Clexane und Niereninsuffizienz

Rananarmo

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Hallo!

Wie die meisten hab ich in meiner Ausbildung gelernt, daß Clexane bei Niereninsuffizienz kontraindiziert ist und man auf Heparin zurückgreifen soll, da Clexane als niedermolekulares Heparin renal abgebaut werden und bei unzureichender Nierenfunktion eben im Körper zirkulieren und eine heparininduzierte Thrombozytopenie verursachen.
Vor meiner Examensprüfung hat mir ein Arzt zur Prüfungsvorbereitung das auch noch mal bestätigt, und ein Gefäßchirurg muß es ja wissen.

Jetzt haben wir auf unserer Station einen Patienten mit Niereninsuffizienz im dritten Stadium (ziemlich adipös) und beim ausarbeiten der Anordnungen fiel mir die Anordnung 0,4 ml Clexane auf. Natürlich hab ich dann den Arzt (Neurochirurg) gefragt, ob er das wirklich so meint. Er antwortete, er wäre auf einer Weiterbildung gewesen, auf der gesagt wurde, daß Clexane doch keine Thrombozytopenie bei niereninsuffizienten Patienten auslösen. Hab das dann erstmal hingenommen und die Anordnung ausgeführt, er ist ja der Arzt.
Jetzt frag ich mich aber schon, wie die Wissenschaft da jetzt plötzlich drauf kommt und wieso denn erst jetzt, nachdem jahrelang Heparin gespritzt wurde?
Hat da jemand nähere Informationen zu?
Also, ich bin nach wie vor vorsichtig mit Clexane bei niereninsuffizienten Patienten...
 
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Schatti

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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Hi,

ein bisschen spät die Antwort, aber vielleicht nützt es ja noch etwas.

Prinzipiell hängt das HIT-Risiko nicht mit der kumulativen Dosis eines niedermolekularem Heparins (egal welches) zusammen.
Insofern birgt eine Überdosierung infolge abgesenkter renaler Ausscheidung nicht ein erhöhtes HIT-Risiko, sondern eher ein gesteigertes Blutungsrisiko.

Tatsächlich ist es so, dass Hersteller diverser niedermolekulare Heparine nach und nach ihre Zulassungstexte ändern aufgrund neuer Erkenntnisse, insbesondere größerer Studien die glaubhafte ERgebnisse zu vermitteln in der Lage sind. Auch Clexane oder Mono Embolex waren hierbei in den letzten Jahren betroffen und haben Änderungen bei den Dosierungen für niereninsuffiziente Patienten erfahren.

Speziell zu Clexane:
Bei schwerer NI gibt es Dosisreduktions-Empfehlungen gemäß Zulassung, diese sind in der Fachinformation nachzulesen. Es empfiehlt sich aber zusätzlich zur pauschalen Dosisreduktion eine Kontrolle der gerinnungshemmenden Aktivität über die sog. Faktor Xa-Aktivität. Keineswegs ist das Produkt kontraindiziert bei schwerer NI. UFH ist demzufolge nicht zwingend indiziert.
Was das o.g. konkrete Beispiel betrifft, liegt ihr mit 0,4ml s.c. allerdings nicht im dosisreduzierten Bereich für die Patienten mit Kreatininclearance <30ml/ml - das wären 0,1ml weniger im entsprechenden Setting.

Gruß,
Schatti
 
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PflegeSunshine

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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

so was haben wir in der ausbildung gar nicht erst gelernt...
es hieß immer, das ist arztsache -.-
man sollte die ausbildung endlich mal deutschlandweit vereinheitlichen!!!!!
 
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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

so was haben wir in der ausbildung gar nicht erst gelernt...
es hieß immer, das ist arztsache -.-
man sollte die ausbildung endlich mal deutschlandweit vereinheitlichen!!!!!
Auch ich lernte das nicht in der allgemeinen Krankenpflegeausbildung, aber dafür in der Fachweiterbildung für Anästhesie- und Intensivpflege. Im Intensivbereich wird man damit allerdings tagtäglich mit einer Heparininduzierten Thrombozytopenie u.a. auch Gerinnungsstörungen sowie massiven Blutungen konfrontiert.
Clexane, Mono- Embolex werden auch bei Niereninsuffizienten gespritzt, allerdings auch in therapiereduzierter Form. Dies gilt allerdings nicht nur hierbei, sondern vorallem auch für Antibiotika. Wenn der Patient z.B. allerdings z.B. Dialysepflichtig ist und z.B. an dem Tag xyz die Dialyse erhält (also sprich mit hohem Umsatz), dann wird grundsätzlich erst nach der Dialyse das Antibiotika infundiert. Es würde ja auch keinerlei Sinn machen, dies vorher zu geben, da es sowieso wieder rausfiltriert wird. Dies gilt im übrigen auch für Chemotherapeutika. (etwas OT)
 
