Der DBfK - oder "Wie taub muss man sein, um diesen Knall nicht gehört zu haben !?"

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Christian Kröhl

Christian Kröhl

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25.06.2000
Liest man die heutige Presseerklärung des DBfK zur Pflegekammer Ur-Wahl in NRW (siehe Anhang), läuft man doch tatsächlich Gefahr, seine Kinderstube zu vergessen.

Der DBfK fordert jedoch im Zusammenhang mit einer Urabstimmung zur Beteiligung der Pflegefachpersonen den Verzicht auf ein Abstimmungsquorum. Zudem muss die Durchführung der Befragung durch ein pflegewissenschaftliches Institut erfolgen und die Finanzierung einer umfassenden Informationskampagne durch das Land NRW sichergestellt werden.
Allein bei diesen 2 Sätzen drängt sich mir die Frage auf, ob die Verantwortlichen beim DBfK beim Formulieren nicht in Schamesröte im Erdboden versunken sind. Die einschlägigen Erfahrungen, die die Pflegenden in Rheinland-Pfalz mit der dortigen Urwahl erfahren durften, haben selbstverständlich die Kritik aus den Reihen der hierdurch sensibilisierten und zwischenzeitlich ausgesprochen aufmerksam gewordenen Pflegekräfte alles, nur eben nicht kleiner werden lassen.

Der Presseerklärung kann man 4 Forderungen entnehmen, bei denen hoffentlich nicht nur ich hellhörig werde:

  1. Auf ein Abstimmungsquorum ist zu verzichten. Ein Quorum ist für Befragungen dieser Art nicht sinnvoll. Bisher liegen kaum Erfahrungswerte zu Urwahlbefragungen von Pflegefachpersonen vor. Folglich kann die Höhe eines Abstimmungsquorums nicht sinnvoll festgelegt werden. Daneben hängt die zu erwartende Wahlbeteiligung maßgeblich vom Umfang einer Informationskampagne ab. Daher sollten bei der Entscheidung für eine Urwahlbefragung alle Anstrengungen in eine möglichst umfassende Informationskampagne und nicht in die Festlegung und Diskussion über ein mögliches Quorum gelegt werden.
  2. Das Land NRW muss eine umfassende Informationskampagne zu Zweck und Aufgaben einer Pflegeberufekammer in NRW sicherstellen. Diese muss das Ziel verfolgen jede Pflegefachperson in NRW zu erreichen. Hierzu muss das Land NRW entsprechende Haushaltsmittel im siebenstelligen Bereich zur Verfügung stellen.
  3. Die Befragung muss durch ein pflegewissenschaftliches Institut erfolgen. Nur so kann eine genaue Kenntnis der zu befragenden Berufsgruppe sichergestellt werden. Daneben ist eine vorurteilsfreie Haltung zu Pflegeberufekammern und deren Wirkung für die Selbstverwaltung der Pflegenden eine wichtige Voraussetzung für das zu beauftragende Forschungsinstitut.
  4. Eine Konferenz der beruflich Pflegenden ist von der Landesregierung einzurichten. Diese Konferenz besteht im Sinne der Selbstverwaltung ausschließlich aus Vertretern der beruflichen Pflege in NRW. Ihre Aufgabe ist die Vorbereitung und Steuerung der erwähnten Informationskampagne in Kooperation mit dem zuständigen Ministerium.
Anscheinend ist aber auch der DBfK lernfähig. In weiser Voraussicht, dass die bisherigen eigenen Informationskampagnen der Pflegekammern i.Gr. völlig unzureichend waren und sind, nicht mal annähernd die Hälfte aller Pflegekräfte erreicht hat - man ist da ja nicht mal "nah dran" -, versucht man nun nicht nur die eigene Informationspflicht, -arbeit und -kosten kurzerhand auf das Land NRW abzuwälzen. Man erdreistet sich allen Ernstes auch eine zu erwartende, verschwindend geringe Wahlbeteiligung der Pflegekräfte als schlicht irrelevant unter den Tisch fallen zu lassen. Vielleicht in der Hoffnung, man könne sich nach der Ur-Wahl dann besser aus der Affäre ziehen?


Ganz offensichtlich versucht man das pfälzische Desaster der Wahlumstände (und der daraus resultierten katastrophal niedrigen Wahlbeteiligung) soweit nur irgendmöglich aus dem Fokus zu nehmen. Werfen wir aber dazu nochmals ein kleines Blitzlicht auf die "Ur-Wahl" in Rheinland-Pfalz 2016 und holen uns das lebhaft zurück in Erinnerung:

Genauso oft wird nur zu gerne von einer "überwiegenden Mehrheit von Befürwortern unter den Pflegekräften" gesprochen und es werden Vergleiche gezogen, die jedem Statistiker die Fussnägel nach hinten wachsen lassen. Schauen wir uns die Zahlen mal an:
  • von den 40 bis 45.000 Pflegekräften in RLP haben lediglich 9.000 an der Abstimmung zur Kammer teilgenommen. Da das Grande der RLP-Pflegekräfte von der Wahl an sich offenbar noch nicht mal Kenntnis hatte, eigentlich auch keine Überraschung.
  • Wir reden also von einer Wahlbeteiligung von 20% aller Wahlberechtigten - und damit unterschreitet sie im Grunde jede seriöse Erhebungsgrenze, um eine Willensbildung der gesamten Berufsgruppe darstellen zu können.
  • Von diesen 9.000 Wählern haben dann aber auch nur noch ~7.700 für die Kammer gestimmt - womit wir letztlich bei einer Zustimmungsrate von deutlich unter 18% aller Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz angekommen wären.
Man könnte jetzt unken - aber das sieht für mich sehr nach einer recht internen Wahl aus der aktiv am Prozess Beteiligten aus. Und den Begriff "intern" verwende ich jetzt nur, um nicht gesteuert schreiben zu müssen.
Das scheint aber nicht genug zu sein. Im selben Atemzug fordert man zusätzlich, die Befragung der Pflegefachkräfte solle durch ein Pflegeinstitut durchgeführt werden, das einer Verkammerung der Pflegeberufe vorurteilsfrei gegenüber stehe. Da sich die Pflegeinstitute soweit mir bekannt flächendeckend für die Bildung von Pflegekammern aussprechen, wäre es also schon recht praktisch, wenn man Methodik, Befragung und vor allem die Analyse und Auswertung in wohlwollenden Händen wissen könnte.

Es ist nicht nur erschreckend, dass der DBfK sich mit diesem Vorgehen offenbar in aller Grundsätzlichkeit von demokratischen Prinzipien verabschiedet hat. Persönlich und als Pflegekraft ist das zutiefst beschämend und ein Interessenverrat an genau den Personen, deren Vertretung dieser Verband für sich beansprucht.

Wenn es einen nur nicht so zornig machen würde...
 

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Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege
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"Die Befragung muss durch ein pflegewissenschaftliches Institut erfolgen. Nur so kann eine genaue Kenntnis der zu befragenden Berufsgruppe sichergestellt werden."

Ich weiss nicht - aber ich würde gerade nicht ein pflegewissenschaftliches Institut beauftragen; vieleicht eher ein sozialwissenschaftliches mit möglichst wenig Bezug zur Gruppe die befragt wird und frei von "Beziehungen". Ansonsten besteht möglicherweise - und wie bereits angedeutet - das Risiko einer Kontamination der Daten.
Warum muss denn ein Institut zur reinen Datenerhebung über "eine genaue Kenntnis der zu befragenden Berufsgruppe" verfügen?
Das ist doch ein statistisches Verfahren, also eher allgenein?

