Allgemein Bewohner will nicht trinken.

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lulli00

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Hey.

Ich bin gerade in einem Altenheim eingesetzt.
Wir haben eine Bewohnerin die sehr häufig und auch wehemend Flüssigkeit und Nahrung ablehnt.
Sie bekommt auch s.c. Infusionen die sie sich selber raus zieht. Die Bewohnerin ist in Betreuung.

Nun ist es so, das wir in der Vergangenheit das Dokumentiert haben wenn sie nicht trinken oder essen wollte.
Damit ist die PDL aber nicht einverstanden. So wurde der Hausarzt beauftragt ein Schreiben aufzusetzen, nach dem wir die Ablehnung akzeptieren dürfen. Das hat der Hausarzt allerdings nicht schrieben wollen und auf die Betreuung verwiesen. Diese hat das Schreiben dann aufgesetzt.

Ich bin doch sehr verwundert.
So wie mir das bekannt ist, darf ich niemanden zwingen zu trinken oder zu essen. Andernfalls wäre es ein Körperverletzung.

Ihr wird zu jeder Mahlzeit und auch zwischendurch immer wieder Flüssigkeit und Nahrung angeboten. Ab und zu nimmt sie es auch mal. Ich denke dann ist der Hunger und Durst extrem. Jede Ablehnung wird mit, "BW will nicht trinken" etc. dokumentiert. Ist das nicht ausreichend.

Ich verstehe nicht was der Hausarzt oder die Betreuung damit zu tuen haben. Darf die pat. das jetzt nicht mehr selber entscheiden weil sie in Betreuung ist. Ob sie wirklich dement ist weiß ich nicht. Wenn dann ist es nciht sehr ausgeprägt.

Setzen sich der Arzt und der Betreuer mit so einem Schreiben nicht selber in die Nesseln?

Ich finde es unnötig so etwas aus zu stellen. immerhin auch für Demente gilt das Grundgesetz und wie sollte ich das umsetzten wenn sie das nicht mehr selber entscheiden dürften? Festhalten und wie ne Stopfganz füllen? Ich bin der Meinung das ich auch dieses ablehnen sogar zu akzeptieren habe.

Kann ich mich weigern. Ich will sowas nicht machen...

Was meint ihr?

Gruß Lulli
 
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südwind

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Ich kann dir berichten als Angehörige und gleichzeitig Betreuerin. Meine Schwiegermutter hatte im Pflegeheim auch Essen und Trinken verweigert, sie hatte eine Patientenverfügung, in der stand, dass sie nicht künstlich ernährt werden will und keine lebensverlängernde Maßnahme möchte.
Ich habe im Vorfeld alles mit dem Hausarzt besprochen, der stand hinter mir.
Das Pflegepersonal konnte das nicht akzeptieren, machte mich närrisch. Hat mir ein schlechtes Gewissen eingeredet und hinter meinem Rücken den HA angerufen und subkutane Infusionen verlangt. Der war sauer und hat mich angerufen.
Aber ich blieb dabei bei meiner und ihrer Entscheidung. Wie befürchtet entwickelte sie kurz Temperatur. Aber nach ein paar Tagen völliger Trink - u Nahrungskarenz war der Spuk vorbei , sie hatte wieder gegessen u getrunken und hatte dadurch keinen Schaden genommen.
Sie litt an Demenz im Endstadium.
 
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lulli00

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Das es gezweifelt wird ob man eine s.c. anhängt kann ich ja verstehen.

Aber was soll das Schreiben, das wir akzeptieren dürfen das sie orale Aufnahme verweigert? M.E. müssen wir das akzeptieren. Kein Betreuer oder Arzt könnte was gegenteiliges sagen. GG Art.2 Abs. 2. Darüber kann doch kein Betreuer oder Arzt hinweg gehen. Daher finde ich ein solches Schreiben als unnötig.

"Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden".


Die BW kann zwar nicht Adäquat sagen ob sie eine Infusion oder PEG will. Bzw. die Nahrungsaufnahme bewusst und mit Nutzen verweigert. Aber sie kann sehr deutlich machen das sie Oral nichts aufnehmen will. Für die anderen Angelegenheiten gibt es eben den Betreuer der den mutmaßlichen Willen von ihr Formuliert. Eben Zustimmung oder Ablehnung zu Infusionen oder PEG.

Zuerst hieß es auch "der Arzt will nicht das sie infundiert wird" Nun bekommt sie doch Infusionen. Hat mich auch gewundert und ich weiß auch nicht wie es dazu gekommen ist. Ist aber nicht mein Bier.

