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Einsatz von niedrig qualifizierten Pflegekräften

  1. Hallo, ich benötige für die Uni viele Meinungen und Stellungnahmen zu folgender Fragestellungen:

    • Im Rahmen der aktuellen Entwicklungen ist immer wieder vom Einsatz niedrig qualifizierter Pflegekräfte die Rede. Wie stehen Sie zum Einsatz von pflegerischen Hilles- bzw. Assistenzkräften und wie begründen Sie diese Position?

    Gerne kann das Thema ausgeschweift werden damit ich ein darauf Fragen für das Interview machen kann.
    Wäre euch sehr dankbar, wenn ihr mir dabei helfen könntet.

    Danke

    lg dani
     
  2. Aufgrund des Forum-Titels gehe ich davon aus, dass der Einsatz von Hilfskräften und pflegefachlich niedrig qualifizierten Mitarbeitern in der Altenpflege stattfinden soll.

    Der Einsatz von Nichtfachkräften ist bereits tägliche Praxis seit vielen Jahren und gesetzlich in Heim- und Wohn-und-Teilhabegesetzen verankert. Hier ist von der sogenannten Fachkraftquote die Rede und die praktische Erfahrung im Umgang mit der Quote und Definition, wer Fachkraft ist, zeigt immer deutlicher, dass je nach Einrichtung bei derzeitiger Lage in Deutschland die Fachkraftquote nicht oder immer schwerer gehalten werden kann.
    Es ist schwierig, etwas gesetzlich durchzusetzen, das de facto nicht durchsetzbar ist. So gibt es verschiedene Bestrebungen, z.B. in Rheinland-Pfalz, die Fachkraftquote aufzuweichen oder anzupassen. Dies geschieht mittels konzeptioneller Vorgaben (Struktur- und Prozessqualität) durch die Einrchtungen, die darlegen müssen, wie bei niedrigerer Fachkraftquote die Pflegequalität (Ergebnisqualität) trotzdem sichergestellt ist. Hierzu sehe ich derzeit wenige Einrichtungen tatsächlich in der Lage.

    Eine weitere gesetzliche Vorgaben (zumindest in NRW) ist die qualifizierte Anleitung und Überprüfung der Nichtfachkräfte (z.B. im Rahmen von Pflegevisiten). Gelingt dies gut, spricht meiner Meinung nach nichts gegen den Einsatz von Nichtfachkräften.

    Spannend in dem Zusammenhang ist auch die 2020 zu erwartende wissenschaftliche Personalbemessung in der Altenpflege, da auch hier Fachkraftquoten und Personalquoten benannt werden müssen. Vielleicht erlangen wir dann endlich (nach immerhin 25 Jahren Pflegeversicherung) zu vernünftigen Personalzahlen, die etwas mit dem tatsächlichen Pflegeaufwand zu tun haben und keine Fantasiezahlen sind.

    Viele Grüße vom Menschenkind
     
  3. Hallo brownie, ja, wie steht man dazu. Daraus Fragen zu entwickeln für ein Interwiew, ich stelle mir vor, dass du niedrig qualifizierte Kräfte befragen wirst. Da wird zunächst interessant, wie diese überhaupt qualifiziert sind. Bei uns sind von bis. Ungelernt und mal Opa gepflegt, angelernt, Ausbildung abgebrochen zwei Jahren Altenpflegeausbildung. Dann Sozialassistenten, da würde ich sogar mal klären, ob diese als niedrig qualifiziert gelten. Dann gibt es noch Pflegeassistenten. Diese haben unabhängig davon, wie man ihre Ausbildung oder Weiterbildung nennt, im Großen und Ganzen den gleichen Status wie andere ungelernte angelernte.... . Bei uns arbeiten außerdem nicht ausgelernte Krankenpfleger. Ja, gefühlt machen sie alle die gleiche Arbeit, da sie in bestimmten Bereichen der Altenpflege nicht eingesetzt werden dürfen.
    Ich glaube, da wäre interessant zu erfahren, was man gelernt hat, was man dann in der Pflege tatsächlich macht. Manche empfinden sich selbst nur als Duscher, jede Woche den gleichen Turn. Andere trauen sich zu, verschiedene Beutelsysteme zu wechseln, PEG zu versorgen.... . Auch gibt es ja Weiterbildungen betriebsintern. Diese sind meines Wissens Pflicht. So kann man sich eine Menge beibringen von Prophylaxen bis gesunder Ernährung. Ich glaube, das Spektrum ist breit. Und es gibt Möglichkeiten, sich einzubringen und sich was beizubringen.
     
