Drogenentgiftung

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Noddie

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Hallo
bei uns soll eine neue Station eröffnet werden, halb offene Drogenentgiftung. Also jeder kann raus aber nicht rein. Dort sollen z.B. Leute vor Therapie, Schwangere, Amphetamin und Canabisabhängige entgiften. Genaues ist noch nicht klar.
Meine Frage wer hat mit einer halb oder offenen Entgiftung Erfahrung.
Wie ist euer Programm, Pflicht ? Punktesystem oder Stufenprogramm. Was bietet ihr an, was ist Pflicht ,ect,ect .Also alles was ihr wisst :eek:riginal:.
Bin Neugierig.
Vielen Dank für euere Hilfe
Noddie
 
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Stell. Stationsleitung/Fachschwester für Suchterkrankungen
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TheWookie

TheWookie

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27.10.2010
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AW: Drogenentgiftung

Hallo Noddie,

ich arbeite im halboffenen Drogenentzug. Ich kann dir zuerst einmal nur ganz allgemeine Eckdaten unseres Programmes nennen, konkrete Detailfragen dazu entstehen dann vielleicht später:

Wir arbeiten auf grossteils eigenverantwortlicher Basis, deshalb ist auch die Teilnahme an den meisten unserer Angebote freiwillig. Lediglich die Teilnahme an der täglichen Morgen- und Abendgruppe ist Pflichtprogramm.
Aktivitäten- und Therapieangebote sind Spaziergänge, Ausflüge an den Wochenden, Kochgruppen, Sporttherapie wie Fitness, Joggen, Klettern, Ergotherapie (BT), sowie kognitives Training. Saunagänge nach ärztl. Rücksprache.

Desweiteren bieten wir entzugsbegleitend Suchtakupunkur nach NADA, Akupressur und Moxabustion an.

Ausgang haben die Patienten in der ersten Woche generell nur in Begleitung von Personal, es kann aber nach einer Woche Antrag auf Ausgang mit Mitpatienten (die bereits eine Lockerung haben) gestellt werden. Ob dieser genehmigt wird, hängt u.a. davon ab, ob bereits am Behandlungsprogramm teilgenommen wurde, ob Absprachefähigkeit gegeben ist und ob die Werte im Urin passen.

Pflegepersonal und Sozialpädagogen der Drogenhilfe arbeiten zusammen im Stationsteam im Schichtdienst, so dass pflegerische, medizinische und soziale Unterstützung eng ineinander greifen.

Desweiteren arbeiten wir mit Rückfällen, sprich es erfolgt nicht zwangsläufig eine Entlassung deswegen. Es wird individuell entschieden, ob und unter welchen Vorausstzungen eine Weiterbehandlung sinnvoll ist.

Es gibt eine verbindliche Stationsordnung, mit der sich die Patienten zu Behandlungsbeginn schriftlich einverstanden erklären.
Gewalttätige Übergriffe oder deren Androhung führen zur sofortigen Entlassung.

Das war mal ein kleiner, erster Einblick.
Weitere Fragen, auch inhaltlich beantworte ich gerne.

-Wookie
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger / Praxisanleiter
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niedrigschwelliger Drogenentzug
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Noddie

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AW: Drogenentgiftung

Hallo Wookie,
Danke. Das die Sozialpädagogen mit im Schichtdienst sind hatten wir auch mal, das war klasse wird es aber nicht mehr geben.Das mit den Rückfällen find ich interessant ,werd ich in der nächsten Besprechung mal anbringen ( hoffe ich komme da Lebend wieder raus ). Den einige sind dieser Station sehr negativ gegenüber eingestellt. Zum Glück sindwir ja erstmal nur in der Planung,
Wie sieht das kognitive Training bei Euch aus, arbeitet ihr mit einem Programm ??
Dank Dir im Vorraus
Noddie
 
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Stell. Stationsleitung/Fachschwester für Suchterkrankungen
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Drogenakutstation
TheWookie

TheWookie

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27.10.2010
87600
AW: Drogenentgiftung

Über das kognitive Training kann ich dir im Augenblick noch nicht viel sagen, da es bei uns gerade seit 2 Wochen am anlaufen ist. Wir haben eine neue Ergotherapeutin die das für unsere Station anbietet aber ich kann mich die Tage gerne mal schlau machen und dir dann nochmal Bescheid geben.

