Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

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Jana1

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:wassat:Halllo,
Wir haben bei uns eine 91 jährige Bewohnerin die im sterben liegt.Sie nimmt keine Nahrung mehr zu
sich und Flüssigkeit, auch keine Medikamente. Sie bekam subcutane Infussion. Nun hat sie eine
Lungenendzündung bekommen und bekam wohl schwer Luft. Der Arzt meinte sie braucht Antibiotikum
denn sonst kann sie ersticken. Da sie ein Patiententestament hat steht der Wortlaut so das keine
Krankenhauseinweisung mehr gemacht werden soll. Nun wurde der Enkel angerufen, der auch Betreuer
ist und er sagte dann ins Krankenhaus, denn sie soll ja nicht ersticken. Gibt se denn nicht auch die
Möglichkeit, das der zuständige Artzt den IV-Zugang legen und sie müßte dann nicht ins Krankenhaus?
Das ist doch schlimm, wenn jemand im Sterben liegt ihn dann noch zu verlegen.
Hat jemand schon solche Erfahrungen gemacht?

LG Jana1
 
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schneeeule

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Hallo, ich kann Deine Fragestellung wirklich gut verstehen. Aus palliativer Sicht ist eine Einweisung in der Sterbephase wirklich nicht nötig, ein Gehen-können im gewohnten Umfeld erstrebenswert. Eine Patientenverfügung beeinhaltet jedoch nicht ein unter Umständen jämmerliches Sterben. Wichtig ist auch die emotionale Verfassung des Angehörigen, der diese Entscheidung treffen muss. Über Leben und Tod eines nahen Verwandten entscheiden zu müssen ist sehr schwerwiegend. Warum der behandelnde Arzt nicht Antibiotika intravenös anordnet, hat sicher auch rechtliche Gründe. Es handelt sich ja immer noch um einen, mehr oder weniger, häuslichen Bereich. Eine adäquate palliative Therapie gestaltet sich bei unserem Pflegeschlüssel ja auch eher schwierig, oder? Dass die Versorgung im KH auch nicht viel besser ist, ist eine traurige Tatsache. wir führen hier im Vorfeld Gespräche mit den Angehörigen (Krisenvorsorge) und versuchen den möglichen Willen des Bewohners zu eruieren und in seinem Sinne zu handeln. Trotzdem kommt es auch hier immer wieder zu Einweisungen in der Terminalphase, da Angehörige Angst haben, die falsche Entscheidung zu treffen. Hier versuchen wir die Bewohner durch kontinuierliche Krankenhausbesuche und teilweise Übernahme der Pflege im KH zu begleiten (natürlich in unserer Freizeit... :eek:riginal:) . Schlimmer als die Krankenhausatmosphäre mit traumatischen Erlebnissen finde ich nämlich den Verlust der Bezugspersonen ....
Lieben Gruß
 
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thorstein

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Das finde ich schon manchmal ein bisschen demagogisch, weil für diese Gefahr nichts spricht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie als alter Mensch nicht alles Adäquate bekommen, ist eine falsche Behauptung. Es ist doch genau umgekehrt: Wir sind heute eher in einer Situation, wo die Missbrauchsincentives durch die Medizin bei alten Menschen unglaublich hoch sind. Wenn ein alter Mensch mit einer
doppelseitigen Lungenentzündung in eine Klinik eingewiesen wird und eigentlich sterben will, dann ist die Wahrscheinlichkeit heute sehr hoch, dass eine inadäquate, weil qualvolle Lebensverlängerung betrieben und der Sterbeprozess nicht zugelassen wird. Was meinen Sie, wie schnell der Patient ohne Patientenverfügung an eine Beatmungsmaschine angeschlossen wird und wie viel Geld die Klinik dafür bekommt. Aber: An irgendetwas müssen die Menschen doch sterben dürfen. Die Lungenentzündung beispielsweise heißt nicht umsonst – im angloamerikanischen Sprachgebrauch – „the old man’s friend“. Das ist einer meiner zentralen Punkte. Nicht nur der Kranke muss lernen loszulassen am Lebensende, sondern auch die Medizin. Die Medizin verweigert sich hier oftmals, weil sie eben sagt, wir müssen jedes Register ziehen, zum das Leben zu erhalten. Der Doktor hat gelernt, Lebensverlängerung als Selbstzweck zu begreifen. Den Gedanken, die Sterblichkeit des Menschen zu akzeptieren, für ein gutes Leben in gleicher Weise zu sorgen wie für ein gutes Sterben, ist unter Ärzten nicht weit verbreitet.
Aus: Wie wollen wir sterben

Eine Antibiose wird in der Sterbephase von vielen Ärzten abgelehnt. Die Behauptung, dann müsse die Patientin qualvoll sterben, ist meiner Ansicht nach palliativmedizinisch nicht haltbar.