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Schatti

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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Hi,
Wenn der Patient z.B. allerdings z.B. Dialysepflichtig ist und z.B. an dem Tag xyz die Dialyse erhält (also sprich mit hohem Umsatz), dann wird grundsätzlich erst nach der Dialyse das Antibiotika infundiert. Es würde ja auch keinerlei Sinn machen, dies vorher zu geben, da es sowieso wieder rausfiltriert wird. Dies gilt im übrigen auch für Chemotherapeutika. (etwas OT)
bitte daran denken, dass nicht alle Wirkstoffe überhaupt dialysiert werden können. Es gibt auch unter den Antibiotika solch "sperrige" molekulare Strukturen, die eine Dialysemembran nicht im geringsten Teil passieren. Da ist es dann auch völlig egal, ob vor der Dialyse, während der Dialyse oder nach der Dialyse die Substanz gegeben wird, weil sie eben sowieso im Patienten-Kreislauf verbleibt.
(denkbar schlechtes Beispiel, da ein dialysepflichtiger Patient sicherlich so gut wie nie mit Vancomycin therapiert werden würde)

Eine pauschale Aussage wie deine, dass sämtliche Antibiotika erst nach der Dialyse appliziert werden sollen/dürfen passt dazu nicht.
Dass generell sehr viel Acht gegeben werden muss beim Dosieren von beliebigen Substanzen für dialyse-pflichtige Patienten, das kann man nicht oft genug unterstreichen.

Viele Grüße,
Schatti
 
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Kessia

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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

so was haben wir in der ausbildung gar nicht erst gelernt...
es hieß immer, das ist arztsache -.-
Hallo PflegeSunshine, verstehe ich das gerade richtig, dass in deiner Ausbildung subkutane Injektionen nicht angelernt wurden?
Wenn ich das also richtig verstehe, bin ich gerade sehr überrascht.:ka:

Auch ich lernte das nicht in der allgemeinen Krankenpflegeausbildung,
Ich scheine wohl wirklich etwas falsch zu verstehen.
 
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PflegeSunshine

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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Hallo PflegeSunshine, verstehe ich das gerade richtig, dass in deiner Ausbildung subkutane Injektionen nicht angelernt wurden?
Wenn ich das also richtig verstehe, bin ich gerade sehr überrascht.:ka:
Wir haben in der Ausbildung zwar das subkutane Injizieren gelernt, nicht aber, dass z.B. Clexane bei Niereninsuffizienz kontraindiziert ist, wie das Rananarmo geschrieben hat.
Und ich denke, dass "Rundumsorglospaket" das genau so meinte.

Also ich fände es generell wichtig, dass man in der Ausbildung mehr über solche Dinge erfahren sollte... Übrigens... von einem sog. "Spritzenabszess" hab ich erst gehört, als ich auf der Chirurgie (" Jahre nach meiner Ausbildung) einen solchen pflegerisch versorgen musste -.-
Wir haben halt immer nur gelernt WIE man etwas tut und nicht, zu welchen teilweise fatalen Folgen eine Nichtbeachtung z.B. hygienischer Maßnahmen es kommen kann.
Das finde ich sehr schade und vor allem sehr gefährlich...
Aber ein halbes Jahr Geschichte der Krankenpflege... das bringt die Menschheit weiter!!!!!!!!!!!!
:mad_2:
 
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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Ich will gar nicht in Debatte stellen, was man wie oder wo in den Ausbildungen lernt. Lehrt man aber im allgmeinen nicht auch, was kontraindiziert wäre?
Schon allein als ich hier die Überschrift gelesen habe, hatte ich eigentlich nur Kopfschütteln.
 
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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Ich will gar nicht in Debatte stellen, was man wie oder wo in den Ausbildungen lernt. Lehrt man aber im allgmeinen nicht auch, was kontraindiziert wäre?
Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, aber wir haben so etwas nur bedingt gelernt.
bei Antibiotika z.B. aber bei Weitem nicht genug. Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass sich eine KS wundert warum nach 4! Wochen i.v. Antibiose (Cefu+Genta) das Krea ins unermessliche steigt?!

Ich handhabe das mittlerweile so, dass ich mir ein Arzneimittelbüchlein gekauft habe und bei Bedarf immer wieder nachlese, was ich bei den einzelnen Medikamenten wissen muss, speziell wenn ich Patienten mit Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz habe.
 
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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass sich eine KS wundert warum nach 4! Wochen i.v. Antibiose (Cefu+Genta) das Krea ins unermessliche steigt?!
Über die klinische Chemie hat doch der Hausarzt Verantwortung und er setzt die Anordnungen, die die Fachkraft auszuüben hat. Oder verstehe ich da gerade jetzt was falsch?
 
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PflegeSunshine

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AW: Clexane und Niereninsuffizienz

Der Fall, der meiner Aussage zu Grunde lag spielte sich in einem Krankenhaus ab.

Natürlich hat letztlich immer der Arzt die Verantwortung über die Anordnung, doch als GuKP habe ich doch die Durchführungsverantwortung. Also kann keiner behaupten, ich hätte mit der Sache rein gar nichts zu tun.

Und es kann meiner Meinung auch nicht schaden, wenn man einen Arzt ganz höflich und nett darauf aufmerksam macht, dass in der Therapie vielleicht etwas nicht so läuft, wie es sollte.

So etwas kann man dann immer noch nett verpacken indem man solche Sprüche verwendet wie: "Ich habe gehört, dass man dieses Medikament nicht so lange geben darf." oder "Ich dachte immer, dass..." oder auch in dem man einfach interessiert fragt: "Wie lange darf dieses Medikament gegeben werden?"
Mir würde da noch sehr viel mehr einfallen.

Auch Ärzte sind nicht unfehlbar.
 
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