Burn out und Einspringen

Bernd-Kl

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Moin,

wenn ich den Beitrag über Burn out lese und als eine der großen Ursachen immer wieder das Einspringen für kranke Kolleginnen und Kollegen aufgeführt wird, bringt mich das auf folgenden Gedanken:
Ein Haus mit 90 Plätzen und pi mal Daumen 60 Mitarbeiter/innen (inkl. Teilzeit).
Wenn nun immer 2, 3 oder von mir aus auch 4 Kolleg/innen abwechselnd eine Woche "Einspringdienst" (mir fällt nicht besseres ein) gehen, könnten die anderen absolut sicher sein, dass sie in diesen Wochen, in denen sie keinen "Einspringdienst" haben, auch nicht gerufen werden.
Ich habe das noch nicht zu Ende gedacht, doch ich könnte mir vorstellen, dass so eine Regelung zur Entkrampfung beitragen könnte.
Wie seht Ihr das? Und vielleicht gibt es das ja auch schon und wie funktioniert das bei Euch?

Gruß

Bernd d.R.
 
Qualifikation
Heilerzieher/Krankenpfleger
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Im Ruhestand
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dieKathi

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Hallo Bernd,

so ähnlich läuft es bei uns.
Wir haben zwar weniger Bewohner und auch entsprechend weniger MA, aber krank wird bei uns auch allenthalben jemand. ;)

Es ist dann bei uns so, dass die MA, die sowieso Dienst haben, einspringen für den erkrankten Kollegen. Das bedeutet dann z.B. Dienst von 6 - 9 und zusätzlich von 15 - 20 Uhr obwohl man keine Doppelschicht gehabt hätte oder eine Nachtbereitschaft vom Abend vorher bis zum Morgen, weil man sowieso von 6 - 9 Uhr Dienst hätte.

Die maximale Höchstarbeitszeit wird bei uns nicht bei allen täglich erreicht, da unsere Bewohner von 9 - 15 Uhr außer Haus sind. Und Doppelschichten kommen auch regulär vor, weil viele sonst nicht auf ihre Stundenzahl kommen.

An Wochenenden, wenn die Bewohner den ganzen Tag betreut werden, werden die sonst üblichen Arbeitszeiten anders aufgeteilt, teilweise verlängert, so dass niemand zusätzlich kommen muss.

Wenn man einspringt, arbeitet man u.U. schon einige Tage am Limit.

Aber dafür hat jede/r den unschätzbaren Vorteil, dass freie Tage auch wirklich immer frei bleiben.
Und die maximale Anzahl an Arbeitstagen liegt sowieso bei 6 oder 7 hintereinander, dann hat man auf jeden Fall frei.

Ich bin jetzt seit gut 2 Jahren in der Einrichtung und bisher hat es immer gut geklappt so.

Viele Grüße,
dieKathi
 
Qualifikation
Wohnheimbetreuerin / Krankenschwester
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Behindertenwohnheim
Bernd-Kl

Bernd-Kl

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Hallo Kathi,

ich habe ja mit beiden Bereichen zu tun, also Wohnheim für Menschen mit geistiger Behinderung (zuzüglich Tagesförderung und Arbeitsbereich) und Senioren (Seniorenheim und 18 Wohneinheiten betreutes Wohnen).
Mir fällt auf, dass solche Dinge, wie Du sie schilderst, in Einrichtungen der Behindertenhilfe im Kollegium leichter umzusetzen sind (auch wenn sie nicht völlig den gesetzl. Bestimmungen entsprechen), als in Senioreneinrichtungen.
Warum das so ist, konnte ich bis jetzt allerdings nicht endgültig klären.
Gruß und frohes Schaffen

Bernd d.R.
 
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Heilerzieher/Krankenpfleger
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Katta

Katta

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Hallo Bernd,
ich denke du meinst sowas ähnliches wie Bereitschaftsdienst, das ist im Prinzip eine gute Idee finde ich. So wird man auf jeden Fall verschont, wenn man gerade nicht dran ist.
Bei uns wird abgewechselt und man kann auch jederzeit "nein" sagen, natürlich nicht immer. Da wir aber nicht überstrapaziert werden ist das für fast keinen Kollegen ein Problem einzuspringen, zumindest bei uns auf dem WB.
Grüße von Katta:eek:riginal:
 
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Sittichfreundin

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Das wäre eine Rufbereitschaft. Offiziell führen das die Arbeitgeber wahrscheinlich deswegen nicht gern ein, weil Rufbereitschaft eigentlich auch bezahlt werden muß, wenn sie angeordnet wird. Lieber setzen die AG auf "freiwilliges Einspringen", einige allerdings über jedes normale Maß hinaus, teilweise verbunden mit Drohungen bis hin zur Nötigung. Einige, wohlgemerkt, nicht alle.
 
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Krankenschwester
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M

Mulder

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einige meiner Kollegen hatten so etwas ähnliches (hauptsächlich für Nachtschicht) auch schon mal vorgeschlagen, was aber abgelehnt wurde. Begründung war, daß dieser Bereitschaftsdienst ausgenutzt werden könnte.
 
