Durchführungsnachweise bei Lagerungen zur Dekubitusprophylaxe

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Care2000

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@Michi1701
In diesem Zusammanhang verweise ich auf den Expertenstandard (siehe P2:"gewährleistet auf der Basis eines individuellen Bewegungsplanes sofortige Druckentlastung..."; und E2: "Ein indivueller Bewegungsplan liegt vor"). Das heißt die Intervalle und Lagerungsarten sind zu planen und die Durchführung muss nachvollziehbar sein!
 
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Mit der Vorplanung von Positionswechseln kann dies von Aufsichtsbehörden negativ ausgelegt werden, da die Individualität des Bewohners hier nicht mehr gegeben ist. Ein Positionswechsel ist halt keine "Immer-so-Maßnahme"
Diese Aussage ist falsch. Gerade wenn die Lagerung nicht geplant ist gibt es Maßnahmen. Ich zitiere hierzu die aktuelle Prüfanleitung PTVS in der Fassung 2014: "Ausfüllanleitung zu 11.8:
Die Frage ist mit „Ja“ zu beantworten, wenn bei dekubitusgefährdeten Bewohnern individuell
- angemessene Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe wie z.B.
- haut- und gewebeschonende Lagerung und Transfertechniken,
- Maßnahmen zur Bewegungsförderung
- ggf. Beratung der Bewohner bzw. ihrer Angehörigen hinsichtlich der Risiken und
Maßnahmen in der Pflegeplanung berücksichtigt sind sowie die Durchführung in der Dokumentation unddurch Inaugenscheinnahme erkennbar ist.
Die sachgerechte Durchführung der Dekubitusprophylaxen ist z.B. daran erkennbar, dass die aktuelle Lagerung der Planung entspricht, notwendige Hilfsmittel eingesetzt werden und ordnungsgemäß zum Einsatz kommen. SofernZweifel an der Beurteilung des Kriteriums bestehen, werden ergänzend das Pflegepersonal und die Bewohner befragt"

Weiche ich von der Planung ab, ist dies zu begründen!!! MIT der SIS gibt es keine neuen Anforderungen, die auch den anderen Pflegedokumentationsystemen abverlangt wird. Auch hier kann man sämtliche Assessment herausnehmen und alles analog zun den DQNP Expertenstandard auf pflegefachlicher Basis beurteilen!
 
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Ich habe ja selber die MDK Stellungnahme zum Strukturmodell auf der erste Seine online gestellt, dort kann man auf Seite 25 und 4.3.1 dazu nachlesen. Die Frage ist aber doch, gibt es eine Rechtsvorschrift dazu, oder beraten hier spröde Juristen, ängstliche Fachkräfte, die auf Nummer Sicher gehen wollen, weil es um 2000 mal ein Urteil nach entstandenem Dekubitus gab, wo eine Einrichtung in die Beweislastumkehr gehen musste und dann den Prozess verloren hat?

Ich gehe davon aus, dass der Expertenstandard die verbindliche Grundlage für uns darstellt, und somit liegt doch das Gewicht auf einer guten Planung. Natürlich trauen wir uns auch nicht den ganz großen Sprung, sondern machen erst einmal einen Kompromiss um die Durchführung nicht nur der im Moment der Begehung vorgefundenen Stimmigkeit zwischen Planung und Lagerung zu überlassen.

Jeder Mitarbeiter, der im Rahmen der Bezugsgruppenpflege einem Bewohner zugeteilt wurde, macht am Ende seiner Schicht ein Handzeichen in der Dokumentation und bekundet damit seine Durchführungsverantwortung. Wir haben eine entsprechende Verfahrensanweisung geschrieben und geschult. Wenn ein Mitarbeiter einen kurzen Dienst hatte, muss der Kollege mit dem langen Dienst eine zweite Unterschrift machen.

Ein Kompromiss, den ich zwar inkonsequent finde, den unsere Pflegedienst- und Hausleitung aber mitgetragen hat.

Das bei einem individuellen Bewegungsplan die Individualität des Bewohners verloren geht, denke ich nicht, im Gegenteil. Die Durchführungsnachweise die in den meisten Einrichtungen vorliegen bedienen die Individualität der Mitarbeiter und Abläufe auf den Wohngruppen und entbehren meiner Erfahrung nach, eine überlegten und mit dem Bewohner besprochenen Planung. Natürlich geht auch eine gute Planung und Einzelnachweise. Wer kann denn sagen, dass sie in seinem Bereich immer Lückenlos geführt sind?

Sollte es durch den MDK zu einer schlechten Beurteilung dieses Aspektes kommen, wird sich zeigen ob wir dagegen angehen und versuchen einen neuen Präzedenzfall zu schaffen, oder nicht. Ich werde in jedem Fall von unserer ja bald anstehenden MDK Begehung berichten und ggf. bei Erfolg auch die Verfahrensanweisung online stellen, so das meine Betriebsleitung zulässt.
 
