Arbeitsrecht Blöde Situation - Alkohol

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Isis

Isis

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16.05.2005
2
Hallo,
also, ich befinde mich in einer etwas kniffligen Situation:
Manche Spiele der FußballWM gucken sich unsere Bewohner auf einer großen Leinwand an, unsere PDL ist dann dabei und macht auch den Bierausschank. Ist ne tolle Sache und den Bewohnern gefällt es auch.
Nun haben wir natürlich auch mehrere Alkoholiker unter unseren Bewohnern, und ich habe nun mitbekommen, daß auch an zumindest einen der Alkoholiker ebenfalls Bier ausgeschenkt wurde - von unserer PDL, eine Pflegefachkraft! Mich ärgert das maßlos, ganz besonders, wenn man bedenkt, daß betreffender Bewohner auch noch Dialyse-Patient ist und maximalstens 500ml freie Flüssigkeit zu sich nehmen darf, aber allein an dem einen speziellen Abend 2-3 0,5 l - Krüge Bier zu sich genommen hat, die ihm ausdrücklich angeboten wurden (er hat sich also nicht selber bedient, was er auch gar nicht könnte, aufgrund einer Behinderung).
Ich bin stinkewütend :mad_2:, weiß aber auch nicht so recht, wie ich nun genau reagieren soll.
Habt Ihr Erfahrung mit solch leichtfertigem Umgang mit dem Thema Sucht?
Betriebsvereinbarungen zu diesem Thema richten sich ja immer an Mitarbeiter die suchtkrank sind.
 
Qualifikation
Krankenschwester/Nachtwache
Fachgebiet
Altenpflegeheim
W

Willy_Wuff

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01.12.2005
Deggendorf
Ne, hab ich nicht wirklich, vor allem weil bei uns Alkoholiker auch keien Alkohol haltigen Medikamente bekommen, logisch.

Aber di PDL sollte man mal gepflegt zur rede stellen, das die sowas nicht wieder macht und sich vorher erstmal über die Patienten Informiert.
Is schon heftich
 
Qualifikation
Fachpfleger für Intensiv Medizin
Fachgebiet
IMC
L

Löwenherz

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10.03.2006
63150
..

mir drängt sich die Frage nach dem Verdienst deiner PDL bei so einem Ausschank auf.:mad_2:
Nicht nur Netzer und Jauch scheinen ihren Profit zu machen mit dieversen Kästen...
Nichts gegen Bier..aber eben nicht für Alkoholkranke Menschen oder Dialysepat. in diesen Mengen.

Machen wirste dagegen nicht viel können - es sei denn du bringst das alles der Geschäftsleitung (wie auch immer..) zu Gehör.

Es ist eben immer die Frage: wieviel Spass und Freude gönnt man Bewohnern - wieviel Fürsorge und Pflichtbewußtsein muss man walten lassen..?!?


Ich denk, ich würde - wenn ich Dienst hätte es verweigern einem ( sofern mir bekannt) alkoholkrankem Menschen Bier zu reichen oder anzubieten.
Ich würde auch dem Dialysepat. nur zu trinken geben was er darf - und das Protokoll bei ihm liegen haben, damit es jeder einsehen kann und einträgt.
Und sicherlich würde ich das in der Kurve /Berichtsblatt - wie auch immer ihr das nennt - vermerken :grin: .

noch ne freche Anmerkung:
Mach doch mal ein paar nette Photos der Fußballparty - mit PDL beim Bierausschank und betreffenen Bewohner dabei *frechguck*
Die machen sich auch sicher suuuper an eurer Pinnwand!!

Lieben Gruß,
Löwenherz
 
Qualifikation
Hygienefachkraft
Fachgebiet
Gesundheitszentrum
H

Hermann L

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11.01.2006
26817
Hallo zusammen

Nun mal ehrlich das mit dem Foto oder gar zur GF muss doch nicht sein, ich verstehe das man hin und wider die PDL in der Luft zerreißen möchte ,besonders bei solch groben vergehen, aber der Schuß geht meist nach hinten los (von wegen längerer Hebel und so):devil:.
Einfacher ist es doch wenn man sich in einem ruhigen Moment sich die PDL an die Seite nimmt und ihr dann eindeutig eure Meinung zu den fehlerhaften sagt!
Kommt meist besser als stumpf gegen an zu Bollern.:thumbsup:

