechtlichen Rahmen:

Eine Pflegefachkraft (Krankenpfleger / Altenpfleger w/w ) sollte aufgrund Ihrer Ausbildung Notfälle jederzeit erkennen können und die erforderlichen Maßnahmen

einleiten.

Fall 2

Es erfolgte eine unerlaubte Handlung ( also die Unterlassung einen Arzt zu verständigen), was nach §823 BGB Schadensersatzpflichtig nach sich ziehen könnte.

Im Klartext:

Die Pflegefachkraft kann gegenüber dem Geschädigten schadensersatzpflichtig gemacht werden (Zivilrechtliche Haftung).

Sprich: Geldersatz für immaterielle Schäden, also „Schmerzensgeld“; §253 BGB

Hinzukommen könnte auch noch von Seiten der Staatsanwaltschaft eine strafrechtliche Verfolgung, durch
Unterlassener Hilfeleistung StGB §323c. (Angehörige könnten Strafanzeige erstatten!)

Desweiteren könnte das Heim in Regress genommen werden.

Haftung des Trägers. Der Bewohner hat ja mit dem Heim einen Vertrag abgeschlossen und sich so gesehen „in die Hände“ des Heimes begeben.

Interessant finden würde ich es, ob man der Pflegefachkraft grobe oder leichte Fahrlässigkeit vorwerfen könnte. Was sich je nach Verschuldgrad dann auch auf die Haftungsgröße auswirken würde.


Andere Meinungen / Richtigstellungen / Gerichtsurteile ?

Mit freundlichen Grüßen

Jogibaer
 
Qualifikation
Unternehmer,Fachwirt SG,QMB,Rettass,Krpfl,
Fachgebiet
Ambulante Pflege
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
Basis-Konto
15.09.2006
86647
:eek:nline2lo mmmh Hallo Anonym!

Ich sehe es auch so, dass in beiden Fällen hätte sofort gehandelt werden müssen. Deutlich ist in FB1 dass klare Hirndruckzeichen da waren, die dringend abklärungsbedürftig sind.
Einfach Bedarfsmedis geben und warten, bis der Arzt zum Regelbesuch kommt, finde ich fahrlässig. Wenigstens eine PP hätte in der Zeit aktiv werden müssen. Deinen Angaben nach ist nicht einmal ein Arzt informiert worden- so habe ich es verstanden: schon zuvor angeordnete Bedarfsmedikation gegeben- oder...?

Über FB2 braucht man gar nicht erst reden, da braucht man nicht erst auf Schocksymptomatik warten um ins KH einzuweisen.

Mich würde auch mal interessieren, wie die Kollegen das Geschehene reflektieren. Oder will jeder den anderen als Verantwortlich sehen und somit fühlt sich jeder unbeteiligt und unschuldig?

Auf jeden Fall darf soetwas nicht unter den Tisch geraten, im Interesse der Menschen, die uns anvertraut werden.

Vielleicht ist auch mal eine Auffrischungseinheit i.S. Erkennen v. Notfallsituationen notwendig? Könnte evtl. für mehr Sicherheit im Team sorgen...

Viel Glück Anonym

Liebe Grüüße
Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
medwurst

medwurst

Mitglied
Basis-Konto
21.01.2005
Zu Fall 1
das sehe ich genauso wie die meisten Kollegen/inen hier, das ist ein schwieriger Fall.:blushing:


aber Fall 2
Eine Bew. hat seit 3 Tagen Teerstuhl, ist kaum ansprechbar, hypoton, tachykard.
Heut begann mein Dienst nach WE, mir bot sich folgendes Bild:
Teerstuhl, RR 100/60, HF 128, tiefe-schnelle Atmung, keine Reaktion auf Ansprache nur bei körperlicher Berührung Abwehrverhalten, Blick ist nach links fixiert, Extremitäten frei beweglich, keine Parsen, Gesichtfarbe ist normal.
-> Volumenmangelschock bei dringenden Verdacht auf GI-Blutung

1. Es hätte sofort nach Feststellung Teerstuhl, der HA-Arzt oder KV-Notdienst verständigt werden müßen. Und nicht 3 Tage warten.

2. Kaum Ansprechbar oder in der RD- Sprache bedingt Ansprechbar, ist eine NEF Indikation(Notarzt), also keine Sache für KV-Arzt oder HA-Arzt.
Es hätte spätestens jetzt ein Anruf bei der Örtlichen Rettungsleitstelle erfolgen müssen. Und bei den "5W" das was du so schön oben geschildert hast den Disponenten in der Leitstelle mitteilen.