Was kam denn bisher bei der Planung heraus? Schon eine grobe Richtung erkennbar?

-Wookie
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger / Praxisanleiter
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niedrigschwelliger Drogenentzug
Schwester Christa

Schwester Christa

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10.03.2007
Heilbronn
AW: Drogenentgiftung

Hallo Noddie,

auch ich arbeite auf einer teilgeschlossenen Station im niederschwelligen Drogenentzug. Gleiches Prinzip: wer gehen will, kann gehen (vorausgesetzt, es sprechen keine akuten medizinischen Gründe dagegen und er ist nicht untergebracht); wer rein will hat idealerweise einen Termin ausgemacht. Allerdings bekommen wir auch Akutaufnahmen, wenn´s sein muss rund um die Uhr. Das weicht das elektive Konzept natürlich ziemlich auf.

Wir bieten den Klienten jeden gewünschten Entzug an: warm, lauwarm, kalt; auch Teilentgiftungen sind möglich.

Sozialdienst ist in Kernzeit 4 Tage die Woche da; zwei Stationsärzte. Ergotherapie, Bewegungstherapie (KEIN Sport!)
Von pflegerischer Seite bieten wir drei Entspannungsgruppen an, von denen sich die Klienten eine verpflichtend auswählen müssen: Akupunktur nach NADA, PMR nach Jacobson oder Duftmeditation.
Seit Juli haben wir auch eine Psychoedukationsgruppe am Start, die vom Pflegeteam entwickelt und durchgeführt wird
Unsere Spezialität ist aber die Aromapflege. Wir bieten Bäder, Massagen, Einreibungen, Auflagen etc. an im Rahmen der Phyto-Aromapflege. Wir haben eine ausgebildete Aromaexpertin auf Station, die die ganzen Mischungen selbst anfertigt.

Schwangere werden bei uns im Übrigen nicht entgiftet! Alle üblichen Bedarfsmedikamente sind tendentiell fruchtschädigend. Daher legen wir betroffenen Klientinnen nahe, das Kind auszutragen und es dann in der Kinderklinik gleich zu entgiften. Das klingt hart, ist für das Kleine aber immer noch verträglicher (laut unseren Medizinern).
Rückfälle auf Station führen zu sofortiger Entlassung, ebenso Gewaltandrohung bzw. -anwendung. In diesen Fällen werden auch Aufnahmesperren und Hausverbote bis zu einem halben Jahr ausgesprochen.

Wir haben Kooperationsverträge mit zwei Therapieeinrichtungen, die sich im wöchentlichen Wechsel auf Station vorstellen. Unregelmäßig kommen auch Selbsthilfegruppen zur Vorstellung.

Unsere Station ist auch noch relativ jung (seit 2004), das ursprüngliche Konzept wurde mehrfach überarbeitet und korrigiert. Es ist meiner Ansicht nach unwahrscheinlich, dass in diesem Vereich jemand auf Anhieb den "perfekten Wurf" hinbekommt.

Für weiteren Austausch stehe ich hier gerne zur Verfügung...
 
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Fachkrankenpfleger f. Psychiatrie
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Niederschwelliger Drogenentzug
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Noddie

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AW: Drogenentgiftung

Danke ihr beiden,
@ Schwester Christa,
so wie Du beschrieben hast ist unsere jetzige Station. Wer gehen will darf gehen . Wobei wir uns auf Schwangeren Entgiftung spezialisiert haben. Bei dehnen die es durchgezogen haben hat es auch gut geklappt. Dauert natürlich sehr lange.

