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Sunny1969

Neues Mitglied
Basis-Konto
02.03.2020
Hallo zusammen, ich bin ganz neu hier und hoffe, dass meine Frage hier richtig ist. Zum Sachverhalt:
Ich bin 20 Std./Wo bei einem dementen Senioren für Betreuung und Haushalt/Hauswirtschaft angestellt. Der Senior hat zwei 24 h Pflegekräfte im 2-wöchigem Wechsel. Ich bin zur Entlastung der 24 Std. Kräfte eingestellt worden, da der alte Herr sehr anstrengend und fordernd ist und diese das alleine nicht mehr schaffen. In meiner Zeit unter Tags (10-15 Uhr) mache ich alles, was auch die 24h Hilfe macht.

Nun hatte eine 24h Kraft (es ist häufiger Wechsel!) gekündigt und ich wurde gefragt, eher gebeten, ausnahmsweise mal übernacht zu meinem Tagdienst zu bleiben. Ich stimmte zu, aber die Konditionen wurden absichtlich hinausgeschoben. Eine Strategie unserer Chefin. Sie wollte mir nur 120 EUR für 12 Std. geben. Der Senior steht alle 2 Std. auf, schreit manchmal und es ist alles andere als eine entspannte Nacht! Ich lehnte ab und wollte dafür Freizeitausgleich, weil es für mich fast den gleichen Wert hat.

Die Frage ist, stehen mir die vollen 12 Std. als Überstunden als Ausgleich zu? Denn sie verhandelt und schachert ständig und meint, ich kenne die üblichen preise/Bedingungen nicht.
Entschuldigt meinen langen Text, aber ich muss mir hier Meinungen von Leuten einholen, die sich auskennen.

Bin ungelernt, München und arbeite in einem Privathaushalt.

Danke!!
 
Qualifikation
Altenpflegerin (ungelernt)
Fachgebiet
München
P

Primal

Mitglied
Basis-Konto
02.03.2020
Hallo Sunny1969,

wenn Du bei privat angestellt bist, ist dein Lohn grundsätzlich Verhandlungssache.

Ich bin kein Fachmann im Rechtsbereich, habe aber im Netz unter "Nachtzuschlag" schnell einige grundlegende Informationen gefunden.
(z.B. Wikipedia oder Nachtzuschlag: Zulage für Arbeitnehmer - Arbeitsrecht 2020)

Den Quellen nach besteht kein grundsätzlicher Anspruch auf eine Zulage, wenn Du für eine oder "ein paar Nächte" einspringst. Andererseits hat deine Chefin vermutlich keinen großen Personalpool, was dir eine günstige Verhandlungsposition schafft.
Ein paar Punkte würde ich an deiner Stelle beachten bzw. überdenken:

1. Wenn Du zusätzlich zur Tagschicht 12 Stunden in der Nacht bleibst, kann das ganz schön an deinen Kräften zehren. Grundsätzlich sieht das Arbeitsrecht (meines Wissens) nur in Ausnahmefällen 10 und mehr Arbeitsstunden täglich vor, z.B. in Form von "Bereitschaften".
Du kannst in deinem Fall scheinbar zwischenzeitlich ruhen, hast aber aller Wahrscheinlichkeit nach keine normale Nachtruhe.

2. 120,-€ sind es erstmal Brutto bei einem 20-Wochenstunden-Vertrag. Davon bleibt je nach Steuerklasse nicht allzu viel übrig.

3. Bei einem 20-Wochenstunden-Vertrag bist Du sonst vermutlich 4 x 5 Stunden in der Woche dort.
Wenn dir Freizeitausgleich wichtig ist, könntest Du ihr die 12 Stunden zu deinem üblichen Stundenlohn anbieten, diese aber als Mehrstunden rechnen und in einer anderen Woche z.B. nur 2 x 4 Stunden kommen.

4. Sollte sie die Arbeitszeit partout nicht ausgleichen wollen, würde ich an deiner Stelle auf deinen üblichen Stundenlohn 25% aufschlagen und die Mehrstunden auszahlen lassen (Achtung, dein Jahresbrutto für die Steuerberechnung steigt dadurch natürlich etwas!).
Das kommt aber auf deine persönliche Situation an und ob es dir das im Endeffekt wert ist.


Insgesamt ist es natürlich nie ratsam, ohne Abklärung der Konditionen zuzusagen - und vermutlich möchtest Du dort noch länger arbeiten. Bitte deine Chefin doch um ein Gespräch und erläutere ihr, was dir für die Erfüllung dieses Gefallens (und das ist es! Denn deiner eigentlichen Arbeit entspricht das ja nicht.) wichtig ist.

