Intensiv Atmung & Beatmung Anästhesie Der/Die Pat. "presst" gegen die Beatmung, was kann ich machen?

H

hendrik_altmann

Neues Mitglied
Basis-Konto
09.03.2022
Köln
Guten Tag liebe Community,
ich bin seit eben neu hier, da ich nicht weiter weis. Ich befinde mich im zweiten Jahr der Fachweiterbildung Anästhesie/Intensiv. Vor dem Beginn arbeitete ich 2 Jahre auf der anästhesiologischen & operativen Intensivstation, wo ich hauptsächlich virzeralchirurgische und interdisziplinäre Pat. betreut habe. Es geht mir hier um das Phänomen des "Pressens gegen die Beatmung". Dies habe ich bereits auf der neurologischen ITS gesehen. Die Pat. pressen aus dem Nichts nach Reduktion der Sedierung gegen den Respirator, lassen sich nicht mehr kontrolliert beatmen und die Sauerstoffsättigung fällt ab. In diesen Fällen hilft oft kein Spontanatemmodus und der Patient muss erneut sediert, manchmal auch relaxiert werden. Dort waren solche Situationen relativ gut beherrschbar. Nun bin ich auf der Herz-Thoraxchirurgischen ITS. Dort pressen die Pat. postoperativ so dermaßen gegen die Beatmung, dass nicht nur die SpO2, sondern auch der arteriell gemessene Blutdruck massiv abfällt. In manchen Fällen geht dies bis zur Reanimation des Patienten, da sich diese weder durch SBT (spontanious breathing trial) noch durch Sedierung frühzeitig auffangen lassen. Auch ein Versuch der Beruhigung des Patienten hilft meistens nicht. Ich habe bereits lange nach Quellen zum Umgang mit diesem Phänomen gesucht, auch englischsprachige Quellen liefern jedoch keine akuten Handlungstipps. In der Praxis erlebe ich oft auch, dass der Patient vom Respirator diskonnektiert wird um ihn manuell zu "bebeuteln". In vielen Fällen werden die Pat. anschließend mit Dexdor oder Clonidin "abgeschirmt" und sie wachen im Anschluss koordinierter auf und können extubiert werden.
Normalerweise bin ich ein selbstbewusster Pfleger und gehe mit einem guten Gefühl zur Arbeit. Nun habe ich jedoch regelmäßig Angst vor solchen Situationen und dass ich nicht angemessen frühzeitig handeln kann und somit in eine, für mich massive, Stresssituation hineingerate.

Meine Frage an euch: Habt ihr ähnliche Erfahrungen und habt ihr Tipps, wie ich solche Situationen vermeiden kann und wie ich sie angemessen managen kann, sollte der "Extremfall" eintreten?

Vielen Dank schon mal!
 
Qualifikation
Gesundheits- & Krankenpfleger
Fachgebiet
operative & anästhesiologische Intensivstation
H

heiner62

Neues Mitglied
Basis-Konto
17.02.2006
Zweibrücken
Hallo Hendrik,
Deine Frage liegt ja schon ein bißchen zurück.
Das Problem, das Du beschreibst, ist ein alltägliches. Von den Kostenträgern wird seit einiger Zeit ein tägliches Weaning nach Protokoll gefordert, damit die Beatmung abgerechnet werden kann. Diese Forderung führt dann u.U. zu den von Dir beschriebenen Situationen.
Dafür gibt es vermutlich keine Patentlösung.
Hilfreich kann eine schrittweise Reduzierung der Analgosedierung sein. Wobei es natürlich auch von den Medikamenten abhängt, die zur Analgosedierung benutzt werden: Propofol/Remifentanil vs. Benzodiazepine/Sufentanil vs. Inhalative Sedierung.
Eine weitere Möglichkeit ist die subglottische Instillation von Lokalanästhetika sein. Das Gel minimiert den Reiz durch den Cuff. Dafür braucht man aber Tuben/Trachealkanülen mit einem entsprechenden Kanal; Stichwort "subglottische Absaugung".
Allgemein sollte so flach wie möglich sediert werden, aber immer auf eine ausreichende Analgesie geachtet werden. Da können vor Beginn der Spontanatmungsphasen adäquate Analgetika-Boli hilfreich sein bzw. kann man die Sedierungskomponente stärker reduzieren, als den analgetischen Teil.

Grüße
Heiner
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Anaesthesie. INPULS & PDMS
Weiterbildungen
INPULS
L

Lulli1.0

Mitglied
Basis-Konto
14.07.2020
Ich bin nun seit kurzem auf einer Herz/ Thorax ITS.

Bei uns wird Dexdor kurz überlappend und dann im Anschluß an die Sedierung eingeführt. Dies führt zu einer erheblich besseren Tubusakzeptanz. Die Patienten sind darunter gut führbar und es kann sehr gut ausgeschlichen werden.

Unsere Standardsedierung ist erst Sufenta/ Propofol dann der Wechsel auf Dexdor. Bei Spontanatmung unter BIPAP geht es ins CPAP unter beginnend 10 ASB der immer weiter bis auf 0 reduziert wird. Ein Pressen gegen die Beatmung könnten auch schlechte Beatmungseinstellungen sein. Zu steile Rampe, P.insp etc. Ich denke aber bei uns macht das Dexdor viel an Akzeptanz aus.
 
Qualifikation
GuK
Fachgebiet
Anästhesie

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