Ich hatte gehofft, dass NRW aus den Fehlern in Rheinland-Pflalz lernen möge - in der Retrospektive liefen dort viele Dinge nicht besonders gut und nur wenig davon lässt sich mit der nun getroffenen Aussage "Bisher liegen kaum Erfahrungswerte zu Urwahlbefragungen von Pflegefachpersonen vor." entschuldigen.
Klar, der Erste macht immer irgendwelche Anfängerfehler - aber einige Stolperfallen hätte man umschiffen können.
Wahlen und Befragungen in ihren verschiedenen Ausprägungen sind ja jetzt nicht in den letzten Jahrzehnten erfunden worden...
 
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Christian Kröhl

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25.06.2000
"Die Befragung muss durch ein pflegewissenschaftliches Institut erfolgen. Nur so kann eine genaue Kenntnis der zu befragenden Berufsgruppe sichergestellt werden."

Ich weiss nicht - aber ich würde gerade nicht ein pflegewissenschaftliches Institut beauftragen; vieleicht eher ein sozialwissenschaftliches mit möglichst wenig Bezug zur Gruppe die befragt wird und frei von "Beziehungen". Ansonsten besteht möglicherweise - und wie bereits angedeutet - das Risiko einer Kontamination der Daten.
Warum muss denn ein Institut zur reinen Datenerhebung über "eine genaue Kenntnis der zu befragenden Berufsgruppe" verfügen?
Das ist doch ein statistisches Verfahren, also eher allgenein?

Ich hatte gehofft, dass NRW aus den Fehlern in Rheinland-Pflalz lernen möge - in der Retrospektive liefen dort viele Dinge nicht besonders gut und nur wenig davon lässt sich mit der nun getroffenen Aussage "Bisher liegen kaum Erfahrungswerte zu Urwahlbefragungen von Pflegefachpersonen vor." entschuldigen.
Klar, der Erste macht immer irgendwelche Anfängerfehler - aber einige Stolperfallen hätte man umschiffen können.
Wahlen und Befragungen in ihren verschiedenen Ausprägungen sind ja jetzt nicht in den letzten Jahrzehnten erfunden worden...
Ich hatte nach dem RLP Desaster - als bisheriger Kammerbefürworter - wirklich auf einen nachhaltigen Lernprozess gehofft. Mit der Presserklärung des DBfK, der nichts anderes als einziger Offenbarungseid ist, sollte nun aber auch wirklich dem und der Allerletzten klar geworden sein, worum es hier primär geht: um Macht. Und, natürlich, ums liebe Geld - und zwar eine ganze Menge. Aber betrachtet man sich im Rahmen der Pflegekammern das offenbar einzig von Machtgeilheit getriebene Geschacher und die proaktive Abspaltung der Verbände von den Pflegenden, der Basis, die man ja so gern vertreten möchte, wird in genauso offensichtlicher Weise deutlich, worum es hier nicht mehr geht und vermutlich auch nie ging. Wenn alles nur irgendwie mögliche getan wird, um die Bildung der Pflegekammern mit jedem noch so unseriösen und undemokratischen Mittel - frei nach der Zweck heiligt jedes Mittel - durchzusetzen, dann komme selbst ich nicht mehr umhin, die Pflegekammern, und zwar in ihrer Gesamtheit, grundweg abzulehnen.

Nicht, weil man für eine Kammer selbstredend Beiträge entrichten muss. Auch nicht, weil das Wahlmänner-Prinzip das gleiche ist, weshalb in den USA ein Trump im Oval-Office sitzt und als Wahlsieger ausgerufen wurde, obgleich er die Wahl nach Stimmen deutlich verloren hat. Schon gleich gar nicht, weil Pflegekammern etwa unnötig wären, denn das Gegenteil ist der Fall. Sondern, weil das gesamte Konstrukt, das Agieren der darin beteiligten Verbände, der Umgang mit der Basis und die allumfassende, bewusst aufrecht erhaltene Intransparenz inzwischen in derart offensichtlicher Weise nach Elitarismus, Korrumpierung und Korruption stinkt, das einem nachhaltig schlecht wird - und jetzt reichts!
 
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14.02.2017
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Hallo zusammen,
vielleicht hat ja jemand, grade von und mit kritischen Stimmen, Zeit, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen:
DBfK und VPU: Info-Veranstaltungen "Pflegekammer NRW"
DBfK und VPU: Info-Veranstaltungen "Pflegekammer NRW" - DBFK
Lieber hingehen und konstruktiv (!) mitdiskutieren, statt sich später über Gerüchte zu ärgern ;-)
 
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Ich bin in Köln dabei.
 
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tandoori

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30.07.2012
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Es stellt sich für mich die Frage, wozu eine Pflegekammer?
Wenn ich mir andere Berufsgruppen ansehe, bei denen es verpflichtend ist in eine Kammer einzutreten, so stellt man oft genug fest, dass es zwar mit teils erheblichen Zwangskosten verbunden ist, aber keinen wirklichen Nutzen für die Mitglieder bringt.
Die Pflegekammern wollem die Examen künftig abnehmen, sie wollen Forschung betreiben, für das öffentliche Ansehen der Pflege arbeiten.
Gehen wir die Punkte mal objektiv durch.
- Die Examen werden bisher vom Staat abgenommen, so wie bei vielen anderen Berufen auch. Hierbei sind die Anforderungen in den letzten Jahren eher am sinken, leider. Wenn ich mir aber durchlese, was der DbfK so für Ideen hat, dann fürchte ich bald keinen qualifizierten Nachwuchs mehr zu bekommen.
- Die Kammern wollen Forschung betreiben. Sowas kann nicht die Aufgabe einer Kammer sein! Forschung ist die ureigenste Aufgabe von Universitäten. Wenn eine Kammer gleichzeitig Examen abnimmt und für sich beansprucht zu forschen, dann ist zu befürchten, dass Schüler ihren Ansichten zu folgen haben, unabhängig davon was der internationale Standard sagt. Ein eher gefährlicher Aspekt.
- Kammern wollen für das öffentliche Ansehen der Pflegenden arbeiten. Wozu? Das Ansehen der Pflegenden ist sehr hoch. Da die Kammern gleichzeitig ausdrücklich sagen, das sie sich nicht um Tarife kümmern wollen, wird es sich also nur um teure, eher unnötige PR Massnahmen handeln.

Last but not least, nirgends steht, wie hoch der zu erwartende Zwangsbeitrag sein soll! Wenn ich bedenke, wie viele Pflegenden von Heimen und Pflegediensten katastrophal bezahlt werden, sind Zangsbeiträge meines Erachtens nach nicht hinnehmbar.
Habe den Eindruck, dass es hier eher um die Selbstverwirklichung einiger geht, als um eine wirklich überlegte Aktion. Ich, als Pflegender, werde jedenfalls mit Sicherheit vor Gericht klagen, sobald ich für eine derart unnütze Organisation zwangsweise zahlen soll.
 