@ Schwester Christa , @Wookie

die neue Station soll auf jedenfall Canabis-, Amphetamine- und Koksabhängige Entgiften.
Das dort (im Gegensatz zu unserer Station) die Patienten ausgang haben. Das ist eigentlich das fast fest steht , alles andere wird noch bearbeitet. Was z.B. von unserem Klientel dort entgiften kann, es sollen Arbeitsgruppen gebildet werden. Ich laß mich überraschen.
Habe durch Euch einige Anregungen bekommen.

Danke ,wenn Euch noch was einfällt schreiben:grin:
Ruhigen Dienst
Noddie
 
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TheWookie

TheWookie

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27.10.2010
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AW: Drogenentgiftung

die neue Station soll auf jedenfall Canabis-, Amphetamine- und Koksabhängige Entgiften.
In der Praxis habe ich oft erlebt, dass seitens der Krankenkassen Cannabismissbrauch alleine einen stationären Aufenhalt nicht rechtfertigt und somit nicht bezahlt wird.
Erst wenn Doppeldiagnosen ins Spiel kommen, bspw. Psychosen, Depressionen, etc, bzw. nach ärtzlicher Begründung der Notwendkeit können wir stationär behandeln.
Am Rande eventuell interessant für dich.
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger / Praxisanleiter
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niedrigschwelliger Drogenentzug
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Noddie

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AW: Drogenentgiftung

Hi Wookie,
so ist das bei uns auch , es geht hautsächlich um Cannabisabhängige mit Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen. Bisher wird dieses Klientel auf unserer offenen Alkoholentzugsstation mit behandelt ,aber es werden immer mehr und dort haben Sie für dieses Klientel nur 2 Betten. Bei uns auf der Station können sie nicht behandelt werden da sie dort nur den Umgang mit harten Drogen lernen, wir haben es früher mal gemacht und sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Für die "einfachen " Canabisabhängigen haben wir die Ambulanz und eine Spezielle Cannabisgruppe.
Krankenkassen sind bei mir im Moment nicht sehr im Kurs :blink:, wenn Du die Leute endlich körperlich entgiftet hast ,raus ,nix mehr mit Rückfallprofilaxe ect. Bei einigen weis das man ihn bald wieder sieht weil er noch voll Kopfkino fährt. So genug geknatscht ,aber heute war ein schwerer Tag.
Alles liebe
Noddie
 
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Schwester Christa

Schwester Christa

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10.03.2007
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AW: Drogenentgiftung

N´abend zusammen!

Cannabisentgiftungen sind hier bei uns (BaWü) kein Problem. Haben wir zwar nicht so häufig (Schwerpunkt sind Heroin, Methadon, Subutex, Benzos), kommt aber auch vor.
Liegt m.E. daran, dass die Cannabiskonsumenten bei den Abhängigkeitserkrankten eine gewisse Sonderstellung haben. Die "einfachen Kiffer" werden von den "harten Junkies" nicht für voll genommen.
Andererseits haben viele Kiffer die gleiche Einstellung wie viele Raucher: wenn ich denn wollte, KÖNNTE ich ja jederzeit alleine aufhören. Für sowas muss ich doch nicht in eine Klinik.

Das Problem: Diejenigen, die bis dahin wirklich nur in ihren Hanfzirkeln unterwegs waren, lernen auf so einer Entgiftungsstation evtl. Sachen, auf die sie von selbst gar nicht gekommen wären.

@Noddie: Rückfallprophylaxe in der akuten Entgiftung ist schwierig, aber möglich. Wir haben seit Juli ein entsprechendes Projekt unter meiner Leitung laufen und sind sehr zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen.
Die Rückfallprophylaxe wird dabei in einer psychoedukativen Gruppe angesprochen. Gerade die Cannabiskonsumenten sind dafür hervorragend geeignet, weil sie durch die lange Halbwertszeit des Stoffs längere Aufenthaltsdauern haben. Bei Interesse -> PN

Erst wenn Doppeldiagnosen ins Spiel kommen, bspw. Psychosen, Depressionen, etc, bzw. nach ärtzlicher Begründung der Notwendkeit können wir stationär behandeln.
Das ist die ewige Frage, die leider viel zu oft von irgendwelchen Stationsärzten anhand der Stationsbelegung entschieden wird - Hat der Klient primär ein Drogenproblem und in der Folge eine Psychose oder Depression entwickelt? Oder war die Schizophrenie zuerst da und er hat sich mit Cannabis selbst therapiert, weil unter Hanf die Stimmen im Kopf leiser werden.

