Arbeitsrecht Brauche unbedingt Hilfe bei der Überstundenberechnung!

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MamSell

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Hallo an alle Wissenden!

ich arbeite seit 01.11.16 in einem privaten ambulanten Pflegedienst und habe zum 01.07.17 gekündigt.
Nun geht es um die Berechnung der Überstunden, die ich geleistet habe bzw. WIE ich diese berechne.
Lt. Arbeitsvertrag habe ich eine 29,25 Stunden-Woche (75%) bei einer 6-Tage-Woche.
Das bedeutet nach meinem Verständnis, dass ich eine tägliche Arbeitszeit von 5 Stunden (ohne Pause) habe.
Dienstbeginn ist um 7.00 Uhr, demzufolge hätte ich um 12.30 Uhr (mit Pause) Feierabend und alles, was darüber hinaus gearbeitet wird, sind Überstunden, oder?
Es wurde mir aber bei Antritt der Stelle gesagt, dass die Arbeitszeit von 7.00 bis 13.30 Uhr (also 6,5 Stunden mit Pause) ginge und nach dieser Zeit (also 6,5 Stunden) habe ich bisher meine weiteren Überstunden berechnet.
Wenn ich aber davon ausgehe, dass ich nur 5 Stunden pro Tag hätte arbeiten müssen bei 75%, dann habe ich ja tatsächlich noch viel mehr Überstunden, oder?
Es ist etwas kompliziert, aber ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann.

Viele Grüße

Mamsell
 
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SchwesterWolfgang

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. . . da wäre wieder mal interessant, was zur Arbeitszeit im Arbeitsvertrag vereinbart ist. Wenn da nichts explizit von einer täglichen Arbeitszeit steht - und davon gehe ich mal aus - dann kann man auch nicht von einer täglichen Arbeitszeit von 5 Stunden ausgehen.
Ansonsten wäre davon unabhängig jedoch die Berechnung ganz einfach:
rechne Deine wöchentliche Arbeitszeit zusammen und alles, was über 29,25 Stunden hinausgeht, wären dann Deine geleisteten Mehrstunden. Du musst jedoch den gesamten Zeitraum betrachten, denn wenn Du in der nächsten Woche weniger gearbeitet hast, musst Du das wieder abziehen. Wäre ich Deinem Fall eine echte Fleißarbeit, das vom 1.11.16 an auszurechnen, aber nur so kommst Du zu einer verlässlichen und belastbaren Aussage. Vergiss vor allem für eine eventuelle gerichtliche Klage nicht die Beweissicherung, also Kopien oder Fotos Deiner Dienstpläne.
Und vor allem schaue nach, was im Arbeitsvertrag über Ausschlussfristen stehen könnte, denn innerhalb dieser Frist musst Du Deinen Anspruch geltend machen und zwar genau beziffert . . .
 
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MamSell

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Hallo, Schwester Wolfgang!

Jaja, der liebe Arbeitsvertrag...... Stimmt, man muss viel mehr darauf achten, was da geschrieben steht. Und es stimmt auch, dass keine täglichen Arbeitsstunden angegeben sind. Und noch was stimmt: Es war eine Höllenarbeit, alle Stunden von November 2016 bis Mai 2017 nachzurechnen! Aber (ich hoffe), es hat sich gelohnt - meine PDL hat bis April 34,25 Überstunden errechnet, nach meiner Rechnung sind es aber 142! Schon ein Unterschied, oder?
Jetzt geht es natürlich wieder los mit Geltendmachung.
Ich bin dieses Theater so leid - jedes Mal, wenn ich irgendwo gekündigt habe, gab es Schwierigkeiten mit Resturlaub und Überstunden.
Ich habe zwar letztlich immer mein Recht bekommen, aber müssen denn AG immer "beleidigt" sein, wenn man andere Wege gehen will?
Vielen Dank für die Antwort und viele Grüße

Mamsell
 
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. . . ja, an dem alten Spruch, dass beim Geld die Freundschaft aufhört, ist viel Wahrheit. Ich kenne in unserer Region nur einen einzigen Arbeitgeber, der anstandslos Resturlaub und Überstunden bezahlt hat. Das erstaunliche: es ist eine kleine Firma mit 10 Angestellten. Die größeren, die sich das meist locker leisten könnten, feilschen um jeden Cent.
Zwischen 34 und 142 ist schon ein immenser Unterschied - da kann man mal sehen, dass Nachrechnen lohnend sein kann. Ich drücke Dir die Daumen, alle meine 10 linken (Mutter sagte immer: "Junge, Du hast keine geschickten Finger, Du hast 10 linke Daumen") . . .
 
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Hallo mamsell,
wieviel Stunden werden dir angerechnet pro Tag wenn du AU bist?
Dann hast du die fiktive tägliche Arbeitszeit.
Dies müssten bei einer 29,25/6tagew 4,875/Tag sein.
Du zählst die Arbeitstage abzgl. der Feiertage und nimmst diese mal 4,875Std.
Dann hast du die Sollstd.
Achte darauf, dass dies in dezimal gerechnet wird und du deine Arbeitszeit in Std. und Minuten zählst.
Umrechnen nicht vergessen.
Z.B. sind 0,25 - 15 Minuten, also dezimalwert mal 0,6
Jetzt zählst du deine ISTstunden und setzt diese dagegen - über den gesamten Zeitraum seit 1.11 bis zum Ausscheiden.
Und du hast deine Mehrarbeitsstunden.
Diese beantragst du zur Auszahlung -
jetzt ist der AG am Zug und soll dir eine Gegenrechnung aufmachen was daran oder warum das evtl. nicht stimmen sollte.

