Ernährung von Demenzbewohnern

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Kamilla

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Hallo zusammen,
ich mache gerade ein FSJ auf einer Demenzstation. Generell gefällt es mir, wie dort gearbeitet wird,
aber bezüglich der Ernährung der Bewohner kann ich es nicht verstehen, dass dort so viel Zucker (3mal täglich Süsses und immer ganz süssen künstlichen Saft) und Fleisch (2-3mal täglich) angeboten wird, im Ratgeber steht, dass das die Ursachen von Demenz seien (wobei ich das nicht ganz glaube) Jedenfalls sollte man zumindest versuchen, zwischen zwei Mahlzeiten 5h Essenspause einzuhalten, damit der Blutzucker sinken kann (Diabetesprophylaxe). Und immer Toastbrot...man könnte doch auch Haferbrei oder ein anderes Vollkornprodukt geben. (Ansonsten kocht die Küche echt super). Wenn die Leute sich freiwillig so ungesund ernähren, habe ich kein Problem damit, aber ich habe eher den Eindruck, die essen einfach was sie bekommen. Ich bin halt eher Fan davon mehr auf den Lifestyle zu achten, anstatt zu versuchen, die durch Fehlernährung entstandenen Probleme durch Medizin und mehr Arbeitsaufwand zu lösen. Ausserdem finde ich, dass man viel mehr Heilkräuter einsetzen könnte (die wachsen ja alle kostenlos draussen) und was die Natur uns schenkt. Ich fände es toll, wenn es ein Seniorenzentrum gäbe, das nur mit Naturheilmitteln arbeitet. Wollte einfach mal wissen, ob das allgemein so der Fall ist und was andere dazu meinen.
Schönen Tag noch
 
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Foxylady

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Ahhhh ja!
Ich bin als Freiberuflerin in unterschiedlichen Heimen unteregs, und lege mich in 1 Punkt gerne mit Mitarbeitern und Küche an: Diese künstlichen süßen Suppen, entsetzlich!
Die Leute essen sowieso meistens winzige Portionen, da sollte man ihnen doch Nährstoffe mal so richtig vorenthalten. - Und das Zeug schmeckt meistens einfach nur süß. - Mensch, es ist doch kein Aufwand, morgens eine vernünftige Haferflockensuppe mit frischer Milch zu kochen. Da ist etwas, was die ältere Generation meist kennt und mag!
Oder ein paar Pfund Quark mit frischen Früchten und Sahne zu verrühren - ODER?!
 
K

Kamilla

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Ich bin in einer Waldorfeinrichtung, da kochen sie eigentlich sehr gesund, aber die sagen halt, demente Menschen hätten fast nur noch Geschmacksnerven für Süsses, aber soll man ihnen deswegen nur noch Zucker geben, Kinder bevorzugen auch süsse Speisen! Und warum die soviel Fleisch bekommen, verstehe ich nicht. Früher hat man nur sonntags Fleisch und Kuchen gegessen, kann man die Leute nicht anders beschäftigen?!
 
GlitzerPrinzessin

GlitzerPrinzessin

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Ach herrje....Also erstmal wird man von Zucker nicht dement. Es sei denn du gehst davon aus, dass dort alle eine vaskuläre Demenz haben. Aber auch das ist SEHR weit hergeholt.
In der Einrichtung, in der ich arbeite, machen wir süßen Brei zum Frühstück und zum Abendessen herzhaften. Aber die meisten ziehen die süße Speise vor. Auch da kommt Obst rein. Und viele kleine Mahlzeiten, auch Fingerfood sind wichtig, da (zumindest auf meinem Bereich) die Leute einen sehr hohen Bewegungsdrang haben und somit hohen kcal-Verbrauch. Den füllst du nicht mit Gurken. Wir haben allerdings abwechselndes Fingerfood (auch mal Erdnussflips, Käsewürfel, etc., also nicht nur süß). Einige Leute lehnen bei uns auch ganze Mahlzeiten ab. Die holen ihre gesamten kcal nur über Fingerfood.
 
