Burn out mal von einer anderen Seite betrachtet

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haus maranatha

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Burn out hat heute fast jeder. Scheint mir eine Modeerscheinung zu sein. Die Belastbarkeit des modernen Menschen ist wohl nicht mehr die gleiche wie vor rd. 60 Jahren. Da haben die sog. Trümmerfrauen bis zur Erschöpfung den Schutt des Krieges beseitigt. Wäre da jemand gekommen mit burn out, hätten sie nur den Kopf geschüttelt.

Aber wenn man nichts anderes mehr hat, als sich selbst zu bemitleiden - ja dann braucht man sowas. Noch sind wir ja nicht so weit wie in Amerika, wo fast jede Frau und fast jeder Mann seinen eigenen Psychiater hat, der die Wehwehchen bestätigt. Spült das doch jede Menge Kohle in seine Kasse. Auffällig ist nur, daß sowohl diesseits wie auch jenseits des großen Teiches jene davon geplagt sind, die in der wohlhabenderen Gesellschaftsschicht zu finden sind.

Ob da wohl ein Zusammenhang besteht?

Das will nun nicht heißen, daß es tatsächlich ausgebrannte Menschen gibt. Fragt man, woran das liegen könnte, sind selbstverständlich immer die anderen Schuld daran. Kaum einer kommt auf die Idee, daß man aus einem Topf immer nur so viel heraus holen kann, wie drin ist. So kann man die Menschen getrost in zwei Gruppen aufteilen:

1. die Zisternenmenschen. Sie schöpfen aus einem Vorrat, der mit der Zeit immer weniger wird und schließlich ganz versiegt. Je mehr das Wasser zur Neige geht, um so trüber wird es. Das Ende ist der Burn out, sie sind ausgebrannt. Da habe ich schon einige kennen gelernt, die sagten: Ich möchte so gerne ... aber ich kann nicht mehr ... Da kann man nur den Rat geben: Such eine Quelle! Dort bekommst du neue Kraft.

2. die Quellemenschen. Sie haben einen unsichtbaren Zufluß. Je mehr sie abgeben, um so mehr fließt nach. Je freier der Lauf der Quelle ist, um so frischer und klarer wird das Naß. Bei ihnen wartet man vergeblich auf einen Burn out. Kommt ein Wanderer, der durstig ist, dann können sie fröhlich sagen: Setz dich, ruh dich aus und trinke, so viel du willst. Es ist genug vorhanden. Du darfst sogar mitnehmen, soviel du tragen kannst.

Hat nicht vor langer Zeit mal jemand gesagt:

Zitat:
Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken! Wer mir vertraut wird erfahren,was die Heilige Schrift sagt: Wie ein Strom wird lebenschaffendes Wasser von ihm ausgehen.
"Ausgebrannt sein" ist kein unabwendbares Schicksal. Sicher ist nur daß jene, die keine Verbindung zur Quelle haben, in der Gefahr stehen, einmal ausgebrannt zu sein.

Die Frage ist, zu welcher Gruppe gehört der Einzelne?

Johannes
 
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Ich fühle mich hier ganz schön provoziert von deinem "sch...heiligem" Gerede.
Trotzdem versuche ich ruhig zu bleiben und mich nicht allzu sehr aufzuregen.
Es scheint wohl nur schon eine ziemliche Zeit herzusein, seit du als "normaler" Altenpfleger gearbeitet hast. Jetzt sitzt du in der Leitung und kannst solche Reden schwingen.
Echt klasse, ich merke ich rege mich doch sehr auf.
Ich höre lieber auf hier noch etwas dazu zu schreiben, sonst werde ich doch noch sehr beleidigend.
PS. Wahrscheinlich sind solche Leute der Grund warum ich schon vor langer Zeit aus der Kirche ausgetreten bin
 
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Johannes, ich empfinde Deine Auslassungen als Frechheit.

Mein Partner ist nach vielen Jahren 60 h (und mehr) wöchentlicher Arbeit von burn out betroffen gewesen. Nun, wieder gesund, sitzt er mit Hartz IV da.

Dem hilft kein frommes Gerede. Und den anderen Betroffenen auch nicht.

Wenn Du wirklich Christ bist, sollte Dir Matth. 7,1 ein Begriff sein.

Joh. 8,7 ist auch so eine Stelle.

Ansonsten - so, wie heute in der Altenpflege zumindest in dem Heim geschuftet wird, in dem ich arbeite, wundere ich mich über jeden, der davon nach einigen Jahren nicht ausgebrannt ist.
 
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haus maranatha

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Nun mal langsam.

1. arbeite ich noch regelmäßig in der Pflege mit. Und das seit 18 Jahren. Reicht das? Des weiteren ist mein Arbeitstag immer noch länger als der eines jeden "normalen" Altenpflegers. Ich brauche also keine Reden schwingen, das überlass ich anderen. Ich arbeite und denke nach. Ich suche nach Lösungen und Wegen. Kannst dich also wieder beruhigen.

2. worüber regt ihr euch denn auf? Daß Modeerscheinungen hinterfragt werden? Klar, wer betroffen ist, wer ausgebrannt ist, hat nichts zu lachen. Aber ist es deswegen ehrenrührig, Auswege aufzuzeigen? Wer sich um sich selber dreht, ist in der Regel ein Kreisel, hat man mir mal erzählt. Scheint wohl was dran zu sein.

3. was soll das Gerede von Scheinheiligkeit? Hast du bereits die Probe aufs Exempel gemacht? Scheinheilig scheinen mir eher jene zu sein, die sich auf ihre eigene Kraft verlassen. Da gilt wohl eher der altbekannte Spruch: Wer sich auf Menschen verläßt, der ist verlassen! Das bezieht sich auch auf die eigene Person.

4. daß frommes Gerede nichts hilft und nützt, ist ja wohl klar. Darum geht es auch nicht. Noch mal nachlesen, könnte weiter helfen! Vielleicht kommt ja beim zweiten Mal die Erleuchtung?

