Innere Medizin Dekubitusprophylaxe - in welchen Abständen?!

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UlrichFürst

Meine Aussage war:" daß die Dekubitusprophylaxe keine Vorbehaltsaufgabe der Pflege ist - folgedessen also ärztliche Tätigkeit." Und das ist leider unbestreitbar richtig! Oder hast du Gegenargumente?
Ich suche gar nicht nach Gegenargumenten. Auch geht es mir nicht um richtig oder falsch.

Meine Frage war, anders formuliert: Möchtest Du alles was keine Vorbehaltsaufgabe von Pflegenden ist an die jeweilige Berufsgruppe abgeben? Und zwar immer, nur bis zu einer anderweitigen Regelung, die entweder anzustreben ist oder nicht?

In der Hoffnung sich klarer ausgedrückt zu haben.
Ulrich Fürst

P.S. ...falls nicht: Sahawe, hat mein Anliegen im letzten Absatz auf den Punkt gebracht.
 
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Altenpflegel

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Hallo Ulrich Fürst,
Möchtest Du alles was keine Vorbehaltsaufgabe von Pflegenden ist an die jeweilige Berufsgruppe abgeben? Und zwar immer, nur bis zu einer anderweitigen Regelung, die entweder anzustreben ist oder nicht?
Zu gerne würde ich hierauf antworten; ich bin aber ziemlich sicher, daß das umgehend in eine Grundsatzdiskussion führen würde, die m. E. zwar dringend notwendig ist, aber wohl diesen Thread sprengen würde.

Deshalb zähneknischend nur soviel: Wenn die Dekubitusprophylaxe Vorbehaltsaufgabe der Medizin ist, dann kann sie schlecht an die Ärzteschaft abgegeben werden - denn sie haben sie ja bereits!

Wenn die Ärzteschaft diese Vorbehaltsaufgabe behalten will (und das will sie), ist das Ansinnen der Pflege, diese Vorbehaltsaufgabe zu der ihren zu machen, an Absurdität kaum zu überbieten, denn sie scheitert am unmißverständlichen NEIN der Ärzteschaft.

Auf dieser Grundlage stellt sich auch der Dekubitusexpertenstandard als Farce heraus, denn einerseits wurde er nicht von Experten der Berufsgruppe erstellt, die die entsprechende Vorbehaltsaufgabe innehat, andererseits gibt er der Pflege Steine statt Brot, da er keinerlei Hinweise zur dort geforderten Bestimmung individueller Lagerungsintervalle gibt.
Letztendlich ist er einfach nur unerheblich: unschädlich zwar - daher zurecht still belächelt von der Ärzteschaft - aber leider auch bar jeglicher praktischer Relevanz.

Gruß, Altenpflegel
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Für das Werden eines Menschen sind die bitteren Stunden unerläßlich.
Konrad Adenauer
 
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UlrichFürst

OT (war: Re: Dekubitusprophylaxe - in welchen Abständen?!)

@Altenpflegel:
Hast recht. Deshalb wenn Du oder natürlich auch andere Lust dazu haben, können wir ja hier weiter politisieren:
Was will "die Pflege"
 
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Altenpflegel

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Hallo Sahawe,
ich denke es ist auch keine Lösung immer nur Aufgaben hin und her zu schieben. (...) Wenn wir immer nur sagen, "das ist ein ärztliche Problem", werden wir sie auch nie bekommen.
Es geht überhaupt nicht darum Aufgaben
hin und her zu schieben, denn die Aufgaben sind seit Jahrhunderten verteilt: Dekubitusprophylaxe war Vorbehaltsaufgabe der Medizin/ Ärzteschaft bevor es Pflegeberufe gab und wurde niemals abgegeben - Dekubitusprophylaxe ist alsö Vorbehaltsaufgabe der Medizin/ Ärzteschaft.
Daher können Aufgaben der Dekubitusprophylaxe (wie Lagerungen) von der Pflege nicht eigenständig, sondern nur per ärztlicher Delegation, ausgeführt werden (es handelt sich also tatsächlich um ein
"
ärztliche Problem").
Dafür aber genügt eine einfache ärztliche Anordnungung - ein daneben eigens entwickelter Dekubitussdtandart ist völlig ünnötig und bestenfalls verwirrend.

