Demenzkranken betreuung leicht gesagt, schwer getan

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Willy_Wuff

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Ich dachte mir, das es vielleicht mal ne gute Idee wäre so einen Unterhaltung zu starten :)
Betrifft zwar nicht nur die Altenpflege, sondern Pflege allgemein, aber ich denke mir das eine Altenpflegekraft sich wahrscheinlich besser bei dem Thema auskennt, als eine Krankenpflegekraft, also einfach mal loslegen :)

Das Problem:
Demenzkranke können einem innerhalb kürzester Zeit die letzte Nervenfaser ruinieren :)
Wie geht ihr damit um, wie geht ihr mit den Patienten/Bewohnern um, das es nicht zu vermeidbaren Schwierigkeiten kommt ?

Welche Mechanismen habt ihr, um euch selbst von dem Stress zu befreien und aufkeimende Aggressionen zu verhindern ?

Welche Probleme habt ihr ? Vielleicht hat hier einer ne Lösungsmöglichkeit.

Beispiel : Ich arbeite auf ner Überwachungsstation, und wenn nen Demenzkranker sich alle 5 Minuten die EKG Kabel abbaut und ich sie wieder anbauen muß, da treibt einen das in den Wahnsinn, vor allem weil man ja auch noch nen büschen was anderes zu tun hat.

Für mich ne Möglichkeit die oft hilft …..
Ne Mullbinde so verknoten das er sie nicht abwickeln kann ( Wär ungünstig wenn ich ins zimmer komm und der Patient sich das Ding um den Hals gewickelt hat :) )
und dem Patienten in die Hand drücken, hat er Beschäftigung und lässt meine Kabel so lange in Ruhe, bis ihm die Binde aus der Hand gefallen ist :)

Wenn ich selbst merke das mein Aggressionspegel ansteigt, kann es auch mal passieren das ich ins Zimmer reingehe und mit nem breiten lächeln und scherzhafter Tonlage sage : „Och Muddern wat machst da schon wedder, du machst mich echt feddisch.“

Für mich nen Ventiel und für den Patienten kein Grund angst zu bekommen, ganz im Gegenteil, entweder gucken die mich fragend an oder grinsen breit :)


Also, legt los und last uns alle voneinander lernen :)
 
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Hallo Willy_Wuff,
ein sehr interessantes Thema, aber ich schätze dafür gibt es derzeit keine allgemein gültige Lösung. Die Krankenhäuser sind immer noch total überfordert mit dem Krankheitsbild der Demenz und den so unterschiedlichen Verhaltensweisen.
Ich denke, man müsste das ganze System überdenken und demente Patienten nicht vereinzelt auf den verschiedenen Stationen verteilen, sondern disziplinübergreifend eine Station für demente Menschen schaffen, die dann auch adäquat personell aufgestellt ist.
Um solch speziellen Situationen zu begegnen, wie du eine geschildert hast, wäre es sicher sinnvoll, sich mit den Techniken der Validation oder der integrativen Validation vertraut zu machen, auch Biographiearbeit kann hier hilfreich sein.
Das Thema ist so komplex, da könnte man sich stundenlang darüber auslassen und hätte dennoch keine Lösung, die für alle Verhaltensweisen gleichermaßen gilt.
 
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Willy_Wuff

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Ich kenne keine Situation in der pflege, für die es eine All gemeingültige Lösung gibt, dazu sind die Menschen zu unterschiedlich.
Und währe natürlich schön, wenns das gäbe was Du beschrieben hast, dürfte aber leider in den seltensten Fällen der Fall sein.
Und vor allem bei Demenz kranken Patienten kann man sehr von den Erfahrungswerten anderer Kollegen Profitieren.
Und wenn der eine oder andere den einen oder anderen "Trick" auf lager hat, oder einfach von Situationen berichtet, dann wird keiner von uns beim Lesen dümmer werden :)

Simple Sache, die ich mir zum Beispiel in eine Pflegeeinrichtung vorstellen könnte, damit kann man dann gleich nen Haufen Leute beschäftigen :)
Kleine handliche Demenzkissen :)
Das sind einfach kleine weiche Knautschkissen, die zum beispiel mit Watte gefüllt sind, und in dem Kissen ist zusätzlich irgendwas hartes drinne das man Tasten kann.
Könnte zum Beispiel im Rahmen von Beschäftigungstherapie von Fitten Bewohnern genäht werden.
Wenn man denen sagt wofür das ist, wissen sie sogar das sie was sin volles Tun, mit dem sie den Schwestern helfen :)
Minimalste Investition für den Arbeitgeber.

