Ekel und innere Ablehnung ggü Altenpflege

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lemony

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Hallo zusammen.

Seit längerem lese ich hier mit und hab vor ein paar Tagen einen Tag in einer Senioreneinrichtung hospitiert. Die WB war am Anfang schon sehr reserviert. Ich ging dann in ein BW Zimmer mit und habe dort im Beisein des Kollegen der mich mitnehmen sollte an den Tag, eine GP am Waschbecken durchgeführt. Der starke Uringeruch beim betreten des Zimmers löste in mir extremen Würgereiz und Ekel aus.
Ich hab mir aber nichts anmerken lassen. Leider merkte ich innerlich schon diese enorme Ablehnung gegen diesen Beruf. Das war nicht immer so und ich bin darüber sehr unglücklich! Viele schlechte Erfahrungen haben mich seit der Ausbildung, die nun schon mehr als ein Jahrzehnt her sind, geprägt und ich merke: das ist nicht (mehr) mein Job und wahrscheinlich war es das auch nie!
Mir macht es weder Freude, noch Spass, Verantwortung in diesem Bereich zu tragen oder auch mit alten Menschen beruflich umzugehen. Auch das war nicht immer so. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Ich bin traurig, dass ich mal wieder versagt habe und es nicht schaffe, eine andere Einstellung zu kriegen oder mehr Selbstbewusstsein zu zeigen.
Sorry, dass ich mich hier ausjammere, aber ich musste das mal loswerden.
Woran liegt es, dass ich so anders bin und ich Panik und Ekel bekomme?
Über Meinungen würde ich mich freuen.
Meine Ma ist auch Altenpflegerin und sie findet den Beruf so toll.

Lemony
 
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lulli00

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Hey du.

evtl. ist deine Zeit in diesem Beruf einfach rum.
Ich kann mir gut vorstellen das man so viele Negativerfahrungen sammelt das man irgendwann einfach die Schnauze voll hat.

Und wundern tut mich das schon garnicht.
 
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Pflege
Karola Weissbrich

Karola Weissbrich

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Hi lemony,
sich zu verändern - ob aufgrund von (schlechten oder guten) Erlebnissen oder einfach aufgrund der Zeit ist kein Versagen.
Sich einzugestehen, dass man sich als Mensch entwickelt und verändert und aktiv damit umzugehen ist etwas sehr Positives.
Somit sehe ich Dich nach dem was Du schreibst nicht als Versager/in, sondern als eine Person, die Veränderungen an sich selber wahrnimmt.
Ich drücke Dir die Daumen, dass Du einen neuen Weg für Dich findest, der jetzt besser für Dich passt.
 
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Monika58

Monika58

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Trotzdem versuche ich es immer wieder. Lemony
Hallo Lemony,
Ich kenne eine Menge Leute, deren erste Berufswahl vielleicht zu dem entsprechenden Zeitpunkt die Richtige war, sich aber aufgrund gemachter Erfahrungen, persönlicher Wertewandel, Veränderung der persönlichen Situation usw. langfristig als nicht mehr "gut" für die jeweilige Person herausstellte.
Zwing Dich nicht zu etwas, was Dir Unbehagen bereitet - Du tust weder Dir noch den Bewohnern einen Gefallen, im Gegenteil!!

Und "nur", weil Deine Mutter den Beruf klasse findet, heißt das nicht, dass dieser Beruf der allein selig machende sein muss - meine Mutter war Buchhalterin, und ich weiß, dass ich etliche Firmen in den Ruin getrieben hätte, wenn ich in die Fußstapfen meiner Mutter getreten wäre :spinner:

Gruß
Monika
 
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Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
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lulli00

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Und "nur", weil Deine Mutter den Beruf klasse findet, heißt das nicht, dass dieser Beruf der allein selig machende sein muss - meine Mutter war Buchhalterin, und ich weiß, dass ich etliche Firmen in den Ruin getrieben hätte, wenn ich in die Fußstapfen meiner Mutter getreten wäre :spinner:

Gruß
Monika
:D:D das wäre mir in der Buchhaltung auch passiert. Ich hab immer soll mit haben verwechselt.

Also ich kann meinen alten Beruf noch. Aber ich mag ihn überhaupt nicht mehr.
 