Dass bedingt ansprechbare Personen ein Fall für den Rettungsdienst sind lernt jeder Teilnehmer im Erste-Hilfe Kurs. Und den hat jeder der einen Heilberuf in Deutschland erlernt gemacht.
Ich könnte mir auch vorstellen das hier der Straftatbestand der Unterlassen Hilfeleistung besteht (§323c STGB) von anderen Tatbeständen gar nicht zusprechen wie Garantenstellung usw. Übrigens das Strafmaß bei Unterlassner Hilfeleistung ist bis zu 1 Jahr Haftstrafe oder Geldstrafen.


Aber leider ist das was du geschildert hast kein Einzel Fall. In 12 Jahren Notaufnahme und seit 1 Jahr Rettungsleitstelle mit angeschlossenem KV-Ärztlichem Notdienst erlebe ich solche Fälle fast Täglich.


Tschüss
 
Qualifikation
Krpf. für Notfallpflege & Rettungsassistent
Fachgebiet
Notfallmedizin & Ausbildung
Weiterbildungen
staatlich anerkannter Praxisanleiter
butnase

butnase

Neues Mitglied
Basis-Konto
04.07.2007
64584
Hallo, ich schreibe anonym, weil es um 2 Vorfälle in meinem Haus geht, damit das Haus nicht ins schlechte Licht gerät.

Punkt 1:
Eine Bew. mit folgenden Vorerkrankungen - Diabetes, Beinamputation bds, Z.n. Sturz, Kniegelenkfraktur am Stumpf und deswegen ASS pausiert
- hatte folgende Symptome: Bluthochdruck, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, keine neurologischen Ausfälle.

Therapiert worden sind der Blutdruck mit 2 Hub Nitro und die Übelkeit mir MCP-Tropfen (Beides bei Bedarf angeordnet, Nitro bei Hypertonie!!)

Ihr ging es nicht wesentlich besser, am Folgetag kamen die ersten neurologischen Ausfälle, 3 Tage nach dem Initialgeschehen wurde sie durch den Hausarzt beim Regelbesuch ins Krankenhaus eingewiesen.
Diagnose: Mehrere Embolien im Gehirn

Die Erstmaßnahmen waren völlig falsch und beim dem (nichterkannten) Krankehitsbild kontraindiziert.

Kann man dafür belangt werden? Ist von Altenpflegekräften zu erwarten einen Apoplex zu erkennen und angemessen zu handeln?

Punkt 2:
Eine Bew. hat seit 3 Tagen Teerstuhl, ist kaum ansprechbar, hypoton, tachykard.
Heut begann mein Dienst nach WE, mir bot sich folgendes Bild:
Teerstuhl, RR 100/60, HF 128, tiefe-schnelle Atmung, keine Reaktion auf Anpsprache nur bei körperlicher Berührung Abwehrverhalten, Blick ist nach links fixiert, Extremitäten frei beweglich, keine Paresen, Gesichtfarbe ist normal.
-> Volumenmangelschock bei dringenden Verdacht auf GI-Blutung

Hier wurde wieder (2,5 Tage) nicht gehandelt, nur die Aussage: Bitte informiere heute Nachmittag den Arzt.

Das ist doch Körperverletzung durch Unterlassen, oder kann man auch hier von Altenpflegekräften nicht verlangen das zu erkennen?

Oder habe ich einfach zu hohe Ansprüche (Krankenpfleger und Rettungssanitäter)

Bitte dringend um eure Meinung und möglichst die rechtliche Grundlage.

Es handelt sich jeweils um examinierte Altenpfleger.
Hallo Anonym :)
ich gehe mal davon aus, daß in diesem Fall (1)in der Dokumentation genau beschrieben ist, wann Bedarf ist; z.B. 2 Hub Nitro bei RR syst. über 180, max. 2x/Tag. Das ist nämlich nach meiner Erfahrung oft nicht der Fall.
Ich hätte der Patientin warscheinlich ( immer schwierig, wenn man den Pat. nicht kennt) auch die Bedarfsmed. gegeben, aber dann engmaschig kontrolliert. Kopfschmerzen sind oft die Folge von Hypertonie und da Nitro und MCP als Bedarf angeordnet sind, gehe ich davon aus, daß dem Hausarzt diese Symptome bei der Patientin bekannt sind.

Da es ihr dann aber kaum besser ging, ist es selbstverständlich, den Hausarzt oder Notdienst zu verständigen und damit nicht bis zum nächsten Tag zu warten.


