Digitale Patientenakte

Rananarmo

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In unserem Krankenhaus wird gerade nach und nach die digitale Patientenakte eingeführt, über die dazugehörigen Module des Orbis Openmed-Systems. Hat da jemand schon Erfahrungen mit?
Meine Station arbeitet damit schon seit einigen Monaten und bis jetzt wurde es zum Teil umgesetzt, d.h. Aufnahme, Doku und Berichte sind digital, Visitenblatt und Fieberkurve sind noch in Papierform (letzteres ist aber schon in Planung und auch schon im Orbis drin).

Ich muß sagen, das ganze System hat seine Vorteile, wie z.B. beim abarbeiten von immer wiederkehrenden Maßnahmen (z.B. Betten), die man mit einem Klick dokumentieren kann. Bei Maßnahmen, die sich öfter ändern, erhöht sich allerdings schon wieder der Aufwand, z.B. wenn Patienten sich nach einigen Tagen selbst versorgen können und keine Hilfe mehr bei der Grundpflege benötigen, weil man dann die ganzen geplanten Maßnahmen im Computer ändern muß. Und bei spontanen Arbeiten wie. Z.B. Hilfe beim Toilettengang o.ä. muß man immer gleich hinterher zum Computer rennen, sich einloggen und die Maßnahme dokumentieren, weil man später sonst nicht mehr dran denkt. Früher hat man einfach für den ganzen Dienst ein Kürzel auf dem Stufungsbogen gemacht.
Statt der versprochenen Laptops haben wir auch nur 2 große fahrbare Terminals bekommen, was zusätzlich mit dem PC am Stationstresen und dem PC der Stationsleitung 4 Computer macht. Was bei extrem viel Arbeit zuwenig ist, wenn 2 PK mit jeweils einem Terminal Zugänge aufnehmen, eine PK die Verbandrunde dokumentieren will, eine Berichte schreiben und die Stationsleitung auch noch einen PC braucht, um Laboranforderungen zu drucken, Patiententransporte anzufordern... usw.

Soviel erstmal von meinen Erfahrungen, später mehr, schildert erstmal eure :wink:
Viele Grüße
Emanuel
 
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Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
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Schwester Christa

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AW: Digitale Patientenakte

Hallo Rananarmo,

wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit ORBIS in immer weiteren Ausbaustufen. Zunächst war es ein reines Dokumentations-/ Berichtssystem. Seit 2004 haben wir die elektronische Fieberkurve.
Ab sofort wird bei uns sukzessive das ORBIS-Nice-System eingeführt.

Ich bin SEHR begeistert davon. Zwar gibt es wie überall Verbesserungspotential, allerdings ist AGFA hier auch recht kooperativ und lösungsorientiert.
Bei uns war von Anfang an das Pflegepersonal mit im Boot und die Verbesserungsvorschläge wurden von unserer EDV schnell umgesetzt. Auf eher somatisch orientierten Stationen (z.B. Gerontopsych.) kommen Tablets zum Einsatz. Größere Palms, die zum Verbanswechsel oder der Vitalwertmessung zum Patienten mitgenommen werden und die per Funkübertragung mit den Stationsrechnern verbunden sind.
Geht alles, wenn man will!

Gerade bei der Umsetzung der elektronischen Fieberkurve war das Pflegepersonal die treibende Kraft. Viele Ärzte hätten gerne noch weiter "doppelte Buchführung" gemacht. Elektronische Fieberkurve PLUS Befunde und Anforderungen auf Papier. Das haben wir nicht mitgemacht. Zwei Monate nach Einführung gab´s keine Papierkurven mehr und alle fanden´s gut.

Man muss auch nicht alle Maßnahmen unmittelbar sofort abhaken. Mit entsprechenden Dokumentationen und Terminierungen kann man den Ablauf ganz gut entzerren.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger f. Psychiatrie
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Rananarmo

