Christentum und Pflege - ein ausgedientes Paar oder zukunftsträchtiges Modell ?

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Fragmentis

Fragmentis

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Hallo zusammen !

Zitat Rykers:
"Ich gebe denjenigen Vorrednern recht, die sagen, dass die christliche Religion viel mit der Pflege verbindet.
Natürlich gab es Momente, in denen ich den religiösen Inhalt übermäßig empfunden habe oder unpassend, aber ich verstehe, dass ein konfessionelles Krankenhaus sich in allen Bereichen auf dieses christliche Sein bezieht.
Sofern dieses Sein nicht nur Scharade ist, kann es ein sehr wertvoller Beitrag zur Krankenpflege, zur Genesung oder zum Seelenfrieden des Patienten sein."


Ich finde, das ist eine ganz schön tolerante Einstellung auf Deinem familiären Hintergrund.

Danke, Rykers, für Deine offenen Erfahrungsberichte und dafür, daß ich einen derart offenen und dennoch klaren Menschen "lesen" durfte...

Danke an dieser Stelle überhaupt an alle, die Ihr über dieses Thema mitdiskutiert. Mir ist schon klar, daß dies auf den vielen Erfahrungen im Hintergrund öfter mal ein - naja, sagen wir mal - emotionalisierendes Thema ist...aber das hat Religion/Spiritualität nunmal so an sich, finde ich...

Gespannt auf weiteres,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
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moviliti-care

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12.07.2006
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Hallo:innocent: (der smiley passt so gut zum Thema )
also ich sehe den christlichen Gedanken in der Pflege nur im Ansatz bei den einzelnen, die sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten praktizieren.
Und das ist für mich das gemeinste .... die Manipulation des Einzelnen, um ein Pseudogefühl zu erzeugen .....
Da setze ich die Promoter / Propagandisten ( so heißen auch die Verkäufer der Telekom und der Staubsaugervertreter:sick: ) mit den Vertretern der Kirchen gleich... Viel Luft um nix, Hauptsache der "Wille" wird befolgt.
Die Bibel und die zehn Gebote finde ich Spitze, ein super Handbuch für den menschlichen Umgang ... genau wie die Grundtheorien von Marx zum Sozialismus .... Nur geht es denen wie vielen unserer QM-Handbücher ... mangelnder Transfer in die Praxis ....
Und die QM´s Gottes ( vermeindliche ) interpretieren es so, wie es passt (hm?:wassat: wie so manche Mdk-Prüfung! ) ... nur halten sie sich nicht an die definierten Standards .....
Gott find ich super .... nur das Bodenpersonal!!!!:cry:
Und seit wir Papst sind, reist der Boss mit einem Tross von Merchandising-Ständen durchs Ländle und es gibt Japan-Müll für teures Geld .... christlich?
Kirchen sind wie die "caritativen" Vereinigungen in der Pflegepraxis GmbH´s, die einen BWL-studierten als Geschäftsführer besitzen, für den sich die Nächstenliebe in seiner nächsten betriebswirtschaftlichen Auswertung niederschlägt ..... oder er Stellen wegrationalisiert .... ist ja auch nicht so wild ... im Himmel wird ja alles besser! :thumbsup:
Um noch mal auf den zurück zu kommen, der die christliche Nächstenliebe nicht nur propagiert, sondern jeden morgen damit zur Arbeit geht und dem, der am schwächsten ist, in genau dem Sinn zu helfen ..... Ja, der ist christlich, aber aus seiner Profession ... nicht aus der kirchlichen ...
Ein ketzerischer Satz zum Schluß .... Es sind Soldaten Gottes, die einfach auf dem Schlachtfeld der Pflege geopfert werden - Das kein Beruf, sondern Berufung !!!! Und das freie Wochenende ist gestrichen! Also nicht jammern - ackern:devil:

In Achtung vor allen, die vermögen, Glauben zu leben!
Lieben Gruß
Lars
 
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Rykers

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25.10.2006
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Um noch mal auf den zurück zu kommen, der die christliche Nächstenliebe nicht nur propagiert, sondern jeden morgen damit zur Arbeit geht und dem, der am schwächsten ist, in genau dem Sinn zu helfen ..... Ja, der ist christlich, aber aus seiner Profession ... nicht aus der kirchlichen ...

Lars
Deine Aussage klingt in meinen Ohren sehr radikal - klingt nach jemanden, der schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht hat.

Den Kirchen gehören nun mal Menschen an, die nicht anders sind als konfessionslose Menschen. Du wirst auch in der Kirche Menschen finden, die ihre Mitmenschen wie den letzten Dreck behandeln. Und verrückt - sie sehen sich vielleicht trotzdem im Einklang mit dem christlichen Glauben.

Ich denke, eine Konfession per se verteufeln (wie passend zu dem Thema *g*) ist der falsche Weg. Jeder gläubige Mensch sieht etwas Anderes in bestimmten Bibeltexten und jeder wird eine andere Motivation daraus ziehen - das kannst du keiner Kirche vorwerfen, es sind die Menschen selber.

Das der Rummel um den Papst überzogen ist, das all die Gewalttaten der Kirche in den letzten 2000 Jahren ein großer Fehler waren, das mag stimmen und trotzdem ist auch Gutes aus diesem Glauben erwachsen. All die gesellschaftlichen Werte, auf die wir uns heute beziehen, sind doch Ursprung einer christlichen Kultur, so schwer das auch manchmal fällt, es zu akzeptieren.

