Innere Medizin Dekubitusprophylaxe - in welchen Abständen?!

jackdanielsx84x

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Nun, ich behaupte, das ist in der momentanen Situation ein unlösbares Problem.
Selbst wenn ich nun Forschungsbelege habe, die einwandfrei belegen würden:
"Lagere ich einen Patienten alle Stunde" (oder wie häufig auch immer)
Fehlt mir das Personal dazu, habe ich ausreichendes Personal, wird auch anständig gelagert und die Zahl der Decubiti wird rapide abnehmen, mit oder ohne Studie.

Leider hat man keins und bekommt auch keins, da können Politiker mit ihren 17.000 Stellen prahlen so viel sie wollen....Was sind 17.000 Stellen auf, um nur mal die Krankenhäuser zu nennen, über 2.000?

8,5 << für meinen aktuellen Arbeitgeber viel, die Zahl schmälert sich nur sehr schnell, da viele Häuser der Maximalversorgung und Unikliniken diese abgreifen....was bleibt? Vielleicht 0,5....WoW

Erst gestern gab es wieder mal eine riesen Diskussion bei Frau Will und was bringt sie?

Wir reden seit 9 Jahren und ich spreche nur von 9 Jahren, da ich diese dabei bin, über ein und dasselbe Problem und es hat sich nichts getan.
Im Gegenteil, die Zustände sind in diesen paar Jahren noch viel schlimmer geworden und da spricht noch jemand von "Wir haben schon einiges erreicht!"
Was denn?
Vor 9 Jahren hatten wir 6 - 8 Patienten zu betreuen, heute kann ich froh sein, wenn es mal nur 12 sind.
Aber jetzt kommt ja, mit großer Zustimmung von Herrn Lauterbach, das Bewertungssystem für Pflegeheime.
Finde nur ich dies völlig überflüssig? Genau wie den Schrei nach schärferen Kontrollen?
Was will man denn kontrollieren, dass das Personal überfordert ist und am Rande seiner Leistungsfähigkeit und es dann getrost übersehen?
Niemand wird so ausgiebig kontrolliert wie wir und das nur um zu sichern:
"Macht jemand aus einer völligen Katastrophe heraus einen Fehler, muss ich ihn auch sofort finden!"

Ein toller Problemlösungsprozeß, der an Ignoranz nicht mehr zu überbieten ist.

Ich finde jegliche Diskussion über Verbesserungen total überflüssig, jede Studie ist eigentlich total überflüssig, da beinahe niemand mehr dieser Studie gerecht werden kann, wenn wir unser Thema als Beispiel nehmen.

Man sollte immer erst einmal mit dem Grundproblem anfangen und dann zum Rest übergehen und das Grundproblem wird seit Jahren ....hm, totgeschwiegen kann man eigentlich gar nicht sagen, es ist jedes Jahr auf dem Tisch, bleibt nur noch:

Ignoriert


Gruß
Dennis
 
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UlrichFürst

Eine Umlagerung dekubitusgefährdeter Menschen sollte nach einer Stunde erfolgen. Dieses Lagerungsintervall führt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in aller Regel nicht zur Entstehung eines Dekubitus. Dennoch kann in Einzelfällen ein Dekubitus enstehen. In solchen Fällen sind die Lagerungsintervalle in Absprache mit dem behandelndem Arzt individuell zu verkürzen. Genauso können längere Lagerungsintervalle möglich sein. Diese können in Absprache mit dem behandelndem Arzt individuell eruiert werden."
Wo soll ich da einen "Interventionsspielraum in eigener Verantwortung" finden?:suche:

Ulrich
 
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Rosi S.

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@ jackdaniels::super: :super: :super:
Ja, Ja, Ja, vollkommen Deiner Meinung.
Ich kämpfe zur Zeit nur für unsere Station und komme mir vor wie Don Quijote.
Es heißt nur immer: "Ja Überstunden will ja auch keiner machen, also müssen wir so(wenig Personal) arbeiten!":verknallt
Und das von einer Kollegin.
Oder noch so ein Ausspruch, den ich nicht mehr hören kann: "Jammert nicht immer, findet euch damit ab, es wird nicht mehr besser oder anders!"
Na toll, und oh doch ich werde weiter jammern, denn so lange ich noch jammern kann, kann uns vielleicht noch jemand helfen,..?
 
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Altenpflegel

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Hallo Ulrich,
Wo soll ich da einen "Interventionsspielraum in eigener Verantwortung" finden?
Dank für den Hinweis. Du hast natürlich völlig Recht, denn wenn die Dekubitusprophylaxe in die ärztliche Kompetenz fällt (bisher unwiedersprochen), dann kann es dort für die Pflege zwangsläufig auch keinen Interventionsspielraum geben.

