Arbeitsrecht Dienstvereinbarung zum Verhalten im Krankheitsfall

S

Suseline

Hallo,
normalerweise ist es ja klar, dass man bei Erkrankung im Betrieb so früh als möglich Bescheid sagt. Bei uns ist es eingerissen, dass sich ein paar MA bevorzugt bei der Nachtwache krank melden, um so einer Konfrontation mit Vorgesetzten auszuweichen.
Jetzt soll es eine Dienstvereinbarung geben mit dem Inhalt, dass man sich - egal welche Schicht - spätestens zu einer benannten Uhrzeit beim direkten Vorgesetzten melden muss. Ausgenommen natürlich bei akuten Erkrankungen, wobei ich das bei Nachtwachen (Eigennutz?:innocent:) manchmal schwierig finde, da man halt manchmal erst nach dem Wachwerden am Nachmittag merkt dass man richtig krank ist.
OK, aber mit einer solchen Anforderung könnte man leben.
Jetzt ist unsere direkte Vorgesetzte die PDL. Die kriegt man sehr selten direkt im Büro ans Telefon, weil es viele Besprechungen gibt oder sie ist im Haus unterwegs oder auf externen Terminen.
Jetzt würde ich gerne wissen, ob man von MA erwarten kann, dass sie solange rumtelefonieren, bis sie die PDL erwischen.
Auf meine Frage erhielt ich die Antwort, dass man dann die Heimleitung und wenn die auch nicht erreichbar ist, die Geschäftsführung anrufen muss.
Und nun meine Frage.
Empfinde ich das nur so im Moment oder ist das nicht etwas übertrieben?
Was ist daran so schlimm, wenn ich die PDL nicht erreicht habe, auf Station anrufe, sage dass ich sie nicht erreicht habe und hätte damit die Pflicht erfüllt.
Sollten in der Betriebsvereinbarung dann auch alle möglichen Ausnahmefälle wie Wochenende, Abwesenheit der PDL oder so geregelt sein?
Und noch eine letzte Frage, an welcher Stelle steht normalerweise eine Stationsleitung im Organigramm?
Danke!
 
W

Words.myth

Meines Wissen regelt das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) lediglich, dass der Arbeitgeber unverzüglich zu informieren ist - wen der AG als seine Vertretung(en) für diesen Fall einsetzt, ist seine Sache und durch entsprechende Dienstanweisungen klar und verbindlich zu regeln.

Gruss,

words.myth
 
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romana

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Hallo Suseline !

Wahrscheinlich gab es bei Euch Missverständnisse bei Krankmeldungen, sonst kann ich mir eine solch restriktive Regelung nicht vorstellen. Bei uns müsste es da viele Ausnahmen geben, von Wochenenden und Feiertagen mal abgesehen, fangen die meisten MA an, bevor das Büro besetzt ist. Also ist die Nachtwache morgens um 5.30Uhr eben der einzige Ansprechpartner im Haus.
Wenn die HL auf einer schriftlichen Regelung besteht, muss sie auch diese Fälle mit aufnehmen oder dafür Sorge tragen, dass sie immer erreichbar ist.
Sicher muss sie schnellstmöglich informiert werden, aber die verantwortliche Schichtleitung untersteht ja direkt der PDL und kann das dann weitergeben an die nächst erreichbare zuständige Stelle.
Bei uns meldet sich jeder beim Vorgesetzten des Bereichs krank, der jeweilige Chef meldet das dann an die HL bzw. PDL.
Ausnahme ist eben, wenn jemand Frühdienst hätte und krank wird, der ruft natürlich bei der Nachtwache an, die Frühschicht muss ja informiert werden. Bei uns versucht in dem Fall schon die Nachtwache, Ersatz zu bekommen, da die Besetzung eh so knapp gehalten ist, dass es mit einer Person weniger nicht zu schaffen ist.

LG
Romana
 
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Kalimera

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Hallo Susi,

eine solche Dienstvereinbarung muss ja mit MAV und Geschäftsleitung getroffen werden. Insofern müssen diese auch darauf achten, dass sie entsprechend umgesetzt werden kann, und alle Eventualitäten wie ND, WE..ect. beachtet werden. Die MAV sollte da schon darauf achten oder sich entsprechende Infos vor Unterschrift einholen.

Ich gehe mal davon aus, dass Euer Haus gute Gründe hat eine solche Dienstvereinbarug anzugehen. Es geht wohl weniger um schlimm oder nicht, sondern um Informationsweitergabe, die evtl. bei Euch nicht so optimal lief.
Unser Nachtdienst hat auch die Auflage sich bis zu einer bestimmten Zeit zu melden und wenn eine AU vorliegt muss auch die PDL informiert werden.

Sollten in der Betriebsvereinbarung dann auch alle möglichen Ausnahmefälle wie Wochenende, Abwesenheit der PDL oder so geregelt sein?
Muss ja wohl, sonst wäre die Vereinbarung ja Nonsens.
Und noch eine letzte Frage, an welcher Stelle steht normalerweise eine Stationsleitung im Organigramm?
In der Regel direkt unter der PDL, sofern vorhanden, was nicht bedeutet, dass sie gleichzeitig die Vertretung ist.
 
