Christentum und Pflege - ein ausgedientes Paar oder zukunftsträchtiges Modell ?

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Fragmentis

Fragmentis

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich arbeite in einem christlichen Haus...einige der Kollegen stehen mehr, einige Kollegen stehen weniger hinter diesem "Modell".

Ich persönlich bin Christ und empfinde die katholische Soziallehre sogar als eines der besten Fundamente für eine Pflege mit Zukunft. Oft wird man als Christ für diese Einstellung belächelt. Manchmal habe ich auch den Eindruck, daß manche gar nicht wissen, weswegen sie einen belächeln, denn wenn man es ihnen erklärt, leuchtet es eigentlich fast allen ein, wie einfach die Verbindung von Pflege und christlichem Handeln herzustellen ist.

Ich denke, wenn wir mit dieser Grundeinstellung an der Pflege der Zukunft arbeiten, haben wir als Berufsstand in Deutschland eine der besten Chancen, uns selbst in Zeiten der Veränderung und Ökonomisierung eine Ethik und ein Menschenbild zu erhalten, welche tragfähig genug sind, den Menschen, der uns anvertraut ist, im Auge zu behalten, während wir gleichzeitig "rentabel" arbeiten.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Verbindung "Christentum und Pflege", mit "kirchlichen Häusern" und christlichen Leitbildern?

Werden diese Leitbilder wirklich gelebt oder sind sie nur Fahnenschmuck ?

Hat Euch die Mischung "Spiritualität und Pflege" in Grenzsituationen schonmal geholfen oder fühlt Ihr Euch davon eingeschränkt ?

Woran haltet Ihr Euch fest, wenn es "hart auf hart" kommt ?


Über einen regen Austausch zu diesem Thema sich freuen würdend,
Euer
:innocent: Fragmentis :devil:
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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L

Lisy

Fragmentis,
ich würde gerne auch abstimmen, kann es leider nicht. Ich find es schon wichtig das das Leitbild gelebt wird nur es gibt auch gute Leitbilder ohne christlichem Charakter und diese Option fehlt mir bei dieser Abstimmung. Dehalb kann ich leider nicht abstimmen.
Und einfach schreiben, die Haltung hinter dem Leitbild ist mir egal würde für mich bedeuten, mir ist egal was mit meinen Patienten passiert und das stimmt nicht.
Gruß Lisy
 
M

Monika Bartz

Mitglied
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02.02.2006
4020
Hallo Fragmentis!

Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Verbindung "Christentum und Pflege", mit "kirchlichen Häusern" und christlichen Leitbildern?

Werden diese Leitbilder wirklich gelebt oder sind sie nur Fahnenschmuck ?

Über einen regen Austausch zu diesem Thema sich freuen würdend,
Euer
:innocent: Fragmentis :devil:

Ich arbeite seit 20 Jahren in einem kirchlichen Haus und ich konnte mich doch meist mit dem Leibild: "Dem Kranken in Liebe dienen" identifizieren.
Ich hatte auch noch eine "echte Nonne" zur Stationsschwester, als ich anfing und ich erlebte damals den Glauben zutiefst gelebt. Sprüche wie: " Der Herrgott wirds schon richten" oder auch die "Vorsehung" wirds richten, erlebte ich häufig und die Ergebenheit in diesen Glauben, faszinierte mich. An einem Sonntag wurden wir, während der Dienstzeit in die Krankenhauskapelle geschickt, damit wir auch einen Sonntag haben....
Inzwischen schmiss die geistliche Schwester den Stationsbetrieb völlig allein. Aussagen wie: seids brav, weil die Schwestern sind in der Messe, wurden von den Pat. tatsächlich tolleriert. Kann sich heute noch jemand vorstellen, dass man 1 Stunde alleine eine Station mit 40 Betten betreut? Würde von den Patienten in der jetzigen Situation auch gar nicht mehr zugelassen......Wir arbeiten am Sonntag jetzt 4-5 Personen und da rotieren wir noch öfters.
Der Grundgedanke der christlichen Nächstenliebe ist aber auch heute noch stark spürbar in unserem Krankenhaus, obwohl sich bestimmt auch alles immer mehr um Management und Kostenfrage dreht. Die Schwestern versuchen immer wieder, ihre Mitarbeiter zu motivieren: am Elsiabeth- Namenstag erhalten die Pat. den Besuch einer geistlichen Schwester und ein kleines Präsent, der Betriebsausflug bei mehr als 1000 Mitarbeitern ist noch immer ein High-light des Jahres (kostet uns fast nichts), Weihnachtsfeier mit Geschenksackerl für alle, Sommerfest im Garten des Krankenhauses, Fasching und diverse kleinere Feste mit Bewirtung sind für die "Lisln" (Elisabethinen-geistl. Schwester) eine Selbstverständlichkeit.
Natürlich liegt den Schwestern auch ihr Glaube am Herzen, es gibt täglich Kommunion in der Früh ins Zimmer, wenn das ein Patient wünscht, Krankensalbungen, Messe tgl. in der Krankenhauskapelle, Pat. mit anderen Konfession können ihre gewohnten Rituale ausleben (so z.B. hatten wir einmal nächtliches Klagegeschrei bei verstorbenen Moslem).
Eine Ausspeisung für Unterstandslose, Hilfswerk für Rumänien, Unterstützung Obdachloser, wenn sie ärztliche Hilfe brauchen....
Und um das Krankenhaus auf den neusten Stand der Technik und den Anforderungen an die Bedürfnisse der Patienten zu halten, muss auch einmal ein Grundtück verkauft werden. Dass die Schwestern ihren Gehalt in das Krankenhaus zurückinvestieren ist für sie selbstverständlich.
Ich könnte noch noch vieles berichten, aber das würde diesen Rahmen sprengen.
Mein Bedürfnis ist, die christliche Gesinnung unseres Krankenhauses hervorzuheben und auch einmal bewußt zu machen, dass mit der Überalterung der Nonnen und den Nachwuchssorgen diese Form der Patientenbetreuung in einigen Jahren wohl der Vergangenheit angehören wird. Ob dann das Leitbild noch eingehalten wird???? Steht für mich in den Sternen.....
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
Linz
T

tanzi

Neues Mitglied
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09.12.2002
3184
www.glassberg.at
Lieber Fragmentis

Bin Überzeugt davon, dass wenn wir auf die christlichen Wurzeln unseres Gesundheits- und Sozialsystems vergessen, dieses bald ein rein marktwirtschaftlich orientiertes System sein wird ( wenn es das nicht schon ist).
Es waren ja diese christlichen Werte, die Krankenhäuser, Schulen und Sozialeinrichtungen erst ermöglichten.
Habe nur so meine Probleme damit wenn christlich synonym mit katholisch verwendet wird. (Ungeachtet der vielen positiven Aspekte, die diese Glaubensgemeinschaft erreicht hat.)
lg.
Tanzi :thumbsup:
 
Qualifikation
Dipl.Ges-u. Krankenpfleger
Fachgebiet
Stv. Pflegedirektor
Weiterbildungen
PPR, EDV; Brandschutz, EDV Dienstplanung, Prozessdarstellung,
S

Susen

Ich bin zwar christlich sozialisiert aber bewußt aus der Kirche als Organisation ausgetreten. Daher war es mir recht schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden, als ich noch in einer Stadt wohnte, wo außer einer Klinik, alle Krankenhäuser in kirchlicher Hand waren. Jetzt arbeite ich seit Jahren in einer Klinik des LWL. Auch wir haben ein Leitbild, daß die zwischenmenschliche Hinwendung ( entspricht das nicht "agape"?) und den Respekt vor dem Anderen einschließt. Das ist mir auch wichtig und macht so die Arbeit für mich menschlich und schlüssig. Unser Team ist multikonfessionell und arbeitet sehr gerne mit den Seelsorgern unserer Klinik zusammen.
Was ich damit eigentlich sagen will ist, daß nicht das Christentum einen Alleinanspruch auf menschliche Pflege hat.
 
T

thneu

Mitglied
Basis-Konto
29.12.2005
28195
www.ostipug.de
Mir ist inzwischen wichtig, dass es kein christlicher Arbeitgeber ist.
Ich habe bereits bei einigen gearbeitet und feststellen müssen, dass ihr christliches Leitbild in der Praxis eher durch Ignoranz und Intolleranz glänzt. Und gerade diejenigen, die nach außen die christlichen Werte immer so stakt vertreten haben waren diejenigen, deren Verhalten teils schon faschistuiede Züge hatte.

Heuchlerbande, ganz große Heuchlerbande (die Bibel nennt sowas "Pharisäer").