    Nawinkler gefällt das.
  4. Ich war Einrichtungen in denen versucht wurde die Tätigkeitsfelder von Hilfskräften und Fachkräften strickt zu trennen. Das geht solange gut, wie genug Personal vorhanden ist. Also nicht lange o_O.
    Letztlich läufts am Besten, wenn jeder alles kann und macht. Ausnahme natürlich die Tätigkeiten von Fachkräften, welche nicht weiterdelegiert werden dürfen.
    Dabei entsteht so eine Art: Eine Hand wäscht die Andere, wenn jeder etwas über seinen Tellerrand hinaus schaut und man sich in einem Team gegenseitig ergänzt.
    Wo ich jetzt arbeite klappt das ganz gut. Nicht immer perfekt, aber okey soweit. Das habe ich auch schon anders erlebt, wo eben die Grenzen klar gezogen waren. Sodas Fachkräfte im Büro sitzen, den Feldwebel raushängen lassen und die Hilfskräfte umherscheuchen. Wenn die Hilfskräfte wie Dreck behandelt werden, sind sie eben unmotiviert und lassen die Fachkräfte schnell mal auflaufen. Sowas ist echt übel und zerstört quasi den Betrieb. Das bekommt man auch schlecht wieder weg. Ohne motivierte Hilfskräfte läuft nichts.
    Eigenverantwortliches Arbeiten kann auch von Hilfskräften erwartet und gefördert werden. Viele interne Weiterbildungen ermöglichen mehr Delegationsmöglichkeiten.
    Beispiel: Medikamente verteilen. Frisch examinierte Fachkräft kommt stolz wie Bolle aus dem Dienstzimmer, trägt erhobenen Hauptes das Medikamententablett vor sich her und ist gaaaaanz wichtig gerade;). Nach 3 Monaten ist das Medverteilen schon so nervig geworden, dass die Hilfskräfte gefragt werden, ob sie das nicht nun auch mal machen wollen. Und wenn sie vernünftig eingearbeitet sind in diese Aufgabe, spricht da auch nichts gegen.
    Und genau da ist die Zusammenarbeit wichtig und die Grenzen verschwimmen wieder.
     
    Willy_Wuff und Kohlmeise2014 gefällt das.
  5. Sorry, aber da schwillt mir als examinierte Pflegefachkraft, Pflegedienstleitung und derzeitig tätig in der Heimaufsicht gerade mal sowas von der Hals!

    Gerade das Medikamentenmanagement wird gerne als "kann im Prinzip jeder machen"-Tätigkeit herangezogen. Dabei sind die Anforderungen an ein sicheres Medikamentenmanagement relativ hoch und in Prüfungen von internen und externen Institutionen oft genug negativ bewertet.
    Dabei wird in konkretem Beispiel gerne übersehen, dass die Pflegefachkräfte nur die Exekutive einer, vom Arzt delegierten Anordnung sind. Die Gesamtverantwortung liegt demnach beim Arzt. Erzählen Sie dem mal, dass jeder Mitarbeiter im Heim seine verordneten Medis an den Mann/die Frau bringen "darf". Findet er bestimmt nicht so witzig, weil sein Kopf dran hängt. Zusätzlich sind neben PDL und Pflegefachkraft auch noch die durchführenden Mitarbeiter dran, wenn etwas schief geht. Und es ist gar nicht so schwer, etwas schief gehen zu lassen, schließlich ist es einer der komplexesten Gesamtprozesse in einer Einrichtung über Logistik, Stellen, Verwertbarkeit, Beurteilung der Wirkungen/Nebenwirkungen/Wechselwirkungen, Wissen über Galenik und Verabreichungsmöglichkeiten, etc. Alleine bei der korrekten Dokumentation von Regel- und Bedarfsmedikationen sehe ich täglich so viele Fehler...das will niemand wissen!

    Und Sie führen, in meinen Augen leichtfertig, einen Prozess an, der tatsächlich, wenn etwas schief läuft relativ leicht bewiesen werden kann? Wenn sich die Mitarbeiter der Verantwortung, die sie tragen (oder auch gerne tragen möchten) tatsächlich so bewusst wären, frage ich mich, ob sie noch so laut "hier" schreiben würden.

    Ganz ehrlich: "Warum sollte ich meinen Kopf als ungelernte, gerade über Mindestlohn bezahlte Hilfskraft für Aufgaben, für die ich nicht ausgebildet und bezahlt werde überhaupt hinhalten wollen?" Denn letzten Endes: Wenn etwas schief geht, passiert genau das! Und zwar zu recht!
     