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Danke @ Care2000
 
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Ich wollte nur deine Aussage Richtig stellen! Was Sinn macht war nicht gefragt... Insgesamt finde jedoch die Expertenstandard ein Schritt in die richtige Richtung: Weg von den (blöden, stupiden) Assessment, hin zur pflegefachlichen Einschätzung! Besonders im Bereich zu der Feststellung des erhöhten Sturzrisikos genutzten Assessmentinstrumenten, kam doch eigendlich fast immer ein Sturzrisiko heraus. Warum sollte ich dann ein Assessment machen wenn das Ergebnis schon festliegt?

Hinsichtlich der Bewertung lässt die PTVS und auch die PTVA keine Spielräume zu, es sei die Abweichung von der Planung wird argumentiert bzw. begründet! Bei einer Stellungnahme hätte man aus meiner Sicht kein Erfolg, weil die PTVS hier eindeutig ist.
 
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@Care2000 Es geht mir um eine Lagerungsplanung die 365 Tage im Jahr (überspitzt gesagt) eine 14:00 Uhr Linkslage und eine 16:00 Uhr oder 17:00 Uhr Rechtslage usw darstellt. Dies hat mit der Individualität des Bewohners nichts zu tun. Wenn Positionswechsel so vorgeplant sind und sich daran nichts ändert, weil sie nicht abgezeichnet oder dokumentiert werden, ist dies nicht individuell sondern Bequemlichkeit des Pflegepersonals. Man kann bei einer solchen Planung die Individualität der Bewohner nicht mehr darstellen, wenn sie nicht mehr individuell geführt wird. Das Pflegepersonal muss je nach Situation und Hautzustand entscheiden, ob um 14:00 Uhr die Linkslage wirklich die korrekte ist um die Entstehung von Hautdefekten zu vermeiden. Das kann sie bei der Vorplanung 10 Tage vorher nicht wissen, sondern muss individuell zum Zeitpunkt des Positionswechsel entscheiden ob nun die linke Seite oder doch eher der Rücken für 14:00 Uhr die bessere Lagerung ist und dies muss nachvollziehbar dokumentiert werden. Desweiteren kann es in einer Prüfsituation dazu kommen, dass der Mitarbeiter der den letzten Positionswechsel durchgeführt hat eine links-rechts-Schwäche hat und somit die tatsächliche Lagerung nicht der Vorplanung entspricht und dann wird's komisch.


Ich finde es schon ein echt spannendes Thema

@Wärter ich bin echt gespannt was bei eurer MDK Begehung raus kommt. Ich denke, dass es hier auch sehr auf die Prüfer und auch auf die Argumentation eurerseits ankommt.
 
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Care2000

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@Michi1701 Ich kann ja deine Argumentation teilweise nachvollziehen, jedoch ist bzw. sind die Vorgaben eine andere! Die Vorgabe/Planung müsste dann leider aus meiner Sicht immer wieder angepasst werden...

@Wärter Ich würde nicht warten bis der MDK zu Prüfung kommt, sondern den MDK vorab mit ins Boot nehmen und beispielsweise eure Konzeption vorher prüfen lassen. Diese Möglichkeit bietet der MDK ja an!

Kollegiale Grüße
 
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Michi1701

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@Care2000 Wenn das im richtigen Leben so klappen würde, wäre das auf jeden Fall OK, aber leider zeigt die Erfahrung was anderes. Wenn es bei euch funktioniert ist das auf jeden Fall super

Ich wünsche ein schönes Wochenende
 
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So, nun endlich war der MDK bei uns und hat bei einem Bewohner bei bestehendem Dekubitusrisiko die Lagerungsplanung überprüft. Es gab keine Einzelnachweise, sondern „nur“ eine Unterschrift pro Schicht für die Durchführungsverantwortung der ausformulierten Lagerungen.

Es gab keine Beanstandung. Dazu muss man nun sagen, es war ein Prüfer, ich denke auch nicht so erfahren, aber …. Wir werden uns natürlich nun bei der nächsten Prüfung der Heimaufsicht (die sich ja dabei gerne auf den MDK bezieht) darauf berufen.
 
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Nach einer stimmigen und fachlichen Begründung kannst du da lange suchen, die gibt es nicht. Wohl aber die Befürchtung im Falle einer Klage bei Dekubitus in die Beweislastumkehr zu kommen, und auf Grund der alten Gerichtsurteilen zu verlieren. Diese Flanke will die Regierung sich beim Strukturmodell nicht aufmachen und geht (wie so viele PDLs und QHBs ..... ja nachollziebar) auf Nummer sicher. Für uns ist dieses auf jeden Fall erst einmal die Bestätigung so weiter zu machen, und wir werden uns bei künftigen Überprüfungen auf den Fall beziehen.
Der entscheidende Punkt war aber wohl neben der Planung die eine Unterschrift pro Schicht für die Durchführungsverantwortung aller Lagerungen bei diesem Bewohner. Ich nenne es mal einen akzeptablen Kompromiss.
 
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Hallo Wärter ich finde euer Verhalten sehr gut und auch konsequent. Wir sind auch gerade in der Umstellungsphase und ich finde es sehr spannend.

sophie
 
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