Oder Situationen die die Logik eines Demenz kranken beschreiben :)
(Selbstmurmelnd, auch deren Gedankenkonstrukten vollen einer Logik, wie bei jedem Menschen, mal mehr mal weniger )

Ich versteh ja nicht mal das was meine Kolleginnen als Logik bezeichnen, wie soll ich dann der Logik eines Demenzkranken Follgen :)

Beispiel : Ein Patient weigert sich seine Zähne rein zu nehmen, mit der Begründung das es nicht seine sind.
Jeder weiß das sie ihm gehören und alle sind langsam am verzweifeln, bis mal einer auf die Idee gekommen ist ihm in den Mund zu gucken. Der Gutste hatte ne Druckstelle im Mund, sprich die Prothese hat ihm Schmerzen verursacht. SEINE Prothese hat ihm noch nie weh getan, is doch logisch das es dann nicht seine sein kann :)

In diesem Sinne haben wir alle nen Berg wissen, den es niemals in irgendeinem Lehrbuch geben wird, unwichtig ob 3 Jährig 2 Jährig Examiniert, ob Krankenpflege Altenpflege PDL oder Reinigungskraft.

Vielleicht schaffen wir es ja ne Diskussion zu führen ohne das es zu ner "üblichen" Pflegediskussion marke Alles Doof, alles muß anders werden und mein Chef ist schuld :)
Denn hier geht es um unsere Uhreigenste Kompetenz, dem Direkten Umgang mit dem Patienten/Bewohner :)
 
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Mir persönlich hat es in solchen Situationen immer geholfen, wenn ich mehr über meinen Bewohner wusste. Biografische Informationen über die Familie, den Beruf oder markante Ereignisse. Oft sieht man in Stresssituationen nicht mehr die Person, sondern nur noch das Problem, die von mir geplante Maßnahme nicht durchführen zu können.

In solchen Situationen einen Schritt zurück zu treten und das Individuum hinter meinem Problem mit der Versorgung zu sehen, hat mir immer geholfen.

Ein anderer Punkt der mir wichtig war, ist in einem Team zu arbeiten, in dem man sich sagen kann, Herr XY macht mich wütend, oder in dem man sich bei der Versorgung abwechselt. Es ist menschlich so zu empfinden und kein Zeichen fehlender Eignung für diesen Beruf.

Wenn dieses Team dann noch die Kompetenz hat in z.B. Fallbesprechungen gemeinsam die Perspektive des Bewohners einzunehmen und ein Verständnis für die oft erstmals unlogisch erscheinenden Handlungen zu finden, hilft auch das Enorm. Empathie, Fachwissen und Austausch helfen zu verstehen, warum diese Zahnprothese abgelehnt wird und dann kann ich die Reaktion viel besser akzeptieren, anstelle jeden Tags ergebnislos auf einen dementen Menschen einzureden, dass er sich irrt.

In diesem Zusammenhang freue ich mich schon auf die Umsetzung des neuen Expertenstandards, der sicher für die Krankenpflege eine sehr große Herausforderung darstellt, da in der Langzeitpflege natürlich das kennenlernen der Bewohner leichter fällt.
 
