Haftungsrecht Dauerfixierung

S

Silentium

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
50389
0
Hallo zusammen,

ich habe das Forum schon durchstöbert aber noch nicht das richtige zu meinem Fall gefunden daher mal eine Frage an Euch.

Folgender Fall:

Wir haben eine Pat. mit alpallischem Syndrom. Es liegt noch eine Trachealkanüle mit Cuff. Beatmet wird diese Pat. nicht mehr. Sohn hat Betreuung in allen Bereichen. Vor ca einem 1/2 Jahr stand bei dieser Pat. eine Zahn-OP an und sie wurde dann nach Entlassung aus dem KH zu Hause mit Erlaubniss des Betreuers am re Arm fixiert (damit sich die Wundnähte durch "unkontrollierte" Bewegungen de re Armes nicht öffnen) Da es nun für die Mutter dieser Pat. wohl sehr bequem ist (sie rudert ja dann nicht mit dem Arm und könnte sich evt. die Trachealkanüle dadurch rausziehen), wird diese Pat. nun 24std Dauerfixiert.
All meine Bemühungen der Mutter gegenüber zu überzeugen das eine Dauerfixierung nicht nötig ist laufen ins Leere.
Frage: Kann der Sohn als gesetzlicher Betreuer wirklich diese Dauerfixierung(mitlerweile ein halbes Jahr) genehmigen oder benötigt er dafür nich doch eine richterliche Genehmigung?

Ich persönlich kenne diese Pat. recht gut und weiß das die Bewegung des re Armes noch die einzige Bwegungsmöglichkeit war die sie hatte (auch wenn es für Aussenstehende wie unkontrollierte Bewegungen aussieht). Hinzu kommt, das durch diese Dauerfixierung eine adäquate Lagerung nicht mehr möglich ist.

Über Antworten wäre ich froh

Gruß
Silentium
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
ambulanter Dienst
T

thorstein

Aktives Mitglied
Basis-Konto
12
85221
0
AW: Dauerfixierung

Kann der Sohn als gesetzlicher Betreuer wirklich diese Dauerfixierung(mitlerweile ein halbes Jahr) genehmigen oder benötigt er dafür nich doch eine richterliche Genehmigung?
Hallo Silentium,

wie kommst du auf die Idee, das ein Betreuer freiheitsentziehende Massnahmen genehmigen darf?
Das Dilemma in solchen Fällen ist wohl immer das Gleiche: meldest du den Fall zur Überprüfung, habt ihr wahrscheinlich einen Kunden weniger.

Als Mutter würde ich mir wohl auch verbieten, dass du besser weist, was für ihren Sohn gut ist. Und sie ist keine Aussenstehende, oder?

Was sagt der Hausarzt dazu?

Hier noch ein Link, mit ausführlichen Informationen:

http://www.verwaltung.bayern.de/Anlage3361591/VerantwortungsvollerUmgangmitfreiheitsentziehendenManahmeninderPflege.pdf

Grüsse
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
P

Paddy

AW: Dauerfixierung

Hallo,

nein, er darf keine Dauerfixierung anordnen. Ausschließlich das Gericht darf eine Dauerfixierung anordnen. Fixierungen ohne richterliche Verfügung sind nur max. 24 Stunden gestattet, wenn der patient sich oder andere gefährdet.

LG Paddy
 
T

thorstein

Aktives Mitglied
Basis-Konto
12
85221
0
AW: Dauerfixierung

Über die Anwendung dieser Maßnahmen entscheidet der gesetzliche Vertreter, also der rechtliche
Betreuer oder der ausreichend Bevollmächtigte. Dieser beantragt die vormundschaftsgerichtliche
Genehmigung. Dazu benötigt das Gericht den entsprechenden Antrag des Betreuers, eine
ärztliche Stellungnahme (Attest, meist aber psychiatrisches Gutachten), holt oft die Stellungnahme
der Betreuungsstelle ein und bestellt nach eigenem Ermessen einen Verfahrenspfleger
als Anwalt für die betroffene Person. Der nächste Schritt ist die persönliche Anhörung durch
das Gericht. Danach fällt ein Gerichtsbeschluss, der entweder eine FeM untersagt oder gestattet.
In diesem schriftlichen Gerichtsbeschluss ist genau aufgeführt, welche FeM für welchen
Zeitraum maximal gestattet wird. Der Beschluss legt eine Obergrenze von Maßnahmen fest,
wobei eine FeM aber immer nur im aktuell benötigten Ausmaß angewandt werden darf.
Erst nach dieser richterlichen Genehmigung darf eine FeM weiter geplant und durchgeführt
werden.
Hier noch der entscheidende Absatz zu deinem Problem.
Ausnahmen gibt es da eigentlich nicht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einer Dauerfixierung des Arms argumentiert werden kann, es handle sich nicht um eine freiheitsentziehende Massnahme.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
S

Silentium

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
50389
0
AW: Dauerfixierung

Hallo und guten Morgen zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten.