Im Übrigen kannst du doch keinem Krankenhaus vorwerfen, dass sie einen BWL-Studierten als Geschäftsführer im Haus haben. Was meinst du, wieviele kirchliche Krankenhäuser es noch gäbe, wenn sie streng unter der Leitung der Gläubigen geblieben wäre? Vermutlich wäre diese Zahl deutlich kleiner, weil nicht unbedingt jeder Christ, der ein Haus seines Glaubens leitet, auch ein wunderbarer Geschäftsmann ist.
Man kann solchen Häusern doch nicht vorwerfen, dass sie sich den Zeiten angepasst haben (oder anpassen mussten).
 
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moviliti-care

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Also Ryker - ich und radikal?:mad_2: ? .........
Jo, da hast Du recht .... :thumbsup: ...... Aber nur in Hinsicht auf die Organisation namens Kirche ..... nicht auf die Menschen, die im Sinne des Glaubens handeln ....
Und ja, wie viele andere auch, habe ich meine Erfahrungen mit "der Kirche" gemacht, oder besser dem Bodenpersonal .....
Das Leidbild Christi, in ein Leitbild Christliche Pflege GmbH, zu integrieren und gleichzeitig Mitarbeiter zu entlassen, Patienten in 6 Bett-Zimmern "zu halten". Das ist mit meiner Vorstellung von Humanismus nicht vereinbar .....
Und die gesellschaftlichen Werte, stimme ich Dir auf den Einzelnen zutreffend zu .... den praktizierenden Gläubigen .... und der Kirche? Waffensegnung - In Deutschland die Zeit 33 - 45 - Abtreibung .... alles Themen die da auch mit reinspielen .... aber zum Glück nicht zur Überschriften passen - sonst diskutieren wir hier in eine andere Richtung:wink:
Kurz gesagt auf die Kirche und Pflege ..... Wasser sabbeln - Wein süffeln ...
Mit radikal nettem Gruß:grin:
Lars
 
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Fragmentis

Fragmentis

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Hallo liebe Kollegen,
hallo Moviliti,

ich darf Dich mal zitieren ?
:whistling

Moviliti:

Um noch mal auf den zurück zu kommen, der die christliche Nächstenliebe nicht nur propagiert, sondern jeden morgen damit zur Arbeit geht und dem, der am schwächsten ist, in genau dem Sinn zu helfen ..... Ja, der ist christlich, aber aus seiner Profession ... nicht aus der kirchlichen ...
Ein ketzerischer Satz zum Schluß .... Es sind Soldaten Gottes, die einfach auf dem Schlachtfeld der Pflege geopfert werden - Das kein Beruf, sondern Berufung !!!! Und das freie Wochenende ist gestrichen! Also nicht jammern - ackern

Ich bleibe teilweise mal bei dieser bilderreichen Sprache..denn ich mag sie auch gerne...:eek:riginal:

Derjenige, der so zur Arbeit geht, wie Du es oben beschreibst, der handelt nicht aus Profession heraus, denke ich. Eher aus seiner Überzeugung und inneren Einstellung, die er vielleicht aus dem Glauben erwächst. Denn jeder, der ja so zur Arbeit geht, ist ja nicht unbedingt ein Christ. Andererseits...demnach wären Deiner Argumentation nach Christen eben dann doch aus ihrem Glauben heraus von Natur also Professionelle in der Pflege ?!?
Ja, doch, gefällt mir doch, Deine Vorstellung...
:devil:

Ketzerisch finde ich Deinen Satz gar nicht...früher mag er sogar zutreffend gewesen sein...und viele Nonnen haben so ihr Leben erfüllt...
heute, naja, heute glaube ich nicht, daß dies noch in christlichen Häusern so ist, daß eine PDL in Notzeiten durch das Haus geht und sagt "Super, daß Ihr eingesprungen seid...Gotteslohn ist Euch gewiß !". Vielmehr finde ich es immer öfter, daß tatsächlich Pflegende auf Altären geopfert werden...als Opferlämmer auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit, aber nicht unbedingt als Soldaten...denn Soldaten würden für eine Sache kämpfen, als Einheit...und davon ist die Pflege in Deutschland noch weit entfernt...eher zerfleischen sich die Verbände untereinander, weil jeder die erste Geige spielen möchte, wie es die größten Kirchenfürsten es manchmal nicht vollbracht haben...
:angry: ...aber das ist ein ganz anderes Thema...


Soweit ich weiß, bekommen viele Kollegen in konfessionellen Häusern noch Weihnachtsgeld. Auch z.B. können konfessionell Angestellte (zumindest in katholischen Häusern) 5 Tage Sonderurlaub für Exercitien erhalten...um da was für sich zu tun auch spirituell...und die KZVK (auch wenn sie nicht das Hauptargument ist, da zu arbeiten) ist eine der besten Zusatzversorgungskassen für Rentensachen...finde ich...alles Sachen, die vielen non-konfessionell Arbeitenden nicht mehr selbstverständlich sein dürften...

Aber Du hast recht...auch die kirchlichen Träger unterliegen Sparzwängen...die Frage ist dann nur, wie werden diese umgesetzt ? Auf "Teufel komm raus" oder mit einem gemeinsamen Wertesystem, das über die "angecoachte und ein-projektierte" Corporated Identity hinausgeht...