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Der Eine

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Hallo tandoori,
Also so ganz objektiv sind deine Angaben auch nicht:
- In den Handwerksberufen wird die Prüfung nicht vom Staat, sondern von der Industrie- und Handwerkskammer abgenommen.
Die Vorgaben, was ausgebildet wird wird auch nicht von Berufsfremden, wie in der Pflege (Ärzte...) sondern von Handwerksmeistern entwickelt. Die Strukturen haben sich dort über lange Zeiträume heraus aus den Handwerksgilden entwickelt (musste man damals übrigens "Zwangsmitglied" sein;))
- Die Kammer selbst führt keine Forschung durch. Sie soll nur regeln, in welcher Richtung geforscht werden soll (also nicht wie bisher nur nach dem Prinzip: "Wie können wir Geld sparen?" oder "Welche Tätigkeit können Pflegekräfte zur Entlastung anderer Berufsgruppen noch machen?"
- Das Ansehen von Pflegekräften ist nur dann hoch, wenn sie jemand braucht !!! Als Krankenpfleger werde ich doch oft nur als Arzthelfer oder "Patientenwäscher" gesehen. Bei vielen Menschen herrscht immer noch die Meinung, Pflegen kann doch jeder, der mal ein Kind gewickelt hat!
- Und zuletzt: Die Beiträge für die Pflegekammer Rheinland-Pfalz kann man im Internet nachlesen. Sie bewegen sich im Bereich um die 0,4%, je nach Einkommen . Andere Kammern werden kaum massiv davon abweichen.

Also bitte objektiv bleiben, wenn man es ankündigt

LG Der Eine

P.S. Was eine Kammer regeln kann erleben wir doch alle täglich im Alltag :
Die gestiegen Anzahl der Ärzte in den Krankenhäusern ist unter anderem dadurch entstanden, dass die Ärztekammer festgelegt haben, welche Tätigkeiten "ureigenste" ärztliche Tätigkeiten sind, für die sie im Personalschlüssel Stellen (und Geld) haben müssen. :
Ein paar Beispiele (ältere Kollegen können sich noch gut daran erinnern):
- Blut abnehmen
- Zugang (Braunüle) legen
- Verbände wechseln
- 1.Assistenz bei Operationen
- Lagerungen festlegen (anordnen)
......


Viel Spaß beim ergänzen der Liste
 
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Kalimera

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17.01.2001
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Manchmal denke ich die Pflege hat es nicht anders verdient.
Ich werde nie verstehen, wie man sich gegen etwas wehrt, was genau die Interessen meines Berufes vertritt.
Viele schreien nach einer Lobby, die die Pflege vertritt. Dann kommt jemand und nimmt sich dessen an, wird erst mal kritisch hinterfragt, Argumente gesucht, warum wir die Lobby nicht brauchen, nach der wir seit Jahren schreien und Geld brauchen die gleich gar nicht, sollen alles ehrenamtlich und für mich umsonst machen.
Lassen wir uns doch weiter fremdbestimmen von allen möglichen Berufsgruppen, weiterhin von vielen kleinen Gruppen vertreten, die oftmals sogar gegeneinander arbeiten, Hauptsache wir können weiter jammern.
 
Qualifikation
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Lanzelotte

Lanzelotte

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14.02.2017
Mainz, Deutschland
Hallo, Tandoori,

wenn Der Eine nicht schon alles widerlegt hätte, was Du hier geschrieben hast, hätte ich das gerne getan. Genau das meine ich nämlich mit meiner Empfehlung, erstmal hinzugehen zu Infoveranstaltungen, um sich anhören zu können, was Kammern tatsächlich machen und nicht machen. Es schwirrt so viel Nonsens über das Thema in Deutschland umher, dass einem manchmal schwindlig wird... Dass Unwissenheit jede Menge Ängste auslöst, insbesondere vor Themen, die uns beeinflussen (sollen!), das ist klar. Aber wir sollten erst mal schauen, was tatsächlich dahintersteckt. Auf der Homepage der Kammer in RLP Home - Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sind bereits jede Menge Informationen hinterlegt (auch im Archiv). Es gibt dort auch die Möglichkeit für jedermann/jedefrau, deren Newsletter zu abonnieren, dann bekommt man weitere Infos frei Haus.

Eine der kürzesten Zusammenfassungen bezüglich der Aufgabe einer (Pflege)Kammer, die ich kenne, lautet: "Nur Kammern dürfen dort mitreden, wo Macht + Geld verteilt wird". Ob uns das gefällt oder nicht, so sind die Spielregeln.

Herzliche Grüße,
Lanzelotte
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Psychiatrie
Fachgebiet
Unimedizin Mainz
Lanzelotte

Lanzelotte

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14.02.2017
Mainz, Deutschland
Hallo, Christian Kröhl,
Du schreibst u.a.:

Die einschlägigen Erfahrungen, die die Pflegenden in Rheinland-Pfalz mit der dortigen Urwahl erfahren durften, haben selbstverständlich die Kritik aus den Reihen der hierdurch sensibilisierten und zwischenzeitlich ausgesprochen aufmerksam gewordenen Pflegekräfte
alles, nur eben nicht kleiner werden lassen.
... mit diesem Vorgehen offenbar in aller Grundsätzlichkeit von demokratischen Prinzipien verabschiedet hat.



Das Vorgehen des Instituts, welches die Abstimmung geleitet hat, hat sein Vorgehen und die Ergebnisse hier hinterlegt (bitte bis zum Ende scrollen, dort befindet sich der Abschlussbericht):
Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.: Pflegekammer Rheinland-Pfalz

Herzliche Grüße,
Lanzelotte
 
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Unimedizin Mainz
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Surrogat

Hallo tandoori,

Hierbei sind die Anforderungen in den letzten Jahren eher am sinken, leider. Wenn ich mir aber durchlese, was der DbfK so für Ideen hat, dann fürchte ich bald keinen qualifizierten Nachwuchs mehr zu bekommen.
Welche "Ideen" meinst du da im Speziellen?

Das Ansehen der Pflegenden ist sehr hoch.
Dafür gibt es in der Tat Daten aus Befragungen und Studien in den letzten Jahren.
Es ist aber auch so, dass man auf keinen Fall davon ausgehen kann, dass die Bevölkerung auch weiss was wir so genau tun - geschweige denn, was unsere Kompetenzen ausmacht und in welche Richtung sich der Pflegeberuf gerade entwickelt.
Deutungshoheit und PR diesbzgl. läuft über andere Gruppen im Gesundheitswesen - das sollte sich ändern.

Der häufig zu hörende Satz "Also ihren Job könnte ich nicht machen, Respekt!" und "Sie sollten mehr Geld bekommen!" sind für mich keine echten Zeichen von Ansehen - sondern eher die nette, kostengünstige Variante von TEAM ("Toll Ein Anderer Machts!") und insbesondere problematisch, wenn dann Kompetenzen ins Spiel kommen.
Sprich, wenn sich der Patient trotz optimaler Betreuung, Therapie und Aufklärung bzgl. seiner Erkrankung bei regelmässig zur Schau gestellter Zufiedenheit und Akzeptanz sich innerhalb einer Minimalvisite durch einen OA schlagartig um 180° dreht...weil "der Doktor das so gesagt hat".
Da erlebt man live und in Farbe, dass Ansehen nicht gleich Wertschätzung der Kompetenz bedeutet und welche Hierarchien und Akteure im Gesundheitswesen als tatsächlich relevant wahrgenommen werden - egal was Umfragen suggerieren.

Da die Kammern gleichzeitig ausdrücklich sagen, das sie sich nicht um Tarife kümmern wollen, wird es sich also nur um teure, eher unnötige PR Massnahmen handeln.
Das ist so nicht ganz richtig.
Kammer greifen nicht in die Tarifautonomie direkt ein (dürfen und können sie nicht) - das ist Aufgabe anderer Gruppen - aber sie können sehr wohl über Netzwerke und mediale Präsenz die Stimmung ebeinflussen und Druck im Sinne ihrer Klientel ausüben. Siehe Bundesärztekammer; dort klappt das vorzüglich.
Dieser Weg ist zwar nicht schnell und vor allem nicht so offensiv wie z.B. Streikmassnahmen - aber er kann wertvolle Ergänzung zur Schaffung besserer Tarifbedingungen sein, wenn die Beteiligten Arbeitnehmergruppen sich nicht in Grabenkämpfen selbst schädigen...
 
