Dienstplan: Nachtdienst ungeplant & nicht abgedeckt, PDL/HL nicht erreichbar

S

Sunnymami123

Mitglied
Basis-Konto
22.09.2020
Hallo ihr Lieben,
derzeit geht es bei uns drunter und drüber
Folgendes:
Gestern Abend, nach meinem Spätdienst (sind zu zweit für 24Bew., haben zwei Stationen, also gesamt 48Bew. - dafür normal 1ND, 1 Bereitschaftsnacht) fiel irgendwann auf, dass regulär kein Nachtdienst eingetragen ist im Dienstplan. Wir also am Rotieren - da dies nicht das erste Mal war. Erstmal Dienstplan durchgegangen - keine Möglichkeit Ersatz zu finden. Wollten den normalen Dienstweg gehen, sprich, erst Pdl erreichen - diese ging nicht ans Tel…auch via WhatsApp nicht zu erreichen. Dann, Versuch HL zu erreichen - Festnetz nicht erreichbar, Handynummer „es tut uns Leid, diese Nummer ist uns nicht bekannt“. Ja was macht man dann?! Hattet ihr schon so einen Fall? Wir mussten dann zwangsweise nach der Spätschicht die Nachtschicht auch noch dran hängen. Das waren nun 17Std.am Stück ohne Pause. Solch einen Vorfall gab es schon im März, beide Kräfte bekamen die Stunden bis heute nicht - da man ja im Dienstplan nicht am selben Tag Spät+Nacht eintragen kann. Zudem ist es bei uns normal so, dass es eine Nachtschicht gibt uns eine Nachtbereitschaft, die im Heim „schlafen darf“. Somit, darf sowieso nur eine Kraft gezählt werden…
Nächste Frage: Bereitschaft Nacht - soweit ich weiss (gefragt bei einem Anwalt für Arbeitsrecht) müssen die Stunden der Bereitschaftsnacht gezählt werden, da man sich ja im Heim aufhalten muss - also keine Rufbereitschaft wo man zu Hause bleiben kann und erst kommt wenn man gebraucht wird. Zudem sollte ein Stundenlohn von mind.Mindestlohn erfolgen.
Bei uns werden die Stunden jedoch nicht gezählt und es gibt lediglich eine Pauschale von 45€ pro Bn…Hatten AG schon mehrfach darauf angesprochen, allerdings kommt immer nur „wir werden uns schlau machen und Sie dann informieren“…wer kennt sich diesbezüglich aus? Lg Sunny
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Altenpflege
R

Roland Lapschieß

Mitglied
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18.12.2018
Hallo Sunnymami123,

Ihre arbeitsrechtlichen Fragen möchte ich nicht beantworten. Sie sollten sich an einen Anwalt wenden!

Dennoch möchte ich ein paar Anmerkungen zu Ihrer Situationsbeschreibung machen.

Die beschriebene Situation ist ein Fall für die Heimaufsichtsbehörden. Pflegeeinrichtungen sind gesetzlich verpflichtet, ein Qualitätsmanagement zu betreiben. Vor allem muss der Heimbetreiber sicherstellen, „dass die Zahl der Beschäftigten und ihre persönliche und fachliche Eignung für die von ihnen zu leistende Tätigkeit ausreicht“ (HeimG § 11 Abs 2 Nr 2). Ob das in der beschriebenen Situation gegeben ist, sollte im Zweifel die zuständige Aufsichtsbehörde prüfen.

Ein Qualitätsmanagement zu betreiben, erfordert, dass wirksame Regelungen zur Bewältigung von Notsituationen, wie z. B. plötzlichem Personalausfall, getroffen werden. Nicht nur für diesen Fall muss der Betreiber der Pflegeeinrichtung die ständige Erreichbarkeit einer Führungskraft sicherstellen. Es ist nicht die Aufgabe der Mitarbeitenden, fehlende Führungskompetenzen auszugleichen.

Bei solchen Beschreibungen drängt sich mir die Frage auf, warum Sie noch immer bereit sind, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Es gibt doch genügend freie Arbeitsplätze in Pflegeeinrichtungen und es gibt wesentlich bessere Arbeitgeber!

