Bezugspflege in der stationären Psychotherapie?

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Rüdiger

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06.07.2000
Hallo zusammen,

ich habe mittlerweile in verschiedenen Psychotherapeutischen Bereichen gearbeitet. Nun weiß man ja, dass die Therapeuten ganz unterschiedlich der Pflege gegenüber stehen. Manche wollen, dass die Pflege am besten gar nichts macht, andere haben schätzen gelernt, wenn die Pflege eher aktiv ist.

Bei meinem letzuten Arbeitgeber war zum Beispiel ein vorzügliches Bezugspflegesystem installiert, in welchem die Pflege fest terminierte Gespräche mit den Patienten geführt hat, Tagebücher (Essstörung, Angst, Zwang usw.) begleitet hat, usw.

Nun bin ich Stationsleitung einer neuen Station für Psychosomatik und Psychotherapie, die es erst seit wenigen woche gibt, und ich habe den Eindruck, dass der ärztliche Leiter am liebsten Sekretärinnen eingestellt hätte...

Nun möchte ich aber doch gerne ein Bezugspflegesystem installieren. Wer hat Erfahrungen, wer kennt Konzepte, über die ich mich gerne austauschen würde.

Ich hoffe auf viele interessante Beiträge aus denen vielleicht auch Kontakte werden könnten...

In diesem Sinne,
liebe Grüße,
Rüdiger
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychosomatik/Psychotherapie
I

Ingo Tschinke

Hallo Rüdiger,

Ich kann dir dazu gleich mehrere Tipps geben. Erst einaml zu Bezugspflege. Es gibt einen sogenannten "Goldstandard" zur Bezugspflege, welcher von Needham/Abderhalden wissenschaftlich basierend auf einer Delphistudie in der Schweiz ermittelt wurde. Er ist nach Donebedian nach dem Struktur, Prozess, Qualitätsmodell ausgerichtet. Diesen Standard kannst du dir umsonst unter www.Pflegeforschung-psy.ch downloaden.
Im weiteren beschäftigt sich das Buch "Der Pflegeprozess" in der Psychiatrie" von Kistner (1998 - Fischer Verlag) sehr ausführlich mit der Thematik Bezugspflege und den damit in Zusammenhang stehenden Theorien (Haltung der Mitarbeiter, Doppelcharakter der Pflege, Bezugspflege bei bestimmten Krankheitsbildern etc. pp.).
Theoretisch kannst du das ganze mit einigen Pflegetheorien untermauern. Insbesondere bieten sich die Modelle von Peplau zur psychiatrischen Pflege (Peplau/Mischo-Kelling - Huber Verlag) und Peplau's "Zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflege" (zum beratenden Gespräch, Haltung, Nähe und Distanz uvam. - auch Huber Verlag) an. Im weiteren sind die Theorien von Travelbee zur Interaktion in der Pflege sehr unterstützend.
Weitergehend könnte man noch die Fürsorgetheorien von Benner/Wrubel hinzuziehen.

Ich selbst habe einige Ablauforganisationsstrukturen entwickelt und mache gerade eine empirsiche Untersuchung zur Evaluation des Bezugspflegekonzeptes auf einer allgemeinpsychiatrischen Station mit Mitarbeiter und Patientenbefragung.

Bezugspflege als Pflegeoragnisationssystem ist seit 1993 mein Lieblingsthema und ich könnte dir noch vieles mehr darüber sagen. Sage mir was du noch brauchst. Ich habe die oben angegebene Literatur schon gesichtet, kann also auf bestimmte Dinge zurückgreifen, die dich interessieren könnten.

Cheers

Ingo :redface:

[ 02. November 2002 23:29: Beitrag editiert von Ingo Tschinke ]
 
R

Rüdiger

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
06.07.2000
Hallo Ingo,

vielen Dank zunächst für die Tipps. Es kommt aber - wie kann es anders sein - ein kleines aber: die Dinge die Du erwähnt hast und Dein eigenes Interesse an diesen Fragen ist zumeist gekoppelt mit dem bereich der psychiatrischen Pflege. Dort ist das alles sehr viel einfacher, weil sich die Psychiater viel leichter damit tun, wenn Pflegepersonal qualifiziert arbeitet.