S

Surrogat

Es schwirrt so viel Nonsens über das Thema in Deutschland umher, dass einem manchmal schwindlig wird... Dass Unwissenheit jede Menge Ängste auslöst, insbesondere vor Themen, die uns beeinflussen (sollen!), das ist klar. Aber wir sollten erst mal schauen, was tatsächlich dahintersteckt.
Insbesondere sollte man wissen, wer tatsächlich dahintersteckt und was für diese Organisationen auf lange Sicht auf dem Spiel steht.
Es ist beeindruckend, was so von diversen interessierten Gruppen so im Netz und medial aufgefahren wird, um Fehlinformationen zu lancieren und Ängste geschürt zu halten - und auch, wie hartnäckig sich diese dann halten.

Ich verhehle allerdings nicht, dass auch die PK's in ihrer Informationspolitik noch besser werden müssen - und viele Dinge auch klarer ausformulieren und "herunterbrechen" sollten.
Mir fehlt häufig die Präsenz der LPK bzw. ihrer Gründungsgremien in den Massenmedien (und nicht nur im Regionalbereich) - während die Vertreter der Ärzteschaft quasi durch jede relevante Talk-show tingeln.
Das bewirkt dann auch, dass mir Schüler und Kollgegen i.d.R. problemlos sagen konnten, welcher Präsident der Bundesärztekammer gerade aktuell war...aber das es (überhaupt) einen Deutschen Pflegerat gibt und wer da gerade den Vorsitz hat...geschweige denn, was berufspolitisch und fachlich gerade so anstand.
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

Administrator
Teammitglied
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25.06.2000
Hallo, Christian Kröhl,
Du schreibst u.a.:

Die einschlägigen Erfahrungen, die die Pflegenden in Rheinland-Pfalz mit der dortigen Urwahl erfahren durften, haben selbstverständlich die Kritik aus den Reihen der hierdurch sensibilisierten und zwischenzeitlich ausgesprochen aufmerksam gewordenen Pflegekräfte
alles, nur eben nicht kleiner werden lassen.
... mit diesem Vorgehen offenbar in aller Grundsätzlichkeit von demokratischen Prinzipien verabschiedet hat.



Das Vorgehen des Instituts, welches die Abstimmung geleitet hat, hat sein Vorgehen und die Ergebnisse hier hinterlegt (bitte bis zum Ende scrollen, dort befindet sich der Abschlussbericht):
Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.: Pflegekammer Rheinland-Pfalz

Herzliche Grüße,
Lanzelotte
Hallo Lanzelotte,

schön das Du den Abschlussbericht erwähnst - denn eben dieser ist es, der das auch noch nachhaltig und eindeutig belegt. Ich zitiere mich an dieser Stelle mal selbst, da Surrogat seinerzeit ebenfalls diesen Bericht als Gegenargument anführte und der Auffassung war, wenn es schon einen öffentlichen Abschlussbericht des DIP gibt, muss ja wohl auch alles mit Rechten Dingen von statten gegangen sein und alles wissentschaftlich belegbar sein. Um es kurz zu machen - ganz im Gegenteil:

---

(aus der Diskussion "Pflegekammer beschließt Beitragshöhe für Mitglieder - Allgemeine Zeitung Mainz")

Das sind meines Wissens nur die auf Multiplikatorenebene und von der Kammer initiierten Veranstaltungen
Das sind die offiziellen Veranstaltungs-Zahlen der Kammer, wie sie an den Bürgerbeauftragten RLP kommuniziert wurden. Was BR und MAVs an eigenen Veranstaltungen auf die Beine stellten, ist dabei weder erfasst noch von Interesse. Letztlich ist es allein die Kammer, die primär in der Informationspflicht steht und hierfür Sorge zu tragen hat. Im Gegensatz dazu ist eine Verpflichtung zur Selbstinformation der Pflegekräfte - wie von Dir kolpotiert - schlicht nicht existent. Schon gar nicht kann das eine Rechtfertigung dafür sein, dass offenbar zigtausende Pflegekräfte in RLP - bis auf die Ankündigung des Ordnungsgeldes - noch nie ein Schreiben der Kammer erhalten haben. Schon gleich gar nicht eines, in dem sich die Kammer vorstellt, auf Beteiligungsmöglichkeiten & Veranstaltungen hinweist oder gar auf den Wahltermin und damit Stichtag aufmerksam macht. Ich muss das jetzt, aus rein juristischen Gründen, vorsichtig und genau formulieren - aber das dargestellte Gebahren dieser sich selbst erschaffenden Kammer, verbinde ich persönlich ausserordentlich stark mit zwei Begrifflichkeiten:
  1. Wahlbetrug durch Wahlmanipulation (was de facto Vorsatz beinhaltet) und
  2. Elitarismus versus pluralistischer Demokratie.
Es ist schwerlich glaubhaft darstellbar, dass von den 45.000 Pflegekräfte satte 36.000 ihre zu erwartende "Wahlbenachrichtigung" ungeöffnet in den Papierkorb geworfen haben und deswegen vom Wahltermin und dem Prozedere der Stimmabgabe keine Kenntnis gehabt haben sollen. Oder einfach aus Lustlosigkeit nicht an der Wahl teilgenommen haben sollen. Diese Behauptungen - die einem tatsächlich regelmäßig als ernsthaft ins Feld geführte Argumente begegnen - stellen sich als eine derart abstruse Schutzbehauptung dar, dass auch die x-te Wiederholung sie nicht seriöser machen könnte. Egal wo man sich beispielsweise in den pflegerelevanten Bereichen sozialer Medien bewegt ist es augenfällig, wie viele RLP-Kolleg/innen vom Wahltermin keine Kenntnis hatten - und/oder noch nie ein Schreiben von der Kammer erhalten haben. Wenn man sicherstellen möchte, dass eine überaus heikle Wahl so ausfällt wie angedacht, wäre das nicht eine formidable Lösung wenn die potentiellen Gegner erst gar nicht abstimmen? Anschließend könnte man diesen dann mit einem verschmitzten Lächeln und einem "Pech gehabt, selber Schuld - jetzt sind die Tatsachen geschaffen" entgegnen. Es passt ins Bild, dass es beinahe regelhaft exakt das ist, was man am argumentativen Ende der Diskussion hierzu zu hören bekommt.

Weiss man aus persönlichen Gesprächen mit Mitgliedern der Vertreterversammlung und Ausschussmitgliedern, dass diese kammerintern oder unter vier Augen keinen Hehl daraus machen dass die Pflegekräfte mit allen Mitteln in die Kammer und somit zu ihrem "Glück" gezwungen werden sollen (und man das auch noch witzig findet), muss man sich über das arge Wanken jeglichen Wohlwollens sicherlich keine Gedanken mehr machen.

Die auch, aber nicht nur von dir, Christian, geführte Argumentation unterstellt dem dip meines Erachtens recht direkt unwissenschaftliches Arbeiten und Meinungsmache
Das ist in Gänze korrekt, Surrogat. Unter Umständen wundert Dich das jetzt, aber tatsächlich unterstelle ich genau das weiten Teilen des Abschlussberichts. Eines der eklatantasten Beispiele mag ich dabei mal herausgreifen. Es gibt in diesem Bericht noch eine ganze Reihe gleichartiger - ich nenne sie mal "mutiger & wahnwitzig ungenauer" - Angaben, die nicht nur per se unbelegt (und unbelegbar) sind, sondern gleichsam und offenkundig allein der Interpretation der Ersteller entspringen; womit sie sich ergo als reine Spekulation qualifizieren. Spätestens hier dürften wir uns alle einig sein, dass derartiges in einer wissenschaftlichen Auswertung aber auch gleich so überhaupt nichts verloren hat.

