Dilemma im Pflegealltag

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N

Nephron

Liebe Leser, kennt ihr das?
Ihr beobachtet einen Kollegen auf Station, wie er Geld annimmt von Patienten, obwohl er weiß, dass das verboten ist. Was tun? Bei der Stationsleitung anschwärzen oder erst mal drauf ansprechen?
Kennt ihr ähnliche Dilemma im Pflegealltag?
 
B

BMG77

Mitglied
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20.01.2006
28201
Kommt darauf an wann er es bekommt und was er damit macht...

Bekommt er es bei der Entlassung und ist es explizit für ihn kann er es behalten, dann hat er es sich nämlich m. M. verdient.

Bekommt er es für die Kaffeekasse und steckt es selber ein würde ich ihn persönlich ansprechen.

Bekommt er Geld während der laufenden Behandlung, egal wofür, würde ich ihn auch ansprechen, das fände ich auch nicht in Ordnung dann Geld anzunehmen.

Ich habe auch schon divere Male geld als Dank bekommen. Während der laufenden Behandlung habe ich nie Geld angenommen aus diversen alsseits bekannten Gründen.

Wenn jemand gut mit einem Pat. umgeht und dieser meint bei Entlassung der Person ein Trinkgeld zukommen zu lassen ist das in Ordnung. Das sollte der Pat. dann aber explizit auch der Person zukommen lassen. Wenn mir jemand Geld zustecken wollte ohne das er gasgt hat das es nur für mich bestimmt ist habe ich es immer in die Stationskasse gegeben.

Das die Annahme von Trinkgeldern verboten ist halte ich für Unsinn unter genannten Voraussetzungen. Was haben die Pat. denn davon nach der Entlassung???

Aber der Neid ist in D halt Grenzenlos.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Daheim
F

Fleescha

Mitglied
Basis-Konto
01.08.2007
14979
Hallo,

ich kann mich da Chriss nur anschließen. Wenn mir jemand explizit für meine gute Arbeit bei Entlassung ein Trinkgeld gibt, nehme ich dies gerne dankend an. Nicht jedoch vor Entlassung!

Weiterhin wäge ich von Patient zu Patient ab, z.B. ob ich ihn mehrere Tage betreut habe (sich somit eine gewisse Beziehung aufgebaut hat) oder lediglich an dem Entlassungstag und ich das Gefühl habe gerade 'greifbar' zu sein...
Als Schüler sah ich es ebenfalls nicht ein 'Trinkgeld' was mir persönlich zugesteckt wurde abzugeben, da ich letztenendes nach einem 6 Wochenblock, oder einem Stationswechsel, nichts davon hatte... Aber wie schon gesagt, nur unter obigen Voraussetzungen...
 
Qualifikation
Gesundheits - & Krankenpfleger
Fachgebiet
Berlin/Brandenburg
Weiterbildungen
da gibt es keine Arbeitsgruppe... ;o)
A

access

Mitglied
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28.09.2007
41517
Das Annehmen von "Geschenken" wird sicherlich und unmissverständlich geregelt, entweder hausintern VA oder über tarifliche Bestimmungen.
Da gibt es auch keine situativen Unterschiede. s. Artikel unten
Geschenke annehmen erlaubt?

Bargeld, Champagner und Reisen sind tabu

Von Heiko Peter Krenz
Bestechungsskandale sorgen in der letzten Zeit immer wieder für negative Schlagzeilen. Viele Arbeitnehmer sind dadurch verunsichert, ob man Geschenke am Arbeitsplatz überhaupt noch annehmen darf oder ob man besser die Finger davon lassen sollte. Grundsätzlich gilt: Bei Geschenken von Kunden oder Geschäftspartnern muss genau hingesehen werden, was angenommen wird und was nicht. Kleine Aufmerksamkeiten, mit denen sich ein Geschäftspartner oder Kunde bedankt, sind zwar in der Regel kein Problem. So können Pralinen, Kugelschreiber oder Kekse ohne Bedenken angenommen werden. Einladungskarten zu Sportveranstaltungen oder der teure Wein sollten dagegen besser abgelehnt werden. Eine eindeutige gesetzliche Regelung gibt es jedoch nicht. Einen Richtwert aber schon: Geschenke bis zu einem Wert von 30 Euro sind regelmäßig problemlos.
Tabu sind auf jeden Fall Bargeld, Champagner, teure technische Geräte, eine Einladung ins Drei-Sterne-Restaurant oder Reisen. Vorsicht ist insbesondere dann angebracht, wenn die Geschenke vor die eigene Haustür geliefert werden - dies ist ein eindeutiger Bestechungsversuch.
Höflich ablehnen

