Altenpflege Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

P

Parasympathisch

AW: Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

Ich glaube gerne das bei euch eine vornehme zurückhaltung und braves erkennen anfallender Arbeiten verlangt wird - Dur wirst zum gehorsamen helfer erzogen, anstatt zur selbstständigen Pflegekraft die du einmal sein wirst. Das ist eine Sauerei und es wird viel zu wenig getan um so etwas zu verhindern. Menschen die das von einem Schwächeren, einem SChüler, erwarten, was erwarten solche Menschen denn von einem Schwachen Bewohner? Kann man das alles einfach Trennen? Läuft nicht die Ausbildung total falsch ab wenn ein Funktionieren erwartet wird, wenn der Schüler auf die Station eingeht anstatt die Station auf den Schüler, so wie es das Gesetz auch eigentlich sieht?
Ich sehe das ähnlich: die Berufserfahrenen sollten ein Arbeitsleben vorleben, das geprägt ist von Wertschätzung, Kommunikationskultur, Fachwissen usw.
Das Abspeisen von Auszubildenden durch fachfremde Tätigkeiten geschieht meiner Ansicht nach aber auch sehr schnell, weil viele Azubis nicht das einfordern, was ihnen eigentlich zusteht. Da wird blindlings zu jedem Klingelruf gehechtet, der halbe Arbeitstag im Spülraum verbracht, Mülleimer und Wäschesäcke werden entsorgt und anschließend wird die Küche geputzt - und das alles, um einen "guten Eindruck" zu machen, um eine "gute Beurteilung" zu bekommen - in der Annahme, dass genau so ein Verhalten gefragt ist. Pflegerische Handlungen beziehen sich dann auf Dinge wie: Klingeln abklappern, aufs/vom Klo bringen bzw. abholen, Transfers, Essen verteilen und einsammeln, Fenster öffnen/schließen.
Ich persönlich habe hingegen die Erfahrung gemacht: wenn man gezielt Fragen stellt zu pflegerischen Handlungen, die ein bestimmtes Krankheitsbild erfordern, dann erwächst sich dadurch oftmals eine interessante Diskussion und der Lerneffekt ist durch die Weitergabe von Erfahrungswerten sehr wertvoll. Und meiner Meinung nach sollte so die praktische Ausbildung aussehen.
Ein gewisses Maß an "Funktionieren" muß aber auch sein - man soll und muß sich zu einem bestimmten Grad an bestehende Strukturen bzw. dem Team anpassen bzw. wenn einem das, was man dort vorfindet, absolut zuwider ist, eine persönliche Lösungsstrategie finden, damit umzugehen.
Wenn ich häufig wechselnde Einsätze habe und mich andauernd in bestehende Teams einfuchsen muß, dann bin ich froh, dass ich selber eine feste Konstante für mich darstelle, auf die ich mich verlassen kann.
 
S

Schokokeks

AW: Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

hallo lisy
Das ist das Problem, es fällt einem immer wieder was was ein, warum man schweigt. Aber genau das Schweigen ist das Problem, denn nur, wenn die Mehrzahl der Menschen schweigt, denn nur dann kommt es zu mobbing, Ungerechtigkeiten, bis hin zu...
das stimmt schon. soweit konnte ich aus meinem schülerstatus heraus nicht blicken. vielleicht liegt auch das problem darin, dass ich es nicht anders kenne, als schüler den fachkräften nicht zu wiedersprechen und einfach nur froh wäre, wenn diese stressige ausbildungszeit endlich vorbei wäre und somit auch eine widerstandslose ausbildung, mit der dazugehörigen ungerechtigkeit an mir selbst toleriere. ich sehe das ähnlich wie mel, dass man befürchten muß, ungerecht beurteilt zu werden. ich finde eure gedanken zu dem thema recht interessant und es bewegt mich auch, nur sehe ich ein problem darin, dass kritik von schülern im großen und ganzen nicht erwünscht wird und die ausbildungszeit zu einem spießrutenlauf wird. ich möchte gute noten haben, wenn ich aber schon während der schulzeit keinen freien kopf für den lernstoff hätte, weil mich ständig der mißstand in der arbeit beschäftigt, dann werde ich mit meiner ausbildung unzufrieden sein und meine motivation geht dahin.
einmal habe ich mir erlaubt, einen groben fehler eines mitarbeiters aufzudecken...bis sich meine beobachtung seitens der pdl bestätigt hatte, stand ich für diese zeit unter ständiger beobachtung, mußte dienstzimmer rauswischen und lauter solch ein mumpitz (und das von der pdl, obwohl sie doch froh hätte sein können) damals wars dann für mich klar, ich werde mich damit zurücknehmen, denn es war eine sehr schwierige zeit für mich, hatte schlafstörungen und werde mich niemehr in die höhle des löwen begeben!

hallo parasympatisch,

Wenn ich häufig wechselnde Einsätze habe und mich andauernd in bestehende Teams einfuchsen muß, dann bin ich froh, dass ich selber eine feste Konstante für mich darstelle, auf die ich mich verlassen kann.
mir ist aufgefallen, dass kp-schüler durch die wesentlich öfter wechselnden einsätze professionell mit ihrem standpunkt umgehen können. wir (ap-schüler) sind ja in der ausbildung in einem haus für drei jahre beschäftigt, kp-schüler tingeln ja von haus zu haus und glaube, dass das einfacher ist, für eine geraume zeit...sagen wir mal 6 wochen sozialstation...seine sichtweise darzustellen, oder andere zu korrigieren.
 
