Information ausblenden
Tipp: Für registrierte Mitglieder ist das Forum (fast) vollständig werbefrei.

Drohende Gefahr, Angehörige reagiert nicht

  1. Hallo,
    Seit längerem beobachte ich folgende Situation:
    Mann hat zunehmende Demenz. Frau hat lange gebraucht um die Tatsache an sich zu erkennen. Angehörige wohnen weit weg, rufen regelmäßig an. Frau vermittelt ihnen, dass alles in Ordnung sei. Angehörige haben zunehmend den Eindruck, dass die es nicht im Griff hat. Wenn sie es ansprechen, wird abgelenkt bzw. auf gute Zeiten verwiesen. Es kam bereits einmalig zu einem Beinahe-Verkehrsunfall.
    Entlastende Hilfen wie Tagespflege werden durch die Frau nur widerwillig angenommen und teilweise abgesagt.
    Nun droht die Sache zu eskalieren: der Mann wird bei bestimmten Triggern sehr aufbrausend, zeigte nun (angeblich erstmalig) in Anwesenheit der Kinder aggressives Weglaufverhalten. Die Frau steht hilflos daneben, ist ihm körperlich nicht gewachsen, hat keine Handlungsstrategien (ausser Augen vor der Situation zu verschliessen).
    Meine Frage: welche Möglichkeiten haben Angehörige wenn die unmittelbare Pflegeperson mauert?
    Was ist, wenn etwas passiert, gibt es Stellen, die jetzt einbezogen/vorgewarnt werden sollten (Z. B. Meldung an Versicherung, dass hier eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Schadensfall droht)?
    MUSS gehandelt werden oder kann man es mit Verweis auf die Frau die die Vorsorgevollmacht (an 1. Stelle, vor den Kindern) „laufen“ lassen?
    An wen würde man sich überhaupt wenden können?
    Ein Pflegeheimplatz wird von der Frau abgelehnt. Beim Mann ist zu vermuten, dass er im Heim wegläuft.
    Vielleicht habt Ihr ja Ideen, was man machen könnte. vielen Dank fürs lesen und antworten!
     
  2. Oha, das sind viele Fragen auf einmal. Aber die Situation ist ja auch komplex.

    Es gibt also eine Vorsorgevollmacht. Sowas greift immer dann, wenn der zu Versorgende nicht mehr selbst entscheiden kann. ZB Bewußtlosigkeit/Koma/psychische Auffälligkeiten mit Eigen-oder Fremdgefährdungen oder eben auch Demenz, wenn diese von einem Arzt diagnostiziert ist. Dann sollte geprüft werden, was genau in der Vorsorgevollmacht steht. Ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht erwähnt? Das Aufenthaltsbestimmungsrecht wird angewendet, wenn jemand gegen seinen Willen in einer Einrichtung untergebracht werden soll.

    Ich vermute mal stark, das, wenn man mit diesen Fragen an die Ehefrau und Ehemann herantritt, wird die Situation frickelig. Die Ehefrau scheint den Ernst der Lage nicht zu erfassen, denn wenn es wirklich Demenz ist, dann wird es in Zukunft nicht besser, sondern schlimmer, für alle Beteiligten. Der Verlauf der Krankheit ist eine Einbahnstraße. Man wird Lösungen finden müssen, die eine Linderung der Sorgen und Nöte der Beteiligten bringen.
    In so einer Situation würde ich zunächst den Hausarzt mit ins Gespräch bitten oder einen Neurologen/Psychologen, der ggf die Mitbehandlung des an Demenz erkrankten Mensch übernimmt.
    Mit dem Arzt oder Ärzten und der Ehefrau kann man einen Weg für die Zukunft festlegen, der kurz- mittel- und langfristige Optionen beinhaltet. Ich vermute jetzt einfach, das der betroffene Ehemann zwar mit einbezogen werden könnte, diese Optionen aber nicht mehr vernünftig umsetzen kann. Es sind jetzt eben die Angehörigen an der Reihe, das Beste für ihn zu entscheiden.

    Mit Tagespflege kann man die Ehefrau gut entlasten. Die Betreuung eines an Demenz erkrankten Menschen kann extrem anstrengend sein. Hier würde ich kurzfristig schauen, das eine konsequente Regelmäßigkeit in der Betreuung eintritt. In einer für gesunde Menschen langweiligen Routine findet ein an Demenz erkrankte Mensch Halt/Sicherheit und Geborgenheit. (Damit meine ich jetzt nicht das Tagespflege langweilig ist! sondern die Tagesabläufe möglichst immer gleich sind.)

    Die Versicherungen brauchen mE nicht bemüht werden.