Viele Grüße

butnase
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Geriatrie
FreeXo

FreeXo

Neues Mitglied
Basis-Konto
30.07.2007
60311
Schon erschreckend, dieses hier zu lesen. Da stellt sich mir die Frage nach dem Warum und wieso..
Der Thread wurde benannt nach ; Erste Hilfe, fehlerhaftes Handeln in Notfallsitutationen

Vielleicht wäre eine Möglichkeit, diesen Wahnsinn etwas einzugrenzen, ich will hier nur Anregungen geben, indem man man überlegt, welche Lösung es geben könnte.
Zudem schreibe ich; dass sich niemand niemals sicher sein sollte, richtig in Notfallsituationen zu handeln.
Wie wäre eine gesetzliche Verpflichtung aller Pflegekräfte etc. eine Erste-Hilfe-Ausbildung alle 2 Jahre zu wiederholen?
Und dieses eventuell bei der Personalbesetzung seitens der Arbeitgeber zuberücksichtigen.. Einstellungstest-Pflicht etc. es gibt noch mehr Beispiele..
Die Regelung zum "Führerschein" ist mir einfach zu laff. Der finanzieller Schatten, ist nicht meine Aufgabe, dass zu entscheiden, dass sollen andere tun.
 
Qualifikation
Exam. Altenpfleger
Fachgebiet
Seniorenheim
HBR69

HBR69

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.10.2000
58644
@FreeXo

Zudem schreibe ich; dass sich niemand niemals sicher sein sollte, richtig in Notfallsituationen zu handeln.

Wie wäre eine gesetzliche Verpflichtung aller Pflegekräfte etc. eine Erste-Hilfe-Ausbildung alle 2 Jahre zu wiederholen?

Und dieses eventuell bei der Personalbesetzung seitens der Arbeitgeber zuberücksichtigen.. Einstellungstest-Pflicht etc. es gibt noch mehr Beispiele..
Die Regelung zum "Führerschein" ist mir einfach zu laff. Der finanzieller Schatten, ist nicht meine Aufgabe, dass zu entscheiden, dass sollen andere tun.

Da muß ich Dir leider etwas widersprechen. JEDER kan in SEINEM Rahmen richtig handeln. Es muß halt nur trainiert werden. Und das regelmäßig!!


Auch die Diskussion im Rahmen einer Wiederholung eines LSM Kurses bzgl. der Führerscheinerhaltung würde ich sofort befürworten. Leider sind sämtliche Zuschüsse für EH Lehrgänge vom Bund gestrichen worden und somit gehen die TN Zahlen deutlich in den Keller.
Ich meine, dass jede exam. Kraft (ob im KH oder im AH) in der Pflicht steht, in Notfallsituationen die richtigen EH Maßnahmen durchführen zu können. Das setzt voraus, dass regelmäßig in diesem Bereich Fortbildungen besucht werden. Meine Erfahrung aus der IBF sehen leider anders aus.....

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
Vaiolenz

Vaiolenz

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo, Anonym!
Nö, die Ansprüche an sich selbst können nicht hoch genug sein, von daher ist das mit Dir in Ordnung!
Nicht in Ordnung sind Deine Kollegen. Ich muß aber dazu sagen, dass ich das auch so kenne. Da wird von Schicht zu Schicht geschoben oder über das Wochenende, nach dem Motto: "Ich hab bald Feierabend und mein Gehalt ist auch schon auf dem Konto", oder: "Null Bock auf Streß!", oder: "Warum soll ich das jetzt regeln, das kann doch auch ein anderer machen!?" Das könnte ich jetzt endlos fortführen, mach ich aber nicht. Es fehlt so manchen Herrschaften ein Quentchen Idealismus, von Berufsethik ganz zu schweigen.
Also kannst Du meines Erachtens wohl nur vier Dinge in Betracht ziehen: 1. Laß die anderen schlafen, Du bleibst aufmerksam und tust und gibst Dein Bestes. 2. Denunzier die Leute bei Deinen Vorgesetzten (und das wird Dich dann hinterher zerreißen). 3. Laß Dich genauso hängen. 4. Wechsle den Arbeitsplatz, bevor es Dich krankmacht. Ich bin auch gerade im Umbruch, weil mich der ganze Mist runterzieht. Bei der Wunddoku, die einfach nicht geschrieben wird, obwohl es längst nötig ist, fängt es an und bei der Somnolenz einiger Kollegen und Kolleginnen (übrigens auch Krankenschwestern) hört es auf, ganz zu schweigen vom Druck, der noch von "oben" kommt. Ich kämpfe darum, wie auch ein paar (wenige) mehr, dass es flutscht und der Rest stöhnt und hat keinen Bock.
Ich werde für mich sehen, wie es weitergeht und Du solltest das wohl auch mal erwägen, sonst bringt es Dir nur schlaflose Nächte ein.
Liebe Grüße,
Dein Jens.
 
Qualifikation
Altenpfleger, Pflegeexperte Wachkoma, PA, Hygiene
Fachgebiet
24- Stunden Heimbeatmung
Weiterbildungen
Ich würde mich auf eine Fachweiterbildung in Palliative Care freuen. Und das schon seit nunmehr sechs Jahren. Ich pack das..........!
Status
Für weitere Antworten geschlossen.

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