Mein Problem sind aber die Psychotherapeuten im Bereich der Psychosomatisch - Psychotherapeutischen Medizin. Zumeist sind dies Psychoanalytikter, die erhebliche Probleme damit haben, wenn Pflegepersonal qualifiziert arbeitet. Hierauf zielt meine Frage ein wenig ab, nämlich, ob es Erfahrungen und Tipps eben für diesen Bereich gibt.

Trotzdem erstmal Dank,
Gruß,
Rüdiger
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Psychosomatik/Psychotherapie
I

Ingo Tschinke

Hallo Rüdiger,

das Problem liegt also weniger in der Bezugspflege als Pflegeorganisationssystem, als mehr an der Implentierung desselbigen gegen den Widerstand der Psychologen auf der Station. Das die Bezugspflege auch für die Psychotherapie nutztlich und gut ist steht ja ausser Frage, die Frage ist nur wie setzt du sie ein.

So wie ich dich verstanden habe, spürst du den Widerstand der Psychologen - welche zumeist keine Teamarbeit gewohnt sind - und erwartest ihr Zustimmung. Die wirst du kaum bekommen, da sie ihre Pfründe sehen und wenn ihr damit rummischt, es ihnen in ihrer "Professionalität" nicht passt.

Die Frage ist doch aber eher, warum brauchst du deren Zustimmung? Du bist die Stationsleitung - hiarchisch auf dem Stand eine Oberarztes - und du hast das zu entscheiden. Warte nicht auf die Zustimmung eines fremden Berufsstandes, der euch vorschreibt, was ihr zu tun und zu lassen habt. Haben dich die Psychologen gefragt, ob du deren Analytische Therapie zustimmst, wohl kaum. Aber du erwartest deren Zustimmung, warum?

Bezugspflege bedeutet die Planung und den Umgang mit lebenspraktischen Problemen, die entweder Teil der Erkrankung sind oder Ausdruck in ihrer Umgebung und Beziehungen finden. Bezugspflege arbeitet da nach Pflegepsychotherapeutischen Grundsätzen (siehe Peplau) die der VT sehr nahe kommen. Führe das ein - und sage den Psychologen, okay ihr arbeitet analytisch und wir lebenspraktisch orientiert, wie kriegen wir das im Team zusammen.

Nicht Fragen, Tatsachen herstellen, das ist das Ding.

Ihr seit auf Teamarbeit ausgerichtet und werdet von den Psychologen als Sekretäre und Informationszuträger benutzt. Berichten die euch aus ihren Gesprächen so viel, wie ihr in der Dokumentation festhaltet und ihnen zutragt? Eher nicht? Dann seit ihr von Teamarbeit weit entfernt, ihr seit die Befehlsempfänger und sie diejenigen, die sagen was ihr machen dürft und was nicht. Das könnt und dürft ihr nicht zulassen.

Macht euch erstmal eure Position im Pflegeteam klar und habt ihr die Entscheidung getroffen, dann werden die Sachen die die Pflege betreffen umgesetzt. Wer bist du denn, das du die Erlaubnis anderer für rein pflegerische Dinge einholen mußt.

Sollte es dann auf Konfrontation hinauslaufen und sie auch mangelnde Teamarbeit vorwerfen, dann macht eure Statements klar, das sie grundsätzlich NICHT zu entscheiden haben, nach welchem Pflegesystem ihr arbeitet.
Das Kooperation das Grundprinzip eurer Arbeit sein sollte und ihr nicht ihre Helferlein seid.
Sollten sie das nicht akzeptieren, dann macht ihre eure Arbeit und sie ihre - schmeißt sie aus eurem Dienstzimmer. Ihr haltet euch ja schließlich auch nicht in ihren Diensträumen auf. Dokumentiert für die Pflege - nciht für sie, erzählen sie euch nichts, erzählt ihr ihnen auch nichts.
Frage sie ganz deutlich, was sie wollen: Kooperation oder Konfrontation. Und das Bezugspflege eingeführt steht nicht zur Debatte, es muß darüber geredet werden, wie beide Therapieformen kooperieren, aber sonst nichts.

Cheers

Ingo :redface:
 
I

Ingo Tschinke

Hallo Rüdiger,

zu meinem vorrangegangem Posting sind mir noch einige Sachen eingefallen, die du als Tipps vielleicht noch brauchen könntest:

1. Hole dir die Rückendeckung von der PDL - schildere ihr/ihm die Situation und deine Ambitionen zur Implentierung der Bezugspflege, verweise auf den Qualitätssstandard von Needham/Abderhalden.

