Digitale Ausräumung

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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Hallo,

das Thema " Digitale/Manuelle Ausräumung" beschäftigt mich zur Zeit sehr.

Für mich wäre es interessant zu erfahren, ob diese Maßnahme in eurer Einrichtung durchgeführt wird, bzw. eher häufig vorkommt oder der Seltenheit entspricht.

Als ich vor 8 Jahren in die Altenpflege wechselte, sind mir dabei fast die Augen rausgefallen, vor allem deshalb, mit welcher Selbstverständlichkeit damit umgegangen wird.
Im Krankenhaus wurde diese Maßnahme überhaupt nicht durchgeführt, zumindest habe ich es nie gesehen!

In unserer Einrichtung wird diese Maßnahme sehr häufig( mein Empfinden) durchgeführt, und mir streuben sich jedesmal die Nackenhaare.

Ich sehe diese Maßnahme als eine Maßnahme, die nur als letzte Möglichkeit zum Greifen kommen sollte, wenn keine anderen Maßnahmen zur Stuhlentleerung helfen.

Bei Nachfrage, warum z.B. bei der Bewohnerin ständig digital ausgeräumt wird, bekommt man als Antwort, das das schon seit Jahren so gemacht wird!:cry:
Mittlerweile ist es so, das die Maßnahme bei der Bewohnerin täglich, manchmal mehrmals täglich durchgeführt wird, von mir allerdings nicht mehr.

Und noch eine Frage, die mir dazu einfällt:

Muß " digitale Ausräumung" vom Hausarzt angeordnet werden, und im
Verodnungsblatt dokumentiert werden? Ich denke schon, aber vielleicht denke ich ja falsch.

Grüßle Manu
 
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Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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Monika Bartz

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02.02.2006
4020
Hallo,

das Thema " Digitale/Manuelle Ausräumung" beschäftigt mich zur Zeit sehr.

Für mich wäre es interessant zu erfahren, ob diese Maßnahme in eurer Einrichtung durchgeführt wird, bzw. eher häufig vorkommt oder der Seltenheit entspricht.

Ich habe meine Ausbnildung 1979 abgeschlossen und schon damals habe ich gesehen, wie im Krankenhaus digital ausgeräumt wurde. Ich habe Im Altenheim gearbeitet und auch hier wurde diese Methode praktiziert und jetzt bin ich 20 Jahre auf der Pneumologie, wo wegen der Opiate bei Lungenkrebspat. immer wieder Pat. unter Obstipation leiden, teilweise mit extremen Stuhlknollen. Ich bin ziemlich die einzige Schwester, die auch einmal digital ausräumt, weil ich dabei keine Angst habe, zu verletzen. Die Pat. empfinden es als große Erleichterung und Befreiung und sind dankbar für diese Massnahme. Aber wie gesagt - es sollte wirklich nur in äußersten Notfällen angewendet werden und nicht gewohnheitsmässig.

In unserer Einrichtung wird diese Maßnahme sehr häufig( mein Empfinden) durchgeführt, und mir streuben sich jedesmal die Nackenhaare.

Ich sehe diese Maßnahme als eine Maßnahme, die nur als letzte Möglichkeit zum Greifen kommen sollte, wenn keine anderen Maßnahmen zur Stuhlentleerung helfen.

Ganz meine Meinung....

Bei Nachfrage, warum z.B. bei der Bewohnerin ständig digital ausgeräumt wird, bekommt man als Antwort, das das schon seit Jahren so gemacht wird!:cry:

Wahrscheinlich können diese alten Menschen gar nicht mehr anders.......

Mittlerweile ist es so, das die Maßnahme bei der Bewohnerin täglich,
manchmal mehrmals täglich durchgeführt wird, von mir allerdings nicht mehr.

Du erlebst hier wahrscheinlich auch alte Menschen mit der üblichen Stuhlphobie, wo es einem schon zuwider ist, wenn man nur Stuhl, Stuhl, Stuhl hört. Diese Menschen gehen auch mir oft gewaltig an meine Substanz. Ich würde da gerne mit anderen Mitteln arbeiten - Ernährung, viel trinken und auf den Gewöhnungseffekt hinweisen. Aber mach das mal !!!!!!!

