Arbeitsrecht Einweisung in Pflegestandards - Verpflichtend?

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D

Dreivierfüntelgott

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05.07.2007
20095
Hallo zusammen,

ich bin exam. Altenpfleger und arbeite seit 6 Jahren bei meinem Arbeitgeber als NW. Durch verschiedene Umstrukturierungsmaßnahmen wurde vor kurzer Zeit allgemein verplichtende Pflegestandards eingeführt. Nun "quält" mich mein Arbeitgeber ständig mit kurzfristig angesetzten Einweisungen in diverse Pflegestandards. Ich bekomme da also gezeigt, wie man desinfiziert oder einen Patient lagert. Alles in allem Tätigkeiten, die ich Kraft meiner Ausbildung können MUSS und seit Jahren zur vollsten Zufriedenheit ausführe. Leider besteht mein Arbeitgeber auf der Einweisung auch für mich und argumentiert, sie sei für alle verpflichtend. Mal abgesehen von der öffentlichen Infragestellung meiner Qualifikation und der Sinnlosgkeit dieses Vorgangs; ist dies rechtlich abgesichert? Kann ich verplichtet werden, daran teilzunehmen? Wer hat ähnliche Absurditäten erlebt? Über Antworten würde ich mich freuen...

Best,
Dreivierfünftel-Gott
 
Qualifikation
exam. Altenpfleger
Fachgebiet
NW
K

Knizka

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01.02.2007
70176
Hi!

Also es gibt noch einen Unterschied zwischen Expertenstandards und den hausinternen "state of the art" Standards. Die Expertenstandards (derzeit 5) sind strafrechtlich relevant, die hausinternen arbeitsrechtlich. Also wenn du nicht nach den hausinternen Standards arbeitest kannst du gekündigt werden, sowie bei den Expertenstandards können strafrechtliche Folgen für dich entstehen.
Zum Anderen hast du die Sorgfalspflicht dich auf den aktuellen Stand zu halten, sowie hat dein Arbeitgeber die Pflicht seine Organisationsfehler zu wahren d.h. er muss sicherstellen, das er qualifiziertes, auf dem neusten Stand arbeitendes Personal hat.

Ob er dich nun dazu zwingen kann, an den Forbildungen teilzunehmen kann ich leider nicht genau sagen. Aber ich würde mal sagen, schaden tut es nicht und in der Pflege gibt es immer wieder neue Erkenntnisse...

Kathrin
 
Qualifikation
Schüler
Fachgebiet
Schüler
D

Dreivierfüntelgott

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
05.07.2007
20095
Hi!

Also es gibt noch einen Unterschied zwischen Expertenstandards und den hausinternen "state of the art" Standards. Die Expertenstandards (derzeit 5) sind strafrechtlich relevant, die hausinternen arbeitsrechtlich. Also wenn du nicht nach den hausinternen Standards arbeitest kannst du gekündigt werden, sowie bei den Expertenstandards können strafrechtliche Folgen für dich entstehen.
Zum Anderen hast du die Sorgfalspflicht dich auf den aktuellen Stand zu halten, sowie hat dein Arbeitgeber die Pflicht seine Organisationsfehler zu wahren d.h. er muss sicherstellen, das er qualifiziertes, auf dem neusten Stand arbeitendes Personal hat.

Ob er dich nun dazu zwingen kann, an den Forbildungen teilzunehmen kann ich leider nicht genau sagen. Aber ich würde mal sagen, schaden tut es nicht und in der Pflege gibt es immer wieder neue Erkenntnisse...

Kathrin
Danke für deine ausführliche Antwort. Es handelt sich ja nicht um Fort- oder Weiterbildungen, sondern Einweisungen von 30 min. in bestimmte pflegerische Tätigkeiten, die ich seit Jahren genau so ausführe. Ich denke, das Durchlesen des neuen Pflegestandards sollte doch genügen. Deine oben genannte Sorgfaltspflicht ist DER Grund für die Einweisung. Allerdings empfinde ich es einfach als überflüssig, in Dinge eingewiesen zu werden, für die ich seit Jahren bezahlt werde.
 