    Sassenach77 gefällt das.
  6. Dann soll er halt in die Einrichtung kommen und seine Medis selber verteilen

    Silversurfer
     
    Kohlmeise2014 gefällt das.
  7. @Menschenkind
    Hi erstmal
    In meinem Betrag habe als Beispiel nicht das komplette Medmanagement benannt, sondern nur das Verteilen von Medikamenten. Diese werden natürlich von PFKs hergerichtet. Das Verteilen wird bei uns durch Delegation von der PDL dauerhaft an Hilfskräfte schriftlich festgehalten. Die Komplexität des Verteilens ist hier begrenzt da wir uns die 6R-Regel quasi mit den PFK Teilen:

    PH welche die Med verteilt
    - Richtiger Bewohner
    - Richtige Zeit
    - Richtige Dokumentation (Verteilen)

    PFK welche die Med stellt.
    - Richtiges Medikament
    - Richtige Dosierung
    - Richtige Applikationsart
    - Richtige Dokumentation (Herrichten)

    Es ist meist im Spätdienst nur PFK im Haus und die soll das zeitliche Fenster für die Medgabe alleine abdecken? Versuch mal zum Abendessen über 80 (ca. 30 Demente) Bewohnern (auf mehreren Wohnbereichen) alleine die Med zu verteilen. Natürlich auch 30min vorher die Premedikation (zB Pantoprazol oder morgens L-Thyroxin), wo du quasi die Runde fast 2mal rennst.

    Bevor Dir noch weiter der Kamm schwillt übe Dich mal in Realismus und schau wie man den Bewohnern möglichst gerecht wird.
    Die Ärzte wissen sehr genau wer die Med verteilt und auch wer oft den besten Zugang zu den Dementen hat. Die sind nämlich oft situativ desorientiert und verstehen gar nicht was die (wieder mal neue) PFK von ihr will.

    Wenn genug PFKs da wären, wäre es auch alles kein Problem. Sind sie aber nicht. Willkommen im Pflegenotstand, Menschenkind.
     
    Kohlmeise2014 gefällt das.
  8. Das wird jetzt hier ziemlich "offtopic"...deshalb möchte ich nur kurz auf die von dir aufgezeigten Problematiken eingehen:
    Die Auswirkungen des Pflegenotstands bekämpft man also, indem man die Qualitätsprozesse so qualitativ herunter schraubt, dass man in ihnen wieder arbeiten kann? Das ist letztendlich die Konsequenz dieses Handelns.

    Wenn für 80 Bewohner 1 Fachkraft eingesetzt wird, dann wundert es mich nicht, dass ständig neue, offensichtlich nicht adäquat eingearbeitete Mitarbeiter den Dienst verrichten müssen. Das widerspricht sämtlichen Regeln der Pflege...und wenn Sie ehrlich darüber nachdenken, dann müssen Sie mir recht geben.

    Wenn Sie von einem Pflegenotstand sprechen, dann meinen Sie, wenn Sie diese Besetzungsprofile nennen offensichtlich eine Unterbesetzung an Fachkräften unterhalb der derzeit gültigen 50% und vielleicht sogar eine Unterbesetzung der Personalgesamtmenge. Ist das die Pflegerealität, die Sie anstreben?

    Wenn nicht, dann sollten Sie anfangen darüber nachzudenken, warum dies trotzdem die Realität ist! Und weiterhin sollte überlegt werden, was dagegen getan werden kann!
     
  9. Diese Realität strebe ich keinesfalls an. Sie ist aber nun mal da.
    Und unsere Bewohner und wir müssen mit ihr leben. Wenn man so möchte "das Beste draus machen". Es ist nicht so, als wenn wir uns im Team nicht darüber unterhalten und versuchen Lösungen zu finden. Vermutlich tun das sehr viele andere Pflegekräfte ebenfalls. Wie geht man damit um? Es werden unliebsame Kompromisse. Natürlich sollten die von der Heimaufsicht vorgegebenen Qualitätsstandards beim Medmanagement von Fachkräften erhalten, gepflegt und verbessert werden. Sie schaffen aber keines davon. Sie schaffen es einfach nicht.
    Und dann entstehen die oft gefundenen Mängel bei einer Überprüfung durch MDK und/oder Heimraufsicht. Und dann? Wie geht´s weiter? Der Fachkräftemangel ist mit dem Auffinden der Mängel nicht behoben. Er ist immer noch da.
    Jeden Tag auf´s Neue benötigen die Bewohner ihre Med (um mal beim Beispiel zu bleiben). Jeden Tag kompensieren PH´s das Defizit an Fachkräften, damit die Bewohner ihre Med erhalten und die wenigen noch vorhandenen PFK´s nicht kündigen, weil´s ihnen, alleine (auch zu zweit) als Fachkraft im Dienst, zu stressig ist. Da sind ja noch andere Aufgaben, neben dem Medmanagement.
    Wir haben eine ganze Zeit mit vielen Freiberuflern gearbeitet. Bis der Betreiber gesagt hat er bald zu machen kann, das es zu teuer ist. Jetzt haben wir "nur" noch ca 10% Freiberufler und 90% Festangestellte. Aber ich denke, das wir auch jetzt gerade wieder die Fachkraftquote nicht erfüllen. Mal sehen, wann die nächste Überprüfung kommt.
     