Es ist wohl so wie meist bei Kirchens: die gesellschaftliche Institution Kirche (kath. oder ev.luth. gleichenmaßen) als quasi "Verein" und die christliche Kirche als Gemeinschaft Gottes mit allen Gläubigen (welches biblisch die einzig wahre ist) haben nix miteinander zu tun.-

Gruß,
Thorsten
 
Qualifikation
Krankenpfleger; Student; Selbständiger
Fachgebiet
Bremen
H

humanist

Kann es sein, dass die sogenanten christlichen Werte überbewertet werden? Die meisten großen Kulturen oder Philosophien haben soetwas wie eine Ethik in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Die Liebe zu Menschen und das Füreinander-Einstehen ist, nach meiner Ansicht, eine Grundhaltung die in uns veranlagt ist. Die Geschichte zeigt, dass es vor allem politische UND religiöse Ziele und Bestrebungen waren, welche die Menschen ihre Menschlichkeit vergessen liesen. Die christlichen Kirchen sind es die durch Intolleranz und Ausgrenzung auf Fremdes und auch aufeinender reagiert haben, und bis heute tun. Außerdem ist in unserem Beruf eine Grundhaltung gefragt die der Großteil, der mir bekannten Kollegen auch mitbringt. Mir ist es wichtiger von Menschen versorgt zu werden die wissen was sie tun und das gerne tun. Behütet mich vor bigotten Helfern, welche hoch anspruchsvolle Arbeit um des Helfens willen alleine machen, selten ist Gutes ausschließlich aus gutem Willen entstanden.
 
Fragmentis

Fragmentis

Mitglied
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Themenstarter/in
Liebe Mitpflegenden,


ich hätte nicht gedacht, daß so schnell so viele auf dieses Thema eingehen würden. Ich denke, ich trage mal noch etwas dazu bei:


Ein Leitbild in einer Organisation der Caritas z.B. beruht auf dem Menschenbild der katholischen Soziallehre. Ursprünglich aus der Arbeiterbewegung der Industrialisierung entstanden, hat diese 4 Säulen/Grundprinzipien:
  • Personalität:
    bedeutet den absoluten „Respekt vor der Person", denn der Mensch ist das Ebenbild Gottes und somit hat jeder einen einen inneren göttlichen und perfektenKern.
  • Subsidiarität:
    „Hilf mir, es selbst zu tun“ (Maria MONTESSORI), meint insbesondere den Respekt vor der Eigenständigkeit des anderen Menschen. Und das Motto der Pflege ist ja z.B. im Gesundungsprozess: Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstständigkeit oder halt die Stärkung der Selbstpflege-Fertigkeiten, was auch bedeutet, daß man die Hilfe auch wieder zurücknehmen muß, damit der Mensch auf eigenen Beinen stehen kann.
  • Solidarität:
    "Der Schwache hat ein Anrecht auf die Stützung durch den Starken“, denn jede Person kann situativ zum Schwachen werden und jeder Starke muß den Schwachen unterstützen. Denn Gerechtigkeit kann sich nur durch Solidarität realisieren
  • Universalität:
    „Auch ich mache einen Unterschied in der Welt“. Als Mensch und als Pflegender eben auch.
    Jeder besitzt in der Welt von Beginn an eine natürliche Verantwortlichkeit für alles, denn alles, was er tut, hat eine Auswirkung in seiner Umgebung und somit auch für das Größere an sich (Beispiel: Schmetterling löst Sturm aus).
Ich hoffe, daß diese kurze Zusammenfassung verständlich ist und verdeutlicht, warum mir das so einleuchtend vorkommt in Bezug auf Pflege.

Sich auf weitere Beiträge freuend,
Euer
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
G

gelöscht

Jedes Haus hat ein Pflegeleitbild, in allen steht viel schwülstiges BlaBla.
Tatsächlich läuft der Krankenhausbetrieb heutzutage nur noch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Leitbilder dienen nur noch dazu, den Pflegenden jeden Tag ein schlechtes Gewissen einzureden.
Vielen Dank, Kirche, für den auf ewig in den Köpfen der Menschen verwurzelten Irrglaube, wir würden unseren Job aus reiner Nächstenliebe ausführen, gerne auch ohne Bezahlung, umsonst und freiwillig.

Sorry, aber das mußte jetzt mal zu den ganzen verlogenen Leitbildern gesagt werden.

Gruß derpfleger
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.01.2006
63110
Mir ist inzwischen wichtig, dass es kein christlicher Arbeitgeber ist.
Ich habe bereits bei einigen gearbeitet und feststellen müssen, dass ihr christliches Leitbild in der Praxis eher durch Ignoranz und Intolleranz glänzt. Und gerade diejenigen, die nach außen die christlichen Werte immer so stakt vertreten haben waren diejenigen, deren Verhalten teils schon faschistuiede Züge hatte.