Muß " digitale Ausräumung" vom Hausarzt angeordnet werden, und im
Verodnungsblatt dokumentiert werden? Ich denke schon, aber vielleicht denke ich ja falsch.

Ich bespreche die Stuhlsorge schon mit dem Arzt und schreibe alles ein. Aber im Krankenhaus habe ich natürlich immer einen Arzt greifbar. Ich glaube schon, dass wir Anordnung brauchen, aber durchführen dürfen. Zumindest in Österreich.
Gruß Monika
 
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michaela-dina

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05.04.2006
01237
Ich bin entsetzt, wo leben wir denn :ermm: ? Das würde ich ohne ärztliche Anordnung oder wenigstens mal Rücksprache mit dem Arzt führen , wie der überhaupt zu diesen Thema steht nicht durchführen ! :00000894: .Für mich ist das eine Körperverletzung .Ich kenne diese Maßnahme noch aus DDR Zeiten da hat keiner gefragt es wurde da oft getan:(
 
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Krankenschwester
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Wahrscheinlich können diese alten Menschen gar nicht mehr anders.......[/FONT]
Hallo Monika:eek:riginal: ,

bei der Bewohnerin ist laut Doku nicht ersichtlich, ob jemals andere Abführmaßnahmen durchgeführt/ erprobt wurden.
Die Bewohnerin kann sich nicht mehr verbal äußern, leider.

Für mich besteht aber die Möglichkeit, die Tochter zu fragen, die sehr regelmäßig kommt. Das Gespräch werde ich in der kommenden Woche suchen.
Es ist richtig, die Maßnahme durchzuführen, wenn es notwendig ist, aber in dem Fall sehe ich das etwas anders.

Zum Einen muß ich nicht jeden Tag digital ausräumen, und was ich noch schlimmer empfinde, da wird öfters am Tag " mal nachgeguckt":mad_2: , ob Stuhlgang im Darm ist.

Im Moment läuft mir dabei echt die Galle über, und möchte die Maßnahme den Durchführenden in der Häufigkeit selbst gönnen!:devil:

Leider ist das bei der Bewohnerin noch nicht alles...

Sie hat in 1 Jahr 12,5 kg zugenommen.
Laut WBL hat die Bewohnerin einen immensen " Blähbauch", und nach Gespräch mit der Hausärztin bekommt die Bew. bei Bedarf zur entlastung ein Darmrohr:sad: .

Ich bin der Meinung, das 12,5 kg Körpergewicht, die vorher nicht da waren, ja irgendwo sichtbar sein müssen, und da haben wir den " Blähbauch"!

Bei den letzten 2,5 kg Zunahme wurde in der Übergabe gesagt, das Bew. Einlagerungen an den Beinen habe....Meine Meinung dazu konnte ich nur noch in einem zynischen Ton rüberbringen.

Ich glaube, ich brauche Urlaub...

Gruß Manu
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Ich bin entsetzt, wo leben wir denn :ermm: ? Das würde ich ohne ärztliche Anordnung oder wenigstens mal Rücksprache mit dem Arzt führen , wie der überhaupt zu diesen Thema steht nicht durchführen ! :00000894: .Für mich ist das eine Körperverletzung .Ich kenne diese Maßnahme noch aus DDR Zeiten da hat keiner gefragt es wurde da oft getan:(
Körperverletzung--> meine Meinung
DDR- Zeiten--> selbst da ist mir das nicht unter die Augen gekommen
ärztliche Anordnung--> muß sie nun im Verordnungsblatt dokumentiert werden?