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Erst einmal nehme ich nichts, was ein MmD zu mir sagt persönlich. Auf einen solchen Patienten gehe ich von vorne zu, dass er mich wahrnehmen kann, stelle mich mit Namen vor und reiche ihm dabei die Hand. Ich widerspreche nicht, wenn er etwas sagt, sondern versuche herauszufinden wo er gerade ist in seiner Welt. Einen guten Zugang habe ich oft mit Singen, die guten alten Volkslieder, und staune jedesmal wie textsicher diese Menschen sind. Über Kuscheltiere gelingt eine Ansprache oft sehr viel besser. Einfach mal Kollegen fragen ob sie welche über haben. Auch gut funktioniert haben bei uns Socken, die zusammengelegt werden, davon hat sicher jeder ein paar zu Hause. Letztens habe ich eine Tüte voll gehäkelter Topflappen erwischt, und besonders nestelnde MmD freuen sich darüber. Wenn mgl. auf das Alter angepasste Musik, Schlager aus versch. Jahrzehnten, oder eben Volkslieder, hilft oft in der Nacht bei unruhigen Patienten.
Der Umgang mit MmD erfordert ein Zusammenarbeiten aller Professionen. Wir hatten mal einen Patienten, der ausschließlich auf weibl. PP abwehrend reagiert hat, also haben wir versucht so weit es gingdass nur die männl. PP zu ihm gingen.
Ein Akutkrankenhaus hat prinzipielle Abläufe die für einen MmD nicht passen, aber mit ein bisschen Willen kann man manche Abläufe auch anpassen. Wer sich nicht waschen lassen will, wenn alle gewaschen werden, dann wird es halt später versucht.
Wir haben schon Untersuchungen verschoben, weil das einzige wodurch ein MmD deescaliert werden konnte eine gute Tasse Bohnenkaffee war. Er war der glücklichste und friedlichste Mensch danach.
Biografiearbeit in einem Akutkrankenhaus ist schwer, wenn es Pat. aus einem PH sind, kann man auch mal anrufen falls keine Überleitung vorhanden ist.
Ideen sind gefragt und es gibt keine falschen Ideen. Es ist ein ständiges Ausprobieren, zumal was heute funktioniert kann morgen anders sein und immens wichtig ist der Austausch untereinander, in der Art einer Fallbesprechung, mit allen Professionen.
Der Umgang mit einem MmD fängt bei der Einstellung zu diesen Menschen bei der eigenen Einstellung an.
Sorry für den langen Text, ich habe mich schon sehr kurz gefasst, ein Thema was mich sehr bewegt.
 
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Willy_Wuff

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@Kalimera


Ne, brauchst Dich nicht für den langen Text entschuldigen, ganz im Gegenteil, genau darum geht es mir ja.
Das ist ein Thema das man nicht einfach stumpf in eine Diagnose pressen kann.
Hat einer ne Gastritis ist es kla was er hat und was zu tun ist.
Demenz ist aber eine Diagnose die 1000 Patienten haben und 1000x bedeutet es etwas anderes.

Zum Beispiel Deine Aussage mit dem Kaffee, das spiegelt viele Probleme wieder und ist eine Lösung für vieles.
Ich kann Stundenlang mit dem Patienten Diskutieren, das macht ihn aggressiv und es macht mich aggressiv. Im Gegensatz zu vielen Pflegekräften sind demenzkranke aber in der regel im Höchsten Maße empathisch, sprich sobald ich aggressiv werde habe ich eh komplett verloren und kann nur noch den Rückzug antreten.
Und genau das ist ja der Punkt an dem die Pflegekraft von der Vergesslichkeit der Patienten auch profitiert.
Er hat seinen Kaffee sprich seine Bedürfnisse sind befriedigt und er sitzt nun zufrieden und vielleicht gelangweilt im Bett oder auf dem Stuhl.
Ich komme rein und habe ne komplett neue Info, endlich klappt es mit der Untersuchung, und nun kanns ja losgehen......
Für den Patienten ist es neu und vielleicht freut er sich ja auch das endlich mal was passiert :)
Sprich die Idee mit dem Kaffee schont seine Nerven, und vor allem habe ich sicherlich genug das ich in der „Wartezeit“ zu tun habe, sprich ich habe auch keinen Zeitverlust.
Und ich sehe es auch so, das Kliniken viel mehr mit den Pflegeeinrichtungen zusammen arbeiten sollten.
Ich kann mein Nervenkostüm ruinieren in dem ich viel Zeit damit verschwende mit dem Patienten zu „Kämpfen“
Oder aber ich nehme mal nen Telefon in die Hand und rufe die Kollegin aus der Pflegeeinrichtung an und frage wo sein Problem ist. Ich bin glücklich weil ich mein Nervenkostüm schone und viel Zeit spaare und in der Regel freun die Kollegen aus der Pflegeeinrichtung sich weil sie erfahren wie es ihrem Bewohner geht.
Keine Zeit zum Telefonieren ist ne schlechte Ausrede, denn das Telefonat kostet keine 10 Minuten, kann aber Stunden einspaaren.
 