  10. Es ist ja nicht so, dass ich Ihre Position nicht verstehen kann. Sie haben Recht. Sie ist da.
    Die Frage ist aber: Wo kommt sie her?
    Ursache 1: Die Personalanhaltszahlen geben nicht die Realität des Pflegebedarfs wieder?
    Ursache 2: Die Pflegestärkungsgesetze ändern nichts an diesem Fakt sondern verschlimmern die Situation (insb. das PSG II).
    Wirkung aus U1 und 2: Über 20 Jahre SGB XI nimmt die Belastung der Pflegekräfte stetig zu, es kommt zu Fluktuation und Berufsflucht = derzeitige Realität in der Pflege.
    Ursache 3: Pflegepersonal wird nicht angemessen bezahlt, Pflegeplätze werden nicht angemessen vergütet.
    Ursache 4: Private Großanbieter wollen Gewinnmaximierung
    Wirkung aus 3 und 4: Personal wird nicht angemessen bezahlt, Qualität des Personals sinkt, Abwanderung von Fachkräften aus dem Beruf oder Suche von Pflegebiotopen (zum Beispiel Tagespflege-> der Gewinner des PSG II oder Freiberufler). Personalspirale dreht sich schneller und weiter bergab.

    Was kann getan werden?
    Lösung 1: Prozesse müssen sicherer und transparenter gemacht werden: Wer macht was, wann? Das ist in Bezug auf direkte und indirekte Pflege gemeint. Einzelprozesse müssen klar definiert werden, mit einem zeitlichen Index versehen, so dass erkennbar ist, welche Tätigkeiten wie viel Zeit "fressen" und von wem erledigt werden (Anforderungsprofil).
    Lösung 2: Die Dienstplanung muss sicher sein - dies geht einher mit Lösung 1 - wenn ich weiß, was zu tun ist und wie lang das dauert, weiß ich wieviel Personal ich jeweils vorhalten muss. Weiß ich dies ist eine sichere Fehlzeitenplanung (Urlaub, Fortbildung, indirekte Pflege) möglich und entscheidend. Aus der Ausfallzeitenplanung ergibt sich eine verlässliche Dienstplanung.

    Resultat dieser beiden Maßnahmen wird eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit sein, weniger Krankheitsausfälle und eine höhere Ergebnisqualität.

    Lösung 3: Auf die Politik muss maximaler Druck ausgeübt werden, weil das System derzeit kollabiert.
    Forderung 1: Private Betreiber dürfen nur in geringem Maß Gewinne abschöpfen, damit das eingenommene Geld da ankommt, wo es hin soll: Ins Personal.
    Apropos Personal: Dringend benötigt werden wissenschaftsbasierte Personalzahlen (Problem ist, dass wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, dass die derzeitige Pflegegradbewertung nur einen geringen Anhaltspunkt bietet für den Pflegezeitbedarf). Schade, denn das alte System hat genau das geboten: Der MDK konnte auf die Minute sagen, wie viel Pflegezeit ein Bewohner benötigt. Leider passten die Pflegeminutenwerte nicht mit den Personalanhaltszahlen überein -> Dies ist die eigentliche Ursache für die ganze Misere!
    Deshalb Forderung 2: Die Personalschlüssel müssen insbesondere in PG 4 und 5 angepasst werden! PG 4 = mind. 0,4-0,5 VZÄ (Vollzeitäquivalente) und PG 5 = min. 0,8-1,0 VZÄ! Denn das sind Personalwerte, die mit dem tatsächlichen Pflegebedarf korrelieren.
    Forderung 3: Für die Nachtbesetzung werden dringend eigene Personalschlüssel genötigt. Diese sollen abgekoppelt sein von den Personalwerten des Tagdienstes.
    Forderung 4: Die praktische Ausbildung muss gestärkt werden. Dies würde z.B. erreicht durch eine adäquate Anleitung, die wiederum nur möglich ist, wenn Praxisanleiter anteilig aus dem normalen Pflegealltag abgezogen werden. Also dürfen je nach Ausbildungsplatzanzahl und Bewohneranzahl die VZÄ nicht in den Personalschlüssel einberechnet werden, sondern werden "on top" berechnet. Genauso sollte es bei den Pflegesatzverhandlungen mit der Leitung (PDL) als Schlüsselstelle der qualitativen Steuerung je nach Größe der Einrichtung geschehen.

