Darf Pflegedienst orale Nahrung verweigern?

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HamburgerDeern

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Hallo,
meine Tochter (30 J.) ist mit einem Tracheostoma und einer PEG versorgt. Ihre hauptsächliche Ernährung erfolgt über die PEG. Sie hat ärztlicherseits zwar die Empfehlung, wenig oral zu sich zu nehmen, aber kleine Genussmengen sind erlaubt. Sie musste dem Pflegedienst gegenüber schriftlich versichern, dass sie auf eigenen Verantwortung und eigenes Risiko orale Nahrung zu sich nimmt.
Nachdem das 5 Jahre so akzeptiert wurde, verweigert ihr nun plötzlich der Pflegedienst die Zubereitung und das Anreicher oraler Nahrung.

Ist das rechtens? Welche Möglichkeiten haben wir, dagegen anzugehen?

Vielen Dank im voraus.
Liebe Grüße
HamburgerDeern
 
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Lückenlos

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Hey, hat Pflegedienst Grund dafür nicht erklärt? Meines Wissens, Pflegedienst tut alles, was hinterher abgerechnet werden kann. Vielleicht wird die Leistung nicht mehr von Krankenkasse übernommen? Manchmal will die Kasse, dass Angehörigen manche Tätigkeiten übernehmen, damit sie nicht mehr viel an Pflegedienst zahlen müssen. Bin leider nicht so sicher in der Sache, ich würde aber raten, dass du hinterfragst was Grund dafür ist. Und evtl. Kontakt mit Arzt und dann mit Krankenkasse aufnehmen.
 
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HamburgerDeern

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Hallo,
danke für Deine Antwort.

Meine Tochter lebt alleine und wird komplett vom ambulanten Pflegedienst versorgt. Man hat ihr und uns nur gesagt, "sie dürfen es nicht mehr", es sei zu riskant, und wenn etwas passiert (verschlucken), dann sind sie dran. Ich warte noch auf die schriftliche Ausführung dieser Anordnung..
Natürlich könnten wir versuchen, ein Attest vom Arzt zu bekommen. Aber ich denke, das ist der falsche Weg: Essen ist ja wohl ein Grundrecht, und darüber hinaus hat jeder Mensch das Recht, selbstbestimmt auch "unvernünftige" oder "gefährliche" Dinge zu tun - Alkohol, rauchen, gefährliche Sportarten, überhaupt "leben". Was kommt als nächstes? Helfen sie ihr dann nicht mehr beim Jacke anziehen, weil sie draußen einen Unfall haben könnte?!
 
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Lückenlos

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Nicht 1:1 gleich aber ähnlicher Fall: Heim haftet nicht zwingend für Verschlucken bei der Nahrungsanreichung | BIVA

Sollte deine Tochter doch verschlucken und dabei ins Krankenhaus gebracht werden (oder auch schlimmeres passieren) müssen, wer wird die Verantwortung dafür tragen/wer wird dafür haften bzw. anfallenden Kosten übernehmen? - Kann sein, dass genau diese Frage dazu geführt hat, dass Pflegedienst orale Nahrungsaufnahme verweigert da sie sich rechtlich nun auf unsichere Seite gefühlt haben.

Mir fehlt leider Praxis, wie Fachkräfte das regeln, aber ich als Azubi weis schon, dass wenn z.B. Bettgitter hoch kommt, braucht man Gerichtsbeschluss dafür, sonst heißt es Freiheit wurde rechtswidrig entzogen und das auch dann, wen Bewohner des Heimes selber Bettgitter hoch haben möchte. Heutzutage sollten lieber alles durch Gericht bestätigt werden, z.B. auch die Erklärung deiner Tochter, dass sie selber dafür haftet bzw. niemandem Schuld gibt, wenn sie an Essen beim Essenabrechen verschluckt.

Wie gesagt, ich bin hier kein Profi-Ratgeber, war nur meine Meinung, ich werde dieses Thema gerne beobachten, mal schauen was andere, mehr erfahrene Menschen dir empfehlen.
 
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supetrosu

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Hallo,
danke für Deine Antwort.

.......

Natürlich könnten wir versuchen, ein Attest vom Arzt zu bekommen. Aber ich denke, das ist der falsche Weg: Essen ist ja wohl ein Grundrecht, und darüber hinaus hat jeder Mensch das Recht, selbstbestimmt auch "unvernünftige" oder "gefährliche" Dinge zu tun - Alkohol, rauchen, gefährliche Sportarten, überhaupt "leben". Was kommt als nächstes? Helfen sie ihr dann nicht mehr beim Jacke anziehen, weil sie draußen einen Unfall haben könnte?!
Die Betonung liegt auf selbstbestimmt. Ich kann den PD schon verstehen. Würde auch niemandem etwas zu schlucken geben wenn es nicht Ärztlich und/oder Logopädisch abgesegnt ist.

Ich kann deine Tochter verstehen , ihren Wunsch nach Essen sehr gut nachvollziehen, aber mich kann niemand dazu zwingen auf meine Verantwortung jemandem Essen anzureichen der es nicht sicher schlucken kann. Es ist meine Verantwortung, wenn dann etwas passiert.
 
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dawala

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Wenn der ARZT es verantwortet, dann soll er SCHRIFTLICH dazu stehen. So lange aber der ARZT es nicht schriftlich erlaubt ist Pflege in der PFLICHT, die anvertrauten Patienten vor möglichen gesundheitlichen Gefahren zu schützen. .
Selbstverständlich kann Ihre Tochter mit dem ARZT vereinbaren, worauf sich der ARZT einlässt. Der ARZT ist sogar laut Bundesverfassungsgericht an den Patientenwillen gebunden.

Liegt aber kein Vermerk, keine Anordnung vom Arzt in der Krankenakte vor und Ihre Tochter verschluckt sich, erleidet dadurch schaden, muss die Pflege dafür gerade stehen. Steht es in der Krankenakte, stellt sich die Frage nach persönlicher Haftung der Pflege nicht. So wird es jedenfalls von geltendem Recht und der Rechtsprechung verstanden.
 
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Was mir sich nicht ganz erklärt, warum übernimmt denn nicht das Private Umfeld diesen Genuß?
 
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ludmilla

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Wenn ich als Pflegende beim Patienten Schluckstörungen und damit Aspirationsgefahr wahrnehme, dann gebe ich keine orale Nahrung.

Auch nicht mit ärztlichem oder logopädischem Attest. Dazu kann man mich nicht verpflichten, weil ich die Durchführungsverantwortung habe. Ich möchte das hinterher vor mir selbst nicht verantworten, auch nicht wenn es keine rechtliche Konsequenzen hat.

Wenn ihr das als wichtig erachtet eurer Tochter orale Nahrung zu geben (was ich hundertprozentig nachvollziehen kann), dann lasst euch aufklären und von der Logopädin anleiten und übernehmt es selbst.
Klar ist essen sowas wie ein Grundrecht, sie bekommt ja auch Nahrung. Eben nur nicht oral!
Und ich muss als Pflegekraft die Dinge die ich tue auch verantworten können. Mir hilft später auch keiner, wenn ich mir selbst Vorwürfe mache dass etwas passiert ist, nur weil ich den Willen der Patientin erfüllt habe. Dann muss ich ganz allein damit umgehen....
 
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