Da du anscheinend schon öfters die Erfahrung gemacht hast solltest du dich wappnen und nicht erst bei Kündigung das Rechnen anfangen, sondern Monat für Monat.
Würde ich jedem Empfehlen.
Habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass selbst langjährige SL oftmals Schwierigkeiten mit dem Rechnen haben, ohne diesen Absicht unterstellen zu wollen.
Und wie Sr.W. schreibt Beweissicherung,
Dienste aufschreiben, ausdrucken (lassen), Kopie machen, im Notfall Handyfoto, mit Unkenntlichmachung der anderen MA.
 
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. . . Traveler, bitte nicht böse sein, ist nur scherzhaft gemeint, aber bei Deiner etwas komplizierten Art Berechnung fällt mir die Geschichte von den zwei Jung-Ingenieuren ein, welche die Höhe eines Fahnenmastes feststellen sollten. Nachdem sie mit komplizierten Formeln und dgl. hantierten, kam ein Arbeiter vorbei und fragte, was sie denn da täten. Dann nahm er einfach den Splint unten aus der Masthalterung, kippte den Mast um und maß mit dem Zollstock die Länge. Als er weg war, sagte der eine Jungingenieur zum anderen: "Da kannste mal sehen, wie doof doch so ein Arbeiter ist. Wir sollten doch die Höhe und nicht die Länge feststellen" . . . :)
 
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traveler

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Hilft der threaderstellerin nicht weiter.

Das ist nicht kompliziert sondern rechtssichere Praxis.
Wenn dir dazu keine fachlichen Argumente mehr einfallen, einfach mal gut sein lassen.

Das ist die Berechnung eines Praktikers der immer wieder damit zu tun hat und gängige Praxis wie unsere Personalverwaltungssachbearbeiterinnen und im BR nachgerechnet werden, wenn es Unstimmigkeiten gibt.

Deine wöchentliche Arbeitszeit zusammen und alles, was über 29,25 Stunden hinausgeht, wären dann Deine geleisteten Mehrstunden.
Genau das funktioniert nämlich nicht, wenn Feiertage in der Woche sind.
 
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Hallo, das geht auch anders und einfacher:
Berechnungsdaten:
Wochenarbeitszeit = 29,25 h.
Multiplikator
Durchschn. Wochen im Monat = 4,348 W (im Arbeitsrecht so verankert)
Ergebnis:
29,25h x 4,348 W = 127,18h/Monat = Sollarbeitszeit

Urlaub und Krank sowie Feiertage werden immer pauschal mit 4,88h bewertet (29,25 / 6). Alternativ bei gearbeiteten Feiertagen mit der tatsächlichen Arbeitszeit ansetzen.

Jetzt nehme Dir Deinen Stundennachweis Monat für Monat vor und mach Dir eine Tabelle:

Beispiel:
Monat: Sollzeit Istzeit Diff. Stundensaldo
November 16 127,18h 125,00h - 2,18h
Dezember 16 127,18h 134,00h +6,82h +4,64h
usw......

Hoffe so verständlich.
 
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MamSell

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Hallo an alle!

Danke, danke, danke für die vielen Antworten.
Ich habe mich mittlerweile mit meiner PDL weitgehend über die Überstundenberechnung geeinigt, aber ein Begriff, den sie benutzte im Zusammenhang mit Berechnung der Stunden bei Sonn- und Feiertagsarbeit ist mir unklar bzw. davon habe ich noch nie gehört:
Was ist bitteschön DOPPELT WIRKENDER VORTEIL?
Sie erklärte es mir folgendermaßen: Ich erhalte an Sonn- und Feiertagen 100% Lohnzuschlag und aus diesem Grund dürften dann die Stunden, die ich gearbeitet habe, als Arbeitszeit nicht gerechnet werden.
D.h. also, wenn ich z.B. Ostersonntag 4,5 Stunden gearbeitet habe und Christi Himmelfahrt 7,25 Stunden fallen diese Stunden einfach weg wegen des Lohnzuschlages? Verstehe ich irgendwie nicht.
Mein Gott, ich werde noch verrückt bei dieser ganzen Stundenberechnerei! Immer wieder neue Begrifflichkeiten und immer irgendwie das Gefühl, über´s Ohr gehauen zu werden......

Viele Grüße
Mamsell
 
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mysteha

mysteha

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Nun, ich würde es so erklären.............
Angenommen, die bekommst eine Feiertagszulage von 40%.
Bekommst du 40% ausgezahlt, sind die gearbeiteten Stunden Mehrarbeitsstunden, da sie nicht vergütet sind.
Bekommst du allerdings für einen Feiertag 140% ausgezahlt, dann leistest du keine Mehrarbeitsstunden, da
diese monetär umgewandelt sind.

Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt
 
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