    So...die politischen Lösungen sind Aufgabe der großen Träger und Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, sowie Pflegewissenschaftler. Hier sehe ich leider nur wenige Ansätze!!!

    Problem das die Pflege lösen kann: In der Pflege sehe ich nur selten Lösungen in Bezug auf eine vernünftige Dienstplanung, geschweige denn Strukturen, die eine gute Prozessqualität analysieren und steuern. Was hierzu zu tun ist, habe ich bereits oben ausgeführt. Ich fordere deshalb Leitungskräfte aller Ebenen auf, ihre Hausaufgaben zu machen und nicht nur reaktiv zu aggieren sondern prospektiv. Dies fängt bei der Dienstplanung an, geht aber dann noch weiter: Es darf keine Zeit mehr in unnütze Dokumentation verschwendet werden. Pflegefachkräfte müssen wissen, was sie dokumentieren (Dies erstreckt sich ebenfalls auf die Fachseminare, denn kaum eine frisch examinierte Fachkraft kann vernünftige Bewohner- und Risikobeurteilungen durchführen). Dies ist ebenfalls eine Leitungsaufgabe: Strukturen schaffen, damit klar ist, was und wie dokumentiert wird. Die besten Ergebnisse sehe ich bei Einrichtungen, die ein festes Aufgaben- und Dokumentationskonzept haben. Und genau das sehe ich in meinen Prüfungen sehr sehr selten.

    Stattdessen wird der einfache Weg beschritten und die gesamte Situation durch den zu knappen Einsatz von Ressourcen (1 Fachkraft für 80 Bewohner) auch noch verschärft.
     
    Sassenach77, B-Tina und Cutter gefällt das.
  11. Ich komme zwar nicht aus einem Pflegeheim, sondern aus ner Klinik, aber da mir bei dem Thema auch der Kamm schwillt will ich mal meinen Senf dazu geben :)

    Welche Möglichkeiten Gäbe es etwas gegen den Fachkräftemangel zu unternehmen ?
    Menschenwürdige Arbeitsbedingungen und ne angemessene Bezahlung.
    Da würde sich das Problem in wenigen Jahren vermutlich relativieren.

    Man ziehe einfach mal von dem Gehalt einer Frisch Examinierten Pflegekraft die Miete, Versicherungen, Heiz und Stromkosten, so wie ein möglicherweise benötigtes Auto ab.
    Von dem was dann noch übrig bleibt soll man sich ne Zusatzrente finanzieren, damit man am Lebensende nicht Flaschen sammeln muß, und sich nen Leben aufbauen.
    Man muß kein Raketenwissenschaftler sein um sich aus zu rechnen das dies nicht möglich ist. (Sorry für das „Klauen des Spruches, aber ich finde den soooo klasse :) )

    Zum Thema Minderqualifiziertre Pflege ein paar interessante Links
    Studie: Qualifikation des Pflegepersonals beeinflusst Sterblichkeit...
    Patientensicherheit: Stationäre Mortalität und Personalschlüssel korrelieren

    Hier gibt es auch ein paar anschauliche Grafiken Deutschland im Vergleich, da können einem nur die Tränen kommen und ich verstehe nicht das nicht reihenweise junge Pflegekräfte auswandern.

    https://www.mig.tu-berlin.de/fileadmin/a38331600/2017.lectures/Kassel_20171124.bz.pdf
    https://www.barmer.de/blob/38646/4a.../data/pdf-pflegekraefte-im-krankenhaus-32.pdf
    http://irihs.ihs.ac.at/2072/1/IHSPR5631016.pdf

    Ich bin mir Sicher das sich die Prinzipien auch auf Pflegeeinrichtungen übertragen lassen.