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Bernd-Kl

Bernd-Kl

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Das wäre eine Rufbereitschaft. Offiziell führen das die Arbeitgeber wahrscheinlich deswegen nicht gern ein, weil Rufbereitschaft eigentlich auch bezahlt werden muß, wenn sie angeordnet wird. Lieber setzen die AG auf "freiwilliges Einspringen", einige allerdings über jedes normale Maß hinaus, teilweise verbunden mit Drohungen bis hin zur Nötigung. Einige, wohlgemerkt, nicht alle.
Moin,

ich weiß, dass mit dem angeordneten Bereitschaftsdienst könnte ein Problem darstellen - muss es aber nicht.
Ich würde so etwas zunächst einmal auf freiwilliger Basis inizieren, nach dem Motto: Hilfst Du mir, helfe ich Dir.
In einer Wohnbereichsbesprechung würde ich als PDL/WBL zunächst das Modell vorstellen und sagen: "In der ersten Woche des Monats wirst Du Kollegin X garantiert nicht angerufen, wenn jemand ausfällt und in der 2. Woche wirst Du Kollegen Y garantiert nicht angerufen und in der dritten Woche des Monats wirst Du Kollegen Z bestimmt nicht angerufen."
Und nun kommt es: "Wer möchte denn in der 4. Woche des kommenden Monats ein garantiertes Frei haben?"
Mein Gedanke ist: Wer sich weigert, den Kolleginnen X,Y und Z dieses garantierte Nichteinspringenmüssen zu gönnen, kann natürlich dann für die 4. Woche nicht die Hand heben.
Als WBL würde ich das an der HL, der PDL und am Betriebsrat vorbei als private oder persönliche Vereinbarung des Kollegiums meines Wohnbereiches verkaufen, welche keiner Zustimmung bedarf, denn es wird ja nicht festgelegt wer gerufen wird, sondern wer garantiert NICHT gerufen wird.
Unterm Strich kommt das zwar auf das Gleiche raus, aber es ist eben kein angeordneter Bereitschaftsdienst.

Gruß

Bernd d.R.

PS: Dazu eine Anzeige aus einer norddeutschen Lokalzeitung:

"Hiermit nehme ich meine Behauptung, dass 50 % der Lehrer an unserer Schule nichts taugen, mit Bedauern zurück und entschuldige mich.
50 % taugen doch etwas."
 
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rosi.b

rosi.b

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Sehr gute Überlegung....
 
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Manu5959

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Hallo Bernd,

in der Tat eine sehr gute Überlegung:wink: !

Grüßle Manu
 
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Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
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ferdi

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Hallo Bernd,

vor gut 5 Jahren habe ich mich im ambulanten Pflegedienst dafür stark gemacht, hat auch gut geklappt.
Dann kam eine neue PDL und ich wurde versetzt, heute ist alles beim Alten.
Seit einem Monat bin ich zurückversetzt, eins schwöre ich dir , das führ ich wieder ein.
Ich lass mich nicht mit Druck aus dem Frei holen. Bin aber bereit an meinem Dienstwochenende Doppeldienst zu machen, damit keiner aus dem Frei kommen muss, oder bei längerem Frei (Freitag bis Dienstag) an Tag Y zur Verfügung zu stehen.
Das hab ich mir für die Teamsitzung diese Woche vorgenommen.

Lange Rede kurzer Sinn!
In wieweit kann man ins Stationäre übertragen?
Dein Beispiel 60 Mitarbeiter da zählen aber auch Verwaltung, Hauswirtschaft, Hausmeister usw zu.

Ansich ist deine Idee super nur wie man aus den meisten Beiträgen hier erlesen kann krankt der Notstand im Stationären an akutem Personalmangel.

Zu meiner Heimzeit halfen sich die Wohnbereiche bei Krankheit eines Kollegen untereinander.

ferdi
 
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dieKathi

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Mir fällt auf, dass solche Dinge, wie Du sie schilderst, in Einrichtungen der Behindertenhilfe im Kollegium leichter umzusetzen sind (auch wenn sie nicht völlig den gesetzl. Bestimmungen entsprechen), als in Senioreneinrichtungen.
Hallo Bernd,

kannst du mir sagen, was daran nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht?
Wenn du damit quasi unbezahlte Rufbereitschaft meinst, ja, da gebe ich dir Recht.

Aber wir haen ja keine Rufbereitschaft - es steht niemand grundsätzlich parat, um im Falle einer Krankheit einspringen zu müssen. (Da unterscheidet sich unser System von dem von dir hier genannten.)
Der Dienstplan ist verbindlich und wird nur im konkreten Krankheitsfall nach Absprache verändert. Unser Chef fragt, wer einspringen kann - und wenn er niemanden findet, kommt er durchaus auch selbst zum Gruppendienst, auch am Sonntag.
Außerdem haben wir einige Aushilfskräfte bzw. geringfügig Beschäftigte, die auch kurzfristig angefragt werden können.

Und normalerweise wird auch durch das Einspringen die im Arbeitszeitgesetz zulässige Höchstarbeitszeit nicht überschritten. (Kann hin und wieder mal vorkommen, wir haben aber eine Dienstvereinbarung, welche die im Gesetz genannten Grenzen in solchen Fällen maximal ausnutzt - nach arbeitsmedizinischer Befragung und Beratung der Mitarbeiter zwischen MAV und Dienstgeber geschlossen.)


Übrigens: Deine Formulierung finde ich klasse! Nicht Problem- sondern absolut positiv Lösungsorientiert gestellt, deine Frage. :thumbsup: Gewußt wie - davon kann man viel lernen!


Zu meiner Heimzeit halfen sich die Wohnbereiche bei Krankheit eines Kollegen untereinander.
Hallo ferdi - ja, so läuft es bei uns auch. Wir arbeiten dann verstärkt gruppenübergreifend.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Wiedereinführung des alten Systems!

Viele Grüße,
dieKathi
 
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Wohnheimbetreuerin / Krankenschwester
Fachgebiet
Behindertenwohnheim
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