Intensiv Beurteilung der Bewusstseinslage

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Rolf

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Hallo all
aus dem Rettungsdienst ist die Glascow-Coma-Scale bekannt,auch die KollegInnen aus der Neurologie und Neurochirurgie werden sie kennen und damit umgehen.
Beim Beurteilen des Bewusstseinsstatus meiner Patienten stelle ich mir oft die Frage nach der Standardisierung meiner Beobachtungen.Nun kam mir die Idee,die Beurteilung der Bewusstseinslage anhand der Glascow-Coma-Scale vorzunehmen.Damit wäre auch eine objektive,standardisierte Beurteilung der Sedierungstiefe bei Beatmungspatienten möglich.
Mein Vorschlag stiess auf wenig Gegenliebe,auch konnten manche KollegInnen mit der GCS nichts anfangen.
Was meint ihr dazu?Kann das ein gangbarer Weg sein?Wendet ihr die GCS bei euch an und wenn ja,bei welchen Patienten?
Greetz,Rolf
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
chirurg. Intensivstation
D

Dirk Jahnke

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Moin Rolf

Wollte eigendlich auf deinen Anfrage in Sachen Ramsay Skala antworten - aber dann halt hier !

Mit der GCS die Sedierungstiefe zu beurteilen halte ich auch für sehr fragwürdig.Ist ja schliesslich eine Koma Skala und die Massnahmen die Teils zum erheben der Punkte nötig sind - ob das für den Patienten so "angenehm" ist???(Zumindestens bei beatmeten Analgosedierten Patienten!)
Wir arbeiten seit einigen Jahren mit einer modifizierten Ramsay Skala (Ramsay 1-6).Ist zwar nur ein grober Anhalt für die Sedierungstiefe da sie ja doch sehr allgemein ist.Die Einstufung findet ohne besondere Massnahmen beim tgl. arbeiten statt.Unsere Ärzte erheben den Wert z.B. bei der Körperlichen Untersuchung.Wir meist in Ruhe und bei pflegerischen Tätigkeiten.

Tschau
Dirk
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A/I
Fachgebiet
Internistische Intensivpflege
S

Sabine Kuhn

Mitglied
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01.08.2000
Hiho...
ich halte es für keine gute idee die glaskow koma skala bei beatmeten Patienten generell anzuwenden!
Mich würde aber deine Intension interessieren! Was erhoffst du dir davon?
Gibt es nach deiner Meinung Gründe um die Beobachtung von Sedierungstiefe zu standatesieren?

Außerdem gibt es gerade von beatmeten Patienten einige sehr interessante Berichte wie sie die Zeit auf der ITS unter Sedierung erlebt haben!
Die Patienten erlebten diese zeit oft als ausgesprochen feindlich und sahen eine Strategie um zu überleben indem sie
sich zurückzogen. Da sehe ich eine große Gefahr falls ihr euch dafür entscheidet!

Bis dennedenn

Sabine
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
chirurgische ITS
R

Rolf

Mitglied
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Themenstarter/in
Hallo
ich erhoffe mir,ein Instrument an die Hand zu bekommen,mit dem es unabhängig vom Ausführenden möglich ist,den Bewusstseinsstand festzustellen.Das ist meines Erachtens nur anhand von Skalen möglich,und da fiel mir die GCS ein.
Greetz,Rolf
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
chirurg. Intensivstation
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
Hallo @all,
die Glasgow-Koma-Skala hat einen entscheidenden Nachteil. Sie prüft eigentlich nicht den Bewußtseinsgrad, sondern die Kommunikatiosfähigkeit eines Patienten.
Kategorie
Reaktion des Patienten Bewertung [Punkte]

Augenöffnen
Spontan 4
Auf Ansprechen 3
Auf Schmerzreiz 2
Kein Öffnen 1

Sprachliche Reaktion
Orientiert 5
Verwirrt, desorientiert 4
Unzusammenhängende Worte 3
Unverständliche Laute 2
Keine verbale Reaktion 1