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Ich bin in einer ZNA mit IMC.

Dort haben wir auch häufiger solcher Pat.
Meist sind sie allerdings mit HWI etc. da und warten schlichtweg auf ein Zimmer. Wenn sie sich da das Monitoring abrupfen ist das nicht ganz so schlimm. Dann lassen wir es bleiben und gucken regelmäßig ins Zimmer. Bei uns darf grundsätzlich kein Bett im Flur stehen. Also können wir die Pat. auch nichts vors Dienstzimmer holen.

Bei überwachungspflichtigen wird geschaut was wir machen können. Wenn sie sich nur das SpO2 runterreißen wird das mit Verband befestigt. Meist reicht es einen Klebesensor auf die Stirn zu kleben. Klebeelektroden verstärke ich gerne noch mit jeweils 2 Viggopflaster.
Die Kabel versuche ich dann so hängen zu lassen das sie aus Sicht- und Greiffeld sind. Also oben aus dem Ausschnitt und dann hinter dem Kopf lang.

Eigentlich haben wir einen Schlüssel 1/4 aber wir kommen auch zu harten Zeiten auch auf 1/12.
Wenns wirklich schlimm ist wird ggf. über die Dauer von Infusionen eine Hand mit Platz fixiert. Also so das sie die Hand selber nicht aus der Schlaufe ziehen können, aber dennoch ein wenig Platz haben sich zu bewegen, aber nicht mehr an die Überleitung kommen. Und wenn gar nichts mehr hilft und der Pat. gar nicht zu bändigen ist aber unbedingt Monitoringüberwacht werden muß, dann leider Sedierung. Wir versuchen das aber immer durch Sitzwachen und Angehörige zu vermeiden. Klappt natürlich nicht immer.

Unsere Pat. sollen eigentlich nur wenige Stunden bei uns sein, kommt aber auch schon mal vor das sie 2 Tage bei uns verweilen, weil mal wieder nirgends ein Bett frei ist.

Dadurch das wir in der ZNA sind, wird bei uns viel Diagnostik getrieben und selber beim Schlüssel 1/4 geht es bei uns in der Regel eher rund als gemächlich. Daher können wir diesen Pat. meist nicht gerecht werden. :( :( :(

Wir testen auch gerne aus was die Pat. beruhigen könnte. Wir hatten mal eine Pat. die stand voll Kinderlieder. Da das einzige Lied was wir alle kannten "Die Weihnachtsbäckerei" war, haben wir im September als Weihnachten befohlen. Hatte super funktioniert und alle hatten gute Laune. Ich mach gerne mal Musik an bei den Pat. Im Altenheim hatte ich eine die hat mit mir Morgens zur Grundpflege immer Heavy Metal gehört. Fand sie total klasse.
 
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Willy_Wuff

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Ohh ja, demente Patienten und Monitoring, da kann man viel Freude haben :)
Haben wir uns von unserer Intensiv Station abgeschaut, das gibt so kleine Fäustlinge, die kann man den Patienten über die Hände ziehen, dann haben sie zum einen was mit dem sie sich befassen können, aber sie können nichts mehr greifen, zwar auch nicht so ganz die Nette Version, aber wir denken uns das es langfristig besser ist, als sie zu fixieren.