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lemony

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Hallo,

danke für eure Anworten und euren Zuspruch. Ich hatte schon mit einem Donnerwetter gerechnet. Es ist so, dass ich mich selbst in den Beruf hineinzwänge und quäle, weil so viele sagen, es sei ja ein toller und schöner Beruf und die Arbeit macht soviel Freude. Bei bewerbungen ist es so, dass ich mich noch hochmotiviert bewerbe. Und dann, wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, auch immer so tue, als hätte ich wer weiß wieviel Interesse. Oft war es so, dass ich einfach nur vor dem Gebäude stand, mich wieder umgedreht habe und nach hause gefahren bin, weil es mir schon innerlich widerstrebte, ein Altenheim zu betreten (und das nicht wegen der alten Menschen, sondern wegen der Gerüche und schlechten Erfahrungen, die ich so gesammelt habe). Ich weiß, dass das total dumm ist und früher war das nicht so extrem.
Mich macht das einfach traurig, dass ich diesem Beruf nichts abgewinnen kann. Ich höre so oft, dass man selbst ja auch mal alt wird und um jede Hilfe dankbar sein wird und selbst, wenn es nur ein Lächeln vom Pflegepersonal ist.
Ach ich weiß auch nicht. :-(
Trotzdem danke für eure Antworten.

lemony
 
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benny34

benny34

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Mach dich mal nicht verrückt!
Das ist keineswegs dumm, sondern zeigt nur, daß du diesem Job nichts abgewinnen kannst. Sich immer nur zum Job zu quälen, diesen mit Unlust und Ekel zu tun, ist auf Dauer für alle Parteien unerträglich.

Was den Ekel angeht:
In meinem Fall habe ich im Laufe der Jahre Strategien entwickelt, um diesem zu begegnen (z.B. bei extremen Gerüchen nur mit Mundschutz arbeiten) oder ich schaffe mir "optische Barrieren", indem ich den verschmutzten Bereich vorher mit Pflegeschaum einsprühe.
Grundsätzlich habe ich aber damit kein Problem.

Worauf ich aber absolut negativ reagiere, wenn ich in fremde Einrichtungen komme und es im Eingangsbereich schon nach Urin, Stuhlgang etc. riecht. Da drehe ich sofort um - absolutes NoGo. Gerade im Rahmen von Bewerbungsgesprächen schon vorgekommen.
Ich habe dann der Einrichtung auch mitgeteilt, warum das nicht geht.

Es gibt da z.B. einen Job, der ginge gar nicht: Klempner
Alleine die Vorstellung, verstopfte Toiletten reinigen oder ähnliches.....grrrhhhh....

Also, vielleicht ist es für dich besser, auf einer anderen "Arbeitsschiene" glücklich zu werden....

Gruß...
 
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Altenpfleger;Fachkrankenpflege Neurologie/Geriatrie
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Willy_Wuff

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Wo ist das Problem ?

Gibt sooo viel Jobs auf der Welt :)

Und ich muß gestehen das ich eigentlich bei den derzeitigen Arbeitsbedingungen keinem mehr empfehlen würde diesen Job zu erlernen, wenn es für ihn eine Alternative gibt, unwichtig ob Krankenschwester/Pfleger oder Altenpfleger/in.

Du hast den Job mal gemacht und hast schlechte Erfahrungen gemacht, somit kann es problemlos sein, das das unangenehme Gefühl das man bei diesen Gerüchen hat von Deinem Unterbewusstsein/ Psyche auch so sehr verstärkt wird, das es zu ekel wird, einfach damit Du Dir das nicht noch einmal antust.

Und naja, irgendwelche Gerüche hat glaub ich jeder, gegen die er nicht an kommt.

Bei mir ist es erbrochenes, da kostet es mich maximale Überwindung nich noch oben drauf zu göbeln.

Daraus resultierend würde ich nienich auf ner Gastroenterologie arbeiten gehen..... das würde ich mir nicht antun.

Lach

und naja, wenn bei Dir, warum auch immer der Uringeruch dazu gehört, dann ist ein Arbeitsplatz bei dem es vermehrt immer wieder danach riecht, irgendwie nicht der Richtige.

Wenn Du unbedingt mit Menschen arbeiten möchtest, dann muß es ja nicht unbedingt ein Altenpflegeheim sein, gibt ja auch noch Einrichtungen wie betreutes Wohnen.

u.s.w.
 
Qualifikation
Fachpfleger für Intensiv Medizin
Fachgebiet
IMC
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