Heuchlerbande, ganz große Heuchlerbande (die Bibel nennt sowas "Pharisäer").

Es ist wohl so wie meist bei Kirchens: die gesellschaftliche Institution Kirche (kath. oder ev.luth. gleichenmaßen) als quasi "Verein" und die christliche Kirche als Gemeinschaft Gottes mit allen Gläubigen (welches biblisch die einzig wahre ist) haben nix miteinander zu tun.-

Gruß,
Thorsten
:mad_2: Kurz und bündig. Ich schliesse mich an.

:devil: Wassermann
 
Qualifikation
Krankenschwester
S

Susen

Lieber Fragmentis, gerade bei einer Einrichtung der Caritas habe ich ein besonders krasses Beispiel von Mobbing kennengelernt, was in diesem Fall nur heißen kann, daß die von Dir geschilderten Grundsätze zumindest gegenüber Kollegen nicht gegolten haben.Vor dem Hintergrund der Überzeugung, allein den richtigen Weg zu wissen, ist es naheliegend, eine Haltung von Arroganz und Ignoranz zu entwickeln. Eine häufige Rechtfertigung für besonders drastische Fehler ist ja, daß es gut gemeint war. Das habe ich leider auch bei kirchlichen Trägern kennengelernt, dennoch möchte ich dies nicht jedem Christen unterstellen.
 
S

Susen

An Abstimmung kann ich übrigens nicht teilnehmen, weil ich die Fragestellung für nicht klar genug halte: mir ist natürlich nicht egal, welche Haltung hinter einem Leitbild steht, aber es muß natürlich absolut nicht eine christliche sein. Lieber ist mir eine nicht konfessionelle, die man aber im täglichen Umgang auch wirklich anwendet.
 
S

Simba

Mitglied
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18.09.2006
35576
Hallo,:eek:riginal:...ich schließe mich in Teilen den Ausführungen von Lisy, Thosten, humanist und wassermann ( :thumbsup: ) an. Habe auch die meiste Zeit meines beruflichen Lebens bei kirchlichen Trägern aller Schattierungen gearbeitet und sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt von relativ guten bis hin zu den denkbar schlechtesten, die ich hier nicht ausführen kann.
Zur Zeit bin ich bei einem privaten Arbeitgeber, der aber für mich häufig mehr "Nächstenliebe" vermittelt, als ich das jemals vorher erlebt habe.
Wichtig ist für mich das, was jemand lebt und "tut", nicht das, was in irgendeinem Leitbild oder einer Praeambel steht - und da steht so manches:devil:.
"Gott" hat für mich auch zunächst mal nicht viel mit "Kirche" zu tun, ( obwohl ich zwischendurch sehr gerne einem Gottesdienst oder einer christlichen Meditation beiwohne,) sondern sehr viel mit mir selber und dann auch mit allen Lebewesen, mit denen ich tagtäglich ( heute ! ) in Kontakt bin.
Gruß an Euch alle von Atta.
 
Qualifikation
Krankenschwester / PDL
Fachgebiet
Gießen
Sahawe

Sahawe

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo,
ich habe im Rahmen meiner Ausbildung in einem christlichen Haus gearbeitet (4 Monate) und habe sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Die Stationsleitung eine Nonne, ihr Name Laurentia war die bösartigste und neidischste Frau, wie ich keine danach nochmal kennenlernte. Ignoranz, Intoleranz, Heuchelei und Bigotterie war der Alltag und man konnte niemanden vertrauen. Jeder gegen jeden. Immer mit dem moralischen Zeigefinger darauf bedacht, dass sich ja alle Kollegen auch auf dem "richtigen Weg" befinden. Ich bin Atheistin aber trotzdem Menschen gegenüber sehr zugewandt. Homosexuellen gegenüber genauso wie Transvestiten oder Andersgläubigen. Ich finde jeder Mensch sollte das Recht haben, sich wenn er Krank ist und in einem Krankenhaus befindet, in einem religiös freien Raum zu bewegen. Das heißt für mich jeder Nichtgläubige muss die Möglichkeit haben in einem staatlichen Krankenhaus unterzukommen. Ich habe viel Respekt gegenüber tief gläubigen Menschen, wenn sie auch mir gegenüber tolerant und respektvoll sind. Jedenfalls ist mir ein ökonomisch orientiertes Krankenhaus in dem ein aufgeklärter, freier Patient seine Abhängigkeit bewußt annehmen kann lieber als ein Krankenhaus in dem sich der Patient der Nächstenliebe unterwerfen muss und von Menschen betreut wird die ihre Position nicht aufgrund von fachlicher Kompetenz erhalten haben, sondern aufgrund ihrer starken Aureole.
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
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M