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Kamilla

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Okay, dann bin ich falsch informiert.
Ich helfe gerade, meine Oma zu pflegen, als sie in der Kurzzeitpflege war hat sie, wie ich es mitbekam, jeden Tag mindestens einmal Fleisch bekommen, aber zuhause isst sie meistens vegetarisch. Ich versuche mehr Vollkornprodukte zu kaufen und mache zB. Karotten- oder Linsensuppe. Sie isst eigentlich immer regelmäßig, ich denke, eine klare Struktur ist wichtig.
Und sie kann jetzt wieder laufen, Zucker ist auf jeden Fall schlecht bei Arthrose, das ist erwiesen.
 
saschaott

saschaott

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Hallo, meine Frau arbeitet auch in der Altenpflege und ich verkaufe Nahrungsmittel für die Altenpflege, die Feststellung das Menschen mit Demenz einen veränderten Geschmacksinn haben höre ich oft. Auch meine Erfahrung zeigt das süsses und Getränke mit roter Farbe von solchen Menschen gerne bevorzugt werden. Da uns als Hersteller in erster Linie der Menschen am Herzen liegt und deren Gesundheit versuchen wir (so gut es geht), schlechte Inhaltsstoffe durch "bessere" zu ersetzen. So setzen wir zum Beispiel statt auf Zucker auf Isomaltulose. Studien belegen das Isomaltulose als "Zuckerersatz" besser für Patienten mit Diabetes geeignet ist als normaler Zucker. Wir verzichten generell auf Haushaltszucker in unseren Produkten. Viel wichtiger sind die richtigen Nährstoffe, Vitamine und die Abwechslung in der Nahrung, wie schon angesprochen, so sehe ich das auch. Ich weiß aber auch das es nicht immer einfach ist, die Menschen in Pflegeheimen richtig zu ernähren, da kommen oft verschiedene Sachen zusammen. Deshalb habe ich großen Respekt vor diesem Beruf und vor meiner Frau ;-)
 
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Kamilla

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Ja, das ist toll, das Sie das machen. Ich selber versuche gar keinen Zucker zu essen, auch keine Zuckerersatzstoffe und trinke nur Wasser,
aber viele wollen kein Wasser trinken, meine Oma trinkt nur warmen Kaffee und Tee. Ich studiere jetzt Ernährung, ich habe ein altes Buch gefunden von einem Mann namens Rudolf Müller, der Menschen mit gesunder Ernährung heilte. Seiner Erfahrung nach hat auch Weissmehl eine zahnschädigende Wirkung. Aber vielleicht will ich auch häusliche Pflege lernen und noch eine andere Ausbildung machen. Ich weiß nicht, warum man 3 Jahre studieren muss, wie man sich ernährt, es ist doch eigentlich sehr einfach, es wird nur nicht umgesetzt, weil die Pharmaindustrie sonst nichts mehr verdient...ist nur so meine Meinung.
 
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Kamilla

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Meine Oma trinkt Kaffee und Tee ohne Zucker. Obwohl sie schon sehr dement ist (Stufe 3), fragt sie eigentlich nie nach Süßem oder Zucker, sie bekommt nur 4 mal die Woche Kuchen in der Betreuung wo sie hingeht und isst oft Marmeladenbrot (das ist ja auch z.T Haushaltszucker) und Obst. Ich mache ein Fernstudium, darum kann ich oft die Betreuung übernehmen.
 
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Kamilla

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Ich mache immer etwas Zitronensaft ins Wasser. Ich war viele Jahre zuckersüchtig, darum achte ich jetzt mehr auf meine Ernährung.
Müller vertritt die These, dass Vitamine und Co. nur in gewachsener/ natürlicher Form richtig wirken, weil noch viele Dinge, die wir noch nicht wissen eine Rolle spielen können. Ich werde mich in den nächsten Jahren genauer damit beschäftigen.
 
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Cutter

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In einer Einrichtung leben oft ja nicht nur an Demenz erkrankte Menschen, sondern auch eben nur "Alte" zusammen.
Man darf in so einer Gemeinschaft nicht den Gruppeneffekt vergessen. Beim gemeinsamen Essen am Tisch übertragen sich viele "Geschmäcker". An Demenz Erkrankte sind meist sehr empathisch. Rümpft jemand die Nase, weil ihm etwas nicht schmeckt oder es einfach nicht haben möchte, ziehen an Demenz Erkrankte schnell mit, ohne den Grund oder Ähnliches zu hinterfragen. Sie essen dann wenig oder gar nicht. Hab ich schon 1000 mal erlebt und auch schon invers probiert. Ich habe mit den nicht Erkrankten besprochen, das sie, egal wie das Essen schmeckt, einfach mal mitspielen und die Mahlzeit in den Himmel loben. Und das funktioniert auch. Nicht bei jedem, aber bei den sehr weit fortgeschrittenen an Demenz Erkrankten schon.
Gleiches gilt auch für die Medikationseinnahme bei den Mahlzeiten. Das schmeckt nie gut. Beginnt man bei den nicht Erkrankten und die spielen mit, das man die Medies schnell mit einem Schluck Saft o.Ä. runterschluckt, klappt das meist bei den an Demenz Erkrankten auch.
Fängt man bei jemandem an die bitteren Pillen zu verteilen, von dem man weis das er sie nicht gerne nimmt und das Gesicht verzieht, schimpft oder ablehnt, wird das am Tisch sehr wohl wahrgenommen und führt, meiner Erfahrung nach, bei den Anderen auch zur Ablehnung.