Ich zitiere aus dem Abschlussbericht, Seite 4 und 5:
Um über die Frage der möglichen Einführung einer Landespflegekammer abstimmen zu
können, war es erforderlich, dass sich Berufsangehörige der Pflegeberufe sowie Schülerinnen
und Schüler zunächst bei der BRS registrieren ließen. Dies war über den gesamten Zeitraum
vom 17. Dezember 2012 bis einschließlich zum 18. März 2013, also über drei Monate
hinweg, möglich. Zur Registrierung war neben einem Antrag mit personenbezogenen Daten
die Berufsurkunde bzw. das Abschlusszeugnis notwendig und eine Bescheinigung des Arbeitgebers
bzw. der Ausbildungsstätte. Im Falle von Selbstständigkeit oder Berentung musste
eine entsprechende Selbsterklärung ausgefüllt, unterschrieben und an die BRS gesandt
werden.
Vom 18. Februar bis zum 25. März 2013 konnten registrierte Personen auf postalischem
Wege oder über die BRS-Homepage online über die Frage der Einrichtung einer Landespflegekammer
abstimmen. Bei dieser war es nur möglich, entweder die Aussage „Ja, im
Land Rheinland-Pfalz soll eine Pflegekammer eingerichtet werden“ oder „Nein, im Land
Rheinland-Pfalz soll keine Pflegekammer eingerichtet werden“ anzukreuzen.
Dieses Vorgehen zur Registrierung und Befragung der Berufsangehörigen der Pflegeberufe
ist bundesweit bislang einmalig und hat zu einer noch nie dagewesenen Dynamik und Mobilisierung
in der Pflege geführt. Insgesamt wurden seit Dezember 2012 über die verschiedenen
Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit mit mehr als 80.000 verteilten Info-Flyern des
MSAGD und mehr als 120 Informationsveranstaltungen der Pflegeverbände sowie weiterer
Organisationen im ganzen Land potenziell alle Berufsangehörigen erreicht. Rund 15.000
beruflich in der Pflege Beschäftigte sowie Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz konnten
direkt über die verschiedenen Maßnahmen angesprochen werden.
Knapp 13.000 Personen haben innerhalb der drei Monate von Dezember bis März Kontakt
mit der BRS aufgenommen. Die BRS hat im gesamten Zeitraum rund 25.000 Schreiben an
diejenigen versandt, die eine Registrierung beantragt hatten, darunter gut 6.000 Registrierungsunterlagen,
mehr als 9.000 Abstimmungsunterlagen und rund 11.000 Erinnerungsschreiben.
Etwa 2.500 Telefonanrufe und Mailanfragen erreichten die BRS im gesamten
Zeitraum. Dabei ging es u.a. um Fragen zum Registrierungsverfahren, zum Datenschutz und
zur Struktur und den Aufgaben einer Pflegekammer. Vereinzelt gab es Beschwerden über
das Verfahren, aber auch etliche positive Rückmeldungen und Danksagungen. Die BRS hat
grundsätzlich alle Anfragenden neutral beraten und ist zur Wahrung der Anonymität aller
Kontakte und Ergebnisse verpflichtet.
Eine der harschesten Kritik an der Urwahl ist sicherlich, ob und wie Wahlberechtigte über die Möglichkeit der Stimmabgabe und des dazugehörigen Prozederes unterrichtet wurden und ob die dafür gewählten Maßnahmen der Informationspflicht genügten. Der Abschlussbericht sagt dazu aus, seit Dezember 2012 - also in einem Zeitraum von 4 Jahren - seien
  • hierzu 120 Informationsveranstaltungen durchgeführt worden - wobei merkwürdigerweise sämtliche Kennzahlen hinsichtlich der erreichten Teilnehmer fehlen (wohlgemerkt: in einem auswertenden Abschlussbericht).
  • 80.000 Flyer verteilt worden - wobei 80.000 Flyer tatsächlich gedruckt, jedoch bei Weitem nicht auch alle an die Zielgruppe der Pflegekräfte verteilt wurden (und selbst bis vor einer Woche zumindest noch eine Person kartonweise unverteilte Flyer ihr eigen nannte und im Kofferraum durch die Gegend chauffierte.)
Dennoch gelangt man in der Auswertung nun zwar zu einer quantitativen und statistischen Zahl von 15.000 erreichter Pflegekräfte - und erfährt gleichsam nichts über deren Qualität. Sind das 15.000 Auszubildende, examinierte Kolleg/innen, Veranstaltungs-Teilnehmer/innen oder Flyer-Empfänger? Und ich mag dabei mal völlig unwissenschaftlich behaupten, dass die durchschnittliche Überlebenszeit eines vor dem Frühdienst in die Hand gedrückten Flyers womöglich mit 1 Minute recht großzügig bemessen sein könnte, bevor er in einem Spind oder nach der nächsten Ecke kurz überflogen in einem Mülleimer gelandet ist. Und wie zum Teufel gelangen Auszubildende in diese statistische Größe, da diese keiner Pflichtmitgliedschaft unterliegen und somit auch nicht stimmberechtigt sind? Wurden dann unter Umständen auch noch weitere nicht stimmberechtigte Personengruppen befragt, in den Abschlussbericht inkludiert und somit diese Zahlen weiter verfälscht? Der Verdacht liegt nahe, dass dies somit auch bei der Evaluationsstudie geschehen sein könnte.

Wer solche völlig unvalidierten Daten jedoch dann auch noch mit qualitativ hochwertigen (weil validen) Daten über Teilnehmer an Info-Veranstaltungen vermengt, der hat - um es mit den Worten meines ehemaligen Profs Herrn Bürkle zu sagen - "nicht nur den wissenschaftlichen Ansatz und die Seriösität seiner Analyse in beeindruckender Weise versaut, sondern mit Füßen getreten und gaukelt der Öffentlichkeit wissentlich eine - oder wenn benötigt: gleich mehrere - Scheinwelten vor." .

Jetzt ist das vorgenannte jedoch bestenfalls ein Nebenschauplatz und somit lediglich das Vorspiel, denn den Verfassern scheint an dieser Stelle bereits aufgefallen zu sein, dass man sich mit dem Nachweis der tatsächlichen Reichweite etwas schwer tut und man somit ebenso schwerlich belegen kann, dass tatsächlich alle Pflegekräfte über die Wahl, die Voraussetzungen, die Wahltermine und das Prozedere ausreichend informiert waren. Es scheint als habe man sich im Abschlussbericht dann gütlich darauf geeinigt, auf diesen Nachweis einfach ganz zu verzichten und es fortan nur noch elegant umschrieben zu behaupten - vielleicht in der Hoffnung es fällt schon keinem auf:
[...]...im ganzen Land potenziell alle Berufsangehörigen erreicht. [...]
Man muss nun keinen Schein in quantitativen Methoden bestanden haben um zu verstehen, was dieser Satz beinhaltet. Aber man kann es auch einfach an einem Beispiel verdeutlichen: durch die Veröffentlichung dieses, meines Beitrages, haben diesen potenziell alle Pflegekräfte im Bundesgebiet gelesen. Das die damit implizierte Unterstellung der 100%-igen Reichweite in diesem Personenkreis barer Unsinn ist, liegt auf der Hand. Mit wissenschaftlicher Arbeit hat eine solche Aussage nichts zu tun und im Falle des Abschlussberichts muss man sie deutlich als das bezeichnen, was sie ist: pseudo-wissenschaftliches Geschwätz, dass schlicht der Grundlage entbehrt. Ob der Offensichtlichkeit stellt sich somit im gleichen Atemzug die Frage, weshalb der Eindruck der flächendeckenden Reichweite erweckt werden soll - und da beisst sich die Katze dann in den Schwanz und man gelangt zwangsläufig zur hier formulierten Eingangskritik zurück.

