Burn-Out

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S

Susi80

Neues Mitglied
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12.09.2007
87435
Hallo an alle,

ich habe mich soeben angemeldet und hoffe, bei Euch Hilfe zu finden. Ich bin selbst nicht in der Pflege tätig aber mein Freund. Er ist exam. Altenpfleger arbeitet aber seit mehr als 2 Jahren auf einer Station mit Wachkomapatienten. Das ist an sich auch nicht das Problem, auch wenn dies körperlich anstrengender ist als auf einer Station mit alten Menschen. Doch der Umgang mit den Mitarbeitern ist ein Grauen. Das Heim ist in der Gegend als eines der Besten bekannt und es herrschen Zustände die ich einfach nur unter aller Kanone finde. Es gibt auf der Station eine Elite, die z.B. ihre Dienste nach Wunsch haben, das ist natürlich nicht ofiziell, aber mit der Zeit bekommt man das ja mit. Einige wenige bekommen jeden Monat ihre Nachtwachen, andere nie, mein Freund hat nur eine 75%-Stelle, ist aber diesen Monat schon über einer 100%-Stelle. Sagt er was, krieg er es bei der nächst besten Gelegenheit wieder reingedrückt. Die Stationsleitung spielt ihre Macht voll aus. Für mich ist das Mobbing, aber was kann man nur tun, ohne, dass es wieder zu einem selbst zurückfällt. Die HL weiß Bescheid, aber es passiert nichts. Es spielt einfach immer auch die Angst mit, dass alles gegen einen selbst gerichtet werden kann. Wenn man sagt man ist überlastet würde dies ja heißen, er ist nicht belastungsfähig. Und das stimmt einfach nicht, mein Freund ist nicht faul und er ist auch belastbar - aber jeder Mensch hat seine Grenzen. Neuerdings bekommt er regelmäßig Anrufe wo er in seinen freien Tagen in Dienst beordert wird, ohne zu fragen, sonder mit dem Zusatz: "Du MUSST kommen..". Nun ist es so weit gekommen, dass er psychisch einfach am Ende ist und seinen Frust mit nach Hause bringt. So bin ich wiederum das kleinste Glied an der Kette und bin inzwischen total überfordert. Er fühlt sich nicht verstanden und ich weiß nicht, wie ich ihm helfen kann. Und das wirft er mir inzwischen schon vor. Er hat sich vor kurzer Zeit ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen, da er schon länger vorhat die Stelle zu wechseln aber es fehlt ihm sogar der Antrieb Bewerbungen zu schreiben. Ich habe ihm sogar alles schon vorbereitet nur das Anschreiben fehlt noch aber es geht nichts vorwärts. Und wenn ich ihn antreiben möchte wird alles nur noch schlimmer.
So, jetzt habe ich Euch zu meinem Auftakt hier erst mal richtig vollgetextet, aber ich weiß im Moment wirklich nicht wohin damit. Alles reden macht es noch schlimmer, denn alles was ich sage ist sch... und sage ich nichts wird es mir als Desinteresse ausgelegt.
Hat von Euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Viele Grüße

Susi
 
Qualifikation
Studentin
Fachgebiet
keine Angabe
M

max biaggy

Mitglied
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11.05.2007
39218
Hallo Susi !
Natürlich bringt dein Freund seine Probleme mit nach Hause weil er auf Arbeit keinen hat,mit dem er reden kann.
Ich habe gerade so ein Thema abgeschlossen; ich war 20 Jahre in dem Haus beschäftigt wo ich auch gelernt habe, davon die letzten 9 Jahre auf einer med. ITS. Es war so eine Hierarchie und so ein Machtkampf auf dieser Station, das ich nachher einfach nichts mehr ertragen konnte, nur noch mieß gelaunt war, keinen Antrieb mehr hatte irgendetwas mit meiner Freizeit zu unternehmen und mich mit vielen meiner Freunde verzankt habe.
Das war eine verfahrene Kiste, einerseits sind wir auf meinen, dort sehr guten Verdienst angewiesen andererseits war ich nicht mehr ich selbst und bin nur noch mit Grauen zur Arbeit gegangen.
Eine sehr gute Freundin von mir hat mir dann mehr als deutlich gesagt, dass ich mich endlich von diesem Mistjob befreien soll,und endlich mal an mich und den Rest um mich herum denken soll.
Es hat dann noch eine ganze Weile gedauert bis ich endlich den Mut gefunden habe,noch mal beruflich neu anzufangen, aber ich hab es getan; Ich habe meinen unkündbaren Job gekündigt und habe woanders angefangen.
Momentan sieht es so aus, als ob es die beste Entscheidung seit langem war, die ich getroffen habe. Ich habe nämlich erst am01.09. dort angefangen. Die neue Arbeit macht mir totalen Spaß und auch privat wendet sich alles wieder zum Guten:thumbsup2: .
Ich will damit nur sagen, das dein Freund sicherlich noch Zeit braucht um mit sich ins Reine zu kommen. Aber wenn nichts mehr geht, wird er seine Entscheidung treffen. Du kannst nur soviel tun, indem du immer wieder seinen Ärger anhörst, deine Meinung sagst, ohne ihn unter Druck zu setzen und ihm beistehst. Ich glaube das braucht er am meisten.
Ich wünsch dir ganz viel Glück das ihr beide das meistert:eek:riginal: .
Gruß max
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
ehem.ITS jetzt amb.Pflege
S