Macht euch nicht zu viele Gedanken über Regelungen der Kassen. Seht zu, dass ihr als Team so eng wie nur möglich zusammensteht; dann kann man vieles abfangen, was von außen her nicht optimal geregelt ist. Das gilt vor allem für den Umgang mit den verschiedenen Berufsgruppen untereinander. Wenn Mediziner und Pflege hier nicht am gleichen Strang ziehen, könnt ihr den Laden gleich wieder dicht machen. Aber da erzähle ich euch wohl nix neues.

Was mich interessieren würde: Wie sind denn die Aufnahmekriterien bei euch, sprich: Wie kommt ein Klient zu euch?
Außerdem: Welchen Stellenwert haben Drogenscreenings bei euch?
 
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Noddie

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AW: Drogenentgiftung

Guten Morgen,
der Zusammenhalt im Team ist das wichtigste da gebe ich Dir recht, egal ob Druck von außen oder vom Klientel kommt.
Wir arbeiten mit einer Warteliste (leider). Klienten melden sich telefonisch an (oder schriftlich wenn Sie in der JVA sitzen).Müssen sich regelmäßig melden. Wenn wir den Klient noch nicht kennen wird er zu einem Info eingeladen ,dort wird ein Fragebogen ausgefüllt und ihm genau erklärt was auf ihn zukommt. Dann gibt es noch die Möglichkeit eines Notinfos ( bei Krisen) der Arzt entscheidet ob direkte Aufnahme. Tja und dann gibt es noch die Pflichtversorgung, also Unterbringungnach Psych.K.G. oder Betreuungsbeschluß.
Drogenscreenings haben bei uns einen hohen Stellenwert , erstens bei Aufnahme da unser Klientel ja nicht immer ganz so wahrheitsliebend ist. Wir machen ca. alle 2-3 Tage ein Screening.
Muß dazu sagen das wir in der Klinik das Labor haben und unser Apotheker mit führend ist was Screening betrift. Die sagen uns ob neue oder alte Metaboliten da sind. Ehe Sie uns sagen das ein Rückfall da ist untersuchen sie den Urin mehrfach.
Alles liebe
Noddie
 
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AW: Drogenentgiftung

Was mich interessieren würde: Wie sind denn die Aufnahmekriterien bei euch, sprich: Wie kommt ein Klient zu euch?
Außerdem: Welchen Stellenwert haben Drogenscreenings bei euch?
Hallo.

Wir haben eine Aufnahmmekoordination, die von unserer Stationsassistentin geleitet wird. Dort melden sich die Klienten telefonisch an, bekommen dann einen Termin mitgeteilt, in der Regel innerhalb von 4-6 Wochen.
Dabei sind wir allerdings relativ flexibel, d.h. wenn angemeldete Patienten nicht am geplanten Aufnahmetag erscheinen, melden wir uns auch bei Personen auf der Warteliste und bieten frühere Termine an.
Ausserdem stehen wir in engem Kontakt mit den meisten Drogenberatungsstellen und Hilfeeinrichtungen, die uns auch den einen oder anderen Klient vermitteln.
Insgesamt versuchen wir flexibel auf die Situationen der Menschen zu reagieren, fragen bei schnellen Aufnahmewünschen aber auch sehr differenziert nach, so dass in dringenden Fällen meist auch eine schnelle Aufnahme stattfinden kann.

Notfälle und Einweisungen werden daneben natürlich auch wie in den meisten Kliniken üblich versorgt.

Aufnahmekriterien sind aufgrund des niedrigschwelligen Ansatzes nicht verbindlich festgelegt.
Wünschenswert ist eine Entgiftugsanschlussplanung (Kostenzusage für Th. vorhanden, bzw. Antrag gestellt), Dosisreduktion bei Substitution, aber eben keine verindliche Voraussetzung.
 
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