Was mir dann immer fehlt ist ein konkretes Gegengutachten oder wenigstens ein fundiertes Statement, welches die Befragung statistisch oder allgemein wissenschaftlich aushebelt (müsste ja leicht sein, falls o.g. zutrifft) - gerade weil viele Parteien aus der Szene der Kammergegner über eigene Rechtsabteilungen und stabilen finanziellen Hintergund verfügen, irritiert mich das. Wo bleibt es?
Du sprichst mir da aus der Seele, Surrogat. Allerdings weißt Du so gut wie ich, wer im Besitz der Daten ist und das Aussenstehende weder eine Berechtigung zur Einsicht haben, noch auf die Quellen zugreifen können. Was den statistisch-wissentschaftlichen Ansatz angeht wundert es mich allerdings, dass Dir - ich unterstelle jetzt, dass Du an wissenschaftliches Arbeiten gewöhnt bist - die allein im Abschlussbericht vorhandenen und im Wortsinne grundlegenden Mängel nicht ins Auge springen. Und nein, man muss sicherlich kein Gegengutachten erstellen, wenn derartig offenkundig erhebliche Zweifel an den öffentlich verfügbaren Daten, der Methodik und den veröffenlichten Ergebnissen begründet werden. Vielmehr haben die Ersteller ihre Arbeit zu verteidigen, können die entsprechenden Daten offen legen und somit Beweis antreten. Ich bezweifele jedoch, dass das zu irgendeinem Zeitpunkt stattfinden wird.

Dennoch: Dein Gegengutachten ist aber im Grunde schon da - und zwar von niemand geringerem, als dem Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz. Im April 2016 gab der LRH in einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Familie, Frauen, Gesundheit und Migration eine umfassende Stellungnahme ab, in der die Rechnungsprüfer in allen wesentlichen Punkten deutliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit, Zulässigkeit und Finanzierung der Pflegekammer hatten. Kritik übte der LRH schon an der rechtlichen Begründung zur Einrichtung einer Pflegekammer. Wesentliche Punkte wurden nicht hinreichend ausführlich oder nicht vollständig behandelt. Es wurde bezweifelt, ob die Aufgaben die einer Kammer übertragen werden dürfen ausreichen, diese zu rechtfertigen. Bislang habe es keine Auseinandersetzung mit diesem Kernthema gegeben. Es fehle an klaren Aussage, welche Vorteile eine solche Kammer den Betroffenen bringt und es seien bis dato - statt geforderter konkreter und überprüfbarer Angaben - hierzu lediglich unbestimmte und allgemeingültige Floskeln, wie die der berufsständischen Vertretung oder Förderung der Qualitätssicherung, gemacht worden.

Bemängelt wurde auch die unvollständige Auseinandersetzung mit der Evaluationsstudie. Es scheint niemandem aufgefallen zu sein, dass 63% der Befragten für einen Beitrag bis 9 Euro/Monat gestimmt haben, lediglich 42% der Befragten aber überhaupt für eine Pflegekammer votiert haben. Übersetzt bedeutet dies, dass ca. 21% der Befragten bereit gewesen wären für eine Kammer zu bezahlen, die es zu dem Zeitpunkt nicht gab. Im Umkehrschluss führt das zu dem Ergebnis, dass diese Evaluationsstudie entweder gravierende handwerkliche Fehler aufweist oder die Ergebnisse in einer Weise aufbereitet und dargestellt wurden, wie es politisch benötigt wurde.

Unter vorbehaltlicher Anerkennung der Richtigkeit der vorliegenden Zahlen wies der LRH ausdrücklich darauf hin, dass die Landesregierung sich im Gesetzentwurf damit Auseinandersetzen müsse, dass 47% der Befragten eine Pflichtmitgliedschaft mit Beitragspflicht ablehnen und lediglich 42% sich dafür aussprechen. Das Ergebnis, dass sich eine Mehrheit der Pflegefachkräfte für die Errichtung einer Pflegekammer mit Beitragspflicht ausgesprochen hat, lässt sich nach Auffassung des LRH nicht eindeutig aus der Evaluationsstudie ableiten.

Dem LRH fehlte auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Beitragserhöhung. Die Landesregierung setzt voraus, dass der Beitrag unter 9 Euro/Monat liegen wird. Das kann aber auf Dauer nicht garantiert werden. Steigt der Finanzbedarf über die geschätzten 4,8 Millionen Euro an, müssten die betroffenen Kammermitglieder - also alle ! - dies ausgleichen. Weiter kritisierte der LRH, dass die Kalkulation für die Kosten nicht nachvollziehbar dargelegt wurde. Es fehlten z.B. Angaben, welche Sachkosten in die Planung eingeflossen sind. Es ist für den LRH nicht nachvollziehbar, ob die avisierte Kostenschätzung der Landesregierung überhaupt realistisch ist. Vor allem müsse sich die Landesregierung auch konkretisieren, wie die Anschubfinanzierung der Kammer erfolgen soll. Hier wäre eine Kreditaufnahme oder eine Bürgschaft des Landes möglich. Das bedeutet aber auch, dass man den Betroffenen gleich zu Anfang per Gesetz Schulden auflädt.

Eine interessante Information. Woher stammt diese?
Von Mitgliedern der Vertreterversammlung. Wobei die von mir verwendete Formulierung "Pleite ist" richtigerweise lauten muss "zum Mitteilungszeitpunkt Pleite gewesen sein soll".

Was wurde denn aus der Anschubfinanzierung, die doch recht hoch war?
Tja, da sprichst Du das richtige Thema an. Da die Kammer wohlweislich nicht dem Transparenzgesetz unterliegt und sie es tunlichst unterlässt ihre veröffentlichten Zahlen & Daten auch zu belegen, sind deren Angaben für Aussenstehende natürlich schwerlich überprüfbar. Bei den Rückfragen zu den von ihr in den Medien lancierten und recht widersprüchlichen Zahlen, kommt das vermutlich aber auch nicht ganz ungelegen.

Was die Verfassungsbeschwerde angeht, habe ich sie lediglich aufgeführt, nicht etwa eingeschätzt. Inhaltlich sind Du und ich da jedoch nicht weit voneinander entfernt und ich hätte sie sicherlich an anderen Punkten festgemacht, die sich per se weit eher anbieten. Allerdings ist es meines Wissens nach die erste und einzige Verfassungsbeschwerde, die dezidiert von Pflegekräften eingereicht wurde. Und dieser - somit wohl historische - Umstand ist es, der sie für mich bemerkenswert macht.

---

Es wundert sich an dieser Stelle dann auch hoffentlich niemand mehr, weshalb der DBfK für Befragung der Pflegekräfte, die Auswertung und Analyse ein pflegewissentschaftliches Institut fordert. Mit der in RLP zur Schau gestellten Durchführung, den eklatanten handwerklichen Fehlern und pseudo-wissenschaftlichen Methodiken, lassen sich Ergebnisse natürlich grundsätzlich auch so hinrechnen, wie es beliebt - oder gewünscht ist.
 