In meiner nächsten Nähe ist ein Haus, daß von einem kirchlichen Großunternehmen übernommen wurde...Da wurde keiner aus der Pflege geschmissen. Und alle älteren Kollegen machen noch in Ruhe ihre Zeit bis zur Rente. Die bezahlen Fortbildungen...nicht nur für Ärzte, sondern auch für Pflegende...Die sind modern orientiert und QM-mäßig super aufgestellt...und trotzdem kommt der Glaube immer wieder vor im Alltag...und Duckmäuser muß man da auch nicht sein...man begegnet dem Vorgesetzten offen und der Vorgesetzte setzt sich für seinen Mitarbeiter ein...

Ich habe Beispiele von Übernahmen durch Privat-Unternehmen gehört...Da wehte dann ein ganz anderer und vor allem kühler Wind...Da wurden Weihnachtsgelder gestrichen, da wurden ältere Kollegen belastet bis zum Brechen, da herrschte Angst, auch nur einen Ton zu sagen, bloß nicht krank werden, bloß nicht auffallen...
:ignore:
Wie gesagt...alles nur gehört und von Betroffenen mir erzählt...aber ist doch schon ein Unterschied, der nicht zu vernachlässigen ist, oder ?

Und ja...ich finde es toll, daß wir Papst sind...aber das ist meine persönliche Sache und trägt eigentlich nichts zur Diskussion bei...Außerdem: Die Evangelen haben keinen Papst...und trotzdem sind sie eine Kirche, sagen sie...komisch, daß mit "Kirche" öfters nur die Katholische assoziiert wird, wie mir scheint.

Naja,
sei es, wie es sei...die Diskussion geht weiter...
:innocent:
Fragmentis
 
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D

Dettini

Hallo, Ihr da draussen an den Lautsprechern und Bildschirmen,
aber zur Frage: Ich halte die Verbindung zu den christlichen Grundsätzen für sehr wichtig. Allerdings beklage ich in den kirchlichen Einrichtungen die starre Haltung zu anderen Themen. Ich selbst arbeite in einem katholischen Haus. Dort nimmt man das Leitbild so sehr wichtig, dass man als PDL durch das Haus läuft und die Mitarbeiter zu den Inhalten des Leitbildes examiniert.
Nicht etwa aus den heren Gründen, das Leitbild mit Leben zu füllen, sondern weil man gehört hat, dass bei Hausbegehungen Fragen dazu gestellt werden. Wie gesagt sind die Inhalte der christlichen Glaubenslehre für mich persönlich enorm wichtig, weil ich erfahren habe, dass viele Menschen nur durch den Glauben an Gott auch ihre persönliche Nähe zum eigenen Tod ertragen können.
Aber ich beklage die Unfähigkeit dieser Häuser, dies von Seiten der Leitung auch mit Leben zu füllen. Es wird gelogen und betrogen. Ich habe, und ich bin viel in meiner Eigenschaft als Mitglied der Landesfachgruppe 3 von VERDI herumgekommen, noch nie so viel moralische Verkommenheit erlebt wie in christlichen Häusern. Tut mir leid, aber ich denke, nur diese drastische Umschreibung passt zu meinem Ekel vor diesem Pharisäertum.
Ein schönes Wochenende wünscht Euch allen von Herzen
Dettini
 
G

Glücksstern

Hallo Kollegen!
Ich habe noch nie in einem konfessionellen Haus gearbeitet, also kenne ich diese diversen Unterschiede nicht. Aber wichtig ist mir hierbei, dass das Handeln in der Pflege eine ethische Grundorientierung haben muss, wie manche Missstände uns deutlich vor Augen führen. D.h. dass ich mein Handeln nicht nur fachlich, sondern auch sittlich begründe.Und da ist es doch unwichtig welchen Träger eine Einrichtung hat.
Damit Heime Orte der Menschlichkeit sein können, die Pflegebedürftige und dementiell erkrankten Bewohnern Lebensqualität und Mitarbeitern Arbeitszufriedenheit bieten, müssen Unternehmen ethische Grundsätze und fachliche Kompetenzen mit Managementfähigkeiten wirkungsvoll verknüpfen und vor allem ihr Profil glaubwürdig und überzeugend leben. Ob ein christlich geführtes Haus dieses besser umsetzten kann, kann ich nicht beurteilen.
Gruß Glücksstern:eek:riginal:
P.S. Habe jetzt wohl nicht gerade konstruktiv zur Diskussion beigetragen, aber unbedenklich, gell?!
 
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Rykers

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P.S. Habe jetzt wohl nicht gerade konstruktiv zur Diskussion beigetragen, aber unbedenklich, gell?!
Man muss ja nicht immer mit dem Breicheisen Kontra geben. Deswegen ist auch deine Aussage ein Beitrag zur Diskussion :happy:

Man muss der Kirche viel vorwerfen, man kann ihnen all die hohlen Sätze zum Vorwurf machen, aber sie haben es geschafft, über 2000 Jahre die Kulturlandschaft (und auch die Ethik) zu prägen und zu formen.

Mag das Prinzip der Nächstenliebe auch millionenmal mit Füßen getreten worden sein - es ist heute ein gesellschaftliches Prinzip (zumindest sollte es das sein ...z.B. Generationenvertrag Rente).

@moviliti
Unter den genannten Aspekten, ist deine Empörung verständlich. Denn dann war das christliche Leitbild im Großen und Ganzen wohl auch nur die Fassade, während im Hintergrund das Unheil vollzogen wurde.

