Bewohner lässt absolut keine Körperpflege zu

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Nasonex2001

Mitglied
Basis-Konto
08.03.2005
14712
Hallo
wisst oder habt ihr eine Strategie wie ihr Bewohner (speziell mit Demenz) dazu bringt sich waschen zu lassen? Wir haben schon zig Fallbesprechungen dazu gemacht aber nichts hat Erfolg. Wenn der Bewohner auf das Thema Körperpflege angesprochen wird, wird er sofort aggressiv und lässt niemanden an sich ran. Die Angehörigen finden das natürlich nich toll und beschweren sich. Aber was sollen wir machen, wir können ja niemanden zur Körperpflege zwingen.
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger, QB
Fachgebiet
Pflegeeinrichtung
S

Simba

Mitglied
Basis-Konto
18.09.2006
35576
Tja, das ist 'ne schwierige Situation, die aber bestimmt viele Pflegekräfte schon erlebt haben.
Versuch's doch mal mit "validierendem Arbeiten" oder einfach mit kleinen "Teilwaschungen", mit Humor oder Spaß verpackt..... da muß schwester/pfleger sehr kreativ sein...... Gruß Atta.
 
Qualifikation
Krankenschwester / PDL
Fachgebiet
Gießen
W

wuschelkopp

Mitglied
Basis-Konto
20.01.2006
30655
Also, ich hatte schon mal Erfolg damit, dass ich für eine alte Dame duftenden Badezusatz mitbrachte. Hab damit dann ein Fußbad angeboten.

Und bei einer anderen dementen, alten Dame klappt es, seit ich herausgefunden habe welches Lied "zu ihr passt". Hört sich vielleicht komisch an, aber ich hab zwei, drei Tage lang Volkslieder und Schlager gesungen, wenn ich mit ihr zu tun hatte. Und immer auf ihre Reaktion geachtet. "Ihr" Lied ist allerdings ein modernes Kinderlied. Sie liebt es, sie erkennt mich daran, das ich es ihr vorsinge. Sie beruhigt sich dann, wenn sie sich vorher geärgert hat.

Meistens braucht sowas einfach Zeit.
Geduld. Und die Angehörigen, ach je! Die wären ja auch nicht angetan, wenn du den Bewohner mit Gewalt unter die Dusche zerrst, oder?

Allerdings, hab ich das mit Gewalt duschen auch schon erlebt. Die WBL hat einer PP so lange Druck gemacht, bis die sich verpflichtet fühlte!:devil:
Die Kollegin hat hinterher geheult.
Und ich hab eine Gelegenheit, als alle anwesend waren, genutzt und die WBL ganz scheinheilig gefragt ob wir den unkooperative Bewohner mit Gewalt pflegen müssten....? Da konnte die WBL natürlich nur noch sagen das das natürlich nicht geht.
 
Qualifikation
Pflegehelferin
Fachgebiet
Pflegeheim
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Sonnensturm

Sonnensturm

Aktives Mitglied
Basis-Konto
05.01.2006
63110
Der Grund der Ablehnung liegt vielleicht in der Biographie?
Habt Ihr es schon zu einer anderen Tageszeit probiert?
Manche kommen ja erst später in die Gänge.:sleeping:
Ich kann mich auch an einen Bewohner erinnern mit diesen endlosen Diskussionen und Besprechungen. Bis wir dann erfuhren, dass er schon immer ein Spätaufsteher war und der Tag erst viiiiiiiiiiieeeeeeeeeel später begann.
Abends liess er sich dann versorgen, wenn auch nur alle 2-3 Tage. Wenigstens ein kleiner Erfolg.
 
Qualifikation
Krankenschwester
M

Manu5959

Aktives Mitglied
Basis-Konto
19.10.2005
Rosenheim
Hallo,

ich kann da wuschelkopp und wassermann nur beipflichten.
Biografisches Arbeiten finde ich hier äußerst wichtig.
Versucht, so viel wie möglich von den Lebensgewohnheiten des Bewohners zu erfahren, und bezieht die Erkenntnisse so umfangreich wie möglich ein.