Gemeint hatte ich die Möglichkeit das (rein theoretisch angenommene einstündige) Lagerungsintervall in Absprache mit dem Arzt verändern zu können.
Dabei meint "Absprache mit dem Arzt" ein "Mehr" als die bisherige wertneutrale Informationsweitergabe - nämlich den interdisziplinären Dialog.
Pflegekräfte können also ihre pflegerische Einschätzung/ Wertung miteinbringen und Vorschläge zur weiteren Behandlungsstrategie beisteuern.

Das geht nicht? In der "Heimpflege" schon. Tatsächlich erlebe ich das sehr häufig bei Haus-/ Facharztvisiten und kann nur sagen, daß es ein erhebendes Gefühl ist, wenn der Arzt sagt " in diesem oder jenem Punkt bin ich zwar anderer Meinung, ansonsten machen wir's aber so wie sie gesagt haben; bestellen Sie die Rezepte - bin jetzt weg (Klaps auf den Rücken oder Händedruck).

Pflegekeäfte erhielten mit meiner (versuchsweise und keineswegs endgültigen) Formulierung also einen zusätzlichen Spielraum, der von den Ärzten selber und zudem (ohne Kompetenz-/ Abrechnungsverlust) völlig frei vergeben würde.

Gruß, Altenpflegel
 
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jackdanielsx84x

jackdanielsx84x

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Ah, so ähnlich wie bei der Wundtherapie und am Ende kommt doch wieder Beta raus oder Allevyn tgl. - 2 tgl. wechseln. :)
 
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Altenpflegel

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Hallo Dennis,
Ah, so ähnlich wie bei der Wundtherapie und am Ende kommt doch wieder Beta raus oder Allevyn tgl. - 2 tgl. wechseln.
Nein, eher so:
50- jähriger Bew., frühkindliches (angeborenes) SHT, spastische Parese aller Extremitäten und der Kiefer- und Zungenmuskulatur, Sprechstörung (eingeschränkte Artikulation), Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oral (guter BMI mit Hilfe = anreichen), kontinent bei festen Toilettenzeiten, bzw. "Klingelm" (auf einem Spezial- Wc, mit Hilfe) - geistig auf dem Stand eines 16- jährigen (nach Einschätzung des Neurologen) - keine Betreuung.

Der Bew. erlitt - nach langjähriger Ablehnung medikamentöser Beeinflussung des erhöhten Muskeltonus und der anhaltenden Spastiken - einen dreifachen Bandscheibenprolaps im Hals-/ Brustwirbelbereich, dem im KH operativ abgeholfen werden konnte mit anschließender zweieinhalbmonatiger Reha. Festgestellt wurde ein gutes Ansprechen auf hochdosiertes Baclofen mit der Empfehlung einer Baclofenpumpenimpementierung, die nicht implementiert wurde.

Bei seiner Rückkehr auf unseren WB zeigte sich der Bew. sprechunfähig, medikamentös überversorgt (z. T. mit sedierender Wirkung), wimmernd vor Schmerzen bei extrem erhöhtem Muskeltonus/ Spastik, gewichtsreduziert um 13 Kg (bei schlechtem BMI) - trotz angelegter PEG, ständig erbrechend, komplett inkontinent bei liegendem SPK, bzw SPDK.

In der Visite mit dem Hausarzt schlug ich vor:
1. Magensanierung: Absetzen aller vorübergehend aussetzbarer Medis (Ich dachte an 5 - 7, er setzte 10 von 13 ab). MCP in Tablettenform statt in alkoholischer Lösung, Omeprazol 40 mg statt 20 mg (dafür 2x täglich) - er sagte ok.
2. Schmerzreduktion: Lyrca + ein weiteres Analgetikum; Ibuprof. als Bedarf - hater angeordnet.
3. Spastikerleichterung: Implementierung einer Baclofenpumpe + Bedarfsanpassung - hat er akzeptiert und mit dem Neurologen abgeklärt
4. Gewichtszunahme: Absetzen der Sondenkost (die bei mehr als 80 ml/h zu Erbrechen führte) auf hochkalorische, vollbilanzierte Trinknahrung (die nach Magensanierung gut verträglich war) + zeitaufwendigem Anreichen fester Nahrung - hat er akzeptiert
5. 3 x wöchentlich KG - wurde rezeptiert
6. 3 x wöchentlich Logotherapie - wurde akzeptiert
7. 3 x wöchentlich Etgotherapie - wurde abgelehnt, da nach Ansicht des Arztes zu früh ( Rezept hab ich aber vom Reha- Arzt bekommen).