Für mich stellen sich einfach einige Fragen und auch hmmm... Momente wo ich da stehe und mir denke, da hab ich kein Bock drauf. die PDL setzt die Kollegen scheinbar unter Druck oder sie lassen sich unter Druck setzten. Ich kann das nicht Beurteilen. Ich hab mit der PDL kein Problem und ich hätte auch kein Problem ihr zu sagen, das ich der Bewohnerin XY keine Nahrung oder Getränke rein prügel. Ich biete an, auch ein 2. bis 3. mal. Ich berühre mit der Schnabeltasse die Lippen und schaue ob der Mund sich öffnet. Ich geb auch einen Tropfen zwischen die Lippen, das der Bewohner überhaupt weiß was es ist. Wenn nichts passiert bzw. die Lippen aufeinander gepresst werden, lasse ich es gut sein und dokumentiere den Misserfolg. Die Kollegen stresst das total. Ich finde das nicht weiter schlimm. Für mich wäre es dagegen sehr schlimm, da Zwanghaft an zusetzten. Erstens finde es schrecklich etwas gegen seinen Willen eingeflösst zu bekommen. Noch habe ich Angst die Bewohnerin zu verletzten. Zähne ausschlagen, Aspirieren etc... Dazu bin ich fest davon überzeug das ich mich der Körperverletzung Straftbar mache.

- Wie sieht das aus, ist so ein Schreiben "Akzeptanz der Verweigerung zur oralen Nahrungsaufnahme" nötig. Bzw. die Regel?
- muß sowas unbedingt nochmal in der Pat.Verfügung festgehalten werden?
- Kann ein Arzt oder Betreuer uns zwingen, der Dame das reinzuzwingen?
- welche Gesetze gibt es die den GG Art.2 Abs.2 außer kraft setzen?
 
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lulli00

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lulli00

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Ach ne anderen frage. BW nimmt Getränke nicht über die Schnabeltasse an. Presst die Lippen aufeinander. Durchaus ist es für sie aber möglich darüber zu trinken.
Nun wird mit einer großen Spritze ihr die Getränke in die Backentasche gespritzt.
Wie ist das zu werten? Ist das nicht zwangsfüttern?
 
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Hallo Lulli,

Das ist mit der Spritze geht gar nicht. Da wäre man im Bereich Strafrecht.

Zu deinen sonstigen Fragen....

Ich denke die PDL hat "Schiss" vorm MDK, wegen der Qualitätsprüfung.

Wenn ihr nur immer reinschreibt verweigert, dann reicht das tatsächlich nicht aus. Es wäre gut zu schreiben, dass ihr verschiedene Getränke (Lieblingsgetränke) angeboten werden, dass die die Lippen zusammen petzt und das dies als nonverbale Willensäusserung zu verstehen ist. Das bedeutet nicht, dass man ihr nicht immer wieder etwas anbieten soll.

Außerdem wäre eine Fallbesprechung sinnvoll in der das Problem thematisiert wird und ein gemeinsamer Weg festgelegt wird. Dazu könnte man auch die Betreuung und den HA einladen.

sophie
 
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Also ihr habt doch sicherlich eine Pflegeplanung. Da muss an entsprechender Stelle als "Problem" drinstehen, dass die Dame Nahrung und Trinken in den allermeißten Fällen ablehnt. An anderer Stelle muss unter "Maßnahmen" stehen, dass Ihr immer wieder, auch zwischendurch, etwas anbietet. Und das muss täglich mehrfach dokumentiert werden: "...Getränk/Pudding angereicht, Frau X kniff jedoch die Lippen zusammen..." . Das reicht für den MDK .
Vielleicht sollte man zusätzlich prüfen, ob die Dame vielleicht Schmerzen beim Schlucken oder Kauen hat und das nicht adäquat äußern kann. Zahnarzt und Logopäde wären hier angesagt.
Nach Deiner Beschreibung scheint mir die Dame doch recht dement zu sein. Leider kann man in einem solchen Fall nicht viel tun. Auch dementiell veränderte Menschen haben das Recht auf Selbstbestimmung, hier eben das Recht auf Nahrungsverweigerung. Google mal "Charta der Rechte von Pflegebedürftigen" oder so ähnlich. Da müsste das noch genauer beschrieben sein...
 
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fknth

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Nachtrag: Und natürlich auf keinen Fall die Dame nötigen oder zu irgendetwas zwingen. Damit macht Ihr Euch möglicherweise strafbar, ne?
 
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lulli00

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Nein dement ist sie nicht. Aber schon seeeeeehr alt. Und entsprechend tüdelig.

Die Infusion zieht sie sich bewusst raus.

Sie hat mittlerweile die Station verlassen und wurde woanders hin verlegt. Die Charta hatte ich eben gerade im Kopf und fand/ Finde ein solches Schreiben was die PDL verlangt unsinnig.
 
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