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Suseline

Danke Sigjun, das ist eine ausführliche Antwort. So würde ich mir das auch vorstellen.
Wenn sich jemand nachts bei uns krank gemeldet hat, haben wir schon immer darauf hingewiesen, dass man sich noch bei der PDL nachmelden möge. Diese Maßnahme zieht auf ein paar Einzelfälle ab, dass sich z. B. ein Nachtwächter am Dienst-Tag erst mittags um 13h krank gemeldet hat. Das ist wohl zwei/drei mal passiert. Wohlbemerkt, er hatte vorher keinen Dienst, es ging um die erste Nacht und das passiert schon mal mehr am Wochenende. Das liegt aber daran, dass er oft an WE eingesetzt ist. Oder wir haben nicht besonders hoch motivierte Schüler die schon am Ende des ersten Semesters Fehltage haben, dass ich mich frage, wie die die Prüfungserlaubnis mal haben wollen. Die melden sich gerne beim Nachtdienst mit "Durchfall und Erbrechen" und dann beim SD wenn niemand administratives mehr da ist.
Für mich geht es schon um diszipliniertes Vorgehen, aber ich persönlich fühle mich ein bisschen gegängelt, wenn ich einer verantwortlichen Person hinterhertelefonieren muss.
Oh und doch noch eine Frage:
Bei Meldung der fortgesetzten AU, wie macht man es da? Da geht eine AU bis Freitag. Dienst wäre wieder Montag. Man hat erst am Montag einen Termin beim Doc. Gefühlsmässig würde ich sagen, man sollte Freitag schon Bescheid sagen, ob man wieder kommt oder nicht. Meistens kann man das ja abschätzen, aber was ist wenn das nicht so günstig geht?
Und gibts da ne Vorschrift?
LG
Susi
 
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Kalimera

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Oh und doch noch eine Frage:
Bei Meldung der fortgesetzten AU, wie macht man es da? Da geht eine AU bis Freitag. Dienst wäre wieder Montag. Man hat erst am Montag einen Termin beim Doc. Gefühlsmässig würde ich sagen, man sollte Freitag schon Bescheid sagen, ob man wieder kommt oder nicht. Meistens kann man das ja abschätzen, aber was ist wenn das nicht so günstig geht?
Und gibts da ne Vorschrift?
Es gibt auch da keine allgemein gültige Vorschrift.
Mal davon abgesehen verstehe ich nicht warum alles per Vorschrift geregelt werden muss. Wir wollen alle respektvoll und als vernünftig denkende sowie verantwortlich handelnde Menschen, respektive Mitarbeiter wahrgenommen werden. Ganz schnell sind wir mit irgendwelchen Gesetzetn und Rechten, die wir haben bei der Hand, aber oftmals wundert es mich nicht, wenn solche Betriebsvereinbarungen, Dienstanweisungen und ähnliches verbreitet werden, weil so, wie wir wahrgenommen werden wollen, handeln viele einfach nicht.
In unserem Beruf muss ich auch am Wochenende arbeiten, jeder achtet darauf, dass dieses bei der AU des Arztes beachtet wird, wieso achte ich dann nicht darauf, dass ich einen termin VOR dem Wochenende mache, bzw. am letzten Tag der AU?
Bei uns ist es selbstverständlich, dass sich jemand am letzten Tag der AU gesund meldet, in Deinem geschilderten Fall also am Freitag VOR dem Wochenende. Es gibt den DP-Schreibenden einfach Planungssicherheit. Eratz kann rechtzeitiger besorgt werden. Es ist angenehmer am Freitag schon zu wissen, ob ich als MA Montag einspringen muss..ect. Das nenne ich verantwortliches und auch kollegiales Verhalten. Es verhindert einfach, das Unmut aufkommt.
Warum gibt es gerade in unserem Beruf so viel Misstrauen, und das ist durchaus für Leitende, als auch restl. MA gemeint? Im Betrieb meines Mannes gilt Vertrauensarbeit, vom Azubi bis zum höchsten Chef, es funktioniert.
Sorry, etwas abgekommen vom Thema.
 