Guß Hermann
 
Qualifikation
Altenpfleger/ Hospizhelfer
Fachgebiet
Pflegezentrum
Isis

Isis

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Themenstarter/in
16.05.2005
2
Hallo,
erstmal Danke für die Antworten!
Um die Geschichte zu vervollständigen: Mehrere MA haben bei einer Besprechung die PDL darauf aufmerksam gemacht, daß sich in unserer Einrichtung mehrere Alkoholiker befinden und die PDL darauf achten soll, daß diejenigen keine alkolholischen Getränke serviert bekommen. Die PDL meinte sehr arglos: "Aber es ist doch ein besonderer Tag!" - worauf man klar gestellt hat, wie gefährlich das für Alkoholiker sein kann. Und auch, daß sogenanntes alkoholfreies Bier eben nicht alkoholfrei und damit ebenfalls für Alkoholiker nicht geeignet ist. Verantwortungsvoller Umgang mit diesem Thema ist also bei dieser PDL nicht zu erwarten, leider.

@Hermann: Das mit dem längeren Hebel ist in gewisser Weise durchaus richtig - aber: Hier liegt meiner Meinung nach ein eklatanter Pflegefehler vor, der schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben könnte (zum Glück ist bis jetzt nichts passiert, aber das ist vermutlich wirklich nicht mehr als sehr, sehr großes Glück). Und ja, meine PDL möchte ich manchmal "in der Luft zerreissen", nicht nur manchmal, sondern sehr oft, was allerdings nicht nur an dieser einen Geschichte liegt, da kommt eine Menge zusammen.

Ich denke noch drüber nach und werde mich auch mit dem BR beraten. Aber angesichts der Tatsache, daß unsere Bewohner ein Recht auf Unversehrtheit haben und nicht bewußt einer Gefahr ausgesetzt werden dürfen, ist eigentlich klar, daß dies nicht unkommentiert bleiben darf.
 
Qualifikation
Krankenschwester/Nachtwache
Fachgebiet
Altenpflegeheim
H

Hermann L

Mitglied
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11.01.2006
26817
„Um die Geschichte zu vervollständigen: Mehrere MA haben bei einer Besprechung die PDL darauf aufmerksam gemacht, daß sich in unserer Einrichtung mehrere Alkoholiker befinden und die PDL darauf achten soll, daß diejenigen keine alkolholischen Getränke serviert bekommen. Die PDL meinte sehr arglos: "Aber es ist doch ein besonderer Tag!"

Hallo Isis
Nach dem ich deine Antwort gelesen habe kann ich deine Wut verstehen und wen die PDL noch nicht mal ihren Fehler einsieht sollte schleunigst etwas geschehen,
Meine Vorsicht ist aber begründet da ich selber schon in der Situation war das ich meine (EX) PDL bei der GF melden musste von wegen Körperverletzung an Bew. Fazit Ich bekomme Abmahnung und PDL wird von Chef der Kopf gekrault!!:mad_2:
Bitte sicher dich vorher ab damit du nicht den selben Ärger bekommst.
Wunsch dir
Viel Erfolg:thumbsup:
Hermann
 
Qualifikation
Altenpfleger/ Hospizhelfer
Fachgebiet
Pflegezentrum
M

Maggie22

Neues Mitglied
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21.06.2006
76187
Also ich finde auch das du die PDL drauf ansprechen solltest, schließlich könnte es schreckliche Folgen haben.
Ich würde eine Liste erstellen falls ihr mehr ALkoholiker im Haus habt und an alle Stationen geben und auch an Hasuwirtschaft und auch eine der PDL.
Schließlich dürfen solche Fehler nicht vorkommen..
Also ich habe es so gemacht und alle aufgelistet und nu klappt es wunderbar jeder weiß wem man keinen Alkohol ausschenken darf.
Gruß
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Stationsleitung
R

Roberta

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08.06.2006
52525
Hallo,
vielleicht solltest Du eine hausinterne Fortbildung zum Thema Alkohol und Sucht und die Folgen vorbereiten, und ganz besonders die PDL dazu einladen.
Gruß Roberta
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Altenheim
B

Barbara J

Mitglied
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01.03.2006
50937
Hallo,
also, ich befinde mich in einer etwas kniffligen Situation:
Manche Spiele der FußballWM gucken sich unsere Bewohner auf einer großen Leinwand an, unsere PDL ist dann dabei und macht auch den Bierausschank. Ist ne tolle Sache und den Bewohnern gefällt es auch.
Nun haben wir natürlich auch mehrere Alkoholiker unter unseren Bewohnern, und ich habe nun mitbekommen, daß auch an zumindest einen der Alkoholiker ebenfalls Bier ausgeschenkt wurde
Wird hier von Alkoholikern oder von trockenen Alkoholikern geredet?
 