@fragmentis
Tatsächlich habe ich im Zuge der Ausbildung auch Weihnachts-, sowie Urlaubsgeld bekommen. Auch die Bezahlung seitens des Hauses war mehr als angemessen, während ich von Schülern aus der Uniklinik oft gehört habe, dass dort bedeutend weniger gezahlt wurde.
 
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Fragmentis

Fragmentis

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Hallo Dettini,

daß, was Deine PDL macht ist ein Standardverfahren beim Qualitätsmanagement - sowohl bei - und speziell vor - einem internen oder externen Audit...

Die Qualitätssicherung verlangt, daß jeder Mitarbeiter das Leitbild kennt und auch umsetzt...und deshalb sollte man sein Leitbild kennen...

Das Fragen Deiner PDL ist aber normal - auch in non-konfessionellen Häusern... Die Gemeinsamkeit ist das Qualitätsmanagement, nicht das religiöse Leitbild...

Grüßend,
Fragmentis
 
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Kalimera

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Die zentralen Elemente der christlichen Lehre sind meines Wissens die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu sich selbst.
Dazu brauche nicht unbedingt Mitglied irgendeiner Kirche zu sein.
Aber wer nun nicht an Gott glaubt, ist der weniger christlich? Ist der Glaube an Gott unabdingbar um sagen zu können: "Das ist ein Christ"?
Meiner Meinung nach brauche ich in jedem Beruf, in dem ich mit Menschen arbeite, Liebe zu diesem und auch zu mir selbst.
Insofern würde Christ sein und Pflege für mich untrennbar zusammengehören, sofern die eben oft auch fehlende Liebe zu Gott nicht ins Gewicht fällt.
Nach meiner Ausbildung habe ich ausschließlich in konfessionellen Häusern gearbeitet und die Christlichkeit dort wurde von den Einzelnen sehr unterschiedlich gelebt. Selbst Ordensschwestern habe ich dermaßen unchristlich erlebt, dass sich mir die Haare sträubten. Auf der anderen Seite habe ich Leute, die keiner christlichen Kirche angehörten, als außerordentlich christlich handelnd erlebt.
Auch Träger konfessioneller Häuser müssen wirtschaftlich arbeiten um weiter zu bestehen und handeln nach Bilanzen.
Dass in konfessionellen Häusern oftmals mehr gelogen wird, oder Verruchtheit herrscht mag an dem Anspruch liegen, den man an solche Häuser stellt und es dann als weitaus schlimmer empfindet, wenn dem nicht entsprochen wird. Ich bezweifele, dass dies bei anderen Trägern anders ist.

KZVK und Weihnachts- sowie Urlaubsgeld sind kein Zeichen besonderer Nächstenliebe der Kirche. Es gibt Unternehmen, da sind solche Zusatzleistungen und betriebliche Absicherungen weitaus höher und verbreiteter.

Kurz und gut: Christlichkeit mag in den Grundordnungen der Kirchen verankert sein, aber nur weil ich einer Kirche angehöre bin ich nicht automatisch ein Christ, der diese Eigenschaften auch lebt.
 
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25.10.2006
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KZVK und Weihnachts- sowie Urlaubsgeld sind kein Zeichen besonderer Nächstenliebe der Kirche. Es gibt Unternehmen, da sind solche Zusatzleistungen und betriebliche Absicherungen weitaus höher und verbreiteter.
Als was würdest du es bezeichnen? Man kann dem Kind sicherlich viele Namen nennen, es bleibt aber der Fakt, dass es eine Maßnahme für den innerbetrieblichen Frieden ist, welcher der Arbeitsqualität sicher nicht schadet.

Nenn doch bitte solche Unternehmen im pflegerischen Bereich, ich denke, da wird die Liste der Unternehmen schon kleiner. Ganz davon abgesehen, dass verschiedene Unternehmen in unterschiedlichen Branchen ganz andere Geldmittel zur Hand haben. Ein florierendes IT-Unternehmen hat gänzlich andere Möglichkeiten, Mitarbeiter bei Laune zu halten, als vielleicht ein städtisches oder konfessionelles Krankenhaus, welches seit vielen Jahren damit kämpft, nicht in die roten Zahlen zu rutschen und trotzdem Weihnachtsgeld an die Pflegenden ausgibt.
 
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Hmmm, also Auswirkungen auf den innerbetrieblichen Frieden, nun ja, in gewissem Maße sicherlich, dennoch denke ich, dass es da andere wirksame Methoden gibt, evtl. sogar kostengünstiger.
Aber das ist ein anderes Thema.
Ich kenne genügend konfessionelle Einrichtungen, in denen bereits Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen/gekürzt wurde.
Ich gebe zu, dass ich nicht an Institutionen des Gesundheitssystem dachte, als ich von anderen Unternehmen sprach.
Aber irgendwie ist das nicht mehr ganz beim Thema, oder denkst Du das Zahlen von Zuschlägen bei konfessionellen Häusern hat etwas mit Christlichkeit zu tun?
 
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Fragmentis

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Hallo Sigjun,

natürlich hat die Zahlung von Zuschlägen vielleicht nicht primär was mit Christlichkeit zu tun.

Aber - und das ist eine der wenigen Arten, wie ein Arbeitgeber dies zeigen kann - mit Wertschätzung für seine Mitarbeiter.
Also damit, daß der Mitarbeiter nicht nur das Gefühl hat, für den Profit des Unternehmens zu arbeiten, sondern auch - in diesem Falle halt über Lohn - das Gefühl hat, daß seine Arbeit und sein Einsatz auch was Wert ist, dass seine Arbeit geschätzt wird über das reine Funktionieren hinaus.