Auch wir dürfen keine Betten auf dem Flur haben, wegen Brandschutz …..
Für SpO2 Klebesensoren ist mein Arbeitgeber leider zu Geizig :-(
Wir müssen uns dann damit behelfen zum einen alle Naselang die Dinger wieder an zu bauen, einige Kollegen kleben das Kabel dann am Finger Fest, eine Aktion die ich Persönlich mehr als bedenklich finde, denn es ist dann meißt ein Zirkulärer Verband und von nem Demenzkranken kann man nicht erwarten das er Laut gibt wenn der Finger dunkel wird :) und wenn ich das dann wegen diverser anderen Sachen nicht mitbekomme, kann es schon unschön werden.
Wenns ga nicht anders geht, stelle ich mir den Alarm für die Pulsfrequenz am Monitor passend ein, so bekomme ich dann zumindest über Umwege mit, wenn die Sauerstoffversorgung zu schlecht wird.
Im Zweifelsfall ist es halt so, dann muß die Monitorüberwachung in Rücksprache mit dem Arzt eingestellt werden, denn nach einem Herzinfarkt einen zusätzlichen Stressfaktor schaffen, durch Fixierung, halte ich für nicht so gut, konnte davon bisher auch die meißten Ärzte überzeugen das es dann besser ist, wenn ich alle Halbe Stunde bis Stunde nach dem Patienten sehe.
Das ja immer das schöne, ich warte so manches mal Stunden lang auf angekündigte Patienten, aber die Demenzkranken kann unsere ZNA immer sehr schnell verlegen.
Lach

TV oder Radio können sie dann ab und an mal dazu bewegen zu schlafen, was mir die Möglichkeit gibt wenigstens ne Sauerstoffüberwachung an zu bauen, und damit dann auch wenigstens die Pulsfrequenz zu haben.
 
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Ich finde euren ''Chat'' hier sehr gut. Ja, es stimmt, es gibt keine allgemeingültigen Tipps. Aber ein guter Satz ist schon mal, nichts persönlich nehmen. Und nicht diskutieren. Antworten natürlich!! Manchmal tüftelt man herum, bis man weiß, was ein Bewohner mit Demenz von uns will. Es sind teilweise nur Kleinigkeiten wie mit besagter Prothese. Oft bekommen wir von Angehörigen auch Infos, dass ihr Vater, ihre Mutter zu Hause immer brav allein gesessen, allein gegessen, frei gestanden hat trotz Rollstuhl. Dass er Ruhe liebte und Tischmanieren hatte. Man ist dann sprachlos, wenn man diese Bewohner sieht, wie sie essen, trinken. Aber mit dem Satz, zu Hause ging das doch auch, da mochtest du doch auch Kaffee mit Milch... . Da ist niemandem geholfen. Ich finde, man sollte probieren. Da merke ich auch, dass in den Krankenhäusern noch viel mehr Einfallsreichtum gefragt ist.
Manch ein Bewohner sorgt sich um sein Zimmer, sein Bett. Da stellt sich heraus, er will gar nicht nach Hause, er hat nur Angst, dass er ''sein'' Zimmer nicht mehr findet. Es schadet daher nicht, Bewohner mal zu begleiten. Wenn man meint, diese sind zu faul zum Suchen, Gehen, Rollen, dann geht man einfach nur nebenher. Es ist erstaunlich, wie viele Demente tatsächlich einfach sich den Weg nicht einprägen können. Und auch wvieviele Probleme mit den Prothesen haben, weil man da nicht ein kleines bisschen Unterstützung gibt.
Der Satz, kann ich allein, heißt meist nicht viel. Haben schon einem neunen Bewohner (angeblich) 6mal die Prothese neu eingeklebt. Und komisch, beim 7. Mal hielt sie aus irgendeinem unerfindlichen Grund.
Die Idee mit dem Dampf ablassen im Team finde ich gut. Ich persönlich hab nur eine Kollegin, mit der ich mal richtig loslegen kann. Ich ärgere mich ja selbst, wenn ich so richtig die Nerven verloren habe. Wenn mir nichts mehr einfiel als ein lautes, du bleibst heute Nacht hier!! Laut, weil der Bewohner megaschwerhörig ist. Und kein Hörgerät akzeptiert hat.
Na ja, dann quatschen meine Kollegin und ich darüber. Sie ist auch ab und zu mal aus dem Takt. Hat aber nicht ganz so laute Stimme dabei. Kann auch eher mal sagen, also Frau M. nun ist aber gut. Das macht dann wieder etwas Mut für den nächsten Tag.
Ich finde, man kann sich auch gegenseitig etwas helfen, wenn es geht, dann geht mal ein anderer zu Frau M. .. Was aber nicht geht, dass man Kollegen für die Verstärkung gegen aufmüpfige demente Bewohner mitnimmt. Das sollte nur der Fall sein, wenn man die pflegerische Versorgung zu zweit eleganter gemanagt bekommt.
 