LG, Altenpflegel
 
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Sahawe

Sahawe

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Hallo Altenpflegel,
(ich kenne zwar nicht die näheren Umstände, da sie nicht aus deinem länger zurück liegenden Beitrag hervorgehen, aber dennoch wollte ich dir mein Beileid aussprechen.)
denn die Aufgaben sind seit Jahrhunderten verteilt: Dekubitusprophylaxe war Vorbehaltsaufgabe der Medizin/ Ärzteschaft bevor es Pflegeberufe gab
Das würde ich nicht so sehen. In der Vergangenheit waren Pflege und Medizin nicht getrennt. Heilen implizierte die Pflege eines Kranken. Auch die Medizin hat sich entwickelt. So gab es immer schon ungelernte Kräfte (Chirurgen), die in einer Lehre bei Badern und Scherer gingen und es gab akademische Ärzte, die die antiken Lehren von beispielsweise Galen rezipierten. Erst im Dritten Reich wurde die Pflege der Medizin untergeordnet.
Durch die Novellierung des KrPflG 2003, sind die Ausbildungsinhalte im § 3 neu geregelt. Hier wird eindeutig unterschieden zwischen Eigenverantwortlichkeit und Mitwirkung. In Punkt 1 wird die Ausrichtung der Pflege auf präventive und gesundheitsfördernde Ziele gelegt. In Punkt 1a) wird dann die Eigenverantwortlichkeit der Pflege betont. Nun, bei Theoretikern fiel für diese Formulierungen, vor allem unter der Einbeziehung in Punkt 1 "nach dem allgemein anerkannten Stand pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse", (die Betonung liegt hier auf "Stand") ein Stein vom Herzen. Aber eine Aufnahme in das Gesetz, heißt noch lange nicht, dass sich Strukturen über Nacht verändern.
ein daneben eigens entwickelter Dekubitussdtandart ist völlig ünnötig und bestenfalls verwirrend.
Mit den nationalen Expertenstandard, hat die Pflege Handlungsstrategien vorgelegt und so können wir Handlungen die wir eigenverantwortlich ausführen sollen, auch begründen. Das heißt nicht, dass wir einen genau definierten Katalog von Handlungsanweisungen haben, sondern eine Richtlinie die versucht hat alle Aspekte miteinzubeziehen, was nicht leicht ist, bei den vielen unterschiedlichen Handlungsfeldern der Pflege.
Auch in medizinischen Leitlinien, hat man keine genaue Vorgehensweise sondern nur eine Handlungsempfehlung, an der sich der behandlende Arzt orientieren kann. Die Entscheidung aber, wie er die Therapie durchführt obliegt ihm selbst. Bei einer Klage, muss er dann sein Handeln begründen und da fragt man eben ob er sich an den medizinischen Leitlinien orientiert hat und wenn nicht warum. Auch in der Pflege muss ein Umdenken erfolgen und man kann nicht immer nach "ärztlichen Verordnungen" rufen, wenn man in einer einzelnen Situation mal nicht gleich weiter weiß. Und oft begegnet mir in der Pflege dieses Phänomen, dass man einerseits die volle Verantwortung will aber wenn ein Fehler passiert ist, will niemand dafür die Konsequenz tragen.
Kann schon sein, dass manche Ärzte den Akademisierungsprozess der Pflege belächeln, aber ich denke es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und Pflege wird sich in den nächsten Jahren verändern. Der Prozess hat schon lange eingesetzt. Aufgrund des demographischen Wandels, der Schließung vieler Krankenhäuser durch Ökomenisierung und das Ziel, gerade ältere Menschen im ambulanten Bereich zu pflegen, wird die Pflege als eigenständige Disziplin immer wichtiger und dafür brauchen wir Grundlagen. Zu Überschneidungen mit der Medizin wird es immer kommen, die Frage ist nur in welcher Form sie sein werden. Ich denke gerade Prävention und Gesundheitsförderung wird in den Eigenverantwortlichkeitsbereich der Pflege übergehen. In den vorgelegten Expertenstandards stehen diese beiden Aspekte schon in der Überschrift (Sturzprophylaxe) und in den anderen beiden sind sie inhaltlich so ausgerichtet. Aber wie schon gesagt ist das ein langer Prozess und die Traditionen werden sich nicht von heute auf morgen ändern. Aber ich denke das sollte man in Ulrichs neuem Thread diskutieren.
LG Sabine

KrPflG - Einzelnorm
 
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Altenpflegel

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Hallo Sabine,
(ich kenne zwar nicht die näheren Umstände, da sie nicht aus deinem länger zurück liegenden Beitrag hervorgehen, aber dennoch wollte ich dir mein Beileid aussprechen.)
Lieben Dank dafür.