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
PflegeFrei

PflegeFrei

Aktives Mitglied
Basis-Konto
Hallo Kollegen,
es könnte aber auch Angst dahinter stecken, wenn ich mich jetzt ausziehe, dann nehmen die mir meine Sachen/ Kleidung weg.
Versucht es doch mal damit, das Ihr dem BW vorschlagt die wäche zu tauschen, er gibt euch seine "alte" und bekommt dafür von euch "neue".
Und wenn er sich im Bad auszieht, könnt Ihr ihm ja Hilfe beim waschen anbieten. Ich hatte damit shon öfters erfolg.
Oder ein anderer Versuch geht doch mal auf Ihn zu und gratuliert ihm zu dem Gewinn einmal Gratis duschen zu dürfen.( klappt auch oft ), denn was gewonnenes mus ich nicht bezahlen.

Grüße DvD
 
Qualifikation
exam.Fachaltenpfleger für Gerontopsychiatrie, PA Gerontopsychiatrie,
Fachgebiet
Freiberuflich
Weiterbildungen
Wundexperte ICW
Pflegefachkraft ausserklinische Beatmung
M

Monika Bartz

Mitglied
Basis-Konto
02.02.2006
4020
Grüß euch!
Ich hab ja im normalen Stationsbetrieb eher selten demente Patienten, aber es kam auch schon vor, dass sich Pat. einfach nicht waschen oder duschen lassen wollten.
Wir versuchen es dann meist einmal mit verschiedenen Pflegepersonen, manchmal gelingt es einer Person, den Zugang zu finden und dann übernimmt halt diese eine die Körperpflege. Interessanterweise lieben unsere alten Damen oft unseren bayrischen Krankenpfleger, wenn der mit seinem Charme kommt, dann geht auf einmal manches viel leichter......
Einmal wollte ein dementer Pat. akkurat nicht in den Duschraum rein, als wir draufkamen, der will einfach nur nicht in den Spiegel sehen, haben wir diesen abgedeckt und das Duschen war kein Problem mehr.
Wie schon oben erwähnt, ist auch uns sehr wichtig, dass wir über die Gewohnheiten der Pat. Informationen erhalten, durch Pflegebegleitschreiben aus den Heimen oder von anderen Krankenhäusern, um besser individuell betreuen zu können.
Validieren, wenn man es gelernt hat, ist bestimmt immer ein Mittel zum Zweck :thumbsup: (bei uns auf der Station gibt es nur 2 Schwestern mit Kurs).
Gruß
Monika B.
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
Linz
F

Farbenvogel

Mitglied
Basis-Konto
19.04.2006
92637
ich würd auch meinen, versucht mal herauszufinden, was ihre alten gewohnheiten waren, wie hat sie sich gewaschen, oder geduscht/gebadet, WANN war das, gibt es gründe für ihre ängste,,,,erinnerungsarbeit, validation können hier sehr hilfreich sein

möglich ist es auch, mit verschiedenen aromen zu arbeiten, lavendel wirkt beruhigend...oder auch kaffeebohnen oder zitrone / lemongras sind stimmungsaufheller

lavendelsäckchen oder rosenblätter zu ihr ans bett stellen, bei uns funktioniert das größtenteils wunderbar :)

vielleicht wäscht sie sich auch generell erst nach dem frühstück?
 
Qualifikation
Ergotherapeutin
Fachgebiet
Alten- und Pflegeheim
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
Basis-Konto
26.09.2005
Bonn
Hallo @ all,

das muss ich jetzt mal los werden: ich habe allergrösste Hochachtung davor, wie ihr das Problem angeht.


Aus Euren Beiträgen spricht grosse Professionalität und Empathie .... und ich sehe Pflegekonzepte umgesetzt, von denen ich überzeugt bin (wenngleich in einräumen muss, dass die Umsetzung in einem Akutkrankenhaus schwer bis nicht sinnvoll ist).

