Burnout

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ms81

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Huhu alle Zusammen,

hat jemand von Euch (ggf auch persönlich) Erfahrung mit dem Burnout?
Stand jemand schon mal kurz davor und hat noch die Kurve geschafft?
Wie habt Ihr gemerkt, hier ist die Grenze, so geht es nicht mehr weiter.
Hattet ihr Angst abgestempelt zu werden? Als nicht tauglich für den Beruf etc.?

Freue mich sehr auf Antworten

Mareike
 
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Manu5959

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Hallo ms81,


na dann mach ich mal den Anfang....
Hoffe nur, das ich nicht so arg abschweife!:sick:
hat jemand von Euch (ggf auch persönlich) Erfahrung mit dem Burnout?
ja persönlich und es ist noch gar nicht solange her...

Wie habt Ihr gemerkt, hier ist die Grenze, so geht es nicht mehr weiter.
Mmmh, heute weiß ich ,das sich das Ganze über einen längeren Zeitraum aufbaut.
Gemerkt habe ich es daran, das ich nach jedem Dienst geheult habe, am Ende hätte ich schon bei Dienstbeginn heulen können.
Ich war nicht mehr in der Lage abzuschalten, meine Gedanken kreisten nur um die Arbeit, selbst geträumt habe ich davon.
Einschlafen war furchtbar schwer, und dann träumte ich von der Arbeit!:sick:
Ich fühlte mich total kaputt, hatte kein Selbstbewußtsein mehr, war einfach nur noch müde.
Mein Partner sagte mir sehr oft, das ich nur noch pessimistisch, unzufrieden und unaustehlich bin, alles falsch verstehe, er mit mir nicht mehr reden kann usw.
Tja, und dienstlich..?
Einige Kolleginnen haben mir gesagt, ich habe mich verändert, mich gefragt, was mit mir los ist, warum ich nicht mehr lache...
Dann kam der Tag, wo ich wußte, das ich so nicht mehr weiter machen kann.
Ich mußte einen Bew. ins KH einweisen, und habe ihm noch nicht mal einen Schlafanzug mitgegeben. Und das war mir vollkommen wurscht!:cry:
Ich habe mich da selbst nicht mehr erkannt, habe mich gefragt" Manu, was machst du da eigentlich?"
Am nächsten Tag ging ich zum Arzt, und war anschließend 3 Monate krank.
Und glaubt mir, als ich erst mal zuhause war, gings knüppeldicke weiter, mein Körper hat mich gestraft!

Ich hoffe, das ich aus der Zeit gelernt habe, ich möchte so weit runter nie wieder!

An dieser Stelle möchte ich einer Person besonders herzlich danken, denn ohne sie wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin!

Minchen, :dankoe: :wub: :wub: :wub: hab tausend Dank!


Hattet ihr Angst abgestempelt zu werden? Als nicht tauglich für den Beruf etc.?
Also ich nicht, ich gehe auch heute sehr offen damit um!
Angst hatte ich , ich wollte nicht vor die Tür, weil ich keinen meiner Kollegen treffen wollte. Ich wollte denen nicht ins Gesicht lügen, wollte nicht sagen, wie beschissen es mir geht.
Selbst ans Telefon konnte ich nicht, mein Körper hat mich auch gar nicht gelassen.

So, das reicht vorerst,

Grüßle Manu
 
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resedoma

resedoma

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Tja was soll man/frau dazu sagen, :blushing:
schwer solche Erfahrungen in Worte zu fassen!
Ich versuch es mal:
auf einer Internetseite habe ich einen tollen Spruch gefunden...
"Ausberennen ist ein Symptom von emotionaler Erschöpfung, und ausbrennen kann nur der, der auch gebrannt hat!!":cry:

In meinem Fall habe ich *gebrannt* für meine Arbeit, habe mich angagiert, war für meine Bewohner/Kunden *immer* da, für meinen Kollegen immer ein offenes Ohr, für jede Fortbildung interessiert, u.s.w.:sad:
leider habe ich den Zeitpunkt des Überschreiten und das Erkennen der körperlichen, geistigen und emotionaler Erschöpfung glatt weg übersehen/fühlt.
Bis ich irgendwann zu Hause saß und mich gefragt habe was habe ich heute eigentlich gemacht, hinzu kam,dass meine Familie (Mann und drei Kinder) total in den Hintergrund gerutscht waren, so das sie mich fragten,ob sie denn nicht wichtig sind??
"Es ist dir doch eh egal was mit uns wird, du arbeitest ja nur noch!!" Aussage meines jüngsten Sohns:sick:
Ich konnte nicht mehr essen, von Abschalten oder Erholen gar keine Rede.....
Tja,bis ich ein *paar* Magengeschwüre* hinzu bekam.....erst dann bin ich aufgewacht und habe mich aus meinem selbst erstellten Sumpf heraus geholt, aber nicht ohne Hilfe!!
Es kam eine lange Kur mit Kindern, psychologische Betreunung, tolle Chefin, noch bessere Kolleginnen, und vor allem eine einmalige Familie......die jetzt immer noch zu mir steht und mich seit mehr als 17Jahren in meinem Beruf, unterstützen, begleiten und mich auf den Boden der Tatsachen zurück holen......
Denn eins glaubt mir, ohne so einen Hintergrund kann niemand mehr als ein paar Jahre in der Pflege überstehen ohne Folgen davon zu tragen...:wink:

Hier die Symptome des Burnout -Syndroms, die 12 Stadien und Möglichkeiten zur Verbesserung des Zustandes
mpmptome des Burnout- SymptomedesSySndroms
- Depersonalisation
- Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung
- Überdruß
- Erschöpfung
Einteilung in 12 Stadi

1. der Zwang sich zu beweisen
2. Verstärkter Einsatz
3. Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
5. Umdeutung von Werten
6. Verstärkte Verleugnung der aufgetretenen Probleme#
7. Rückzug
8. Beobachtbare Verhaltensänderungen
9. Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
10. Innere Leere
11. Depression
12. Völlige Burnout - Erschöpfung
glichkeiten der Verbesserung des Zustandes
- Reduzierung der Arbeitsbelastung
- genug Ruhe gönnen
- körperliche Betätigung
- um Hilfe bitten - Vertrauensperson
- Kontrolle des geselligen Lebens

- Erwägung einer Therapie
Weitere Möglichkeiten :
- Patientenschlüssel vermindern
- Zeit zum Abschalten
- organisatorischen Spielraum schaffen
- Arbeitplätze positiv gestalten
- Weiterbildungen
- Abgrenzung von Arbeit und Freizeit
- Sichtweise ändern
- Zeit zum Abschalten
- soziale Kontakte aufrechterhalten


Ich wünsche allen, die in der Pflege arbeiten, ein offenes Ohr, liebevolle mitfühlende Herzen und supernette Kollegen!!


Viele Grüße resedoma:thumbs:


 
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Altenpflegerin, PA, WBL
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Löwenherz

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hat jemand von Euch (ggf auch persönlich) Erfahrung mit dem Burnout?

ja, ich hab persönliche Erfahrungen damit.

Stand jemand schon mal kurz davor und hat noch die Kurve geschafft?

nein, ich war schon "über der Klippe" - die Kurve war so, als wenn man von Hamburg nach München fährt - nimmt aber einen Umweg über Stockholm ;-)

Wie habt Ihr gemerkt, hier ist die Grenze, so geht es nicht mehr weiter.

bei Interesse nur über pn

Hattet ihr Angst abgestempelt zu werden? Als nicht tauglich für den Beruf etc.?

Nein - aber mir war klar daß ich grundlegendes ändern muss

Resedoma hat ein gutes posting dazu geschrieben - erklärt vieles und macht sichtbar.

Liebe Grüße,

Löwenherz
 
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Gesundheitszentrum
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Manu5959

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Hallo,

@resedoma: ja resedoma, ohne Rückhalt der Familie ist es nicht zu schaffen!

@ms81: ich danke dir für die Eröffnung diese Threads!

Leider kommt das "Ausbrennen" in unserem Beruf sehr oft vor, aber das es so häufig vorkommt, war mir vorher nicht bewußt!
Jetzt bin ich wachsamer, ich glaube auch, man bekommt ein leichteres Gespür dafür.
Auch mein Arzt meinte, ich habe zu hohe Ziele, ich bin zu ehrgeizig, und hätte eigentlich einen Orden verdient. Den Orden wird es aber niemals geben.
Das Gesundheitssystem ist kaputt, ich solle mich dem anpassen.:sick:
Glaubt mir, das fällt mir nicht leicht.