5. Was soll der Verweis auf Matth. 7,1? Eine Situation beim Namen nennen und Auswege aufzeigen hat damit wohl kaum etwas zu tun, oder?

Der Verweis auf Joh. 8,7 ist noch haarsträubender. Wurde da nicht ein Mensch vorsätzlich in eine Falle gelockt und als Köder für Jesus hingeworfen? Den Zusammenhang mit meinen Ausführungen mußt du dann aber näher erklären.

Wenn ihr mir nicht mehr vorzuwerfen habt, als daß ich die Augen auf mache und 1 und 1 zusammenrechne, kann ich gut damit leben. Ich werde auch in Zukunft meine Augen offen halten.

Letztendlich: ich lasse gewiß niemand schuften. Ich unterscheide zwischen Arbeit und Maloche. Darum schaffe ich unter den gegebenen Rahmenbedingungen die Voraussetzungen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Das müßt ihr aber nicht glauben. Kommt her und überzeugt euch. Vielleicht redet ihr anschließend anders.

Nun wünsche ich noch geruhsame Feiertage.

Johannes
 
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Weißt du was dich vor dem Burn Out schützt? Die Aussicht auf das Rentenalter das bei dir nicht mehr weit entfernt ist. Für alle die, die wesentlich jünger sind, ist die heutige Arbeit in der Pflege nur noch frustrierend. Was hilft es Lösungen zu suchen wenn die hausgemachten Problem des Gesundheitssystems nicht mehr zu lösen sind?

Wir haben alle einmal diesen Beruf ergriffen, um uns um kranke und alte Menschen zu kümmern. Und was ist aus unserem Beruf geworden? Akkordarbeit, die armen Menschen werden wie am Fließband abgefertigt. Zuwendung ist ein Fremdwort geworden. Zeit ist das Zauberwort, aber nicht im positiven Sinne. Zeit haben für allen möglichen Kram aber nuja nicht für die eigentliche Aufgabe, unsere Schutzbefohlenen umfassend zu pflegen.

Dein Beispiel mit den Trümmerfrauen hinkt auch gewaltig. Das Hauptproblem der Überlastung liegt heutzutage darin, das man immer einen Haufen an Aufgaben gleichzeitig erledigen sollte. dafür ist der Mensch nicht geschaffen. Das macht ihn auf Dauer kaputt. Wir müssen Akkordarbeit leisten mit einem völlig unberechenbaren "Arbeitsmaterial". Leider wird das überhaupt nicht berücksichtigt. Klar kann ich in einer Stunde eine berechenbare Menge Apfelsinenkisten stapeln, denn die halten still, haben keinen eigenen Willen und keine eigenen Wünsche. Menschen wie Apfelsinenkisten zu behandeln ist für mich absolut menschenverachtend. Außerdem finde ich es einfach nur impertinent, wenn man völlig unvergleichbare Arbeitsleistungen (Trümmerfrauen - Pflegepersonal) so vergleicht um Druck aufzubauen.

Zum Glück bin ich auch keine 25 mehr und muß noch auf eine unendliche Anzahl an Arbeitsjahren schauen.
 
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SvenJ

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Sorry, aber ich finde das wirklich unglaublich!!!
Aber der Eingangsthread sagt echt alles. "mal von einer anderen Seite". Selbst wenn Du für perfekte Arbeitsbedingungen sorgen solltest spiegelt doch eine Einrichtung nicht die Realität in der Pflege in Gesamt Deutschland wieder.
Auch ich kenne die andere Seite. Klar man macht sich Gedanken, arbeitet an Stunden wesentlich mehr... Hat ja ach so viel Verantwortung.... und dann noch die ganzen Termine, meetings...... Schon klar. Fand ich aber im Gegensatz zum normalen Stationsalltag schon eher gemütlich.
Wieso verurteilst Du etwas, was nur einen modernen Begriff bekommen hat? Früher gab es sowas doch auch. Das der Mensch in Extremsituationen zu besonderer Stärke in der Lage ist weiss wohl jeder. So wie damals die Trümmerfrauen, oder heute die Pfegekräfte, die die Trümmer unseres Gesundheitssystems ertragen müssen!!!
Und auch die Trümmerfrauen waren dann vereinzelt am Ende. Heute würde man sagen klar das war ein burn out!
Ich würde mir wirkich gerne mal das Haus Marantha ansehen. Nur selbst wenn ich dort relaxte Mitarbeiter vorfinde, denen Du vorsichtig Wasser, oder Kaffee aus Deiner Quelle gibst ist das nicht die Pflegerealität.
Ich selbst arbeite nicht mehr in Altenheimen, weil ich weiss, das auch ich irgendwann ausgebrannt wäre. Weniger wegen der harten Arbeit, sondern vielmehr wegen dem unguten Gefühl nicht das genacht zu haben, wieso ich diesen Beruf ursprünglich mal erlernt habe.
Vielleicht hilft es Dir ja einfach mal 2-3 Monate kontinuierlich "an die Front" der Pflege zu gehen, als ganz normaler exam. Pfleger. Ohne den Status einer Leitung. Vielleicht geht Dir dann ein Lichtlein auf.
Apropos Lichtlein: Frohe Weihnachten!
Gruß Sven
 
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SvenJ

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Nachtrag:
Habe mir jetzt mal die Website vom Haus Marantha angeshen. Ok, also ca. 17 Betten. Hm, da kannst Du ja wirklich mitreden. Das ist nämlich so ca. das was ich so an Bew. Im Heim versorgen durfte.
Witzig fand ich den Bereich : wer ist wer im Haus Marantha. Es zeugt nicht gerade von besonders hoher Wertschätzung der Mitarbeiter nur und ausschliesslich sich selbst darzustellen :)
Mal wieder ein kleiner Disput zwischen Theorie und Praxis in engem Verbund mit ein wenig Betriebsblindheit?
Sorry, das ich so provokant schreibe, aber sensibel ist der Anfang hier auch nicht gerade!
 