2. Diskutiere mit dem Pflegeteam eure Auffassung zur Bezugspflege. Es muß konseqent durchgeführt werden, ansonsten hast du ein Problem. Das bedeutet für alle in der Pflege die Bereitschaft zur Übernahme der Veranwortung die durch die Bezugspflege entsteht, Konsequente Durchführung der praktischen Arbeit und Interaktion mit den Patienten etc. pp.

3. Lege die Regeln zur Kooperation fest. Mindestens zweimal wöchentlich Team/Fallbesprechungen zu den neu Aufgenommen Patienten zum Abgleich der Therapie und Pflegeplanung. Klare Vertretungsregeln in der Bezugspflege. Es bietet sich hier an die Pflege in Gruppen zu organisieren (Bsp.: Ich habe neun MA im Tagesdienst, die die Bezugspflege machen, diese sind unterteilt in drei Gruppen, schichtversetzt, d.h. übernehmen ich einen Patienten, steht fest das meine anderen Kollegen die erste bzw. zweite Vertretung ist. Das wird dem Patienten auch gleich im ersten gespräch mitgeteilt, Vertretung heißt aber da nur Vertretung - die Bezugspflege ist für Planung, Durchführung und Gespräche zuständig, die Vertretung greift nur dann wenn, die BZP nicht da ist)

4. Lege die Dienstplanung so fest, dass die Vertretungsregelung auch greift, es gibt nicht schlimmeres, als das die Bezugspflege im Urlaub ist, sich keiner um die Vertretung gekümmert hat und dann mit dem Patienten nichts passiert.

5. Mache deine Position klar, du bist Partner und kein Bittsteller.

6. Stütze dein Team mit Mitarbeitergesprächen, um rauszubekommen, wer noch Unterstützung und Hilfe braucht, viele Pflegende haben erst Angst vor Verantwortung. Haben sie sie erstmal übernommen und merken sie, dass sie meist zu der wichtigsten Vertrauensperson während des Aufenthaltes werden, werden sie sie nicht mehr hergeben wollen. Biete Schulungen und interne Besprechungen an, bricht einer deiner Mitarbeiter ein, hast du ein massives Problem - darauf werden die Psychologen warten und es dir sofort unter die Nase reiben, wenn etwas nicht klappt. Fördere und Fordere von deinen dir unterstellten Mitarbeitern.

7. Mache dir die Aufgaben klar die die Bezugspflege hat:
- Interaktionspflege
- Beratendes Gespräch, auch in kurzkontakten
- 24 Stunden in Pflegebetreuung
- Förderung der lebenspraktischen Tätigkeit
- Ausseinandersetzung mit den Lebensmilieu
- Angehörigenberatung
- Wahrnehmung von verschütteten Problemen
- Auseinandersetzung mit dem "Leib" Gedanken (Psychosomatik) siehe auch Wissenschaft auf dem Board
All das leisten die Psychologen nicht, da sie nur durch die analytische Brille schauen, gerade das macht ihr nicht, deswegen wäre ein Kooperation sehr sinnvoll im Sinne der Patienten.

Cheers

Ingo :redface:
 
V

Valeri

Neues Mitglied
Basis-Konto
07.11.2002
Hallo miteinander,
wenn man 10 erfahrene Pflegekräfte in der Psychiatrie nach dem Inhalt, oder ihrem Verständnis der psychiatrischen Bezugspflege befragt, erhält man so ca. 15,5 verschiedene Antworten. Da wären wir also an einem Punkt, an dem auch Ärzte und Psychologen eine gewisse Scheu entwickeln Kompetenzen an Pflegekräfte abzugeben, respektive entsprechende Potentiale in der Pflege zu erkennen. Wie und durch wen werden Pflegekräfte zur Führung eines professionellen pflegerischen Gesprächs mit einem psychiatrischen Patienten befähigt. Zu häufig ist in Gesprächen miit Patienten ein egomanes pseudotherapeutisches Vorgehen zu verzeichnen. Dies gefährdet nicht nur Patienten sondern auch die physische und psychische Gesundheit von Mitarbeitern. Bezugspflege muß sich zuallererst auf klar definierte Bereiche richten.
Dazu gehören m.E unter anderem:
- die Rolle als Ansprechpartner in organisatorischen und vermittelnden Fragen
- die Hilfestellung für die Bewältigung des stationären Alltags
- die Rolle als Autorität, Beschützer und Übermittler