Susi80

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
12.09.2007
87435
Hallo Max,

danke für Deine Antwort und Deinen Tips! Ich werde versuchen sie zu beherzigen, und möchte für ihn da sein. Aber wie Du schon sagst, es muss was passieren. In diesem Haus gibt es keine Zukunft für ihn, sonst geht er kaputt. Heute haben sie ihn nachmittags außer Plan für die Nachtwache geholt. Wir können nichts mehr planen. Ich bin nicht böse deswegen auf ihn ich krieg ja alles hautnah mit. Es ist ein ewiger Teufelskreis und die Probleme ansprechen bringt dort nichts außer neue Probleme. Es ist traurig aber leider wahr!
Aber nochmals Danke für Deine aufbauenden Worte, das hat mir Mut und Hoffnung gemacht.

Liebe Grüße

Susi
 
Qualifikation
Studentin
Fachgebiet
keine Angabe
T

Traurig

Neues Mitglied
Basis-Konto
11.09.2007
59425
Hallo Susi!
Was Deinem Partner da passiert gibt es soooooooo oft. Meinem Mann ging es ähnlich. Zwar ist er Handwerker aber das ist ja egal. Die, von denen so etwas ausgeht sind in der Regel selbst zu sehr unter Druck (den sie dann an die nächsten weitergeben) und es fehlen soziale Kompetenzen. Es fehlt an Zeit und Geld, um aus "Zusammenarbeitern" ein "Team" zu machen. Leider ist in den Chefetagen immer noch nicht angekommen, dass gute Arbeitsverhältnisse um ein vielfaches mehr motivieren als Druck und Stress. Man fühlt sich so machtlos! Und wenn man dann geht, weil man es nicht mehr aushält, ist man auch noch der Looser. Bei meinem Mann war es so, dass er wegen NICHTS angebrüllt wurde (!!!2007!!!), oder der Chef immer mehr und immer mehr Leistung verlangt hat. Arbeitswochen mit 60 - 80 Stunden waren keine Seltenheit. Wir wollten eine andere Stelle suchen, aber es kam anders. Der Chef brüllte rum, mein Mann BRÜLLTE ZURÜCK (total untypisch), es gab ein verbales Gefecht, dass dann aber plötzlich zu einem zwar emotional geladenen aber guten Gespräch geworden ist. Die beiden haben sich getrennt, 2 Tage später wieder zusammen gesetzt und noch mal ruhig besprochen (geht doch!), wen was an dem anderen stört und was man ändern konnte. Das Ende vom Lied war dann, dass der Chef vor finanziellen Sorgen und Angst gar nicht mehr in der Lage war, klar zu denken. Jetzt ist es (und darüber sind wir super glücklich) so, dass er meinem Mann Kompetenzbereiche übergeben hat, um die er (der Chef) sich jetzt nicht mehr selbst kümmern muss und sich auf die wirklich wichtigen Bereiche konzentrieren kann. Die finanzielle Situation ist dadurch noch nicht besser geworden, aber meinem Mann macht die Arbeit wieder Spaß, seine Mitarbeiter sind froh, einen ruhigeren und vor allem fairen Vorgesetzten zu haben und bei uns zu Hause hat sich auch alles wieder normalisiert. So etwas ähnliches Wünsche ich Euch auch! Vielleicht habt Ihr die Möglichkeit, eine andere Stelle zu suchen dann einen Versuch zu starten, mit den Vorgesetzten ein offenes Gespräch zu führen, um vielleicht doch dort so viel zu verändern, dass die Arbeit Deinen Partner wieder ausfüllt. Wenn er einfach geht, bekommt ein anderer seine Stelle und dem wird es genau so ergehen. Viel Glück! Sonja
 