Nach nunmehr guten 4 Wochen ist der Bew. schmerzfrei, spricht verständlicher, ist deutlich beweglicher (im E- Rollstuhl nach Umrüstung wieder mobil) und hat 5 Kg Gewichtzunahme.
Vor drei Tagen besuchte er in Begleitung ein Rockkonzert und war am nächsten Tag noch völlig begeistert.

Gruß, Altenpflegel
 
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jackdanielsx84x

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Nun, das kann ich mit den meisten Ärzten in unserem KH auch so machen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass hier gleich noch ein paar nette Menschen den etwas anders ablaufenden Pflegeheimalltag im Umgang mit Hausärzten schildern und der ist wohl eher die Regel, als der oben beschriebene.

Gruß
Dennis
 
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Hallo Altenpflegel:eek:riginal: ,

Nun, das kann ich mit den meisten Ärzten in unserem KH auch so machen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass hier gleich noch ein paar nette Menschen den etwas anders ablaufenden Pflegeheimalltag im Umgang mit Hausärzten schildern und der ist wohl eher die Regel, als der oben beschriebene.

Gruß
Dennis
den Worten von Dennis muß ich mich anschließen!
Es gibt leider noch viele Hausärzte, die deine Vorschläge als Kompetenzenüberschreitung meinerseits ansehen würden.

Oftmals muß man ne Packung Samthandschuhe dabei haben, damit die Visite mit dem Ergebnis endet, was man sich erhofft.

Aber: Es wird besser:laughing: , mittlerweile darf ich auch mit sehr guten Hausärzten zusammenarbeiten!

Liebe Grüße Manu
 
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Vielleicht macht der Arbeitsplatz von Altenpflegel den Unterschied?

:kopfkratz: Clothilde
 
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Hallo Altenpflegel,
hier würde ich den Unterschied zwischen medizinisch und pflegerischen Aufgaben in diesen Bereichen sehen:
Medizinisch
1. Magensanierung: Absetzen aller vorübergehend aussetzbarer Medis (Ich dachte an 5 - 7, er setzte 10 von 13 ab). MCP in Tablettenform statt in alkoholischer Lösung, Omeprazol 40 mg statt 20 mg (dafür 2x täglich) - er sagte ok.
2. Schmerzreduktion: Lyrca + ein weiteres Analgetikum; Ibuprof. als Bedarf - hater angeordnet.
3. Spastikerleichterung: Implementierung einer Baclofenpumpe + Bedarfsanpassung - hat er akzeptiert und mit dem Neurologen abgeklärt
Pflegerisch:
4. Gewichtszunahme: Absetzen der Sondenkost (die bei mehr als 80 ml/h zu Erbrechen führte) auf hochkalorische, vollbilanzierte Trinknahrung (die nach Magensanierung gut verträglich war) + zeitaufwendigem Anreichen fester Nahrung - hat er akzeptiert
5. 3 x wöchentlich KG - wurde rezeptiert
6. 3 x wöchentlich Logotherapie - wurde akzeptiert
7. 3 x wöchentlich Etgotherapie - wurde abgelehnt, da nach Ansicht des Arztes zu früh ( Rezept hab ich aber vom Reha- Arzt bekommen).
An deinem Beispiel sieht man ganz deutlich, dass es Überschneidungen in beiden Berufsgruppen gibt, die sich nie ganz vermeiden lassen. In diesem Fall kam es zu einem kooperativen Gespräch, wie man sich das im Idealfall wünschen würde.
Das geht nicht? In der "Heimpflege" schon. Tatsächlich erlebe ich das sehr häufig bei Haus-/ Facharztvisiten und kann nur sagen, daß es ein erhebendes Gefühl ist, wenn der Arzt sagt " in diesem oder jenem Punkt bin ich zwar anderer Meinung, ansonsten machen wir's aber so wie sie gesagt haben; bestellen Sie die Rezepte - bin jetzt weg (Klaps auf den Rücken oder Händedruck).
Warum der Arzt dich als Gesprächsparner akzeptierte kann viele Gründe haben. Vielleicht akzeptierte er dich weil er dich persönlich mag, vielleicht ist er sich selbst unsicher, vielleicht hatte er keine Lust sich selbst in den Fall einzudenken oder aber er empfand deine Vorschläge als fachlich sinnvoll. Aber du weißt selbst bei einer anderen Konstellation kann das ganz anders aussehen und führt dann eben zu anderen Aussagen.
Dein Beispiel, und dabei meine ich den "für alle Pflegekräfte anerkannten interdisziplinären Dialog", sollte aber der Regelfall sein und nicht die Ausnahme. Wenn das in deiner Institution der Regelfall ist, dann herzlichen Glückwunsch. Ich kann nur sagen besser kanns nicht laufen und da muss man auch nichts verändern.
VG Sabine
 
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