Viele Grüße

Roland Lapschieß
 
Qualifikation
Organisationsberater
Fachgebiet
Gesundheits- und Sozialwesen
F

Findola

Mitglied
Basis-Konto
09.10.2016
München
Die beschriebene Situation ist ein Fall für die Heimaufsichtsbehörden. Pflegeeinrichtungen sind gesetzlich verpflichtet, ein Qualitätsmanagement zu betreiben. Vor allem muss der Heimbetreiber sicherstellen, „dass die Zahl der Beschäftigten und ihre persönliche und fachliche Eignung für die von ihnen zu leistende Tätigkeit ausreicht“ (HeimG § 11 Abs 2 Nr 2). Ob das in der beschriebenen Situation gegeben ist, sollte im Zweifel die zuständige Aufsichtsbehörde prüfen.
Ich stimme in allem zu! Allerdings Vorsicht: Das Heimgesetz gilt schon länger nicht mehr. Es wurde abgelöst durch das (zivilrechtliche) Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz sowie die verwaltungsrechtlichen Regelungen in den Bundesländern (hier relevant, z.B. das PfleWoqG in Bayern).
 
Qualifikation
Dozent
M

Menschenkind

Mitglied
Basis-Konto
18.12.2012
Je nach Bundesland heißt es anders...ist aber quasi das Heimgesetz.

Die nicht besetzte Nacht ist in der Tat ein Fall für die Heimaufsicht, bzw. die bei den Kreisen oder kreisfreien Städte angesiedelte Behörde zum Schutz der Nutzer von Pflegeeinrichtungen. Leider kann dennoch so ein Fall immer wieder vorkommen und bis eine adäquate Lösung zur Abhilfe geschaffen werden kann vergeht vielleicht auch einige Zeit.

In Bezug auf die Bezahlung von Bereitschaftsdiensten, nicht Anrechnung von geleisteten Stunden (wie in Ihrem Fall) ist das Arbeitsgericht zuständig. Dies würde ich definitiv bemühen.
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann, freiber. Dozent
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
S

Sunnymami123

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
22.09.2020
Hallo Sunnymami123,

Ihre arbeitsrechtlichen Fragen möchte ich nicht beantworten. Sie sollten sich an einen Anwalt wenden!

Dennoch möchte ich ein paar Anmerkungen zu Ihrer Situationsbeschreibung machen.

Die beschriebene Situation ist ein Fall für die Heimaufsichtsbehörden. Pflegeeinrichtungen sind gesetzlich verpflichtet, ein Qualitätsmanagement zu betreiben. Vor allem muss der Heimbetreiber sicherstellen, „dass die Zahl der Beschäftigten und ihre persönliche und fachliche Eignung für die von ihnen zu leistende Tätigkeit ausreicht“ (HeimG § 11 Abs 2 Nr 2). Ob das in der beschriebenen Situation gegeben ist, sollte im Zweifel die zuständige Aufsichtsbehörde prüfen.

Ein Qualitätsmanagement zu betreiben, erfordert, dass wirksame Regelungen zur Bewältigung von Notsituationen, wie z. B. plötzlichem Personalausfall, getroffen werden. Nicht nur für diesen Fall muss der Betreiber der Pflegeeinrichtung die ständige Erreichbarkeit einer Führungskraft sicherstellen. Es ist nicht die Aufgabe der Mitarbeitenden, fehlende Führungskompetenzen auszugleichen.

Bei solchen Beschreibungen drängt sich mir die Frage auf, warum Sie noch immer bereit sind, unter solchen Bedingungen zu arbeiten. Es gibt doch genügend freie Arbeitsplätze in Pflegeeinrichtungen und es gibt wesentlich bessere Arbeitgeber!

Viele Grüße

Roland Lapschieß
Danke für die ausführliche Antwort…
Hm…warum ich immer noch dort bin kann ich ganz klar damit beantworten, dass ich noch nie so ein unglaublich tolles Team hatte…wenn es nur nicht an Pdl (die nun übrigens gekündigt hat) und HL scheitern würde Zudem liebe ich meine Bewohner und meine Arbeit-wären die Arbeitsbedingungen derzeit nicht so miserabel.
Diese jetzige HL haben wir erst seit 1,5Jahren, diese war zuvor Verwaltungsangestellte im Vorzimmer der ehem.Chefin, die leider wegen Krankheit in den Ruhestand ging. Ich bin nun 6 Jahre dort, Bezahlung ist nach TvöD geregelt - also nicht so schlecht…aber seit der Wechsel war…naja…es wird immer mieser…unsere HL sieht nur Zahlen, interessiert sich nicht wirklich was überhaupt an Arbeit hinter den Zimmertüren stattfindet…baut immer mehr ab, egal ob Dienstzeiten oder sonst was - Hauptsache die Statistik stimmt und man kann sparen.
Wir haben uns nun geschlossen an den obersten Chef gewannt und HL+PDL haben richtig Ärger bekommen. Allerdings wird dies nun ein wenig an uns ausgelassen…
5 Angestellte haben nun innerhalb weniger Monate gekündigt…wenn es so weiter läuft, werde ich mich nach eine andere Stelle annehmen, ganz klar. Aber man gibt die Hoffnung nicht aufLg, Sunny
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Altenpflege
S