Manu5959

Aktives Mitglied
Basis-Konto
19.10.2005
Rosenheim
Ich habe viel Respekt gegenüber tief gläubigen Menschen, wenn sie auch mir gegenüber tolerant und respektvoll sind. Jedenfalls ist mir ein ökonomisch orientiertes Krankenhaus in dem ein aufgeklärter, freier Patient seine Abhängigkeit bewußt annehmen kann lieber als ein Krankenhaus in dem sich der Patient der Nächstenliebe unterwerfen muss und von Menschen betreut wird die ihre Position nicht aufgrund von fachlicher Kompetenz erhalten haben, sondern aufgrund ihrer starken Aureole.
Hallo Sabine,

Danke für deinen Beitrag, genauso sehe ich es auch!

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
L

Lisy

Sabine,
bin ganz deiner Meinung
Gruß Lisy
 
cyberhex

cyberhex

Mitglied
Basis-Konto
08.02.2006
8041
Hallo ihr Alle,

ich arbeite in einem nicht konfessionellen Unternehmen, dessen Leitspruch: Menschen helfen Menschen ist.
Ich persönlich finde dieses Leitbild sehr schön, leider sehe ich sehr oft, dass nur am Papier steht und im Alltag nicht gelebt wird.

Am Anfang meiner Ausbildung hatten wir noch einige geistliche Schwestern, die am Krankenbett arbeiteten, meine Erfahrungen mit Ihnen waren geteilt, manche waren sehr nett und aufopfernd um die Patientinnen bemüht, andere wieder zeigten alles andere als eine christliche Grundhaltung.

Mit der christlichen Soziallehre (ich habe sie unter diesem Namen kennengelernt und beinhaltet mehr als katholische Soziallehre) habe ich mich in den letzten 5 Jahren intensiv beschäftigt,als ich im Rahmen meiner Personalvertretung eine Ausbildung über die Fraktion der christlichen Gewerkschafter absolvierte.

Ich war zwar schon sehr lange Mitglied dieser Fraktion in der Gewerkschaft hatte von dem ganzen christlichen Fundament keine Ahnung.

Die vier Grundsäulen, die du Fragmentis erwähntest kenne ich unter den Namen Menschenwürde, Gemeinwohl, Subsidiarität und Solidarität.
Für mich sind es sehr wichtige Werte, die ich auch in meiner täglichen Arbeit einzubringen versuche. Das habe ich aber unbewusst auch ohne Kenntnis dieser Soziallehre gemacht,seit ich sie kenne, mache ich es bewusster und achte bei kritischen Situation stärker darauf.

Übrigens ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem keiner was mit Kirche anfangen konnte, meine Grossmutter schimpfte immer auf "die Pfaffen", erst als mein Grossvater im Sterben lag, ist sie zur Kirchengeherin mutiert.
Ich gehe zu allen heiligen Zeiten in die Kirche, und diskutiere mit unseren Pfarrern gerne über ihre nicht gerade rühmliche Vergangenheit.

Ich kenne auch viele Menschen, die sich als christlich-sozial deklarieren, von den Werten keine Ahnung haben und diese auch nicht ansatzweise leben.
Andrerseits sind sehr viele der Menschen, die sich selbst als Atheisten bezeichnen, dem Wertebild der christlichen Soziallehre viel näher als sie glauben.

Denke mir, dass auch hier wieder mal gilt, jeder Mensch ist einzigartig und hat ein Recht auf seine Persönlichkeit. Ich würde es mir auch nicht anmassen, zu behaupten, dass die christliche Orientierung das einzig Heilbringende bei der Pflege ist.
Mir persönlich hat die christliche Orientierung im Umgang mit Patienten, Mitarbeitern und ja auch Vorgesetzten immer wieder geholfen. Und seit ich darüber genauer Bescheid weiss, kann ich meine Handlungsweisen bewusster setzen.