Erst im Dritten Reich wurde die Pflege der Medizin untergeordnet.
Und so ist es geblieben. Eine Gleichstellung ist nicht in Sicht - mit dem Ergebnis, daß Pflege keine ärztliche Tätigkeiten eigenverantwortlich wahrnehmen kann, es sei denn sie werden ärztlicherseits delegiert.
Daher kann auch die Dekubitusprophylaxe nicht im "Eigenverantwortungsbereich" der Pflege liegen.

Das scheinst du selbst unterschwellig zu spüren, wenn du schreibst:
Ich denke gerade Prävention und Gesundheitsförderung wird in den Eigenverantwortlichkeitsbereich der Pflege übergehen.
"Wird (...) übergehen", heißt doch wohl: ist noch nicht in den Eigenverantwortlichkeitsbereich der Pflege übergegangen - liegt also im Verantwortungsbereich der Ärzte.

Wenn die Prävention (dazu zähle ich die Dekubitusprophylaxe) aber im Verantwortungsbereich der Ärzte liegt, was soll dann ein eigener Pflegestandard zur Dekubitusprophylaxe?
Die Maurerinnung erstellt doch auch keinen eigenen Standard zur Statikberechnung (natürlich hinkt das Beispiel :wink:, aber vielleicht erhellt es dennoch das Problem).

Aber ich denke das sollte man in Ulrichs neuem Thread diskutieren.
Zumindest teilweise

LG, Altenpflegel

http://bundesrecht.juris.de/krpflg_2004/__3.html
 
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anubis

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Hallo ,

Naja das mit dem Lagern ist schon eine Sache für sich. Jedoch geht man eigentlich von den 2h ab da jede Fachkraft in der Lage sein muß, den Hautzustand sowie die restliche Körperbeschaffenheit einzuschätzen
( Individuelle Lagerung ) .
Davon mal ganz abgesehen finde ich persönlich unsere Internationalen Standart ein wenig übertrieben und auch Überflüssig. Wir haben vor Jahren auch gepflegt ( und gut gepflegt ). Man gibt uns damit Tipps usw. die zum Teil nicht mehr nachvollziehbar sind . Ich denke z.B. Ernährung ( das Thema schlecht hin ) was kann ich den machen wenn Mr. X nicht mehr essen will ??? die Angehörigen keine PEG haben wollen ???? was kann ich machen wenn Mr.X alle Lagerungen ablehnt ??? aufklären über evtl. folgen ??? also da finde ich keine Hilfe in den Standart.

Mfg

PS : hatte einen blöden Dienst wenn ich über die Stränge schlage dann sorry !!!!! :blushing:
 
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Eins hatte ich vergessen zu schreiben , der Bereich der Dekubitusprophylaxe liegt nicht bei den Ärzten. Wir als Fachpersonal müssen alle Einschätzungen treffen und diese dann den Arzt mitteilen der widerum dann Salben etc. verordnet ( so steht es z.B. im Interntionalen Standart :spinner: Aufklärungspflicht ) da dieser den Patienten nur von den Akten kennt .
Ich finde persönlich das viele Ärzte noch mal die Schulbank besuchen sollten . Da viele z.B. Mirfulan noch aufschreiben obwohl eigentlich in der Pflege kein Platz mehr für solch eine Salbe Platz sein dürfte. Naja und so spannt sich der Faden der Bürokratie immer weiter und weiter und am Ende fallen dann unsere Patienten hinten runter .

Mfg

PS : Ich habe wirklich einen scheiss Dienst gehabt also sorry :blushing:
 
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:eek:riginal: Hallo Altenpflegel,