Ich führe mir jeden Tag vor Augen, das meine Familie an erster Stelle steht.
Das bringt mich auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ich war noch nie ein Egoist, aber ich lerne!:laughing:

Grüßle Manu
 
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Altenheim
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Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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chricaran

Ja, auch ich weiß, was es heißt, auszubrennen.
Näheres bitte nur über Mail.
Nur soviel:
Mein festes "soziales Netz", meine Freund, meine Eltern, eine verdammt gute PDL(wie ich sie bis heute nicht wieder angetroffen habe) und Einzelsupervision haben mich dahin geführt, wieder aus eigener Kraft, gesund zu werden.
Die PDL hat mir eine Einzelsupervision empfohlen, eine Psychotherapie hat mir nicht wirklich geholfen. Mein privater "Verbund" hat alles mitgetragen und mich nie aufgegeben.Ich habe mein Privatleben wieder geordnet, bin wieder gut zu mir und verteidige es wie eine Löwin.
Aber seit ich das hinter mir habe, sehe ich wie viele Kollegen sich am Rande oder mitten im Burnout befinden. Es ist erschreckend. Das Problem ist nur, daß erst oft etwas passieren muß, bis die Betroffenen aufwachen, denn ohne sich helfen lassen zu wollen oder fehlende Einsicht, ist nicht wirklich demjenigen zu helfen, da kann man "nur" Schadensbegrenzung in jeglicher Hinsicht leisten.
 
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Manu5959

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Hallo chricaran,

Aber seit ich das hinter mir habe, sehe ich wie viele Kollegen sich am Rande oder mitten im Burnout befinden. Es ist erschreckend. Das Problem ist nur, daß erst oft etwas passieren muß, bis die Betroffenen aufwachen, denn ohne sich helfen lassen zu wollen oder fehlende Einsicht, ist nicht wirklich demjenigen zu helfen, da kann man "nur" Schadensbegrenzung in jeglicher Hinsicht leisten.
Oh ja, da hast du vollkommen recht!
Das meinte ich mit dem feinen Gespür....


Grüßle Manu
 
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ms81

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Hallo Ihr Lieben.....

vielen vielen Dank dass Ihr Euch dem Thema annehmt und offen berichtet.... *Tränchen aus dem Augenwinkel wisch...
Am meisten kann ich mich mit dem Geschriebenen von Manu identifizieren.
Ich würde gerne schon über alles erzählen was so die letzte Zeit angefallen ist und wie ich mehr und mehr in meinen momentanen Zustand reingerutscht bin.
Muss das aber erstmal alles verdauen und akzeptieren...und das fällt mir sauschwer.....
Den ersten Schritt tat ich schon vor längerer Zeit, nämlich endlich ne neue Stelle zu suchen... aber selbst da war ich noch weit weg davon, mir einzugestehen wo ich gerade reinrutsche.
Den zweiten Schritt begehe ich gerade jetzt: AUSZEIT.... mein Körper rebelliert seit Wochen massiv mit Verspannungen und Spannungskopfschmerz.
Klar habe ich dem alten Arbeitgeber gegenüber nen schlechtes Gewissen, aber ich kann und will mich nicht mehr aussaugen lassen.
Habe MICH in den letzten 1,5 Jahren total verloren, nue für die Arbeit gelebt, Schwäche durfte man aus Angst um den Arbeitsplatz nicht zeigen,
Argument von oben: Es gibt genug Leute die auf deine Stelle scharf sind...

Auf der einen Seite schäme ich total, wei ich das Gefühl habe versagt zu haben bzw. weil es mir auch oft genug sugeriert worden ist, obwohl ich alles für den Job gegeben / aufgegeben habe....:cry:
Auf der anderen Seite schaltet sich momentan mein Selbstschutz ein und ich beginne zu kämpfen... für mich und vorallem für meine Ehe und meine Freunde...
Der ein oder andere denkt sich jetzt bestimmt, selbst schuld, warum lässt sie es soweit kommen... Nun dem sei gesagt: ja es gibt immer einen der es macht und einen der es mit sich machen lässt, aber es ist auch ein schleichender Prozess und als Berufseinsteiger ist man motiviert, möchte seinen Job richtig gut machen, vorallem gibt man alles um seinen Job zu behalten........