Wir haben hier ja schon viele Dinge zu Erfahrungen mit konfessionellen Häusern gehört und über die verschiedenen Ansichten über Glauben vs. Amtskirche. Eine Fragestellung dabei von meinen Eingangsfragen gerät dabei jedoch immer mal wieder aus dem Blickfeld, denke ich...

Hat Euch die Mischung "Spiritualität und Pflege" in Grenzsituationen schonmal geholfen oder fühlt Ihr Euch davon eingeschränkt ?

Woran haltet Ihr Euch fest, wenn es "hart auf hart" kommt ?

Auch, wenn Ihr kein "spirituelles" Weltbild habt ?

Weiterhin gespannt,
Fragmentis
 
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Lisy

Ich hab die ganze Zeit mitgelesen konnt mich aber zu keinem Beitrag durchringen.
Ich versuch jetzt dochmal ein posting.
Ich denk die Frage ob Christentum eine Zukunft hat, hat was mit dem Zeitgeist zu tun. In Häusern/ Gemeinden wo der Pfarrer im Leben steht, sich angagiert hat es eine Zukunft, auch wenn das christliche Leitbild gelebt wird hat es Zukunft.
Keine Zukunft hat das Christentum, wenn es sich vor dem heutigen Leben verschliest und so weitermacht, wie in den letzten 2000 Jahren.
Auch wäre es für mich wichtig den Christen zu benennen, ist er Katholik, evangelisch, jüdisch, orthodox oder??? Wenn zählt ihr zu den Christen? Jeden, der menschlich ist, jeden der die 10 Gebote Gottes gut heißt, oder den, der regelmäßig in die Kirche geht.
Ich weiß nicht unbedingt sehr geistreich, nicht unbedingt hilfreich aber vieleicht eine Überlegung wert? oder ich habs einfach nicht verstanden.
Gruß Lisy
 
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Rykers

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25.10.2006
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Hmmm, also Auswirkungen auf den innerbetrieblichen Frieden, nun ja, in gewissem Maße sicherlich, dennoch denke ich, dass es da andere wirksame Methoden gibt, evtl. sogar kostengünstiger.
Aber das ist ein anderes Thema.
Ich kenne genügend konfessionelle Einrichtungen, in denen bereits Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen/gekürzt wurde.
Ich gebe zu, dass ich nicht an Institutionen des Gesundheitssystem dachte, als ich von anderen Unternehmen sprach.
Aber irgendwie ist das nicht mehr ganz beim Thema, oder denkst Du das Zahlen von Zuschlägen bei konfessionellen Häusern hat etwas mit Christlichkeit zu tun?
Keine Frage, es gibt sicherlich dutzende Möglichkeiten, der innerbetrieblichen Atmosphäre Gutes angedeihen zu lassen, aber auch das Weihnachts-/Urlaubsgeld ist eine der Möglichkeiten.
Und natürlich, auch konfessionelle Häuser sind nicht automatisch ein Garant dafür, dass das genannte Wehnachtsgeld gezahlt wird.
Denn nicht jedes Haus hat hierfür auch die finanziellen Mittel (immerhin leben wir in einer Zeit, in der prognostiziert wird, das mittelfristig hunderte Krankenhäuser nicht überlebensfähig sind).
Das muss natürlich nicht der einzige Grund sein. Die Diskussion soll nicht pauschalisieren. Es gibt sicherlich auch schwarze Schafe - Häuser, in denen das christliche Leitbild nur eine Farce ist.
Ich kann bei dieser Diskussion für mein Lehrkrankenhaus sprechen, dass konfessionell war und trotz recht angespannter finanzieller Lage ein Weihnachtsgeld gezahlt hat.

Ein redegewandter Kirchgänger - z.B. der Geschäftsführer meines Lehrkrankenhauses, zugleich auch Pfarrer des Hauses - würde dir natürlich sofort widersprechen und sagen, dass das zusätzliche Geld unbedingt etwas mit Christlichkeit zu tun hat. :happy:
Aber das würde jetzt vermutlich in eine Diskussion ausarten, bei der von beiden Seiten beharrlich gekämpft werden würde und am Ende niemand überzeugen konnte.

Aber ich akzeptiere deine Meinung dahingehend, dass man sowas unterschiedlich auslegen kann.

Auf Fragmentis' Frage würde ich wie folgt antworten.
Diese Mischung aus Spritualität und Pflege hat mir persönlich nie direkt geholfen. Aber es hat vielen Patienten, die am Ende ihres Lebensweges waren, geholfen, besser damit fertig zu werden.
 
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Kalimera

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Hat Euch die Mischung "Spiritualität und Pflege" in Grenzsituationen schonmal geholfen oder fühlt Ihr Euch davon eingeschränkt ?

Woran haltet Ihr Euch fest, wenn es "hart auf hart" kommt ?