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Krankenschwester (G.- u. KPin)
Fachgebiet
Krankenhaus (Augenklinik)
Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
Wird hier von Alkoholikern oder von trockenen Alkoholikern geredet?
Das macht doch keinen Unterschied.
Wenn ein nicht einsichtiger Alkoholiker trinken will, soll er es tun; aber nicht durch ausdrückliche Aufforderung der PDL.

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
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Barbara J

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01.03.2006
50937
Das ist wohl war, aber abhalten kann man einen "willigen" Alkoholiker wohl kaum. Und ausschließen von dem Spaß, finde ich, sollte man ihn auch nicht (mal von der Dialyse-Problematik abgesehen). Nur übertreiben sollte man nicht.
 
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Krankenschwester (G.- u. KPin)
Fachgebiet
Krankenhaus (Augenklinik)
Monika58

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26.09.2005
Bonn
Das ist wohl war, aber abhalten kann man einen "willigen" Alkoholiker wohl kaum. Und ausschließen von dem Spaß, finde ich, sollte man ihn auch nicht (mal von der Dialyse-Problematik abgesehen). Nur übertreiben sollte man nicht.
Das ist eine Frage der Verantwortlichkeit. Wenn er sich den Alkohol selber einschenkt/besorgt ist das seine Sache. Kein Mensch hat davon gesprochen, dass dieser Mensch vom Spass ausgeschlossen werden soll; aber Spass am Fussball kann man auch haben, ohne dass die PDL mehrere Liter Alkohol ausschenkt.
Ein Wirt, der einen betrunkenen Gast wissentlich Auto fahren lässt, wird verknackt.
Einer PDL, die einem Alkoholiker Bier ausschenkt (im vollen Wissen um die Gesamtproblematik) gebührt nichst anderes.
 
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Willy_Wuff

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01.12.2005
Deggendorf
Muß ich monika recht geben, wo ist der zusammenhang zwischen Spaß haben und Alkohol ?
Wie gut das ich nicht dafür bekannt bin einige Dinge ein wenig überspitzt dar zu stellen .........
Aber In nem Therapiezentrum für Süchtige würde man glaub ich nicht mal bei dem Endspiel ne Krack Pfeife kreisen lassen, weils ja son besonderer Tag ist.

Und nein, es ist nichts anderes, nur mit dem Unterschied das Alkohol sucht bei uns in der Geselschaft häufig nicht als eben so schlimm empfunden wird wie die Sucht nach anderen Drogen, alkoholsucht ist nichts anderes.

Mit einem Glas Bier kann man Jahre lange Abstinenz ruinieren, und der Alkohol kranke ist dem dann möglicherweise auch wegen seines Alters und vorerkrankungen Willendlich nicht noch mal in der Lage diese Sucht zu überwinden.
Klasse, so kann man Menschen indireckt umbringen.

Sorry aber meiner Meinung nach gehört die PDL entlassen.
Und wen dem Alkoholiker das Bier aus Händen der PDL, der Obersten Aufsichtsperson des Hauses gegeben wird, dann kann man davon ausgehen das der glaubt die PDL wisse was sie tue, und das er das bier ruhig trinken könne. Vor allem weil man ja auch nicht unbedingt davon ausgehen kann das alle Älteren Menschen in der lage sind die Verantwortung für sich zu übernehmen.
 
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Barbara J

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01.03.2006
50937
Da habt ihr wohl was in den falschen Hals bekommen. Ich bin die letzte die sagt: ohne Alkohol kein Spaß.

Aber, wie würde sich der Bewohner fühlen, wenn alle etw. bekommen würden nur er nicht (die Tatsache vorrausgesetzt, dass er eben nicht trocken werden will und dem entsprechend uneinsichtig ist). Ein Alkoholiker mitten im Alkoholausschank und er bekommt nichts ab. Die Menge (1,5l) war mit Sicherheit stark übertrieben.

Der Vergleich Altenheim und Entzugsstation? Ist ein bisschen weit ausgeholt, find ich.
 