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Surrogat

da Surrogat seinerzeit ebenfalls diesen Bericht als Gegenargument anführte und der Auffassung war, wenn es schon einen öffentlichen Abschlussbericht des DIP gibt, muss ja wohl auch alles mit Rechten Dingen von statten gegangen sein und alles wissentschaftlich belegbar sein. Um es kurz zu machen - ganz im Gegenteil
Und das hatte mich dann bewegt, dem DIP e.V. im September letzten Jahres die im Rahmen der Diskussion aufgekommenen Fragen und Themenkomplexe zu schicken und um eine Aufklärung zu bitten - Antwort, zu der sich jeder eine eigene Meinung bilden sollte, siehe Anhang.
 

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Christian Kröhl

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25.06.2000
Und das hatte mich dann bewegt, dem DIP e.V. im September letzten Jahres die im Rahmen der Diskussion aufgekommenen Fragen und Themenkomplexe zu schicken und um eine Aufklärung zu bitten - Antwort, zu der sich jeder eine eigene Meinung bilden sollte, siehe Anhang.
Danke für das zur Verfügung stellen, Surrogat - auch wenn ich erneut aus den Antworten und dem daraus folgenden Kopfschütteln nicht heraus komme. Liest man das, stellt sich das Ganze offensichtlich noch schlimmer dar, als selbst ich das bislang annahm.

Da im Berichtszeitraum rund 13.000 Personen Kontakt mit der Befragungs-und Registrierungsstelle (BRS) im DIP aufgenommen haben und weitere tausende Berufsangehörige durch Informationsveranstaltungen erreicht wurden, wurde im Bericht von mindestens 15.000 direk-ten Kontakten ausgegangen. Mit all den Maßnahmen zusammen ist die Aussage also zutreffend, dass potenziell alle Berufsangehörigen erreicht werden konnten.
Das DIP ist also weiterhin der Auffassung, die Anzahl von 45.000 Pflegekräften in RLP sei also weiterhin gleichzusetzen mit den auch weiterhin nicht qualitativ validierten 13.000 Personen sowie den "tausenden" Berufsangehörigen . Diese These des DIP ist nicht neu, auch nicht sonderlich originell - aber sie macht deren Auswertungsbericht eben leider auch nicht richtiger oder bringt ihn etwa näher an die Realitäten heran.

Das Auszubildende in einer Urwahl zur Bildung einer Kammer stimmberechtigt sind, ist einer der Punkte, mit dem sich die Gerichte befassen werden müssen, wenn die Kammerbildung in meinem Bundesland ansteht. Sofern dem so sei - und die Pflegekammern i.Gr. vergleichen sich ja dahingehend selbst gerne mit den Landesärztekammern - hätten dort auch sämtliche Studenten der Humanmedizin oder PJ´ler stimmberechtigt gewesen sein müssen. Das waren sie aus gutem Grund jedoch nicht - und sie sind es selbst heute nicht.

Insgesamt bestätigt das Schreiben jedoch - und für mich: erschreckenderweise - im Detail die Kritikpunkte an deren Arbeit, ihrer Methodik und der Aufbereitung der dargestellten Ergebnisse im Zusammenhang mit dieser Urabstimmung. Das DIP behält sich offenbar jedoch das - recht exlusive - Recht vor, mit unvalidierten (eigenen!) Annahmen und Zahlen zu arbeiten, diese in die Auswertung einfliessen zu lassen und die Deutung dem Anschein nach abschließend passend zu richten. Für mich ist das lediglich einen Hauch "wissenschaftlicher", als Kaffeesatz-Lesen auf dem Jahrmarkt.

Hast Du auf die Stellungnahme hin dort denn mal erneut nachgehakt, Surrogat?

Gruß,
Christian.
 
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Der Eine

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Hallo Christian,
Ich kann grundsätzlich nachvollziehen, dass du Probleme mit einer Abstimmung hast, die über die Zukunft von fast 40000 Pflegekräften entscheidet, an der aber lediglich 13000 Pflegekräfte mitgewirkt haben.
Allerdings sollte dir klar sein, dass es bei einer nicht verpflichtende Wahl immer einen hohen Anteil an Personen gibt, die auf ihr Wahlrecht verzichten. Meist kommen auch genau aus dem Kreis der "Nichtwähler" nach der Wahl die Stimmen derjeniger, die alles in Frage stellen, was mit dem Ergebnis der Wahl zu tun hat.
Da ich zu Zeit der Abstimmung einige Wochen in Rheinland-Pfalz tätig war, konnte ich als Außenstehender mir ein Bild von der Situation dort machen:
Ich war überrascht, wie groß das Desinteresse der Pflegekräfte an Thema Pflegekammer war. Außerhalb der Krankenhäuser war über das Thema in der Presse wenig zu erfahren, obwohl in der Krankenhäusern fast überall darauf hingewiesen wurde.
Außerhalb von Rheinland-Pfalz wurde das Thema in der Presse sogar komplett ignoriert.
Die ersten richtig lauten Kommentare zur Pflegekammer hörte ich erst, als die Gewerkschaft VERDI das Gerücht verbreitete, die Beiträge für die Kammer werde sich im Bereich 30-50 Euro Bewegen müssen. Alle geringeren Beitragsangaben der Befürworter seien gelogen !!!
Hat für eine große Angst bei einigen Pflegekräften gesorgt . Einige haben sich daraufhin noch zur Wahl registriert um dagegen zu stimmen.

Aber es war weiterhin so, dass sich relativ wenige Pflegekräfte mit dem Thema befasst haben. Für die meisten war die aktuelle Arbeitssituation und das Privatleben wichtiger. Daher war ich positiv über die Wahlbeteiligung überrascht. Auch über das Ergebnis, da ich viele Negativstimmen aus dem Gewerkschaftslager gehört habe

Im Großen und Ganzen fand ich es traurig, das trotz der Anstrengungen, die ich dort erlebt habe, die Initiatoren des ganzen im Nachhinein vorgeworfen wird, sie hätten alles zu ihren Gunsten verdreht. Ich habe es so nicht erlebt. Übertriebe Falschaussagen kamen von den Gegnern.!!!

LG Der Eine
 
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Christian Kröhl

Christian Kröhl

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25.06.2000
Ich kann grundsätzlich nachvollziehen, dass du Probleme mit einer Abstimmung hast, die über die Zukunft von fast 40000 Pflegekräften entscheidet, an der aber lediglich 13000 Pflegekräfte mitgewirkt haben.
Allerdings sollte dir klar sein, dass es bei einer nicht verpflichtende Wahl immer einen hohen Anteil an Personen gibt, die auf ihr Wahlrecht verzichten. Meist kommen auch genau aus dem Kreis der "Nichtwähler" nach der Wahl die Stimmen derjeniger, die alles in Frage stellen, was mit dem Ergebnis der Wahl zu tun hat.
Du verwechselst hier 2 offensichtliche und grundsätzlich verschiedene Dinge. Der weit überwiegende Teil der in RLP tätigen Pflegekräfte hat bis zum Beitragsbescheid nach der Einrichtung der Kammer noch nie von einem Termin der Urwahl, dem Prozedere gehört oder ist geschweige denn von der Kammer i.Gr. hierzu anderweitig informiert worden. Diese Pflegekräfte hatten keine Möglichkeit an der Ur-Wahl teilzunehmen - und das ist gelinde gesagt ein kleiner Unterschied, ob jemand bewusst nicht wählt oder hierzu keine Gelegenheit hat.