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haus maranatha

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Richtig, der erste Beitrag hat das Potential, zu provozieren.

@stern

es kann durchaus sein, daß ich noch länger in der Pflege arbeiten werde, als Du. Aber mach Dir nichts draus, das hab ich ja so gewollt.

Du schreibst:

"Wir haben alle einmal diesen Beruf ergriffen, um uns um kranke und alte Menschen zu kümmern. Und was ist aus unserem Beruf geworden? Akkordarbeit, die armen Menschen werden wie am Fließband abgefertigt. Zuwendung ist ein Fremdwort geworden. Zeit ist das Zauberwort, aber nicht im positiven Sinne."

Das kann ich so nicht nachvollziehen. Akkordarbeit macht man in anderen Bereichen. In der Pflege gibt es seit 1995 ein Gesetz, das die von Dir beschriebene Akkordarbeit verbietet. Lies mal im SGB XI den § 28. Wenn sich - wie ich in früheren Jahren schon geschrieben habe - das Pflegepersonal an dieses Gesetz halten würde, gäbe es auch keine Akkordarbeit! Darum: Fangt an, gesetzestreu zu arbeiten! Dann braucht ihr keine Fussek und andere selbsternannte Weltverbesserer. Ihr, die ihr die Pflege macht, habt den Hebel in der Hand! Ihr müßt nur lernen, ihn zu bewegen.

Daß dazu Solidarität erforderlich ist, bleibt unbenommen. In Finnland kündigen die Pflegekräfte - haben sie zumindest angekündigt - wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Das brauchen deutsche Pflegekräfte nicht. Sie müssen nur das Gesetz ernst nehmen. Ist allemal einfacher und risikoloser.

Dann erledigt sich auch das Problem mit der fehlenden Zuwendung von alleine. Dann wird nicht mehr nach der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter gefragt, wie viele Alte werden in welcher Zeit abgefertigt. Das Gesetz fordert die Förderung der Fähigkeiten der Pflegebedürftigen. Genau das Gegenteil von dem, was derzeit gemacht wird. Und die Förderung der Fähigkeiten der Pflegebedürftigen schafft Raum für Zuwendung - das Gegenteil von dem, was Du beschreibst. Dann habt ihr auch wieder Zeit, Mensch zu sein. Dann wird Zeit wieder ein Zauberwort im Guten Sinne.

Wer nur auf seine Probleme sieht, versinkt in einem Teufelskreis, der ihn nach unten zieht. Wer auf Ziele sieht, die außerhalb seiner Person liegen, geht neuen Ufern entgegen. Statt einer Abwärts- kommt derjenige in eine Aufwärtsspirale.

Später mehr, jetzt erst mal einen winterlichen Spaziergang - frohes Fest

Johannes
 
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Aber wenn man nichts anderes mehr hat, als sich selbst zu bemitleiden - ja dann braucht man sowas.
Ach wie einfach ist doch das Leben und wie einfach ist doch die Welt. In zunehmendem Maße gibt es immer mehr Heilsverkünder in Deutschland - auch aus den USA rübergeschwappt?
Mensch Leute, mal ein bißchen mehr Kampfgeist, ein bißchen lebensschaffendes Wasser trinken, dann gehört man gleich zu den besseren, optimalen Quellenmenschen und nicht zur Kategorie der abgedrehten sich selbst bemitleidenden Zisternenmenschen, die krank am Grunde der Tonne rumdümpeln.
Hatten wir so etwas nicht schon einmal, dass die Menschen in 2 Kategorien eingeteilt wurden?
Sorry, für mich ist das Leben und die Menschen um mich herum etwas komplexer. Die Heilsverkünder provozieren gerne, mit dieser Taktik bleiben sie im Gespräch. Hoffentlich muss ich als alter Mensch nicht meine letzten Tage in einer Umgebung verbringen, wo man so etwas an mich hinsäuselt.
Gruß Sabine
 
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haus maranatha

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@SvenJ

Du hast Recht, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Doch wer hindert andere Schwalben am Fliegen? Die Realitäten sind wirklich nicht berauschend. Doch wer hindert Dich, wer hindert all die anderen daran, sie zu verändern? Darin sehe ich übrigens das Problem. Es wird zu viel gejammert und zu wenig gehandelt! Woraus nimmst Du Deine Erkenntnis, daß ich was verurteile? Einen Zustand beschreiben ist in meinen Augen etwas anderes. Nun, die Trümmerfrauen haben die Trümmer nicht ertragen, sie haben sie weggetragen. Das ist wohl was anderes. Genau das können auch die Pflegekräfte von heute, wenn sie sich denn aufraffen.

Nun gut, später weiter, jetzt sind erst mal wieder die Bewohner unseres Hauses dran.

Ja, früher gab es das auch, wie du richtig schreibst. Auch früher gab es tatsächlich Menschen, die nur aus sich heraus lebten, bis sie ausgebrannt waren und solche, die ihre Kraft aus einer Quelle holten. Diese wird es auch in Zukunft geben. Es geht mir jedoch nicht um "besondere Leistungen in Extremsituationen", wie du es darstellst sondern darum, daß sich Menschen wieder darauf besinnen, daß sie endlich sind und ihre Kraft nicht aus selber beziehen.

Du irrst, wenn du glaubst ich "reiche vorsichtig Wasser oder Kaffee aus meiner Quelle". Das wäre sehr naiv. Schließlich ist es nicht meine Quelle. Es ist eine Quelle, von der ich auch nur trinke, um im Bild zu bleiben. Ich kann nur einladen, von dieser Quelle zu trinken. Und trinken kann eben jeder, der will, soviel er will, so schnell oder langsam, wie er will. Da muß er mich nicht erst fragen. Du schreibst, daß du selbst nicht mehr in Pflegeheimen arbeitest. Schön für Dich. Ich arbeite noch in einem Pflegeheim. Und ich bereue es nicht. Und an der "Front" arbeite ich ebenfalls noch. Bin noch nicht weggelaufen.