Was sagt man aber dem Geschäftspartner, wenn er sich mit einem offensichtlich zu teuren Geschenk bedanken möchte? Wer auf Nummer sichergehen will, der muss das Geschenk freundlich ablehnen. Anders geht es leider nicht. Damit der Kunde nicht verärgert wird, sollte am besten auf bestehende Regelungen im Unternehmen hinweisen, welche die Grenze für Geschenke festlegen. Ansonsten sollte man sich für die entgegengebrachte Freundlichkeit bedanken, aber klarstellen, dass ansonsten der Job verloren gehen könnte. Schließlich sollte zum reinen Selbstschutz immer der Vorgesetzte informiert werden. Dann kann nichts schief gehen. Wer trotzdem nicht widerstehen kann, muss mit strafrechtlichen und arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen, etwa mit einer Abmahnung oder der Kündigung. Werden Geschenke als Bestechung im großen Umfang angenommen werden, droht sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

LG

access

P.S. weitere Rechtsprechungen in verschiedenen Arbeitsbereichen (öffentl. Dienst, AVR, Beamtenrecht usw.) sind vorhanden
 
Qualifikation
Pflegedienstleitung
Fachgebiet
Management
F

Fleescha

Mitglied
Basis-Konto
01.08.2007
14979
Also darf die Station auch kein Bargeld für die Kaffeekasse annehmen ... :wink:

Jedenfalls lese ich dies aus dem Artikel.

Ich bin der Meinung das man es abwägen können muss.
Und die Relation nicht aus den Augen verlieren sollte.

Ich habe auch schon Trinkgeld, für mich oder die Kaffeekasse, bei Entlassung abgelehnt, da sich z.b. der Patient permanent über die Unkompetenz des Personals aufgeregt hat, somit gab es für mich keinen Grund das Trinkgeld anzunehmen.

Weiterhin rede ich von max. 5€... Nicht von ner Karibikkreuzfahrt o.ä. ...
 
Qualifikation
Gesundheits - & Krankenpfleger
Fachgebiet
Berlin/Brandenburg
Weiterbildungen
da gibt es keine Arbeitsgruppe... ;o)
A

access

Mitglied
Basis-Konto
28.09.2007
41517
Hallo Fleescha,

eigentlich gibt es in jedem Unternehmen eine klare Vorgabe, wenn nicht, würde ich die Frage an die Geschäftsleitung weitergeben, zwecks Klärung, bzw. Anordnung.

LG

access
 
Qualifikation
Pflegedienstleitung
Fachgebiet
Management
B

BMG77

Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
28201
Schön das in D alles seine Ordnung hat...

Bestechung im Krankenhaus und der Krankenpflege!!!! Ich werde das gleich dem nächsten Investgativen Journalist in die Hand geben, das gibt ei Skandal!!!

Ich stell mir schon die Schalgzeile vor "Patient 1 Tag früher entlassen durch korrupte Krankenschwester" oder "Korrupter Krankenpfleger behielt Pudding ein wenn Patienten nicht zahlen wollten!"

Die Geschäftsbeziehung zwischen Pflege und Pat. ist nunmal eine andere als als Geschäftsbziehungen ind der freien Wirtschaft. Man sollte also hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
Ist jedes Trinkgeld was ich dem Kellner zukommen lasse Bestechung???

Verständnislose Grüße
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Daheim
N

Nephron

Themenstarter/in
Danke für die Beiträge, aber ihr schweift gerade etwas ab...es ging nicht darum, ob ihr selbst Geld annehmt, sondern ob ihr euren Kollegen deswegen anschwärzen würdet oder ob ihr wegschauen würdet:spinner::spinner::spinner:
 
B

BMG77

Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
28201
Wieso abschweifen? Und wie ist denn deine Meinung?

Gruß
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Daheim
L

lemuelreist

Themenstarter/in
Hallo Nephron und Ihr Alle!

Zuerst einmal zur Wortwahl `Anschwärzen´ - das lenkt meines Erachtens die Antwort in eine Richtung, ist zumindest nicht ausreichend sachlich konnotiert.

Zur Entstehung des Dilemmas:
Für mich ist nicht die Kollegialität versus Regelverstoß der Kern des Dilemmas. Es entsteht für mich im Unterschied der gesetzlich erlaubten geringfügigen Beträge (bspw. Heimgesetz) und den (häufig vorkommenden) Totalverboten in Dienstanweisungen. Die geringfügigen Beträge halte ich für völlig sozialmoralisch legitimiert, da hierüber nach allgemeinem Usus Anerkennung ausgedrückt wird.
Deshalb würde ich bei geringfügigen Beträgen trotz bestehender Dienstanweisung und arbeitsvertraglicher Nebenpflichten keinen Kollegen beim Arbeitgeber melden wollen.
Bei Grenzwertigkeiten - bspw. Häufigkeit der `Trinkgelder´ oder Überschreiten der `Geringfügigkeit´ würde ich den Kollegen zur Seite nehmen und ihm seine Gefahr (incl. Erpressbarkeit durch PatientInnen/Angehörigen) vor Augen führen. Der Leitung würde ich aber trotzdessen erst einmal nichts sagen!
Sollte ich aber erkennen, daß das `Trinkgeld´ eine Art `Vergütung´ für eine Leistung überhaupt oder für zusätzliche Leistungen darstellen sollte, würde ich nicht zögern und sofort die Vorgesetzten informieren.