Qualifikation
Angehörige
Fachgebiet
Enkelin
K

kleine.hh

Neues Mitglied
Basis-Konto
13.09.2007
22149
Hallo,
ich hatte vor 4 Jahren durch Mobbing und Dauernachdienst auf einer Dementenabteilung ein "Burn Out",nach einer 6 wöchigen psychosomatischen Reha wieder voller Tatendrang.
Habe dann den Wohnbereich gewechselt,der überwiegend aus nicht dementen Bewohnern bestand und war bis Januar dort sehr zufrieden,.Im Januar wurden alle, bis dahin staatlichen Pflegeheime an die "Vitanas" Gruppe verkauft,seit dem ist das Arbeiten ein Graus,keine Zeit mehr für die Bewohner,keine Küchenhilfe, an Pause für uns nicht mehr zu denken und teils unsinniger Dokumentation bis zum abwinken, das alles mit 2 Pflekräften für 33 Bewohner.Ich habe nun mein Rückkehrrecht in Anspruch genommen,in den Öffendlichen Dienst zurückzukehren und somit zwangsläufig meinen Beruf, den ich 29 Jahre mit Liebe ausgeübt habe, aus Frust damit an den Nagel gehängt. Ich hoffe nun die "letzten" 20 Jahre eine sinnvolle Betätigung zu finden.
Frust macht krank,das sollte man sich vor Augen halten und notfalls das Betätigungsfeld wechseln!
 
Qualifikation
ex. Altenpflegerin
Fachgebiet
Schichtleitung Pflegefachkraft
S

Susi80

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
12.09.2007
87435
Hallo Ihr Lieben!

Vielen Dank für Eure Worte! Oh ja, Stress macht krank, das schlimme am psychischen Stress ist, je weiter man da reingerät um so schwieriger ist es, da wieder raus zu kommen. Deshalb müssen wir (er) jetzt auch unbedingt die Notbremse ziehen. Ich bin auch froh, dass er dies erkannt hat! Das ganze Haus ist dort in Unruhe, es wurde neu gebaut die Kosten sind immens und alle Köpfe sind nur noch darauf ausgelegt..! Traurig, vor allem weil es immer auf Kosten den Kleinsten ausgetragen wird und das sind die MA und letztendlich ja auch die Bewohner. Zuhause hat sich die Situation ein wenig entspannt, haben gestern alle Unterlagen sortiert und werden heute Bewerbungen schreiben, endlich! Dann hoffe ich doch sehr, dass sich bald alles ein wenig zum Positiven ändert.

Vielen Dank noch mal für all die aufbauenden Worte, das tut gut!

Viele liebe Grüße

Susi
 
Qualifikation
Studentin
Fachgebiet
keine Angabe
A

Audry

Neues Mitglied
Basis-Konto
05.10.2007
49843
Mann, das ist ja wirklich heftig über welche Erfahrungen hier berichtet wird...da weiß man dann erst, wie gut es einem selbst geht!
Ich möchte dir, SUSI80 sagen das ich sehr froh bin, dass du deinen Freund wo es nur möglich ist unterstützt das kann er jetzt sehr gut gebrauchen! Mich würde interessieren wie die ganze Geschichte sich bis jetzt entwickelt hat, ob es schön evtl. Lösungen für dieses Problem gibt!?!

Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft, und dass dein Freund vielleicht eine andere (BESSERE) Stelle angeboten bekommt wo er dann wieder spürt, dass Altenpflege auch sehr viele gute und schöne Seiten hat! (Da spreche ich aus eigener Erfahrung!)
 
Qualifikation
exam. Altenpflegerin
Fachgebiet
stat. Altenpflege
S

Susi80

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
12.09.2007
87435
Hallo Audry,

momentan schaut es so aus, dass Bewerbungen laufen. Da wir nicht weit von der Grenze zur Schweiz wohnen möchten wir den Sprung wagen und dort einen Neu-Anfang machen. Das erste Vorstellungsgespräch steht schon bald an....! Wir wären dann zwar wieder räumlich getrennt für eine Weile aber die Arbeit muss einfach stimmen, ist einfach extrem wichtig.
Die Arbeit in der Altenpflege macht er im prinzig auch gerne und eigentlich finde ich es auch nur traurig, wie in manchen Heimen mit dem Personal umgegangen wird und vor allem deren Potenzial nicht genutzt wird, eigentlich schon dumm wenn man die Mitarbeiter ausbremst anstatt sie zu motivieren. Und alles nur um die eigene Macht auszuspielen. Nun ja, in diesem Heim wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Deshalb ist die innere Kündigung auch schon eingereicht. Jetzt heißt es noch ein wenig durchhalten und hoffen, dass sich schnell was anderes ergibt.
Aber schön zu hören, dass es doch auch noch andere Heime gibt, war schon fast der Meinung, dass dies schon der Normalfall ist.

Viele Grüße
 
Qualifikation
Studentin
Fachgebiet
keine Angabe
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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