Sunnymami123

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Themenstarter/in
22.09.2020
Je nach Bundesland heißt es anders...ist aber quasi das Heimgesetz.

Die nicht besetzte Nacht ist in der Tat ein Fall für die Heimaufsicht, bzw. die bei den Kreisen oder kreisfreien Städte angesiedelte Behörde zum Schutz der Nutzer von Pflegeeinrichtungen. Leider kann dennoch so ein Fall immer wieder vorkommen und bis eine adäquate Lösung zur Abhilfe geschaffen werden kann vergeht vielleicht auch einige Zeit.

In Bezug auf die Bezahlung von Bereitschaftsdiensten, nicht Anrechnung von geleisteten Stunden (wie in Ihrem Fall) ist das Arbeitsgericht zuständig. Dies würde ich definitiv bemühen.
danke auch für diese Antwort…ja, da bin ich nun dahinter…denn das mit den Bereitschaftsnächten ist ja nicht das Einzige…Nachtschicht - normalerweise 1std.Pause - diese kann man jedoch nicht machen, da man ja nur alleine ist‍♀. Auch tagsüber ist es seit einiger Zeit kaum mehr möglich Pause zu machen - aufschreiben darf man sich dies jedoch natürlich nicht…wenn man das so alles zusammen rechnet…also weit über 500Std.hab ich und viele andere mittlerweile „verschenkt“…Lg, Sunny
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
Altenpflege
Saxon

Saxon

Mitglied
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15.09.2020
Hm…warum ich immer noch dort bin kann ich ganz klar damit beantworten, dass ich noch nie so ein unglaublich tolles Team hatte…wenn es nur nicht an Pdl (die nun übrigens gekündigt hat) und HL scheitern würde Zudem liebe ich meine Bewohner und meine Arbeit-wären die Arbeitsbedingungen derzeit nicht so miserabel.
Diese jetzige HL haben wir erst seit 1,5Jahren, diese war zuvor Verwaltungsangestellte im Vorzimmer der ehem.Chefin, die leider wegen Krankheit in den Ruhestand ging. Ich bin nun 6 Jahre dort, Bezahlung ist nach TvöD geregelt - also nicht so schlecht…aber seit der Wechsel war…naja…es wird immer mieser…unsere HL sieht nur Zahlen, interessiert sich nicht wirklich was überhaupt an Arbeit hinter den Zimmertüren stattfindet…baut immer mehr ab, egal ob Dienstzeiten oder sonst was - Hauptsache die Statistik stimmt und man kann sparen.
Wir haben uns nun geschlossen an den obersten Chef gewannt und HL+PDL haben richtig Ärger bekommen. Allerdings wird dies nun ein wenig an uns ausgelassen…
5 Angestellte haben nun innerhalb weniger Monate gekündigt…wenn es so weiter läuft, werde ich mich nach eine andere Stelle annehmen, ganz klar. Aber man gibt die Hoffnung nicht aufLg, Sunny
Mal einfach gefragt : Die jetzige HL ( einst Vorzimmer Dame ) hat diese überhaupt die Ausbildung und Nachweis Heimleiterin ?
Klar müßen die Zahlen stimmen, jeder will ja für den Knochenjob am Ende auch pünktlich sein Gehalt. Aber darüber hinaus zählt ja auch jeder vom Team ( Pflege und HW ).
Das Signal, dass es an euch ausgelesen wird ist aber echt der Hammer und überhaupt nicht mehr Zeitgemäß ! Solche leben in der Vergangenheit und wissen nicht - wie wertvoll Pflegepersonal ist. Oder anders gesagt, diese haben euch nicht verdient !!!!!!!!
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger Anästhesie u. Intensivmedizin
Fachgebiet
Palliativ care
Weiterbildungen
PDL, Heimleiter, Dozent
Studium
Uni Leipzig

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