Ich versuche zunächst eine gute Athmosphäre zu schaffen, das Essen im Vorfeld ein bischen anzupreisen. Die nicht an Demenz Erkrankten wissen dann schon Bescheid und mit einem leichten Schmunzeln stimmen manche mit ein. Wenn die Mahlzeit dann noch etwas angesüßt ist, futtern sie meistens alles auf.

Es ist also nicht nur die Nahrung an sich. Das ganze drum rum sollte schlüssig sein.

Was nicht gut klappt, bei unserem Klientel, sind größere Essgemeinschaften. Bei mehr als ~10 wird alles zu unruhig.
Auch die Sitzordnung ist entscheidend. An Demenz Erkrankte sollten hinter ihrem Stuhl immer Wände oder Fenster haben, sodas von hinter ihnen keine fremden Geräusche oder Stimmen kommen können.
Mit dem Rücken zum Tresen, zur Tür oder Speisewagen macht sie oft nervös, weil sie den Ursprung der Geräusche nicht sehen und entsprechend einordnen können.

Für Pflegekräfte ist es leicht jemanden durch die Tür direkt an den freien Platz zu schieben ohne ihn umdrehen zu müssen. Die Läufer können um den Tisch laufen. Aber es sollte genau anders herum sein. Die Läufer können sich in der Regel noch gut umdrehen und nach hinter schauen. Die schwer an Demenz Erkrankten, teils Immobilen, können es nicht und haben die Geräuschkulisse im Nacken.

Auch sollte die Sitzordnung möglichst zu jeder Mahlzeit gleich sein, jeder seinen Platz haben. Das vermittelt Sicherheit.

Man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, erst recht nicht an Demenz Erkrankte. Das hier sind die Erfahrungen aus unserer Einrichtung. Meistens klappt es ganz gut.
 
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Kamilla

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Vielen Dank, für die tollen Tipps! Das habe ich im FSJ auch so erlebt.
Automatisch zusammengeführt:

Meine Oma ist zurzeit traurig, weil sie nichts mehr arbeiten kann.
Wir geben ihr immer Gemüse zu putzen oder sie darf z.B. meine Werbeprospekte zum Verteilen bisschen sortieren, irgendwas einfaches. Meine Tante geht auch mit ihr in den Garten wenn sie Zeit hat. Spiele macht sie gar nicht gerne, weil sie das unnötig findet (Sie war Bäuerin). Ich beschäftige mich gerade mit Beschäftigungsmöglichkeiten für Demente, aber egal, das ist ein anderes Thema, aber irgendwie gehört ja alles zusammen....
 
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Kamilla

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Ach herrje....Also erstmal wird man von Zucker nicht dement. Es sei denn du gehst davon aus, dass dort alle eine vaskuläre Demenz haben. Aber auch das ist SEHR weit hergeholt.
In der Einrichtung, in der ich arbeite, machen wir süßen Brei zum Frühstück und zum Abendessen herzhaften. Aber die meisten ziehen die süße Speise vor. Auch da kommt Obst rein. Und viele kleine Mahlzeiten, auch Fingerfood sind wichtig, da (zumindest auf meinem Bereich) die Leute einen sehr hohen Bewegungsdrang haben und somit hohen kcal-Verbrauch. Den füllst du nicht mit Gurken. Wir haben allerdings abwechselndes Fingerfood (auch mal Erdnussflips, Käsewürfel, etc., also nicht nur süß). Einige Leute lehnen bei uns auch ganze Mahlzeiten ab. Die holen ihre gesamten kcal nur über Fingerfood.

Schau, hier steht: Junk Food schadet dem Gehirn, ist anscheinend erwiesen.
 
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