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Willy_Wuff

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@marinadiezweite

Sehr schöner Beitrag, kann ich Dir nur zustimmen.
Allerdings, wenn die Psychohygiene des Pflegepersonals innerhalb des Teams nicht funktioniert, dann kann die Betreuung von Demenzkranken wirklich zur Hölle werden, weil einfach bei jedem einzelnen sich immer mehr aufstaut.
Da haben wir in unserem Team Glück, das funktioniert, allerdings sitze ich da auch schon seit über 10 Jahren auf dem Stuhl :)
Einige von meinen Jung Kollegen waren mal meine Azubis, sprich die kennen mich und wissen das ich ab und an mal echt etwas derbe Sprüche bringe, ich aber dennoch niemals einen Patienten respektlos behandeln würde :)
Da kanns schon mal bei der Übergabe vorkommen das ich Dinge sage wie : Alter, der is sowas von durch.... Der steht so weit neben der Spur das er die Schiene schon nimmer sehen kann, oder Gedächtnis wie nen Goldfisch, aber total niedlich.......
Kann aber auich vorkommen das ich sage : Keine Ahnung ob der als Arsch auf die Welt gekommen ist, oder einer geworden ist, zumindest jetzt ist er einer.
Das sind aber alles Sprüche die bei verschlossener Tür auftreten können, und nur da.

Psychohygiene, einfach weil ich mich nicht drüber Ärger das mich der Patient sicherlich unnötig 1-2 Stunden Zeit gekostet hat, die ich eigentlich nicht habe und somit jemand anders „Stehlen“ musste.
Ich nehms mit Humor, und wenn mein Kollege im nächsten Dienst sich über den Patienten Ärgert..... „Jo, wo er recht hat, Gedächtniss wie nen Goldfisch......“ aller Wahrscheinlichkeit nach muß er dann ein wenig grinsen, und wer von Herzen grinst kann sich nicht aufregen :)

Was mir bei Jüngeren Kollegen immer wieder auffällt ist das sie die Oberste Regel bei der Betreuung von Demenzkranken meißt vergessen :
Der hat zwar kein Gedächtnis mehr, das wohl war, aber das bedeutet noch lange nicht das er im Kopf nen Baby oder verblödet ist.
Jetzt in diesem Moment, in dem ich mich mit ihm unterhalte, ist der Patient vollständig normal und zurechnungsfähig im Kopf, auch wenn er in 10 Minuten die Unterhaltung vergessen hat.
Und wenn dann ne Pflegekraft ankommt, die sein Enkel sein könnte, mit ihm Redet wie mit nem Geistesgestörten oder nem Baby, dann wird der Demenzkranke mit recht wütend, aggressiv und ablehnend. Marke : „Was will dieses eingebildete Küken eigentlich von mir ?“

Faszinierend finde ich immer wieder, das so viele Demenzkranke scheinbar in ihrer Welt ganz glücklich sind, und dementsprechend sollte man sie in dieser auch belassen und versuchen die Realität in ihre Welt zu integrieren, und nicht das Gegenteil, einige scheinen das Bedürfnis zu haben Demenzkranke in die Realität zu holen.
Na danke, ich würde mich da als Demenzkranker bedanken dafür das mir die Hyperaktive Pflegekraft den Tag versaut hat :)
 