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AW: Digitale Patientenakte

Palms und Tablets klingt gut, besser als unsere fahrbaren Terminals, die sind echt der Kracher... Einen Palm haben wir nur für die Essensbefragung übers Jomo.
Die Doku haben wir einigermaßen im Arbeitsablauf integriert, meistens nehmen wir einen Rechner mit zur Bettenrunde und zur Verbandsrunde, aber man macht halt immer mal Sachen zusätzlich nebenbei und zwischendurch, die man dann entweder gleich dokumentiert oder sich für später merken muß.
Einige unserer Ärzte sind nicht begeistert, vor allem, weil sie kein Papier-Stammblatt mehr haben. Einer hätte am liebsten, daß wir das nebenher auch noch ausfüllen, mit der Begründung, andere Stationen im Haus hätten das ja auch noch (nebenbei: auf den betreffenden anderen Stationen wurde die digitale Akte noch nicht eingeführt).
Am meisten freue ich mich auf die Einführung des digitalen Visitenblattes, endlich nur noch leserliche Anordnungen und die Ärzte dürfen dann nur noch Medis verordnen, die bei uns im Haus gelistet sind, also dann auch endlich kein Suchen mehr nach Ausweichpräparaten (was wir ja eigentlich nicht düfen, interessiert ja aber keinen Arzt).
 
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Schwester Christa

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AW: Digitale Patientenakte

Einige unserer Ärzte sind nicht begeistert, vor allem, weil sie kein Papier-Stammblatt mehr haben.
Auch das ist ein Vorteil von ORBIS. Das Stammblatt bleibt stehen bzw. kann immer wieder aufgerufen werden. D.h. bei Patienten, die öfters wiederkommen, muss der Arzt eben nicht jedesmal von neuem anfangen, sondern er kann wichtige Vorinformationen aus dem alten Stammblatt einfach übernehmen.

Es kommt ganz darauf an, welche Module man insgesamt freigeschaltet hat.
Bei uns wird nur noch für externe Konsile Papier gebraucht. Alles andere, Laboranforderung bzw. Befunde, Röntgen, Ekg, alles läuft über ORBIS-Anmeldung.
Das Schöne bei der Sache: Da der Arzt solche Anordnungen und Anforderungen vidieren muss, macht er gleich die komplette Meldung selbst => Arbeitserleichterung für die Pflege.

Was die Dokumentation angeht: Wenn du eine entsprechend ausführliche Pflegeplanung hinterlegst, kannst du ja die entsprechenden Maßnahmen in die Arbeitsliste übernehmen, und musst sie dann nur noch abhaken. Da kannst du dann unter "Bemerkungen" auch Besonderheiten einfügen.

Weitere Vorteile, die ich vergessen habe:
Alle relevaten Skalen und Assesments (Bradenskala, Norton-Skala, Schmerzeinstufung etc.) lassen sich ebenfalls implementieren. Wir machen auch fotographische Wunddoku über ORBIS.
 
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Rananarmo

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Auch das ist ein Vorteil von ORBIS. Das Stammblatt bleibt stehen bzw. kann immer wieder aufgerufen werden. D.h. bei Patienten, die öfters wiederkommen, muss der Arzt eben nicht jedesmal von neuem anfangen, sondern er kann wichtige Vorinformationen aus dem alten Stammblatt einfach übernehmen.
Unsere Ärzte sind etwas altmodisch und das Haus hat die Ärzte bislang noch nicht für die neuen Orbismodule geschult, so daß der Umgang mit den neuen Modulen für die Ärzte mehr Aufwand bedeutet, den die meisten wahrscheinlich noch scheuen. Aber ich hab im Intranet schon Aushänge für Orbisschulungen für die Ärzte gesehen, es kann also nur besser werden :grin:
Dekubituseinschätzungen und dergleichen läuft bei uns auch im Orbis. Nur einen Nachteil hat es: aus irgendeinen Grund tauscht die Folgeeinschätzung nach 7 Tagen nicht in der Arbeitsliste auf, so, daß wir selbstständig dran denken müssen, wenn bei einem Patienten eine neue Norton-Skala angefertigt werden muß. Kann mir aber vorstellen, daß das nur an der Software-Konfiguration des Moduls liegt. Wie ist das bei euch?

Fotodoku und Labor läuft bei uns auch schon seit Jahren übers Orbis, das ist sehr praktisch. :eek:riginal:

Die geplanten Maßnahmen in der Arbeitsliste abzuhaken, ist natürlich nicht schwer, es geht auch mehr um die nicht planbaren Maßnahmen, wie Blutentnahmen, Steckbecken leeren, einmalig ein angeordnetes EKG schreiben, ungeplante Verbandwechsel usw.

Insgesamt ist das System vorteilhaft, die neuen Module wurden aber eben erst in diesem Jahr eingeführt, da kann eben noch nicht alles glatt laufen. Mal sehen, wie es in einem Jahr aussieht.
 
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