Nun daß Du provokant schreibst - macht nichts. Ja, ich kenne den Pflegealltag mit 45 Bewohnern auf 3 Mitarbeiter aus eigener Erfahrung. Wenn Du die Wertschätzung meiner Mitarbeiter ansprichst - die präsentiert sich nicht zwingend auf einer, wie Du wohl erkennen konntest, noch nicht vollständigen Homepage. Meine Wertschätzung schlägt sich in den Arbeitsbedingungen nieder, die ich für meine Mitarbeiter schaffe. Sicher könnte ich - so wie Du es kennst - auch nur einen Mitarbeiter auf meine Heimbewohner einsetzen. Würde mein Einkommen sicher erheblich steigern. Ich mach es aber nicht. Ich beschäftige lieber mehr Mitarbeiter, damit sie so arbeiten können, wie das Gesetz es fordert. Aktivierend und nicht am Fliesband!

In diesem Sinne

Johannes
 
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SvenJ

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Lieber Johannes,
ich fasse also mal zusammen:
Die Pflegekräfte hier sind einfach zu schwach sich an Gesetze zu halten. Eigentlich ist alles so einfach. Ich gehe in ein Altenheim. Es ist Dienstbeginn... Ich sehe mir "meine" Besetzung an...stelle fest, das ich "Gestzestreu" nicht in der Lage bin eine adäqute Versorgung der Bewohner sicher zu stellen, nicht wahr?
Also gehe ich in den Keller und hole mir das Personal das ich zusätzlich bräuchte, denn das steht da immer so in Reserve rum. Und schwupp kann ich Gesetze einhalten:) Ich könnte auch stundenlang Überlastungsanzeigen schreiben. Bis jetzt ist immer noch kein Bewohner versorgt. Wie schnell ist nichts getan?
Nein Johannes, ich bin nicht geflüchtet, genau so wenig wie Du. Wir beide haben uns ein Arbeitsumfeld geschaffen, mit dem wir für uns leben können. Du halt als Leitung und ich in der 1:1 Betreuung. Und wir haben es dadurch beide ruhiger als die Kollegen und die Kolleginnen, die Tag für Tag mit den Gegebenheiten klar kommmen müssen.
Die Trümmerfrauen räumten die Trümmer weg, wozu die Pflege offenbar nicht in der Lage ist? Zeig uns "normalen Pflegekräften" doch einfach wie es geht. Und zwar unter realistischen Bedingungen!
Ich glaube,das Du einfach zu lange aus dem wirklichen Thema raus bist. Ich habe einen wahnsinnigen Repekt vor den Leuten, die unter den gegebenen Bedingungen so arbeiten können. Und wenn dann mal jemand von "denen" zusammen bricht sollte man das Wasser aus der "Quelle" reichen und nicht sagen, das sie es eigentlich selbst schuld sind. So verstehe ich Dich nämlich.
Ich hatte zum Glück die Möglichkeit viele Facetten der Pflege in ganz Deutschland kennen zu lernen. Und ich bin mir sicher, wenn Du das auch gemacht hättest würdest Du anders schreiben.
Deine Wertschätung der Mitarbeiter spiegelt sich also nicht auf der Homepage? Gut sie ist ja offensichtlich auch noch im Aufbau. Hier das Ergebnis einer Whois Abfrage :
Updated Date: 17-sep-2007
Creation Date: 13-jan-2001
Expiration Date: 13-jan-2009
Aber gut, Du verbesserst ja stetig die Arbeitsbdingungen Deiner Mitarbeiter. Da bleibt für solche "Kleinigkeiten" nun mal keine Zeit:)
Nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich glaube schon, das Du für gute und menschenwürdige Arbeitsbedinugen im Rahmen Deiner Möglichkeiten sorgst. Aber die sind nun mal leider sehr beschränkt. Und vor allem spiegelt sich darin nur und ausschliesslich Deine kleine Einrichtung wieder. Und diese entspricht nun mal nicht der Pflege in Deutschland.
Weiterhin besinnliche Weihnachten
Gruß Sven
 
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traveler

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Hallo Leute,

was ist denn hier los????????????
Ein Schreiber gibt einen Denkanstoss und alles fällt über ihn her!!!

Was anderes Drückt denn haus marantha aus als:
Der eigene Nabel ist nicht das Zentrum der Welt, schau über den Tellerrand hinaus. Vergiß nicht dich selbst zu Pflegen und achte darauf wo du selbst wieder auftanken kannst. Was ist daran falsch?

Alle die hausmarantha so beschimpfen müssen sich da sehr wiedererkannt haben - oder?

und svenJ: deinen Stil finde ich weit unter der Gürtellinie. Dies hier ist ein Diskussionsforum und nicht dazu da arrogant, unsachlich und beleidigend Teilnehmer zu beschimpfen.

Dieses Niveau sollten wir hier nicht pflegen, deshalb werde ich auch keinen Beitrag von dir kommentieren solange du deinen Stil nicht änderst.

@hausmanrantha: ich finde das einen sehr schönen Denkanstoß von dir - Danke.