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Suseline

Nein Sigjun, du bist nicht vom Thema abgekommen. Eigentlich ist das Thema ein Wespennest. Da gibt es zum einen unzuverlässige, egoistische oder gedankenlose Kollegen, das führt vermutlicherweise dann zu dem Schluss des AG oder der Vorgesetzten: da müssen härtere Bandagen her!
Ich persönlich würde in eine solche Dienstvereinbarung noch einfügen, dass die entgegennehmenden Vorgesetzten sich verpflichten, es dem Anrufenden nicht unnötig schwer machen mit herabsetzenden oder spitzen Bemerkungen.
Damit haben bei uns in der jüngsten Vergangenheit ich selbst und auch Kollegen zurecht kommen müssen.
Und wenn mir das Gesetzt zehn mal recht gibt, dass ich nichts über die Art der Erkrankung sagen brauche. Mein AG konnte trotzdem nicht darauf verzichten mir mehrmals vorzurechnen, was meine Ausfälle an Kosten für das Haus verursachen. Oder einer Kollegin die sich nur Tage nach der Rückkehr aus ihrem vierwöchigen Urlaub einen Bänderriss zuzog an den Kopf zu werfen, ob man sich da nicht etwas besser in acht hätte nehmen können.
Natürlich Sigjun sind auch Vorgesetzte Menschen, aber sag doch mal aus deiner Sicht ob das angemessen ist? Selbstverständlich könnte man sich für so einen Ausrutscher auch mal entschuldigen, aber das tun Übergeordnete bei uns nicht.
Ich hab mal ganz undiplomatisch weil ich sauer war zu einer Vorgesetzten gesagt, Sie wissen genau das ich recht habe. Sie reagierte mit heftigem zurückschieben ihres Stuhls und dem Heben des Zeigefingers und erhobener Stimme: nicht in diesem Ton!
Irgendwann mal später haben wir darüber wieder gesprochen und ich sagte ihr, dass ich mich damals ungerecht behandelt fühlte. Sie war sichtlich unangenehm berührt, und meinte: naja, gut.
Ich habe dann gesagt, Entschuldigung ist angenommen und sie lachte mit.
Wir kennen uns aber schon auch sehr lange.
Jetzt bin ich vom Thema abgekommen.
Warum kriegen wir das nur nicht fertig, uns gegenseitig zu achten?
 
F

ferdi

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Suseline: normalerweise ist es ja klar, dass man bei Erkrankung im Betrieb so früh als möglich Bescheid sagt.
genau das ist meine Pflicht.

Suseline: Bei uns ist es eingerissen, dass sich ein paar MA bevorzugt bei der Nachtwache krank melden, um so einer Konfrontation mit Vorgesetzten auszuweichen.
warum weichen die Mitarbeiter einer Konfrontation mit Vorgesetzten aus?
Auch der Vorgesetzte hat die Krankmeldung kommentarlos hinzunehmen. Man muss nichtmal sagen was man hat, ich bin krank und fertig.

Suseline: Sollten in der Betriebsvereinbarung dann auch alle möglichen Ausnahmefälle wie Wochenende, Abwesenheit der PDL oder so geregelt sein?
so eine BV ist gegenstandslos der AG kann nicht erwarten das der Kranke den ganzen Tag hinder ihrgendwelchen Vorgesetzten her telefoniert und dadurch den erforderlichen Arztbesuch verpasst. Verzichtet der AG dann auf die rechtzeitig eingereichte ärztliche Krankmeldung?


Sigjun: eine solche Dienstvereinbarung muss ja mit MAV und Geschäftsleitung getroffen werden.
wenn es kein Betriebsrat (in kirchlichen Einrichtungen MAV) gibt kann eine BV auch im Einvernehmen Vorgesetzte - Mitarbeiter geben.

Suseline: Bei Meldung der fortgesetzten AU, wie macht man es da? Da geht eine AU bis Freitag. Dienst wäre wieder Montag. Man hat erst am Montag einen Termin beim Doc.
Wenn die AU am Freitag endet muss man kollegialer Weise, im Tagdienst, damitrechen das der Dienst am Samstag wieder aufgenommen werden muss.
Sonst gelten die Tage als unentschuldigtes fernbleiben vom Dienst.
Deshalb ist es bei Berufen mit Wochenenddienst üblich das man bis einschließlich Sonntag krankgeschrieben wird.
Dann kann man Freitag anrufen und sagen ich fühl mich wieder fit und komme Montag bestimmt oder es geht mit noch so gut ich gehe Montag noch mal zum Arzt.

ferdi
 
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Mutti

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Hey Suseline,

bei uns ist gibt es einen BVereinbarung die regelt wie und wo wann Krankmeldungen und Gesundungsmeldungen zu erfolgen haben. Wiederkehrgespräche währen bei euch wohl dringend erforderlich mit der Frage was (ist natürlich Einzelfall abhängig) der MA dafür tut nicht wieder krank zu werden. Das sollte natürlich dokumentiert werden denn der AN ist verpflichtet mit seiner Gesundheit sorgsam umzugehen und etwas dafür zu tun. Auch der AG hat eine Fürsorgepflicht (Arbeits- und Gesundheitsschutz).
Wir regeln das so das MA sich bei der PDL zu melden hat, wenn sie nicht vor Ort dann ist automatisch die Stellvertretung Ansprechpartner und nach Dienstschluss der Bereitschaftsdienst, der dann auch die Aufgabe/ Verantwortung hat diese Dinge kurzfristig zu regeln. Die Info der AU kann man ja (nach telef.kontakt) auch zeitgleich per E-Mail an die PDL und Personalabteilung senden. Wenn das bei Euch so geregelt ist sollte natürlich die Geschäftsführung informiert werden.

Viele Grüsse
Mutti
 
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