EKT (Elektro Krampftherapie)

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niemand

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ich habe bisher noch keinen Beitrag erstellt, habe jedoch eine Frage zu Erfahrungen mit dieser Therapieform und wann sie eingesetzt wird.
Danke
 
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André Rosellen

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Elektrokrampftherapie

Hi Spocki bzw. Andrea!

Die Elektrokrampftherapie ist entgegen dem, was der Name vermuten lässt, eine relativ unschädliche Behandlung psychischer Störungen.

Sie hat - abgesehen von den Nebenwirkungen des Kurznarkosemittels und der Muskelrelaxantien - im Gegensatz zu neuroleptika keine (!) Nebenwirkungen. Selbst eine Schwangerschaft ist keine strenge Kontraindikation.

Alte Geschichten wie vorrübergehende Gedächnisstörungen oder Kopfschmerzen sind seit der neueren Gerätegeneration Geschichte.

In Deutschland ist diese Therapie relativ selten, weil ihr immer noch negativer Beigeschmack aus der Nazizeit anhaftet, wo sie auch zur Folter eingesetzt wurde.

Im europäischen Ausland (F, GB, S) ist sie häufiger (BRD ca. 600 pro Jahr, GB ca. 30.000 pro Jahr).
Man kann sich nach erfolgreicher Stationärer Therapie auch über sogenannte Erhaltungs-EKTs ambulant regelmäßig "schocken" lassen (dauert ca. 2h).

Die Empfindlichkeit für Neuroleptika wird erhöht.

Die eigentliche Behandlung ist in der Regel heute unilateral an der Nicht-Dominanten Hemisphäre (also bei Rechtshändern werden die Elektroden auf dem Scheitel und auf die rechte Schläfe gehalten), findet unter Ultrakurznarkose, Muskelrelaxierung und kurzer Beatmung (Güdel-Tubus und Ambu-Beutel mit O2-versorgung reicht).

Der Wirkmechanismus ist der ausgelöste grand-mal-Anfall (der wegen der Relaxantien nur im Gehirn stattfindet; das bewusste Erleben des Patienten beschränkt sich auf Einschlafen und Aufwachen (Narkose)).
Wie es genau zu einer Besserung kommt ist unklar. Aber das ist es ja auch bei den Medikamenten (Wieso reicht es, Dopaminrezeptoren durch Neuroleptika zu blocken um Wahnvorstllungen zu beseitigen?)

Man benötigt mindestens 4 und nie mehr als 20 Behandlungen.

Die Erfolgsquote liegt für schwere Depressionen und schizoaffektive Psychosen bei 70 - 95 %. (Zum Vergleich: Medikamente bei schweren Depressionen 50%)
Meine Zahlen sind allerdings etwa älter.

Bei Bedarf auch ausführliches Skript (WORD) per Email

Einfach anfordern

André

Noch was:

Blos keine EKT bei Menschen mit einer Borderlinestörung! Es gibt meines Wissens niemanden von Rang, der dies ernsthaft in Erwägung zieht. Ich habe einige Fortbildungen in Bezug auf die Borderlinestöung hinter mir und leite ambulante Borderline-Gruppen. Und ich halte EKT bei Borderline für einen Kunstfehler.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
offene allgemeinpsychiatrische Station / Borderline
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niemand

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Danke für die Information, ich habe meine Beitrag geändert da er etwas unglücklich formuliert war.
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester f. Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
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