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Es wird allenfalls am Anfang einer Demenz gelingen MmD in unsere Realität zu holen, wenn sie noch nicht immer in ihre Welt abgetauchtz sind. Was MmD auf jeden Fall nicht verlieren sind ihre Gefühle, sie bleiben, egal welcher Art.
Wenn ein MmD mir ganz stolz seinen Perso zeigt und mir erzählt, dass das die Mama ist, dann ist das so.
Oft suchen diese Menschen etwas, ihre Tasche, ihr Portemonnaie, ihren Ausweis...ect. Ich habe Angehörigen schon oft empfohlen diese Dinge nicht einfach ersatzlos wegzunehmen. Perso kann man fotographieren und einlaminieren. Ein paar Cent in einem Portemonnaie , diverse Schlüssel...oder ähnliches beruhigen diese Menschen, wenn sie nach etwas suchen.
Oft regen sich Kollegen auch über die Essgewohnheiten auf, ich habe schon Suppen mit etlichem Zucker versüßt und siehe da, die Schüssel wurde bis auf den letzten Rest ausgelöffelt. MmD mögen loftmals lieber Süßes. Und wenn jemand lieber mit den Fingern isst, dann bestelle ich ihm Fingerfood, oder Speisen, die man gut mit den Fingern essen kann. Ich toleriere auch Salat im Pudding so lange es dem Pat. schmeckt. Ich denke wir müssen alle offener werden für das anders sein.
 
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Kann mir doch egal sein was und wie der Futtert, Hauptsache er futtert genießbare Dinge :)
Das gibt Leute, die essen rohen Fisch Schnecken und andere Ekelige Dinge ...... dann doch lieber nen Eißberg Salat mit Schokopudding :)
 
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Das mit den Fäustlingen ist ne Idee. Die haben wir leider nicht. Kann man die mit Waschlappen nachbauen?
 
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Ich kann natürlich die Nöte verstehen, wenn ein demenzkranker Patient sich ständig Elektroden aufzuppelt, oder Nadeln oder Katheter zieht, aber die Hände zu verbinden, damit nicht mehr gegriffen werden kann, finde ich doch einen starken Eingriff in meine persönliche Bewegungsfreiheit, tut mir leid.
 
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Ich kann natürlich die Nöte verstehen, wenn ein demenzkranker Patient sich ständig Elektroden aufzuppelt, oder Nadeln oder Katheter zieht, aber die Hände zu verbinden, damit nicht mehr gegriffen werden kann, finde ich doch einen starken Eingriff in meine persönliche Bewegungsfreiheit, tut mir leid.
Ja, es ist ein Eingriff in meine persönliche Bewegungsfreiheit. Wäre mir als PP aber auf Intensiv oder IMC völlig egal - es geht ja nicht um eine periphere Station.
Wenn von mir als Patient, meine persönlich Freiheit höher gewichtet wird, als ein Überleben/Abwehr einer schwer(st)en Krise, dann kann ich dies vorher in einem Patiententestament/Angehörigeninformation bekannt geben - mit allen Konsequenzen.
Wenn dies nicht erfolgte, dann werde ich als PP alles tun, was eine Gefährdung des Pat. auf einer IMC/Intensivstation verhindert!
 
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@lulli00
Wir haben einfache kleine Papierwaschlappen, damit dürfte das gehen.

@mysteha
Du hast absolut recht, das ist ein massiver eingriff in die persönliche Bewegungsfreiheit.
Dennoch oft die Humanste Variante.
Einfaches Beispiel, ich bin im Nachtdienst mit 12 Patienten alleine, alle 12 Sind an ein komplettes Monitoring angeschlossen, sprich EKG Blutdruck und Sauerstoffsättigung oder auf ner anderen Station 18 Patienten nur am EKG Monitoriung und auch allein.
Ich habe nun 2 Demenzkranke Patienten die sich immer die EKG Elektroden abbauen und ich muß da alle 10 bis 15 Minuten hin, denn die sind ja nicht ohne Grund am Monitor, sie haben Massive Herzrhythmusstörungen. Wenn ich die nun am Monitor habe, sehe ich deren EKG und auch etwaige Veränderungen im Herzrhythmus, sprich ich kann den Diensthabenden Arzt anfunken und sagen das er doch mal seinen Alabasterkörper auf die Station bewegen soll, bevor der Patient reanimationspflichtig wird.
Grundsätzlich kein Problem, wenn ich nur diese beiden Patienten hätte.
Denn die 12 Patienten verteilen sich auf 6 Zimmer, und wenn ich in einem Zimmer bin, dann bekomme ich nur sehr begrenzt etwas von den Alarmen mit, spich die anderen 11 Patienten sind hoch gefährdet, wenn ich 3/4 der Nacht nur mit den Elektroden der beiden Demenzkranken beschäftigt bin, denn wie soll ich dann unter anderem das Monitoring der anderen Patienten im Auge haben ?
Ganz nebenbei habe ich dann ja auch noch nen büschen was anderes zu tun, als Stumpf vor dem EKG Monitor zu sitzen und drauf zu warten das ich endlich mal wieder Bewegung habe, da ich EKG Kabel wieder anbauen kann :)
1-x Patienten gehören eigentlich auf die Intensivstation, können aber nicht da hin, weil die Intensivstation voll ist. 2 Patienten haben eine Heimbeatmung angebaut, denn ohne die würden sie mit ihrer Lungenentzündung und COPD wahrscheinlich in der Nacht ersticken oder zumindest schwerste Probleme haben.
Echt doof, wenn ich wegen Elektrodenkleben nicht mitbekomme das die Langsam am Ersticken sind, oder wenn nen Patient mit Trachealkanüle ( Also Atmen über Schlauch im Hals ) langsam verschleimt und keine Luft mehr bekommt, das krieg ich erst mit, wenn ich aus dem Zimmer der Demenzkranken raus gehe, echt unangenehm, wenn der Patient schon Blau im Gesicht ist, nur weil ich den Demenzkranken nicht in seiner Beweglichkeit eingeschränkt habe.