Motorische Reaktion
Befolgen von Aufforderungen 6
Gezielte Schmerzabwehr 5
Ungezielte Schmerzabwehr (Massenbewegungen)
4
Beugesynergien (Beugehaltung) 3
Strecksynergien (Streckhaltung) 2
Keine motorische Reaktion 1

Stellen wir uns einen Patienten im Locked in vor. Der hätte nach dieser Skala keine Möglichkeiten seinen Bewutseinszustand zu verdeutlichen. Aber wir brauchen gar nicht soweit gehen. Bei uns gab es vor einigen Jahren ebenfalls Bestrebungen, den Bewußtseinszustand mittels dieser Skala zu überprüfen. Unsere Patienten waren primär nicht bewußtlos. Es sollte aber auf diesem Weg eine eventuelle Verschlechterung schneller erkannt und dokumentiert werden. Wir haben unsere Ärzte dann davon überzeugt, daß auch sie nachdem sie über 24 Stunden stündlich geweckt wurden, wahrscheinlich ebenfalls erhebliche Einbußen im Punktestand zu verzeichnen hätten. *g* Der Schlaf würde wahrscheinlich übermächtig werden.
Das Problem der Glasgowskala ist, das ich einen Patienten vor mir haben muß, der nicht nur in der Lage sondern auch willens ist zu antworten in einem vorgegebenen Muster.
Soweit ich weiß, gibt es wohl keine optimales Prüfschema für den Bewußtseinsgrad. Und wenn, dann würde ich wahrscheinlich am ehesten auf die SEKS (Skala expressive Kommunikation und Selbstaktualisierung) von Zieger zurückgreifen. Diese berücksichtigt unter anderem auch vegetative Körpersignale( AF, HF etc.)
Ein sicheres Ergebnis ob jemand wach, ergo bei Bewußtsein ist, kann man wohl nur über EEG-Ableitungen erzielen.
Elisabeth

PS: Warum möchtest du etwas über die Sedierungstiefe wissen? Hat das therapeutische Konsequenzen? Soll der Patient nichts mitbekommen von seiner Situation/ Umgebung?
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
S

Sabine Rüdebusch

Mitglied
Basis-Konto
Text
Hallo, Rolf,

ich halte die GCS für ausserordentlich fragwürdig und zudem in keiner Weise aussagekräftig ( Jeder intubierte Patient erhält bereits 0 Punkte für die nicht vorhandene verbale Reaktion, was sagt das aus??? ). Weitere Nachteile:
- erfasst nur grobe Einschränkungen
- lässt keine Differenzierung der Bewußtseinsstörung zu
- aus der Gesamtpunktzahl erfolgt keine Einschätzung der einzelnen Störungen
- Ansatzpunkte für die Frühförderung sind nicht erkennbar
- Bezug auf rein hirnorganische Checkpunkte
- keine Differenzierungen und Lokalisationen
Meines Erachtens ist hier die Koma- Remissions- Skala ( KRS ) gefragt. Sie differenziert Einschränkungen und Fähigkeiten des Patienten, und bezieht voher bestehende Beeinträchtigungen ( Taubheit, Blindheit etc. ) mit ein.
Literatur:
Mues, G." Beurteilungsmöglichkeiten von Bewußtsein anhand von Skalen " in intensiv 1/ 1995
Depenbusch, G." Einschätzen und Beurteilen von Bewußtseinsstörungen " in intensiv 1 / 1996

Herzliche Grüsse von
Sabine Rüdebusch ;)
 
Qualifikation
FKS I& A, Lehrerin für Pflegeberufe
Fachgebiet
FWB Intensiv- und Anästhesiepflege
K

Kai-Uwe Klöting

Mitglied
Basis-Konto
17.07.2000
44225
[email protected]

Mit einer neuen Kurvengestaltung haben wir bei uns auch die GCS mit aufgenommen ,ich habe in der täglichen Anwendung aber erleben müssen das sie uns nicht weiter bringt in der Betreung da sie nicht Differnziert genug ist.Weiter ist mir aufgefallen das meist noch im Pflegebericht beschrieben wird was der Pat. für Ressoursen hat und ich damit viel mehr anfangen kann.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A+I
Fachgebiet
Anästhesie
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05.07.2001
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