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panterra80

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Basis-Konto
15.07.2007
12169
Hallo ihr Lieben!
Ich mußte leider am Wochenende erfahren, dass meine Tante(49) ein malignes Lungenkarzinom hat, welches auch nicht mehr zu operieren ist. Es soll auch schon Metastasen haben, der Arzt Hausarzt hat ihr eine sehr schlechte Prognose gestellt. Auf die Frage hin ob sie in fünf Jahren den 18. Geburtstag ihres Sohnes noch erleben würde, sagte der Arzt, dass er es für unwahrscheinlich halte. Momentan geht es ihr gut, es war ein Zufallsbefund. Aber wir wollen einen guten Arzt finden, einen Onkologen oder Pneumologen, der sowohl menschlich als auch fachlich kompetent ist. Kann mir jemand einen guten Arzt in Berlin empfehlen? Bin über jeden Vorschlag dankbar.
 
Qualifikation
krankenschwester
Fachgebiet
ambulante pflege
tl745

tl745

Mitglied
Basis-Konto
11.01.2007
Hannover
Hallo!

Dass mit Deiner Tante tut mir sehr leid! Ich habe selber einige Zeit auf einer pneumologisch-onkologischen Station gearbeitet. Einige bekamen bei uns die Diagnose, andere betreuten wir während ihrer weiteren Aufenthalte z.B. zur Chemo oder bei reduziertem Allgemeinzustand immer wieder auf Station.
Nach meiner Erfahrung muss ich leider sagen, dass bei der Diagnose Lungenkrebs bereits sehr schlechte Prognosen zu erwarten sind. Wenn es dann auch bereits zu Metastasen gekommen ist, würde ich empfehlen dass weitere, noch verbleibene Leben zu geniessen. Mittels Chemo, Bestrahlung und OP lässt sich das Leben allenfalls verlängern. Die Lebensqualität kann dabei allerdings durch diverse Nebenwirkungen erheblich eingeschränkt werden, muss aber nicht bei jedem. Von einer Heilung würde ich mal ganz absehen!
Wir haben jedenfalls alle unsere Patienten entweder in den Tot begleitet oder aber nach einiger Zeit die Todesanzeige in der Zeitung gelesen.
Lungenkrebs oder das Bronchialcarcinom wie es auf schlau genannt wird, macht ja in der Regel keine Beschwerden, da die Lunge keine Schmerzen empfindet. Sobald Symptome wie Husten, Hämoptysen, Dyspnoe oder anderes auftreten, ist der Tumor bereits in umgebenes Gewebe infiltriert und hat in der Regel auch Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet. Oft wird er per Zufall, so wie bei Deiner Tante, entdeckt. Z.B. vor einer anderen OP beim routinemäßigen Lungenröntgen oder bei Beschwerden am Skelettsystem, wenn Metastasen vorhanden sind. Das Bronchialcarcinom ist ein sehr aggressiver, schnellwachsender Tumor.
Man kann gegen ihn kämpfen. Auch in der Alternativmedizin gibt es einige Methoden und Mittel, die man ausprobieren kann.
Es bleibt einem die Wahl: mit äußerst geringen Chancen dagegen ankämpfen, also immer wieder beim Arzt oder im Krankenhaus seine Zeit verbringen, mit Nebenwirkungen kämpfen, immer auf der Suche nach etwas anderem, etwas besserem sein, keine Ruhe finden;
Oder die Diagnose akzeptieren und mittels Medikamenten (wie Analgetika) die restliche Zeit geniessen, soweit es eben möglich ist und sie mit den Menschen verbringen, die man liebt.

Das klingt vielleicht hart. Und Du könntest jetzt antworten dass Du doch eigentlich nur einen guten Arzt in Berlin suchst. Aber ich habe schon viele Menschen getroffen, die sich an jeden Grashalm geklammert haben, die dem Arzt unbewusst die Worte entlockten oder eben nur diese höhrten, die ihnen weiter Hoffnung gaben. Kein Arzt in unserem Krankenhaus hat es je gewagt den Patienten seine ehrlich Meinung zu nennen. Alle redeten immer davon, man kann Chemo machen, Bestrahlung, die Medikamente reduzieren die Nebenwirkungen...
Und das Abschiednehmen war anschließend umso schwerer! Von Seiten des Patienten, als auch der Angehörige. Und ein paar wenige waren zuletzt nicht mehr in der Lage ihre persönlichen Angelegenheiten zu regeln, weil sie ja immer daran glaubten ihn besiegen zu können, sodass sie einen wahren "Todeskampf" erleiden mussten. Sie konnten einfach nicht loslassen...

Ich wünsche Deiner Tante sehr, dass alles ein gutes Ende nimmt. Ob nun durch Heilung oder ihren Frieden. Bei der Suche nach einem guten Arzt kann ich leider nicht weiterhelfen, ich wohne in Hannover. Aber auch dafür drücke ich Euch die Daumen!