Gruß Manu
 
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Monika Bartz

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02.02.2006
4020
Liebe Manu!
So ernst das Thema auch ist, du bringst mich zum Lachen. Auch ich würde so manchem gerne einmal gönnen, den Finger im .......haben. Entschuldigt bitte.
Aber wie kommt man den wirklich auf die Idee, ständig in den alten Leuten herumzubohren. Ich finde, dass leider viel zu wenig auf die Bewegung und die Ernährung und alles was halt wichtig wäre zur Obstipationsprophyl. geachtet wird. Zeitproblem des Pflegepersonals, wenig Motivation der Bewohner, sich -
gehen - lassen - weil man ja schon so alt ist, Demenz.....und schließlich ist es für manche auch bequem, wenn man sich nicht anstrengen muss. Aufklärungsarbeit im Team und Hinterfragen dieser eigenwilligen Methode - solltest etwa schon wieder du ins Fettnäpfchen treten müssen? Oder gar Veränderungen bewirken???? Wann hast du denn Urlaub?
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Aufklärungsarbeit im Team und Hinterfragen dieser eigenwilligen Methode - solltest etwa schon wieder du ins Fettnäpfchen treten müssen? Oder gar Veränderungen bewirken???? Wann hast du denn Urlaub?
Ich glaub, ich bin schon drin in dem Fettnäpfchen:whistling , und da ich schon mal drin bin, bohre( des Wort passt ja:grin: ) ich so lange weiter, bis ich eine zufriedenstellende Antwort für mich erhalte.

Ich werde mit PDL und Tochter sprechen, noch mal in den alten Dokus nachschauen, und hoffen, das sich etwas ändert.

Und ich hab erst im Sommer Urlaub:cry: , hatte ja erst...
 
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Isis

Isis

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16.05.2005
2
Also, ich habe es irgendwie anders erlebt...
Auf der Unfallchirurgie hatten wir eine Stationsleitung, die, wenn ihr "langweilig" wurde und sie der Meinung war, jemand hätte schon zu lange nicht mehr abgeführt (dieser Zeitraum konnte sehr variabel sein), liebend gerne digital ausgeräumt - meistens Sonntagsnachmittags, wenn kaum Neuaufnahmen waren.....:sick: Ansonsten kam niemand bei uns im KH auf diese Idee.

Im Altenheim bei uns macht das auch niemand. Die Bewohner bekommen zwar "literweise" Movicol und Lactulose und zur Not auch mal ein Practoclyss, aber das war's dann auch schon (naja, reicht ja auch...). Mir ist einmal passiert, daß eine Bewohnerin sehr harten Stuhl hatte und völlig verzweifelt und vor Schmerzen heulend auf Toilette saß und selber Hand anlegte, damit aber nix erreichte (Arme zu kurz). Ein dicker Kotballen saß im After, der reichlich dilatiert war (das musste ja wehtun), nix bewegte sich - also habe ich diesen Kotballen entfernt und noch zwei andere, die ebenfalls "auf dem Weg" waren. Aus meiner Sicht war das ein Notfall, ich wäre sonst nie auf diese Idee gekommen.
Welcher Arzt würde denn eine Anordnung für das digitale Ausräumen geben???
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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05.01.2006
63110
Also, ich habe es irgendwie anders erlebt...
Auf der Unfallchirurgie hatten wir eine Stationsleitung, die, wenn ihr "langweilig" wurde und sie der Meinung war, jemand hätte schon zu lange nicht mehr abgeführt (dieser Zeitraum konnte sehr variabel sein), liebend gerne digital ausgeräumt - meistens Sonntagsnachmittags, wenn kaum Neuaufnahmen waren.....:sick: Ansonsten kam niemand bei uns im KH auf diese Idee.