Eine Gleichstellung ist nicht in Sicht - mit dem Ergebnis, daß Pflege keine ärztliche Tätigkeiten eigenverantwortlich wahrnehmen kann, es sei denn sie werden ärztlicherseits delegiert.
Daher kann auch die Dekubitusprophylaxe nicht im "Eigenverantwortungsbereich" der Pflege liegen.
Ärztliche Tätigkeiten auf jeden Fall nicht. Da stimme ich dir zu.
In der juristischen - medizinischen Fachliteratur ist anlässlich der Einführung einer neuen Dienstordnung für die städtischen Krankenhäuser München 1994, wo die "allgemeine Pflege" der Pflegedienstleitung zugeordnet wurde und somit ein eigenständiger Bereich Pflege geschaffen wurde, die Frage entbrannt, gibt es überhaupt einen arztfreien Bereich in der Pflege, oder wo grenzt man ärztliche Tätigkeiten/Fragestellungen ab?
Es werden zwei Meinungen vertreten. Die eine Seite vertritt einen "arztfreien Bereich" gäbe es nicht, die andere Seite vertritt die Meinung, dass der weisungsunabhängige Raum der Pflege in der "Grundpflege" liege.
Seit einem BGH-Urteil 1994 wird zwischen Grund - und Behandlungspflege differenziert wobei Grundpflege in den Bereich Pflege und Behandlungspflege in den ärztlichen Bereich fällt, der teilweise delegierbar ist und die Pflege die Durchführungsverantwortung hat. Also der Arzt entscheidet über das "ob" und die Pflege über das "wie". Beide sind für ihren Teil verantwortlich und haften aus dem eigenen Aufgabengebiet (Grundpflege) oder aus übertragener Delegation.

Zwar sind seit der Novellierung des KrPflG die originären Aufgaben der Pflege politisch betont (Ziffer 1), dennoch werden keine Vorbehaltsaufgaben benannt und mit dem Ausdruck der Mitwirkung (Ziffer 2), die Arztabhängigkeit offen gehalten.
In den formulierten Ausbildungszielen sind vorbehaltliche Aufgabenbereiche nicht definiert, aber eine künftige Domäne schon angedacht. Der Gesetzgeber besteht auf Kooperation im Sinne des Patienten.
Hier ein Beispiel,dass eine Kooperation auf beiden Seiten im Pflegealltag nicht so einfach ist, Schnittstellen sich immer wieder ergeben und sich Tätigkeitsbereiche nicht so einfach abgenzen lassen, als dass man Fragestellungen oder Aufgabenbereiche immer mit Ja oder Nein beantworten kann. (S. 4-6)
http://www.werner-sellmer.de/Downloads/Verschiedenes/Laag%20Haftungsrecht%20im%20Wundmanagement.pdf
was soll dann ein eigener Pflegestandard zur Dekubitusprophylaxe?
Wie schon gesagt, damit wurde zunächst einmal eine Grundlage geschaffen, die man dann für die Übernahme der Eigenverantwortlichkeit gebraucht wird. Sie wird kommen und eine Chance sehe ich vor allem bei den veränderten Versorgungsstrukturen im ambulanten Bereich. Aber wie auch schon gesagt nicht über Nacht.
Die Maurerinnung erstellt doch auch keinen eigenen Standard zur Statikberechnung (natürlich hinkt das Beispiel :wink:, aber vielleicht erhellt es dennoch das Problem).
Das Beispiel hinkt wirklich ein bisschen :wink: .Ich bleibe mal in deinem gewählten Bild, aber ich würde gerne die Zimmermanninnung nehmen (da kenne ich mich besser aus). Ein Zimmermann hat die Fachkenntnis um bei einer kleinen Holzhalle die Statik zu berechnen und kann auf Grundlage dieser Berechnung, diese Halle eigenverantwortlich bauen. Für eine größeres Haus aber braucht er einen Architekten, oder aber er hat eine Zusatzqualifikation in Sachen Statik, mit der er auch größere Projekte eigenverantwortlich durchführen kann. Diese Qualifikation muss er erreichen um den Din- Verordnungen gerecht zu werden.
Auf die Krankenpflege übertragen hieße das, dass eine 3 jährige Ausbildung nicht dazu befähigt, ärztliche Tätigkeiten eigenverantwortlich durchzuführen. Für Teilbereiche aber schon und dafür kann man auch Standards oder Richtlinien erarbeiten.
Die Pflegewissenschaft arbeitet an Pflegediagnosen, können wir diese in den Pflegeprozess implementieren, haben wir die Definitionsmacht, und wir können selbst die Diagnose über den Pflegebedarf und die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit stellen können. Ich war jetzt bei einer Vorlesung über die Einführung der DRGs in einem bestimmten Krankenhaus und der Vortragende hat betont, dass sich die ärztliche Berufsgruppe gegen die Einführung von Pflegediagnosen wehrt und diese Machtstrukturen unglaublich stark sind. Also ich möchte das nicht noch weiter vertiefen, aber ich denke das zeigt die Umbruchphase. Aus pflegewissenschaftlicher Sicht wird die Übertragung von Aufgabenkomplexen mit den dazugehörigen Entscheidungsbefugnissen gefordert und nicht die Delegation von Einzeltätigkeiten. Aber ich denke auch das ist noch ein langer Weg.
LG Sabine
 