Eine ganz andere Frage ist, ob der Patient grundsätzlich auf die Anwesenheit/Versorgung durch eine Fachkraft angewiesen ist, z.B. durch Beatmung, Bedarfsmedikation, etc. - in dem Fall kann ich nur raten im Rahmen deiner fachlichen Möglichkeiten zu bleiben und abzulehnen, da Du dich (und den Senioren) ansonsten in Gefahr begibst - Dich rechtlich und ihn gesundheitlich!

Ich hoffe die Anregungen helfen Dir weiter.

lieben Gruß,

Tim
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger
Fachgebiet
Kinder- und Jugendpsychiatrie
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Sunny1969

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
02.03.2020
Hallo Sunny1969,

wenn Du bei privat angestellt bist, ist dein Lohn grundsätzlich Verhandlungssache.

Ich bin kein Fachmann im Rechtsbereich, habe aber im Netz unter "Nachtzuschlag" schnell einige grundlegende Informationen gefunden.
(z.B. Wikipedia oder Nachtzuschlag: Zulage für Arbeitnehmer - Arbeitsrecht 2020)

Den Quellen nach besteht kein grundsätzlicher Anspruch auf eine Zulage, wenn Du für eine oder "ein paar Nächte" einspringst. Andererseits hat deine Chefin vermutlich keinen großen Personalpool, was dir eine günstige Verhandlungsposition schafft.
Ein paar Punkte würde ich an deiner Stelle beachten bzw. überdenken:

1. Wenn Du zusätzlich zur Tagschicht 12 Stunden in der Nacht bleibst, kann das ganz schön an deinen Kräften zehren. Grundsätzlich sieht das Arbeitsrecht (meines Wissens) nur in Ausnahmefällen 10 und mehr Arbeitsstunden täglich vor, z.B. in Form von "Bereitschaften".
Du kannst in deinem Fall scheinbar zwischenzeitlich ruhen, hast aber aller Wahrscheinlichkeit nach keine normale Nachtruhe.

2. 120,-€ sind es erstmal Brutto bei einem 20-Wochenstunden-Vertrag. Davon bleibt je nach Steuerklasse nicht allzu viel übrig.

3. Bei einem 20-Wochenstunden-Vertrag bist Du sonst vermutlich 4 x 5 Stunden in der Woche dort.
Wenn dir Freizeitausgleich wichtig ist, könntest Du ihr die 12 Stunden zu deinem üblichen Stundenlohn anbieten, diese aber als Mehrstunden rechnen und in einer anderen Woche z.B. nur 2 x 4 Stunden kommen.

4. Sollte sie die Arbeitszeit partout nicht ausgleichen wollen, würde ich an deiner Stelle auf deinen üblichen Stundenlohn 25% aufschlagen und die Mehrstunden auszahlen lassen (Achtung, dein Jahresbrutto für die Steuerberechnung steigt dadurch natürlich etwas!).
Das kommt aber auf deine persönliche Situation an und ob es dir das im Endeffekt wert ist.


Insgesamt ist es natürlich nie ratsam, ohne Abklärung der Konditionen zuzusagen - und vermutlich möchtest Du dort noch länger arbeiten. Bitte deine Chefin doch um ein Gespräch und erläutere ihr, was dir für die Erfüllung dieses Gefallens (und das ist es! Denn deiner eigentlichen Arbeit entspricht das ja nicht.) wichtig ist.

Eine ganz andere Frage ist, ob der Patient grundsätzlich auf die Anwesenheit/Versorgung durch eine Fachkraft angewiesen ist, z.B. durch Beatmung, Bedarfsmedikation, etc. - in dem Fall kann ich nur raten im Rahmen deiner fachlichen Möglichkeiten zu bleiben und abzulehnen, da Du dich (und den Senioren) ansonsten in Gefahr begibst - Dich rechtlich und ihn gesundheitlich!

Ich hoffe die Anregungen helfen Dir weiter.

lieben Gruß,

Tim
Lieber Tim, ganz lieben Dank für diese informative Antwort. Das hilft mir sehr weiter!
Der alte Herr ist im Grunde nur dement und braucht keine Fachkraft nachts. Der ständige Harndrang und seine Angst alleine zu bleiben, machen es nur schwer, aber für mich als ungelernte Kraft möglich. Meiner Chefin teilte ich bereits mit, dass ich Nachts nicht mehr zur Verfügung stehe. Es geht nur um die eine Nacht 20.00-8.00 Uhr morgens, da sie heute angedeutet hatte, dass sie sich über meine genannten Überstunden wundert. Das heißt schon alles. Deshalb musste ich nachfragen, um mir Verhandlungssicherheit zu geben. Ich danke dir sehr!
 
Qualifikation
Altenpflegerin (ungelernt)
Fachgebiet
München
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05.07.2001
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