Grüsse
 
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puzzle

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Ich verste deinen Einwand nicht, ergibt für mich 0 Sinn. Es ist doch toll das auch heute noch alte Menschen die Möglichkeit haben im Klinik sterben zu dürfen, als dass an denen in dieser schweren Phase hand angelegt wird von Pflegehelfern o. Arzthelferinnen die von allen medizinischen Berufen am wenigsten Ausgebildet sind, ich finde es supi vom Arzt! Früher was es gang & gäbe in Klinik stereb zu dürfen, also ein Sterben in Würde ohne das Pflegehlefer an einen rum schupsen. Man kommt auch im Krankenhaus zur Welt, ist in BRD auch nicht als Krankheit anerkannt, Italien, Frankreich schon, also warum sollte man nicht in Klinik sterben dürfen. De Hausarzt kann nicht ständig zum Infusion legen kommen, und Arzthelferinne ist eine Schande dass die in manchen ländlichen Dorfe zum s.c spritzen kommen, dann doch eher Alten- Krankenpfleger.
 
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thorstein

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Hallo puzzle,

ich beziehe mich mal nicht auf meine Berufserfahrung sondern auf nachvollziehbare Daten: Ich kenne keine Patientenverfügung, in der nicht ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass in der Sterbephase keine KH-Einweisung mehr erfolgen soll. Wenn es für dich toll ist, "wohlbehütet" in einer Klinik sterben zu dürfen, dann kannst du das gerne in deiner Verfügung mal so festlegen.
Auf den Rest deines Beitrages gehe ich erst gar nicht ein: ich will nämlich nicht immer alles verstehen.
 
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schneeeule

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Supi, im Krankenhaus sterben zu dürfen? .... Wers mag, soll das für sich so festlegen.
Ich persönlich hätte da andere Wünsche :eek:riginal:.
Liebe Puzzle,
kann das sein, dass da Vorurteile aus einem anderen Berufsfeld mit reinspielen?
Kenne aus meiner Berufserfahrung sowohl Klinik als auch Seniorenheim, und muss ganz unverblümt feststellen, dass mich diese Thematik (Im KH wird über die Zustände im Pflegeheim geschimpft, im Seniorenheim die KLinik angeprangert ...) echt ankotzt.
Warum kehrt nicht jeder vor seiner Tür oder versucht im konstruktiven Miteinander die Situation der Patienten bzw. Bewohner zu optimieren?
Ich kenne viele Pflegehilfskräfte, die mit Herz und Liebe in ihrem Beruf arbeiten.
Für mich ist ein liebevoller, respektvoller Umgang mit den uns anvertrauten Menschen das A und O. Übrigens, es spritzen und pflegen bei uns in Deutschland auch viele Angehörige ohne jede pflegerische Ausbildung ...

Obwohl, ich muss auch nicht alles verstehen ...

Lieben Gruss
Nicole
 
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nofretete

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Also, wenn jemand im Sterben liegt, sollte er/sie doch im häuslichen Umfeld sterben dürfen, Altenheim gehört natürlich dazu zum häuslichen Umfeld. Klinik sollte nur im allernotwendigsten Notfall in Frage kommen, und wenn möglich auch dort Palliativstation.
 
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Ren-Hoeck

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

Hi Puzzle -.-

ich geh mal lieber nicht auf Erfahrungswerte mit Pflegern ein, die deiner Argumentation folgen.
Nur mal kurz zur Erinnerung. Mit Außnahme von Paliativbereichen ist doch ein KH ein Diagnose und Therapiezentrum oder?

Und was bitte willst du bei einem Sterbenden therapieren. Soziale Beziehungen kann ein KH nun mal nicht ersetzen. Und nebenbeibemerkt würd ich mir fast wünschen, das die Arzthelferinnen deines Hausarztes den Artikel gelesen haben und zufällig auf deine reale Person schliessen könnten.
 
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Gunda

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

@ puzzle ...

... wenn du wieder mitmischen kannst : Da fällt mir nichts mehr ein.
 
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Gunda

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AW: Bewohner wird in der Sterbephase in das Krankenhaus verlegt

@ Jana

Ja, das ist sehr traurig. Im Heim ist doch die Chance in Würde zu sterben um einiges größer als im KH.
Da bleibt nur zu hoffen das die Patientin vielleicht schneller ist als der Arzt, der sie anscheinend nicht gut kennt, keine Verantwortung übernehmen möchte und Schiss vor eventuellen
Schritten nach ihrem Ableben durch den Enkel hat.

Gunda
 
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