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Altenpflegel

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Hallo Sabine :eek:riginal:,
Seit einem BGH-Urteil 1994 wird zwischen Grund - und Behandlungspflege differenziert wobei Grundpflege in den Bereich Pflege und Behandlungspflege in den ärztlichen Bereich fällt, der teilweise delegierbar ist und die Pflege die Durchführungsverantwortung hat. Also der Arzt entscheidet über das "ob" und die Pflege über das "wie".
Letzteres scheint mir definitiv falsch: Auch bei delegierbaren ärztlichen Aufgaben verbleibt die Therapieentscheidung beim Arzt; er ordnet also auch das "wie", das "wie häufig", "wie lange", ggf. "womit", etc. an.
Ein Entscheidungsspielraum der Pflege ist hieraus nicht ableitbar.

Vielmehr muß man es wohl genau andersherum werten: bleibt - nach ärztlicher Delegation - ein Entscheidungsspielraum für die Pflege, muß sie die Delegation ablehnen, da sie über keine ärztlichen Kompetenzen verfügt (und insofern diesen Spielraum auch nicht ausfüllen kann)!

Für delegierte Lagerungen zur Dekubitusprophylaxe bedeutet das, daß sie ebenfalls zurückgewiesen werden müssen, wenn die ärztliche Delegationsanweisung nicht klar bestimmt ist.

Daran ändert auch der Dekubitusexpertenstandard nichts, da er ärztlicherseits nicht anerkannt ist.

LG, Altenpflegel
 
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Sahawe

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Hallo Altenpflegel,
Letzteres scheint mir definitiv falsch: Auch bei delegierbaren ärztlichen Aufgaben verbleibt die Therapieentscheidung beim Arzt; er ordnet also auch das "wie", das "wie häufig", "wie lange", ggf. "womit", etc. an.
Das BGH - Urteil bezog sich auf die Rechtsprechung. Die Pflege wird für pflegerische Entscheidungen haftbar gemacht.
Aber ich habe das Gefühl eine weitere Diskussion hat keinen Sinn. Belassen wir es einfach bei einer Meinungsverschiedenheit. Ich denke der Ursprungsbeitrag ist geklärt.
LG Sabine
 
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Da stimm ich dir selbstredend bei. Und nicht vergessen:die Pflegewissenschaftler haben den ExpStan DecuPräv umsonst konzipiert - denn die Prävention fällt ja nicht in das Aufgabenfeld der professionellen Pflege , lach. Cave:Ironie

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:hahaha: Ja, ja plandy, die blöden, blöden Pflegewissenschaftler...
 
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pdlandy

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Also ich meinte das natürlich ironisch. Ich liebe PflWi - habe mich auch mal ein paar Stunden damit beschäftigt und fand´s echt interessant. Wenn ich mal groß bin , werde ich Pflegewissenschaftler;-) .
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José

Hallo, guten Tag.
Ich kann mich den Meinungen nur anschließen. Ein Dekubitus kann auch schon nach 1 Std. entstehen, also müssen die Patienten auch individuell gelagert werden. Die Mikrolagerung bewirkt zwar eine bessere Durchblutung im entlasteten Gewebe, ist aber mit Vorsicht anzuwenden, da sie i.d.R. kein Ersatz für den Lagerungswechsel ist. Die einzige tatsächlich wirkungsvolle Prophylaxe gegen Dekubitalulcera ist das vollständige Freilagern der gefährdeten Körperpartien.
Grüße
Josef
 
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Na, wenn's noch Beiträge gibt - gerne:

@ Jose´:
Ein Dekubitus kann auch schon nach 1 Std. entstehen, also müssen die Patienten auch individuell gelagert werden.
Ein Dekubitus könnte auch schon nach 15 min. entstehen, z. B. bei einem kachektischen, präfinalen Menschen.
Natürlich individuell lagern - aber wie zum Teufel, wenn Expertenstandard, Arzt und PDL dazu schweigen?
Nach eigenem Empfinden? Dafür wird die Pflegekraft - bei Entstehen eines Dekubitus - bestraft (denn grundsätzlich gilt der Rechtsprechung jeder Dekubitus als Pflegefehler, s. o.).

