Biografiearbeit in der ambulanten Pflege

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Albino

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Guten Tag,
ich bin neu hier und frage das erste Mal etwas.
In einer Klausur geht es um einen Apoplexpatienten: 2 Wochen Klinik, 3 Wochen Reha, anschließend häusliche Pflege unter in Anspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes.
Zu diesem Fallbeispiel sollen nun auch Fragen zur Biografiearbeit gestellt werden.
Mein Problem ist hier, noch einmal besonders groß, das leidige Thema "theoretisch wünschenswert, aber in Praxis?".
Meiner Erfahrung nach sind biografische Notizen in den Dokumentationsmappen mehr oder weniger Standart. Aber die kurze Zeit und die wechselnden PK lassen für Beziehungsaufbau und die weiteren hehren Ziele der Biografiearbeit (BA) kaum Möglichkeiten.
Welche sinnvollen Fragen kann eine Lehrkraft dennoch stellen?
MfG
Albino
 
Qualifikation
Dozentin füt Pflegetheorie
Fachgebiet
Psychologie
M

Menschenkind

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Hallo Albino,

schon verwunderlich...über 200 Aufrufe und keine Antwort der Schwarmintelligenz.

Meine Meinung zu Biografiearbeit ist folgende:
a) Wechselnde Mitarbeiter führen zwangsläufig zu desinformation - erfahrene biografische Aspekte werden unrelevant dadurch, dass sie nicht dokumentiert werden und so nicht für alle Mitarbeiter zugänglich sind.
b) Biografisches Wissen ist jedoch sinnvoll, um den Bewohner und seine Handlungen zu verstehen.
c) Biografisches Wissen ist wichtig, um Vorlieben und Abneigungen zu kennen und dementsprechend in den Pflegealltag einzubauen (Gewohnter und gewünschter Tagesablauf, Vorlieben bei der Reihenfolge des Pflegeablaufs, Hetero- oder Homogene Pflegeperson, Vorlieben in Bezug auf die Ernährung, Getränke).
d) Achtung Königsklasse: Persönlicher Umgang mit Gefühlen. Pflegebedürftigkeit ist frustrierend. Wenn ich weiß, wie die Person mit ihren eigenen Gefühlen umgeht, kann ich diese besser einordnen. Vielleicht gelingt auch eine Verständigung über die Reaktion der Pflegekraft auf emotionale Ausdrücke des pflegebedürftigen Menschen (soll sich die Pflegekraft eher zurück ziehen; soll sie mit Humor antworten; soll sie die Emotionen ansprechen oder irgnorieren, etc.). Wie steht die pflegebedürftige Person zu körperlichem Kontakt?

Aus diesen Aspekten würde ich wiederum Fragen ableiten:

Welche Bedeutung hat Biografiearbeit für Sie in der täglichen Pflege? Ist sie nur nutzloses Beiwerk der Dokumentation, die der MDK sich wünscht, oder arbeitet die Biografiearbeit für Sie?

Was könnten Sie aus der Information ableiten, dass die Pflegebedürftige Person auf einem Bauernhof gearbeitet hat?

Überlegen Sie, welche Informationen für eine Pflegekraft über Sie wichtig wären, wenn Sie die pflegebedürftige Person sind?

Die Schulungsanleitung zum Strukturmodell sagt über Biografie aus: "Das pflegewissenschaftliche Fundament eines personenzentrierten Ansatzes und die Erfassung pflege- und betreuungsrelevanter biografischer Aspekte im Rahmen der Themenfelder der SIS."
Welche biografischen Aspekte könnten im Themenfeldern 2 (analog 4, 5, 6) relevant sein und sich auf die Pflegesituation auswirken?
Was wäre die Auswirkung, wenn diese Aspekte nicht beachtet würden?

Wo entdecken Sie in der Praxis Ansätze von Biografiearbeit und wie wirkt sich dies auf ihre persönliche Arbeit aus?


So...ich denke, damit gebe ich die Frage wieder frei für die Diskussion und hoffe, einige Anregungen zu Biografiearbeit und dem Umgang mit Biografiearbeit gegeben zu haben.

Gruß vom Menschenkind
 
Qualifikation
Krankenpfleger, Pflegefachmann
Fachgebiet
Heimaufsicht/WTG-Behörde
Weiterbildungen
Pflegedienstleitung, Qualitätsbeauftragter, Algesiologischer Fachassistent (DGSS)
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