Ganz liebe Grüsse
Mareike
 
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Manu5959

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Hallo Mareike,

Auf der einen Seite schäme ich total, wei ich das Gefühl habe versagt zu haben bzw. weil es mir auch oft genug sugeriert worden ist, obwohl ich alles für den Job gegeben / aufgegeben habe....:cry:
Auf der anderen Seite schaltet sich momentan mein Selbstschutz ein und ich beginne zu kämpfen... für mich und vorallem für meine Ehe und meine Freunde...
Der ein oder andere denkt sich jetzt bestimmt, selbst schuld, warum lässt sie es soweit kommen... Nun dem sei gesagt: ja es gibt immer einen der es macht und einen der es mit sich machen lässt, aber es ist auch ein schleichender Prozess und als Berufseinsteiger ist man motiviert, möchte seinen Job richtig gut machen, vorallem gibt man alles um seinen Job zu behalten........
Ich finde es ganz prima, das du deine momentane Verfassung hier so preisgibst!
Du hast beschrieben, das dein Körper rebelliert, und gleichzeitig, das sich dein Selbstschutz einschaltet und du beginnst zu kämpfen( für dich, Familie und Freunde...)
Bist du denn schon bereit für einen Kampf, oder findest du es nicht doch etwas verfrüht?
Wenn dein Körper rebelliert, reagiert er auf deine Psyche!
Beide brauchen Erholung, und die dauert.
Gönne dir die Auszeit, und fange nicht verfrüht das Kämpfen an.
Vielleicht ist das ja auch nur der falsche Ausdruck dafür!
Kampf kostet Kraft, und die hast du im Moment nicht!

Ich wünsche dir viel Ruhe und möglichst freie Gedanken!:wink:

Liebe Grüße Manu
 
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ms81

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Hallo Manu,

ja Du hast recht, "kämpfen" ist etwas unglücklich ausgewählt....

Vllt. klingt es besser wenn ich sage, ich beginne mich momentan frei zu schwimmen. Zu lösen von Dingen die mir nicht mehr gut tun.... mich erstmal ausruhen/ abschalten und um dann mit dem Aufarbeiten zu beginnen...

Ich habe mich so lange nicht getraut etwas zu sagen und habe auch jetzt noch Probleme damit, aus Angst vor den Reaktionen von aussen.....

Grüssle Mareike
 
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Lisy

ms 81,
ich kann dich sehr gut verstehen, ging mir auch mal so, bis ich begriff, das es total egal ist, was die anderen über einen denken.
Der Spruch Recht getan ist eine Kunst die niemand kann, kommt aus der Erfahrung der Menschen in der Vergangenheit und hat für mich gerade heute eine große Bedeutung.
Auch der Auspruch meines Altenpflegelehrers 1983 während meiner Ausbildung begleitet mich bis heute.
Er sagte damals: ihr könnt nicht das ganze Elend dieser Welt auf eure Schultern laden, daran zerbrecht ihr. Ihr könnt nur manchmal mit viel Glück in eurem Umfeld das Elend für Sekunden erleichtern, mehr solltet ihr euch nicht vornehmen.
Ich find er hat Recht.
Aber zurück zum Thema. der Prozess des Ausgebrannt sein, beginnt schleichend, da merkt man auf dem Heimweg was man alles vergessen hat, man nimmt sich alles Morgen zu erledigen. Am nächsten Morgen ist alles weg und man hat das Gefühl den Boden unter den Füssen zu verlieren. Anstatt dann in einen sehr langen Urlaub zu gehen, glaubt man mit noch mehr Einsatz alles retten zu können. Das ist leider ein Trugschluß. Meldet sich dann der Körper will manns nicht wahr haben. Ich war 1 Jahr lang zu Hause und habs nicht geschafft meine Wohnung in Ordnung zu bringen. Zum Glück ist mein Mann nicht anspruchsvoll und meine Kinder einfach toll. Die haben die Arbeit einfach gemacht. Heute ist es so, das meine Familie mich ganz offen warnt und ich hab gelernt, denen zu glauben und dann "einfach" (einfach ist es nicht wirklich) kürzer zu treten und ich hab gelernt, daß ich nicht perfekt sein muß. Die die echt brauche, nämlich meine Familie, mögen mich so wie ich bin, und die anderen sind mir inzwischen fast egal.
Der Chef, der dich ausbeutet, dem bist du sowieso egal, sonst würd er es nicht tun.
Sorry für die zum Teil harten Worte, es bleibt halt immer (bei mir) eine Wut der Hilflossigkeit zurück.
Wünsch dir alles erdenkliche und das du es schaffst.
Liebe Grüße Lisy
 
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ms81

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Hallo Lisy,

deine Worte sind und empfinde ich nicht als hart, sondern als wahr....