Vielleicht geht dieses Handeln ja schon in die Richtung Fetischismus?:devil:

Im Altenheim bei uns macht das auch niemand. Die Bewohner bekommen zwar "literweise" Movicol und Lactulose und zur Not auch mal ein Practoclyss, aber das war's dann auch schon (naja, reicht ja auch...). Mir ist einmal passiert, daß eine Bewohnerin sehr harten Stuhl hatte und völlig verzweifelt und vor Schmerzen heulend auf Toilette saß und selber Hand anlegte, damit aber nix erreichte (Arme zu kurz). Ein dicker Kotballen saß im After, der reichlich dilatiert war (das musste ja wehtun), nix bewegte sich - also habe ich diesen Kotballen entfernt und noch zwei andere, die ebenfalls "auf dem Weg" waren. Aus meiner Sicht war das ein Notfall, ich wäre sonst nie auf diese Idee gekommen.
Welcher Arzt würde denn eine Anordnung für das digitale Ausräumen geben???
:thumbsup: Ich denke auch, dass ein Notfall der einzige Grund für solch eine Massnahme sein darf.
Habe Bewohner kennengelernt, die schon von zu Hause ihr eigenes Werkzeug für diese Notfälle mit gebracht hatten. Und die Schilderung des Herganges war auch nicht ohne.

Na, dann mal auf besssere Zeiten.
 
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Krankenschwester
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Im Altenheim bei uns macht das auch niemand. Die Bewohner bekommen zwar "literweise" Movicol und Lactulose und zur Not auch mal ein Practoclyss, aber das war's dann auch schon (naja, reicht ja auch...). Welcher Arzt würde denn eine Anordnung für das digitale Ausräumen geben???
Tja, ich kann mit mindestens 3 Bewohnern aufwarten, von 21!
Auch unsere Bewohner kennen Lactulose, Movicol, Dulcolax Zäpfchen, Dulcolax Tropfen oder auch Practoclyss.

Bei beschriebenener Bewohnerin kommt nix dergleichen zum Tragen, die anderen Beiden bekommen Dulcolax Zäpfchen mit anschließender digitaler Ausräumung.Alle 3 Bewohner sind immobil .

Und des mit dem Arzt würde mich ja auch interessieren...:blink:

Gruß Manu
 
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Altenheim
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A

Angelina

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14.02.2006
31089
Ich habe vor einem Jahr von einem Pflegedienst zum anderen gewechselt. Bei meinem alten Arbeitgeber wurde, wenn es absolut nicht anders ging, der Arzt informiert und der hat dann digital ausgeräumt.
Bei meinen neuen Kolleginnen habe ich den Eindruck, sie stecken ihre Finger nur zu gern in die Patienten. Eine Kollegin ist mir besonders aufgefallen, selbst bei einem Patienten, der dreimal tätglich abführt, bohrt sie noch nach. Einfach grauenhaft.
 
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Altenpflegerin
Fachgebiet
Ambulante Pflege
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Ich habe vor einem Jahr von einem Pflegedienst zum anderen gewechselt. Bei meinem alten Arbeitgeber wurde, wenn es absolut nicht anders ging, der Arzt informiert und der hat dann digital ausgeräumt.
Bei meinen neuen Kolleginnen habe ich den Eindruck, sie stecken ihre Finger nur zu gern in die Patienten. Eine Kollegin ist mir besonders aufgefallen, selbst bei einem Patienten, der dreimal tätglich abführt, bohrt sie noch nach. Einfach grauenhaft.
Hallo Angelina,

ja, das ist wirklich grauenhaft, so ähnlich ist es auch bei uns.

Bei deinem alten Arbeitgeber hat echt der Arzt digital ausgeräumt? Das finde ich toll, so wird es wirklich nur im äußersten Notfall gemacht, wobei mir persönlich dann die Anordnung zur Durchführung reichen würde.

Manche Pflegekräfte scheinen sich wirklich manchmal nicht im Klaren zu sein, was man da grad macht, und überlegen, ob das wirklich sein muß.
Man sollte doch in der Lage sein, auch andere Maßnahmen, die weitaus schonender sind, in Betracht zu ziehen.:angry:

Ich sage wirklich nix, wenn es nicht anders geht, aber ich muß doch auch nachvollziehen können, das es wirklich die letzte Wahl ist.
Leider kann ich das im Moment überhaupt nicht erkennen.

Es hat schon einige verwundert, als ich bei der Bewohnerin eine Darmmassage durchgeführt habe! Wenigstens das wird jetzt öfters angewandt.