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Krankenschwester (G.- u. KPin)
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Krankenhaus (Augenklinik)
Isis

Isis

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16.05.2005
2
Hallo,
Monika und Willy_Wuff kann ich nur zustimmen.
Es geht in diesem Fall um trockene Alkoholiker, wir haben zur Zeit keine trinkenden Alkoholiker, wobei der Unterschied eben genau der ist, der schon aufgezeigt wurde: In beiden Fällen hat die PDL nun mal gerade an Alkoholiker keinen Alkohol auszuschenken. Punkt! Wenn derjenige durch Angehörige oder andere oder sich selbst an Alkohol kommt - nun gut, ist nicht in Ordnung, aber zumindest haben wir als Pflegeeinrichtung der Sucht keinen Vorschub geleistet.

@Barbara J:
Wir feiern jedes Jahr Silvester in unserer Einrichtung, und es gibt dann auch Sekt und Eierlikör. Aber wir Nachteulen achten streng darauf, daß unsere Alkoholiker keinen Alkohol bekommen. Vor zwei Jahren nun war eine recht neue Bewohnerin dabei, die alkoholkrank ist und, aufgrund ihrer Demenz, keine Therapie gemacht hatte, also nicht krankheitseinsichtig ist und allein aufgrund der Tatsache, daß sie durch ihren vorherigen KH-Aufenthalt und ihr Leben bei uns keinen Alkohol erhalten hatte, trocken war.
Nun saß sie also an Silvester in der Runde und sah, daß alle um sie herum Sekt tranken - nur sie bekam nichts. Wir haben ihr erklärt, daß wir ihr leider nichts geben dürfen, und sie war sehr traurig, hat sich aber damit arrangiert. Im Jahr darauf konnte sie schon wesentlich besser damit umgehen.
Ja, das ist hart - aber einem Diabetiker gibst Du ja auch nicht Unmengen von zuckerhaltigen Produkten, bloß weil Ostern oder Weihnachten ist und alle anderen, die mit am Tisch sitzen, auch Zucker konsumieren dürfen.

Man sollte Alkoholismus einfach als Krankheit begreifen, bei der man halt bestimmte Dinge nicht machen kann - eben Alkohol trinken. Beim Diabetes musst Du halt Diät einhalten, usw.

In den letzten Jahren hatten wir zunehmend Alkoholkranke Bewohner, und bei vielen merkt man, wie sich der Gesundheitszustand ohne Alkohol wesentlich gebessert hat, von der Psyche mal ganz abgesehen. Soll das durch vermeintlichen "Spaß" mal eben im "vorbeigehen" kaputt gemacht werden?
 
Qualifikation
Krankenschwester/Nachtwache
Fachgebiet
Altenpflegeheim
B

Barbara J

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01.03.2006
50937
Ihr tut ja alle so, als würde ich sagen: gebt allen trockenen Alkoholiker Alkohol, wenn sie woll. Das tue ich nicht, und das habe ich auch nicht gesagt! Also tolles Beispiel, das mit dem trockenem Alkoholiker.
Mir ist wohl bewußt, dass sogar der Alkohol in der Bratensoße schon zum Rückfall führen kann.
Ich kann nur sagen, bei uns im KH bekommen Alkoholiker (die NICHT trocken) sind auch schon mal ein Bier (auch wenn es nur alkoholfrei ist), kann man in der Apotheke bestellen.

Mal was anderes. Hört sich so an, als könnten die Bewohner bei euch einen Entzug machen. Wie funktioniert dass? Kann mir das aufs Altersheim bezogen nicht so richtig vorstellen.
 
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Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
Ich kann nur sagen, bei uns im KH bekommen Alkoholiker (die NICHT trocken) sind auch schon mal ein Bier (auch wenn es nur alkoholfrei ist), kann man in der Apotheke bestellen.
Würde ich vermutlich auch machen, wenn ein nichteinsichtiger Alkoholiker z.B. mit einer Fraktur im Krankenhaus liegt ..... es ist sehr kontraproduktiv, wenn der ins Delier rutscht. Aber im Krankenhaus bin ich temporär für den Patienten verantwortlich, in einer Pflegeeinrichtung dauerhaft.

Ich finde das Beispiel mit der Diabetes-Erkrankung sehr passend.
 