    Ich habe viele Jahre in der ambulanten Pflege gearbeitet und sowas oft gesehen. Man sollte, so lange es geht, die betroffenen Menschen in ihrer gewohnten Umgebung behalten. Aber letztlich bricht der Pflegende irgendwann ein. Meist sind es eben die Ehepartner, welche dann auch ihre eigenen körperlichen Gebrechen haben oder entwickeln und irgendwann vollkommen überfordert sind (wegen der Einbahnstraße). Die Entscheidung zu treffen, einen geliebten Ehepartner, dem man Treue geschworen hat (in Guten wie in schlechten Zeiten), in eine Einrichtung zu fremden Menschen in die Obhut zu geben, ist meist extrem schwer und belastend.
    Aber auch befreiend. Und das gibt Kraft.
    Der kranke Mensch wird erstmal in ein Loch fallen. In so einer Einrichtung/Altenheim ist er vollkommend fremd, kennt niemanden. Das Essen schmeckt anders, der Tagesablauf ist anders, die Seife riecht anders, fremde oft nervende Leute rennen da rum, alles verwirrend. Aber er wird sich daran gewöhnen und Halt finden. In unserer Einrichtung sagen wird dann: Er ist angekommen.
     
  3. Hallo marioluigi, manchmal ist es gut, klein anzufangen. Heißt, zuerst den Zugang zu dem Auto verhindern. Viele Tagespflegeeinrichtungen und Seniorenbegleitbüros haben Informationsblätter ausliegen. Damit sollte man sich als Angehörige beschäftigen. Das wirkt manchmal mehr als ein gutes Zureden durch Bekannte.
    Warten, bis ein Versicherungsfall aus der Autofahrt wird, ist nicht zielführend. Einsichtige Angehörige verstecken den Autoschlüssel und versuchen gar nicht erst, da lange zu debattieren. Die Tagespflege an sich ist ja auch eine gute Einrichtung. Wenn es da eine Möglichkeit gibt, wäre das sicher für einen oder paar Tage empfehlenswert.
    Heim ist sicher die Lösung nur, wenn es nicht anders geht. Klar würde derjenige dort weglaufen. Je nach Demenzgrad muss man dann überlegen, ob ein sogenannter beschützter Bereich sinnvoll ist. Wir sagen ja seit Jahren schon nicht mehr Weglauf- sondern Hinlauftendenz. Weil die meisten Menschen mit Demenz gar nicht ein bestimmtes Ziel haben. Und dieses auch nicht finden. Meist ist es eher der Bewegungsdrang. Denn viele sind zu Hause, obwohl sie da ja zu Hause sind, auch weggelaufen. Das kann besonders im Winter gefährlich werden. Ob ein Angehöriger ganztägig immer aufpassen will und selbst dann kaum das Haus verlassen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wie schon beschrieben, oftmals fehlt ja von den Angehörigen die Einsicht, dass der Partner dement ist und nicht nur ein bisschen schusselig.
    Über das Einleben im Heim hab ich eine spezielle Meinung. Und zwar, dass viele Angehörige einfach zu lange warten, bis gar nichts mehr geht. Dann wird ein Einleben aber noch schwerer. Es ist gar nicht so verkehrt, sich damit zu befassen, mal ein Heim anzuschauen.
     
  • Wenn dir die Beiträge zum Thema „Drohende Gefahr, Angehörige reagiert nicht“ in der Kategorie „Altenpflege“ gefallen haben, du noch Fragen hast oder Ergänzungen machen möchtest, mach doch einfach bei uns mit und melde dich kostenlos und unverbindlich an: Registrierte Mitglieder genießen u. a. die folgenden Vorteile:
    • kostenlose Mitgliedschaft in einer seit dem Jahr 2000 bestehenden Community
    • schnelle Hilfe bei Problemen und direkter Austausch mit über 40.000 Mitgliedern
    • neue Fragen stellen oder Diskussionen starten
    • Alben erstellen, Bilder und Videos hochladen und teilen
    • Anzeige von Profilen, Benutzerbildern, Signaturen und Dateianhängen (z.B. Bilder, PDFs, usw.)
    • Nutzung der foreneigenen Schnackbox (Chat)
    • deutlich weniger Werbung
    • und vieles mehr ...
     
  • Hinweis: Sollte hier extremistisches oder fremdenfeindliches Gedankengut verbreitet oder der Tenor der Diskussion inakzeptabel werden, dann informiere uns bitte über den Button "Melden", den Du in jedem Beitrag findest. Vielen Dank!
    Die Seite wird geladen...

    Diese Seite empfehlen