Drogen und die Polizei

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Zwariowany

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Hallo, ich grüße euch!
Ich möchte euch einen Sachverhalt schildern, der mich schon lange beschäftigt.

Fallbeispiel: Ein Patient lässt sich bei Verdacht auf Drogenbesitz im stationären Setting freiwillig durchsuchen und man wird fündig. Ganz klar, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Besitz Illegaler Drogen ist eine Straftat. Da sind wir uns alle einig. Aber was nun? Die BTM einfach mit einem oder mehreren Kollegen "vernichten" und gut ist? Oder die Polizei hinzuziehen damit dass zur Anzeige kommt und der Patient strafrechtliche Konsequenzen erfährt? Darf man das überhaupt (Stichworte: ärztliche Schweigepflicht, Datenschutzgesetz)?

Ich muss zugeben, dass ich nämlich ziemlich frustriert bin. Ich arbeite auf einer ursprünglichen Therapiestation, auf der nun alles Möglich ist. Zwischen akuten, untergebrachten Klienten, tummeln sich auch Menschen, die es schaffen, sich Illegale Drogen auf Station bringen zu lassen. Entweder im Einzelausgang bis das Drogenscreening anschlägt und der Ausgang gestrichen wird, durch Instrumentalisierung von Mitpatienten mit Einzelausgang, oder durch Knasttechniken (es wurden wohl bereits Schuhe aus dem Fenster hinunter gelassen und wie wir's von Nikolaus kennen, mit feinen Sachen aufgefüllt) wird das möglich gemacht.

Also nochmals: Müssen wir Pflegekräfte akzeptieren, dass Drogenbesitz auf Station keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht?
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
Erwachsenenpsychiatrie
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Igel77

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Wir haben es damals so geregelt: Im BTM-Fach eingeschlossen, Sicherheitsbeauftragten informiert, der hat es zur Polizei gebracht. Namen wurden nicht genannt.

Heute wäre ich vielleicht vorsichtiger und würde deine Frage mit einem klaren JA beantworten.

Der Besitz illegaler Drogen wird unterhalb einer bestimmten Grenze einfach nicht verfolgt - der sogenannte Eigenbedarf. (Wieviel das ist, variiert von Bundesland zu Bundesland.) Ich bin nicht sicher, ob die Aneignung von Drogen durch eine PK (wohlmöglich ohne Zeugen) nicht auch ein Diebstahlsdelikt sein könnte, illegaler Besitz hin oder her. Und, weiter drüber nachgedacht: Was ist, wenn der Betroffene lügt, er habe ursprünglich mehr gehabt als das Konfiszierte oder Du hättest Wertsachen verschwinden lassen? Gibt dein Arbeitsvertrag und Dein Drumherum es her, dass Du Aufgaben durchführen darfst, die hoheitlich Aufgabe des Landes sind?

Da würde ich systemisch und rechtlich Absicherungen wollen.

Zudem ist ja die Frage: Wenn illegale Drogen weiterhin konsumiert werden, trotz Verbot, was macht die Einrichtung dagegen? Einige Einrichtungen verwarnen und entlassen disziplinarisch. Andere halten die Klienten bis zum optimalen Entlassungszeitpunkt, ob es Sinn macht oder nicht, weil der Rubel rollen muss. (Beim Wort Auffangbecken tippe ich erstmal auf letzteres.)

Das nächste ist: Wenn es früher eine Therapiestation war (nach welchem Konzept? Was wurde da therapiert?) dann muss man überlegen, was an Konzepten noch funktioniert. Gegebenfalls müssen Schulungen her, ich empfehle die Koordinationsstelle Sucht in Münster. Auch hier muss die Einrichtung entscheiden, was sinnvoll ist.

Schließlich: Ist das Personal an die neue Situation angepasst worden? Ist es ausreichend? Was sagt der BR/PR zur Umgestaltung? Wie hoch ist die Quote kranker und gesunder Mitarbeiter im Team? Junger und Alter? Erfahrener und Neulinge? Freiwilliger oder "Zwangsarbeiter"? Wie ist das Verhältnis zum ärztlichen/psychologischen Bereich? Wie sieht es da mit Personal aus? Gibt es ausreichend Supervisionen und Teamfortbildungen?

Das gehört auch alles betrachtet.
 
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Psychiatrie
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