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Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
Isis

Isis

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16.05.2005
2
Hallo Barbara,
nun, bei uns wird kein Entzug angeboten, dazu wären wir auch eigentlich nicht in der Lage.
Es ist halt so, daß wir oft Alkoholiker aus dem Krankenhaus als Neuaufnahme bekommen, und diese Menschen noch bis vor ihrem KH-Aufenthalt getrunken haben. Die sind natürlich meistens dement (und haben auch oft schon einen ausgeprägten Korsakow), so daß niemand auf die Idee kommt, eine wirkliche Therapie anzubieten. Mit etwas Glück bekommen die Leute Distraneurin, das war's dann.
Wenn sie zu uns kommen, ist oft noch der Suchtdruck zu spüren, sie leiden noch an Entzugserscheinungen, vor allem psychischer Art. Nach einiger Zeit aber normalisiert sich alles, und vielen geht es physisch und psychisch wesentlich besser.
Dumm stehen wir da, wenn wir Alkoholiker als Neuzugänge bekommen, und keiner weiß was von der Sucht - da wundert man sich ein paar Tage über das seltsame Verhalten des Bewohners und kommt irgendwann hinter das Geheimnis. Dabei handelt es sich oft um Menschen, die wegen zunehmender Demenz direkt von zu Hause zu uns kommen und die Angehörigen entweder von der Sucht nix wissen oder aus Scham schweigen und der bisherige Hausarzt nichts gemerkt hat oder nichts merken wollte. In dem Fall wird dann mit allen Beteiligten diskutiert was sinnvoll ist: Demjenigen Alkohol anbieten oder mit Distra entziehen. Wir Pflegekräfte sind ja meistens für Variante Nummer zwei. Aber natürlich wäre es uns allen lieber, derjenige würde im KH entziehen, denn vor einem Delir haben wir schon mächtig Respekt, um nicht zu sagen: Angst.
Einmal hatten wir einen Bewohner, der per PsychKG zwangsweise eingewiesen wurde, weil er in seinem Zustand für uns und unsere Bewohner nicht mehr tragbar war und mitunter auch sehr agressiv wurde. Nach seinem Psychiatrieaufenthalt wurde er dann direkt in eine Pflegeeinrichtung für Suchtkranke verlegt.
 
Qualifikation
Krankenschwester/Nachtwache
Fachgebiet
Altenpflegeheim
C

Claudia Andrea

Neues Mitglied
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25.05.2006
59581
Hallo Isis
wenn all deine Bemühungen nichts nützen, und auch von Seiten der GF nichts unternommen wird, würde ich mich wahrscheinlich an die Heimaufsicht wenden, das mag zwar harter Tobak sein , aber es geht schließlich um uns anvertraute Menschen, und wenn die Situation andersrum wäre, und eine PK den Alkohohl ausgeschenkt hätte, hätte sie mit Sicherheit schon eine Abmahnung erhalten. Ich kann deine Wut nachvollziehen.
Gruß
Claudia
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Stationäre Altenpflege
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Willy_Wuff

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01.12.2005
Deggendorf
Alkohol im Krankenhaus ?
Hmmmmm....... Hab ich zumindest in meiner 12 Jährigen berufspraxis nicht erlebt das einer von medizinischem Personal Alkohol bekommen hätte, währe in der Regel auch nicht mit der Gabe von Medikamenten zu vereinbaren.

Allerdings sind wir in der Regel mit der Gabe von Distra eher großzügig als Knauserich, sprich Distra nach Schema und wird dann langsam reduziert.

Und sollte er doch ins delier rutschen, was wir glücklicherweise meißtens verhindern können... dann gibt es lauter feine Sachen mit denen man es für den Patienten erträglicher gestalten kann. ( Ohne Alkohol )

Aber Alk bekommt von uns keiner, vor allem, so lange der im Körperlichen Entzug ist währe es n büschen viel verlangt wirkliche Krankheitseinsicht zu erwarten.
Also aus diesem Sollte man einem Patienten im Krankenhaus mindestens herraus helfen.

Was anderes ist es bei Sterbenden Patienten, wenn da einer den Wunsch nach einem Bier Äußert, frag ich ihn nur welches. ( Betonung liegt auf einem, ich würd ihm auch nicht gleich nen Sixpack auf den Tisch stellen )
Wobei... wenns n sterbender Alkoholicker ist ... würd ichs warscheinlich auch nicht machen, nicht wegen irgendwelchen Prinzipien, aber wenn ich ihm dieses eine Bier gebe, tuhe ich ihm nicht wirklich einen gefallen damit.
 
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Fachpfleger für Intensiv Medizin
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