Gruß

tl745
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Ambulante Pflege
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo panterra 80,
ich habe sehr lange in der Thoraxklinik in Heidelberg gearbeitet. Sie ist einer der ältesten Lungenfachkliniken Europas und die Patienten kommen auch europaweit. Hinzu kommt, dass die meisten andern Kliniken zwar pulmonale oder thoraxchirurgische Abteilungen haben, aber nicht die interdisziplinären Einheiten des Lungefachs wie es in der Thoraxklinik in Heidelberg der Fall ist. Auch besteht die Zusammenarbeit mit dem DKFZ (deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg). Eine bessere Behandlung kann sie nirgends bekommen. Viele Patienten und Angehörige nehmen sich Zimmer in Hotels und Pensionen und manchmal auch im Personalwohnheim, die sich um die Klinik befinden. Bei alle Formen des Bronchialkarzinoms ist Zeit der Faktor Nummer 1, der für die Behandlung entscheidend ist, da die Prognose sich mit fortschreitender Zeit sehr schnell verschlechtert und die Diagnose hinsichtlich der Prognose im Vergleich zu anderen Tumorarten sowieso schon sehr schlecht ist. Das maligne Lungenkarzinom ist der tödlichste Tumor weltweit. 80 % der Patienten Sterben bei einer Stadieneinteilung von T1 und T2, 1 Jahr nach der Diagnosestellung.85 % schaffen aber die 5 - Jahresürberlebensrate nach einem operativen Eingriff. Je weiter aber das Stadium fortgeschritten ist, umso stärker verringert sich die Wahrscheinlichkeit der Operabilität.Das heißt sie soll alles liegen und stehen lassen und sofort kommen. Die Aufnahme und das Staging ist hier unkompliziert und alles geht (normalerweise) sehr schnell.
Interdisziplinäre Ambulanz
Sie soll einfach anrufen und einen Termin vereinbaren. In der Regel wird sie sofort noch am selben Tag aufgenommen. Fr. Dr. kappes in der Aufnahme ist sehr nett.

Ich wünsche dir und deiner Tante alles Gute.
Liebe Grüße Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
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15.09.2006
86647
:nono: Moment!

Die Diagnose mag prognostisch ungünstig sein und Therapie meist lebensverlängernd- aber diese Strohalme würde ich nicht pauschal entreissen wollen.
Ich selbst habe auch mehrere solcher Pat. mit Chemos auf Stat. gehabt...einmal zwei parallel- beide mit Metastasen. Einer hats geschafft-wie langfristig kann ich nicht sagen, bin umgezogen aber er hat eine Stärke und Lebensfreude bewiesen, wovor ich absolut den Hut ziehe.
Seine Leidensgenossin ist auch das Ca und die ursprünglichen Metastasen losgeworden und war zunächst überglücklich bis sie plötzlich mit Metastasen in der Hirnrinde verstarb.
Aber beide hatten die Hoffnung nie aufgegeben und mit dieser Hoffnung kam viel Lebenskraft und Freude rüber.

Man kann nie sagen welcher Weg für jeden individuell der "bessere" ist und wenn jemand das Therapie-Procedere auf sich nehmen will um länger zu leben, warum soll man ihm die Möglichkeit ausreden?

Und wenn die Tante noch den 14, 15. und 16 Geburtstag ihres Sohnes überleben darf ist das bestimmt kein Verlust! Ich würde zumindest meine Kinder nicht kampflos im Stich lassen.......:cry:

Viel Kraft und alles Liebe

Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
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Hallo Petra,
mir ging es nicht darum Stohalme zu entreißen. Mir ging es darum deutlich zu machen das sich ein schnelles Handeln lebensverlängernd auswirken kann. Bei der Diagnose vom Bronchialkarzinom, auch wenn es sich um ein Zufallsbefund handelt, ist es häufig so, dass schon ein fortgeschrittenes Stadium besteht und viele Patienten nur noch wenn sie kommen palliativ behandelt werden können. Man muss sich nicht behandlen lassen, aber wenn man das will sollte man es sofort tun. Es gibt auch Spontanheilungen, aber die sind nicht der Durchschnitt. Ich habe 14 Jahre dort gearbeitet und ich weiß von was ich rede. Mein Vater ist 1 Jahr nach Diagnosstellung verstorben, obwohl es ein früher Zufallsbefund war und der Tumor operabel war.
Was ich noch vergeßen hatte, panterra ist, dass der Termin besser vom Lungenfacharzt gemacht wird, da man in der Thoraxklinik nur mit Einweisung vom Lungenfacharzt aufgenommen wird und eine Einweisung vom Hausarzt nicht ausreicht (wichtig zu wissen, wegen der Zeit und der Entfernung)

VG Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
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Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
Borgi

Borgi

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15.09.2006
86647
:eek:riginal: Hallo Sabine,
ich wollte nicht anzweifeln, dass Du weisst, wovon Du redest- entschuldige!
Und Du hast Recht, wenn dann schnell handeln!
Tut mir leid, dass Du mit Deinem Vater eine wirklich schlimme Negativerfahrung gemacht hast und das macht Deine Ausführungen aus den ersten Zeilen verständlicher.
Wir haben auch erst einen Sterbefall in der Familie hinter uns. Die Heilungschancen waren gleich null, trotz OP und Folgetherapie. Deswegen hatte sie sich für noch schöne Monate ohne Strahlen und Chemo entschieden und das war in dem Fall gut so, weil es ihre Entscheidung war und wir sie als Familie ohne wenn und aber mitgetragen haben!

Aber das ist hier nicht das Thema.

Ich wünsche nochmal allen das Allerbeste!

LG Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
P

panterra80

Mitglied
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Themenstarter/in
15.07.2007
12169
Vielen Dank für eure lieben Zeilen. Momentan ist es noch ein riesiger Schock für die ganze Familie, besonders natürlich für meine Tante. Es kommt keiner an sie ran. Wir müssen erst mal abwarten. Da ich ja selber aus der Pflege komme weiß ich, wie es um sie steht. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nie auf. Mit Heidelberg hört sich gut an. Werde mal den Vorschlag anbringen. Mal gucken. Liebe Grüße aus Berlin
 
Qualifikation
krankenschwester
Fachgebiet
ambulante pflege
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05.07.2001
www.pflegeboard.de
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