Wir sollten nicht vergessen, dass Psychotherapeuten im Rahmen ihrer Ausbildung Techniken erlernen, sich selbst - ihre psychische Gesundheit und Stabilität -zu schützen.
Ich erlebte oft genug Kollegen, die sich mit einem kaum gefestigten Halbwissen und ohne Klarheit über ihre Rolle als Pflegekraft auf einem pseudotherapeutischen Trip befanden. Es war immer nur eine Frage der Zeit bis das in der Katastrohe endete.
Daher mein Mißtrauen gegenüber dem nicht determinierten Gebrauch des Begriffes "Bezugspflege". Auch die Fachweiterbildung "Psychiatrie" oder die sozialtherapeutische Weiterbildung ist keine Garantie, dass die Betreffenden Pflegekräfte eine professionelle Herangehensweise entwickeln.

Valeri
:smile:
 
Qualifikation
Dipl.Pflegewirt
Fachgebiet
Psychiatrie
I

Ingo Tschinke

Hallo Valeri,

vielen Dank für deine Antwort. Man kann die Bezugspflege als strukturelles Pflegeorganisationssystem betrachten und dazu ein rein organisatorisches Blickfeld einnehmen. Was aber tatsächlich leider immer wieder vergessen wird, ist es, dass derjenige, der in der Bezugspflege arbeitet, diese auch mit Inhalten füllen muß. Dies gilt es - wie du schon ganz richtig erwähnt hast - immer zu bedenken, inwieweit die in der Bezugspflege tätigen Personen auch Selbstreflektiv dazu in der Lage sind.

Ein großes Problem besteht darin, dass die meisten psychiatrisch tätigen Pflegenden davon scheinbar ausgehen, dass ihnen die Befähigung von allein zufällt. M.E. kann niemand der sein Examen erst seit kurzen hintersich hat, von sich behaupten dazu befähigt zu sein.

In den USA ist zu dieser Form von Behandlungspflege ein Universtätsstudium notwendig und du hast schon ganz recht, dass es ohne ein Auseinandersetzung über Inhalte und das was mit und durch die Bezugspflege geschehen soll schon fast gefährlich ist, unerfahrene einfach so auf die Patienten los zu lassen. Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass man erfahrene psychiatrisch Pflegende (am besten mit psychiatrischer Fachausbildung) in ein Bezugspflegeorganisationsystem ohne Bedenken einsetzten kann, man sollte aber Anfänger oder Unerfahrene erst über eine geraume Zeit begleiten und ihnen Patienten zuteilen, bei denen es um Tagesstrukturierung geht etc. Im weiteren halte ich eine Auseinandersetzung mit Peplaus Ausführungen und klaren Anweisungen für das beratende Gespräch für sinnvoll und Kistners "Der Pflegeprozess in der Psychiatrie". Ohne Hintergrundwissen ist die Umsetzung profesioneller Arbeit immer schwierig.

Cheers

Ingo :redface:
 
V

Valeri

Neues Mitglied
Basis-Konto
07.11.2002
Lieber Ingo,
vielen Dank für Deine Antwort. Ich gehe da konform. Für problematisch halte ich die Frage der Befähigung. Bis dato kenne ich keine psychiatrische Station auf der mehr als maximal 20% der Pflegekräfte über eine psychiatrische Fachweiterbildung verfügen. Die mangelnde Qualifikation zur inhaltlichen psychiatrischen Pflege ist einer der krassesten Mißstände in Deutschland. Soweit ich weiß beinhaltet bspw. das Berliner Rahmenprogramm der Krankenpflegeausbildung vier Doppelstunden "psychiatrische Pflege" in denen man durchaus zu hören bekommt, dass Schach, Mensch Ärger dich nicht und Halma der Hauptinhalt der psychiatrischen Pflege darstellen. Dies wird fast überall ähnlich gehandhabt. Auch die Fachweiterbildung ist keine Garantie für professionelles arbeiten.
Dies sind Tatsachen, die ich als PDLèr einer psychiatrischen Klinik beklagen kann, mit der ich aber arbeiten muß. Die Konsequenz ist, dass ich dass inhaltliche Niveou der pflegerischen Tätigkeit auf den Stationen auf einem definierten Standard bringen und halten muß, um den häufig anzutreffenden Hobbypsychotherapeuten klar zu machen, was geht und was nicht. Dass dabei andere professionell arbeitende Kollegen eingeschränkt werden ist dabei nicht auszuschließen.