[wie kommst du auf die Idee, das ein Betreuer freiheitsentziehende Massnahmen genehmigen darf?]
Ich selber bin überhaupt nicht auf diese Idee gekommen. Ich habe bezgl. dieser Problematik mehrfach mit meiner Vorgesetzten gesprochen und diese meinte, das der Sohn=Betreuer mit Gesundheitsfürsorge, das genehmigt hat und damit wäre das rechtens.Leider geben meine Fachbücher nicht so richtige Definitionen her und deswegen habe ich mich hierhin gewand.

Als Mutter würde ich mir wohl auch verbieten, dass du besser weist, was für ihren Sohn gut ist. Und sie ist keine Aussenstehende, oder?
Irgendwie hast Du hier was Missverstanden.:bg:

1. Geht es nicht um den Sohn, sondern um dessen Mutter welche ein alpallisches Syndrom hat. Mutter der Patientin=Angehörige/ Sohn der Patientin=Angehöriger und gesezt.Betreuer

3. Ist es meine Aufgabe, Angehörige zu beraten und anzuleiten. Ich gehe mal schwer davon aus, das ich viele Dinge besser weiß als Angehörige. Wenn dem nicht so wäre sollte ich meinen Job an den Nagel hängen. Und ehrlich gesagt bei Maßnahmen die durchgeführt werden, damit Angehörige sich*besser fühlen* (Sicherheitsdenken der Mutter der Pat.) hört der Spass für mich auf! Denn es geht hier nicht vorrangig um die Angehörigen sondern in erster Linie um den Pflegebedürftigen.Ich schrieb ja oben das ich mich immer wieder bemüht habe, die Mutter davon zu überzeugen, das diese Fixierung nicht nötig ist und das hat nichts mit Besserwisserei zu tun, sondern nur mit der Tatsache, das ich vorrangig auf den Pflegebedürftigen Menschen schaue und mein Möglichstes dür ihn tue!

Jedenfalls habt ihr mir sehr geholfen und ich werde das nächste Angehörigengespräch mit dem Sohn führen und ihn darauf hinweisen, das das was er da angeordnet hat, nicht rechtens ist. Ich gehe mal davon aus, das er es einfach nicht besser weiß und hoffe, er wird dann die Fixierung untersagen!

Gruß
Silentium
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
ambulanter Dienst
T

thorstein

Aktives Mitglied
Basis-Konto
12
85221
0
AW: Dauerfixierung

Hallo Silentium,

ich habe doch noch eine Nachfrage. Es ist deine Aufgabe, Angehörige zu beraten. In wessen Auftrag? Deine Vorgesetzten sind der Meinung, dass der Sohn die Fixierung genehmigen darf. Du willst jetzt den Sohn davon überzeugen, dass er doch eine Genehmigung braucht. Müßtest du nicht zunächst deine Vorgesetzten davon überzeugen, dass eine Genehmigung vorliegen muss? Und wäre es dann nicht Aufgabe der Vorgesetzten, den Kunden auf die fehlende Genehmigung hinzuweisen?
Was man in einem Forum zu so einer Situation anmerkt bleibt immer spekulativ. Wie würde ich als Sohn reagieren, wenn mir eine Pflegekraft mitteilt, die von mir autorisierte Fixierung bei meiner Mutter wäre nicht rechtmäßig?
Und noch einmal: Was sagt der Hausarzt dazu? Oder hat er deiner Ansicht nach keine Beratungsfunktion?
Soweit ich die Sache überblicke, würde ich mich auch gegen diese Fixierung wenden. Ich hoffe, dass du dein Ziel auch erreichst.
Grüsse
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
E

EmmaPeel

Mitglied
Basis-Konto
0
23843
0
AW: Dauerfixierung

Hallo...

Jede Pflegekraft hat eine beratende Funktion...
 
Qualifikation
Altenpflegerin/Teamleitung
Fachgebiet
ambulante Intensivpflege
Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
Basis-Konto
20
63110
0
AW: Dauerfixierung

Bleibt aber die Frage, ob die PK sich darauf einlassen soll, die entgegengesetzte Meinung der Vorgesetzten zu "beraten"? Erst muss die ja überzeugt werden, sonst könnte es negativ für die PK enden.
Weitere Frage ist, wie das alles durchgesetzt werden soll. Betreuer zeigt vielleicht guten Willen, also keine Fixierung. PK weg, wieder Fixierung. Oder er wehrt sich gleich gegen die Hinweise.
Wer kontrolliert und wie?
:kopfkratz:Wasserfrau
 