    Laut unserer Kanzlerin kann ja jeder Pflegen, deswegen wünsche ich ihr das sie komplett von schlecht ausgebildetem Personal betreut wird, wenn sie mal Pflege benötigt.
    (Spart immens Steuergelder ;-) )

    Welche Gefahren bestehen beim vermehrten Einsatz von Minderqualifiziertem Pflegepersonal ?
    Geschult darin Patienten die Nahrung an zu reichen.
    (Man könnte auch sagen : Geschult darin den Opfern die Breikost möglichst schnell rein zu schaufeln)

    Was diese Personen aufgrund mangelnder Ausbildung nicht erkennen können :
    Evtl. neu aufgetretene Bewegungseinschränkungen der Patienten und deren Ursachen.
    Veränderung der Atemtiefe oder Frequenz, und deren Bedeutung.
    Veränderungen des Hauttugors und seiner Bedeutung.
    Veränderung der Hautfarbe und deren Bedeutung.

    Dies nur als einige einfache Beispiele.

    Eine Anständig ausgebildete Fachkraft weiß was es bedeutet und was sie machen muß um Probleme ga nicht erst entstehen zu lassen.

    Ausschließlich betreut von minder bis ga nicht ausgebildeten Pflegekräften, die Folgen habe ich regelmäßig in der Klinik bei mir liegen.

    Aspirationspneumonien (Vermneidbar wenn der Bewohner von einer Ausgebildeten Pflegekraft sein essen bekommen hätte, denn die Weiß wie sie den Menschen vor dem Essen lagern und betten muß, damit er sich nicht verschluckt.)
    Aspirationspneumonie bei Sondenkost. Lässt sich vermeiden wenn der Patient anständig gelagert und gebettet wird.
    Verdurstete Patienten, ne anständig ausgebildete Pflegekraft erkennt exikose Zeichen, bevor sie zu einem Problem wird.

    Dies und vieles mehr wird seit xx Jahren in Studien zu hauf belegt, da soll mal einer sagen das diese Menschenverachtung nicht Politisch gewollt ist.
     
    boernie1981, Menschenkind und Cutter gefällt das.
  12. @Menschenkind
    Wir hätten gerne mehr Personal, aber geht nun mal nicht. Und so schnell wie das Personal wechselt verpulvern wir wahnsinnig viel
    Energie in Einarbeitungen, die nach spät 3 Monaten in Krankmeldungen und Kündigungen enden. Zudem muss unsere EL alles einstellen was irgendwie nach PFK aussieht, Auflage von der Geschäftsleitung.
    Da kommen dann so seltsame Sachen raus wie: "Ich kann erst ab 9:00 (oder 7:00) morgens arbeiten", "Bandscheibenvorfall und kann nicht mehr als 5kg tragen", "nachts arbeite ich nicht", "mehr als 4 Tage am Stück kann ich nicht arbeiten". Und dann? Wir haben 7 verschiedene Frühdienste und 6 Spätdienste, um den Wünschen gerecht zu werden. Es hat einfach Überhand genommen mit den Sonderwünschen. Und dem nachkommen bringt langfristig so gut wie nichts.

    Was noch weitere Ursachen angeht:
    - Die Privatisierung des Pflegesystems war ein Fehler. Die Unternehmen wollen Geld verdienen. Und das tun sie auch. Als ich Anfang der 90er mit dem Job anfing waren wir noch extrem gut besetzt. Das ist jetzt auf ein Minimum und weniger runtergefahren.
    - Die Betreiber von Pflegeeinrichtungen haben oft 2 Firmen. Eine für den Pflegedienst und eine für die Immobilie. Und genau aus der Immobilie, die sie sich selbst vermieten, ziehen sie heftige Gewinne. Wer Geld anlegen will, kann dies mit Pflegeimmobilien sehr gut tun. 5-7% Rendite sind da locker drin. Bezahlen tun die Bewohner das mit ihren Mieten und ein 20qm-Zimmer kann da schonmal 600€ und mehr kosten. Sowas müsste unbedingt gedeckelt werden.

    Was Du schreibst, mit der Politik: Das dauert alles viel zu lange. In dieser Legislaturperiode wird da nichts mehr kommen. Und in der nächsten? Fraglich. Die Politiker reagieren erst wenn die Karre kaputt ist. Solange sie fährt, fährt sie ja noch. Wenn auch nicht gut. Also kein konkreter Handlungsbedarf. Da sind andere Dinge wichtiger.