Gruß renje
 
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SvenJ

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und svenJ: deinen Stil finde ich weit unter der Gürtellinie. Dies hier ist ein Diskussionsforum und nicht dazu da arrogant, unsachlich und beleidigend Teilnehmer zu beschimpfen.
Das tue ich mit Sicherheit nicht!!!!
Ich finde nur, das ein Denkanstoss, der sich darauf bezieht völlig realitätsfremde Lösungsnsätze zu bieten nicht haltbar ist.
Man kann sicherlich versuchen auf politischer Ebene was zu ändern und letztlich ist auch jeder gefragt im Pflegealltag das beste raus zu holen. Aber burn out als Modeerscheinung darzustellen und das mit dem Hinweis in Amerika sei es ja nomal das jeder seinen eigenen Psychater hätte empfinde ich als beleidigend. Es gibt nun mal zig Kollegen, die ausgebrannt sind. Das ist eine traurige Tatsache!
Und denen ist mit den "helfenden Worten" nun mal nicht geholfen!
Wieso brauchen wir eine Seite wie www.pflege-uns-reichts.de wenn die Lösung doch so einfach ist?
Und ich hätte sicherlich meinen Stil angepasst, wenn der Tenor nicht wäre, das die Mitarbeiter letztlich selbst schuld sein, da sie sich ja nicht genügend motivieren. DieTrümmerfrauen haben es ja auch geschafft! Alleine dieser Vergleich treibt mir eine Hypertonie in den frühen Morgen.
Ich geniesse jetzt mal lieber meinen Feierabend.
Gruß Sven
 
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haus maranatha

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Nun SvenJ,

Du magst dich wirklich besser darin auszukennen, wie man hinter die Geheimnisse des Internet steigt. Da hab ich wirklich keine Ahnung von. Meine Seite habe ich, wie Du ganz richtig feststellen konntest vor langer Zeit erstellen lassen. Das hast Du allerdings vergessen, ebenfalls mitzuteilen. In der Tat habe ich wichtigeres zu tun, als vorrangig die Website zu vervollständigen. Schließlich unterliege ich auch den Forderungen der Behörden.

Aber meine Internetseite ist ja auch nicht das Thema, oder? Vielleicht weichst Du deshalb darauf aus, weil zur Sache die Überlegungen nicht voran kommen? Habe ich etwas überlesen? Hast Du mir angeboten, meine Internetseite zu vervollständigen? Find ich Klasse. Wann kommst Du, um das zu verbessern, was Dir offensichtlich am Herzen liegt - meine Internetpäsenz?

Solltest Du Deine Zusammenfassung wirklich ernst gemeint haben, muß ich annehmen, daß Du rein gar nichts verstanden hast von dem, was ich geschrieben habe. Du irrst auch in deiner Aussage mich betreffend

"Nein Johannes, ich bin nicht geflüchtet, genau so wenig wie Du. Wir beide haben uns ein Arbeitsumfeld geschaffen, mit dem wir für uns leben können. Du halt als Leitung und ich in der 1:1 Betreuung. Und wir haben es dadurch beide ruhiger als die Kollegen und die Kolleginnen, die Tag für Tag mit den Gegebenheiten klar kommmen müssen."

Ich schaffe Arbeitsbedingungen für meine Mitarbeiter unter den gleichen Rahmenbedingungen, die allen anderen zur Verfügung stehen. Ich jammere nicht über unhaltbare Zustände, ich verändere sie! Aber das ist in meinen Augen nichts besonderes. Das kann jeder, der will! Ich habe mich nie damit zufrieden gegeben, wenn der große Chor schrie

"Das geht nicht!"

Ich probiere es aus, ob es geht. Und immer wieder stelle ich fest - es geht, allen Unkenrufen zum Trotz. Dein Argument mit der kleinen Einrichtung ist ein Schuß ins Leere. Es gibt keine größeren Einrichtungen als meine. Sind mehr Bewohner unter einem Dach versammelt, so ist es lediglich eine Multiplikation meiner Einrichtung. Mit mehr Möglichkeiten, als ich sie habe, mit besseren Rahmenbedingungen, als sie mir zur Verfügung stehen. Es kommt halt auf den Blickwinkel an.

Du sagst, ich solle zeigen, wie es geht? Du wirst staunen, mach ich seit nunmehr 15 Jahren. Unter realen Bedingungen? Klar doch, sagen doch die Kostenträger:

"Was? Sie wollen mehr Geld für Ihre Mitarbeiter? Sie wollen Tarif? Mann, sie leben im Odenwald! Da gibts nichts mit Tarif, da müssen Sie schon zufrieden sein mit dem, was wir ihnen bieten!" Kennst Du realere Bedingungen? Na, dann nenn sie ruhig. Ich werde prüfen, ob s stimmt. Ja, ich bin noch mitten drin im wirklichen Thema und ich suche noch immer weiter, wie sich Arbeitsbedingungen verbessern lassen.

Jeder, der will braucht es nur nachmachen und die Ergebnisse überprüfen. Ich weiß, daß es geht - unter realen, ja miesen Bedingungen! Hast Du es auch schon probiert? Ich arbeite noch "an der Front", wo Du dich längst zurück gezogen hast. Das ist auch eine reale Bedingung.

Du scheinst sehr von Dir eingenommen zu sein und dabei blind für die Möglichkeiten, die sich bieten. Kennen wir uns zufällig, daß Du behaupten kannst

"Ich hatte zum Glück die Möglichkeit viele Facetten der Pflege in ganz Deutschland kennen zu lernen. Und ich bin mir sicher, wenn Du das auch gemacht hättest würdest Du anders schreiben."?

Mir bist Du meines Wissens noch nicht begegnet, auch wenn ich ganz in Deiner Nähe mal gelebt habe, wenn Du weißt, wo Leuth liegt.

Du hast Respekt vor jenen, die unhaltbare Zustände durch ihr Handeln aufrecht erhalten. Ich habe Respekt vor jenen, die ihre ganze Kraft einsetzen, soche Zustände zu verändern. Das ist es auf diesem Gebiet, was uns unterscheidet.

Und da Dir der Unterschied zwischen einer Zisterne und einer Quelle fremd zu sein scheint, unterscheiden wir uns auch darin. Renje hat meinen Ansatz verstanden, warum Du nicht? Danke Renje, gehöre ich doch noch nicht zum alten Eisen. Ach ja SvenJ, das gehört m. E. auch zum Burn out - die negative Grundhaltung in unserer Gesellschaft. Kennst Du den Satz

"Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht!"?