Auch ich hoffe auf Besserung!:sick:

Grüßle, Manu

PS: Kann denn niemand sagen, ob "Digitale Ausräumung" im Medikamentenblatt als "Weitere Maßnahmen"( wie RR- Messung) dokumentiert werden muß????
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
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Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Bei uns wird digital ausgeräumt. Und zwar bei Patienten, die lange auf der Toilette/Steckbecken sitzen und es einfach nicht schaffen ihren "steinharten" Stuhlgang herauszudrücken, nahezu am Verzweifeln sind, weil sich der After schon nicht mehr schließt und sie dadurch auch Schmerzen haben. In der Regel braucht es das meist nur einmal pro entsprechenden Patienten, meist direkt nach einer Aufnahme, wo Aufnahemgründe u.a. Obstipation, Koprostase, Exsikkose und ähnliches sind. Ich habe wirklich noch niemals einen Patienten zweimal während seines Krankenhausaufenthaltes ausräumen müssen. Sicher ist das digitale Ausräumen unangenehm, manchmal auch schmerzhaft für den Patienten, aber solche, die es äußern können, sind hinterher auch oft genug dankbar.
 
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Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
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Manu5959

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Themenstarter/in
19.10.2005
Rosenheim
Sicher ist das digitale Ausräumen unangenehm, manchmal auch schmerzhaft für den Patienten, aber solche, die es äußern können, sind hinterher auch oft genug dankbar.
Hallo Sigjun,

da stimme ich Dir zu, in dem Fall sind die Patienten wirklich erleichtert und auch dankbar für die Hilfe.

Abführende Maßnahmen fallen für mich unter Behandlungspflegerische Maßnahmen, die dann entsprechend vom Arzt angeordnet werden müssen, und von Fachkräften durchgeführt werden.

In unserer Einrichtung führen diese Maßnahme auch Pflegehelferinnen durch, ohne das dafür ( meines Wissens) ein Delegationsschema vorliegt.:blink:

Gruß Manu
 
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Kalimera

Unterstützer/in
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17.01.2001
Hamburg
Hallo Manu,
im Krankenhaus führen wir das digitale Ausräumen ohne Arztanweisung durch, aber wie auch Du, wird es bei uns als letzte Maßnahme angesehen und bei Weitem nicht als etwas was wir regelmäßig bei den Patienten tun. War auch bisher noch nicht notwendig gewesen. Ist der harte Kot erst einmal entfernt, so kann man durch andere Maßnahmen wie Ernährung, ausreichende Trinkmenge, Colonmassage, Milchzucker...ect. meist für einen regelmäßigen Stuhgang sorgen. Sollten Medis erforderlich sein, so bedürfen diese jedoch der AO des Arztes. ( Es gibt z.B. auch Menschen, die von sich aus ein Leben lang schon Abführmedis nehmen und die sind nicht so leicht umzustellen auf natürliche Hilfen).
Irgendwie kann ich mir so gar nicht vorstellen, dass es Pflegekräfte gibt, die mit Vorliebe digital ausräumen, ohne sich wirklich mal zu überlegen was sie da tun.
 
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Monika Bartz

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02.02.2006
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Servus aus Österreich!

Neben den Indikationen für die digitale Ausräumung gibt es auch einige Punkte, bei denen diese Maßnahme nicht durchgeführt werden darf bzw. nur unter ausdrücklicher Anweisung des Arztes. Wird in so einem Fall trotzdem eine digitale Ausräumung durchgeführt, dann ist hier besondere Sorgfalt walten zu lassen. Der Patient muss genauestens beobachtet und bei jeder kleinsten Veränderung (z.B. Schmerzäußerung) sofort die Maßnahme unterbrochen und dem Arzt mitgeteilt werden. Vorsicht ist auch geboten, wenn Hämorrhoiden 3. Grades leicht zu Blutungen neigen, während einer Schwangerschaft, bei entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) und bei angeborenen Fehlbildungen im Dickdarm und Enddarmbereich wie z.B. bei Megacolon oder bei einer Analatresie.