LG

Mareike
 
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Kalimera

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Hallo,

erst mal ein Kompliment an alle, die sich trauen hier so offen über ein Thema zu sprechen, was bestimmt nicht einfach ist. Wenn ich darf stelle ich ein paar Fragen, bin aber keineswegs böse, wenn Ihr darauf nicht antworten möchtet.
Seid Ihr eigentlich der Meinung, dass es prädestinierte Menschen gibt für ein Burnout Syndrom?

Als ich die Postings las, war ich verblüfft, welche Auswirkungen Burn out haben kann. Ich war selbst bisher davon bisher nicht betroffen, habe aber 2 Kollegen erlebt, die von der Arbeit direkt in die Psychiatrie eingeliefert wurden, die danach leider keinen Kontakt mehr zuließen und auf der Arbeit nicht mehr gesehen wurden, so dass ich die ersten Schilderungen was bei einem solchen Prozess geschieht von Euch hier lese.
Ich kann nicht behaupten, dass mir an diesen Kollegen etwas auffiel, was mich hätte merken lassen, dass sie ausgebrannt sind.
Eine Frage an Euch wäre auch, ob es Anzeichen gibt, die Kollegen bemerken könnten. Ihr schreibt, dass Ihr Euch alle irgendwie verändert habt während dieses schleichenden Prozesses. Geschah dies nur NACH der Arbeit oder auch während der Arbeit? Gibt es typische ANzeichen und würdet Ihr Euch heute zutrauen Menschen zu erkennen, die in einem solchen Prozess stecken?

Nochmal, toll dass Ihr Euch traut
 
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Manu5959

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Hallo Sigjun:eek:riginal: ,

Eine Frage an Euch wäre auch, ob es Anzeichen gibt, die Kollegen bemerken könnten.
Bei mir war es eine Kollegin( aus der Hauswirtschaft:eek:riginal: ), die mich mehrmals direkt angesprochen hat, der ich aber indirekt ausgewichen bin.
Sie hat öfters zu mir gesagt, mit mir stimmt was nicht, ich bin so anders, so ernst, lache nicht mehr usw.
Auf die Frage" Alles ok bei Dir?" antwortete ich mit "ja",
auf " Mit dir stimmt was nicht, du lachst nicht mehr!" antwortete ich" Wie kommst du darauf? Ich kann nicht immer lachen, ich überlege..."

Ich selbst habe aber erst während meines Krankseins bemerkt, das meine Kollegin ein Feingespür für mich hatte!

Es gibt aber auch Menschen, deren Kollegen schon mal ein Burn out hatten, die dafür Antennen entwickeln.
Man hat sich noch nie gesehen, kennt sich nur via Internet, aber dieser Jemand ist solch ein Mensch.
Zu meinem Glück hatte ich einen solchen Menschen, der mich letztendlich wohl zum Arzt getreten hätte!

Ihr schreibt, dass Ihr Euch alle irgendwie verändert habt während dieses schleichenden Prozesses. Geschah dies nur NACH der Arbeit oder auch während der Arbeit?
beides, während und nach der Arbeit!
Bemerken tut man es selber aber eigentlich erst, wenn es schon zu spät ist, bei mir war es jedenfalls so.
Wie grad schon erwähnt, bin ich an sich ein sehr lebensfroher, meist lachender Mensch--> die man im ganzen Haus hört!:laughing:
( nur die Kollegin aus der Hauswirtschaft kann noch lauter Lachen:happy: )
Zu der Zeit habe ich nur noch ein gezwungenes Lachen zustande gebracht, ich hab mich eher aufgeregt, und nicht mehr sachlich ruhig argumentiert, sondern provozierend.
Es gab viele Sachen, die mich auf Arbeit aufregte, und da ich meist die Einzige war, die den Mund aufmachte, wurde ich noch energischer.
Dadurch erkannte ich aber erst, was für Steine vor mir liegen, und ich immer müder wurde, diese Felsbrocken wegzuräumen.