Qualifikation
exam. Altenpfleger
Fachgebiet
NW
G

gerani

Neues Mitglied
Basis-Konto
19.05.2007
14469
Ich finde es gar nicht so schlimm und ehrlich gesagt auch nötig, dass solche Einweisungen erfolgen. Letztendlich ist es für Dich die Chance, zu überprüfen, ob das was Du tust und wovon Du denkst, dass es so richtig ist auch tatsächlich fachlich in Ordnung ist. Letztendlich erweist sich in der Praxis nämlich nicht selten das Gegenteil und der PDCA Kreislauf bedeutet schließlich nicht: please don't change anything :)
 
Qualifikation
QMB
Fachgebiet
Heilerziehungspflege
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
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26.09.2005
Bonn
Ich denke, das Durchlesen des neuen Pflegestandards sollte doch genügen. Deine oben genannte Sorgfaltspflicht ist DER Grund für die Einweisung.
Das Durchlesen reicht eben nicht. Im Zweifelsfall muss Dein AG nachweisen können, dass die Standards nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern dass die AN auch Kenntnis von Existenz und Inhalt haben und befähigt ist, die Standards umzusetzen.

Ich kann Dir nur raten: nimm an den Einweisungen teil, sonst begiebst Du Dich arbeitsrechtlich auf dünnes Eis.Der AG ist zur Qualitätssicherung verpflichtet. (Streng genommen ist er sogar verpflichtet, jedem Mitarbeiter persönlich auf die Finger zu gucken, ob die Fachkompetenz (noch) auf dem neusten Stand der Erfordernisse ist.) Eine Möglichkeit der Qualitätssicherung sind Pflichtveranstaltungen. Unbegründete mehrfache Verweigerung der Teilnahme an Pflichtveranstaltungen kann als Arbeitsverweigerung interpretiert werden.

Ich an Deiner Stelle würde Deinen AG bitten, "Deine" Termine so zu legen oder zumindestens mit so viel Zeitvorlauf bekannt geben soll, dass Du ohne großen "Reibungsverlust" daran teilnehmen kannst.

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
D

Dreivierfüntelgott

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
05.07.2007
20095
Danke für eure Einschätzungen. Ich hatte nicht wirklich vor, die Veranstaltung zu boykottieren. Der arbeitsrechtlichen Grundlage galt mein Interesse und es ist ja duchgeklungen, warum und wozu diese Einweisungen nötig sind. Ich werde Monikas Rat befolgen und meinen AG bitten, die Termine früher und intelligent zu platzieren.
 
Qualifikation
exam. Altenpfleger
Fachgebiet
NW
G

Gerd

Mitglied
Basis-Konto
15.06.2001
Neustrelitz
Hallo Alle,
ich kann mich Monika58 nur anschließen. Mich wundert nur die Aussage von Knizka, die Expertenstandards seien "strafrechtlich" relevant. Diese Standards sind Empfehlungen von Experten und keine rechtlichen Vorgaben. Wer ist Experte? Wenn sich zwei Altenpflegerinnen einen Standard ausdenken ist es auch ein Expertenstandard!. Aber das ist ein anderes Thema.

Gruß
Gerd


AG FREIER HIMMEL
 
Qualifikation
Dipl.Sozialarbeiter
Fachgebiet
Pflegedienst
Schwester Christa

Schwester Christa

Unterstützer/in
Basis-Konto
10.03.2007
Heilbronn
Wenn sich zwei Altenpflegerinnen einen Standard ausdenken ist es auch ein Expertenstandard
Nein, ist es definitiv nicht!
Zwar können gemäß der Pflegetheorie von Leininger Pflegende im Lauf der Zeit zu Pflegeexperten werden, das ist aber etwas anderes.
Die Expertenstandards sind wissensorientiert, d.h. sie halten sich an aktuelles, modernstes Fachwissen zu dem entsprechenden Thema. So bestehen die Expertenstandards denn auch nicht nur aus dem einen Blatt, auf dem sie gedruckt sind, sondern auch noch aus x Seiten Literaturangaben.

Ich kann ansonsten nur die Kollegas bestätigen: nimm unbedingt daran teil, man lernt immer etwas Neues!

Denn genau darin, in der mangelnden Verbreitung besteht die Krux moderner Pflegeplanungen. Sie sind arbeitsrechtlich verpflichtend, aber nur dann, wenn sie als allgemeine Dienstanweisung eingeführt sind. Um das zu werden, müssen sie aber ständig (!) auf dem neuesten Wissensstand gehalten werden. Nach veralteten Standards verpflichtend zu arbeiten wäre gefährliche Pflege.
Deshalb ist es zwingend notwendig, neue Standards sehr zeitnah allen Mitarbeitern zu vermitteln. Auch praktisch.

Ich hab zu dem Thema meine Facharbeit verfasst, kann ich dir bei Interesse mal zukommen lassen. "Pflegestandards und Pflegeplanung - Fluch oder Segen?"
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger f. Psychiatrie
Fachgebiet
Niederschwelliger Drogenentzug
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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