Hab diesen Artikel im Internet gefunden (Pflege wiki) Thema: Koprostase: digitale Ausräumung. So wie ich das lese, muss da schon eine Arztanordnung vorliegen, wenn das Pflegepersonal dig. ausräumt, müßte somit also auch im Verordnungsblatt vermerkt werden. Wie denkt ihr???

Monika
 
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Polly-Püppchen

Hi,
bei uns im Krankenhaus stand es einmal im Visitenblatt. Ich bin zum Arzt hingegangen und ahbe gesagt, so etwas habe ich noch nie gemacht (wohl mal von gehört) und dass ich es nicht in meiner Ausbildung gelernt habe und deswegen nicht qualifiziert für solche Maßnahmen sein. Ich fügte hinzu, dass ich gerne bereit sei, ein Practoclyss zu geben.
Der Arzt grinste und war damit völlig einverstanden.
Grüße an alle Bohrer! ;-)

Sonja
 
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Monika Bartz

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02.02.2006
4020
Grüß euch alle, die ihr so am diskutieren seid!

Das eine weiß ich ganz bestimmt, eine Pflegehelferin dürfte bei uns auf der Abteilung niemals Pat. digital ausräumen. Wer trägt da die Verantwortung bei ev. Verletzungen? Es ist auch für uns Diplomierte immer wieder eine Entscheidungsfrage und ich sichere mich auch ab, indem ich dem Arzt eine Mitteilung mache (schreibe dann das o.k. des Arztes auch in der Doku ein - diese sind übrigens oft sehr froh, wenn wir "alten" Schwestern das tun, weil auch sie sich diesen Eingriff nicht zutrauen). Wir haben sogar im Team diskutiert, ob es nicht der Chirurg machen müßte???

Ich glaube, dass das Warum digital ausräumen, hier schon von anderen Pflegepersonen ausreichend begründet wurde. Ich stehe dazu, dass es manchmal die einzigste Möglichkeit ist, dem Pat. zu helfen (Clystier kann manchmal ja aufgrund der Stuhlknollen im Anus gar nicht eingebracht werden).
Vielleicht noch eine Episode dazu: Eine Heimbewohnerin (ich arbeitete 2,5 Jahre im Seniorenheim) hatte derart ernorme "Stuhlballen", dass sich die Defäkation wie die Geburt eines Kindes gestaltete. Ohne Hilfe von uns wäre diese Frau niemals fertig geworden. War auch immer sehr aufregend und wir konnten noch so viel tun - es war nichts zu machen mit den herkömmlichen Stuhlmitteln. ERFAHRUNG und EINFÜHLUNGSVERMÖGEN sind dazu unbedingt erforderlich!
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
Linz
S

seppp

<a href="https://www.paypal.com/cgi-bin/webscr?cmd
Basis-Konto
05.03.2006
5020
Hi!
Bin in den letzten drei Jahren in diversen Häusern (Altenheimen, Akutstationen,usw) im Zuge meiner Praktika herumgekommen. Digitale Ausräumung habe ich aber nirgends in der Praxis gesehen.
Wir haben zwar noch gelernt dass es so was gibt und auch wie es zu machen ist, jedoch wurde uns gleich dazu gesagt dass es schon lange nur mehr als allerletzte Möglichkeit gehandhabt wird und es so gut wie keine Indikation dafür gäbe.

Was deine Frage bzgl. ärztlicher Anordnung betrifft so habe ich noch im Kopf dass dies dem Ermessen der Pflege obliegt und keiner Anordnung bedarf.

mfg, seppp
 
Qualifikation
DGKP
Fachgebiet
Interdisziplinäre ICU
C

Camelion

Neues Mitglied
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05.02.2006
57258
Auch in der Ambulanz kennen wir dieses Problem zu genüge. Wird auch nur im äußersten Notfall angewendet. Aber wenn wir digital ausräumen, müssen wir eine VO vom Hausarzt haben, sonst dürfen wir es nicht machen.
Gruß Gabi
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Ambulanter Pflegedienst
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