    Versuche mit tollen Strukturen eine Besserung herbei zu führen klappt nur, wenn das Personal auch lange genug da bleibt um die Strukturen aufzubauen. Die Ressourcen für sowas sind gar nicht da. Unsere PDL ist nur am flicken des DP´s, die strampelt sich jeden Tag ab. Die hat auch nur noch Tunnelblick: Irgendwie durchhalten.

    Das ist alles so super deprimierend. Die Vorgaben durch die Prüfinstanzen in der Theorie eine hohe Qualität sichern sollen und gut klingen, aber es rückt in den Hintergrund, da kaum einer da ist um dieses langfristig umzusetzen.
    Die Zensuren vom MDK werden künstlich hochgezogen durch Scheinangebote, die man veranstaltet. Da werden 6 Bewohner zum Kartoffelschälen an einen Tisch gesetzt und schwups hat man ein Kartoffelfest, das auf dem Papier hervorragend aussieht und die nächste Note stützt.
    Der Zwang der Fachkraftquote ist ja schonmal ein Mittel, nur wird es zu wenig kontrolliert. Eigentlich müsste der Schlüssel monatlich kontrolliert werden und direkt mit hohen Strafen bei Unterlaufen des Schlüssels folgen.

    Dein Vorschlag den "Personalschlüssel anpassen" ist wirklich gut. Nur muss er eben auch engmaschig geprüft werden.

    Im Grunde darf mit der Pflege kein Geld verdient werden können. Da wo Profit und soziales Engagement/Pflege aufeinander treffen, wird das Soziale immer den Kürzeren ziehen.
     
    silversurfer gefällt das.
  13. @Willy_Wuff
    Was Du mit den Pneumonien anführst ist absolut richtig. In den letzten Jahren habe ich Menschen zu früh sterben sehen, weil Dinge auch von Fachkräften übersehen wurden.
    Plötzliche Petechien Blutung aufgrund Gerinnungsstörung bei Marcumar Patient. Es gab keine Arztinfo, um mal Quick zu checken und nach 3 Tagen kam der Bestatter, dafür wurden die komischen roten Pünktchen fleißig mit Bodylotion eingecremt. Und auch noch super dokumentiert.
    Ebenso gab es eine gut dokumentierte Hautrötung am Unterschenkel, die aber nur wenig Schmerzen verursachte. Das laut BVO verordnete Novamin wurde erfolgreich gegen den Schmerz verabreicht. Und auch da kam nach einigen Tagen der Bestatter, nachdem der Bewohner plötzlich keine Luft mehr bekam und verstarb.
    Wenn ein Aneurysma bereits diagnostiziert wurde, hat ein hoher Puls, niedriger Blutdruck und allgemeine "Schwäche" eigentlich nichts Gutes zu bedeuten. Wenn man dann davon ausgeht, das der Bewohner nur zu wenig getrunken hat und wir ihn erstmal "auffüllen" mit BVO-s.c.Infusionen, dann gehen sehr viele kostbare Stunden verloren, bis es dann zu spät ist. Das lässt sich echt weit fortführen.

    Und jetzt glaube mal nicht, das von all diesen Dingen die Fachkräfte keine Kenntnis hatten. Es waren immer, leider schlecht ausgebildete, Fachkräfte am Werk.
    Die Ausbildung von PFK´s ist wirklich schlecht geworden. Ich habe das Gefühl, das da alles irgendwie durchgezogen wird. Die können eigentlich fast nichts dafür, das sie so schlecht ausgebildet werden, außer sich selbst weiter fortbilden.
     
  14. Das sind über 10 Jahre Schlamperei und politische Fehlentscheidungen, da wird man ga nix kurzfristig verbessern können.
    Die Panikreaktionen Weltweit Pflegepersonal ab zu greifen, ist abgesehen davon das es im höchsten maße Asozial ist, denn die Pflegekräfte fehlen dann in den Ländern aus denen sie kommen, auch nicht sinnig.
    Das ist bisher immer nach hinten los gegangen und es wird jetzt im großen Stiel nach hinten los gehen.
    Es wird nichts anderes übrig bleiben, als erstmal angemessene Gehälter zu zahlen, denn ganz ehrlich, ich bin zwar Pfleger aus Überzeugung, möchte auch nichts anderes machen, aber unter den heutigen Bedingungen würde ich die Ausbildung auch nicht machen.
    3 Schichten, im Höchsten maße anstrengende Arbeit, Physisch und Psychisch, für umgerechnet ein Taschengeld, von dem man weiß das man am ende seines Lebens nicht von der Rente wird leben können, in Kombination mit einem Gehalt bei dem man sich kaum ne anständige Zusatzrente wird leisten können.
    Ganz im Gegenteil, man darf in seiner üppigen Freizeit noch nen Nebenjob machen, damit man sich sein Leben leisten kann.
    Ich glaub jeder von uns kennt Leute die nach kürzester Zeit in den Sack gehauen haben und gesagt haben das sie nen anderen Job machen, qualifizierter Nachwuchs kommt kaum nach. (Überraschung, bei dem üppigen Gehalt, welches sie nach der Ausbildung erwartet ) Die Qualifizierten Pflegekräfte die noch da sind gehen in absehbarer Zeit in Rente......
    Manchmal frag ich mich einfach nur wie Dumm die Verantwortlichen in der Politik eigentlich sind.
    Als Regierungspolitikern sollte man sehr weit in die Zukunft planen können........
    OK, Qualifikation ist in der Politik schon seit Jahren keine Grundvoraussetzung mehr :)
     