Egal, in welche Berufsgruppe wir schauen, Zufriedenheit ist etwas, das zunehmend verloren geht genau so wie Dankbarkeit. Dabei wären diese beiden Pillen so heilsam. Wie viele Menschen gehen gebückt unter der Last des Lebens, weil sie nicht wissen, wohin damit. "Nicht mehr wissen", muß ehrlicherweise gesagt werden. Ich denke, viele Ursachen spielen zusammen beim Burn out. Und wie bei der viel zitierten Klimakatastrophe, sind die meisten Ursachen hausgemacht.

Wenn Du die besinnliche Zeit dieser Tage nutzt, könnte es vielleicht geschehen, daß auch Du die Zusammenhänge besser erkennst. Wir brauchen keine neuen Programme und Ideen, wie etwas geändert werden könnte. Da sind die Trümmerfrauen gerade der richtige Vergleich. Hätten die erst Programme entwickelt, wie man was wann machen könnte, sollte, müßte, würdest Du heute noch in einem Kellerloch wohnen. Während jene die Ärmel aufgekrempelt haben, wird heute gejammert, daß nichts mehr geht und Hoffnung nicht in Sicht ist. Du eingeschlossen. Meinst Du nicht, daß das ein wenig zu billig ist?

Realisten sind nach meiner Erfahrung jene, die zupacken und den Karren aus dem Dreck ziehen und nicht jene, die über unhaltbare Zustände schimpfen, die solange diese Zustände unterstützen, bis sie selbst zusammen gebrochen sind, eben burn out! Wenn Du nicht anfängst, was zu verändern, gehörst auch Du für mich zu den Theoretikern, die so tun, als täten sie was. Der Schuh der Realitätsfremde dürfte Dir wohl eher passen.

Gruß

Johannes
 
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SvenJ

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Zitat: Wenn Du die besinnliche Zeit dieser Tage nutzt, könnte es vielleicht geschehen, daß auch Du die Zusammenhänge besser erkennst. Wir brauchen keine neuen Programme und Ideen, wie etwas geändert werden könnte. Da sind die Trümmerfrauen gerade der richtige Vergleich. Hätten die erst Programme entwickelt, wie man was wann machen könnte, sollte, müßte, würdest Du heute noch in einem Kellerloch wohnen. Während jene die Ärmel aufgekrempelt haben, wird heute gejammert, daß nichts mehr geht und Hoffnung nicht in Sicht ist. Du eingeschlossen. Meinst Du nicht, daß das ein wenig zu billig ist?
Lieber Johannes:
Nein, ich finde nicht das ich ein wenig zu billig bin! Aber danke für den Hinweis und ich werde versuchen an den besinnlichen Tagen drüber nach zu denken:wink:
Nein, ich bat Dir nicht an, Deine Internetseite zu vervollständigen. Ich kenne ja Deine Einrichtung nicht. Daher kann ich darüber nichts schreiben. Dein Vergleich mit dem "Krieg der Kassen" hinkt meiner Meinung nach.
Gerade kleine Einrichtungen haben es doch wesentlich leichter, da sie ja auch transparenter darstellen können.
Da ich immer noch sehr müde bin, und wirklich kein Interesse habe mich heute aufzuregen belasse ich es erst mal dabei.
Vielleicht später mehr, aber jetzt muss ich erst mal schlafen.
Gruß Sven
 
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minchen

minchen

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O weia , zum Teil sehr harte Worte hier :cry: , denkt bitte daran das es " nur "

ein Thema ist , das zur Diskussion gestellt wurde :thumbsup2:.

Es ist tatsächlich eine andere Sicht . Warum auch nicht ?

Wenn ich mir das Ganze sachlich ansehe , ich hoffe ich tue es , so muß ich

sagen Johannes , das es doch genau die Quelle ist , die von uns erwartet

und fordert menschlich zu sein . ( Ich gehe davon aus , das du die Bibel

meinst .) Und genau das , bringt viele Pflegende am Rande eines burn-outs

oder in den burn-out :cry: . So ist uns von der Kindergartenzeit bis in

unsere Erwachsenenzeit die Bibel doch sehr nachdrücklich und einprägsam

vermittelt worden . Doch man wird erwachsen , reifer und bekommt eine

etwas andere Sichtweise , eine andere Denkweise . Jemand der in der Pflege

einen burn-out hat oder hatte , ist für mich ein Mensch der alles gegeben

hat um die Welt menschlicher zu machen und es liegt an uns diesen

wertvollen Menschen aufzufangen und aufzubauen .

Und seltsamerweise , wird nach diesem burn-outgeschehen , oftmals

erst darüber nachgedacht : Warum ? Und es gibt Veränderungen .......

Nun das sind so meine Gedanken dazu :blushing:

Was mich nun noch interessiert ist , wie du Johannes mit einem MA umgehst

der bei euch einen burn-out hat ?


Gruß minchen :eek:riginal:
 
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Seniorenheim
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haus maranatha

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Hallo Minchen,

oberflächlich betrachtet hast Du Recht. Wer die Bibel zur Richtschnur seines Lebens macht, wird schnell herausfinden, daß er fehlerhaft ist, daß der Mensch niemals das Maß aller Dinge sein kann und daß bei genauer Betrachtung manches anders ist, als es auf den ersten Blick erscheint.

Nur, weil ich Fehler mache, muß ich nicht schweigen. Dann hätte tatsächlich niemand mehr etwas zu sagen. Menschen sind nach der Bibel nicht deswegen Verlierer, weil sie versagt haben, sondern nur dann, wenn sie liegen bleiben. Wer aufsteht und dort weiter macht, wo er gefallen ist, wird zum Überwinder werden. Dazu bedarf es immer nur eines einzigen Schrittes mehr. Selbst, wenn ich gefallen bin - oder gerade deshalb - bin ich verpflichtet, den Mund aufzumachen und den Anderen vor der Gefahr zu warnen, die an seinem Wege lauert. Sonst mache ich mich mitschuldig an seinem Versagen.

In der Bibel werden genug Menschen beschrieben, die sich auf sich selbst verlassen haben. Es wird ihr Aufstieg und ihr Sturz erzählt. Warum? Paulus sagt, damit wir daraus lernen und nicht den gleichen Fehler begehen.