Auch, wenn Ihr kein "spirituelles" Weltbild habt ?
Jetzt bekomme ich langsam Probleme, weil mir nicht ganz klar ist, was Du unter Spiritualität verstehst. Von den Kirchen wird Spiritualität gerne als die Beziehung zu Gott gesehen, was daraus resultierende Verhaltensweisen und Haltungen mit einschließt.
Andere widerum verstehen Spititualität als die Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens und der Existenz.
Da im Pflegeberuf etliche Grenzsituationen eintreten können und sicher jeder von uns schon mal welche erlebt hat, denke ich, dass sich jeder in der einen Art oder Weise schon mal damit beschäftigt hat.
Ich hatte einige persönliche Grenzerfahrungen, wo ich mich mit solchen Fragen beschäftigen musste und auch zu einer Lösung kommen musste.
Katholisch erzogen glaube ich nicht an einen Gott, wie er dort dargestellt wird, aber ich glaube dass für mich unverständliche Dinge einen Sinn haben müssen, den ich vielleicht nicht begreife. Vielleicht konnte ich nur so mit einigen Grenzsituationen umgehen, daran zu glauben, dass sie einen Sinn haben. Rein vom Verstand her kann ich mir z.B. nicht erklären warum Kinder oftmals großes Leid wiederfährt, egal in welcher Form.
Wenn ich einen Menschen pflege, der gerade eine Grenzsituation erfährt versuche ich herauszufinden wie er sich Dinge erklärt, welche Spiritualität er anwendet und darauf einzugehen. Selbstverständlich fließen da auch Dinge in Gespräche mit ein, die meiner eigenen Spiritualität entsprechen.
Mir hilft also Spiritualität, was nicht immer die kirchliche Spiritualität sein muss.
 
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Sahawe

Sahawe

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Hat Euch die Mischung "Spiritualität und Pflege" in Grenzsituationen schonmal geholfen oder fühlt Ihr Euch davon eingeschränkt ? [/b]

Woran haltet Ihr Euch fest, wenn es "hart auf hart" kommt ?
Auch, wenn Ihr kein "spirituelles" Weltbild habt,
Fragmentis
Hallo Fragmentis,
deine Fragestellung ist sehr allgemein gehalten und deswegen ist es für mich schwer darauf zu antworten.
Was verstehst du unter Spiritualität? Bedeutet es für dich eine geistige Haltung im Sinn von Religion und Glaube (Bsp. Reinkarnation) oder bedeutet es für dich die bewußte Auseinandersetzung mit Themen die den Sinn des Lebens und die der Existenz betreffen? Oder mit der Transzendenz, die sich eher mit dem Unbewußten beschäftigt, die über das eigene Erleben und Erkennen der Wirklichkeit hinausgehen. Oder bedeutet das die theoretische Auseinandersetzung mit den Dingen die vor allen Erfahrungen liegen ?
Was verstehst du unter Grenzsituation? Eine Situation an der ich an meine eigene Grenzen stoße, die ich noch nicht gekannt habe und für die ich noch keine eigene Strategie entwickelt habe? Oder eine Situation in der ich mich befinde die mir nicht bewußt ist, die andere als eine Grenze sehen? Oder meinst du die Situation eines Patienten der sich in einer hoffnungslosen Lage befindet mit der ich umgehen muss? Ah ich sehe gerade, dass es Sigjun genauso geht.
Viele Grüße Sabine
 
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Lehrerin für Deutsch und Pflege
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Berufliche Schule
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Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
Fragmentis

Fragmentis

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Hallo zusammen,

ich finde den Begriff Spiritualität gar nicht so verwaschen, sondern eher für einfach sehr viel umfassend...

Ich assoziiere mit dem Begriff der Spiritualität den Bereich unseres (Bewußt-)Seins, der irgendwie spürt, daß es etwas Größeres, etwas Höheres gibt (egal, in welcher Form/Religion/Ansicht/Idee), daß meinem ganzen Dasein einen Sinn gibt oder eine Bedeutung, daß ich Teil eines größeren Ganzen bin, etwas, an dem ich mich auch festhalten kann, wenn alles andere in meinem Leben scheinbar keinen Sinn mehr hat.

Gehen wir mal von dem Patienten aus, der im Sterben liegt. Machen seine Schmerzen einen logischen Sinn ? Warum muß er vielleicht schon in jungen Jahren aus dem Leben gehen ? Ist danach alles einfach vorbei ? War sein Leben sinnlos ? ...und viele andere Fragen mehr...

Was macht es ihm leichter ? Manche würden es vielleicht einfach Hoffnung nennen, Hoffnung auf etwas, daß vielleicht noch kommt...andere würden vielleicht sagen, daß diese Hoffnung eh "Sinn"-los und Illusion ist.

Aber wie gehe ich als Pflegender damit um ? Wie gehe ich mit Fragen danach um, ob es "Sinn"-voll ist, daß ich so vielen Menschen nicht helfen kann ?
...und ich meine das jetzt nicht unbedingt bezogen auf den so oft benannten BurnOut oder, daß man sowas in einer Supervision durcharbeiten muß, sondern ich meine das als reines menschliches Bedürfnis nach...ja...wonach, daß entscheidet jeder im Endeffekt für sich selbst...

Wie kann ich einem Menschen, der ohne Hoffnung ist, seinen Weg erleichtern, wenn selbst ich nicht glaube, daß es da noch etwas gibt ? Selbst, wenn es etwas ganz anderes beim Gegenüber ist, als das, was ich als meinen "Sinn" definiere ?