Die ersten richtig lauten Kommentare zur Pflegekammer hörte ich erst, als die Gewerkschaft VERDI das Gerücht verbreitete, die Beiträge für die Kammer werde sich im Bereich 30-50 Euro Bewegen müssen. Alle geringeren Beitragsangaben der Befürworter seien gelogen !!!
Das widerum halte ich für ein Gerücht und ich würde Dich bitten das zu belegen. In den letzten 3 Jahren sind mir solche Summen nicht zu Ohren gekommen - und ich hab das Thema durchaus recht eng verfolgt. Witzigerweise gab es aber ja gerade eine Beitragserhöhung, nicht? Wer sich mal die Mühe macht und das durcharbeitet, warum diese nun so "überraschend" notwendig wurde, dem wird sicherlich bei dem Gedanken ein wenig plümerant, wie sich die Beitragserhöhungen vor diesem Hintergrund in den nächsten 2 Jahren darstellen werden.

Übertriebe Falschaussagen kamen von den Gegnern.!!!
Befürchtungen habe ich viele gehört - faktische Lügen habe ich dahingegen allerdings tatsächlich nur von Mitgliedern der Vertreterversammlung der Pflegekammer zu hören bekommen. Mal abgesehen von den Hailsversprechen von besseren Lohn- und Tarifabschlüssen, der nebulösen Qualitätssicherung und der ganzen Blase, mit der die Pflegekammer schlicht nichts zu tun hat, Kammerbefürworter aber nicht müde wurden und werden zu rezitieren.

Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sich in den letzten 3 Monaten ja nun reichlich Gründungsmitglieder der Kammer RLP im Pflegeboard registriert haben, um auf die Diskussion Einfluss zu nehmen. Das wäre sicherlich eine gute Idee gewesen, auch hier den Dialog zu suchen - aber statt überhaupt auf die bundesweit im Raum stehende, nachhaltige Kritik einzugehen, endet es für diese anscheinend im Installieren von Nebenschauplätzen. Das ist zunächst schade, aber es beleuchtet recht gut, wie sich der Modus operandi dieser Damen und Herren darstellt.
 
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Surrogat

Hast Du auf die Stellungnahme hin dort denn mal erneut nachgehakt, Surrogat?
Nein, Christian, habe ich nicht. Ich habe das Material lediglich an diverese interessierte KollegInnen beider Lager weitergereicht, damit ein jeder sich daraus seine Schlussfolgerungen ableiten konnte. Faktisch bleiben in dem Dokument natürlich noch Fragen offen - aber ich sah und sehe mich argumentativ und vom intellektuell-wissenschaftlichen Hintergrund weniger gut in der Position, diese anzusprechen bzw. deren Auflösung einzufordern. Das sollen berufenere, kompetentere und enthusiastischere KollegInnen tun.

Ich war überrascht, wie groß das Desinteresse der Pflegekräfte an Thema Pflegekammer war. Außerhalb der Krankenhäuser war über das Thema in der Presse wenig zu erfahren, obwohl in der Krankenhäusern fast überall darauf hingewiesen wurde.
Das kann ich nur bestätigen. In der Fläche war die Pflegekammer unter KollegInnen eher weniger ein Thema, aber sogar in den Kliniken (und trotz zumindest häufiger angebotener Informationsveranstaltungen) war das Interesse eher gering und zielführende Diskussionen selten. "Desinteresse" (der im mir bekannten pflegerischen Umfeld leider bestehende Standardzustand im Rahmen der Berufspolitik) im Vorfeld beschreibt die Situation sehr gut...und wurde teils von einer hysterischen Antipathie abgelöst, als die ersten Mahnschreiben eintrafen.
Eine Kollegin hat das sehr schön formuliert: "Ich hab' gedacht, wenn wir uns dazu ned positiv äussern, dann passiert das ned - genauso wie mit den ganzen Dienstanweisungen...die kratzen ja auch kaum jemanden!" (Gedächtnisprotokoll)

Persönlich und im Speziellen ärgerlich und unredlich fand ich allerdings wenn KollegInnen im Nachhinein angaben, von der Thematik "völlig überrascht worden" zu sein bzw. nie Informationsmöglichkeiten erhalten hätten - und ich ihnen dann auf die Nase zusagen konnte, dass sie mit mir in der gleichen Mitarbeiterversammlung gesessen hatten, wo die Bildung der LPK mehrfach Thema war. Oder die zahlreichen Flyer (ja...es gab sie) bzw. Artikel in entsprechenden Fachzeitschriften.
Ablehnung und kritische Auseinandersetzung kann ich verstehen - im Nachhinein Unwissenheit heucheln geht zumindest in den mir bekannten Kliniken gar nicht!
Dass KollegInnen in den ambulanten Diensten oder AH's schlecht informiert waren, ist jedoch auch ein Faktor - ob man den allerdings ausschliesslich den offiziellen Quellen zuschreiben kann, wage ich zu bezweifeln.

Das widerum halte ich für ein Gerücht und ich würde Dich bitten das zu belegen. In den letzten 3 Jahren sind mir solche Summen nicht zu Ohren gekommen - und ich hab das Thema durchaus recht eng verfolgt
Dieses "Gerücht" kann ich aus presönlichen Gesprächen teilweise bestätigen - es kam bei uns und anderen Kliniken über den klassischen Flurfunk bzw. stille Post zustande. Man hatte in Gesprächen jedoch in alle Regel nur "ca. 50 - 100 Euro/Jahr" mit "ca. 50 - 100 €/Monat" verwechselt und das dann munter weitergegeben. Addiert man noch verschiedene Beitragshöhen dazu, die irgendwer irgendwo her hat, wird daraus ein Brei an Desinformation.

Gleichzeitig muss man allerdings auch in diesem Bereich z.B. dem DPA gezielte Meinungsmache vorwerfen:
"Wir rechnen mit jährlichen Kosten von rund 120,- Euro, die jeder Beschäftigte in der Pflege privat aufbringen muss. Gleichzeitig müsste auch viel öffentliches Geld in die Einrichtung einer Kammer fließen. Geld, das an anderen Stellen in der Pflege dringender benötigt wird." (Voller Risiken und Nebenwirkungen: Die geplante Pflegekammer, Zugriff: 18.02.2017).
Es sollte jedem klar sein, dass Geld welches nicht in die Pflegekammern fliesst, genauso wenig "an anderen Stellen in der Pflege" landet...auch wenn das hier angedeutet (aber natürlich nicht behauptet) wird.
 
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Der Eine

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Das widerum halte ich für ein Gerücht und ich würde Dich bitten das zu belegen.
Kann ich leider nicht, da mir gegenüber diese Aussagen auch nur mündlich gemacht wurden. Ich musste dann immer darüber lachen.und hab nur den Kopf geschüttelt.:fremdschaem:

Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sich in den letzten 3 Monaten ja nun reichlich Gründungsmitglieder der Kammer RLP im Pflegeboard registriert haben, um auf die Diskussion Einfluss zu nehmen.
Sollte das eine Andeutung sein:
NEIN, ICH BIN KEIN MITGLIED DER PFLEGEKAMMER:zornig:
Ich arbeite nicht einmal in Rheinland-Pfalz sondern war in den Jahren 2015 und 2016 wiederholt beruflich dort. Habe dann auch 2015 auch zu ersten Mal von der Pflegekammer gehört. Daher stehe ich weiterhin zu der Aussage, dass es nur Desinteresse sein kann, wenn man in Rheinland-Pfalz arbeitet und behauptet, dass man erst durch eine Mahnung von der Pflegekammer "überrascht" worden ist.:patsch: Ich habe in den paar Wochen "Gastspiel"einiges davon erfahren.

LG Der Eine
 
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