Geht also irgendwie alles nicht, wie gehabt vom Monitor abbauen kann ich den auch nicht, denn das könnte ihn mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit das Leben kosten.
( Abgesehen das meine Leistungsfähigkeit auch irgendwann mal nach lässt, wenn ich die ganze Nacht im Laufschritt von einem Zimmer ins andere Springen muß )
(Normaler Nachtdienst, ohne Demenzkranke sind schon um die 8.000 bis 10.000 Schritte :) )
Also, welche Möglichkeiten habe ich um die Sicherheit des Demenzkranken und die der anderen Patienten zu gewährleisten ?
5 Punkt Fixierung..... Muß net unbedingt sein, währe nämlich echt brutal.
Die Chemische Fixierung, also Medikamente zur Ruhigstellung geben. Halte ich für Noch hinterhältiger und fragwürdiger.
Kleine Fäustlinge bauen, da kann er sich an der Nase kratzen wenns juckt und kann sich frei im Bett bewegen .....
Finde ich da schon die nettere Version :)
 
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Die optimale Lösung wäe eine Sitzwache, aber die kostet natürlich ohne, dass man sie z.Z.abrechnen kann. Wir haben dafür eine Gruppe Studenten, die gerufen werden können. Sie sind einzig dafür da bei dem Patienten zu sitzen und auf solche Dinge zu achten, brauchen also keine pflegerische Ausbildung. Sei es nun, dass sie den Pat. anderweitig ablenken, oder auf eine sanfte Art "ihre Hände auflegen" wenn diese wieder auf dem Weg zum "Kabel" sind.
Mich wundert allerdngs, dass diese Fäustlinge so gut funktionieren. Wir haben trotzdem herausgerissene Infusionen samt zugehörigem Zugang, weil ein bisschen greifen geht immer... :)
 
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@Willy Wuff ist der Schlüssel grundsätzlich 1/12? :eek:

Sitzwachen sind bei uns nicht möglich. In der ZNA haben wir eh immer Mangel statt Überfluß.
 
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Willy_Wuff

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Ach ja, den Luxus Sitz-Wache kenne ich auch noch, aber dann hat die Stadt Hamburg unter Ole von Beust angefangen das Tafelsilber zu verscherbeln, nun sind die Kliniken durch ökonomisiert und da bleibt bekanntlich der Patient als erstes auf der Strecke, hart gefolgt vom Personal.
Im Nachtdienst ja
Im Tagdienst offiziell 2/12 VK, allerdings immer Häufiger 2/12 Köpfe.
Kann auch mal Passieren 1 VK und ein Azubi, oder eine VK mit KPH oder mit Altenpfleger von der Zeitarbeit ......

Um wieder zum Thema zu kommen.... da sind bei der Betreuung von demenzkranken viele kleine Tricks gefordert, die mit wenig Zeitaufwand dem Kranken den Aufenthalt so erträglich wie möglich gestalten.
 
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