Mir fällt noch was ein...
die Mehrheit von meinen Kolleginnen waren sehr bestürzt, als sie erfuhren, warum ich krank bin.
Galt ich doch als besonders stark, ehrgeizig, motivierend, immer für Andere da usw...
Gibt es typische ANzeichen und würdet Ihr Euch heute zutrauen Menschen zu erkennen, die in einem solchen Prozess stecken?
Ich denke, man erkennt es schneller.
Trotzdem kann man, wie von resedoma beschrieben, meist nur im Nachhinein helfen, denn die Betroffenen werden es wohl erst einsehen, wenn es schon zu spät ist.
Meine Kollegin ist für mich schon mittendrin, sie weiß, das es ihr überhaupt nicht gut geht, sagt auch, sie kann nicht mehr.
Aber, sie geht nicht zum Arzt, weil sie Gewissensbisse hat, wenn sie wegen Krankheit ausfällt.:cry:

Grüßle Manu
 
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ms81

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Hallo Sigjun....

ich schreibe dir einfach mal Stichpunktartig zurück......

* Prädestiniert für Burnout?
Weiss ich nicht, aber ich denke viele Menschen kommen in ihrem Leben mal an einen Punkt wo einfach nix mehr zu wollen ist... das Burnout verläuft in verschiedenen Stadien.... und ich denke der eine schafft es eher sich wieder zu fangen, der andere später und der nächste ist für immer berufsunfähig.
Egal in welchem Job...

* schleichende Veränderung
privat:
-
mehr und mehr steigendes Desinteresse am Sport
- Müdigkeit, Gereiztheit, hohes Schlafbedürfnis, körperliche Beschwerden
- "verschlafen" von Terminen und das mit viel Gleichgültigkeit
- verwechseln von Terminen
- keine Lust mehr auf Gesprächsabende mit Freunden, weil zu anstrengend und richtiges Desinteresse an gemeinsamen Unternehmungen


beruflich:
- Anhäufung von Einzelfehltagen -> aus Angst um die Stelle nicht im Gespräch gesagt wo das eigentliche Problem liegt....
- Desinteresse am Patienten selbst, kaum noch Kommunikation mit diesen, ausser das Nötigste/ Wichtigste und wenn dann immer nur ein gespieltes Lächeln verschenkt.
- Dauergenervt, spiegelt sich auch mal im Ton wieder und da ist mir erst bewusst geworden: Hallo hier stimmt was nicht!!!! ( Habe das aber noch als Phase abgetan)
- versucht immer noch 200% geben obwohl der Akku leer ist
- Konzentrationsfähigkeit hat nachgelassen, muss 50.000 x nachfragen....

Aber wie gesagt, dass kam jetzt alles schleichend bzw. habe ich nicht eher auf die Körpersignale gehört!!!! Und das ist das Fatale.... Man will nicht schwach sein, darf dies nicht zeigen.... powert voll weiter, ggf. noch für andere mit, bügelt deren Fehler aus, weil es geht ja um Menschenleben.

Und ich bin vor 4 Wochen morgens aufgewacht und habe gemerkt: ich kann nicht mehr, ich will das alles so nicht mehr.....
Habe aber immer noch nicht agiert, vor 3 Wochen bin ich dann das erste Mal zu Hause geblieben und habe nur geschlafen geschlafen und geschlafen, war dann noch mal 3 Nächte arbeiten und dann hat mein Körper nicht mehr mitgemacht.... und jetzt bleibe ich erstmal daheim und denke an MICH und versuche langsam wieder runter zu kommen


Grüssle Mareike

Nachtrag: Und furchtbar ist es als Mensch eine Maschine zu werden und es Leute gibt, die sowas noch fördern.... ;-(
 
Qualifikation
Krankenschwester
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Monika Bartz