Liebe Grüsse
Elisabeth
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
Fachgebiet
Risikomanagement
G

Gerd

Mitglied
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15.06.2001
Neustrelitz
Hallo,
wofür soll Christentum ein zukunftsträchtiges Modell sein? Ist Christentum und Pflege ein Paar? Pflege kranker und hilfebedürftiger Menschen gab es schon vor Christus. Fragmentis, stell die Frage doch mal in einem Krankenhaus in Bagdad oder Teheran. Welche Antworten würdest du bekommen?
Man darf natürlich die Amtskirchen nicht mit Christentum gleichsetzen. Die Amtskirche verfolgt mit Ihren Diensten (Caritas, Diakonie) genauso wirtschaftliche Ziele wie die anderen Wohlfahrtsorganisationen und privaten Träger auch. Sie handeln auch wie Wirtschaftsunternehmen. Als Arbeitgeber lassen Sie nicht allzu häufig christliches Wirken spüren.

Gruß
Gerd

AG FREIER HIMMEL
 
Qualifikation
Dipl.Sozialarbeiter
Fachgebiet
Pflegedienst
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Fragmentis

Fragmentis

Mitglied
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Themenstarter/in
Hallo Leute,

ich gebe Gerd recht, daß immer mehr sich auch bei konfessionellen Trägern aufgrund der Kassenlage die ökonomischen Aspekte durchsetzen. Und das finde ich schon einen großen Sprung.
Aber ich habe den zugegebenermaßen subjektiven Eindruck, daß dieses Um-Denken hier langsamer von statten geht als bei non-konfessionellen Trägern.

Ich trage ja auch keine rosa-rote Brille, die mir alles schönfärbt, was auch an negativen Dingen auch bei Kirchens passieren kann. Aber...

...wie sieht es denn aus bei diesen Großverbünden von Aktiengesellschaften, die wirklich rein auf´s Geld aus sind und solange am Personal sparen, bis die Kollegen am Krückstock gehen ? Man hört da ja manchmal die größten Horror-Stories, wenn so eine Klinik übernommen wurde und die Kollegen reihenweise gehen müssen, weil sie nicht mehr mitkommen und nur noch Minimalst-Verträge mit "günstigen Frischlingen" gemaht werden, die dann verheizt werden...

Hat jemand von Euch sowas schon erlebt ? Arbeitet jemand von Euch vielleicht in so einem "reinen Wirtschaftsunternehmen" ?

Interessiert weiterhin auch mal diese Seite zu hören,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
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EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
R

Rykers

Mitglied
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25.10.2006
04103
Durch fragmentis' Beitrag in dem Thema http://www.pflegeboard.de/forum/26725-pflegeleitbild-eine-ausrede-luege-2.html?posted=1#post190065
bin ich auf dieses Thema gestoßen.

Anders als viele Kollegen in diesem Thema kann ich noch keine sehr lange Erfahrung im Umgang mit konfessionellen Häusern vorweisen.

Allein meine Ausbildung in den letzten 3 Jahren hat in einem solchen Haus statt gefunden. Doch ich denke, dass ich damit durchaus einige Erfahrungen ebenfalls vor euch ausbreiten kann. :eek:riginal:

Familiär gesehen komme ich aus einer zutiefst atheistischen Familie - angefangen von den Großeltern, bishin zu meinen Eltern und sonstigen Familienmitgliedern. Ich füge hinzu, dass es trotzdem keine Vorbehalte gegenüber meiner Ausbildungsstätte gab.
Nachdem ich meinen Zivildienst in diesem konfessionellen Krankenhaus abgeschlosse habe, begann ich dort auch gleich mit der Ausbildung zum Krankenpfleger. Und es war am Anfang immer etwas ungewöhnlich mit dieser praktizierten "Religiösität". Aber man lernt über die Zeit damit umzugehen und es zu akzeptieren.
Nach 3 Jahren Ausbildung bin ich trotzdem kein Kirchgänger geworden, aber die Ausbildung war eine wertvolle Erfahrung.
Ich gebe denjenigen Vorrednern recht, die sagen, dass die christliche Religion viel mit der Pflege verbindet.

Natürlich gab es Momente, in denen ich den religiösen Inhalt übermäßig empfunden habe oder unpassend, aber ich verstehe, dass ein konfessionelles Krankenhaus sich in allen Bereichen auf dieses christliche Sein bezieht.

Sofern dieses Sein nicht nur Scharade ist, kann es ein sehr wertvoller Beitrag zur Krankenpflege, zur Genesung oder zum Seelenfrieden des Patienten sein.

Wenn es aber nur hohle Phrasen sind, die im Gegensatz zur täglichen Arbeit stehen, dann ist es kontraproduktiv. Dann ist (auch) ein christlicher Hintergrund wirkungslos.
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
ambulanter Pflegedienst
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