Valeri
 
Qualifikation
Dipl.Pflegewirt
Fachgebiet
Psychiatrie
I

Ingo Tschinke

Hallo Valeri,

ich stimme aus eigener Erfahrung deinen Ausführungen zu. Viele Kollegen haben erst angefangen, psychiatrische Pflege bzw. deren Inhalt und Umstände zu begreifen, nachdem sie längere Zeit in der Psychiatrie gearbeitet haben.

Nach meiner Auffassung ist kaum - oder nur wenige - frisch examinierte in der Lage psychiatrisch zu arbeiten. Ich habe in den funfzehn Jahren, die ich in der Psychiatrie arbeite, viele Schüler verschiedenen Alters die Psychiatrie durchlaufen sehen (etwa 10 pro Jahr). Von diesen hätte ich - unabhängig vom Alter - vielleicht 5 bis 7 zugetraut in der Psychiatrie anzufangen.

Ich selbst habe - obgleich in meiner Ausbildung 8 Monate in der Psychiatrie gearbeitet habe - sofort danach gestrebt eine Fachweiterbildung zu machen, um überhaupt das Wissen zu haben, das Handwerkzeug um psychiatrisch arbeiten zu können. Ohne das geht es nicht.

Da ich seit 15 Jahren auf ein und derselben Station arbeite, habe ich immer versucht, auch die Arbeit mit Inhalten zu füllen, die Kollegen zu motivieren sich fortzubilden und eine Fachausbildung zu machen. Diese Station leite ich jetzt seit geraumer Zeit als Stationsleitung, von 9 Kollegen, die in der Bezugspflege arbeiten (wir arbeiten nur im 2 Schichtsystem) haben 6 Kollegen eine Fachausbildung als Fachpfleger Psychiatrie, oder Gesprächstherapeutische Ausbildungen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 40 Jahren und bis zu 90% wird in Vollzeit gearbeitet, um die Kontinuität der Bezugspflege zu wahren. Die Fluktuation ist sehr gering, die meisten meiner MA arbeiten seit 10 oder mehr Jahren mit auf dieser Station. Das ganze System der Station ist inhaltlich und strukturell auf die Bezugspflege abgestimmt - Vertretungen, Dienstpläne, Pflegevisiten, Fallbesprechungen - einfach alles. Jede Inkonsequenz im Handeln würde dieses System schwierig machen. Gestützt wird dies durch klare Zielbesprechungen mit den Mitarbeitern, um herauszubekommen wo die Schwierigkeiten in der Arbeit liegen.

Durch große Transparenz in der Arbeit würden solche Missgriffe in dem Nähe-Distanzverhältnisse, Missbräuche der Pflege oder der Patienten auffallen - wie du sie beschreibst - da wir uns ständig gegenseitigt in der Bezugspflegearbeit hinterfragen. Auch die festgelegte Gruppenstruktur (Primary-nursing organsation mit festen Vertretungen), machen eine Nachvollziehbarkeit der inhaltlichen Arbeit notwendig.

Das recht gute Versorgungssystem innerhalb der Stadt Bremen - im Verhältnis zum Umland - tut sein übriges dazu. Man kann gut mit umgebenden Wohneinrichtungen, SPsD's und Tageskliniken zusammenarbeiten. Ausserdem ist es von Vorteil, das wir keinen Versorgungsauftrag haben, wir sind dadurch wirtschaftlich anfälliger als Klinik, allerdings haben wir zum großen Teil Klienten, die etwas wollen und das ist zu den "normalen Landeskrankenhäusern" schon ein extremer Vorteil.

Als Stationsleitung solche Prozesse zu lenken ist schwierig, aber als PDL sehr schwierig. Mir graut es schon nach meinem Studium als Pflegemanager, diesen Schritt zu machen.

Cheers

Ingo :redface:

[ 14. November 2002 19:50: Beitrag editiert von Ingo Tschinke ]

[ 14. November 2002 19:53: Beitrag editiert von Ingo Tschinke ]
 
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Administrator
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05.07.2001
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