Qualifikation
Krankenschwester
T

thorstein

Aktives Mitglied
Basis-Konto
12
85221
0
AW: Dauerfixierung

Auch wenn ich mich wiederhole: ideal wäre es, wenn sich der Hausarzt des Problems annimmt. Der Sohn wird ihn doch in jedem Falle zu Rate ziehen.
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Nachtdienst
J

josephine

Aktives Mitglied
Basis-Konto
3
München
0
AW: Dauerfixierung

Schau mal hier.
http://www.verwaltung.bayern.de/Anlage3361591/VerantwortungsvollerUmgangmitfreiheitsentziehendenManahmeninderPflege.pdf

O.k. ist für mein Bundesland, aber da find`ich es halt am schnellsten.
Sicher gibt es ähnliche Broschüren oder Links auch für alle anderen Bundesländer.

FEM ist grundsätzlich ein Eingriff in die persönliche Freiheit und die ist nicht Ländersache.
Um sich zu informieren sind auch die Heimaufsichten (bei uns heißt es jetzt FQE) gut. Diese kennen die rechtlichen Grundlagen und sind auch für die Beratung der Fachkräfte zuständig.

Wenn du als PFK eine Fem durchführst, billigst oder nicht verhinderst, die rechtlich nicht gesichert ist, machst du dich (nach meiner Information) auch strafbar. Und: Wenn du eine Maßnahme aufgrund deiner Fachkenntnis nicht durchführen kannst hast du das Recht diese zu verweigern. Das sollten auch deine Vorgesetzten wissen.

Vielleicht besorgst du dir die Entsprechende Information bei deiner Behörde (oder fragst deine PDL, die kriegen die eigentlich) und legst sie mal deinem Chef vor.

Offensichtlich hat er ein Infodefizit. Denn FEM sind die Geschichten, wo auch der gesetzliche Betreuer nicht eigenmächtig entscheiden darf.

Viel Erfolg,

LG, josephine
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Palliativ
Weiterbildungen
PA, Palliative Care
S

Silentium

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
50389
0
AW: Dauerfixierung

Hallo nochmal,

In wessen Auftrag?
Guckst Du mal beim Deutschen Berufsverband für Altenpfleger unter Aufgaben :wink:

Bleibt aber die Frage, ob die PK sich darauf einlassen soll, die entgegengesetzte Meinung der Vorgesetzten zu "beraten"?
Ich denke mal das liegt einfach hier dran
Offensichtlich hat er ein Infodefizit
:cry:

Ihr habt natürlich recht. Ich werde erstmal mit meinem Vorgesetzten sprechen und ihm ein paar schriftliche Dinge (die ich mir durch die Links hier ausgedruckt habe) vorlegen. Und evt. auch anregen, das meiner Meinung nach eine Fortbildung/Info für alle PK statt finden sollte denn scheinbar sind die Richtlinien Vielen nicht klar!

Auch wenn ich mich wiederhole: ideal wäre es, wenn sich der Hausarzt des Problems annimmt. Der Sohn wird ihn doch in jedem Falle zu Rate ziehen.
Ich weiß ja nicht wie es bei Euch so läuft aber bei uns ist es in der Regel so, das der HA nicht sonderlich an solchen Geschichten interessiert ist. Oft ist es doch so, das du diese nicht mal zu einem Hausbesuch überreden kannst. Alles geht hauptsächlich telefonisch mit der Anmeldung. Welche Symptome? Ahja...hmh..ok..ich sags dem Arzt, Sie können dann heute Mittag das Rezept abholen. Hausbesuch? Neee, macht der Chef nicht! Wenns so schlimm ist dann soll Fr. xy/Hr. wz ins KH gehen.

So läufts in der Regel ab.

Wie würde ich als Sohn reagieren, wenn mir eine Pflegekraft mitteilt, die von mir autorisierte Fixierung bei meiner Mutter wäre nicht rechtmäßig?
Hmh...gute Frage aber ich sage immer, wie man in den Wald rein ruft so schallt es auch herraus. Es kommt halt darauf an wie ich das rüber bringe und im normalfall vertrauen Pat. und Angehörige der PFK (also mir)!


Bleibt aber die Frage, ob die PK sich darauf einlassen soll, die entgegengesetzte Meinung der Vorgesetzten zu "beraten"? Erst muss die ja überzeugt werden,
Och da mache ich mir am wenigsten sorgen :eek:riginal:
Solange man das fachlich argumentieren kann, gibt es doch keine Ausrede mehr oder einfach weggucken!!!:nono::nono::nono:

Und da bin ich ja durch Euch jetzt gut vorbereitet. In diesem Sinne nochmal vielen Dank.
Ich werde mal Berichten, wie es ausgeht!

Gruß
Silentium
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
ambulanter Dienst
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.