Viele Grüße,
Lemuel
 
M

Moni33

Neues Mitglied
Basis-Konto
18.04.2008
33699
Nicht anschwärzen,immer direkt und diskret ansprechen.Gruß.Moni
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Altenheim
D

dr.poops

Themenstarter/in
wir bekommen von angehörigen der patientInnen manchmal ein dickes kuchenpaket und ein pfund kaffee geschenkt, manche bringen einen haufen schokolade mit und andere geben uns nach der verlegung des patienten einen brief - in dem befindet sich meistens eine karte oder ein brief, in dem sich die angehörigen noch mal in aller form für die gute versorgung bedanken. und da ist dann meistens auch ein geldbetrag beigefügt. dieser betrag geht dann in die stationskasse, von dem die "stress-schokolade" finanziert wird oder ein bier für alle auf der alljährlichen radtour. bekomme ich tatsächlich etwas persönlich "zugesteckt", wandert das auch in die gemeinschaftskasse. allerdings muss ich sagen, ist mir das eigentlich unangenehm, wenn mir angehörige "was in die tasche mogeln". ich weiß, daß sie es nett meinen, aber eigentlich finde ich es schöner, wenn sie tatsächlich lust haben, für alle kuchen mitzubringen. und erwarten tu ich das generell nicht.
 
N

Nephron

Themenstarter/in
Schön ausgedrückt, lemuel...etwas geschwollen zwar :)
Du wägst hier gut unterschiedliche Positionen ab, allerdings bin ich mir nicht klar, wo die Grenze zwischen geringfügig und dessen Überschreitung sein soll, ich glaube,dass eher die Regelmäßigkeit eines Trinkgelds das Problem darstellt- dann wirds nämlich eine Vergütung, und die ist weiß Gott nicht zu akzeptieren. Da brauch ich auch nicht mit demjenigen zu reden, der weiß nämlich ganz genau, dass er das nicht darf, so blöd kann jemand nicht sein.
 
N

Nephron

Themenstarter/in
Hier noch ein interessanter Auszug aus der saarländischen Berufsordnung (ja, ,bei uns gibts sowas!!!):
Annahme von Geschenken und anderen Vorteilen
Die Annahme von Geld und geldwerten Leistungen,
wie Geschenken, Sachmitteln, Darlehen oder die unentgeltliche
Überlassung von Gegenständen im Zusammenhang
mit der Berufstätigkeit sind mit dem berufsethischen
Verständnis der Pflegefachkräfte unvereinbar
und daher untersagt. Ausgenommen hiervon ist die Annahme
von Geschenken und anderen Vorteilen, wenn
deren Wert geringfügig ist. Pflegefachkräfte im Bereich
der Altenpflege haben die gesetzliche Regelung in § 14
Abs. 5 des Heimgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung
vom 5. November 2001 (BGBl. I S. 2970),
zuletzt geändert durch Artikel 78 der Verordnung vom
31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407) zu beachten.
 
Z

Zischi

Mitglied
Basis-Konto
Ich sehe das folgendermaßen, einen Kollegen / eine Kollegin würde ich bei kleineren Geldbeträgen, die explizit für ihn oder sie bestimmt ist, nicht "anschwärzen".
Bei größeren Beträgen oder bei Geld, welches für die Allgemeinheit bestimmt ist, würde ich durchaus persönlich auf denjenigen zugehen, der dies empfangen hat.
Die SL würde ich zumindest solange raushalten, bis ich persönlich mit meinem Kollegen / meiner Kollegin drüber geredet hab und weiß, was Sache ist.
Ich persönlich nehme geringe Geldbeträge nur dann an, wenn die Entlassung absehbar ist. Ich hatte schon öfter den Fall und einige von euch bestimmt auch, dass Patienten und Angehörge tatsächlich annehmen, mit gewissen Geldbeträgen eine subjektiv bessere Betreuung zu erzielen. Diesen Menschen mache ich immer deutlich klar, dass jeder gleich behandelt wird, egal wieviel Geld jemand hat oder auch nicht. Größere Beträge, ich sag jetzt mal ab 10 € stecke ich kategorisch in die Kaffekasse, selbst wenn sie explizit an mich gerichtet sind. Das hab ich aber als Schüler nicht gemacht, da wie oben schon mal genannt, ich davon nix habe, wenn ich kurz darauf wieder die Station wechsel.
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger, Bildungsreferent
Fachgebiet
Erwachsenenbildung im Gesundheits- und Sozialwesen, Ambulante Pflege
Weiterbildungen
Deutsches Netzwerk Primary Nursing
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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
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