M

Mel H.

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AW: Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

Hallo erstmal an alle! :thumbsup2:
Zuerst erfreuliche Nachrichten. Ich war vorgestern im Heim und meine Bedenken bezüglich der Ausbildung haben sich in Luft aufgelöst. Die PDL fragte schon ganz gespannt wann es "endlich losgeht", wir haben gleich den Dienstplan besprochen, mir wurde die Möglichkeit eröffnet während der Schulzeit Nebenbei zu arbeiten und ein Termin zum unterschreiben des Ausbildungsvertrages ist mit dem HL vereinbart :grin:

Ich freue mich um so mehr weil: Der HL sagte mir im Gespräch: "Sie werden ja nicht gefördert und wir zahlen Ihr Gehalt, das wird eng für uns, früher wurden Heime die Ausbilden noch belohnt, heute nicht mehr. Aber wir wollen Sie haben." Ich bin so erleichtert und werde ne Flasche Sekt köpfen wenn alles unterschrieben ist :grin::grin::thumbsup2:
Das zeigt mir vorallem dass meine PDL sehr wohl in der Lage ist, mich zu beurteilen und die beiden Kollegen aus der Gegenschicht es nicht geschafft haben, mich in Mißkredit zu bringen. Auch die WBL fragte mich ganz gespannt: "Und, alles geschafft, die 1jährige bestanden??" Auf ein Ja fiel sie mir fast um den Hals. (Ich persönlich interpretiere ein schlechtes Gewissen hinein...junge WBL die sich um Stress zu vermeiden "breitschlagen" lässt, Kritik zu äußern hinter der sie nicht steht, die aber dann zu ihrem Schreck in die Endbewertung einfliesst). Von einem Kollegen weiß ich, dass meine negative Beurteilung auf äußerste ungläubigkeit bei der gesamten Gegenschicht stieß.

Ich sehe das ähnlich: die Berufserfahrenen sollten ein Arbeitsleben vorleben, das geprägt ist von Wertschätzung, Kommunikationskultur, Fachwissen usw.
Das Abspeisen von Auszubildenden durch fachfremde Tätigkeiten geschieht meiner Ansicht nach aber auch sehr schnell, weil viele Azubis nicht das einfordern, was ihnen eigentlich zusteht. Da wird blindlings zu jedem Klingelruf gehechtet, der halbe Arbeitstag im Spülraum verbracht, Mülleimer und Wäschesäcke werden entsorgt und anschließend wird die Küche geputzt - und das alles, um einen "guten Eindruck" zu machen, um eine "gute Beurteilung" zu bekommen - in der Annahme, dass genau so ein Verhalten gefragt ist. Pflegerische Handlungen beziehen sich dann auf Dinge wie: Klingeln abklappern, aufs/vom Klo bringen bzw. abholen, Transfers, Essen verteilen und einsammeln, Fenster öffnen/schließen.
Ich persönlich habe hingegen die Erfahrung gemacht: wenn man gezielt Fragen stellt zu pflegerischen Handlungen, die ein bestimmtes Krankheitsbild erfordern, dann erwächst sich dadurch oftmals eine interessante Diskussion und der Lerneffekt ist durch die Weitergabe von Erfahrungswerten sehr wertvoll. Und meiner Meinung nach sollte so die praktische Ausbildung aussehen.
Punkt getroffen, wahre Worte. Man rennt zur Klingel, unterbricht seine Pausen weil man sonst eh gesagt bekommt: "Willst du nicht mal zur Klingel gehen?" (Welche Praktikantin/Schülerin sagt da Nein...???), macht die Küchenarbeit während die Kollegen 30 Minuten vor Dienstschluss draussen sitzen, Kaffee schlürfen und eine Rauchen. Mir persönlich widerstrebt das SEHR, ich bin kein Affe und auch kein Butler - ich bin ein Mensch der es nicht gerne hat die Drecksarbeit zu machen während die Fachkräfte rauchend zuschauen. Dazu gesagt habe ich bis heute nichts. Warum? Unser Heim ist DAS Heim in unserer Stadt, fachlich gesehen kann man da nicht mehr erwarten. Die Pflege ist *TOP*, ständige Weiterbildungen an denen alle Teilnehmen müssen, Supervision und co stehen an der Tagesordnung. Wenn ich eine fachliche Frage habe kriege ich eine Antwort, selbst die PDL machte sich einen Kopf um meine Abschlussprüfung und überlegte wie und was. Was schief läuft ist einfach dass zwei Mitarbeiter nicht in der Lage sind, PROFESSIONELL zu arbeiten.
 