@ Ulrich Fürst:
Warum ist ein Passus mit einer Stunde besser als die Formulierung, die jetzt im Expertenstandard steht?
Vielleicht - zum besseren Verständnis - noch einmal zurück zu meiner ursprünglichen Aussage:
"Vorstellen könnte ich mir allerdings einen Passus im überarbeiteten Expertenstandart mit folgendem ungefährem Wortlaut:
Eine Umlagerung dekubitusgefährdeter Menschen sollte nach einer Stunde erfolgen. Dieses Lagerungsintervall führt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in aller Regel nicht zur Entstehung eines Dekubitus. Dennoch kann in Einzelfällen ein Dekubitus enstehen. In solchen Fällen sind die Lagerungsintervalle in Absprache mit dem behandelndem Arzt individuell zu verkürzen. Genauso können längere Lagerungsintervalle möglich sein. Diese können in Absprache mit dem behandelndem Arzt individuell eruiert werden."

Die Stunde ist ein Vorschlag; es durften also auch eine halbe Stunde oder zwei Stunden, etc. sein. Entscheidend ist, daß Pflege (wie offenbar gewünscht) einen Interventionsspielraum in eigener Verantwortung erhält.
Ist dieser allerdings ausgeschöpft, darf sie die Verantwortung der Bestimmung der individuellen Lagerung an die "Stelle" zurückgeben, von der sie delegiert wurde - an den behandelnden Arzt.
Dadurch wäre auch die Annahme der Rechtsprechung, daß grundsätzlich jeder Dekubitus ein Pflegefehler ist, nicht mehr aufrechterhaltbar.

@ jackdanielsx84x:
45Min. angeordnetes Lagerungsintervall --> schafft man personell nicht und schon mal über diese Konsequenz nachgedacht?
Sollte im Expertenstandard tatsächlich ein kurzes Lagerungs- (Richt-) intervall vorgegeben werden, muß das (über kurz oder lang) zu mehr Personal führen.

Freundliche Grüße, Altenpflegel
 
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Hallo Sabine,
Ich denke der Ursprungsbeitrag ist geklärt.
Die Threadüberschrift wirft die Frage auf in welchen Abständen gelagert werden soll. Dies ist - ohne übermäßige Straffälligkeit von Pflegekräften - bisher leider nicht geklärt.

LG, Altenpflegel
 
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Hallo pdlandy,
Wenn ich mal groß bin (...)
Meinst du damit, wenn du mal erwachsen sein wirst? Dann gebe Gott, daß das schnell geschieht!

Altenpflegel
 
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@ jackdanielsx84x:
Sollte im Expertenstandard tatsächlich ein kurzes Lagerungs- (Richt-) intervall vorgegeben werden, muß das (über kurz oder lang) zu mehr Personal führen.

Freundliche Grüße, Altenpflegel
und morgen ist Weihnachten.....
 