Schließlich zieht es sich durch die Bibel wie ein roter Faden, daß der Mensch gefordert ist zu lieben. Und damit bin ich bei Deiner Aussage. Falsch verstandene Liebe führt zum eigenen Untergang - nicht immer, aber immer wieder - einer davon nennt sich burn out.

Jesus sagte:

"Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!" Immer wieder erlebe ich, wie gründlich falsch diese Aufforderung gerade von Menschen in sozialen Berufen verstanden wird. Mit diesem Wort rechtfertigen sie allzu oft, sich bis zum Letzten zu verausgaben. Und doch sagt dieses Wort etwas völlig anderes.

Hier lenkt Jesus den Blick des Lesers auf sich selbst. Die erste und wichtige Botschaft dieses Wortes heißt:

"Du sollst Dich lieben!"

Ein Mensch, der sich nicht selbst angenommen hat, sich nicht selbst wahrnimmt, ist nicht in der Lage, den anderen anzunehmen, ihn wirklich wahr zu nehmen.

Erst, wenn dieser erste Schritt getan wurde, kann und darf der zweite folgen

"Deinen Nächsten lieben!"

Interessant, daß der Heiland die Reihenfolge anders setzt als wir Menschen. Zuerst du, dann der andere. Und dann macht er noch eine Einschränkung.

"Wie dich selbst!"

Das heißt weder mehr, noch weniger, sondern gleichermaßen! Wer den anderen mehr liebt als sich, wird sich selbst zerstören - burn out, wer den anderen weniger liebt als sich, wird ihn geringer achten, ihn vielleicht übersehen, ihm gleichgültig gegenüber stehen. Da gibt es viele Varianten. Nur, wer den anderen in Augenhöhe sieht, handelt angemessen. Dann kommt weder er selbst, noch der andere zu Schaden.

Über diese Beziehung zwischen den Menschen hat Jesus aber die Beziehung zu Gott gestellt. Gott ist Liebe. Alles, was der Mensch an Liebe hat, kommt von ihm.

Ja, Du hast zum Teil Recht, wenn Du sagst

"Doch man wird erwachsen, reifer und bekommt eine etwas andere Sichtweise, eine andere Denkweise ."

Mit der "anderen Sichtweise" deuten wir zumeist an, daß wir Gott als die Quelle nicht mehr brauchen. Weit gefehlt. Wo Menschen hinkommen ohne Gott, wird uns heute eindrücklich vorgeführt. Wir vernichten diese Erde in jeder Beziehung. Ob das die Umwelt ist oder unsere Gefühle sind, unser Feingefühl. Fällt es nicht auf, daß immer mehr von Werten geredet wird, die vorhanden sein sollten, welche die Menschen sich ersehnen, von denen wir Menschen uns aber immer weiter entfernen? Auch in der Pflege! Gerade in der Pflege!

Es ist keine Frage, den Menschen, der sich verausgabt hat, einen burn out hatte, aufzufangen, ihm wieder ins Leben zu helfen. Doch wird das nur gelingen, wenn jener sich helfen läßt. Für den anderen da sein ist Christenpflicht. Doch ein Christ wird niemals vergessen, daß er nur dann dem anderen helfen kann, wenn er sich selbst nicht vernachlässigt.

Du hast Recht. Gott ist die Quelle, die unerschöpflich ist. Auf ihn zu hören, ist etwas ganz anderes - auch im sogenannten aufgekärten Zeitalter. Burn out ist kein unausweichliches Schicksal!

Johannes
 
Qualifikation
Altenpfleger
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Leitung
C.Tina

C.Tina

Mitglied
Basis-Konto
30.01.2006
25489
Burn out hat heute fast jeder. Scheint mir eine Modeerscheinung zu sein. Die Belastbarkeit des modernen Menschen ist wohl nicht mehr die gleiche wie vor rd. 60 Jahren.
Schau Dir doch bitte mal diesen Link an:

http://www.pflegeboard.de/forum/27546-burnout-syndrom.html

Sollen sich diese Kollegen und viele andere dieser *Modeerscheinung* angeschlossen haben???
Sicher hast Du Recht damit das wir ALLE uns gegen die Zustände in der Pflege wehren müssen,ABER:
1.Es wird NICHT ohne neue Gesetze gehen
(Nur noch mal zur Info)
http://www.pflegeboard.de/forum/30373-pflegeboard-de-unterstuetzt-kampagne-uns-reicht.html

2.Viele Kollegen würden gerne *den Mund* aufmachen,trauen sich aber
nicht,weil sie auf die Arbeitsstelle angewiesen sind.
Was machen sie,notgedrungen,stattdessen? Sie schlucken den ganzen
Ärger in sich rein!

Lieber Johannes,gehe ich recht in der Annahme das Du noch nie (wünsche es Dir) einen Burn out hattest?
Es scheint mir,als ob Du nicht weisst wie schnell man darein rutschen kann!
Ich könnte Dir ja mal von meinem erzählen,den ich vor einigen Jahren hatte,aber ich denke das ist nicht das Thema.
Gerade weil ich weiss wie das ist,wehre ich mich gegen Deine... sorry... naive Aussage diesbezüglich.
Auch wenn Du sowas ähnliches in Deinem Motto stehen hast,scheinst Du zu vergessen das wir alle nur Menschen sind und wir nur begrenzte Kräfte haben!
Und wenn man jeden Tag,immer wieder auf´s neue,total ausgepower wird/ist.... hm... wie soll man dann noch die Kraft dazu haben neue Power zu tanken?
Wie schon gesagt,ohne Gesetzesänderung wird sich meiner Meinung nach nichts in der Pflege ändern.
Ich könnte noch so einiges zu diesem Thema schreiben,aber ich merke das ich innerlich wieder anfange zu kochen,darum belasse ich es jetzt hierbei.
Nur noch eins,Johannes:
Ich empfinde Deine Postings in diesem Thread,für alle die sich gerade in einem Burn out befinden,einen Schlag ins Gesicht.