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
G

guinan

Neues Mitglied
Basis-Konto
24.06.2004
59469
Hallo,
ich habe mal eine Dame versorgt, die immer sagte sie brauche keine Hilfe beim Waschen (obwohl sie ohne Hilfe sich gar nicht pflegte). Mit dem Argument ich müsste die vom Arzt verschriebene Salbe auftragen hat es dann aber funktioniert. Denn die Begründung, dass ich die "alte" Salbe erst abwaschen müsse, hat ihr eingeleuchtet. Mit dem Rücken habe ich angefangen, da kam sie ja nicht an. Nach und nach kam immer mehr dazu.

Grüße

guinan
 
Qualifikation
Soz.Pad
Fachgebiet
Altenpflege
Sabine63

Sabine63

Mitglied
Basis-Konto
04.05.2006
13585
Hallo,
die Biografie zu kennen, ist natürlich erst mal das Sinnvollste. Aber nicht immer möglich. Wer mit Validation arbeitet, der liegt schon ganz vorne. Auf jeden Fall erzeugt Druck immer Gegendruck. Jemanden also mit Gewalt zur KP zu bringen, ist das Schlechteste, was man machen kann; es wird ja dadurch nicht besser. Ich versuche, erst mal zu erkennen, warum derjenige dagegen ist, und auf welche Art und Weise ich ihm näher kommen kann....Musik, singen, tanzen, ect...bewahre erst mal seine Schamgrenze; anschließend baue ich die KP mit ein, als wenn es nie anders gewesen wäre. Meistens klappt das ganz gut. Und wenn es bei einem dementen Bewohner mal einen Tag nicht klappt.......na davon geht die Welt nicht unter ;-) am nächsten Tag klappt es wieder. Wenn man es schafft, daß der Bewohner seine Hände mit einem Stück Seife unter fließend Wasser hält, dann ist er damit so beschäftigt, daß ich die ganze KP währendessen durchführen kann.

Gruß

Sabine
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Ambulante Pflegestation
Felidaes

Felidaes

Mitglied
Basis-Konto
19.06.2006
50737
Hallo, ich kann nur bestätigen, wie ungeheuer wichtig es oft ist, daß eine
"gescheite" Biographie vorliegt, die in vielen Fällen eine Erklärung für schein-
bar irrationales Verhalten bietet.
Während meiner Ausbildung sollte ich morgens eine ewohnerin versorgen, die
allgemein als etwas schwierig, aber harmlos galt.
Mein Anleiter sagte mir, ich solle einfach ein paar Liedchen trällern oder
pfeifen, dann wäre sie "handzahm".
Gesagt, getan, ich ging fröhlich pfeifend in ihr Zimmer, weckte sie usw und
ging dann mit ihr ins Bad.
Sie setzte sich auf die Toilette, ich ließ schon mal Wasser ins Waschbecken
ein, schloß die Tür - und ein markerschütternder Schrei, einer Sirene gleich
erfüllte den Raum. Die Bewohnerin, die eben noch recht ruhig und ausgeglichen
schien saß da mit hochrotem Kopf auf der Toilette, schreckgeweiteten Augen
und hörte nicht mehr auf, zu schreien.
Um es mal abzukürzen, später erfuhr ich, daß sie während des Krieges mehrere Tage nach einem Bombenangriff verschüttet war. Sie hatte über-
lebt, mußte aber tagelang unter den Trümmern ihres Hauses ausharren.
Seit dieser Zeit und besonders verstärkt wohl in ihrer dementen Phase,
konnte sie es nicht mehr aushalten, sich in geschlossenen Räumen aufzu-
halten.
Diese Erfahrung als Praktikantin hat mich gelehrt, wie unglaublich wichtig es
ist, möglichst viel über den Bewohner, sein Leben, seine Erlebnisse, Erfahrungen,Gewohnheiten und und und zu wissen.

Feli
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
Pflegewohngemeinschaft
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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