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Hallo - Alle Ihr Lieben!
Nachdem ich von einigen hier im Forum schon früher gehört habe, dass sie schon im Burn - out waren, ist mir vieles, was geschrieben wurde, nicht mehr ganz neu. Ich freue mich, dass Ihr so offen mit diesem Thema umgeht. Endlich!
Denn ich finde nicht, dass es beim Burnout irgendwas zum Schämen gibt oder dass es ein Tabuthema sein müßte. Mir ist eigentlich nicht ganz klar, warum man über Burn out spricht, als wäre es eine ansteckende Krankheit. Warum wird von uns in der Pflege immer erwartet, dass wir zu 200% Einsatz zeigen und über unsere Kräfte arbeiten und wenn man dann niedergeht, ist das plötzlich eine Schande?!
Der Spruch: wer nie gebrannt hat, kann nicht ausbrennen - hat mich ganz besonders angesprochen!
Ich glaube, dass meist jene ausbrennen, die sich besonders engagieren, die (wie es Ihr fast alle einhellig beschreibt) besonderen Ehrgeiz zeigen. Die Grenzen werden nicht mehr erkannt und der extrem Motivierte vergißt, dass es auch eine Selbstpflege geben muss. Es zählt nur noch, was man noch alles leisten kann und der Perfektionismus dazu powert endgültig aus.
Ich selbst hab mich immer noch vor dem Versinken aus dem Sumpf retten können. Ich erkenne meist schon früh genug, wenn ich an meine Grenzen komme und ich kann mir durch meine Teilzeitarbeit halt auch manchmal meine Auszeit nehmen. Aber die Anzeichen, die Ihr alle beschreibt, kenne auch ich!
In meinem Team gibt es bestimmt 2 - 3 Kollegen, die immer nahe am Ausbrennen sind und wo dann meine Chefin und ich drüber reden, die Kollegen zur Seite nehmen und sie darauf aufmerksam machen. Meist wird es von den Kollegen aber selbst nicht erkannt, somit werden sie zumindest zum "Einbremsen" im Arbeitseifer verdonnert. Gelingt doch hin und wieder....
Im Grunde sind wir lauter "tickende Zeitbomben", denn unter den Anforderungen, die man an die Pflegenden stellt, werden bestimmt immer wieder welche ausbrennen. Das ist für mich so klar, wie das Amen im Gebet.
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
Linz
Fragmentis

Fragmentis

Mitglied
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Hallo Leute,

ich glaube.....ich denke...ich verstumme...ich fühle...
Das macht mir alles Angst...oder ? Macht mir das Mut ?
Weiß nicht...

Diese Texte nochmal sacken lassend und ein wenig vorsichtig mit spitzen Fingern im Herzen bewegend,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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Manu5959

Aktives Mitglied
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Rosenheim
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und jetzt bleibe ich erstmal daheim und denke an MICH und versuche langsam wieder runter zu kommen ;-(
Hallo Mareike,

darf ich fragen, ob du krank geschrieben bist? Oder hast du gekündigt?
Überleg dir mal, ob du vielleicht therapeutische Maßnahmen in Anspruch nehmen möchtest.
Mir hat es sehr geholfen, gegebenenfalls könntest du auch ne Kur machen!

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
M

Malaica

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Hallo zusammen!

Wer ausbrennt - muss einmal gebrannt haben...!

Dem kann ich nur zustimmen!
Auch ich habe einen BO hinter mir.
Ich habe gebrannt..., direkt nach meinem Examen war ich voller Elan, hochmotiviert und habe mich selbst immer mehr in den Hintergrund gestellt, bis aus dem Brennen ein Ausbrennen wurde! Mein Körper rebellierte massiv mit diffusen Beschwerden (Kopf-, Magen-, Rückenschmerzen...), als ich die Notbremse zog und in meinem Leben einiges veränderte.

Im Studium hatte ich dann die Möglichkeit eine Hausarbeit mit dem Thema "Burnout & Stress mit Focus auf die Krankenpflege" zu schreiben. Diese HA war, für mich persönlich, eine gute Strategie um einen Schlusspunkt unter meinen selbsterlebten BO zu setzen.

Heute habe ich einen langen, beschwerlichen Weg geschafft und kann voller neuer Energie sagen: "Mir geht es gut"!!

Herzliche Grüße
Malaica
 
Qualifikation
exam. Krankenschwester/Studentin der Pflegepädagogik
Fachgebiet
KH, Innere Medizin
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