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Azubi Altenpflege
Fachgebiet
Pflegestift/ schwerstbehinderten Station
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THOMMY

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AW: Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

Liebe Mel,

herzlichen Glückwunsch zu Deiner bestandenen Prüfung. Ich freue mich, dass Du die erste Ausbildung geschafft hast und Dich nicht ins Boxhorn jagen lässt. Solche Mitabeiter und Auszubildenden brauchen wir, denn nur so können gute "Nachwuchskräfte" Schwung in den Pflegealltag bringen.

Ich baue gerade ein komplett neues Haus auf und arbeite mit Mitarbeitern, die in ihren beruflichen Laufbahnen gleiche Arbeitsweisen -wie Du sie geschildert hast- erlebten und teilweise daran "kaputt" gingen. Ein Arbeitgeber, der neuen Mitarbeitern eine fünfwöchige Einarbeitung anbietet und das Wissen der Mitarbeiter "einfordert" - ist einfach sehr selten in der Pflegelandschaft.

Gerade heute habe ich ein Schreiben von einem großen Pflegekonzern erhalten, in dem man mir für das interessante Gespräch in der Geschäftsleitung dankt - schon merkwürdig - denn ich war nie dort sondern hatte lediglich Unterlagen eingesandt.

Wir alle, egal ob Auszubildende, Pflegefachkräfte, Führungskräfte und alle an der Pflege Beteiligten, sitzen in einem Boot und sollten fair, wertschätzend und transparent aufeinander zu gehen und gemeinsam arbeiten. Nur so können wir den Pflegeberuf wieder attraktiv machen und gesellschaftsfähig.

Eine Information möchte ich auf diesem Wege gleich an die Kritiker meiner Ansicht weiterleiten: Ich habe in allen Positionen der Pflege gearbeitet und viele Seiten erlebt und durchgestanden. Wenn sich beide Seiten auf gleicher Augenhöhe befinden, profitieren sie auch voneinander. Das höchste Gut ist der Mitarbeiter, und dass habe ich mir als Arbeitgeber zur lebenslangen Aufgabe gemacht.

Dir, liebe Mel, (und allen anderen Auszubildenden) wünsche ich für Deine Ausbildung alles erdenklich Gute, eine grosse Portion Wissensdurst und denke dran:

Wenn es in Deiner Ausbildung mal nicht so läuft, kommt auch fast wie von allein, wieder der Sonnenschein.

Ein schönes Wochenende

Thommy
 
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Fachgebiet
Vollstationäre Pflege
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thorstein

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AW: Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

Hallo Thommy,

führt zwar etwas vom Thema weg, interessiert mich aber trotzdem:

Du hast ja bereits Personalschlüssel für deine Einrichtung vereinbart (oder vereinbaren müssen?). Welche Pflegequalität glaubst du mit diesen Schlüsseln erreichen zu können? Ist sicherlich keine einfache Frage, wäre aber für eine Antwort dankbar.

grüsse
 
Qualifikation
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THOMMY

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AW: Bewertung sehr fragwürdig - wehren?

Hallo Thorstein,

danke für Deine Nachfrage. Diese Rubrik ist eher für Mel gedacht und deshalb nur in Kurzform eine Antwort.

Unsere Pflegeschlüssel unterscheiden sich nicht von denen anderer Einrichtungen. Vielmehr ist es die Einstellung unserer Mitarbeiter und der Geschäftsleitung. Denn auch wenn die Kosten am Anfang scheinbar explodieren und viele den Kopf schütteln, dass wir nur mit Fachkräften in allen Bereichen beginnen, rechnet sich diese Vorgehensweise. Die Motiviation der Mitarbeiter "etwas völlig Neues beginnen zu können, es zu entwickeln und aufzubauen" ist ungebrochen. Jeden Tag auf´s Neue interessante Ideen und Erfahrungen, eine hohe Fachkompetenz des Teams, die nie unter den "alten Bedingungen" greifbar gewesen wäre - dass ist für den Mitarbeiter viel wertvoller als "Knete". Die Mitarbeiter geben diese Informationen und ihre in der Einarbeitung gemachten Erfahrungen eins zu eins an die Nachfolgenden weiter. So ist es immer eine Arbeitsanweisung, eine Philosophie, ein Pflegekonzept samt Inhalten, das erlebbar umgesetzt und weiter gegeben wird. Und da ist dann der Nutzen - denn alle haben den gleichen Sachstand und ihn verinnerlicht.

Erschreckend ist die sehr breite Spannbreite von mehr als 8 Euro zwischen dem Minimum- und Maximum-Stundenlohn in den umliegenden Einrichtungen und Kliniken. Alle Mitarbeiter haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht und freuen sich auf eine Mitarbeit in einem echten Team und dass sichert langfristig die gute Pflege und Zufriedenheit aller am Pflegeprozess Beteiligten.

Eine Bitte an Dich und alle anderen Leserinnen und Leser: Habt bitte Verständnis, dass ich zu Inhalten oder weiteren Strategien im Augenblick keine weiteren Auskünfte geben werde. Vielleicht demnächst auch mehr in der Fachpresse. Vielen Dank!

Freundliche Grüße

Thommy
 
Qualifikation
Einrichtungsleiter
Fachgebiet
Vollstationäre Pflege
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