Ich hoffe, daß klingt jetzt nicht alles zu abgehoben und vielleicht entferne ich mich jetzt auch etwas vom Thema, aber ich finde grad die Diskussion an dieser Stellung sehr spannend, denn benötigen wir als Pflegende nicht grad in den vielen Grenzsituationen, die wir erleben, um so mehr einen festen Stand in unseren spirituellen und ethischen Grundsätzen als der Schrankenwärter (nicht abwertend dem Schrankenwärter gegenüber, aber seine Schranke wird nie eine Träne vergießen wahrscheinlich oder leiden).

Ich habe hier mal etwas von der Internetseite des Kreuzbundes in Hamburg kopiert (Kreuzbund Hamburg) zum Thema Spiritualität und finde die folgenden Zitate ganz passend, um vielleicht den Begriff der Spiritualität von dem zu trennen, was in unserer Diskussion oftmals mit der Amtskirche assoziiert wird.

Gedanken - Zitate - Überlegungen
Spiritualität bedeutet "Leben aus dem Geist". Der Geist, der die Menschen beseelt. Der "gute Geist".

Wie Menschen miteinander umgehen, darin zeigt sich der (gute) Geist. Der Geist "beflügelt" die Menschen und treibt sie zu einem menschlichen Leben an.

Spiritualität ist nicht gleichzusetzen mit Kirche, Spiritualität beinhaltet Glaube. Glaube an die Zukunft, Glaube an den Sinn im Leben. Leben von Mit-Menschlichkeit. Leben von Nächstenliebe und Hilfe (wie sie z. B. in den Gruppen praktiziert wird). Kreuzbund-Gemeinschaft kann zum Leben verhelfen.

Es geht um das Tun, die Fürsorge. Das Tun ist "caritas", Nächstenliebe. Die Selbsthilfegruppen des Kreuzbundes leben caritas.

Spiritualität beinhaltet auch die Auseinandersetzung mit der Sinnfrage. Fragen, die sich dem Menschen immer wieder stellen: "Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Was tue ich? Wie kann ich verantwortungsbewusst leben?" Fragen nach dem Sinn, Ziel und Hoffnung des Lebens.

"Denn so wie der Baum nicht endet an der Spitze seiner Wurzeln oder seiner Zweige, so wie der Vogel nicht endet an seinen Federn und seinem Flug, so wie die Erde nicht endet an ihrem höchsten Berg, so ende auch ich nicht an meinem Arm, meinem Fuß, meiner Haut, sondern greife unentwegt nach außen hinein in allen Raum und alle Zeit, mit meiner Stimme und meinen Gedanken, denn meine Seele ist das Universum"
(indianisches Gedicht).

Unser Leben enthält ein Verlangen nach Heilsein und Ganzsein, enthält ein Verlangen nach Vertrauen dürfen und enthält Sehnsucht nach Geborgenheit, um unserer Brüchigkeit standhalten zu können.

"Jeder hat das Bedürfnis, mehr zu sein als nur ein funktionierender Teil der Gesellschaft. Das Bedürfnis, dem eigenen Leben eine Größe und Würde zu geben. Jeder erlebt wohl diese technisch perfekte, aber doch auch geistlose (zumindest aber geistarme) Zeit auf seine Weise. Unser Leben verliert sich an der Oberfläche, und nicht wenige Menschen spüren in sich das Bedürfnis, ihr Leben nicht so dahinplätschern zu lassen, sondern ihm Tiefe und Inhalt zu geben. Spiritualität hat mit diesem Geist zu tun. Und das Anliegen jeder Seelsorge muss sein, Hilfe, hilfreiche Gedanken zu einem Leben aus dem Geist anzubieten."
(C.G. Jung, Bd. 16, S. 63)

Sinnhaftigkeit und Spiritualität...in meinem Bereich finde ich immer wieder bestätigt, daß grad die Suchterkrankung auch viel mit der Suche oder der Vermeidung der Suche nach der Sinnhaftigkeit zu tun hat. Ich belasse mal das folgende Zitat noch von der Seite dabei.


"Suchtkrankheit ist immer auch eine Sinn-Krankheit und eine Beziehungs-Krankheit. Gerade auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen kann es nicht darum gehen, Sinn-Fragen (vor-)schnell zu beantworten, sondern zunächst einmal darauf aufmerksam zu machen, sie in unserem Leben bewusst wahrzunehmen und zuzulassen und sie eben nicht wieder in unserem Lebens-Alltag einfach wieder zuzumachen oder wegzumachen durch irgendein Suchtmittel, das uns scheinbar hilft, diese Fragen zu betäuben, oder auch durch andere Fluchtwege, von denen wir genügend kennen. Auch Sattheit, vollgestopfte Wohnungen, konsumierte Beziehungen, Aufstiege auf der Karriereleiter oder ein sicheres Kontopolster auf der Bank decken diese Fragen nicht ‚erfolgreich' zu. Die Fragen (Woher? Wohin? Wozu? Warum?...) bleiben wie Kletten an uns hängen, sie machen uns unruhig, und sie machen uns Angst. Wir wollen uns ihnen nicht so gerne stellen. Doch alles Streben nach Glück, Selbstverwirklichung, Erfüllung bleibt erfolglos, wenn es dem Menschen nicht gelingt, seinen ganz persönlichen unverwechselbaren Sinn zu finden. Dafür muss er aber über sich selbst hinaus sehen können (Selbsttranszendenz)".
(Hermann Garritzmann).

Auch das folgende Zitat finde ich sehr schön. Ich habe im Rahmen eines Praktikums in einer freien evangelischen Einrichtung das erste Mal mit den Theorien von V. Frankl zu tun gehabt und fand sie sehr eingängig grad für den psychiatrischen Bereich, ohne dabei unbedingt in das Christliche einzutauchen.