    Cutter gefällt das.
  15. Die sind doch nicht dumm.
    nehmen wir mal die 18000 PFK die uns versprochen wurden. Du kannst einen einstellen, Er darf aber nicht der Fachkraftquote angerechnet werden.Und welche Einrichtung kann sich das leisten ? Erstmal ist es wichtiger die eigene Fachkraftqoute zu erfüllen um wirtschaftlich arbeiten zu können.

    Gruss Silversurfer
     
  16. Soweit ich weiß sind es 13.000 Stellen zusätzlich.
    Offene Stellen sind insgesamt 36.000. Um zusätzliches Geld vom Topf des Personalstärkungsgesetzes zu erhalten muss ich nachweisen, dass ich den verhandelten Personalrahmen bereits erfülle...was bei 36.000 unbesetzten Stellen für kaum ein Haus zutreffen dürfte. Dann brauchen wir noch 13.000 zusätzliche Fachkräfte...also insgesamt 49.000 Fachkräfte, damit die Pläne der Regierung aufgehen.

    Das Personalstärkungsgesetz ist eine genauso große Augenwischerei wie die Pflegestärkungsgesetze und fällt in das Raster "Wilder Aktionismus nach jahrelanger Lethargie."

    Fazit ist also, dass mir als konkrete Einrichtung dieses Gesetz kaum etwas hilft.
     
    silversurfer und Cutter gefällt das.
  17. Im Grunde wird der Personalschlüssel bei unauffälligen Heimen 1x jährlich überprüft. Bei auffälligen Heimen im Rahmen von Regelprüfungen und anlassbezogenen Prüfungen kommt es häufiger zu Personalunterschreitungen. Leider muss gleichzeitig eine tatsächliche Gefährdung des Bewohners vorhanden sein. In dem Rahmen finde ich es spannend, dass das WTG in NRW gerade geändert werden soll und die Prüfung der Ergebnisqualität aus der Regelprüfung heraus genommen wird.
    Ein Schelm, der böses dabei denkt!

    Und da sind wir dann vielleicht wieder bei dem Eingangsthema "Fachkraftquote" und "Einsatz von Hilfskräften":
    Anstatt intensiv zu schauen, ob neue Wege in der Altenpflege durch niedrigere Fachkraftquoten vielleicht mit guten Konzepten doch möglich sind und die Qualität intensiv zu überprüfen und zu sichern durch unabhängige Prüfinstanzen, lässt man die Prüfungen einfach hinten rüber fallen, nach dem Motto: "Wo kein Kläger, da kein Richter".
     
    Cutter gefällt das.
  18. Wollen wir hoffen, das es in NRW nicht rausgenommen wird. Andere Länder würden nachziehen. Eine furchtbare Vorstellung.
     
    resigniert gefällt das.
  19. @Cutter , doch, das wird kommen! Auch wenn die Heimaufsichtsbehörde, soweit ich weiß, diese Gesetzesänderung sehr kritisch sehen.
    Ich bin gespannt, wie zukünftig die Zusammenarbeit mit dem MDK laufen wird. Dieser entscheidet dann, wie stark die Gefahrdung der Bewohner ist und informiert die Heimaufsichten.
     
  20. @Menschenkind
    Das hört dich nicht gut an. Gar nicht gut :(

    Danke für Deine wirklich guten Erklärungen. Es ist immer wieder gut an die eigentlich korrekten Handhabungen erinnert zu werden. Die Gemüter waren zwischendurch wohl etwas erhitzt. Bei mir ist wieder alles schicki ;)

    Mal sehen wohin uns der Weg in den kommenden Jahren führt ...
     
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