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Hallo Altenpflegel,

"Vorstellen könnte ich mir allerdings einen Passus im überarbeiteten Expertenstandart mit folgendem ungefährem Wortlaut:
Eine Umlagerung dekubitusgefährdeter Menschen sollte nach einer Stunde erfolgen. Dieses Lagerungsintervall führt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in aller Regel nicht zur Entstehung eines Dekubitus. Dennoch kann in Einzelfällen ein Dekubitus enstehen. In solchen Fällen sind die Lagerungsintervalle in Absprache mit dem behandelndem Arzt individuell zu verkürzen. Genauso können längere Lagerungsintervalle möglich sein. Diese können in Absprache mit dem behandelndem Arzt individuell eruiert werden."
Hier haben wir aber wieder die Abgabe an den Arzt. Und die Aussage: "Nach pflegewissenschfatlichen Erkenntnissen ist das Intervall im Normalfall so, kann aber abweichen", macht für mich auch keinen Sinn. Die Pflegefachkräfte sollen das nach eigenen Kriterien ermessen. Nicht nach Intuition, sondern im Team in einer Fallbesprechung, nach einer Pflegediagnose, die aufgrund von Assessmentinstrumenten und ausführlicher Anamnese gestellt worden ist. Die Intervention muss evaluiert werden (Zeitabstand wird in der Fallbesprechung geklärt) und ggf. angepasst werden. Eine hundertprozentige Sicherheit wirst du nie haben, in der Weise dass man sagen kann: "Hier steht es, so ist es oder so hat es der Arzt angeordnet" und damit bin ich raus aus dem Schneider.
Sondern die Interventionen sollen begründbar geplant sein (also wenns jetzt wieder auf den Haftungsprozess rausläuft). Die Expertenstandards sollen richtungsweisend sein und nicht Einzelfälle festlegen. Zum einen ist das nicht möglich (es handelt sich um individuelle Problemfälle die regelmäßig vom Standard abweichen) zum anderen wollte man das auch nicht, weil es immer wieder Leute geben wird, die sich dann an den empfohlenen Intervallen festbeißen würden und die Verantwortung abgeben würden.
Nicht jeder Dekubitus ist ein Pflegefehler. Die meisten Decubitalulcera werden als Pflegefehler gewertet, wenn die Interventionen nicht begründet werden können und meisten weil nicht nachvollziehbar dokumentiert wurde (wenn überhaupt dokumentiert wurde). Das verspürt man gleich Schlamperei. Fakt ist, dass Assessmentinstrumente als lästige Schreibarbeit empfunden werden, schnell angekreuzt werden,d amit was auf dem Zettels steht und weiter. Was die Dokumentation betrifft, das Gleiche in grün. Ich habe hier in Fallbesprechungen mit authentischen Fällen die Akten bearbeitet, ich kann dir sagen, abgesehn davon dass man fragmentarische Sätze vom Inhalt gar nich verstehen konnte, gab es so unqualifizierte Einträge, dass man besser nichts geschrieben hätte.
Alles andere habe ich schon in Beitrag 180 gesagt und. Somit ist für mich die Ursprungsfrage des Threads geklärt.
Ich habe jetzt keine Lust Gerichtsurteile rauszusuchen und zu mutmaßen wie es dann in Einzelfällen aussehen könnte.
Wie schon gesagt, ich finde man sollte die Herausforderung annehmen selbständig zu Handeln und die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen. Die Weichen sind gestellt. Aber wie auch schon gesagt, die Umsetzung/ das Umdenken wird noch lange dauern. Das zeigt mir auch diese Threadausgangsfrage. Man ist sich unsicher, und will immer an kleinschrittigen Anordnungen festhalten, auf die man dann verweisen kann, weil es im Team nicht zu einer einheitlichen geplanten Durchführung kommt. Die Antwort dafür liegt im Beitrag 45. Der erstellte Expertenstandard mit seiner Handlungsstrategien begründet und legitimiert das pflegerische Handeln, sobald er in der Einrichtung implementiert ist. Er ist auf der Makroebene enstanden und stellt die Grundlage für weitere Handlungsstrategien dar, die man dann auf Mikroebene der jeweiligen Institution und entsprechenden Handlungsfeldern der Pflege festlegen kann Schon alleine deswegen ist er wichtig. Er ist nicht unfehlbar und er wird kontrovers diskutiert und von mir aus von der Medizin belächelt. Für mich stellt er zunächst ein theoretisches Konstrukt dar, dass man für pflegerisches Handeln vorlegen kann und er ist in anderen nichtmedizinischen Feldern anerkannt. Man weiß aber nicht genau, wie er in Pflegediagnosen (wenn dies irgendwann mal in Deutschland passieren sollte) beipielsweise in einem elektronisches Pattientendossier mitaufgenommen werden kann. Expertenstandards sind wissenschaftlich fundiert, aber bei den Pflegediagnosen herrscht ein sehr hoher Forschungsbedarf. Das sind Fragen die noch nicht geklärt sind. Es sind Babyschritte im Vergleich zur medizinischen Forschung, das will ich auch gar nicht bestreiten, aber blickt man in andere Länder die schon viel weiter sind wie wir (in USA kann man mit einem deutschen Krankenpflegeexamen nur als Pflegehelfer arbeiten) ist die Lage hier einerseits frustrierend aber andererseits lässt sie auch hoffen. Aber ich denke man muss in der Lage sein in größeren Dimensionen zu denken.
Grundsätzlich Altenpflegel weiß ich auf was du hinaus willst, aber wir kommen da zu keinem Konsens. Ich will meinen Standpunkt auch nicht durchsetzen. Deshalb dachte ich es ist besser, die Diskussion als Meinungsverschiedenheit stehen zu lassen, damit wir auch in Zukunft weiterhin angeregt kommunizieren können:eek:riginal: .
LG Sabine
 
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