"Das Menschsein weist immer über sich hinaus, auf etwas oder jemanden hin, auf eine Sache, in deren Dienst man sich stellt oder einen Mitmenschen, dem man sich liebend hingibt. Nur im Dienst einer Sache und in der Liebe zu einer Person wird der Mensch ganz er selbst, ist er ganz Mensch".
(Viktor E. Frankl)

Vielleicht wird nun auch deutlich, daß ich gar nicht so auf die Amtskirche fixiert bin, sondern einfach in der christlichen Spiritualität eine gewisse Standhaftigkeit erlebe, die man für den Umgang mit Krankheiten und Kranken und sich selbst auch recht praxisnah anwenden kann...

Hoffend, jetzt nicht zu ausschweifend gewesen zu sein und damit die Fragestellung nochmal etwas geklärt zu haben (auch dahin gehend, warum ich interessiert daran bin zu erfahren, woran sich jemand ganz ohne "spirituellen Sinn" in unserem Beruf festhält) mit herzlichen Grüßen,
Euer
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
Fragmentis

Fragmentis

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Hallo Leute...

nochmal ein kleiner Literaturtipp als P.S.
zum Thema "Sinn und Sucht" und die Theorien dazu von V. Frankl:

"Süchtig sein" von Alfried Längle & Christiane Probst
...erschienen 1997 im Facultas-Verlag/Wien...speziell die Seiten 16-25


Sehr eingängig und gut nachzuvollziehen, wie ich finde...

Grüßend,
Fragmentis
 
Qualifikation
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Sahawe

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Ich assoziiere mit dem Begriff der Spiritualität den Bereich unseres (Bewußt-)Seins, der irgendwie spürt, daß es etwas Größeres, etwas Höheres gibt (egal, in welcher Form/Religion/Ansicht/Idee), daß meinem ganzen Dasein einen Sinn gibt oder eine Bedeutung, daß ich Teil eines größeren Ganzen bin, etwas, an dem ich mich auch festhalten kann, wenn alles andere in meinem Leben scheinbar keinen Sinn mehr hat.

Gehen wir mal von dem Patienten aus, der im Sterben liegt. Machen seine Schmerzen einen logischen Sinn ? Warum muß er vielleicht schon in jungen Jahren aus dem Leben gehen ? Ist danach alles einfach vorbei ? War sein Leben sinnlos ? ...und viele andere Fragen mehr...

Fragmentis
Hallo Fragmentis,
da könnte man natürlich philosophisch einsteigen, aber ich will deine Ausgangfragestellung noch im Sinn behalten. Der Sinn meines Daseins liegt in der Fortpflanzung, wie das der anderen Säugetiere auch. Ich habe mich erfolgreich fortgepflanzt. Damit ist meine Mission beendet. Es stellt sich natürlich oft die Frage warum wir nach Verlust der Fruchtbarkeit noch länger leben sollten. Fakt ist unser Körper ist auf eine solche lange Lebensdauer gar nicht ausgerichtet. Da wir uns aber sehr viel Kultur und Stützorganisationen aufbauen konnten, können wir im Gegensatz zu anderen Säugetieren, doch noch leben obwohl wir das in freier Natur mit 60 oder älter nicht mehr könnten. Aber die Kultur kann das Alter beflügen (Paul Baltes). Natürlich stellt sich die Frage wo ist der Anfang wo ist das Ende? Da das aber niemand weiß und niemand erfassenkann, mache ich mir darüber auch nicht ständig Gedanken. Ich bin ein glücklicher, positiver und fröhlicher Mensch obwohl ich sehr viele schlechten Erfahrungen machen musste und auch sehr schwierige Situationen in meinem Leben hatte wo ich psychisch und physisch an meiner Leistungsgrenze stand. Wenn ich Probleme habe befasse ich mich ihnen. Ich trauere ein bißchen aber dann versuche eine Lösung zu finden und dann geht es weiter. Ich versuche mich zu entspannen (Sauna) 1x wöchentlich. Hier habe ich zwei Saunapartnerinnen mit denen ich meine Probleme besprechen kann. Ich habe eine nette und große Familie, deren Tür immer offen steht. Ich habe einen netten, einfühlsamen Mann der auch zu meiner psychischen Stabilität beiträgt, einen netten Sohn der mir sehr viel Freude macht. Ich nehme es wies kommt und meistens habe ich Glück und es kommt gut.
Jeder Mensch muss einmal sterben. So ist das nunmal, der eine früher der andere später. Ob das einen Sinn ergibt, da bin ich überfragt. Ob das Leben dieses Menschen bis dahin sinnvoll war, weiß man nicht, ob es noch sinnvoll geworden wäre auch nicht. Ist danach alles vorbei? Das warte ich mal ab, das werde ich schon noch früh genug erfahren und dann sehen wir weiter. Rein als Krankenschwester gehe ich bei der Sterbebegleitung professionell vor. Ich berücksichtige die Individualität die Neigungen eines Patienten und was eben sonst noch wichtig ist. Aber sein Sterben kann ich nicht verhindern. Bei dem einen Patienten ging es mir näher bei anderen nicht so nah, aber letztendlich war es Teil meiner Arbeit. Meine Lebensenergie, von er ich sehr viel habe, ist meine Stärke und von der haben auch meine Patienten immer profitiert.
Viele Grüße Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
Status
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