LG,Tina

PS.Die Menschen von Heute sind tatsächlich nicht mehr so belastbar wie vor 60 Jahren,aber hast Du Dich mal in der heutigen schnell lebigen Zeit umgeschaut?
 
Qualifikation
exam. Altenpflegerin
Fachgebiet
Senioren - und Pflegeheim
Weiterbildungen
Arbeitsgruppe Palliative Care
H

haus maranatha

Gesperrter Benutzeraccount
Themenstarter/in
Hallo Tina,

ich denke nicht, daß meine Aussagen naiv sind. Wenn Du das denkst, bitte sehr. Schließlich stehe ich genau wie jeder andere mitten im Leben. Ich vergesse auch nicht, daß wir alle nur Menschen sind. Wenn Du richtig hingeschaut hast, unterscheide ich zwei Gruppen von Menschen:

1. Jene, die sich auf sich selbst verlassen und meinen, sie packen alles ohne Hilfe (die Zisternenmenschen) und

2. jene, die sich ihrer begrenzten Möglichkeiten bewußt sind und sich die Kraft von dort holen, wo sie her kommt (die Quellemenschen) um im Bild zu sprechen.

Was daran ist naiv? Was daran ist ehrenrührig? Wenn es nicht in Dein Weltbild passt, daß Du nicht Münchhausen bist, der sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zog, magst Du ja gern damit leben. Das ist für mich naiv! Ich bin der Auffassung, daß die Realität eben anders aussieht. Und wenn Du den Kopf in den Sand steckst, um das nicht zu sehen, wird es dennoch so sein. Ja, ich weiß von den begrenzten Möglichkeiten der Menschen und zeige auf, daß sie die Möglichkeit haben, sich helfen zu lassen. Tun sie s, gut für sie, tun sie s nicht, haben sie eben Pech gehabt und kriegen ihren Burn out!

Meinst Du Deine Frage wirklich ernst?

"Und wenn man jeden Tag,immer wieder auf´s neue,total ausgepower wird/ist.... hm... wie soll man dann noch die Kraft dazu haben neue Power zu tanken?"

Ein Quellemensch läßt es erst gar nicht so weit kommen, daß er nicht mal mehr die Kraft hat, neue Power zu tanken. Der geht rechtzeitig zur Tankstelle - natürlich zur Quelle. Wer ist schon so dumm, in der Wüste erst dann nach einer Oase zu suchen, wenn er bereits sein letztes Wasser verbraucht hat? Du sprichst nur von dem Versagen - Burn out, ich spreche von dem Schutz davor und der Möglichkeit, immer weiter zu kommen. Dir fällt dazu nur ein, das als naiv zu bezeichnen?

Ich denke, meine Postings sind nur für jene "ein Schlag ins Gesicht", die immer noch der Auffassung sind, sie sind so was von groß, sie machen das schon. Sie brauchen keine Hilfe. Für die anderen, die endlich erkannt haben, wie wenig sie mit ihrer eigenen Kraft ausrichten können, kann es eine Chance sein. Nur, wer es ausprobiert, wird erfahren, welche Möglichkeiten in Hilfsangeboten stecken. Alle anderen verhalten sich so wie Du. Sie schimpfen darüber, daß jemand ihre Unfähigkeiten aufdeckt. So etwas nenne ich naiv!

Zu Deinem Nachsatz:

Ich muß mich nicht umschauen - ich lebe wie jeder andere in dieser schnellebigen Zeit. Daß die Menschen heute nicht mehr so belastbar sind, ist mir nicht entgangen. Es ist mir aber auch nicht entgangen, daß die Menschen früher erheblich bescheidener waren und nicht so selbstgefällig und großkotzig wie heute. Wir sind die Größten, uns kann keiner das Wasser reichen. Ich sehe sehr wohl, wo diese Großtöner angekommen sind.

Nun ist s aber Zeit - mein Bett ruft nach der Nachtwache

auf wiederschreiben

Johannes
 
Qualifikation
Altenpfleger
Fachgebiet
Leitung
K

Kalimera

Unterstützer/in
Basis-Konto
17.01.2001
Hamburg
Wieso fühlen sich hier so viele angegriffen?

Was ist denn Burnout anderes als kraftlos zu sein? Physisch und psychisch am Ende, weil alle Reserven leer sind?
Und was macht denn jemand im Burnout? Er sucht danach, wo er wieder Kraft tanken kann. Er sucht, wie Johannes es nennt, nach einer Quelle wo er seine Kräfte wieder auffüllen kann. Ob das nun die Bibel, Gott, oder was auch immer sein mag.

Hier wurde so viele Male geschrieben, dass Mensch auf sich achten soll, sich wichtig nehmen soll. Johannes schreibt: er soll sich zuerst lieben und DANN die anderen so wie sich selbst. Würde das jeder tun würde die Rate der Menschen mit Burnout gegen null sinken.

Er behauptet nicht, dass es einfach ist, er stellt auch nicht die Hypothese auf, dass alle Menschen nur aus sich selbst heraus diese Quelle/Kraft schöpfen können. Aber derjenige, der auf sich achtet, weiß aus welcher Quelle er trinken soll, der wird bedeutend weniger Probleme haben seine Kräfte zu verlieren.

Niemand muss daran glauben, niemand muss es ausprobieren.
Ich sehe jedoch persönlich weder einen Widerspruch, noch großtuiges Gehabe in Johannes Worten, sondern er sagt nichts anderes, als das, was in vielen Ratschlägen auch im Burnoutthread zu finden ist. Dort ist es genauso wenig naiv, wie Johannes es hier ausdrückt.


Das einzige was ich in meinem Leben ändern kann ist mich selbst. Meine eigenen Perspektiven, meine eigenen Gedanken, mein eigenes Handeln und Tun.
 
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Krankenhaus
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